Saturday, April 18, 2026

Queerness in Videospielen! Sascha Heller ist jetzt bei Real Scientists DE!

 

Foto Sascha Heller
Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kurator Sascha Heller (@medienmonolog.bsky.social)! Sascha hat bis 2020 Medien- und Kommunikationswissenschaften an der MLU Halle-Wittenberg studiert und von 2021 bis heute klinische Psychologie in Bachelor und Master an der DIPLOMA. Seit Studienbeginn beschäftigt er sich mit Themen rund um Videospiele und Queerness. Erste Arbeiten führten ihn in den Vergleich der Videospielgeschichte und queeren Geschichte. Spätere empirische Arbeiten untersuchten das Ausleben von genderqueerer Geschlechtsidentität in und durch Videospiele. Aktuell schreibt Sascha seine Masterarbeit zum Thema "Videospielkonsum und Coping bei Minderheitenstress der LGBTQIA+ Community."

2025 erschien sein Sachbuch ‘Einmal queer gespielt’ bei Springer Nature. Seit Jahren ist er unter dem Namen ‘Medienmonolog’ mit dem gleichnamigen Podcast und auf sozialen Netzwerken zu medienwissenschaftlichen und psychologischen Themen in der Wissenschaftskommunikation aktiv. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen und Literatur finden sich auf seiner Webseite und seinem Blog.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich studierte ich Medienwissenschaft nur, um danach als Grafikdesigner zu arbeiten. Aber in der ersten Auseinandersetzung mit Mediengeschichte habe ich mich mit der Wissenschaft angefreundet und gemerkt: Da fühle ich mich wohl!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als queere Person und Gamer*in dachte ich mir: Super Thema, da steck' ich drin und weiß, wovon ich rede. Und mein Interesse daran gebe ich gerne weiter, um beide Themen in der Psychologie zu besprechen und auch für Interessierte aufzubereiten. Das Wissen teilen ist 50% der Freude an der Arbeit.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Neben dem online Content zur Wissenschaftskommunikation, den ich erstelle, gibt es alle paar Wochen auch Vorträge und Seminare an Universitäten, in Bildungseinrichtungen etc., in denen ich Studierenden oder Fachkräften einen Input zu den angefragten Themen gebe. Zielgruppe und Thema sind hier oft unterschiedlich! Mal gibt's für Studierende einen Vortrag plus Diskussion zum Thema queerer Repräsentation in Videospielen, mal für Fachkräfte ein Seminar zum Thema Videospiele in der Therapie. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Man geht von ~9% der Menschen weltweit aus, die sich als queer identifizieren. Grund genug, sich damit zu befassen - als Wissenschaft und auch als Gesellschaft. Meine Arbeit ist also nicht nur für queere Menschen selbst hilfreich. Und Videospiele als Thema sind sowieso super interessant. Wer möchte nichts über Videospiele erfahren?!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich unterstütze mit meinen Fähigkeiten als Grafikdesigner und als Social Media Manager gerne ehrenamtlich Angebote, Vereine und Co., die Unterstützung benötigen. Zurzeit betrifft das den lokalen CSD und auch das neue Aktionsbündnis Psychotherapie. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ist Gaming noch interessant genug? Ansonsten male und zeichne ich auch gerne und leider nicht so oft wie ich gerne würde, aber das dafür schon seit über 10 Jahren. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Spaziergänge, Videospiele, Hobbys wie Zeichnen oder Fotografieren nachgehen oder vielleicht ein Ausflug ins Fitnessstudio. 

Bitte begrüßt Sascha ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 12, 2026

Neuroimplantate, Hirnstimulation und biomedizinische Technik! Ulrich G. Hofmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Privates Portraitfoto Ulrich G. Hofman
Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator Ulrich G. Hofmann (@kraweel65@norden.social)! Ulrich (Uli) ist ein deutscher Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Neurotechnik und Biomedizinischen Technik. Er studierte Technische Physik an der Technischen Universität München von 1987 bis 1993 und promovierte dort anschließend in (Bio-)Physik (1993–1996). Seine akademische Laufbahn führte ihn als Postdoktorand an die Åbo Akademi in Finnland (Fysikalisk Kemi, 1996) und als Feodor-Lynen-Stipendiat an das California Institute of Technology (Caltech) in den USA (Neurobiologie, 1997–1998).

Von 1998 bis 2012 leitete er die Gruppe für Biosignalverarbeitung und Neuroengineering am Institut für Signalverarbeitung der Universität zu Lübeck. Von 2012 -2018 war er Inhaber der Peter-Osypka-Stiftungsprofessur für Neuroelektronische Systeme am Universitätsklinikum Freiburg. Seitdem ist er dort Sektionsleiter. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Brain-Machine Interfaces, Hirnstimulation und biomedizinische Technik, wobei er insbesondere an der Entwicklung und Anwendung von Neuroimplantaten und innovativen Stimulationstechnologien forscht. 

Zu diesen Stimulationstechniken gehört die IR-Stimulation von peripheren Nerven, die Nutzung von Nanopartikeln und hochsensitive Diamant-Magnetometer. 

Seit seine Gruppe Hirnimplantate mit transkriptomischen Methoden als veritable Hirntraumata identifiziert hat, ist sein wissenschaftliches Credo #DONOTIMPLANT. 

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Star Wars Episode II (damals): Luke brauchte eine neue Hand. Wie?  

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

„Transcendence“ mit Johnny Depp

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Wir versuchen Wege zu finden, um -unter Umgehung der üblichen peripheren Pfade - Informationen ins Gehirn zu schreiben und auch wieder heraus zu lesen - am besten zusammen. 

Dabei musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es sich nicht um ein Ingenieurs-Problem sondern ein extrem biologisches Problem handelt. 

„The Empire strikes back!“ ist ein Motto, das mich seit Anfang verfolgt und immer wieder einholt… Gemeint ist hier: Das Gehirn. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wenn man im Moment die einschlägigen Zeitungen öffnet, hört man allenthalben von unglaublich stark finanzierten „Startups“ wie Neuralink, Paradromics oder Blackrock, die auf dem Feld des Brain-Computer Interfacing eine Art Industrialisierung vorantreiben. 

Ich freue mich dann darüber, dass Sachen, die die Community vor 20 Jahren schon in einzelnen Studien gezeigt hat, nun ihren Weg zum Patienten finden werden. Leider wissen aber die Protagonisten, dass es mit medizinischen Hilfsmitteln alleine unmöglich ist, die investierten Gelder wieder zu verdienen. Und für mich ist die einzige und bedrohliche Erklärung dafür, dass eben keine wohlabgewogenen medizinischen sondern Allerwelts-Anwendungen das tatsächliche Ziel ist. Und dafür ist das Risiko am Gehirn herumzuspielen einfach zu groß. Das sollten aber alle dann auch wissen. 


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich habe gerade im Januar als Koordinator ein EU-weites Doktoranden-Netzwerk gestartet, das von der EU gefördert wird und in dem wir eben eine Hirnstimulation ohne Hirnkontakt erforschen wollen. 

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Wenn es sich im Urlaub ergibt, tauche ich gerne. Ansonsten bin ich ein Holzwurm und baue meine eigenen Möbel und Dekorationen. 

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Morgens mit der Familie frühstücken, nachmittags meine Drecheslbank quälen und abends gemütlich den (Gas-) Grill anschmeißen. 

Bitte begrüßt Ulrich ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 5, 2026

Entstigmatisierung und Tiefenpsychologie - Heiko Westerburg ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf Heiko Westerburg (@heikowes.bsky.social)! Heiko (er/kein Pronomen) ist M.Sc. Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und empirisch-quantitative Tiefenpsychologie an der Universität zu Köln und parallel in psychologisch-psychotherapeutischer Ausbildung (tiefenpsychologisch fundiert). Heikos Interessen liegen unter anderem in den Bereichen von Entstigmatisierung, Volunteering und Aktivismus, Diversität und Antidiskriminierung, sowie Psychotherapie- und Kompetenzforschung in helfenden Berufenim weiteren Sinne. Nähere Informationen finden sich hier: https://www.hf.uni-koeln.de/41478
 
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich erkläre mir das aktuell durch eine Mischung aus Zufall, Neugier und guten Gesprächen. Hilfskrafttätigkeiten und Praktika in universitären und universitätsangebundenen Einrichtungen haben mein Interesse an der Schnittstelle von (klinisch-)psychologischer Forschung und Praxis geweckt. Als mir mein aktueller Doktorvater am Ende des Masterstudiums eine Stelle anbot, war ich zunächst überrascht, nach kurzem Überlegen allerdings umso begeisterter über die Chance, mein Wirken in Forschung und Lehre auch einer gewissen gesellschaftlichen Verantwortung des Fachs Psychologie und Wissenschaft bzw. Universität als demokratiestärkenden Institutionen zu widmen. Um gleichzeitig ganz ehrlich zu bleiben, hat mich die Realisation dieses Weges nichtdestotrotz insgesamt überrascht: Ausgehend vom jahrelangen Engagement als Workshopleitung in einem Entstigmatisierungs-Projekt und als Guide in einer kunstpsychologischen Initiative, kam die Orientierung in wissenschaftlicher Richtung in Teilen durchausunerwartet, aber dazu womöglich in der Woche auf Bluesky mehr.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich arbeite an der Schnittstelle von angewandter Präventions-und Antidiskriminierungsforschung sowie klinischer Psychologie. Sich im Kontext des eigenen Forschens und Handelns mit Entstigmatisierung und Vielfalt zu beschäftigen, resultiert auch aus jahrelanger eigener (ehrenamtlicher) Tätigkeitin diesen Bereichen. In meiner Sicht gibt es – ohne strukturelleHerausforderungen (z.B. WissZeitVG) hier außen vor zu lassen– aktuell kaum etwas Bereichernderes, als sich gedanklich und methodisch in wissenschaftlicher Tiefe Themen widmen zu dürfen, die im besten Fall auch gesellschaftlich breitenrelevantund in jedem Fall persönliche Herzensanliegen sind.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In wissenschaftlicher Mitarbeit liegen meine Aufgaben hauptsächlich in Forschung, Administration und Lehre. Im Rahmen meiner Promotion untersuche ich die Wirksamkeit und potenziell relevante Kontext- und Prozessfaktoren von Entstigmatisierungs-Trainings für Schüler*innen und Erwachsene in unterschiedlichen europäischen Ländern, die von ehrenamtlich engagierten, geschulten Psychologiestudierenden durchgeführt werden. Außerdem plane ich im Zuge der Promotion ein systematisches Review mit meta-analytischen Komponenten, um die aktuelle Evidenzlage der Entstigmatisierungsforschung in Europa zusammenzutragen und um interkulturelle Aspekte zu erweitern. Daneben begleite ich Bachelor- und Master-Arbeiten und biete im M.Sc. Psychologie Kolloquien zu Wissenschaftskommunikation in meinen Schwerpunktthemen an.
Ganz aktuell bin ich zusätzlich in den ersten Zügen, gemeinsam mit dem Organisationsteam die Planung für das Erstsemester-Einführungsprogramm für Psychologiestudierende an der Universität zu Köln zum Start des kommenden Wintersemesters 26/27 auf den Weg zu bringen – ein seit zehn Jahren hier in Köln bestehendes Programm, um eine aus Sicht der Studienanfänger*innen möglichst hilfreiche, wissenschaftspropädeutische Einführung ins Psychologiestudium anzubieten.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
« Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke »: WHO-Schätzungen zufolge erreicht jährlich im Mittel nur rund die Hälfte der Personen, die die formalen Kriterien zur Diagnoseeiner psychischen Störung erfüllen, diejenige adäquate psychische Gesundheitsversorgung, die zur Linderung individuellen Leidens beitragen könnte. Wenn es um schwere psychische Störungen (z.B. Schizophrenie) geht oder Systeme, in denen Ressourcen knapp sind, sinken Schätzungen sogar auf teilweise bis zu 30 % oder unter 10 %. Dieses Phänomen wird konzeptuell auch als „Behandlungslücke“ bezeichnet. Verglichen damit: Auf ein Jahr gerechnet weisen rund ein Drittel der Menschen (in Deutschland) eine oder mehrere klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheitauf. Das Stigma rund um das, was „die“ klinische Psychologie (was auch immer das heißen mag) gemeinhin als „psychische Störungen“ bezeichnet, ist dabei ein wesentlicher personenbezogener und struktureller Hinderungsfaktor, diejenige Hilfe aufzusuchen, die es bei eigenem oder im Umfeld beobachtetem, seelischem Leiden brauchen könnte. Qualitativ hochwertige Programme, die wissenschaftlich fundierteAufklärung mit Entstigmatisierung psychischer Störungen vereinen, können dazu beitragen, gesellschaftlich mehr Bewusstsein zu stiften. So ließen sich aus meiner Sicht auf mehreren Ebenen Hemmschwellen reduzieren, sich mit sich selbst zu beschäftigen, offen darüber zu sprechen, wenn es auch mal nicht so gut geht, sowie Strukturen zu schaffen, die unterstützen: Individuell wie auch politisch und strukturell.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Aktuell leite ich ehrenamtlich ein Forschungsprojekt mit einem Team internationaler Studierender zu einer in Europa ländervergleichenden Untersuchung personenbezogenerFaktoren, Beziehungszufriedenheit und Kommunikations- sowie Konfliktlösungsstrategien im Vergleich zwischen Personen, die intime Beziehungen eher monogam versus eher nicht-monogam gestalten. 
Zudem bin ich als Medizinredakteur für die Apothekenumschau, als Co-Dozent in der Ausbildung von Mediator*innen an einem universitären An-Institut, in freier Mitarbeit für Diversity-Trainings am Institut für Diversity- undAntidiskriminierungsforschung, sowie auch in sehr geringem Umfang selbstständig in Mediation und systemischem Coaching tätig.
Last but not least übernehme ich Referenten- und Personalangelegenheiten für eine kunstpsychologische Initiativein Köln, die sowohl für den dortigen Museumsdienst als auch im weiteren Sinne das lokale Gesundheitswesen, etwa in Schulprojekten zur Stärkung von Persönlichkeitsfunktionen belasteter Schüler*innen, tätig ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Auch wenn die Zeit für Hobbies neben beruflichen Rollenaktuell überschaubar und das, was „interessant“ klingt, sehr individuell sein möge, freue ich mich stets, zu bouldern. Ein in meiner Sicht übrigens durchaus psychologischer Sport: Frei zu klettern lädt ein zum Ausprobieren des eigenen Umgangs mit Grenzen, Festhalten und Loslassen, Kippmomenten und Überwindung. Oder zu schwimmen – eine Leidenschaft, die ich früher auf Leistungsniveau verfolgt und zu der ich heute ein gelasseneres Verhältnis habe: Das Rauschen des Wassers beim Bahnenziehen hat in meinem Erleben etwas Meditatives. Gut für Rücken und Wohlbefinden ist beides; zur Schonung von Gelenken eignet sich vermutlich eher das Wasser.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Mir fällt da ein psychoanalytisches Konzept ein, das des sogenannten „Ideal-Selbst“, hinter dem die Realität manchmal zurückbleibt. Daher freue ich mich im Prinzip darüber, am Tagesende oder an freien Tagen selbstbestimmt Zeit dafür zu haben, zum Beispiel zu lesen, zu spazieren, ins Museum zu gehen, oder Filme bzw. Serien zu schauen.

Bitte begrüßt Heiko ganz herzlich auf dem Kanal!