Sunday, November 19, 2017

Philosophie im Sternenkindergarten - Sibylle Anderl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unsere neue Kuratorin Sibylle Anderl (@sianderl) vor! Sibylle ist studierte Physikerin und Philosophin und hat an der Universität Bonn im Fach Astronomie/Astrophysik über Stoßwellen im interstellaren Medium promoviert. Im Anschluss zog es sie nach Südfrankreich, wo sie von 2013 bis 2017 Fragen im Kontext der Sternentstehung und der Astrochemie am Institut de Planétologie et d'Astrophysique de Grenoble beforschte. Gleichzeitig widmete sie sich der Philosophie der Astrophysik - und hat ein Buch darüber geschrieben: “Das Universum und ich - die Philosophie der Astrophysik” ist dieses Jahr im Carl Hanser Verlag München erschienen.
Anfang des Jahres machte Sibylle ihr bisheriges Hobby - Wissenschaftsjournalismus - zum Hauptberuf und arbeitet seitdem als Redakteurin im Feuilleton, Ressort „Natur und Wissenschaft“ bei der F.A.Z., bleibt der Astrophysik aber als Gastwissenschaftlerin in Grenoble erhalten.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Physik und Philosophie (Diplom und Magister) studiert und dann einfach immer weiter gemacht: Doktorarbeit in Bonn, Postdoc in Grenoble.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich forsche zur Sternentstehung in der Milchstraße mit einem Schwerpunkt in der Astrochemie. Dieses Thema bietet für mich die ideale Kombination aus theoretischer Modellierung und der Arbeit mit Beobachtungsdaten. Gleichzeitig spielt sehr viel detaillierte Physik und Chemie eine Rolle, da wir die Sternentstehungsregionen in der Milchstraße mit hoher räumlicher Auflösung beobachten können. Seit meiner Doktorarbeit arbeite ich außerdem im Feld der Philosophie der modernen Astrophysik - ein relativ neues Feld der Wissenschaftstheorie, das seit einigen Jahren international immer mehr Interesse weckt. Seit Januar hält mich “nur noch" die Neugier und der Spaß am Forschen in meinen aktuellen Feldern - ein großartiger Luxus!  


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Seit Januar bin ich feste Redakteurin im Wissenschaftsressort der F.A.Z. und schreibe vor allem über Themen aus der Physik und Astrophysik. Nebenbei habe ich in diesem Jahr zu Fragen der Wissenschaftsphilosophie gearbeitet (Themen: Modelle in der Astrophysik, astrophysikalische Evidenz, Datenbearbeitung). In der Astrophysik schreibe ich grade an einem Artikel, in dem wir anhand chemischer Anhaltspunkte den vergangenen Strahlungsausbruch eines jungen Protosterns nachweisen wollen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Astronomie hat die Menschen schon immer fasziniert und ist daher nicht zufällig die älteste Naturwissenschaft. Das Gebiet der Sternentstehung beschäftigt sich dabei insbesondere mit der Frage, wie unser eigenes Sonnensystem entstanden sein könnte - eine Frage, die natürlich jeden interessieren sollte ;). Die Wissenschaftsphilosophie bietet gleichzeitig in Zeiten um-sich-greifender Spezialisierung einen wichtigen übergreifenden Rahmen für eine Reflexion und Einordnung wissenschaftlicher Praktiken und Ergebnisse.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit Januar habe ich Hobby und Hauptjob ausgetauscht: Vorher habe ich hauptberuflich geforscht und nebenbei geschrieben, jetzt ist es andersrum.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit dem Studium habe ich Schul- und Kinderbücher illustriert und mich in Berlin in der Streetartszene herumgetrieben. In diesem Sommer ist mein erstes Sachbuch im Hanser Verlag herausgekommen (“Das Universum und ich - die Philosophie der Astrophysik).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Lesen, ein bisschen Sport, Freunde treffen und leckeres Essen.


Bitte begrüßt Sibylle ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 12, 2017

Sie tun es bei Nacht - Carolin Liefke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Carolin Liefke (@astrophysikerin) vorzustellen! Carolin hat an der Universität Hamburg Physik studiert und sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Hamburger Sternwarte mit stellarer Aktivität und Röntgenastronomie beschäftigt. Schon seit der Schulzeit ist sie aber auch in der astronomischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Im März 2010 hat sie diese Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet nun am Haus der Astronomie in Heidelberg. Dort ist sie zuständig für die Ausbildung von Lehramtsstudenten in Astronomie an der Universität Heidelberg, astronomiebezogene Projekte für Schüler und die Teleskope der Einrichtung. Ihren Blog Astronomers do it at Night bei den Scilogs hat sie in letzter
Zeit leider viel zu sehr vernachlässigt.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hab mich in der Schule eigentlich für fast alle Fächer (außer Sport...) interessiert und hatte auch in vielen Fächern gute Noten. Als ich 13 war, das war 1994, gab es in der Lokalzeitung einen großen Artikel über den Einschlag der Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf dem Planeten Jupiter. Zu meiner Verwunderung tauchte in dem Artikel auch mein Mathelehrer auf, der darin als Leiter der Sternwarte in der Nachbarstadt Lübeck genannt wurde. So landete ich als Siebtklässlerin in der Astronomie-AG meiner Schule, die eigentlich eher für die Oberstufe gedacht war, und die Naturwissenschaften wurden zu meinem Lieblingsfächern. Mit 15 habe ich meinen Vater zum Tag der offenen Tür beim DESY in Hamburg geschleift. Das war ganz offensichtlich nicht seine Welt, aber danach war für mich endgültig klar: Ich studiere Physik. Daß ich mich dabei wieder auf die Astronomie spezialisiert habe, ist ein wenig auch dem Zufall geschuldet, denn über die Sternwarte Lübeck, bei der ich dann ehrenamtlich tätig war, kam ich in direkten Kontakt mit meinem späteren Diplomarbeitsbetreuer und Doktorvater, der mir damals - noch im ersten Semester an der Uni - einen Job als studentische Hilfskraft angeboten hat.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

In Lübeck an der Sternwarte und im angeschlossenen Astronomieverein haben wir von je her großen Wert auf Wissensvermittlung gelegt, sei es an die allgemeine Öffentlichkeit oder speziell auch an Kinder und Jugendliche. Während meiner Diplom- und Doktorarbeitszeit an der Hamburger Sternwarte habe ich dann bei einem Projekt mitgemacht, bei dem Schulklassen das Institut besuchen und dort einen halben Tag lang altersgerecht ein astronomisches Thema bearbeiten können. Zum Ende meiner Doktorarbeit wurde mir dann klar: Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit macht mir mindestens genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr Spaß als die Astronomie als Wissenschaft selber. Jetzt habe ich beides zusammen, besser könnte es also gar nicht sein.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe eine ganze Reihe verschiedener Aufgabengebiete und Projekte, an denen ich arbeite. Deshalb kann es auch mal vorkommen, daß ich mich innerhalb weniger Stunden mit vollkommen anderen Dingen beschäftige. Zuerst halte ich eine Vorlesung für Lehramstsstudenten an der Uni, die dann auch entsprechend vorbereitet werden möchte. Dann treffe ich mich mit einer Schülergruppe, die ich bei ihrem Jugend-Forscht-Projekt betreue. Dann wartet da noch eine Pressemitteilung, die vom Englischen ins Deutsche übersetzt werden will. Und am nächsten Tag muß ich zu unserem fernsteuerbaren Teleskop nach Südfrankreich fahren und es reparieren. Ist gar nicht so einfach manchmal, da die Übersicht zu behalten :-)

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit interessieren?
Wie mein Chef @mpoessel vor einem Monat schon gesagt hat: Urknall, Schwarze Löcher, extrasolare Planeten - das fasziniert von sich aus schon sehr viele. Damit ist es ja aber nicht getan, denn wer mehr wissen will, steht schnell vor komplizierter Fachsprache und Formeln, was so manchen abschreckt, und das muß ja nicht sein. Leute wie ich sind dazu da, Wissenschaft verständlich zu machen, passend für jedes Alter und gesellschaftlichen Hintergrund. Und mir dabei mal über die Schulter zu schauen, bietet vielleicht auch das eine oder andere Aha-Erlebnis.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Letztlich ist es ja so, daß ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Das hat dazu geführt, daß ich viele ähnliche Dinge auch in meiner Freizeit mache, und manchmal gehen Arbeit und Ehrenamt auch ineinander über, weil die Themen einfach zusammenpassen. Ich engagiere mich zum Beispiel beim Heidelberger Life-Science Lab, einem Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums für naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnnen und Schüler, oder in Astronomievereinen wie der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim oder der bundesweit aktiven Vereinigung der Sternfreunde.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich stamme ja zwar eigentlich aus Norddeutschland, bin aber unheimlich gerne in den Bergen - Wandern, Klettern, Gletschertouren, sehr gerne auch in Verbindung mit Geocaching.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich habe drei Katzen, ohne die ich mir mein Leben nicht vorstellen könnte. Das heißt umgekehrt aber auch: Mein Tag beginnt immer morgens um 6, weil die drei Damen Hunger haben und mich mehr oder weniger sanft wecken. Im Laufe des Tages ginge es dann auf jeden Fall raus an die frische Luft, gerne auch mit Freunden gemeinsam was unternehmen. Oder aber mit einem guten Buch die Füße auf dem Terrassensofa hochlegen. Und abends einfach mal wieder den Blick an den Sternhimmel genießen.


Bitte begrüßt Carolin ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 5, 2017

Biodivers und evolutionär - Eike Wulfmeyer ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Eike Stefan Wulfmeyer vorzustellen! Eike ist Diplombiologe und arbeitet als Freelancer.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Langjähriges Interesse

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Faszination für Biodiversität und ihre Entstehungsgeschichte

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Großen und Ganzen Aufträge, die mit Biodiversität zu tun haben - meistens editorial, also Content produzieren oder redigieren, aber auch angewandte Biodiversität (Identifikation) und Ökologie (Habitatevaluation)

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil Biodiversität die letztendliche biologische Grundlage unserer Existenz als Art ist. Jedes Lebewesen ist Teil einer Biozönose, und obwohl unsere Fähigkeit, unsere Biozönose zu verändern, groß ist, ist unsere Fähigkeit, dabei keine existenziellen Fehler zu machen, wesentlich geringer. Um solche Fehler zu vermeiden, ist es essentiell, dass irgendjemand sich mit Biodiversität auskennt, mit ihrer Geschichte, und mit den Regelmäßigkeiten denen Lebewesen und ihre Interaktion unterliegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Momentan eher weniger, weil sich Haupt- und Nebenjob sowie Ehrenamt nicht klar trennen lassen (ich werde hauptsächlich aus diesem Schnittfeld tweeten). Privat habe ich noch ein paläontologisches/methodologisches Projekt, aber das ist mehr langfristig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich interessiere mich generell für Evolution, und beschäftige mich hobbymäßig mit sozialen, historischen und religiösen Evolutionsprozessen, also zB der Frühgeschichte des Christentums. Dort sind dank der Verwendung evolutionsbiologischer Ansätze (Stemmatik) erhebliche Fortschritte erzielt worden.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mit Freunden chillen und ungewöhnliche Musik hören oder ungewöhnliche Filme schauen


Bitte begrüßt Eike ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, October 30, 2017

Drachentöten und viktorianische Satire - Sandra Schwab ist jetzt bei Real Scientists DE!

Nach Wochen voller Mikroorganismen machen wir einen Ausflug in eine ganz andere Richtung: Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Sandra Schwab (@ScribblingSandy) vorstellen! Sandra ist promovierte Anglistin und arbeitet zur Zeit als freiberufliche Übersetzerin und Coverdesignerin. Am liebsten "verwurschtelt" sie ihre wissenschaftliche Forschung zu Literatur, Geschichte und Kulturgeschichte in kreativen Werken.
Sie schreibt unter anderem Unterhaltungsliteratur für den nordamerikanischen Markt - ihr Debüt "The Lily Brand" wurde 2005 für einen Romantic Times Reviewers' Choice Award nominiert - und hat sich zu einer Expertin für die viktorianische Zeitschrift "Punch" entwickelt.  Wenn sie gerade nicht zu Punch-Archivbesichtigungen eingeladen oder von der BBC zu den Brüdern Grimm interviewt wird, beschäftigt sich Sandra mit dem Ausbau ihrer Bibliothek (inklusive rund 140 Kilo "Punch"!) und verbringt Zeit bei Miss Hetty, ihrem Wohnwagen.


Hier ist Sandra in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich wollte schon immer irgendetwas mit Literatur machen und hatte ursprünglich vor, zu versuchen, einen Job in einem Verlag zu bekommen. Aus diesem Grund fing ich nach dem Abi ein Magisterstudium in Mainz an, und zwar in Germanistik, Anglistik und Buchwissenschaft. Mir wurde dann aber schnell klar, dass mir die Anglistik besser lag, was auch damit zu tun hatte, dass die Mainzer Germanistik zu diesem Zeitpunkt recht konservativ war, und irgendwann hatte ich halt die Nase voll von Lessing, Goethe und Schillers Fantasien von sterbenden Frauen (Mensch, Emilia Galotti, hättste den blöden Prinzen nicht einfach abmurksen können?!?!). Ich wechselte also noch einmal die Fächer und blieb schließlich bei Anglistik, Germanistik und Kulturanthropologie hängen.

Kultur-was? mag sich manch einer jetzt fragen. Kulturanthropologie ist das Fach, das früher mal "Volkskunde" hieß, doch diese Bezeichnung war nicht nur etwas angestaubt, sondern auch recht belastet, weshalb sich die Institute in Deutschland in den 1980er und 90er Jahren umbenannten. Das Fach ist extrem spannend und behandelt Aspekte des Alltagslebens. Traditionelle Themenbereiche sind Brauchtumsforschung und Märchenforschung, die es mir besonders angetan hatte. (Mit anderen Worten: Die Brüder Grimm sind dran schuld...)

Nach meinem Auslandsjahr in Galway, Irland (mit Dauerregen) bekam ich eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich der British Studies in Mainz und hatte das Glück, dass eine Mitarbeiterstelle frei war, als ich mit dem Studium fertig war. Und so kam es, dass ich die nächsten zwölf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni verbracht habe. Leider lernte ich dabei auch die Schattenseiten des deutschen Unisystems kennen (Stichwort #metoo) und fand zudem die Arbeitsbedingungen und Arbeitsatmosphäre zunehmend problematisch. Erschwerend kam hinzu, dass meine Forschung zwar im Ausland sehr gut ankam, dass sie jedoch in Deutschland als zu bodenständig angesehen wurde.

Aus diesen Gründen entschloss ich mich dazu, nach Ablauf meines letzten Vertrags nicht weiter eine Unikarriere zu verfolgen. Stattdessen machte ich mich im Frühjahr 2016 als Übersetzerin und Coverdesignerin selbständig. Forschen tue ich allerdings immer noch - aber jetzt ausschließlich für meine kreativen Werke.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich habe über das Drachentöten promoviert (echt jetzt) und bin bei den Recherchen zu diesem Thema über den viktorianischen Illustrator Richard Doyle gestolpert, der in den 1840er Jahren für die satirische Zeitschrift "Punch" arbeitete. Von seinen Kollegen wurde er "Professor of Mediæval Design" genannt, da viele seiner Zeichnungen die Mittelalterromantik des 19. Jahrhunderts aufs Korn nahmen. Genau darüber hielt ich 2010 einen Vortrag an der Yale University bei der Konferenz der Research Society for Victorian Periodicals.

Und diese Konferenz haute mich schlichtweg um. Nicht nur, dass die Vorträge alle sehr, sehr gut waren oder dass es sich bei den anwesenden Wissenschaftlern um eine extrem nette Truppe handelte, nein, es war auch das Forschungsfeld selbst, das mich in seinen Bann schlug: ein weites Forschungsfeld, interdisziplinär, eng verbunden mit Kultur- und Alltagsgeschichte, in Teilen leicht skurril - einfach perfekt! Nach meiner Rückkehr nach Deutschland fing ich sofort an, AbeBooks zu durchwühlen und wurde auch schnell fündig: Schon wenige Wochen später zogen 70 Kilo Mr. Punch bei mir ein, nämlich die Bände der Zeitschrift von 1841-91. Und naja, wenn man so viel Mr. Punch in seinem Wohnzimmer sitzen hat, muss man ja einfach über "Punch" forschen. :-)

Wenige Jahre später kam mir dann die Idee, dass ich meine wissenschaftliche Forschung mit meiner kreativen Arbeit als Schriftstellerin verbinden könnte, und so entstand meine Serie über die fiktive viktorianische Zeitschrift "Allan's Miscellany".

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich übersetze Bücher ins Deutsche (oder lektoriere bestehende Übersetzungen), erstelle Buchcover und Figurenporträts und schreibe nebenbei noch eigene Romane und Kurzromane, die im 19. Jahrhundert oder in der Römerzeit spielen. (Twitter hat mich zu den Römern überredet. Das kommt davon, wenn man auf Twitter kundtut, dass man in der Nähe der Saalburg wohnt...)

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Spätestens seit "Game of Thrones" sind Drachen wieder in aller Munde. Und was die Zeitungen und Zeitschriften des 19. Jahrhunderts angeht - wer sich für Geschichte und Literatur der Zeit interessiert, kommt eigentlich an den Periodika nicht vorbei. Man hat in den letzten Jahren dank der Forschung auf diesem Gebiet viele spannende neue Erkenntnisse zum Buchmarkt, Literaturproduktion und Alltagsleben gewonnen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich schreibe seit 2000 Unterhaltungsliteratur für den nordamerikanischen Markt und bin seit 2005 veröffentlichte Autorin.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
2011 habe ich urban sketching für mich entdeckt und renne seitdem gerne auch einmal mit Skizzenbuch durch die Gegend. Das hat den Vorteil, dass man lernt, ganz genau hinzuschauen und auf Details zu achten. Da ein zeichnender Mensch in freier Wildbahn einen ziemlich ungewöhnlichen Anblick darstellt, kommt man immer schnell mit fremden Menschen ins Gespräch und es ergeben sich häufig ganz wunderbare Begegnungen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meinen idealen freien Tag verbringe ich bei meinem Wohnwagen auf dem Campingplatz. Bei Sonnenschein lässt es sich faul ausgestreckt auf einer Liege unter einem Baum hervorragend lesen, und bei Regenwetter ist es im Wohnwagen gleich doppelt gemütlich. Ich habe dort weder Handyempfang (es sei denn, ich stehe am Stein neben dem kleinen Baum vor dem Vorzelt und halte das Handy in Richtung Süden - dann funktioniert es manchmal mit dem Empfang) noch eine Internetverbindung - was einfach himmlisch ist!


Bitte begrüßt Sandra ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 22, 2017

Virales Tweeten - Björn Meyer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch Björn Meyer (@meyerbjoern) als neuen Kurator vorstellen zu dürfen!
Björn ist gebürtiger Rheinländer, hat aber früh Reißaus genommen: Zum Studium der Mikrobiologie ging es zuerst nach Liverpool, dann zog es ihn für seine Promotion in Virologie in den Norden an die University of St. Andrews in Schottland. Nach einem kurzen Abstecher ans Institut der Virologie der Universität Marburg ging es über den großen Teich, wo er an der University of Minnesota seine Forschung an Arenaviren fortsetzte. Seit März diesen Jahres hat Björn wieder europäischen Boden unter den Füßen und beschäftigt sich am ehrwürdigen Institut Pasteur in Paris mit viralen Populationen und Pathogenese.

Hier ist Björn in seinen eigenen Worten:

Ich bin aufgewachsen in Grevenbroich, im Rheinland. Zum Studium hat es mich nach zunaechst nach England vertrieben, wo ich meinen Bachelor in Microbiologie in Liverpool als Jahrgangsbester absolviert habe. Daraufhin habe ich ein Stipendium vom Medical Research Council (MRC) bekommen, um meinen PhD in Virologie and der University of St Andrews in Schottland zu unternehmen und ich habe ein Projekt zur Erforschung von Arenaviren angestrebt. Waehrend dieser Zeit habe ich den Centenary Travel Award vom MRC erhalten und konnte meine bisher einzige Zeit in einem deutschen Labor im Institut der Virologie an der Universitaet in Marburg verbringen. Nach meinem PhD im Zuhause des Golfs, verschlug es mich dann ueber den Teich und ich habe meine Arbeit an Arenaviren an der University of Minnesota weitergefuehrt. Nach etwa zwei Jahren in den USA konnte ich eine weitere Postdoc Stelle zurueck in Europa annehmen und bin seit Maerz am Imstitut Pasteur in der viralen Populationen und Pathogenese Gruppe von Marco Vignuzzi in Paris taetig.

Ich habe mich schon immer für Biologie interessiert, genauer wie kleine (für uns normaler Weise unsichtbare) Mikroorganismen uns krank machen können. Ich wollte eine gute und interessante Herausforderung, die kein 9-5-Job war, und wollte daran beteiligt sein, neue Dinge herauszufinden.

Ich arbeite in der Virologie, oder für viele Freunde und Bekannte “ich arbeite mit Viren”. Ich behaupte, dass ich vor kurzen mein Feld gewechselt habe, aber Ihr könnt selbst urteilen: Bis zum Anfang des Jahres habe ich an Viren gearbeitet, die wir als Modelle für hämorrhagische Fieberviren benutzen (es ist einfacher mit diesen Viren zu arbeiten als mit den eigentlich hochpathogenen Viren – mehr dazu diese Woche). Dabei war mein Schwerpunkt in der molekularen Virologie, oder wie bestimmte virale und zelluläre Moleküle miteinander interagieren und die Viren somit dem Immunsystem entkommen oder andere “Sicherheitssysteme” umgehen.
Seit diesem Jahr habe ich einen Teil meines Schwerpunktes gewechselt. Der Schwerpunkt hier liegt in viraler Evolution, mit meinen (mir) neuen Enteroviren. Jetzt schauen wir, wie sich solche Viren über die Zeit verändern und sich an bestimmte Bedingungen anpassen und welche Auswirkungen diese Veränderungen haben, z.B. bessere Anpassung an menschliche Zellen, Übertragbarkeit, Pathogenese etc. Gleichzeitig schauen wir, ob wir bestimmte “Fehler” in den Viren als Ansatzpunkt für neue Therapien nutzen können (mehr dazu während der Woche).
Ich denke es ist ein neues Feld – was meint ihr?
Ich habe mich nie wirklich gefragt, warum ausgerechnet dieses Feld. Zum Teil kam es einfach von “weil ich die Möglichkeit hatte” und zum anderen, weil “oh, das ist so interessant, das will ich auch versuchen”. Also persönlich eher ein No-Brainer und ich glaube, ihr alle seht es ganz genau so und seid jetzt auch interessiert.

Wie schon kurz in meiner letzten Antwort beschrieben, ich arbeite an der Evolution von Viren, mit dem Schwerpunkt an Enteroviren (spezifisch Enterovirus 71 – oder für die mit Kindern, Nichten, Neffen im Kindergartenalter – “Hand-, Fuss- und Mund-Virus”). Dieses Virus ist normalerweise nicht wirklich zu schlimm bei den meisten Kindern. Es verursacht oft nur einen juckenden Ausschlag mit kleinen Bläschen and den, wie der Name vermuten lässt, Händen, Füssen und im Mund. In Südostasien verursacht dieses Virus allerdings viel mehr Komplikationen und kann das Zentralnervensystem angreifen, Gehirnschwellungen verursachen und sogar tödlich sein. Jedoch wissen wir momentan nicht, warum es dort so problematisch ist und hier nicht – etwas, dass ich versuche, mir in den nächsten Jahren mal genauer anzusehen.
Unser momentanes Hauptprojekt (irgendwo muss das Geld für die interessanten Projekte herkommen) ist unterstützt von der DARPA (der Forschungsarm des US-Militärs – ja, kaum zu glauben, die investieren nicht nur in Krieg, sondern auch in zukünftige Technologien und biomedizinische Forschung). Wir leiten ein multidisziplinäres Projekt mit momentan 9 Gruppen, an 4 Instituten in 3 Ländern, das Molekularbiologen, Virologen und Mathematiker zusammenbringt. Die Aufgabe ist, nach sogenannten “defective interfering particles” (auf deutsch: defekten störenden Partikeln) zu suchen, die bei der Vermehrung von Viren in den Zellen entstehen, aber den Effekt haben, das eigentliche Virus zu behindern (mehr dazu diese Woche). Wir sollen dann diese Partikel für ihre Tauglichkeit als Therapieoption untersuchen. Der erhoffte Vorteil einer solchen Therapie ist, dass diese Partikel sich mit den eigentlichen Viren mitentwicklen und somit keine Resistenzen entstehen, wie man dies bei antiviralen Molekülen hat. ….Daumen drücken und mal schauen was wir da machen können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Frage sollte eher lauten “warum nicht”! Ich glaube ich bin ein wenig voreingenommen mit meiner Meinung, aber denke dennoch, dass Viren cool sind. Stellt euch immer die Frage “wie können kleine und so einfache Organismen uns eigentlich krank machen und was machen wir, um uns dagegen zu wehren?”. Da Viren von Hause aus ansteckend sind, um sich zu vermehren und zu verbreiten, ist das Thema im Sinne von Gesundheit und Öffentlichkeit sehr wichtig. Ich glaube, ich muss den meisten hier nicht sagen – lasst euch impfen. – Ich mach es dennoch: “Geht und holt euch eure Impfungen!” Tut mir einen weiteren Gefallen, sagt es euren Bekannten, Verwandten, Freunden und sogar den Leuten in eurer Umgebung, die ihr nicht leiden könnt.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich glaube mein Job hält mich genügend beschäftigt. Aber falls ihr dennoch Fragen habt, greift zu Twitter um euch in Verbindung zu setzen. Falls ihr mal in Paris seit und mich mal zu nem Kaffee einladen wollt, dann ist das auch ok.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich habe zwar einen Sporthintergrund, leider aber nicht genügend Zeit dafür – Zumindest erzähl ich mir das, wenn ich mal wieder auf dem Sofa sitze. Ansonsten versuche ich soviel Zeit wie möglich mit meiner besseren Hälfte (keine Wissenschaftlerin) zu verbringen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Idealer freier Tag ist ein netter Tag bei meiner Schwiegerfamilie in Trinidad mit einem kalten Bier, viel Sonne und vielleicht ein wenig Strand.
Ansonsten nehm ich Gänsebraten zu Weihnachten in Deutschland.

Bitte begrüßt Björn ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 15, 2017

Das große Protein-Puzzle - Matthias Stahl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Matthias Stahl (@bioschema) vor! Matthias hat an der TU München Biochemie studiert und promoviert dort aktuell am Lehrstuhl für Organische Chemie II. Auf der Arbeit steht er im Maschinenraum von Bakterien, Viren und menschlichen Zellen: Die Welt der Proteine hat es ihm angetan.
Wenn er gerade nicht am Massenspektrometer sitzt, erklärt er Laien, wie man multiresistenten Keimen die Laserschwerter abnehmen kann. Wir sind gespannt, was er sich diese Woche noch alles einfallen lässt!

Hier ist Matthias in seinen eigenen Worten:

Meine Eltern schenkten mir einmal zu Weihnachten einen Chemiekasten. Es war die Explosion auf den ersten Blick. Ich experimentierte teils nächtelang. Doch so spannend diese Erfahrung am Anfang auch war, irgendwann stellte ich fest, dass wir Menschen ja auch zu einem beträchtlichen Teil aus Chemie bestehen. An Menschen konnte ich nun schlecht experimentieren, deswegen fing ich mit Bakterien an, die ich aus dem Spüllappen meiner Mutter isolierte. Aus Wald- und Wiesenpflanzen konnte ich Antibiotika extrahieren und deren Wirkung auf die Bakterien, die in Einmachgläsern meiner Oma wuchsen, beobachten.


Antibiotika interessierten mich also schon fast immer, deswegen arbeite ich heute noch damit. Besser gesagt arbeite ich mit den Bakterien, die einen Weg gefunden haben, den Antibiotika auszuweichen. Das ist ein Hauptgrund dafür, warum wir in Deutschland mehrere Tausend Tote im Jahr haben, die sterben, weil es keine wirksame Antibiotika gibt. In meiner Forschergruppe versuchen wir Wege zu finden, um die Bakterien abermals auszutricksen.

Vor etwa vier Jahren begann ich meine Promotion mit dem Fokus auf ein einzelnes Protein in Bakterien, das wir versuchten zu verstehen. Proteine sind gewissermaßen die Arbeiter in einer Bakterienzelle. Sie sorgen dafür, dass chemische Reaktionen ablaufen oder angehalten werden. Heute jedoch sieht die Laborwelt ganz anders aus. Mittlerweile schauen wir so gut wie alle Proteine der Zelle gleichzeitig an. Ds ist das Feld der Proteomik. So kann man größere Zusammenhänge verstehen und genau beobachten, wie die Zelle zum Beispiel auf die Gabe eines Antibiotikums reagiert. Man hat also jede Menge Daten. Meine Arbeit dreht sich dann auch zu einem Großteil darum, diese Daten zu verstehen. So konnten wir kürzlich die Wirkweise eines neuartigen Antibiotikums beobachten, dass die Bakterien nicht tötet, wie es Antibiotika tun, sondern sie lediglich entwaffnet. Warum das sinnvoll sein kann, darum wird es diese Woche auch gehen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Nun ja, die Öffentlichkeit steht vor der Herausforderung immer weniger wirksame Medikamente gegen bakterielle Infektionen zu haben. Das ist aber nicht der Hauptgrund. Vielmehr genieße ich den Fachwörter-freien Dialog mit Nicht-Wissenschaftlern. Es ist mir mehr als einmal passiert, dass mich jemand in der Pause eines Science Slams auf eine ganz neue Idee gebracht hat.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin Science Slammer und werde ab November auch an Schulen einzelne Unterrichtsstunden zu meinem Forschungsthema gestalten.

Ich habe zwei Hobbys, die sich in einem steten Rhythmus abwechseln. Mein Tag ist gewöhnlich voller Evidenzen und Wissen, deshalb schreibe ich ab und zu Kurzgeschichten, damit meine Fantasie nicht ganz so beleidigt ist. Wird das eintönig, hole ich meinen Raspberry Pi raus und baue irgendwelche elektronischen Schaltungen auf. Meistens ist man davon aber sehr schnell frustriert, dann wird wieder geschrieben.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meine Frau und ich werden von unseren Kindern geweckt und dann backe ich mit unserer ältesten Tochter Brötchen. Die Kinder haben dann meistens die besten und spontansten Ideen für einen abenteuerlichen Tag. So kann mich der morgendliche Hefeteig nicht wieder an die Biochemie der Gärung erinnern...


Bitte begrüßt Matthias ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 8, 2017

Astronomie für alle - Markus Pössel ist jetzt bei Real Scientists DE!


Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Markus Pössel vorstellen zu dürfen! Markus hat in Hamburg Physik studiert und am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam promoviert. Nach einem einjährigen Zwischenstop in New York als Senior Science Advisor des ersten World Science Festivals verschlug es ihn 2009 nach Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie leitet. Sein Herz schlägt nicht nur für Gravitationswellen, sondern vor allem auch für die Kommunikation von Wissenschaft: Unter anderem hat er das Online-Portal Einstein Online ins Leben gerufen, bloggt auf Relativ Einfach der Spektrum SciLogs und schreibt für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

Hier ist Markus in seinen eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe schon als Kind viele Sachbücher zu Physik und Astronomie gelesen. Insbesondere Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie, aber auch die Teilchenphysik fand ich von Anfang an sehr spannend. Und wie so oft haben auch gute Lehrer eine wichtige Rolle gespielt: Richard Geißler, der mich in der 8. oder 9. Klasse für Mathe und Physik begeisterte, und Dr. Dr. Olaf Störmer in der Oberstufe – damals, also etwa 1989, erfuhr ich, soweit ich das erinnere, auch das erste Mal von Gravitationswellen. Über die hatte Störmer nämlich eine seiner beiden Doktorarbeiten geschrieben.


Ich bin in mein aktuelles Feld, also das was im englischen "Science Outreach" heißt, breite Schnittstellen zur Physikdidaktik hat und im deutschen mit "wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit" nur sehr ungenau beschrieben wird, eher so hineingerutscht. Meine Doktorarbeit habe ich zu einem Thema aus der Quantengravitation am Albert-Einstein-Institut angefertigt, dem Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik. Als ich mit meiner Promotion fertig war, stand das Einstein-Jahr 2005 vor der Tür – und das Institut suchte jemanden, der bei den Vorbereitungen helfen konnte. Ich hatte vorher schon einiges in Richtung Outreach gemacht, von öffentlichen Vorträgen bis zu Kurzartikeln in "Spektrum der Wissenschaft" – das hatte mir immer schon großen Spaß gemacht, und vor dem Einstein-Jahr bin ich dann ganz in diese Richtung umgeschwenkt.

Als Outreach-Scientist (wie gesagt, es gibt kein richtiges deutsches Wort) mache ich wissenschaftliche Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehören zwar auch klassische PR-Tätigkeiten, etwa das Abfassen von Pressemitteilungen, und als Leiter des Hauses der Astronomie natürlich auch Organisatorisches. Aber ein Großteil der Arbeit sind tatsächlich Variationen über Wissenschaft – vereinfachte Modelle finden, fachdidaktische Forschung, Elementarisierung, Lehre. Derzeit habe ich gerade drei Praktikanten, die versuchen, mit einfachem mathematischen Werkzeug aus den Originaldaten die Masse des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße zu bestimmen.


Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Schöne an der Astronomie ist ja: die meisten Menschen interessieren sich von vornherein für Exoplaneten, Schwarze Löcher oder den Urknall! Was konkrete Elementarisierungen angeht: Die halte ich in den Zeiten von Fake News für wichtiger denn je, weil sie eine Brücke zwischen Popularisierungen (wie man sie z.B. in Zeitungen und Publikumszeitschriften) und der Fachliteratur schlagen. Mit einer guten Elementarisierung kann man ein wissenschaftliches Ergebnis zumindest einigermaßen selbst nachprüfen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nein, das was bei Vollzeit-Forschern externe Aufgaben wären, ist bei mir alles Teil des Jobs!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Gemütlich lesen! Aber wahrscheinlich lande ich dann nach einiger Zeit doch am Computer. Mache daran aber nur diejenigen Dinge, die mir wirklich Spaß machen!


Bitte begrüßt Markus ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 1, 2017

Ein offenes Ohr für Ameisen - Volker Nehring ist jetzt bei Real Scientists DE!


Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Volker Nehring (@VolkerNehring) vor! Volker hat in Münster und Freiburg Biologie studiert und an der Universität Kopenhagen promoviert. 2012 zog es ihn zurück an die Universität Freiburg, wo er sich seither am Zoologischen Institut der Interaktion zwischen Arten oder zwischen Individuen der selben Art widmet - zum Beispiel in Form von Ko-Evolution oder (chemischer) Kommunikation. Dabei kreucht es gerne mal: Volkers Versuchsteilnehmer sind meistens Insekten. Die Hauptfrage ist immer, wie in der Evolution die heute zu beobachtenden Anpassungen der interagierenden Parteien entstanden sind und wie schnell sie sich ändern können.

Hier ist Volker in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe relativ früh (spätestens im Hauptstudium) gewusst, dass ich das machen will. Ich fand es einfach klasse, Sachen rauszufinden. So jedenfalls die Legende, die ich mir da bilde.

Zur Biologie bin ich sehr früh gekommen, vielleicht sogar schon im Kindergartenalter. Ich habe einfach immer schon alles gesammelt, was kreucht und fleucht. Irgendwann habe ich dann Gerald Durell's Buch “Naturführer für die ganze Familie” geschenkt bekommen und bin das Ganze dann auch relativ systematisch (für einen Acht- oder Zwölfjährigen) angegangen. Dann viel Fabre (absolut empfehlenswert!) gelesen. Rückblickend war mein Schaffen dann aber doch zu konfus, als dass wirklich mal brauchbare Daten rausgekommen wären. Da hätte ein bisschen richtige wissenschaftliche Anleitung wahrscheinlich Wunder gewirkt. Ich habe mich dann im Grundstudium in Münster von Nico Michiels (jetzt in Tübingen) für die Kombination von Verhaltens- und Evolutionsbiologie begeistern lassen. In seiner Vorlesung ging es – wie könnte es anders sein – um Sexuelle Selektion.
Heute denke ich, dass die Biologie nur Zufall war und es genausogut Physik oder Chemie hätten sein können.

In der Forschung beschäftige ich mit drei Themengebieten: 1) Der Kommunikation innerhalb und zwischen Arten, vorzugsweise chemische Kommunikation bei Ameisen, 2) Koevolution ganz allgemein, aber meistens zwischen bestimmten Milben und bestimmten Käfern, und 3) Altern bei sozialen Insekten. Das ist alles total interessant, aber ich verrate erst nächste Woche, warum. Im Alltag sitze ich den ganzen Tag vor dem Bildschirm und drücke irgendwelche Knöpfe. Manchmal rede ich auch mit Leuten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das finde ich eine wahnsinnig schwierige Frage, vielleicht ist das ein gutes Thema für Twitter, oder ein ganz schlechtes. Meine Antwort schwankt je nach Laune zwischen „sollen sie gar nicht, dürfen sie“ und „weil meine Arbeit dazu beiträgt, irgendwann Krebs oder Haarausfall zu heilen“. Keine der Antworten ist gut und ich würde das gerne irgendwann differenzierter erklären:). Kern der Sache ist aber wohl, dass man ziemlich schnell alt aussieht, wenn keiner versucht, die Welt zu verstehen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Hmm, ich bin bei der Deutschen Zoologischen Gesellschaft einer von drei Sprechern für den Fachbereich Evolutionsbiologie. Die Hauptaufgabe ist es, das wissenschaftliche Programm auf den Jahrestagungen zuorganisieren und Ansprechpartner für  alles Mögliche zu sein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Theoretischer Ausdauersport und Analysen von Sachen, die gerade wirklich nicht wichtig sind und weder die Wohnung sauberkriegen noch dazu beitragen, dass das Paper fertig wird.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich schlafe bis um zehn, kleines Frühstück auf dem Balkon, Kaffee, 1-3 Stündchen laufen oder Radfahren oder Langlauf, wenn ich/wir wiederkommen wachen die Kinder auf und ziehen sich selbstständig an, grooßes Mittagessen, Mittagsschlaf während die Kinder ruhig in der Ecke sitzen
und lesen, Kaffee, paar Stunden Spielplatz oder Wald mit Kindern, ich kann nicht widerstehen und gucke aufs Handy, wo ich eine Email a la “The Editor is now happy to accept your paper for publication..” finde. Sektchen. Hängematte & Lesen (optional mit Kind (wichtig: Singular)). Abendessen, Kinder ins Bett, ich/wir gehen aus und komme(n) irgendwann gegen Morgen nach Hause (an anderen Tagen irgendwas nicht für die Öffentlichkeit Bestimmtes mit meiner Frau). Die Kinder schlafen natürlich ganz lange und wachen nachts nie auf. So oder so ähnlich könnte ich mir das vorstellen, Ihr seht, auch Wissenschaftler haben Phantasie.


Bitte begrüßt Volker ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 24, 2017

Gehirn, Körper, Raves - Maria Niedernhuber ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, Maria Niedernhuber (@maria_ndrnhals neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Maria ist Doktorandin im Fachbereich Kognitive Neurowissenschaft an der Uni Cambridge. Sie arbeitet an sensorischen Vorhersagen in gesunden Personen und chronischen Schmerzpatienten, insbesonderen an Störungen körperlicher Wahrnehmungen im komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS). 

Falls euch das nichts sagt: CRPS ist eine Schmerzerkrankung, unter der die Patienten häufig sehr lange leiden müssen, bis eine korrekte Diagnose gestellt wird. Auch sonst wird dieses Syndrom noch nicht gut genug verstanden. Wir freuen uns also darauf, diese Woche mehr von Maria darüber zu erfahren, ebenso wie über ihr Leben und ihren Einsatz für chronisch kranke ForscherInnen und auch für den Einsatz der Kunst in der Wissenschaft.

Hier ist mehr über Maria in ihren eigenen Worten:

Ich wollte Wissenschaftlerin werden und war einfach sehr, sehr stur. Ich habe ursprünglich mein Abitur abgebrochen, da ich mit meinem Gymnasium nicht über den Nachteilsausgleich für eine chronische Krankheit verhandeln konnte, und mein Abitur als Externe geschrieben (d.h. man kommt nur zu den Prüfungen. Es steht nicht in meinem Lebenslauf :p aber jetzt ist das ja auch schon lang her). Im Bachelor in Tübingen war ich immer noch sehr unfit und aus diesen (und daraus hervorgehenden) Gründen sah es nie so richtig aus, als würde ich fertig studieren. Es hat lange gedauert, bis ich einen Job an einem Labor gefunden habe. Ich bin dann für einen Master ans University College London und nach einem kurzen Intermezzo in Oxford nach Cambridge. Hier bin ich sehr glücklich und mir geht es gut. Im Nachhinein bin ich in der Wissenschaft gelandet, weil ich einfach dickköpfig bin. 

In meiner aktuellen Forschung geht es um Wahrnehmungsstörungen in chronischen Schmerzpatienten aus einer prädiktiven neuronalen Warte. Ich war zum einen an sehr grundlegenden Fragen interessiert (- ich habe mich in Kognitionswissenschaft teilweise aufgrund des Soon et al. (2008) Papers [Referenz siehe unten; JF] eingeschrieben, weil ich das so faszinierend fand, und würde heute die Frage nach der Willensfreiheit aber nicht mehr anfassen). Andererseits wollte ich etwas tun, womit recht angewandt Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten geholfen werden kann (nicht aber, weil ich selber eine habe). 

Ich erforsche hierarchische neuronale Vorhersagen im Tast-und Hörsinn in gesunden Personen, um Störungen taktiler Vorhersagen im komplexen regionalen Schmerzsyndrom anzuschauen. Die meiste Zeit verbringe ich im Labor vorm Computer mit Datenanalyse, Datensammeln, dem Verfassen von irgendwelchen Drafts oder Adminkram. 

Wir haben auch ein Neuro/Kunst-Projekt, in dem wir mit dem AXNS Künstlerkollektiv und der Künstlerin Madi Boyd Störungen des Bewusstseins im komplexen regionalen Schmerzsyndrom darstellen. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Erstens: Die meisten Menschen haben Bewusstsein und keiner weiß, warum. Die Öffentlichkeit will bestimmt wissen, warum. Zweitens: Die Öffentlichkeit denkt üblicherweise, dass chronische Schmerzpatienten einfach nur chronische Schmerzen haben. Für viele ist es eine Überraschung, dass chronische Schmerzpatienten auch Störungen der Körperwahrnehmung haben. Deshalb stresst es viele Schmerzpatienten, über solche Wahrnehmungen zu reden. Manche denken, sie werden für verrückt gehalten, wenn sie z.B. ihre Hand als riesig groß wahrnehmen. Je mehr Wissenschaftskommunikation wir in der wissenschaftlichen Gemeinschaft betreiben, umso mehr sind solche Symptome von Patienten und der Allgemeinheit bekannt und akzeptiert. 

Ich habe das Netzwerk "Chronisch Akademisch" @chron_ac co-gegründet. Es ist ein Netzwerk für behinderte und chronisch kranke Akademiker_innen. Wir sind so eine Art Online-Stammtisch, der sich gegenseitig Rat gibt, aber auch versucht, wissenschaftspolitisch positive Veränderung zu schaffen. 

Ich gehe gern auf 12h Raves in London. Wer mitwill, kann mich gerne antweeten. Sonst spiele ich Bossa-Nova Gitarre. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Ich gammle mit meinem Freunden im Café am Kanal in London (idealerweise ohne Regen oder Raubüberfall). So sieht mein üblicher freier Tag aber nicht aus. Die meiste Zeit prokrastiniere ich (Kühlschrank auf - nichts drin, Kühlschrank zu, staubwischen, twitter, facebook, email etc.).

Bitte heißt Maria ganz herzlich bei Real Scientists DE willkommen!
*Referenz: Soon, C. S., Brass, M., Heinze, H. J., & Haynes, J. D. (2008). Unconscious determinants of free decisions in the human brain. Nature neuroscience, 11(5), 543-545.

Sunday, September 17, 2017

Wissenschaft mit Dugong - Inga Marie Ramcke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Inga Marie Ramcke (@IngaMarieRamcke) vorstellen zu dürfen! Inga ist reiselustig und wissenschaftsversessen - während des Studiums an der früheren Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg gab es Abstecher nach Québec und Singapur, danach verschlug es sie zwischenzeitlich nach Rotterdam und Winchester. Richtig gefunkt hat es dann an der Europa-Universität Flensburg: Dort fing sie an, Umweltbildungsprogramme für Kindergärten und Schulen zu entwickeln und promoviert inzwischen zum Einsatz von Handpuppen in der Nachhaltigkeitsbildung von Kindern. Inga ist Kinderbuchautorin und hat sich der Wissenschaftskommunikation - meistens mit Handpuppe - verschrieben, unter anderem bei Plötzlich Wissen!. Die selbstgebaute Dugong-Handpuppe hat sogar ihren eigenen Twitter-Account (@DugongDilhan)!

(Textinhalte adaptiert von http://www.ploetzlichwissen.de/inga/)


Hier ist Inga in ihren eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Irgendwie ging kein Weg dran vorbei "irgendwas mit Wissenschaft" zu machen, denn  ich habe schon so einiges anderes ausprobiert. Vorher war es immer wieder "irgendwas mit Medien", um es im saloppen Medienjargon auszudrücken. Aber das war für mich inhaltlich meistens unbefriedigend. So kam es, dass ich mich in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen ausprobiert habe, bis ich jetzt dort bin, wo ich mich inhaltlich am wohlsten fühle. Es ist die Schnittstelle zwischen Lernforschung, fachlichen Inhalten und ein bisschen Kunst, den die Handpuppen so mit sich bringen. Als sehr neugieriger und wissbegieriger Mensch kommt mir das sehr gelegen.


Ich schreibe zum einen Kinderbücher, bei denen der Inhalt recht akribisch aus der wissenschaftlichen Literatur recherchiert ist. Sozusagen Fakten mit Fiktion gepaart (bei mir können Tiere sprechen und Tagebuch schreiben…). Das hat sich aus meinem eigenen Anspruch, gute Arbeit für die "paperunerfahrene" Zielgruppe zu machen,  die natürlich auch ein Recht auf korrekte Infos hat, ergeben. Leuchtende Kinderaugen halten mich eindeutig bei der Stange. Meine Dugong-Handpuppe will immer Knutschen ;) . Das können Kinder fast am besten. Der Bereich Wissenschaftskommunikation hat sich im letzten Jahr über mein Kinderbuchautorendasein hinausgeschraubt. Über Science Slams habe ich wundervolle Kollegen mit gleichen Einstellungen, Arbeitsweisen und Zielen kennengelernt. Deshalb gibt es jetzt ordentliche und gleichzeitig charmante Kommunikation für die Öffentlichkeit mit Julia Schnetzer und André Lampe. Die beiden und auch Reinhard Remford von "Methodisch Inkorrekt"-Podcast sind unglaublich wunderbare Sparrings-Partner in der Wissenschaftskommunikation und ich hoffe, wir können noch viel gemeinsam gestalten. Tolle Kollegen und eine wunderbare Zielgruppe halten mich eindeutig bei der Sache. Das macht auch unheimlich viel Spaß. Was will man mehr?!?

Meine Arbeit ist vor allem sehr abwechslungsreich und dadurch jeden Tag anders. Ich bin tageweise als Autorin auf Lesereise oder mit "Plötzlich Wissen!" auf Deutschlandtour. Da werden Informationen aus erster Hand (literally, da ich mit Handpuppen arbeite… ;) ) weitergegeben. Und es gibt unglaublich viele neue Gesichter zu bestaunen und Geschichten zu erzählen. Dann ist ein sehr großer Teil der Arbeit die Recherche. Das mag ich besonders gern, da mein Themenbereich so vielfältig ist. Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Handpuppen bei der Doktorarbeit involviert für mich auch den Besuch von Theatern und Museen, hat also viel mit Kunst zu tun. Das inspiriert gleichzeitig alle anderen Bereiche und erfreut mich, wenn ich dann am Schreibtisch sitze und mich durch Datenbanken forste und lese, lese, lese. Im Bereich Promotion habe ich schon viel praktisch gearbeitet und stecke nun in der Recherche zu Lerntheorien und Methodenfindung, um erstmal den theoretischen Unterbau glatt zu ziehen und dann wieder in die Praxis zu gehen und Möglichkeiten zu erforschen. Ich halte Kontakt zu anderen Wissenschaftlern aus allen möglichen Bereichen und auch zu vielen Künstlerkollegen, die entweder selbst Autoren oder Handpuppenspieler sind. Da gibt es Atelierbesuche und Teetrinken und Skypen. Und dann wieder Lesen, Lesen, Lesen. Und natürlich viel Schreiben und Zusammenfassen. Und im Bereich Autor dann auch Kontakte zu meiner Agentur, die sich um meine Texte kümmert, so dass meine Geschichten, die aus der Forschung der werten Kollegen erst mit Details gefüllt werden können, am Ende auch als Buch erscheinen. Es hat viel mit Disziplin zu tun, das alles mehr oder weniger nacheinander abzuarbeiten. Aber es bringt mir irre viel Spaß. Und auf den Bühnen bin ich ja in jedem Fall in Begleitung von mindestens einer Handpuppe. Auch die wollen gebaut und "gewartet" werden. Da spielt also sogar noch das handwerkliche Arbeiten mit hinein.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Hauptsächlich interessiere ich mich ja persönlich für meine Arbeit und die Forschung. Das liegt daran, dass ich in meiner Arbeit mit Handpuppen in der Umweltbildung bemerkt habe, dass sich die Kinder auch nach Jahren (einige Klassen habe ich immer wieder gesehen) an die Details und Geschichten erinnern konnten und sich sehr für die Charaktere interessiert haben, mit denen ich unterrichtete. Da gab es zum Beispiel Fritz die Kaulquappe und der hat Unmengen Geschichten aus dem Teich auf Lager und kommt mit vielen Tieren in Kontakt. Wenn Kinder im Grundschulalter auch nach einem Jahr Pause noch Details aus den ökologischen Zusammenhängen parat haben und motiviert und interessiert nachfragen und zusammen mit ihrem neuen Freund, der Kaulquappe, weiterforschen wollen, dann finde ich, dass ist etwas, was uns vor die Füße gelegt und zum Weitermachen serviert wird. Als externe Doktorandin stehe ich da immer wieder vor Herausforderungen und Finanzierungsengpässen, weshalb ich auch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche habe, um mich querfinanzieren zu können. Das dauert alles länger als geplant. Aber ich glaube daran, dass über Humor, Handpuppen und Storytelling in dieser immer komplexer erscheinenden Welt nachhaltige Bildung in wunderbarer Variante möglich wird. Und wie genau das mit dem charmanten Medium Handpuppe geht, dafür interessiert sich die Öffentlichkeit sicher auch. Denn die "Sesamstraße" und "Ollis wilde Welt"  kennen sicher einige von euch. Die Formate bringen Spaß und Infos. Also Bildung über Handpuppen, aber der Fernseher trennt die Menschen. Stellt euch vor, was möglich ist, wenn die Handpuppen aus ihrem Leben als Tier oder Forscher erzählen und interaktiv sind. Das geht direkt ins Herz und ist witzig. Geschickt gemacht, kann die Öffentlichkeit davon nur profitieren und vor allem auch Spaß bei der Bildung haben. Humor und Bildung sind für mich ein unschlagbares Team und können sowohl als purer Text als auch mit Handpuppen viel bewirken.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?Ich helfe ehrenamtlich beim Landesjugendring in Hamburg mit und mache dort Stadtführungen zum Schwerpunkt "Swing in Hamburg" während der Zeit des Nationalsozialismus. Was in diesem speziellen Themenbereich angefangen hat, hat sich mittlerweile zu einem Bereich meiner selbstständigen Tätigkeit erweitert, so dass ihr, sofern ihr mal in Hamburg vorbeikommt, gern mit mir durch die Gegend ziehen könnt. Ich mache auch "normale" Führungen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich tanze sehr viel und dabei geht es um Swing-Tänze, also hauptsächlich Lindy Hop, Balboa und Charleston. Und ich würde auch den Besuch von jeglichen privaten und öffentlichen Uni-Bibliotheken dieser Welt dazuzählen. Da ist es manchmal schwieriger raus- als reinzukommen...

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine schöne Mischung zwischen Ruhe und Action ist gut. Ich mag kulturelle Veranstaltungen und Natur. Und natürlich meine Freunde. Wenn das alles in einen Tag passt, ohne in Stress zu geraten und mit gutem Essen gekrönt wird, ist es ein idealer freier Tag.


Bitte begrüßt Inga ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 10, 2017

Her mit der Kohle - Nicolas Wöhrl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Begrüßt mit uns unseren neuen Kurator Nicolas Wöhrl (@icewalker1974)! Als Kind des Ruhrgebiets liegt Nicolas die Kohle im Blut: Er forscht am Center for Nanointegration University-Duisburg (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen an der Synthese und Charakterisierung (nano)strukturierter Kohlenstoffschichten.
Wenn er sich nicht gerade mit kristallinen Strukturen (Diamant-Einkristalle, nanokristalline  Diamantschichten), niedrig-dimensionalen Strukturen (Graphen, Carbon Nanowalls) oder  amorphen Kohlenstoffschichten (a-C, a-C:H) beschäftigt, widmet sich Nicolas der Wissenschaftskommunikation. Zusammen mit Reinhard Remfort  betreibt er einen der erfolgreichsten deutschen Wissenschaftspodcasts „Methodisch Inkorrekt!“, in dem alle zwei Wochen wissenschaftliche Publikationen und Experimente, skurrile China-Gadgets und Musik mit meist wissenschaftlichem Bezug vorgestellt werden. Nicolas ist außerdem Mitbegründer des kuratierten Verzeichnisses von Wissens-Podcasts wissenschaftspodcasts.de und war bereits einige Mal in Funk und Fernsehen zu bewundern, zum Beispiel bei 1, 2 oder 3, Galileo, im WDR Rundfunk oder im Livestream-Kanal von Rocket Beans TV.

Hier ist Nicolas in seinen eigenen Worten: 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Faszination war früh da. Mein Vater ist auch Physiker und er konnte mir meine neugierigen, kindlichen Fragen beantworten. So wollte ich auch sein.



Das Gebiet, in dem ich arbeite, ist eine spannende Mischung aus reiner Grundlagenforschung und anwendungsbezogener Forschung. Die Materialien die wir entwickeln haben großes Potential für beispielsweise Werkzeuge, elektrische Bauteile und der Energietechnik. Die Tatsache, dass unser Forschungsfeld gesellschaftliche Relevanz haben kann ist sehr attraktiv. Die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen formen unsere Zukunft schon heute.


Die Arbeit ist vor allem vielseitig und abwechslungsreich. Es gibt nicht den einen Arbeitsplatz an dem ich zu finden bin. Ich wechsle zwischen Büro, Laboren, Seminarräumen und Hörsälen. Dazu trifft man auf Konferenzen andere internationale Experten auf dem Gebiet und tauscht sich aus. Jeder Teilbereich ist dabei reizvoll. Es wird gebastelt, geschrieben, gerechnet, geplant, entwickelt, verworfen und geträumt... Das spannendste ist vielleicht, dass die Arbeit in der Forschung ständig in Bewegung ist. Du weißt noch nicht konkret an was Du in 5 Jahren arbeitest. Das empfinde ich als großen Luxus. 




Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Ich würde die Frage anders formulieren. Die Öffentlichkeit sollte sich nicht per se für meine Forschung interessieren. Ich sollte mir aber Mühe geben, der Öffentlichkeit meine Themen so zu vermitteln, dass sie diese interessant findet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen, weil der Steuerzahler diese Forschung finanziert und daher auch ein Recht hat zu erfahren was wir mit diesem Geld machen. Zum anderen aber weil in der Forschung so faszinierende Geschichten erzählt werden. Wo kommen die Ideen her? Wo sind die Grenzen der technischen Entwicklung? Wie sieht unser Weltbild aus und wo sind seine Grenzen? Welche interessanten Persönlichkeiten sind in Forschung und Wissenschaft? Diese Geschichten sind spannend und sollten erzählt werden.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich kommuniziere Wissenschaft gemeinsam mit meinem Freund Reinhard Remfort in unserem Podcast „methodisch inkorrekt“. Alle zwei Wochen erzählen wir dort etwas über aktuelle Forschung. Für uns ist es ganz toll zu sehen wie viele Menschen sich dafür interessieren. 



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Podcasting (methodisch inkorrekt), Triathlon, Klettern, Schlagzeug



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Sport und viel Zeit mit den neugierigsten Forschern in meinem Leben: meinen Kindern

 


Bitte begrüßt Nicolas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 3, 2017

Antarktische Temperaturen - Amélie Kirchgäßner ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr euch unsere neue Kuratorin Amélie Kirchgäßner (@PolarAmelie) vorstellen zu dürfen! Amélie stammt aus Freiburg, hat in Hamburg Meteorologie studiert und kehrte dann für ihre Promotion zum Einfluss von Klimaveränderungen auf das Wachstum von Buchen in die Heimat zurück. Anschließend ging es wieder nach Hamburg, wo sie sich wie schon vor der Promotion mit dem Klimasystem der Arktis befasste, bevor sie nach Cambridge auswanderte und nicht nur das Land, sondern auch die Hemisphäre wechselte: Beim British Antarctic Survey erforscht sie nun seit 12 Jahren das Wetter und Klima in der Antarktis.

Hier ist Amélie in ihren eigenen Worten:

Ich habe mich in der Schule sehr für Physik interessiert, bin aber auch sehr gerne draußen unterwegs und in der Natur. Von daher lag eine der Geowissenschaften, also quasi Physik im Alltag, oder in der erlebbaren Umwelt, für mich nahe.

In dem Institut, an dem ich mein Studium absolviert habe, wurde auch viel Forschung in der Arktis betrieben. Eine Studentin aus einem höheren Jahrgang hatte Gelegenheit an einer Forschungsfahrt mit der Polarstern teilzunehmen. Ich dachte mir, das will ich auch. Die Polargebiete sind faszinierend, wunderschön, und wissenschaftlich äußerst interessant. Experimentell zu arbeiten, d.h. Messungen zu machen, kann an sich schon eine Herausforderung darstellen. Das ist noch mehr der Fall, wenn man in den Polargebieten arbeitet. So hart das manchmal sein kann, die Leute, mit denen ich arbeite, sind fantastisch, und so macht es dann eben doch Spaß. Ich empfinde es als enormes Privileg, dass mich meine Arbeit in die Polargebiete führt.

Ganz generell gesagt, erforsche ich das Wetter und Klima der Polargebiete. Zum einen interessieren mich Wolken und deren Eigenschaften. Ob sie eher aus Eis oder Wasser bestehen, wieviel oder wie wenig Strahlung sie durchlassen, ob sie über Eis/Schnee oder offenem Wasser sind, hängt oft nicht nur voneinander ab, sondern beeinflusst auch, welche Wirkung sie auf Wetter und/oder Klima haben.
Zum anderen erforsche ich, welche Rolle Föhnwinde in der besonders starken Erwärmung im Bereich der Antarktischen Halbinsel spielen. Meine Arbeit, in beiden Bereichen, beruht auf der Kombination von Flugzeugmessungen und bodennahen Messungen (z.B. Wetterstationen) mit Computermodellen.


Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen hat die Öffentlichkeit natürlich generell ein Recht zu erfahren, was mit Steuergeldern passiert. Zum anderen sollte sie sich für meine Arbeit speziell interessieren, damit sie an der Debatte darum, wie wir mit unserem Planeten umgehen, oder umgehen sollten, gut bzw. besser informiert teilnehmen kann.
Oder einfach aus purer Wissbegierde.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich als STEM Ambassador, das bedeutet, dass ich mich an Events beteilige, die Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften begeistern möchten.
Da ich gerne und viel Fahrrad fahre, bin ich so etwas wie Fahrradbeauftragte am BAS.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Oh, das hängt davon ab. Lesen, kreuzworträtseln, im Garten rumwerkeln, ausschlafen, "laufen gehen", radeln oder paddeln.


Bitte begrüßt Amélie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 27, 2017

Totes Holz und Artenvielfalt: Nadja Simons ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Nadja Simons (@Tritotanus) als neue Kuratorin vorzustellen. Nadja beschäftigt sich mit Artenvielfalt und dem Zusammenspiel von Tier- und Pflanzenarten in Ökosystemen. Sie hat in Oldenburg und Gießen Biologie und insbesondere Ökologie studiert und an der TU München zum Einfluss von Landnutzung auf Anthropoden promoviert. Seither forscht sie als Postdoc am Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der TU in einem Projekt zu Ökosystemdienstleistungen von Totholz in bewirtschafteten Wäldern.


Hier ist Nadja in ihren eigenen Worten:

Schon während meines Freiwilligen Ökologischen Jahres auf Wangerooge kam ich in Kontakt mit Biologen und hatte Gelegenheit, bei mehreren Forschungsprojekten mitzuhelfen. Am Ende meines Bachelorstudiums in Biologie hatte ich die Gelegenheit, nach Panama auf die Forschungsinsel Barro Colorado Island zu fahren. Die Vielfalt an Forschungsthemen und die Begeisterung der Wissenschaftler für ihre Forschung hat mich sofort angesteckt. Mein weiterer Weg in die Wissenschaft war dann ziemlich geradlinig. Sowohl am Ende meiner Masterarbeit, als auch nach meiner Doktorarbeit hatte ich das Glück, direkt eine neue Stelle an der Uni zu bekommen.  

Zu Beginn meines Biologie-Studiums hatte ich noch keine Ahnung, welche Richtung ich einschlagen wollte. Ich fand die Praktika im Labor genauso spannend wie die Kurse zur Verhaltensbiologie oder die Vorlesungen zur Zoologie und Botanik. Im letzten Semester habe ich einen Kurs zur Biologie und Ökologie von Wildbienen belegt und war sofort fasziniert von der großen Vielfalt an Lebensweisen und Überlebensstrategien. Während meiner Bachelorarbeit merkte ich, dass mir die Arbeit in der Natur am meisten Spaß macht und ich beschloss, mein Studium in Richtung Ökologie zu vertiefen. Auf der Suche nach einem passenden Masterstudiengang fiel mir auf, dass Ökologie an allen Unis zwischen Tierökologie und Pflanzenökologie getrennt war und es nur zwei Unis gab, an denen man beide Bereiche sinnvoll zusammen belegen konnte. Das hat mich sehr überrascht, denn die Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen hatten mich immer besonders interessiert. Am Ende meines Masterstudiums suchte ich nach einem Thema für meine Masterarbeit, bei dem ich sowohl eine tierökologische als auch eine pflanzenökologische Fragestellung bearbeiten konnte und hatte das Glück zwei Betreuer zu finden, die bereit waren, zusammen meine Arbeit zum Einfluss von erhöhtem CO2 auf Pflanzengemeinschaften und Bestäuber zu betreuen. Während der letzten Wochen meiner Masterarbeit stieß ich eher durch Zufall auf eine Stellenausschreibung für eine Doktorarbeit zum Einfluss menschlicher Landnutzung auf Insektengemeinschaften. Ich fand das Thema interessant, aber was mich vor allem überzeugt hat, die Stelle am Ende anzunehmen, war die Tatsache dass ich in einem der größten ökologischen Forschungsprojekte in Deutschland arbeiten konnte. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftler anderer Fachbereiche war dann auch ein ausschlaggebender Faktor für meine Entscheidung, nach der Doktorarbeit in einem neuen Projekt nochmal ein ganz anderes Thema zu bearbeiten.


Seit Mitte 2015 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) in einem interdisziplinären Projekt, das im Rahmen des Förderprogramms „Forschung zur Umsetzung der nationalen Strategie zur Förderung biologischen Vielfalt“ gefördert wird. In der 2011 von der Bundesregierung veröffentlichten „nationalen Strategie zur Förderung biologischer Vielfalt“ wurde als eine Maßnahme vorgeschlagen, das Vorkommen von Totholz nicht nur in Nationalparks und anderen Schutzgebieten, sondern auch in bewirtschafteten Wäldern zu erhöhen. Obwohl bekannt ist, dass es viele Arten (vor allem Insekten und Vögel) gibt, die auf Totholz als Lebensraum angewiesen sind, gab es bisher kaum großangelegte wissenschaftliche Studien dazu, wieviel Totholz für den Erhalt biologischer Vielfalt nötig ist. Dies zu untersuchen, ist ein Aspekt unseres Projektes. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Frage, welche zusätzlichen Effekte eine Anreicherung von Totholz auf verschiedene Prozesse im Ökosystem hat, wie Totholz in der Gesellschaft wahrgenommen wird und welche ökonomischen Konsequenzen eine Anreicherung von Totholz im Wirtschaftswald hat. Diese vielfältigen Fragestellungen werden von insgesamt 5 Lehrstühlen bearbeitet. Meine Aufgabe im Projekt ist es, den Einfluss von Totholz auf Ökosystemfunktionen zu untersuchen und die unterschiedlichen Ergebnisse der einzelnen Projektpartner zum Ende des Projektes zusammenzutragen und im Rahmen möglicher Umsetzungs-Szenarien zu vergleichen. Neben meiner Arbeit im Projekt bin ich an unserem Lehrstuhl auch die Lehre eingebunden, das heißt ich halte Vorlesungen, bin bei Praktika und Exkursionen dabei und betreue Bachelor-und Masterarbeiten.


Wir Menschen nutzen die Natur um uns herum täglich und auf viele verschiedene Arten. Dass wir dabei in empfindliche ökologische Systeme eingreifen und dabei oft nicht nachhaltig handeln, ist vielen Menschen bewusst. In der Politik und vielen anderen Bereichen der Gesellschaft wird deshalb nach Lösungen gesucht, wie wir natürliche Ressourcen schonender nutzen können. Damit diese Lösungen auch Aussicht auf Erfolg haben, ist es wichtig zu verstehen, wie sich unsere aktuelle Nutzung auf Ökosysteme und die Artenvielfalt auswirkt.   



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Während meiner Doktorarbeit war ich für ein Jahr Sprecherin aller Doktoranden an unserem Forschungsdepartment. Die Einblicke in die Hochschulpolitik und Verwaltung waren auf jeden Fall sehr interessant.

Während meiner Freizeit versuche ich mich (meist mit mittelmäßigem Erfolg) als Hobbygärtner auf unserem Balkon. Jede zweite Woche bin ich bei einem deutschsprachigen Stammtisch für Expats, d.h. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern die aus privaten oder beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen sind.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An meinem idealen freien Tag bin ich zusammen mit meinem Mann im Urlaub irgendwo wo es schön warm ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es auf Erkundungstour, am liebsten mit einer Wanderung auf einen Berg oder Vulkan. Den perfekten Abschluss des Tages bildet dann ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten und ein Spaziergang am Strand im Sonnenuntergang.


Bitte begrüßt Nadja ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 20, 2017

Buddeln in der Geschichte - Mirko Gutjahr ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Mirko Gutjahr (@DerBuddler) vor!  Mirko hat in Freiburg Archäologie und Geschichte studiert, bevor es ihn nach Sachsen-Anhalt verschlug, wo seither ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf Martin Luther liegt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Luthergedenkstätten widmet er sich aber nicht nur der Forschung, sondern ist auch als Kurator für verschiedene Ausstellungen verantwortlich. Das macht Mirko also zu unserem ersten "echten" Kurator! Der Buddelei und der Geschichte widmen sich auch seine beiden Podcasts, Angegraben und Das geheime Kabinett.

Hier ist Mirko in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Bereits als Kind habe ich mit für Archäologie und Geschichte interessiert und alles verschlungen, was ich dazu an Literatur fand. Und ja, zugegeben, war auch Indiana Jones nicht ganz unschuldig an meinem ersten Interesse am Fach Archäologie (so wie manche Astronomen und Physiker durch Star Trek zu ihren Fachbereichen gekommen sind). Tatsächlich wurde mir aber schnell klar, dass die echte Archäologie um vieles spannender ist, als Hollywood glauben macht – es geht um eine der spannendsten Themen überhaupt: unsere eigene Vergangenheit.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Bereits in meinem Studium hatte ich festgestellt, dass die Archäologie eine wichtige Quelle nicht nur für die Epochen der Menschheitsgeschichte ohne schriftliche Aufzeichnungen, sondern auch für diese, in denen bereits schriftliche Überlieferungen existieren. In meiner Magisterarbeit griffen dann passender Weise auch historische, bauhistorische sowie archäologische Quellen bei der Beschreibung eines Stadtquartiers im frühneuzeitlichen Konstanz ineinander. Als sich 2006 die Gelegenheit ergab, in Halle bei einer Ausstellung über frühneuzeitliche Funde aus den Wohnstätten Martin Luthers mitzuwirken, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und bewarb mich. Nach fast 8 Jahren in Halle mit starkem Fokus auf die Frühe Neuzeit und Luther, bin ich 2014 an die Stiftung Luthergedenkstätten gewechselt, wo ich mitgeholfen habe, das Museum Luthers Elternhaus in Mansfeld einzurichten und die letzten drei Jahre mit der Nationalen Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ in Wittenberg als Kurator verbracht habe.

Derzeit bin ich beruflich etwas vom archäologischen Themenkomplex abgekommen und verbringe mehr Zeit mit historischen Fragestellungen zu Martin Luther und seiner Zeit, neben praktischen kuratorischen und didaktischen Aufgaben im Museum. Dennoch war und ist es mir wichtig, dass in unseren Ausstellungen das Thema Archäologie nicht zu kurz kommt.  Die Zusammenschau historischer und archäologischer Quellen ist auch das Thema meiner immer noch im Entstehen befindlichen Dissertation „Die Lutherstadt Mansfeld im 15. und 16. Jahrhundert“. Darüber hinaus arbeite ich (außerdienstlich) an meinem zweiten Lieblingsthema: archäologische Funde aus dem Bereich Magie und Volksglauben.

In der Presse machen natürlich immer die „spektakulären“ Funde die Runde. Die Kernerarbeit der Archäologen, die Auswertung großer Daten- und Fundmengen wäre aber eigentlich genauso wert, vorgestellt zu werden, denn sie verraten uns mindestens ebenso viel die Vergangenheit. Darüber hinaus verdient das Thema „Historische Archäologie“, also die archäologische Erforschung von Zeiten mit reicher Schriftüberlieferung sicher auch eine größere Aufmerksamkeit, lassen sich doch in diesen Vergangenheiten Verhaltensmuster und Denkweisen begegnen, deren Folgen (positiv wie auch negativ) wir bis heute wahrnehmen können.

Zu meinen Aufgaben im Museum gehört natürlich auch Wissens-/und Wissenschaftskommunikation im weitesten Sinne: Bei Fachführungen sowie Fachvorträgen ergibt sich immer wieder die spannende Möglichkeit, mit den Besuchern der Ausstellungen direkt in Kontakt zu treten.

Ich betreibe in meiner Freizeit zwei Podcasts zu archäologischen („Angegraben“) und historischen Themen („Das geheime Kabinett“), letzterer allerdings mit etwas Augenzwinkern. Ach und dann schreibe ich derzeit noch an einem populärwissenschaftlichen Buch über die Frage, wie wir Archäologen denn das finden, was wir finden („Die Spur der Scherben“ erscheint 2018 bei Rowohlt).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Siehe oben. Wenn ich aber mal aus der dumpfen Stube hinaus will, drängt es mich auch in die Natur, sei es per Rad oder in Wanderschuhen. Gerade die Umgebung von Wittenberg bietet sich mit seiner schönen Landschaft ideal dafür an.


Bitte begrüßt Mirko ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 13, 2017

Die Wissenschaft vom Spracherwerb - Laura de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns, euch unsere neue Kuratorin Laura de Ruiter (@LEdeRuiter) vorstellen zu dürfen! Laura ist ziemlich herumgekommen: Sie hat unter anderem in Potsdam und Edinburgh studiert und in Nijmegen in Psycholinguistik promoviert. Aktuell arbeitet sie als Postdoc an der Universität Manchester und erforscht Erst- und Zweitspracherwerb, mit einem besonderen Fokus darauf, wie sich das Verständnis komplexer Sätze im Kindesalter entwickelt.

Hier ist Laura in ihren eigenen Worten:

Mein Weg in die Wissenschaft war nicht ganz gerade. Wie so manch eine/r, habe ich im Studium mehrmals meine Haupt- und Nebenfächer sowie die Universitäten gewechselt. Dabei waren: Vergleichende Sprachwissenschaft, Keltologie, Allgemeine und Theoretische Linguistik, Publizistik und Japanologie… Letztendlich bin ich einfach: eine Linguistin. Nach Magister (in Potsdam) und Master (in Edinburgh, Schottland) habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (in Nijmegen, Niederlande) promoviert.
Etwas ungewöhnlich ist, dass ich während meines ersten Postdocs die Wissenschaft verlassen habe – ich bin ins Wissenschaftsmanagement gewechselt. Mein wissenschaftlicher Chef wurde Rektor, und hat mich gefragt, ob ich ihn im Rektorat unterstützen wollte. So habe ich ein paar Jahre zunächst im Rektorat der Uni Bielefeld, und später als Projektmanagerin beim TestDaF-Institut (Test für Deutsch als Fremdsprache) in Bochum gearbeitet.
Das war eine wirklich lehrreiche und interessante Zeit, aber: mir hat die Wissenschaft gefehlt! Nach 3 Jahren ging’s zurück, nach Bielefeld und in die Sprachwissenschaft. Und trotz all der Unsicherheit im Jobmarkt und dem “2 body problem” habe ich die Entscheidung bis jetzt nie bereut.



Mein Feld ist der Spracherwerb – das heißt, wie Kinder ihre erste und mögliche weitere Sprachen lernen. Gelandet bin ich in dem Feld eher durch Zufall: Ich wollte unbedingt in Edinburgh studieren, und “Developmental Linguistics” hat mich am meisten angesprochen. Das Jahr dort hat mich enorm geprägt und meine Faszination dafür geweckt, wie wir alle so etwas unglaublich Kompliziertes wie Sprache lernen. Wir kommen auf die Welt, und können so gut wie gar nichts. Und ein paar Jahre später können wir durch Koordination unserer Lunge und unseres Mundes die Luft in Schwingung versetzen und damit Laute produzieren, die das Trommelfell anderer Menschen anstoßen, die dann wiederum die Laute dekodieren und daraus irgendwie ein Bild dessen zusammenstellen, was wir im Kopf hatten. Wir können über Dinge reden und Dinge verstehen, die sich nicht im Hier und Jetzt befinden – Vergangenes, Zukünftiges, Theoretisches. Sprachen unterscheiden sich enorm in ihrer Aussprache und Grammatik. Doch lernen Kinder Sprache relativ mühelos, ob es nun Deutsch, Arabisch, oder Bengali ist. Wie schwierig das eigentlich ist, merken wir erst, wenn wir versuchen, eine Fremdsprache zu lernen…

Ich untersuche sowohl wie Kinder in unterschiedlichen Altersstufen Sprache produzieren, als auch wie sie Sprache verstehen. Ich möchte erfahren, was z.B. ein 3,5-jähriges Kind versteht, und wie sich das von dem unterscheidet, was ein 5- oder 7-jähriges Kind versteht. In meinem aktuellen Projekt benutze ich Experimente, um rauszufinden, wie Kinder komplexe Sätze wie “Bevor er den Rasen mäht, trinkt er eine Tasse Tee” oder “Er springt in das Becken, weil ihm wirklich warm ist” verstehen. Wissen sie, was zuerst passiert? Was beeinflusst, wie sie den Satz verstehen? Hängt es z.B. davon ab, wie gut das Arbeitsgedächtnis ist? Oder wie häufig bestimmte Satztypen in der Sprache vorkommen? Was die Arbeit mit Kindern zu einer Herausforderung macht, aber auch gleichzeitig motivierend ist: Es muss den Kindern immer Spaß machen. Alles muss ein Spiel sein, es darf nicht zu lange dauern, und doch muss ich rausfinden können, was ich rausfinden möchte.

Sprache ist – so weit wir wissen – etwas, das nur Menschen haben. Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Sprache ist die Grundlage für alles weitere Lernen. Deshalb ist es wichtig, dass wir verstehen, wie Sprache und Spracherwerb funktionieren, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass wir Kinder in dieser Entwicklung unterstützen können. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich vertrete alle WissenschaftlerInnen mit befristeten Verträgen in unserer Sektion. Das ist vielleicht auf den ersten Blick nicht spannend, aber angesichts der zunehmenden Präkarisierung in der Wissenschaft finde ich es wichtig, unsere Interessen in der Universität zu vertreten.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich laufe gerne, vom 10k bis zum Marathon. Beim Laufen höre ich gerne Hörbücher oder Podcasts über Geschichte und Politik. Wenn es die Umstände (Zeit, Infrastruktur) erlauben, dann mache ich auch Triathlon. Tiere und Tierschutz/Tierrechte sind außerdem ein wichtiges Thema für mich, und ich habe mich in der Vergangenheit in verschiedenen Tierschutzprojekten engagiert. Und: Ich lerne gerne Sprachen! Japanisch ist und bleibt eine meiner “Lieblingssprachen”, und ich habe mich gerade für einen Russischkurs an der Uni angemeldet.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Obwohl ich eher ein Morgenmensch bin (spät abends kann ich etwas ungenießbar werden…), schlafe ich gerne aus. Wenn ich 9 oder 10 Stunden schlafen kann, bin ich glücklich. Dann ausgebreitet frühstücken, und dabei Radio (gerne eine Doku oder ein politisches Programm) hören. Später dann vielleicht ein Lauf, und danach auf dem Sofa sitzen/liegen, und mich von einer zufälligen Wikipedia-Seite zur nächsten klicken, oder eine neue Sprachlern-App ausprobieren. Wenn mein Mann und ich gerade mal am selben Ort sind, dann liebe ich es, am Abend gemeinsam mit ihm zu kochen und zu essen, und danach zusammen einen Film anzugucken.


Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!





Sunday, August 6, 2017

Schau mir auf den Kortex, Kleines - Jens Foell tweetet für Real Scientists DE!

Diese Woche haben wir entweder etwas Besonderes oder etwas besonders Langweiliges für euch: Dr. Jens Foell (@fMRI_guy), Mitbegründer von Real Scientists DE und langjähriger Mod für das originale, englischsprachige Real Scientists, tweetet über seine Arbeit und sein Leben.

Jens gibt eine Präsentation im Rahmen von TEDxFSU

Jens hat an der Uni Tübingen Psychologie studiert und danach am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit geforscht, was in einen Doktorgrad der Neuropsychologie von der Uni Heidelberg mündete. Derzeit lebt er seit einigen Jahren in Florida und arbeitet an der Florida State University weiter im Bereich der Neuropsychologie und des Neuroimaging.

Hier ist Jens in seinen eigenen Worten:

Eine Methode zieht sich wie ein roter Faden durch meine Forschung: die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT/fMRI), mit welcher sich Hirnaktivität sichtbar machen lässt (daher auch mein Twitter-Name @fMRI_guy). Mit diesem Instrument habe ich in Mannheim untersucht, wie sich eine simple Therapieform auf die kortikale Organisation von Phantomschmerzpatienten auswirkt. In Florida versuche ich vor allem herauszufinden, wie Aggression/Impulsivität und Angst im Gehirn funktionieren.

Nach Florida hat es mich vor allem gezogen, weil ich Erfahrungen in einem anderen Land und in einem anderen Themenbereich sammeln wollte. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Bereich der Wissenschaftskommunikation in den USA besser ausgebaut und oft zugänglicher ist, als das in Deutschland der Fall ist.

Jens als Gast bei This Week In Science


Interessiert hat mich die Kommunikation von Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit schon immer, und ich habe an der Mannheimer Abendakademie immer gerne Kurse zum kritischen Denken und der wissenschaftlichen Methode gehalten. Seit ich vor ein paar Jahren Twitter für mich entdeckt habe, bin ich dabei noch aktiver geworden und freue mich immer über die Gelegenheit, meine Forschung und die von anderen näher an die Gruppe zu bringen, die ja schließlich auch die ganze Arbeit bezahlt: nämlich die interessierte Bevölkerung. Die Krönung meiner Versuche, die Distanz zwischen Forschung und Öffentlichkeit zu verringern, ist ganz klar der @realsci_DE Account. Es ist für mich eine große Freude, den Account zu leiten und diese Woche selbst als Kurator zu fungieren :)

Meine Forschungsarbeit selbst macht mir ebenfalls einen Riesenspaß. Ich bin in der glücklichen Lage, an mehreren Themen gleichzeitig arbeiten zu können und dabei mehr und mehr über die Forschungsmethoden zu lernen, die dafür relevant sind. Manchmal geht es dabei um grundsätzliche neurale Prozesse, die notwendig sind, langfristig mehr über das Gehirn zu lernen. Ein andermal geht es darum, handfeste Ergebnisse zu erzielen, z.B. in der Schmerztherapie oder der Entwicklung von Prothesen.

Ich freue mich sehr darauf, euch mehr von meiner Arbeit zu erzählen. Wir sehen uns online!

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!