Sunday, August 13, 2017

Die Wissenschaft vom Spracherwerb - Laura de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns, euch unsere neue Kuratorin Laura de Ruiter (@LEdeRuiter) vorstellen zu dürfen! Laura ist ziemlich herumgekommen: Sie hat unter anderem in Potsdam und Edinburgh studiert und in Nijmegen in Psycholinguistik promoviert. Aktuell arbeitet sie als Postdoc an der Universität Manchester und erforscht Erst- und Zweitspracherwerb, mit einem besonderen Fokus darauf, wie sich das Verständnis komplexer Sätze im Kindesalter entwickelt.

Hier ist Laura in ihren eigenen Worten:

Mein Weg in die Wissenschaft war nicht ganz gerade. Wie so manch eine/r, habe ich im Studium mehrmals meine Haupt- und Nebenfächer sowie die Universitäten gewechselt. Dabei waren: Vergleichende Sprachwissenschaft, Keltologie, Allgemeine und Theoretische Linguistik, Publizistik und Japanologie… Letztendlich bin ich einfach: eine Linguistin. Nach Magister (in Potsdam) und Master (in Edinburgh, Schottland) habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (in Nijmegen, Niederlande) promoviert.
Etwas ungewöhnlich ist, dass ich während meines ersten Postdocs die Wissenschaft verlassen habe – ich bin ins Wissenschaftsmanagement gewechselt. Mein wissenschaftlicher Chef wurde Rektor, und hat mich gefragt, ob ich ihn im Rektorat unterstützen wollte. So habe ich ein paar Jahre zunächst im Rektorat der Uni Bielefeld, und später als Projektmanagerin beim TestDaF-Institut (Test für Deutsch als Fremdsprache) in Bochum gearbeitet.
Das war eine wirklich lehrreiche und interessante Zeit, aber: mir hat die Wissenschaft gefehlt! Nach 3 Jahren ging’s zurück, nach Bielefeld und in die Sprachwissenschaft. Und trotz all der Unsicherheit im Jobmarkt und dem “2 body problem” habe ich die Entscheidung bis jetzt nie bereut.



Mein Feld ist der Spracherwerb – das heißt, wie Kinder ihre erste und mögliche weitere Sprachen lernen. Gelandet bin ich in dem Feld eher durch Zufall: Ich wollte unbedingt in Edinburgh studieren, und “Developmental Linguistics” hat mich am meisten angesprochen. Das Jahr dort hat mich enorm geprägt und meine Faszination dafür geweckt, wie wir alle so etwas unglaublich Kompliziertes wie Sprache lernen. Wir kommen auf die Welt, und können so gut wie gar nichts. Und ein paar Jahre später können wir durch Koordination unserer Lunge und unseres Mundes die Luft in Schwingung versetzen und damit Laute produzieren, die das Trommelfell anderer Menschen anstoßen, die dann wiederum die Laute dekodieren und daraus irgendwie ein Bild dessen zusammenstellen, was wir im Kopf hatten. Wir können über Dinge reden und Dinge verstehen, die sich nicht im Hier und Jetzt befinden – Vergangenes, Zukünftiges, Theoretisches. Sprachen unterscheiden sich enorm in ihrer Aussprache und Grammatik. Doch lernen Kinder Sprache relativ mühelos, ob es nun Deutsch, Arabisch, oder Bengali ist. Wie schwierig das eigentlich ist, merken wir erst, wenn wir versuchen, eine Fremdsprache zu lernen…

Ich untersuche sowohl wie Kinder in unterschiedlichen Altersstufen Sprache produzieren, als auch wie sie Sprache verstehen. Ich möchte erfahren, was z.B. ein 3,5-jähriges Kind versteht, und wie sich das von dem unterscheidet, was ein 5- oder 7-jähriges Kind versteht. In meinem aktuellen Projekt benutze ich Experimente, um rauszufinden, wie Kinder komplexe Sätze wie “Bevor er den Rasen mäht, trinkt er eine Tasse Tee” oder “Er springt in das Becken, weil ihm wirklich warm ist” verstehen. Wissen sie, was zuerst passiert? Was beeinflusst, wie sie den Satz verstehen? Hängt es z.B. davon ab, wie gut das Arbeitsgedächtnis ist? Oder wie häufig bestimmte Satztypen in der Sprache vorkommen? Was die Arbeit mit Kindern zu einer Herausforderung macht, aber auch gleichzeitig motivierend ist: Es muss den Kindern immer Spaß machen. Alles muss ein Spiel sein, es darf nicht zu lange dauern, und doch muss ich rausfinden können, was ich rausfinden möchte.

Sprache ist – so weit wir wissen – etwas, das nur Menschen haben. Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Sprache ist die Grundlage für alles weitere Lernen. Deshalb ist es wichtig, dass wir verstehen, wie Sprache und Spracherwerb funktionieren, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass wir Kinder in dieser Entwicklung unterstützen können. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich vertrete alle WissenschaftlerInnen mit befristeten Verträgen in unserer Sektion. Das ist vielleicht auf den ersten Blick nicht spannend, aber angesichts der zunehmenden Präkarisierung in der Wissenschaft finde ich es wichtig, unsere Interessen in der Universität zu vertreten.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich laufe gerne, vom 10k bis zum Marathon. Beim Laufen höre ich gerne Hörbücher oder Podcasts über Geschichte und Politik. Wenn es die Umstände (Zeit, Infrastruktur) erlauben, dann mache ich auch Triathlon. Tiere und Tierschutz/Tierrechte sind außerdem ein wichtiges Thema für mich, und ich habe mich in der Vergangenheit in verschiedenen Tierschutzprojekten engagiert. Und: Ich lerne gerne Sprachen! Japanisch ist und bleibt eine meiner “Lieblingssprachen”, und ich habe mich gerade für einen Russischkurs an der Uni angemeldet.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Obwohl ich eher ein Morgenmensch bin (spät abends kann ich etwas ungenießbar werden…), schlafe ich gerne aus. Wenn ich 9 oder 10 Stunden schlafen kann, bin ich glücklich. Dann ausgebreitet frühstücken, und dabei Radio (gerne eine Doku oder ein politisches Programm) hören. Später dann vielleicht ein Lauf, und danach auf dem Sofa sitzen/liegen, und mich von einer zufälligen Wikipedia-Seite zur nächsten klicken, oder eine neue Sprachlern-App ausprobieren. Wenn mein Mann und ich gerade mal am selben Ort sind, dann liebe ich es, am Abend gemeinsam mit ihm zu kochen und zu essen, und danach zusammen einen Film anzugucken.


Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!





Sunday, August 6, 2017

Schau mir auf den Kortex, Kleines - Jens Foell tweetet für Real Scientists DE!

Diese Woche haben wir entweder etwas Besonderes oder etwas besonders Langweiliges für euch: Dr. Jens Foell (@fMRI_guy), Mitbegründer von Real Scientists DE und langjähriger Mod für das originale, englischsprachige Real Scientists, tweetet über seine Arbeit und sein Leben.

Jens gibt eine Präsentation im Rahmen von TEDxFSU

Jens hat an der Uni Tübingen Psychologie studiert und danach am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit geforscht, was in einen Doktorgrad der Neuropsychologie von der Uni Heidelberg mündete. Derzeit lebt er seit einigen Jahren in Florida und arbeitet an der Florida State University weiter im Bereich der Neuropsychologie und des Neuroimaging.

Hier ist Jens in seinen eigenen Worten:

Eine Methode zieht sich wie ein roter Faden durch meine Forschung: die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT/fMRI), mit welcher sich Hirnaktivität sichtbar machen lässt (daher auch mein Twitter-Name @fMRI_guy). Mit diesem Instrument habe ich in Mannheim untersucht, wie sich eine simple Therapieform auf die kortikale Organisation von Phantomschmerzpatienten auswirkt. In Florida versuche ich vor allem herauszufinden, wie Aggression/Impulsivität und Angst im Gehirn funktionieren.

Nach Florida hat es mich vor allem gezogen, weil ich Erfahrungen in einem anderen Land und in einem anderen Themenbereich sammeln wollte. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Bereich der Wissenschaftskommunikation in den USA besser ausgebaut und oft zugänglicher ist, als das in Deutschland der Fall ist.

Jens als Gast bei This Week In Science


Interessiert hat mich die Kommunikation von Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit schon immer, und ich habe an der Mannheimer Abendakademie immer gerne Kurse zum kritischen Denken und der wissenschaftlichen Methode gehalten. Seit ich vor ein paar Jahren Twitter für mich entdeckt habe, bin ich dabei noch aktiver geworden und freue mich immer über die Gelegenheit, meine Forschung und die von anderen näher an die Gruppe zu bringen, die ja schließlich auch die ganze Arbeit bezahlt: nämlich die interessierte Bevölkerung. Die Krönung meiner Versuche, die Distanz zwischen Forschung und Öffentlichkeit zu verringern, ist ganz klar der @realsci_DE Account. Es ist für mich eine große Freude, den Account zu leiten und diese Woche selbst als Kurator zu fungieren :)

Meine Forschungsarbeit selbst macht mir ebenfalls einen Riesenspaß. Ich bin in der glücklichen Lage, an mehreren Themen gleichzeitig arbeiten zu können und dabei mehr und mehr über die Forschungsmethoden zu lernen, die dafür relevant sind. Manchmal geht es dabei um grundsätzliche neurale Prozesse, die notwendig sind, langfristig mehr über das Gehirn zu lernen. Ein andermal geht es darum, handfeste Ergebnisse zu erzielen, z.B. in der Schmerztherapie oder der Entwicklung von Prothesen.

Ich freue mich sehr darauf, euch mehr von meiner Arbeit zu erzählen. Wir sehen uns online!

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 30, 2017

Das Sozialleben von Bakterien - Charlotte Wermser ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch heute Charlotte Wermser (@CWermser) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Charlotte ist Doktorandin am Institut für molekulare Infektionsbiologie in Würzburg. Sie studierte Biomedizin an der Universität Würzburg mit Forschungsaufenthalten in Ljubljana/Slowenien und Braunschweig. In ihrer Arbeit erforscht sie komplexe Gemeinschaften von Bakterien, sogenannte Biofilme - natürlich immer mit dem hehren Ziel, dass mit den Erkenntnissen eines Tages Infektionen behandelt werden können. 



Es wird also faszinierende Einblicke in die Welt der Zellen und Bakterien geben, und wir sind schon sehr gespannt. Hier ist Charlotte in ihren eigenen Worten:


Das Interesse an der Wissenschaft hat bei mir mein hervorragender Biolehrer während eines Austauschjahres in den USA geweckt. Ich habe dann ein Studium gesucht, das den Schwerpunkt auf der medizinischen Forschung hat – daher habe ich mich für „Biomedizin“ an der Uni Würzburg entschieden. Im Studienplan waren auch einige längere Laborpraktika vorgesehen und ich habe gemerkt, dass mir die Laborarbeit einfach total Spaß macht und mich richtig fesselt. Als ich nach meiner Masterarbeit eine Stelle als Doktorandin angeboten bekommen habe, habe ich nicht lange gezögert. Ich wusste, dass ich die Erfahrung machen wollte mich in ein Projekt über Jahre hereinzufuchsen.

Mir hat an der Mikrobiologie gefallen, dass man in den meisten Fällen schnell Ergebnisse sieht – die Bakterienkultur wird morgens angesetzt und nach ein paar Stunden hat man genug Material für seine Experimente. Bakterien sind vom Aufbau der Zelle natürlich viel simpler als menschliche Zellen. Deshalb können wir Fragestellungen bearbeiten, die sich an anderen Zellen (noch oder so) nicht erforschen lassen. Wir arbeiten viel damit Zellen genetisch zu verändern um mehr über die Funktion von einzelnen Genen zu erfahren, das ist noch immer einer meiner liebsten Arbeitsschritte, weil es fast etwas Handwerkliches hat. 


Ich beschäftige mich mit dem Sozialleben von Bakterien. Die schwimmen nämlich meist nicht für sich alleine rum, sondern bilden „Biofilme“ – ziemlich komplexe, organisierte Gemeinschaften. Die sind unheimlich spannend zu erforschen, weil sich die Bakterien da drin fast so verhalten wie ein multizellulärer Organismus. In Biofilmen findet man eine Miniaturwelt mit Verteidigungsstrategien, Abfallentsorgung, Bauunternehmen etc.. Aber Biofilme sind nicht nur faszinierend und oft schön anzugucken, sondern auch ein Problem für die Medizin und Industrie. Es wird immer klarer, dass wir für die Behandlung von Infektionen nicht nur einzelne Bakterien bekämpfen müssen, sondern auch spezielle Strategien gegen Biofilme brauchen. Ich schnüffele also im Sozialleben der Bakterien herum um Möglichkeiten zu finden wie diese Strategien aussehen könnten.

Die Mikrobiologie hat das Glück, dass Begriffe wie „Mikrobiom“ oder „Antibiotikaresistenz“ eh in aller (oder zumindest vieler) Munde sind. Von ersterem wird viel medizinischer Fortschritt erwartet in den nächsten Jahren und mit letzterem werden wir uns wohl noch ziemlich herumplagen. Biofilme bergen die Gefahr das Problem der Antibiotikaresistenz noch zu verschlimmern und nehmen daher an Relevanz zu. Andererseits können sie richtig eingesetzt auch nützlich sein, etwa in der Abwasserreinigung oder Bodensanierung. Aber die Mikrobiologie hat eben noch ganz andere spannende Bereiche zu bieten und wird da oft unterschätzt. Ohne Grundlagenforschung in der Mikrobiologie, hätten wir beispielsweise CRISPR/Cas, den Hoffnungsträger der Gentherapie, nicht entdeckt.

Ich habe viele Jahre Basketball gespielt, aber zu Beginn der Doktorarbeit aus Zeitmangel und wegen einer Verletzung aufgehört. Wenn ich einen großen orangen Ball sehe, juckt es mich trotzdem noch immer in den Fingern. Seit letztem Jahr bin ich als Science Slammerin aktiv. Der erste Slam war eine große Herausforderung und der Zeitaufwand ist noch immer groß, aber ich bin ein bisschen süchtig danach geworden. Schaut euch einfach mal einen Slam an, wenn es sich ergibt, vielleicht packt euch das Fieber ja auch!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Erst einmal ausschlafen (hat hier schon irgendjemand gesagt, dass er/sie ganz früh aufstehen möchte?) und gemütlich frühstücken. Tagsüber dann irgendetwas draußen machen, z.B. wandern, eine Radtour oder einfach nur in der Sonne liegen. Abends würde ich gemeinsam mit Freunden kochen und dann bis in die Nacht Brettspiele spielen (Mein Tipp: Union Pacific, sehr abwechslungsreich und nicht nur etwas für Amerika- oder Eisenbahnfans. Für Fans von Kartenspielen empfehle ich „Dead Man’s Draw“, eine mehr als gelungene Adaptation einer iOS App) 





Bitte heißt Charlotte ganz herzlich bei Real Scientists DE willkommen!

Sunday, July 23, 2017

Einblick in die Palliativmedizin - Annette Nijjar ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns außerordentlich, euch heute Annette Kristina Nijjar (@annij12) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Annette ist Ärztin in der Palliativmedizin an der University of Minnesota in Minneapolis (in Annettes eigenen Worten: "wie es ein Freund mal so schön gesagt hat: 'Da sieht man mal, dass es auch am Arsch der Welt richtig schön sein kann'").
Annette ist nicht die erste Medizinerin hier bei Real Scientists DE, aber die erste Kuratorin aus dem Bereich Palliativmedizin und Medizinethik. Wir freuen uns sehr darauf zu hören, was sie uns aus diesem Feld zu berichten hat.



Erfahrt mehr über Annette hier in ihren eigenen Worten:

Für mich war es schon immer schwierig zu entscheiden, was mich jetzt eigentlich mehr interessiert als (fast) alles andere. Besonders in den Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften. Für eine ganze Weile sah es so aus, als würden ich bei den Geisteswissenschaften landen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich dann doch nicht ohne Naturwissenschaften kann. Dieses Gefühl etwas wirklich verstanden zu haben, Schritt für Schritt nachvollziehen zu können, und es dann am besten noch in ein größeres System einzufügen, macht Lust auf mehr. Und mein kleines Abiturientenhirn dachte sich dann, dass Medizin doch prima wäre, weil irgendwie alles drin steckt. 

Ich habe in der Inneren Medizin angefangen. Allerdings hat mir dort immer etwas gefehlt. Ich hatte oft das Gefühl, bestimmten Werten, Erwartungen des Systems usw hinterherzurennen. Absurd war, dass ich die Patienten dabei oft eher als Störfaktor wahrgenommen habe. DIe Palliativmedizin ist einer der wenigen Bereiche in der Medizin, wo wir den Luxus haben, uns Zeit mit den Patienten und ihren Familien zu nehmen. Wir konzentrieren uns auf das, was dem Patienten selbst wichtig ist, auf seine Ziele und Hoffnungen. Und das ist unglaublich befriedigend. Ich bin zum Beispiel jedesmal total happy, wenn ich einen Eisbecher als durchaus gesunde Mahlzeit empfehlen darf, und sich Erwachsene dann triumphierend darüber freuen.  

Ich habe das Glück, in einem super Team arbeiten zu dürfen. Wir treffen uns jeden morgen und besprechen alle unsere Fälle. Danach verbringen wir viel Zeit mit unseren Patienten - und leider auch sehr viel mit Dokumentation am Computer. Wir betreuen Patienten mit schweren, oft lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die drei Bereiche, die wir abdecken, sind die Symptomkontrolle (Schmerzen, Übelkeit, Juckreiz usw), psychologische Unterstützung und Vorausplanung der Behandlung. 

Krankheit, Sterben und Tod gehen jeden etwas an. Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaften altern, ist es hilfreich, sich gelegentlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Und oft kann ein relativ kurzes Gespräch einen echten Unterschied machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Früher wäre das ganz klar meine Geige gewesen, und Reisen. Jetzt ganz klar abgelöst von meinen zwei Kindern. Das Erstaunlichste am Elterndasein war bisher, dass man doch irgendwie in jedes Klischee tappt. Nur dass man es auf einmal versteht, was die Leute immer gemeint haben. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Erstmal gemütlich ausschlafen, dann Frühstück mit frischen Brötchen. Und natürlich einem Haufen guten Kaffee. Dann mit den Kindern und Freunden an den See und den Tag einfach so dahinplätschern lassen, den Blättern im Wind zuschauen, gelegentlich zum Abkühlen ins Wasser...

Bitte begrüßt Annette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 16, 2017

Die Furcht an sich verstehen - Jan Haaker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch heute Jan Haaker (@janhaaker) als neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Jan ist Arbeitsgruppenleiter (und eigentlich Apotheker) am Institut für Systemische Neurowissenschaften, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort untersucht er, wie Furchtreaktionen und Furchkonditionierung im Gehirn funktionieren.

Erfahrt mehr über Jan, hier in seinen eigenen Worten:

Ich war schon immer von Forschung und Forschern/innen fasziniert. Außerdem waren Chemie und Neurotransmitter immer interessant für mich. Die Entscheidung für mich Pharmazie zu studieren kam als ich Zivi war (Dank meiner beiden Chefs!). Aber ich konnte mir nicht vorstellen, Apo
theker zu werden. Im Studium war dann klar, dass ich nicht für die Apotheke gemacht bin. Dann konnte ich als Hiwi und später als Forschungspraktikant in die Wissenschaft reingucken und wusste, dass ich hier richtig bin. Ich hab dann meinen Prof. für Pharmakologie gefragt, ob man vielleicht erst einmal ausprobieren sollte, ob man promovieren kann und möchte. Er hat gesagt: “ Die Promotion ist ein Abenteuer, in das man direkt wie ins kalte Wasser rein springen muss”. Dann bin ich gesprungen.

Ich arbeite in der Grundlagenforschung von Furchtreaktionen im Menschen (wir nutzen vor allem Furchtkonditionierung). Dabei kombiniere ich Pharmakologie mit neurowissenschaftlichen Methoden (funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRT).
Dass ich im Feld der Pharmakologie arbeite, ist ganz klar mein Interesse, welches auch schon bestimmend für mein Pharmaziestudium war.
Dass ich in den Neurowissenschaften mit dem Thema Angst und Furcht gelandet bin, ist dann teilweise Zufall. 
Im Studium habe ich als Hiwi in der pharmazeutischen Chemie gearbeitet. Durch einen Zufall war ich dann für ein Forschungspraktikum in einem neurowissenschaftlichen Labor im Ausland, welches den Einfluss von frühkindlicher Trennung auf Neurotransmitter im Tiermodell untersucht hat. Ich war total verblüfft, dass solche negativen Erfahrungen eine Auswirkungen auf die Balance der Neurochemie hat. Damit war direkt mein Interesse an negativen Emotionen im Feld der Neurowissenschaften geweckt. Zur Promotion habe ich mich dann bei zwei Laboren beworben, die beide Furcht und Angst neurowissenschaftlich untersuchen: Im Menschen am Uniklinikum Hamburg und im Tiermodell an der Uni Münster. In Hamburg konnte ich dann früher anfangen und so bin ich im Feld gelandet.
Später habe ich die Tierforscher aus Münster wieder getroffen und wir haben zusammen ein translationales Projekt in Mensch und Maus gemacht. Diese Verbindung war eine großartige Erfahrung und ich arbeite heute noch mit den Leuten zusammen.
Mich hält es im Feld, dass ich immer noch neue Sachen lernen kann. Am Anfang als Doktorand waren die psychologischen Konzepte für mich Neuland, heute sind die neuen Analysemethoden im fMRT eine Herausforderung, die Spass macht. Aber auch die erwähnte Translation ist spannend. Wir untersuchen einen sehr grundlegenden Prozess (Furchtkonditionierung), der z.B. in Meeresschnecken, Ratten, Mäusen, Affen und Menschen funktioniert. 
Ein interessanten Ansatz aus einem Tiermodell in den Menschen zu übertragen, finde ich sehr spannend!

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Psychopharmakologie von 2 Prozessen:
 1) wie man Furchtreaktionen von anderen Menschen lernt (durch Beobachtungslernen) und
 2) wie man Angst wieder “verlernt” (Furcht-Extinktion). 
Beides sind wichtige Prozesse: 1) Wir lernen nicht alles aus eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Beobachtung der Erlebnisse von anderen. Gerade das Miterleben von negativen Ereignissen (z.B. eine Person ,die vom Hund gebissen wird, oder einen Unfall hat) löst dann auch bei uns selbst in ähnlichen Situationen Furcht aus. Und das ist gut so! Wir brauchen die Furcht, um uns zu schützen. Leider wissen wir nicht, welche Neurotransmitter dabei eine Rolle spielen. Beim Lernen aus eigenen negativen Erfahrungen ist das schon eher klar, beim sozialen Beobachtungslernen gibt es keine pharmakologischen Studien (noch nicht!).
2) Die Furchtreaktionen in Situationen wieder zu reduzieren, die sicher sind, ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft. In einer Verhaltenstherapie ist dies ein wichtiger Inhalt: Sicherheit lernen zu Objekten, die eigentlich Furcht, Angst oder Panik auslösen. Es gibt schon pharmakologische Forschung, wie man diese Prozesse verbessert werden können. Beispielsweise habe ich mich in meiner Doktorarbeit damit beschäftigt, wie man mit Dopamin diese Lernprozesse verbessern kann. Hier gibt es aber auch noch Forschungsbedarf, um vielleicht ein Medikament zu entwickeln, welches die Psychotherapie von Angsterkrankungen verbessert, ohne nur die Symptome zu unterdrücken (wie z.B. Benzodiazepine).
Im Alltag besteht meine Arbeit als frisch gebackener Arbeitsgruppenleiter einerseits daraus, die Studien von meinem (Megamäßigen)-Post-doc mit zu planen und die Ergebnisse zu besprechen. Andererseits versuche ich, eigene Daten, Ideen und Hirngespinste in Publikationen, Anträge oder den Papierkorb zu befördern. Und dann ist natürlich auch noch ein Anteil administrativer “Kram”. Es wird also nicht langweilig!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich denk eher anders herum: Was ist meine Motivation, meine Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Meiner Meinung nach sollte man seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in einer gewissen Dosis zugänglich machen. Schließlich wurden wir durch Steuergelder finanziert. 
Ich denke auch, dass die Forschung, die wir hier machen, ein gewisses Interesse für die Öffentlichkeit besitzt. Jeder von uns kennt die Situationen, in denen wir Angst haben. Es ist vielleicht deshalb interessant zu hören, wie Furcht und Angst so “funktionieren”. 

Zur Zeit bin ich Mitglied in einem wissenschaftlichen Netzwerk der DFG, welches von meiner Kollegin Tina Lonsdorf (wir teilen uns das Büro) geführt wird. Hier treffen sich Forscher aus Europa, die alle Furchtkonditionierung als Methode benutzen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich es doch praktisch gemacht wird. Gerade in der Sicht der "Replication crisis” wird es immer wichtiger, sich über Methoden auszutauschen. Nicht immer einfach, aber man lernt unheimlich viel und es lohnt sich, wenn man am Ende Probleme erkannt hat.

Ich interessiere mich für graphic-design in unterschiedlichsten Formen. Das ist vielleicht kein interessantes Hobby, aber ich habe viele Schultage damit verbracht, vor mich hin zu malen und Graphiken “zu machen”. Das ist heute noch immer so, auch wenn die Zeit dafür immer knapper wird. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Das kann unterschiedlich sein, vielleicht früh aufstehen und bei super Wetter mit der umwerfenden Frau an meiner Seite (und ihrem Auto) an die Ostsee fahren.
In Hamburg gehört zu einen guten freien Tag mit dem Rad losfahren, eine Platte kaufen, nach Hause, Kaffee machen, Musik hören und auf dem Balkon n paar Leuten zugucken.  

Bitte heißt Jan ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!

Sunday, July 9, 2017

Das Licht am Ende der Zelle - Stephanie Kainrath ist jetzt bei Real Scientists DE!

Es ist uns eine außerordentliche Freude, euch unsere neue Kuratorin Stephanie Kainrath (@OptoVaris) vorzustellen. Stephanie ist Doktorandin am Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) in Klosterneuburg bei Wien. Stephanies Forschungsbereich ist ebenso jung wie spannend: in der Optogenetik wird Licht eingesetzt, um Zellen zu beeinflussen - ein Wissenschaftsgebiet, das Physik, Biologie  und Medizin miteinander kombiniert. Wir sind sehr gespannt auf den Einblick, den uns Stephanie diese Woche in diesen Bereich bieten wird.
Hier ist Stephanie in ihren eigenen Worten:


Ich war eigentlich schon als Kind begeisterte „Forscherin“. Das ist sicherlich unter Anderem meiner Großmutter zu verdanken, mit der ich in meiner Kindheit sehr viel Zeit verbracht habe, und die mir geduldig all meine Fragen zu Pflanzen und Tieren in Garten und Wald beantwortete. Und wenn sie das mal nicht konnte, dann haben wir gemeinsam in Lexika und Sachbüchern nachgeschlagen. Damals begann meine große Faszination für Insekten, vor Allem Schmetterlinge, deren Raupen ich gesammelt und aufgezogen habe, um die Metamorphose zu beobachten. Dieser Prozess hat mich jahrelang zutiefst fasziniert und ich habe als Kind dann versucht, herauszufinden wie das überhaupt funktioniert, lange bevor ich überhaupt wusste, was Zellen und Moleküle sind. Erklärungen durch Erwachsene und diverse Schul- und Sachbücher empfand ich als höchst unbefriedigend, weil sie immer zu vage, zu oberflächlich blieben. Im Laufe der Zeit hat sich so aber jedenfalls immer mehr herauskristallisiert, dass ich einfach wissen will „wie“ Dinge funktionieren, und zwar in einem sehr, sehr kleinen Maßstab. Dennoch – oder vielleicht auch deswegen - hab ich nach der Matura (Abi) zuerst begonnen, Physik zu studieren. Vielleicht auch nicht ganz unbeeinflusst durch meine Lieblings-Buchserie „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Aber nach einem Jahr Physikstudium in Wien habe ich gemerkt, dass es doch nicht das richtige für mich ist – langfristig bereitete es mir zu viel philosophisches Kopfzerbrechen und lange schlaflose Nächte, mich mit den unendlichen Weiten des Universums oder der so unfassbar kleinen Welt der Quantenphysik zu beschäftigen. Daher habe ich mich einem kleinen, aber nicht subatomar-winzigen Aspekt der Naturwissenschaften zugewandt – der Molekularbiologie, und mein Studium gewechselt. Für mich war sofort klar, wenn ich etwas „biologisches“ mache, dann was in Richtung Medizin, speziell Krebsforschung hat mich interessiert, da ich einige Erkrankungen in meinem Umfeld und meiner Familie miterlebt habe und diese Krankheit besser verstehen wollte. Mittlerweile bin ich PhD Student und habe somit erfolgreich meine Lieblingsbeschäftigungen – Fragen stellen, Neues lernen, kreativ sein und Probleme lösen – zu meinem momentanen Beruf gemacht.
Im Studium habe ich sämtliche Zellsignalwege leidenschaftlich gehasst, da es nur um stupides Auswendiglernen von Abbildungen und Abkürzungen ging (ich sage nur MAP-Kinase-Kinase-Kinase und ähnlich großartige Namen). Ich wollte am Liebsten möglichst wenig damit zu tun haben, aber es kommt ja meistens anders als man denkt. 2014 entdeckte ich ein spannendes Paper, wo Forscher einen Zellsignalweg so verändert haben, dass man ihn mit Licht kontrollieren konnte. Säugetierzellen die auf Licht reagieren, so wie man es sonst nur von Pflanzen oder Bakterien kennt? Prozesse die bei Krebs eine Rolle spielen, wie Wachstum und Migration, mit Licht zu steuern und erforschen? Das ganze Prinzip hat mich zutiefst fasziniert. Und durch Zufall entdeckte ich zwei Wochen später eine Ausschreibung für eine Masterstelle für ein Kollaborationsprojekt genau jener zwei Gruppen, von denen das Paper stammte. Also habe ich mein Glück versucht, mich beworben und bin schließlich in der Arbeitsgruppe „Synthetische Physiologie“ am IST Austria gelandet.
Beim Einlesen in die Literatur zu meinem Thema bemerkte ich sofort, dass es - wenig überraschend - viel einfacher ist, sich all die Signalwege zu merken, wenn man auch die Hintergründe und Zusammenhänge dazu hat. Dazu hat im Studium in den Vorlesungen die Zeit nicht gereicht, und auch Lehrbücher waren meist nur unbefriedigende Zusammenfassungen und nicht in der Lage ein „Bigger Picture“ zu vermitteln. Erst durch Eintauchen in die Primärliteratur konnte ich wirklich wertschätzen, wie faszinierend und komplex die Kommunikation zwischen und innerhalb von Zellen ist. Gleichzeitig beschäftigte ich mich mit Fragen aus der Physik – eben der Optik, und den Wechselwirkungen zwischen Licht und biologischen Systemen. Und so hat mich der Zufall genau da hin geführt, wo ich am Besten aufgehoben bin: eine Schnittstelle zwischen Physik, Molekularbiologie und Medizin, jener drei Bereiche die mich eigentlich immer schon am Meisten interessiert haben.
Einer der Aspekte an meiner Arbeit im Allgemeinen und meinem Arbeitsplatz im speziellen, den ich am allermeisten schätze, ist die Freiheit, einfach nur „ich“ zu sein und keine Vorschriften über mein Aussehen oder meine Kleidung gemacht zu bekommen. Ich habe seit ein paar Jahren immer wieder mal eher ausgefallene Haarfarben, die sogar ein bisschen zu meinem Erkennungsmerkmal geworden sind. Aber dazu gibt es eine eigene Geschichte, die ich im Laufe der Woche noch erzählen will :-)
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung und Anwendung von Methoden, Zellsignale durch Licht zu manipulieren, um sie besser zu verstehen. Optogenetik bedeutet im Prinzip, dass man mit Gentechnik bestimmte Komponenten in Zellen umbaut oder ersetzt, so dass diese fortan auf sichtbares Licht reagieren. Der große Vorteil von Licht ist, dass man es mit hoher zeitlicher und räumlicher Präzision anwenden kann – man denke dabei an einen Laserpointer, den man durch einen Knopfdruck ein- oder ausschalten, und sehr präzise auf ein Ziel richten kann, und stelle sich nun vor, dass man so zum Beispiel in einem komplexen Gewebe nur eine einzelne Zelle für einen kurzen Moment aktiviert, und den Effekt auf die umliegenden Zellen beobachtet. Mit konventionellen (pharmakologischen) Methoden ist das nicht möglich. In den Neurowissenschaften kann man so zum Beispiel einzelne Nervenzellen so umbauen, dass man sie mit Licht aktivieren oder inhibieren kann, was unter Anderem dabei hilft die Aufgaben bestimmter Areale im Gehirn zu erforschen, und wie diese miteinander vernetzt sind. Der Bereich der Optogenetik, in den meine Arbeit fällt,  wird manchmal mit dem Zusatz „Non-neuronal“ bezeichnet, um sich von diesem großen (und bekannteren) Feld abzugrenzen. Wir beschäftigen uns nicht mit der Kommunikation zwischen Nervenzellen, sondern allen möglichen anderen Zelltypen, oder aber auch innerhalb der Zelle selbst.
Besonders interessant ist das natürlich unter dem Aspekt dass Krebszellen grundsätzlich dieselben Signalwege wie gesunde Zellen verwenden. Degenerative Erkrankungen resultieren auch oft aus einem Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Zellsignalen. Zu verstehen, wie diese komplexen Kommunikationsnetzwerke zwischen Zellen und ihrer Umwelt, und innerhalb der Zelle selbst, funktionieren, kann uns also auch dabei helfen die molekularen Ursachen von Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu finden. Ein kürzlich abgeschlossenes Projekt dass ich während meines Masterpraktikums begonnen habe, habe ich hier in einem Interview noch ein wenig genauer erklärt.
Kurz gesagt: Meine Arbeit ist in einem sehr neuen, hochaktuellen Forschungsfeld, das unheimlich viele interessante und interdisziplinäre Berührungspunkte hat, und gleichzeitig einen guten Einblick in die Grundlagen der Zellbiologie bietet. Genau das hoffe ich während meiner Zeit als Kurator für Real Scientists DE auf Twitter auch zu vermitteln :-) Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass die Leute verstehen, was im Forschungsalltag ganz allgemein so vor sich geht. Ich merke das vor Allem bei der Kommunikation mit meiner Familie und Bekannten, die fast ausschließlich aus nicht-wissenschaftlichen, nicht-medizinischen Berufen kommen. Abgesehen davon, dass es für sie schwer vorstellbar ist, was ich im Alltag so mache, ist es manchmal auch schwer zu verstehen „warum“. Wobei ich ja durch meinen Bezug zur Krebsforschung (Buzzword!) auch da ein bisschen einen Vorteil habe. Aber mein Feld hat ja auch Berührungspunkte mit Entwicklungsbiologie und anderen Disziplinen der Grundlagenforschung. Und all diese Arbeit, deren „Sinn“ oder „Ziel“ oft nicht so direkt ersichtlich ist, wird ja Großteils von Steuergeldern finanziert. Mir ist es enorm wichtig, dass die Leute verstehen, warum wir diese Arbeit machen und warum sie wichtig ist, und dass wir nicht einfach in unserem „Elfenbeinturm“ Steuergeld verbrennen.
Was Wissenschaftskommunikation betrifft, beschäftige ich mich mal hier, mal da, mit verschiedenen Ansätzen, Formaten und Medien. Zum Beispiel habe ich vor zwei Jahren beim von Florian Freistätter (Astrodicticum Simplex) ausgerufenen Scienceblogs-Schreibwettbewerb mitgemacht (Link). Letztes Jahr habe ich mich zum ersten Mal an Wissenschaftskommunikation mit Kindern versucht, als ich beim „Sommercampus“ vor Kindern im Volkschulalter als „Rolemodel in Science“ dienen durfte. Wir haben am Institut auch so eine interne, interdisziplinäre Seminarreihe, bei der ich letzten Herbst mein Projekt vor einem gemischten Publikum vorgestellt habe und versucht habe, es auch Nicht-Biologen verständlich zu machen. Und zuletzt habe ich eben meinen Twitter-Account gestartet, um wieder ein bisschen aktiver Wissenschaftskommunikation zu betreiben. Einen Blog zu starten und regelmäßig zu schreiben ist eine Idee, die mir immer wieder mal im Kopf herum spukt. Mein persönliches Ziel in dieser Woche ist es auch definitiv, ein bisschen Feedback einzuholen was an meiner Arbeit und meinem Feld die Leute (vor Allem Nicht-Wissenschaftler) interessieren könnte, und worüber ich vielleicht in Zukunft in so einem Format schreiben könnte. Die größte Herausforderung für mich ist dabei, dass mein Studium fast komplett auf Englisch war, und ich auch im Arbeitsalltag nur Englisch spreche. Wissenschaftskommunikation auf Deutsch ist daher nochmal eine eigene Hürde für mich, aber ich freue mich auf die Herausforderung!
An unserem Institut habe ich dieses Jahr das „Young Scientist Symposium“ mitorganisiert. Da wir ein Multi-Disziplinäres Institut sind (derzeit sind Computerwissenschaften, Mathematik, Physik, Neurowissenschaften und Biologie hier vertreten), stehen wir dabei jedes Jahr vor der interessanten Herausforderung,  zunächst ein Thema zu finden, das alle Disziplinen anspricht, und dann Sprecher zu finden, die nicht nur zum Thema passen,  sondern im Idealfall auch ihre Forschungsinhalte so vermitteln können, dass die Leute aus den anderen Feldern es auch verstehen. Es war eine spannende Erfahrung, das Symposium auf die Beine zu stellen! Da ich mich auch hobbymäßig mit Graphic Design beschäftige, übernehme ich auch gerne das Posterdesign für derartige Veranstaltungen hier am Campus, zuletzt für ein Charity Konzert.
Ich erfülle ein sehr österreichisches Klischee, indem ich wahnsinnig gerne Wintersport betreibe - ich liebe Skifahren, Snowboarden und Eislaufen. Seit letztem Herbst habe ich nun auch wieder angefangen zu rudern (nachdem ich vor 10 Jahren Verletzungsbedingt aufgehört hatte). Eine wirklich tolle Sportart, die durch ihren Rhythmus und Eleganz des Bewegungsablaufes besticht. Mir hilft es besser als jeder andere Sport, einfach mal „abzuschalten“ und den Kopf von Sorgen und Alltag freizubekommen, gerade weil man sich sehr auf Technik, Körperhaltung und Rhythmus konzentrieren muss. Und im Gegensatz zu Laufen oder Radfahren ist es auch bei wirklich heißen Temperaturen am Wasser durchaus erträglich. Momentan versuchen wir im Verein eine Damen-8er Mannschaft aufzustellen, und ich versuche mindestens 2, besser 3 mal wöchentlich beim Training zu sein.
Sonstige Freizeitbeschäftigungen, denen ich gerne nachgehe, sind lesen oder zocken, auf Konzerte gehen, oder mich selbst kreativ austoben, durch zeichnen, schreiben oder schneidern/nähen (oder mir die Haare bunt färben, haha). Auch meine Pflanzen sehe ich als ein Hobby an – sie sind für mich ein bisschen ein „Haustier-Ersatz“.
Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Je nach Tagesverfassung bin ich manchmal so erledigt dass ich froh bin wenn ich ausschlafen kann, und auf dem Sofa oder vor dem PC den ganzen Tag vergammeln kann - ich kann durchaus mal einen Tag lang „Nichts“ (sinnvolles) machen und bin sehr glücklich damit. An anderen Tagen habe ich den Drang,  unheimlich produktiv zu sein – dann stehe ich früh auf, gehe Rudern, Laufen oder Radfahren, brunche auf meinem Balkon, verbringe den Nachmittag mit irgendeinem meiner zahlreichen anderen Hobbies und Abends unternehme ich etwas mit Freunden oder Familie, oder verbringe einfach nur einen gemütlichen Abend mit meinem Freund.

Bitte heißt Stephanie ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!

Sunday, July 2, 2017

Der Roboterflüsterer - JP de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Freude stellen wir euch unseren neuen Kurator JP de Ruiter (@JPdeRuiter) vor! JP, den starrköpfige Deutsche ausnahmsweise „Jan” nennen dürfen, stammt aus den Niederlanden und hat in Nimwegen in Psycholinguistik promoviert. Nach seiner Postdoc-Zeit war er 7 Jahre als Professor für Psycholinguistik an der Universität Bielefeld tätig und wanderte vor einem Jahr in die USA aus, wo er jetzt als „Bridge Professor in the Cognitive Sciences” an der Tufts University eine Brücke zwischen Psychologie und Informatik schlägt und die Kommunikation zwischen Menschen und künstlichen Agenten erforscht.




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Das ist eine etwas längere Geschichte. Ich habe zunächst angefangen, Jura zu studieren, weil das die Bedingung meiner Eltern war, alleine wohnen zu dürfen. Das war mir dann aber doch wirklich zu langweilig, also wollte ich in das an der Juristischen Fakultät auch angebotene Fach „Internationale Beziehungen” fliehen. Dafür musste man aber damals wiederum auch „Methodik der Sozialen Wissenschaften” absolvieren. Als ich dort gelernt habe, wie z.B. Soziologen die „Geologie“ von Müllhaufen benutzen, um etwas über den Zeitgeist einer Epochen zu sagen, war ich begeistert, und wollte weiter in der Wissenschaft arbeiten. Komischerweise bin ich dann später, wegen meiner Nerd-Interessen, in der Informatik gelandet, und habe aus Geldgründen als Programmierer in einem Krankenhauslabor gearbeitet. Als dann in Nimwegen der neue interdisziplinäre Studiengang „Kognitionswissenschaft” entstand, habe ich wieder angefangen, zu studieren. 



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meines Studiums der Kognitionswissenschaft habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (auch in Nimwegen) meine Diplomarbeit über Worterkennung geschrieben, und wollte gern dort auch promovieren. Pim Levelt hat mir dann eine Doktorandenstelle angeboten, um die Produktion von Gestik und Sprache zu untersuchen. So bin ich in der Psycholinguistik gelandet. In dieser Zeit und während meines Post-Docs an der Uni Köln habe ich dann bemerkt, wie interessant und komplex Kommunikation eigentlich ist, und habe mich dann entschieden, mich darauf zu konzentrieren.




Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich versuche heraus zu finden, welche Berechnungen Menschen und künstliche Agenten (z.B. Roboter) durchführen müssen, um effektiv mit einander zu kommunizieren. Dafür benutze ich sowohl Methoden aus der Psychologie und der Soziologie als auch komputationelle Modellierung, z.B. indem ich sozial kompetente Roboter konstruiere. 



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung interessieren?
Es wird immer mehr künstliche Agenten (wie z.B. Roboter oder virtuelle Agenten) geben, und durch die weiter fortschreitende Globalisierung sowie die zunehmende Verbreitung digitaler Kommunikationsmittel wird es auch immer mehr Kommunikation zwischen Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen und kulturellen Hintergründen geben. Das heißt auch, dass das Potenzial für Missverständnisse immer größer wird. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir verstehen, wie wir uns gegenseitig verständigen können und wo und wie Missverständnisse entstehen, so dass wir sowohl die Mensch-Mensch-Kommunikation als auch die Mensch-Maschine-Kommunikation verstehen und verbessern können.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Meine größte Leidenschaft ist die Fotografie. Ich fotografiere gerne Menschen, Tiere, und brutalistische und skurrile Architektur.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Um 9 aufwachen, Zeitungen und Twitter lesen im Bett, dann Kaffee und leichtes Frühstück, und dann ein paar Stunden in einer alten industriellen Gegend mit meiner Kamera rumdackeln und Fotos machen. Dann ausführlich kochen und essen. Abends dann einen guten Film oder Comedy-TV anschauen. Das geht alles alleine, aber ist natürlich viel schöner mit meiner Partnerin.


Bitte begrüßt JP ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 25, 2017

Therapie mit Neurofeedback - David Mehler ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns, euch unseren neuen Kurator David Mehler (@neuroccino) vorstellen zu dürfen! David ist Mediziner und Hobby-Philosoph, dem das Hirn den Kopf verdreht hat. Nach seinem Medizinstudium in Münster wanderte er für den Dr. med. nach London aus, um dort motorisches Lernen zu erforschen. Seitdem ist er auf der Insel geblieben, bastelt derzeit an seinem PhD in Neurowissenschaften in Cardiff (Wales), und wird diese Woche für euch live von einer Konferenz in Vancouver tweeten.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Dank den Öffentlich-Rechtlichen. Und einigen guten Freunden und Mentoren. Habe 2005 am Nano Camp des Senders 3sat teilgenommen, das ist ein einwöchiges Camp an einem Wissenschaftsstandort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bei welchem Jugendliche verschiedene Institute besuchen können und Wissenschaft live miterleben. Wir waren damals während des sogenannten "Einsteinjahres" in Berlin Adlershof und haben unter anderem einen Teilchenbeschleuniger und eine Fabrikationsstätte für Mikroprozessoren besucht. Das war mein erster richtiger Kontakt mit Wissenschaft und Wissenschaftlern und hat mir richtig Spass gemacht hat und meine Neugierde geweckt. In der Wissenschaft gelandet bin ich dann vor allem aufgrund meines Interesses an Neurowissenschaften.

Ich hatte immer ein starkes Interesse für Philosophie, vor allem Erkenntnistheorie, und auch Psychologie. Eines Abends während der Zivi-Zeit lief dann auf Arte die Doku "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" über das Leben und die Forschung des US-amerikanischen Neurowissenschaftlers Eric Kandel. "I was hooked immediately!" Meine Neugierde für Neurowissenschaften und internationale Forschung war geweckt. Habe anschließend jede Ferienzeit genutzt um Praktika im In-und Ausland zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Für die medizinische Doktorarbeit stand für mich klar, dass ich ein neurowissenschaftliches Thema im Ausland bearbeiten wollte und es ergab sich die Möglichkeit, in einem führenden Neuro-Zentrum in London zu arbeiten. Die Arbeitserfahrung, das Erlernen von Datenanalyse und Programmieren sowie das wissenschaftliche Umfeld waren sehr inspirierend. Schnell stand fest, dass ich künftig wissenschaftlich arbeiten möchte und ich habe mich deshalb während eines klinisches Auslandsjahres in Cardiff dort parallel für einen PhD in Neurowissenschaften beworben.

Ich arbeite mit bildgebenden Verfahren, um die Funktionsweise des menschlichen Gehirns besser verstehen zu lernen. Mit diesen Methoden lassen sich, allgemein gesagt, Verarbeitungsprozesse im Gehirn messbar machen. Hauptsächlich arbeite ich mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT), einem nicht-invasiven Verfahren, d.h. wir müssen keine Schädel öffnen oder Elektroden implantieren um Gehirnprozesse messen zu können. Derzeit forsche ich hauptsächlich zu klinischen Anwendungen von fMRT-gestütztem Neurofeedback-Training, einer Art Biofeedback-Methode. Dafür werden Daten von Versuchspersonen aufgenommen, in Echtzeit aufgewertet und unmittelbar in einer intuitiven Weise als Feedback präsentiert - zum Beispiel in Form eines Thermometers, dessen Füllstand den Aktivitätsstand einer bestimmten Gehirnregion widerspiegelt. Versuchspersonen werden instruiert, dieses Feedback durch mentale Vorstellungskraft zu kontrollieren, zum Beispiel durch das Vorstellen von Bewegungen, wenn Feedback von einer Gehirnregion gezeigt wird, die in Bewegungsplanung involviert ist. So eine Form von Neurofeedback-Training hat bei neurologischen Patienten (v.a. Parkinson) in Kombination mit Bewegungstherapie bereits vielversprechende Verbesserungen von motorischen Symptomen gezeigt. Andere klinische Anwendungen für Neurofeedback-Training gibt es in der Psychiatrie, zum Beispiel als Zusatzbehandlung für Depressionspatienten. Wir haben vor kurzem erst eine randomisierte kontrollierte klinische Studie abgeschlossen, welche positive klinische Ergebnisse gezeigt hat. Das Feld befindet sich noch in der Entwicklung, aber erste Ergebnisse sind vielversprechend. Aktuell arbeite ich an einer neuen Studie mit Schlaganfallpatienten. Die Hoffnung ist, dass eines Tages diese Form von Training Patienten als zusätzliche Therapie in der Rehabilitation angeboten werden kann. .

Neurofeedback-Training ermöglicht uns einen neuen Zugang zu verstehen, wie das Gehirn funktioniert, und es hat Potential für verschiedene erfolgreiche klinische Anwendungen. Vor allem Patienten der Rehabilitationsmedizin könnten von dieser Methode profitieren. Erste klinische Studien für psychiatrische Erkrankungen wie der Depression als auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Im Rahmen eines Projekts der Europäischen Union forscht ein Konsortium von 10 Partnerinstitutionen namens BRAINTRAIN derzeit an weiteren klinischen Neurofeedback-Studien, unter anderem zur Behandlung von Autismus und Alkoholabhängigkeit.

Mich interessiert populärwissenschaftliches Schreiben, d.h. ich verfasse gerne allgemeinverständliche Artikel und Blogs über neurowissenschaftliche Themen. Zum Beispiel bin ich aktiv im Kommunikationskommittee der Organization for Human Brain Mapping (OHBM), einer Fachgessellschaft für bildgebungsbasierte neurowissenschaftliche Forschung, und schreibe regelmäßig Blogartikel, zum Beispiel über Neurofeedback-Training, oder führe Interviews zu speziellen Themen wie Open Science. Während meiner Zeit als Kurator hier werde ich  jährliche  Fachtagung der OHBM besuchen, die dieses Mal im kanadischen Vancouver stattfindet. Dort werde ich auch Nachwuchswissenschaftler*innen interviewen zu ihren Eindrücken und Vorstellungen von Wissenschaft. Stay tuned!

Ansonsten, wie schon erwähnt, interessiert mich die Open-Science-Bewegung, sie erscheint mir wichtig für künftige Entwicklungen in der Wissenschaft, aber auch ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit. Daten und Ergebnisse sollten generell öffentlich zugänglich sein, schließlich sind die meisten Projekte von Steuern zumindest teilfinanziert. Auch wird sich die Qualität von wissenschaftlichen Studien verbessern wenn erstmal alle Daten, Skripte und Materialien zur allgemeinen Verfügung stehen. Derzeit arbeite ich an verschiedenen Projekten, z.B. organisiere ich einen Workshop für Nachwuchswissenschaftler*innen zu diesem Thema an der Universität in Cardiff. Nachwuchsförderung liegt mir ebenfalls am Herzen, z.B. ich bin als Mentor aktiv und habe mehrere Gaststudenten aus dem Ausland bei Forschungsprojekten betreut. Dies war auch für mich ein Beweggrund hier zu tweeten und junge Menschen neugierig zu machen auf Neurowissenschaften, und etwas zurückgeben zu können von der tollen Unterstützung, welche ich von meinen Mentoren und Profs erhalten habe.

Meine externen Aufgaben sind im Grunde auch meine Hobbies, vor allem das Schreiben. Ansonsten höre ich viel Musik (Blues, Rock, und Folk), besuche "open mic"-Sessions und Konzerte, zuletzt Bob Dylan. Ich gehe gerne aus zum Tanzen (Funk, Soul und Indierock) und bin gern in der Natur zum Wandern oder Spazierengehen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein langer Spaziergang in der Natur, vielleicht am Meer oder in den Bergen mit guten Freunden. Nachts dann irgendwo einkehren für eine gute Party in einer noch unbekannten Stadt und dort das Nachtleben entdecken. Am nächsten Tag ausschlafen.


Bitte begrüßt David ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 18, 2017

Neues Wissen aus alten Steinen gewinnen - Stephanie Zihms ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns, Dr. Stephanie Zihms (@geomechSteph) bei Real Scientists DE begrüßen zu dürfen! Stephanie arbeitet als Postdoc im Bereich Geomechanik von Karbonatgesteinen am Institute for Petroleum Engineering an der Heriot-Watt University, aber ist bis Ende August an der UFPE in Recife, Brasilien. Ihre Forschung beschäftigt sich damit, wie sich Gesteinen im Untergrund unter verschiedenen Druckveränderungen verformen.

Hier eine Beschreibung ihrer Arbeit in ihren eigenen Worten:

"Ich versuche zu verstehen, warum Gesteine sich so verformen, wie wir es beobachten und was diese Verformungen kontrolliert – Kristall- oder Korngröße, Kornform, Form oder Größe der Poren? Oder ist es doch die Mineralogie, oder wie das Gestein abgelagert wurde? Mit Laborversuchen an verschiedenen Gesteinen unter unterschiedlichen Bedingungen versuche ich das herauszufinden. Meine Forschung und ihre Ergebnisse sind wichtig für verschiedene Untergrundprozesse, z.B. Erdöl – oder Erdgasgewinnung, Geothermie oder CO2-Speicherung. Jedesmal, wenn Flüssigkeiten oder Gase aus dem Erdboden entnommen oder zugeführt werden, ändern sich die Bedingungen im Untergrund. Gesteine reagieren auf diese Veränderung, und wenn ich verstehe, welche Gesteinseigenschaften diese Reaktionen kontrollieren, dann können wir dieses Verhalten besser vorhersagen. Ich bin gerade in Brasilien, um meine Laborergebnisse mit Gesteinen in Steinbrüchen und Aufschlüssen zu vergleichen - damit wir auch wissen, ob unsere Laborversuche Sinn machen."
Super spannend also, und wir freuen uns auf eine großartige Woche! Natürlich haben wir Stephanie auch unseren üblichen Fragebogen gegeben:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin da so reingepurzelt…ich wusste ewig nicht, was ich studieren soll, wie meine LKs in Physik und Geschichte zeigen. Meine Mama hatte dann Geowissenschaften in Hannover vorgeschlagen – viel draußen sein, etwas Reisen, von allen Naturwissenschaften etwas dabei, und vor allem kein NC – das klang super. Nach 3 Jahren Grundstudium bin ich dann nach Schottland – ursprünglich für 1 Jahr…aber Pläne ändern sich und ich bin da geblieben und habe dann 2007 meinen BSc in Earth Science von der University of Glasgow bekommen. Die Zeremonie in Glasgow war fast wie bei Harry Potter.

Ich habe dann ersteinmal als Geologin bei einer Geotechnikfirma in Schottland gearbeitet – war eine super Gelegenheit, Schottland noch besser kennenzulernen. Aber nach 2 Jahren kam die Lust auf mehr, und mit diesem Wunsch dann auch die finanzielle Krise in 2009 und meine Entlassung. Kurz bevor ich entlassen wurde, hatte ich eine Doktorandenstelle gesehen, die super spannend klang und nach einem Informationsgespräch habe ich mich auf die Stelle beworben. Bis ich die Zusage hatte, habe ich etwas gejobbt und z.B. Computerspiele getestet. Ich hab dann im September 2009 die ersehnte Zusage bekommen und im Oktober angefangen. Ich habe 3 Jahre und 10 Monate gebraucht und im August 2013 meine Doktorarbeit eingereicht. Und ich bin dann wieder aus der Akademie raus – aber nicht aus der Forschung  und habe beim British Geological Survey als Experimentelle Geowissenschaftlerin angefangen – eine unbefristete Stelle im Öffentlichen Dienst – Jackpot. Naja…es ist nicht immer alles Gold was glänzt und mir haben die Einschränkungen nicht so gefallen und ich konnte auch meine eigenen Ideen nicht richtig verfolgen. Also habe ich nach 15 Monaten meine Kündigung eingereicht und bin dann im Dezember 2014 von England wieder nach Schottland gezogen. Ich wollte wieder zurück an die Uni – hatte aber keine guten Stellen gesehen, und so sagte ich ja zu einer 4-monatigen Postdoc-Stelle an der Heriot-Watt University. Ich habe ein Experiment entworfen, um CO2 Blasen unter verschiedenen Strömungsbedingungen zu messen. Und während dieser Zeit habe ich dann auch das Angebot für meine jetzige Stelle entdeckt, mich beworben und auch bekommen. Ich habe im Mai 2015 im Insitute for Petroleum Engineering angefangen und habe jetzt noch 10 Monate, bis mein Vertrag endet. Ich habe mich auf ein paar verschiedene Stellen beworben – in Schottland und Deutschland. Mal schauen, was die Zukunft bringt…

In meinem Forschungsgebiet bin ich erst seit 2015 – aber was für ein Gebiet. Mit immer neuen Technologien lernen wir so viel mehr über Gesteine und wie sie sich verformen. Am besten finde ich es, wenn ich etwas entdecke, bei dem ich weiss, dass ich die erste Person bin, die es sieht. Die Gesteine, mit denen ich gerade arbeite, kommen aus Brasilien und sind berühmt für ihre Fischfossilien aus der Kreidezeit. Aber seit der letzten Edöl-Entdeckung in Brasilien werden sie als Vergleichsmaterial erforscht. Als wir unsere Proben mit Röntgenstrahlen untersucht haben, um die Bruchzonen zu analysieren, haben wir auch Spurfossilien entdeckt, die so noch nie in 3D abgebildet worden waren – diese Bilder mit den brasilianischen Paläontologen zu teilen, war super. Wir sinde gerade dabei, neue Techniken und ihre Nutzbarkeit in der Geomechanik zu testen. Es macht super viel Spass, quasi alt mit neu zu kombinieren und zu schauen, wie wir noch mehr Informationen aus den Gesteinen herausbekommen können. Und ich muss sagen, das viele Reisen macht auch super viel Spass – ich hätte nie gedacht, dass ich mal 3 Monate in Brasilien wohnen und arbeiten werde. 

Meine Arbeit ist eine Mischung aus
1.   Laborarbeit: ich bereite die Gesteinsproben vor, vermesse und fotografiere sie, danach werden ein paar Standardtest gemacht, um Porosität und Durchlässigkeit zu messen – das ist wichtig, um dies mit den Ergebnissen nach der Deformierung zu vergleichen. Die triaxiale Verformung mache ich mit einem Kollegen zusammen – das ist etwas langweilig, da alles in einer Edelstahlzelle passiert und wir nur die Daten sehen können. Nach diesem Test werden dann die Charakterisierungstests wiederholt. Ausgesuchte Proben gehen dann zu einem Kollegen an der Lund Universität in Schweden für die Röntgenaufnahmen.
2.  Datenanalyse: Ich vergleiche die Daten vor und nach dem Test und versuche, die Röntgenbilder zu rekonstruieren, um das Innere des Gesteins in 3D sehen zu können. Wenn möglich, haben wir auch eine Aufnahme, bevor das Gestein veformt wurde, um auch diese zu vergleichen
3.  Geländearbeit: Leider nicht so viel wie ich gerne hätte, aber ich war schon in Frankreich, um Proben zu sammeln und bin jetzt zum zweiten Mal in Brasilien, um hier Daten im Gelände zu sammeln. Das geht hauptsächlich über Fotos, die ich dann am Computer analysiere und mit den Laborfotos vergleiche.
4.  Schreiben: wie jeder andere Wissenschaftler auch muss ich Berichte und Journalpapers schreiben – etwas untypisch für einen Postdoc habe ich mich auch schon für kleine Forschungsgelder beworben.
Ich mag die Abwechslung und dass ich bei den Laborexperimenten mitentscheiden darf, was gemacht wird. Außerdem lerne ich, wie alle Messgeräte funktionieren. Und ich habe ein paar Nebenprojekte – die haben aber alle irgendwie mit Geomechanik zu tun.

Wenn wir weiterhin auf Erdöl und Erdgas angewiesen sind, müssen wir wissen, wie wir sicher und am effizientesten an die letzten Reserven kommen – 60% der Reserven sind in Karbonatgesteinen eingeschlossen und die sind sehr kompliziert. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, um zu verstehen, wie sicher es ist, CO2 im Untergrund zu speichern und welche Gesteinsformationen sich dafür am besten eignen. Beide Aspekte (wenn auch gegensätzlich) sind wichtig und meine Forschung kann allen Seiten helfen.

Ich bin seit 2015 Projektleiterin für Native Scientist in Edinburgh für Deutsch – ich koordiniere Events mit Schülern der deutschen Samstagschule und deutsch-sprachigen Wissenschaftlern. Im Mai diesen Jahres hatten wir ein Event mit dem Goethe Institut in Glasgow und schottischen Schülern, die Deutsch lernen.
Seit November 2016 bin ich Mitglied bei Chronically Academic – ein Netzwerk von Akademikern mit Behinderung oder Chronischen Erkrangung. Da bin ich nach meiner MS Diagnose beigetreten – für die Unterstützung, aber auch, um das System zu ändern und anderen Wissenschaftlern in meiner Situation zu helfen und bei der Aufklärungsarbeit zu helfen.
Ich bin auch aktiv, was die Unterstützung von Wissenschaftlern am Anfang ihrer Karriere angeht und habe letzes Jahr ein Postdoc Forum an der Heriot-Watt University gegründet

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nix spannendes – ich versuche gerade, Portugiesisch zu lernen (da sich das ja anbietet) und ich habe vor 3 Wochen wieder mit Laufen angefangen und trainiere gerade für einen 10km Lauf hier in Recife im August. Ansonsten fahre ich gerne Rad – ich habe ein Rennrad und ein Mountainbike.
Ich stamme aus einer Fußball-Verrückten Familie und alle 2 Jahre zur WM und EM kommt das dann richtig raus…ich habe sogar ein Trikot für meinen Computerstuhl. Meine Mama hat eine Dauerkarte für Bayer Leverkusen und da gehe ich dann machmal mit zu Spielen, wenn ich zu Besuch bin. Und mein Film gegen Heimweh ist Deutschland ein Sommermärchen – aber ich überspringe manchmal das Spiel gegen Italien…

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Ausschlafen (was bei mir 7 oder 8 Uhr ist) – gemütlich frühstücken und dann mit meinem Freund wandern oder spazieren gehen – wir haben viele Parks in der Nähe. Oder, wenn das Wetter typisch schottisch ist, dann ist auch mal ein Tag auf dem Sofa mit Netflix ganz entspannend. Hier in Brasilien versuche ich am Wochenende, Städte in der Nähe zu besuchen.

Bitte begrüßt Stephanie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 11, 2017

In den Köpfen von Hackern und Wissenschaftlern - Malte Elson ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit dem größten Vergnügen möchten wir euch unseren neuen Kurator Malte Elson (@maltoesermalte) vorstellen! Malte gehört zur seltenen Spezies der Medienpsychologen und hat in Köln zum Thema gewalthaltige Videospiele und Aggression promoviert. Nach einem Zwischenstopp in Münster zog es ihn an die Ruhr-Universität Bochum, wo er Verhaltenslernen mit Medien erforscht. Neben diesem Forschungsschwerpunkt rettet er (hoffentlich) die Wissenschaft und baut wundervoll nerdige Websites für seine diversen Projekte (Beweisstück 1).


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Durch Stolpern - Ins Studium, in meine erste Stelle als SHK, in meine Promotion. Die große Gesichtsbremse kommt also wahrscheinlich bald.

Eigentllich habe ich nicht ein aktuelles Feld, sondern zwei, die sich auch nur randständig überlappen: Zum einen interessiere ich mich für den "Human Factor" in der Sicherheit digitaler Technologien, insbesondere für das Reverse Engineering von anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen (sog. ASICs). Diesen Satz verwende ich sehr gerne, weil darin relativ viele abgefahrene Wörter auftauchen, die alle nicht nach Psychologie klingen. Vereinfacht gesagt erforsche ich Lern- und Problemlöseprozesse beim "Hacken" von Computerhardware bzw. Chips, z.B. solchen in Autoschlüsseln oder Kreditkarten - Wie geht man dabei vor? Was sind die einzelnen Lösungsschritte? Welche besonderen Herausforderungen gibt es? Welche Werkzeuge werden eingesetzt? Welches Vorwissen ist nötig? Ziel dieser Forschung ist es, das Design von Chips so zu verändern, dass Angreifer es "schwerer" haben, diese zu entschlüsseln.


Nicht speziell genug? Mein anderes Forschungsobjekt ist die (psychologische) Wissenschaft selbst. Dies ist ein relativ neuer Forschungsbereich (jedenfalls in der Psychologie), der sich Meta-Wissenschaft nennt. Das heißt: Mich interessiert, wie wissenschaftliche Erkenntnisse generiert und distribuiert werden. Ziel ist es letztlich, die Qualität von Forschungsabläufen evidenzbasiert zu verbessern. Dabei geht es um verschiedene Perspektiven, z.B. Methodologie (Wie arbeiten Wissenschaftler? Welche Fehler machen sie, bspw. beim Berichten statistischer Kennwerte?), Kommunikation (Wie wird über Forschung berichtet?) und Evaluation (Wie effektiv ist das Gatekeeping-System der Wissenschaft, Peer Review, und wie kann man es verbessern?).

"Von Haus aus" bin ich eigentlich Experimentalpsychologe und es liegt mir auch nach wie vor am meisten, in einer Experimentallogik über psychologische Phänomene nachzudenken. Wenig macht mir in meiner Arbeit mehr Spaß, als ein rigoros durchgeführtes Experiment (sowohl eigene als auch die anderer Leute). In der Realität verwende ich aber, jedenfalls aktuell, doch auch oft andere Forschungsdesigns. Hardware-Ingenieure (Thema 1), die Chips zerlegen, arbeiten u.a. für Regierungen (z.B. NSA) oder stehen mit einem Bein im Gefängnis - die für ein Experiment ins Labor zu bekommen ist daher nicht ganz trivial. Hier bin ich aktuell eher in einer Phase der Phänomenbeschreibung, d.h. ich versuche zunächst durch Einzelfallbeobachtungen ein paar Ideen davon zu bekommen, wie Hacker vorgehen, da es dafür schlichtweg keine Handbücher o.ä. Mustervorlagen gibt. Im nächsten Schritt sollen diese Erkenntnisse dann auch hoffentlich für das Design sinnvoller Laborexperimente genutzt werden. Um nachzuvollziehen, wie Wissenschaftler (Thema 2) arbeiten, tue ich vor allem eins: Lesen, was Wissenschaftler so alles aufschreiben, z.B. im Rahmen einer systematischen Inhaltsanalyse wissenschaftlicher Publikationen. Grundsätzlich bin ich aber auch sehr daran interessiert, hier originiäre empirische Studien durchzuführen - leider sind Wissenschaftler (aus anderen Gründen wie Hacker) auch nicht ganz leicht für derartige Forschungsvorhaben zu gewinnen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Von Software-Hacking hat vermutlich jeder schon mal gehört, und dass ein Passwort aus mehr als 5 Buchstaben bestehen sollte, um sicher zu sein, wissen auch sonst technisch unbedarfte Menschen. Aber dass digitale Technologien auch noch auf andere Weise angegriffen werden können, nämlich über die Hardware selbst, ist vermutlich weniger bekannt. Mit der Zunahme solcher Chips in Alltagsobjekten (z.B. dem Perso) und dem wachsenden "Internet der Dinge" wird das ein Problem sein, mit Leute zwangsläufig konfrontiert werden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit dafür interessieren, wie Wissenschaftler arbeiten? Das tut sie oft bereits. Der öffentliche Diskurs über Themen hoher gesellschaftlicher Relevanz (z.B. Klimawandel, soziale Ungleichheit, Mediennutzung oder auch Klassiker wie die Sonntagsfrage) sind oft begleitet von Meta-Diskussionen über Qualität der Forschung in diesen Bereichen. Diese sind jedoch auch viel von (teilweise haarsträubenden) Spekulationen geprägt, bspw. zur Auswirkung persönlicher Überzeugungen der Wissenschaftler auf ihre Daten oder zur strategischen Einflussnahme von (tatsächlichen oder vermuteten) Geldgebern. Auch wenn ein gesunder Skeptizismus grundsätzlich zu begrüßen ist, sollte er natürlich möglichst fundiert sein. Dass es in der Forschung als ein von Menschen betriebener Prozess auch eine gewisse Fehleranfälligkeit geben muss, liegt denke ich auf der Hand. Aber statt dieses eher grundsätzliche Phänomen dafür heranzuziehen, Wissenschaft entweder selektiv oder vollständig abzulehnen, gilt es nun eben mit wissenschaftlichen Methoden herauszufinden, was genau mögliche Probleme (oder ihre Quellen) sind, und wie man zukünftig am besten dagegen vorgehen kann.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Board Member der Society for the Improvement of Psychological Science (http://improvingpsych.org/), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Forschungspraktiken in der Psychologie nachhaltig zu verbessern. Ob uns das gelingt? Hoffentlich! An Motivation mangelt es jedenfalls nicht. Ich betreibe zudem zwei Websiten, die unmittelbar mit meiner Forschungs zu tun haben: journalreviewer.org ist eine Plattform, auf der Wissenschaftler Erfahrungsberichte über die Peer Review-Prozesse, die sie selbst durchlaufen, anderen zur Verfügung stellen können; flexiblemeasures.com aggregiert und visualisiert Probleme mit Flexibilität in psychologischen Forschungsmethoden. Schließlich betreibe ich noch gemeinsam mit drei anderen Psychologen (Anne Scheel, Ruben Arslan, Julia Rohrer) den Blog the100.ci, den ich allen sehr ans Herz legen möchte.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Da ich relativ gerne esse hat sich irgendwie die Notwendigkeit ergeben, dass ich oft (und gerne) koche. Ich bin zudem sehr brettspielbegeistert. Des weiteren versuche ich mich mehrfach die Woche dazu zu disziplinieren, Abends zum Raketensporttraining zu erscheinen, also am Rechner zu hängen und mit ein paar Freunden Rocket League zu zocken (Fußball mit raketenbetriebenen Autos). Ein weiteres Hobby ist es mir einzureden, dass ich bald wieder anfangen werde, das Klavier zu benutzen, das im Wohnzimmer so viel Platz wegnimmt. Achso, und ich mag Hüte.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Schlafen bis 10. Frühstück bis 12. Rocket League bis 2. Mittagssnack bis 3. Fahrradtour bis 5. Eis (geht immer). Auf dem Balkon rumgammeln (z.B. lesen) bis 7. Kochen & Essen bis 9. Brettspiele bis 2.

Bitte begrüßt Malte ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 4, 2017

Die unbestreitbare Faszination der Sterne - Stefan Gotthold ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, Stefan Gotthold (@ClearSkyBlog, aber auch @gottie29 und @WeRaBot und andere) als neuen Kurator begrüßen zu dürfen! Stefan ist Social-Media-Manager, Blogger, Wissenschaftskommunikator, und Astrofotograf in Selbstständigkeit sowie Pädagogischer Mitarbeiter in der Stiftung Planetarium Berlin. Er leitet den Clear Sky-Blog und ist auch auf quasi allen anderen sozialen Medien vertreten. Sein anderes berufliches Zuhause sind die Berliner Planetarien und Sternwarten der Stiftung Planetarium Berlin (Zeiss-Großplanetarium, Planetarium am Insulaner, Archenholdsternwarte und Wilhelm-Foerster-Sternwarte).


Hier ist Stefan in seinen eigenen Worten:

Eigentlich bin ich nie so richtig in der Wissenschaft gelandet. Ich bin Diplom-Ingenieur für Technische Informatik im Maschinenbau und bin recht schnell nach dem Studium in der Wirtschaft gelandet. Seit dem ich 16 Jahre alt bin, betreibe ich aber das Hobby Astronomie. Hierbei der praktische Teil und führe seit 2009 einen der größten Astronomie-Blogs Deutschlands. Der Clear Sky-Blog ist mein Zugang zur Wissenschaft und was anfänglich nur ein Hobbyprojekt war trieb mich nach und nach in die Wissenschaftsszene und damit auch in die Wissenschaftskommunikation. 
2014 habe ich mich mit diesem Thema auch Selbstständig gemacht und werde hier regelmäßig von Universitäten und anderen #Wisskomm-Einrichtungen gebucht, um dort die Astronomie vorzustellen. Forschung steht hier nicht im Hauptfokus und trotzdem beschäftige ich mich mit den sozialen Netzwerken und probiere hier sehr viel aus. Mich interessieren eben die Fragen nach der Kommunikation im wissenschaftl. Bereich. Mittlerweile Berate ich Institute und verschiedene Einrichtungen im Bereich Social-Media und wie man mittels der Netzwerke Menschen von der Wissenschaft begeistern und informieren kann.
Das brachte mich auch zur Stiftung Planetarium Berlin. 2014 gründete ich mit den damaligen Planetarien und Sternwarten die Lange Nacht der Astronomie in Berlin. Wir wuchsen zusammen und da war der Schritt in die 2016 gegründete Stiftung ein logischer Schritt. Auch hier bleib ich der Wissenschaftskommunikation treu und bin sehr oft in den Planetariumskuppeln unterwegs. Mit Menschen über aktuelle Forschung zu sprechen, macht mir Spaß und mit den Möglichkeiten eines Planetariums und dessen Technik geht das um einiges einfacher.
Der Kontakt zu den Menschen und vor allem zu den Kindern begeistert mich. Astronomie ist die Wissenschaft die alles vereinigen kann. Biologie, Chemie, Physik, Mathe und viele weitere Wissenschaftszweige finden sich in der Astronomie wieder. Kinder und Jugendliche sind schnell zu begeistern und wollen viel darüber Wissen wo wir im Universum leben und wirken. Erwachsene sind da zwar auch wissbegierig, aber zurückhaltender. 
Ich liebe es, unter einem Planetariumssternenhimmel zu stehen und die Menschen auf eine Reise durch den Kosmos mitzunehmen. Wir leben in einer spannenden Zeit und es passiert so vieles dort draussen in den Weiten des Weltalls. Mich interessiert das nun seit 24 Jahren und da gibt es viel zu erzählen. 
Meine Begeisterung steckt an und daher betreue ich das Moderatorenteam der Planetarien und sorge dafür das unsere Moderatoren mit der gleichen Begeisterung den Besuchern dieses faszinierende Thema mitgeben.
In meiner Selbstständigkeit gehe ich raus. Mit dem Teleskop den Sternenhimmel zu erkunden ist noch einmal etwas schöner. Wer in echt mal den Jupiter gesehen hat und die Monde Galileo’s beobachtet, der wird das Bild nie wieder los. 
Natürlich muss in beiden Bereich darauf geachtet werden, die Menschen nicht abzuhängen, sondern Wissen zu vermitteln. Das ist der Arbeitsprozess im Hintergrund. Bildungsprogramme sollten durchdacht sein. Vorträge sollten verständlich sein. Und all das bitte auch auf Augenhöhe. Hier steckt viel Arbeit in meinem Blog (>1000 Artikel) und auch in den Programmen der Planetarien.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit interessieren?
Das ist einfach zu beantworten. Weil Sie cool ist, weil Sie toll ist und weil Sie den Menschen zeigt wo sich unser Platz im Universum befindet. Der Blick in das große Universum zeigt uns das wir unheimlich klein sind. Viele fühlen sich unbedeutend. Das stimmt aber nicht. Wenn ich mit den Menschen zum Rand des Universums reise, dann zeige ich was wir als Menschen schon herausgefunden haben. Und das ist großartig. Und natürlich gibt es Millionen von ungelösten Fragen. Hier können sich Kinder und Jugendliche noch engagieren und in die Studienfächer gehen. Aber auch anders herum zeige ich den Menschen gern den Blick auf unseren blauen Planeten und wir schändlich wir damit umgehen. Geht von 300 Gästen nur einer aus dem Planetarium und achtet etwas mehr auf seine Umwelt, ist mein Ziel schon erreicht. Lieber wären mir, wenn alle 300 das tun würden, aber das geht glaube ich nicht.

Da mein Hobby, meine Selbstständigkeit und meine Arbeit für die Stiftung so ziemlich alles an Zeit nehmen, fehlt mir hier einfach die Möglichkeit noch anderen Themen nachzugehen. Die Interessen sind hoch und ich bin leicht von neuen Themen zu begeistern. Aber leider hat der Tag nur 24 Stunden.
Natürlich gibt es immer mal die eine oder andere Minute und dort gehe ich dem Teil des Studiums nach, der mich schon immer etwas mehr interessiert hat. Meine kleine Leidenschaft ist das Programmieren. Und da sich das super mit der Wissenschaftskommunikation verbinden lässt, programmiere ich ab und an mal einige Ideen durch. Im Moment habe ich einige Twitter-Bots entwickelt. @WeRaBot ist eines der Projekte bei Twitter. Dort twittert eine Raspberry Pi für mich und natürlich wieder astronomische Themen. Man könnte es als Forschung im Bereich Social-Media werten. Ich will ausprobieren wie sich ein Twitter-Kanal aufbaut, wenn klar ist dass hier ein Bot hinter steckt. Aktuell hat @WeRaBot (Welt-Raum-Bot) schon 282 Follower. Mal schauen wir es in 1-2 Jahren aussieht.

Ich bin in der glücklichen Lage mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Leider leiden Hobbies wie Motorradfahren, Tauchen etc. darunter etwas. Aber das ist OK. Die Astronomie in allen Bereichen füllt mich hier komplett aus.
Mein idealer Tag findet einmal im Jahr statt. Die Lange Nacht der Astronomie #lnda2017 (dieses Jahr am 5. August im Gleisdreieckpark) ist mein idealer Tag. 2.500 Menschen an einem Ort mit dem Interesse für Astronomie. Ich liebe diesen Tag einfach. Er zeigt wie sehr wir den Menschen die Wissenschaft zeigen können und alle kommen freiwillig. Schaue ich in die Gesichter und höre sowohl von Kinder (5 jährige) bis Opa und Oma (96 jährige) das diese das erste Mal den Saturn mit Ringen durchs Teleskop gesehen haben, bin ich glücklich. 

Bitte begrüßt Stefan ganz herzlich bei Real Scientists DE!