Showing posts with label Technologie. Show all posts
Showing posts with label Technologie. Show all posts

Sunday, October 9, 2022

Zwischen den Phasen in der Verfahrenstechnik - Lutz Böhm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns diese Woche auf unseren neuen Kurator Lutz Böhm (@drlutzboehm)! Lutz hat 2009 das Diplom ider Fachrichtung ''Verfahrens- und Energietechnik'' gemacht und arbeitet seitdem am Fachgebiet Verfahrenstechnik der Technische Universität Berlin. 2015 hat er eine Promotion zum Thema Comparison of single bubble and bubble swarm behavior in narrow gaps inside flat sheet membrane modules erfolgreich zu Ende gebrachtSeitdem arbeitet er als Postdoktorand, hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Transportphänomene in reaktiven Newtonschen und nicht-Newtonschen Mehrphasensystemen'' aufgebaut und betreut momentan sieben Doktorand:innen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Etwas kompliziert. Zum Ende meines Studiums konnte ich mir eine Promotion und damit die wissenschaftliche Arbeit vorstellen, während viele meiner Mitstudierenden eigentlich nur raus in die Industrie wollten. Irgendwie auch normal bei uns Ingenieur:innen. Ein bisschen ist es durch meinen Vater bedingt, der im Prinzip meinte, dass es ohne die Promotion in der Karriere gläserne Decken gibt, die nicht durchbrochen werden können, man also irgendwann nicht mehr weiter aufsteigen kann. Das ist übrigens in der Ingenieurskarriere durchaus bis zu einem gewissen Grad richtig (aber auch nicht zwangsläufig). Naja, am Ende haben vergleichsweise viele meiner Mitstudierendenden den Weg der Promotion verfolgt, was auch nicht wenig mit der Wirtschaftskrise 2007 und folgend zusammenhing. In der Uni gab es halt noch Jobs, während auch große Unternehmen einen Einstellungsjob lebten. Klingt alles relativ unromantisch, aber so ist es nun mal. Bei mir war das aber, wie gesagt gar nicht der Grund. Ich hatte Lust auf die Promotion und kannte durch meine studentische Tätigkeit am Fachgebiet das Arbeitsumfeld schon. Da hatte ich richtig Lust drauf und habe mich dafür entschieden in Berlin zu bleiben, obwohl ich auch eine Zusage an der vielleicht sogar renommierteren RWTH Aachen hatte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mein aktuelles Feld als PostDoc im Bereich der Verfahrenstechnik lautet „Transport phenomena in reactive Newtonian and non-Newtonian multiphaseflow“ und ist eine logische Fortentwicklung dessen, was ich schon selbst in meiner Promotion gemacht habe, und was mich daneben sowieso interessiert hat. Das spannende daran ist, dass man es auf allen Ebenen betrachten kann, von fundamental im ganz kleinen Maßstab bis zur >500m³ Anlage. Nur kurz: Phasen sind hier also zum Beispiel Gas, Flüssigkeit, Feststoff. Also, wenn man mehr als eine Phase hat, wird das Forschungsfeld schon riesig. In der Realität sind die Systeme häufig aber eben sogar noch komplexer, was sich im Namen meiner Arbeitsgruppe widerspeigelt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin grundsätzlich erstmal ein Wissenschaftlicher Mitarbeit, der über den Haushalt der Uni bezahlt wird. Das bedeutet auch, dass ich Verpflichtungen im Bereich der Lehre, Forschung und universitären Selbstverwaltung habe. Um mal mit letzterem anzufangen bin ich in ein paar Gremien, wo es um die Verteilung von Mittel und Personal in der Fakultät geht und auch um andere Entscheidungen auf Instituts- und Fakultätsebene. 
In der Lehre betreue ich die zwei größten Lehrveranstaltungen bei uns am Fachgebiet. Das eine Fach heißt Physikalische Chemie und ist eine Mischung aus Thermodynamik und Reaktionstechnik. Das andere nennt sich Energie-, Impuls und Stofftransport und da lernen die Studierenden zB warum Schiffe schwimmen können und vor allem, wie man Apparate in der (chemischen) Industrie auslegen kann. Das sind unsere größten Lehrveranstaltungen, weil diese Fächer u.a. von Studierenden der Biotechnologie, dem Technischen Umweltschutz, der Werkstofftechnik, der Lebensmitteltechnologie usw. besucht werden.
Im Bereich der Forschung stehe ich tatsächlich inzwischen normalerweise nicht mehr selber im Labor, auch wenn man das für Photos gerne mal so macht. Ich beantrage Projekte und betreue Doktorand:innen, so dass sie hoffentlich erfolgreich ihr Projekt bearbeiten können. Im besten Fall schreibe ich Übersichtsartikel und präsentiere diese auf Konferenzen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine erste Reaktion leite ich mal von Mai Thi Nguyen-Kim ab und frage: wie kann man sich nicht für MINT Fächer interessieren? Es ist super vielfältig und man lernt die Welt um sich herum zu verstehen.
Speziell auf meinen Bereich bezogen: Potentielle Arbeitgeber für Verfahrenstechniker:innen sind die Chemie-, Pharmazie-, Kosmetik-, Umwelt- und Lebensmittelindustrie. Neben dem klassischen Maschinenbau sind das mit die größten Arbeitgeber in Deutschland und insbesondere die Chemieindustrie wird auch in Zukunft eine extrem wichtige Rolle in der Umstellung dieses Landes auf die neuen Gegebenheiten spielen. Ohne die Chemieindustrie gibt eine keine Wärmedämmung für Häuser, keine Solarzellen, keine neuen Materialien für Batterien und so weiter. An der Herstellung praktisch all dieser wichtigen Prozesse sind Mehrphasensysteme, mein Forschungsthema, beteiligt. Um noch ein anderes wichtiges Thema zu nennen: Will man CO2 aus Abgasströmen herausholen, kann man dieses Gas durch Flüssigkeiten „blubbern“ lassen, das CO2 geht in die Flüssigkeit über und reichert sich dort an, so dass es nicht mit dem Abgas in die Umgebung abgegeben wird. Mit verschiedensten Aspekten dieser Themen beschäftigt sich meine Arbeitsgruppe.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Naja, zusammen mit Kollegen bin ich zB für den Web und Social Media Auftritt unseres Fachgebiets zuständig. Das umfasst einen Instagram- und auch unseren Youtube-Kanal. Und abgesehen davon versuche ich einigermaßen aktiv auf meinem eigenen Twitter Account zu sein. Meine Hauptanliegen sind dort Wissenschaftskommunikation auf verschiedensten Ebenen, von Kolleg:innen bis zur normalen Person, die mit MINT so gar nichts am Hut hat, aber sich vielleicht trotzdem ein bisschen dafür interessiert, und allgemeine Dinge, die mit dem Wissenschaftsbetrieb zu tun haben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessante Hobbies sind eine gute Frage, da ich mit Job und Family schon echt gut eingespannt bin. Trotzdem: Seit vielen Jahren habe ich ein Abo bei einem Hörbuchanbieter und habe dort seit – das erstaunt mich selber – gut 100 Monaten etwa jeden Monat ein Buch gehört. Da gibt es auch Achievements und, wenn auch nicht im echten Leben, habe ich dort zumindest den Status „Professor“. :-) Wenn ich zeit finde, spiele ich gerne noch Playstation, aber dafür habe ich viel zu wenig Zeit. Meine Follower wissen außerdem, dass ich sehr gerne auf Konzerte gehe. Ein Hobby, das sehr in den heftigeren Corona-Zeiten gelitten hat, dieses Jahr aber wieder gut ausgelebt wurde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meine spontane Antwort, da steckt immer noch der Student  in mir, ist das berühmte Zitat von Harald Juhnke: keine Termine und leicht einen sitzen. Aber mal im Ernst: schlafen, alles andere ist fast egal. Ich glaube, alle mit kleinen Kindern werden das verstehen.

Bitte begrüßt Lutz ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 24, 2020

Die Geheimnisse des Grundwassers - Claus Haslauer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Claus Haslauer (@planetwater) vorstellen zu dürfen! Claus hat an der Universität Stuttgart Umweltschutztechnik und an der University of Waterloo Earth and Environmental Sciences studiert, wurde in Stuttgart zum Doktoringenieur promoviert und an der Universität Tübingen im Bereich Geohydrologie habilitiert. Entsprechend reicht seine Erfahrung in den vielfältigen Bereichen der Wasserwirtschaft von der Brunnenhydraulik, der Evaluierung von besten landwirtschaftlichen Praktiken auf Grundwasserqualität, über die Kartierung und Risikoabschätzung regionaler Grundwasserqualität bis hin zur Entwicklung multivariater geostatistischer Modelle.
Claus ist Wissenschaftler und Technischer Leiter der Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung (VEGAS, auch auf Twitter) an der Universität Stuttgart. In seiner Forschung beschäftigt er sich hauptsächlich mit der mathematischen Beschreibung von räumlich verteilten Parameterfeldern (Geostatistik). Zum Beispiel führt eine verbesserte Beschreibung der hydraulischen Leitfähigkeit in einem Aquifer zu einer verbesserten Abschätzung wann Grenzwerte von Schadstoffen in Trinkwasserbrunnen überschritten werden. Bei VEGAS werden hauptsächlich innovative in-situ Saniertungstechnologien für kontaminierte Standorte entwickelt. Eine Spezialität von VEGAS sind thermische in-situ Verfahren.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte einen möglichst breitgefächertes quantitatives Studienfach belegen. Die Uni Stuttgart hat damals schon solch ein fundiertes, breit-gefächertes, qualitatives Studienfach angeboten: Umweltschutztechnik.
Von da an habe ich versucht, die Augen offen zu halten und dem zu folgen, was mich interessiert. Das war zunächst ein recht angewandtes Thema: Es ging um die Evaluierung der nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftung in einem Einzugsgebiet auf eine öffentliche Trinkwasserversorgung. Ich ging der Frage nach, wie landwirtschaftlicher Betrieb und Trinkwasserversorgung unter bestmöglichen Bedingungen co-existieren können. Das Thema beinhaltete viel Feldarbeit (z.B. Bohren, Wasser Proben nehmen und analysieren, geophysikalische Kampagnen, Beprobungs-System für Drainage-Systeme entwickeln) und auch die darauf aufbauende numerische Simulationen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man sich mit einem Problem beschäftigt findet man sehr oft neue spannende wissenschaftliche Fragestellungen. Ich habe während der Feld-Arbeit im Woodstock Drumlin Field festgestellt, dass sich manche Parameter (z.B. Regen-Intensität, hydraulische Leitfähigkeit) recht stark auf relativ kleinem Raum verändern. Diese Veränderungen und Zusammenhänge mathematisch (statistisch) zu beschreiben, Modelle dafür zu entwickeln und deren Auswirkungen zu testen wurde das Thema meiner Dissertation.
Ich beschäftige mich gerne mit Theorie, z.B. auch in meiner Dissertation, aber ich brauche auch immer wieder die "Erdung" wie die Theorie in der Praxis angewandt wird. Ergebnisse meiner Dissertation haben zum Beispiel zur Weiterentwicklung des operativen Computercodes beigetragen, der regionale Grundwasserqualitätskarten für das Land Baden-Württemberg erstellt.
Das Zusammenspiel von Neugierde ("Wie funktioniert das?") mit der Erdung ("Wie und wo hilft uns das?") ist für mich genug Antrieb, in der Wissenschaft zu bleiben! Es macht mir außerdem großen Spaß, mich um die Ressource Wasser zu kümmern.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Wasser und Grundwasser sind eine essentielle Ressource! Ich finde es spannend mich darum zu kümmern, nicht nur durch Wassersparen!
Es sind eine Reihe von Fragen, deren Antworten etwas Nachdenken (also Wissenschaft) erfordern: Wie entscheiden wir, ob ein Grundwasserleiter "in gutem Zustand" ist? Wann wird ein Grenzwert für einen Schadstoff in einem Brunnen überschritten? Wie können wir einen Schadstoff wieder aus dem Grundwasser und aus dem Boden bekommen (zu vertretbaren Kosten und in verhältnismäßiger Zeit)?
In meiner momentanen Position kann ich mich sowohl um Grundlagenforschung als auch um angewandte Forschung in einem Bereich kümmern, der für uns lebenswichtig ist - Wasser.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Bei VEGAS sind wir circa 20 Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen: Mechaniker (z.B. für Rohrleitungsbau und Versuchsaufbauten), chemisch-technische Assistentinnen, WissenschaftlerInnen und Ingenieure verschiedener Ausprägungen: Verfahrenstechniker, Physiker, mathematische Modellierer, Chemiker, Geologen, Biologen, uvm. Das sorgt für Abwechslung und verschiedene Reize!
Ich bin bei VEGAS seit ungefähr einem Jahr dabei, und versuche eine Balance zu finden zwischen Projekt-Akquise (Anträge schreiben), Ergebnisse publizieren (Papers schreiben), Lehre ("Statistik für Ingenieure", "Boden- und Grundwassersanierung" und "Environmental Monitoring und Measurement Technologies"), Projektarbeit und Mitarbeiter-Motivation!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wasser geht uns alle an! Ohne Wasser kein Leben! Es gibt unzählige Probleme hinsichtlich der Wassermenge und der Qualität: zu viel Wasser ist schlecht (Fluten durch Extrem-Niederschläge), zu wenig Wasser ist schlecht (Dürre). Und es gibt eine Vielzahl von Stoffen, die Wasser verunreinigen, z.B. aus Landwirtschaft, Chemie und Industrie. Viele Stoffe sind so neu, dass wir über ihr Verhalten in der Natur recht wenig wissen. Trotzdem sind sie oft schon recht weit verbreitet.
Ich mache die Erfahrung, dass diese Probleme in der Allgemeinheit trotz der Wichtigkeit nicht bewusst sind. In Baden-Württemberg zum Beispiel kommt das Wasser aus ca. 3/4 aller Wasserhähne aus dem Bodensee. Und der ist für die meisten Benutzer weit weg.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Je weiter "fortgeschritten" oder auch je älter ich werde, desto mehr bekomme ich Einblick in Gremien die einen größeren Über-/Ein- Blick in die Themenvielfalt der Wasserwirtschaft gewähren. Beispiele sind die Editoren-Tätigkeiten für Fachzeitschriften oder Tätigkeiten im wissenschaftlicher "Beirat" von Konferenzen (@geoEnv2020), wo wir Themen auswählen oder eingereichte Beiträge bewerten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Meine Familie ist mein größtes Hobby!
Zum Ausgleich mache ich Musik (z.B. im Posaunenchor und mit Gitarre) und Sport. Gerne Eishockey, aber die Eiszeiten sind mittlerweile zu spät für mich... ;-) deswegen zum Auspowern seit 'nem Jahr Zirkeltraining und zum Ausgleich seit Jahren Yoga! Ab und zu schaff ich's auch, nicht nur Fachliteratur zu lesen! Letztes Jahr wurde ich 'mal zum Bogenschießen mitgenommen. Könnte sein, dass sich da was entwickelt...
Mit meinen Jungs sind wir gerne draußen. Eigentlich egal wo und egal zu welcher Jahreszeit: auf Bergen, auf Kletterfelsen, im Wasser.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich habe einen Doktoranden, der würde jetzt erstmal den Freiheitsbegriff diskutieren wollen! ;-)
Wenn ich was von meiner letzten Antwort schaffe, finde ich das super! ;-)

Bitte begrüßt Claus ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 27, 2019

Informatik und Mathematik - Daniel Probst ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Daniel Probst (@skepteis) vorstellen! Hier ist Daniel in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wohl ein wenig anders als die Meisten. Als Kind war ich unglaublich fasziniert von Physik und Astronomie. Diese Interessen wichen dann in meiner Jugend Computerspielen, Skateboards und E-Gitarren; Schule, Bücher und Lernen hatten für mich kaum mehr eine Bedeutung. Ich begann nach meinem Sekundarschulabschluss (Realschule in DE) eine Berufslehre als Hochbauzeichner, wechselte jedoch nach einem Jahr zu einer Informatiklehre. Nach abgeschlossener vierjähriger Ausbildung zum Informatiker packte mich die Faszination an der Wissenschaft wieder, und so besuchte ich während zwei Jahren berufsbegleitend die technische Berufsmaturitätsschule mit Fokus auf Mathematik, Physik und Chemie. Anschliessend machte ich meinen Bachalor in Informatik, mit Schwerpunkt Computergraphik und Künstliche Intelligenz an der Fachhochschule in Biel. Da mich, wie erwähnt, die Naturwissenschaften seit meiner Kindheit interessierten, entschloss ich mich danach für einen Bioinformatik Master an der Universität Bern, wo ich mich dank einem soliden Informatikwissen auf Biologie fokussieren konnte. Via meiner Masterarbeit landete ich dann in der Gruppe von Prof. Jean-Louis Reymond und somit in der Cheminformatik, wo ich dann auch für mein Doktorat blieb.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein aktuelles Feld, die Cheminformatik, verbindet Informatik, und somit vor allem auch Mathematik, mit Chemie und Biochemie. In unserer Forschungsgruppe fokussieren wir uns vor allem auf die Pharmaforschung, das heisst, die Entdeckung neuer Wirkstoffe und somit letztenendes Medikamenten. Zudem bin ich Teil des interdisziplinären Forschungsnetzwerkes TransCure, welches sich mit Transport- und Kanalproteinen in Zellmembranen beschäftigt. Diese Interdisziplinarität und Breite ist dann auch warum ich mich für dieses Feld entschieden habe und was mich zur Zeit dort hält.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit als Doktorand in der Forschungsgruppe von Jean-Louis Reymond an der Universität Bern hat zwei Ziele: Mit Mathematik Computern helfen Chemie besser zu verstehen und durch Visualisierungen Menschen helfen Daten besser zu verstehen. Die Methoden welche ich entwickle finden dann in der Pharmaforschung Anwendung.

Es geht also zum einen darum, basierend auf Erkenntnissen aus dem Labor Algorithmen und Programme zu entwickeln, welche eine Vorhersage betreffend Eigenschaften und Wirkung von Molekülen machen können. Diese Algorithmen werden dann in sogenannten «Virtual Screenings» eingesetzt, die es den Chemikern oder Biologen erlauben aus einer extrem grossen Menge an möglichen oder verfügbaren Molekülen die erfolgsversprechensten mit Hilfe von Computern herauszufiltern. Wenn man bedenkt, dass die Anzahl an pharmakologisch interessanten und plausiblen Molekülen auf rund 10^60 geschätzt wird, ist die Hilfe von Computern unumgänglich. Zum Vergleich: Die Anzahl von Sternen im Universum wird auf 10^21 geschätzt, die Anzahl an Atomen in und auf der Erde beträgt etwa 10^50.

Umgekehrt ist es wichtig, dass Forschende ihre Erfahrung, Kreativität und Intuition einbringen können. Deshalb beschäftige ich mich auch mit der Entwicklung von Visualisierungsmethoden, die es z.B. Chemikern erlaubt, Moleküldatenbanken mit Millionen von Einträgen visuell zu durchstöbern und so unabhägig von Algorithmen und Modellen, die oft schwer verständlich oder gar undurchschaubar sind, neue und interessante Moleküle zu entdecken, welche vielleicht in Zukunft die Basis für Medikamente und Therapien bilden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Pharmaforschung ist, nicht zuletzt in Zeiten von Antibiotikaresistenzen, ein wichtiges Gebiet. Am Ursprung eines jeden Medikaments steht ein Wirkstoff, dessen Entdeckung und Entwicklung heute nicht länger dem Zufall überlassen wird, sondern durch Erkentnisse aus der Chemie und Biologie, sowie mit Werkzeugen aus der Mathematik und Informatik, vorangetrieben wird. Aufgrund der interdisziplinären Art meiner Arbeit bietet sich so eine interessante und vielleicht neue Perspektive auf diesen Prozess.

Zudem finde ich, dass sich die Öffentlichkeit generell mehr für Forschung interessieren sollte und ich hoffe einen Beitrag zur Förderung dieses Interessens zu leisten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Während meines PhDs war ich an einigen Outreach Projekten beteiltigt, zu denen ich unter anderem Virtual Reality Applikationen beisteuerte, welche dem Publikum die molekulare Welt etwas näher brachte.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wenn ich mal Zeit habe, spiele ich gerne Gitarre, gucke mit dem Teleskop die Sterne und Planeten an oder versuche mich auf dem Skateboard nicht zu arg zu verletzen. Ich treibe und gucke gerne Sport: Von (Eis)hockey über Sqush und Tennis bis Leichtathletik und Kunstturnen, wobei ich die letzteren nur als Zuschauer geniesse. Dann ist da noch der EHC Biel, der hoffentlich dieses Jahr Schweizer Eishockeymeister wird.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den ganzen Morgen im Bett rumhängen, dann Käse auf dem Teller und im TV. Den Tag durch ein Bisschen Sport und dann am Abend am Punk Rock Konzert in den hinteren Reihen stehen. Nicht zu spät in’s Bett, bin ja keine 20 mehr.

Bitte begrüßt Daniel ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 20, 2019

Künstliche Intelligenz und Risiko - Virginia Albert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Virginia Albert (@vi_Albert7) vorstellen! Virginia hat ihren Master in Medizinischer Biologie in Essen absolviert. Sie arbeitet am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation und ist für das Projekt Risikokommunikation zur Künstlichen Intelligenz, kurz RIKI, zuständig. Darüber hinaus schreibt Sie Beiträge für die Online-Plattform Wissenschaftskommunikation.de.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Naturwissenschaften haben mich schon früh begeistert. In der Schulzeit war das vor allem die Physik – Gewürzgurken zum Glühen bringen, Roboter bauen, Kugeln schweben lassen… Wie konnte es da anders kommen? Ein naturwissenschaftliches Studium musste es sein. Zuerst war es die Medizinische Physik, dann die Medizinische Biologie. Der rote Faden ist erkennbar, oder? All diejenigen, die sich nun auf eine Woche voller Zellen oder pathologischer Merkmale freuen, muss ich leider enttäuschen. Ich forsche weder im Bereich Medizin, noch baue ich Roboter. Tatsächlich forsche ich selber gar nicht, aber ich bringe Forschende zusammen und ermutige sie zur Kommunikation. Diese Woche geht es um Intelligenz – Künstliche Intelligenz (KI) und um Risiko. Also macht euch auf etwas gefasst.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Alles begann mit einer erschreckenden Erkenntnis: Ich bin für ein Leben im Labor nicht geschaffen. Auf die anfängliche Panik, folgte schnell Trotz und Angriffslust. Wieder aller Empfehlungen habe ich den Sprung gewagt und kann euch freudig berichten: Man kann auch ohne Promotion einen tollen Job finden. Ich bin ein wissensdurstiger Mensch. Das äußert sich dadurch, dass ich gespannt zuhöre, wenn es um Materiewellen geht, oder jemand über seine Micro-RNA schwärmt. Um so nah wie möglich an der wissenschaftlichen Arbeit zu bleiben, habe ich nach Stellen in der Wissenschaftskommunikation gesucht und bin am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) fündig geworden.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Als letztes Jahr bekannt wurde, dass das Wissenschaftsjahr 2019 ganz im Zeichen von Künstlicher Intelligenz stehen wird, haben wir uns mit einem Projekt beim BMBF beworben und den Zuschlag erhalten. So wurde aus mir, der Praktikantin am NaWik, die Projektkoordinatorin für das RIKI Projekt. RIKI steht für „Risikokommunikation zur Künstlichen Intelligenz“. Ich dürfte mich fortan ein Jahr lang mit Maschinellem Lernen und Neuronalen Netzwerken befassen. In sechs Workshops sprechen wir mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Bereich KI darüber, wie die Öffentlichkeit und die Medien ihre Themen wahrnehmen.  Da der Einsatz von KI höchstwahrscheinlich nicht in einer Roboter-Apokalypse enden wird, wollen wir den Forschenden eine Hilfestellung dazu geben, wie sie ein potentiell heikles Thema gut kommunizieren können. Oft entwickeln sich dann auch Diskussionen unter den Forschenden. Es fällt nicht nur Laien schwer „Künstliche Intelligenz“ zu definieren. Zusätzlich zu den Workshops habe ich zwei öffentliche Diskussionsrunden organisiert, um den Dialog zwischen Forschenden und der Gesellschaft zu fördern. Für das Projekt twittere ich als @risk_comm_KI über potentielle Risiken von KI und schreibe an der Zusammenfassung des Projekts.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Dieses Jahr ist es kaum möglich, um das Thema Künstliche Intelligenz herum zu kommen. Hype und Hysterie liegen hier eng beieinander: Vom sympathischen Pflegeroboter bis zum Terminator, von Unterstützung bis Überwachung. Vieles wird sich durch Künstliche Intelligenz verändern. Manche dieser Veränderungen können wir noch beeinflussen. Dazu sollten wir jedoch wissen, wo wir Einfluss nehmen können und worum es geht. Durch meine Arbeit hatte ich die Chance mich in dieses Thema einzuarbeiten, mit Forschenden ins Gespräch zu kommen und dadurch ganz neue Einblicke zu erhalten. Ich freue mich, dass ich ein paar meiner Überlegungen und Erkenntnisse mit euch teilen darf.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich arbeite auch als Autorin bei der Online-Plattform Wissenschaftskommunikation.de. Wie der Name bereits vermuten lässt, dreht sich hier alles um Wissenschaftskommunikation. Hier findet man neben Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen auch Beispiele von Projekten und kommunizierenden Forschenden, eine Sammlung mit über 100 Wisskomm-Formaten, Tipps und Leitlinien oder Fortbildungsmöglichkeiten für die Wisskomm. Es gibt so viele tolle Projekte und so viele engagierte Leute. Oft genug reicht die Zeit leider nicht, all die Dinge anzugehen, die ich gerne machen würde.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich nähe gerne, meist einfach wild drauf los. Da wünschte ich mir manchmal, ich hätte einen Roboter, der die falschen Nähte wieder auftrennt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich werde ohne Wecker wach und freue mich auf einen exorbitant schönen Tag. Idealerweise ist der Tag auch doppelt so lang wie normale Tage, denn gerade die schönen sind immer viel zu kurz. Wie gesagt, super gelaunt gibt es Kaffee mit Milchschaum zum Frühstück – ein großer Luxus. Dann geht’s raus in den Wald. Nachmittags gibt es frischen, selbst gebackenen Schokokuchen und Freunde und Familie helfen mir beim Vernichten. Den Abend lasse ich gemütlich mit meinem Freund ausklingen.

Bitte begrüßt Virginia ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 10, 2019

Mensch-Maschine Interaktion - Philipp Wintersberger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Philipp Wintersberger (@philwintersberg) vorzustellen! Philipp Wintersberger, geboren 1984 in Oberösterreich, beschäftigt sich aktuell mit der Forschung im Bereich Fahrer-Fahrzeug-Interaktion, Augmented/Virtual Reality, "Trust in Automation" und der Akzeptanz automatisierter Fahrzeug- und Verkehrssysteme. Sein Diplom wurde ihm 2015 von der Kepler Universität Linz verliehen, der Fokus hierbei lag auf Mensch-Maschine-Interaktion und Computer Vision. Nach 10-jährigem Aufenthalt in der Industrie im Bereich Softwareentwicklung/-Architektur wechselte er 2016 an das neu eröffnete Forschungszentrum CARISSMA in Ingolstadt.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe seinerzeit (vor nunmehr fast 15 Jahren) zur zeitlichen Überbrückung auf den Zivildienst ein Informatikstudium begonnen. Da ich bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Programmierer hatte und in diesem Job gutes Geld verdienen konnte, lief das Studium einige Jahre „nur nebenbei“. Der Wunsch, dieses auch abzuschließen, verstärkte sich mit der Zeit und um mich neben meinem intensiven Job zu motivieren, suchte ich nach Themen für meine Abschlussarbeiten, die sich meiner Meinung nach auch „wissenschaftlich verwerten“ ließen. Daraus entstanden schnell erste Veröffentlichungen und die betreuenden Professoren nahmen mich mit auf Konferenzen wo diese präsentiert wurden. Dabei erkannte ich, wie sehr mir diese Form der Arbeit Spaß macht, und so quittierte ich nach über 10 Jahren in der Softwareentwicklung meinen Job und nahm eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Promotionsoption am CARISSMA Ingolstadt an.

Diese Entscheidung war nicht so einfach zu treffen, wie sie sich hier liest - immerhin war ich zu diesem Zeitpunkt schon über 30 und hatte es mir mit meiner Frau in meiner Heimatstadt Linz „eingerichtet“. Die Möglichkeit, an einem neuen Institut mit modernster technischer Ausstattung (CARISSMA wurde 2016 eröffnet) zu forschen und dabei ein Team „von null auf“ mitzugestalten (damals war ich der erste und einzige Mitarbeiter meines Profs., den ich schon von meiner Heimatuniversität Linz kannte), war jedoch sehr reizvoll und daher nahm ich die damit einhergehenden Strapazen in Kauf – seither pendle ich jede Woche nach Ingolstadt und versuche den Job möglichst gut mit meinem Privatleben zu vereinbaren, wobei ich von meinem Institut mittels Telearbeitsplatz mit eigenem Bürotelefon Zuhause unterstützt werde.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen war ich bereits als Kind begeistert von Fahrzeugen, Rennsport, aber auch Computern, und wie es der Zufall so wollte, war es möglich, diese Themen in meiner Bachelorarbeit miteinander zu verbinden. Zusätzlich ist automatisiertes Fahren sowohl in den Medien als auch in der Wissenschaft sehr präsent. Die in meinem Forschungsgebiet (Mensch-Maschine Interaktion) entstehenden Fragestellungen sind hochinteressant und lassen sich auch sehr gut abstrahieren: Wie soll eine zukünftige Welt aussehen, in welcher wir (Menschen) regelmäßig mit Robotern und künstlichen Intelligenzen (wie automatisierten Fahrzeugen) interagieren und auch kooperieren? Wie können wir dafür sorgen, dass uns Maschinen dabei „ermächtigen“ (unsere Fähigkeiten erweitern und Potentiale steigern) anstatt uns zu „amputieren“ (Menschen einfach nur zu ersetzen)? Meiner Meinung nach ziehen derartige Fragen die Trennlinie zwischen utopischen als auch dystopischen Zukunftsszenarien und sind von essentieller Bedeutung – das Zeitalter der Maschinen wird kommen, und es ist unsere Aufgabe, dieses bereits im Vorfeld „menschengerecht“ zu gestalten und vorzubereiten.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Wesentlichen besteht meine Arbeit daraus, die Interaktion zwischen Menschen und Fahrzeugen zu verbessern. Gemeinsam mit meinen Kollegen führe ich dabei Benutzerstudien (in Fahrsimulatoren, realen Fahrzeugen, manchmal aber auch nur als Fragebogen im Internet) durch, mit dem Ziel entweder Probleme zu identifizieren und besser zu verstehen, oder die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine zu verbessern.

Zum Beispiel ist einer der häufig genannten Vorteile an automatisierten Fahrzeugen die Möglichkeit, fahrfremden Tätigkeiten nachzugehen: Neben Entertainment ist dabei produktives Arbeiten besonders relevant – etwa könnten in Zukunft LKW-Fahrer zusätzlich Speditionsaufgaben übernehmen. Trotzdem wird das Fahrzeug immer wieder auch den Input des Menschen benötigen, wie etwa um Hindernisse zu umfahren. So eine Fahrzeugübernahme findet mitunter bei Autobahngeschwindigkeiten statt und ist somit potentiell gefährlich. Stellen wir uns vor, der/die FahrerIn arbeitet gerade auf dem Laptop wenn eine Übernahmeaufforderung kommt; Um das Hindernis zu umfahren muss der Laptop weggelegt und das Lenkrad in die Hand genommen werden, gleichzeitig muss sich das Gehirn auf die neue Situation (Fahraufgabe) einstellen. Die Übernahme erfordert somit motorische und kognitive Prozesse. Diese versuchen wir nun durch den Einsatz von Technologie zu verbessern um in weiterer Folge die Sicherheit zu erhöhen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Content nicht am Laptop, sondern mit Augmented Reality direkt in der Windschutzscheibe angezeigt wird – dann sind im Falle einer Übernahme die Augen bereits „ausgerichtet“, und der physische Aufwand, das Gerät wegzulegen fällt weg.

Oder aber, das Fahrzeug könnte uns genau beobachten und versuchen, uns nicht während, sondern zwischen einzelnen Arbeitsaufgaben zur Übernahme aufzufordern – so wird der nötige kognitive Aufwand verringert, zwischen den einzelnen Aufgaben hin- und herzuwechseln. Was aber ist, wenn direkt vor uns ein Unfall passiert und nicht mehr genügend Zeit für eine sichere Übernahme bleibt und wir gerade auf einem Tablet oder Smartphone lesen – könnten wir nicht einfach wie in einem Computerspiel dieses einfach zu einem Lenkrad umfunktionieren um möglichst schnell reagieren zu können?

Derartige Interfaces setzen wir prototypisch in unserem Fahrsimulator um und evaluieren diese mit menschlichen Probanden. Dabei werten wir verschiedenste Parameter wie Fahrperformance, physiologische Reaktionen (z. B. Hautleitwert, Puls oder Augenbewegungen) aus, und stellen sie subjektiven Bewertungen (Fragebögen zu Technologieakzeptanz oder auch Interviews) gegenüber, um herauszufinden, wie sehr das Interface erlaubt den Status Quo zu verbessern und Probleme zu eliminieren. Die erfordert sowohl intensives wissenschaftliches Arbeiten, aber auch eine Menge Erfindergeist und macht unglaublich Spaß.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie bereits kurz angesprochen werden wir in Zukunft immer mehr wichtige Aufgaben an Maschinen delegieren. Neue Technologien haben riesiges Potential, müssen aber richtig eingesetzt werden, denn ihr Einsatz verändert auch uns. Etwa deuten Studien darauf hin, dass unsere Navigationsfähigkeit durch intensive Nutzung von GPS degradiert wird, während manuelle Orientierung unser Gehirn trainiert. Ein anderes Beispiel ist die permanente Nutzung von Smartphones und modernen Kommunikationsmitteln („Always-on-Mentalität“), welche unsere Konzentration hemmt und nachweislich unsere Produktivität stört. Plakativ dargestellt müssen wir Menschen uns somit entscheiden, zwischen einer Zukunft, in der Maschinen uns infantilisieren, und einer, in welcher wir Technologie nutzen um uns alle zu „Superhelden“ zu augmentieren.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nicht wirklich. Wie oft üblich bin ich an der Hochschule auch in der Lehre aktiv, die restliche Zeit versuche ich jedoch mich möglichst intensiv mit der Forschung zu beschäftigen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich fahre sehr gerne Fahrrad - etwa war ich letztes Jahr so verrückt und habe die knapp 300 Kilometer lange Strecke von Ingolstadt zu mir nach Hause in einer Tagesetappe absolviert. Ob Rennrad, klassisches Mountain-Bike oder auch Downhill, diesbezüglich bin ich für alles zu haben. Ansonsten bin ich derzeit wohl etwas langweilig. Ich habe aber schon eine lange Liste and Wünschen an mich selbst für die Zeit nach Fertigstellung meiner Doktorarbeit 😉

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An meinem idealen freien Tag befinde ich mich mit meiner Frau auf Tour mit unserem Campingbus und schlafe mich erstmal genüsslich aus. Nach dem spätvormittags eingenommenen Frühstück bezwingen wir ein oder mehrere Gipfel auf unseren Rädern geben uns bergab dem Geschwindigkeitsrausch hin. Es folgt eine Abkühlung – bevorzugt im Salzwasser – und ein ausgiebig delikater Abend mit kulinarischen Köstlichkeiten und ein paar guten Tropfen. Das einzige, was unsere Situation dabei noch verbessern könnte wäre, wenn uns der Bus automatisch über Nacht zu unserer nächsten Destination kutschiert...

Bitte begrüßt Philipp ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 2, 2018

Das soziale Netzwerk - Lisa Hehnke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Lisa Hehnke (@DataPlanes) vorzustellen! Lisa arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsgruppe für Quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung der Uni Bielefeld. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Computational Social Science, d. h. der Schnittstelle zwischen Informatik und den Sozialwissenschaften. Hier interessiert sich Lisa insbesondere für die Erhebung und Auswertung von webbasierten Daten sowie für Netzwerke und räumliche Analysen. Inhaltlich beschäftigt sie sich derzeit vor allem mit aktuellen Fragen der Wissenschaftsforschung und den Anwendungsmöglichkeiten von computergestützten Analyseverfahren auf interdisziplinäre gesellschaftliche Herausforderungen.

Hier ist Lisa in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Zu dieser Frage stehen zwei alternative Antworten zur Auswahl:
1. Vorherbestimmung. Um mal mein latent stereotypes kindliches Ich zu zitieren: „Ich denke, man kann gar nicht beurteilen, welches das beste Pony ist! Das ginge höchstens, wenn jemand schon alle geritten wäre, sonst mag man ja automatisch die Ponys, die man selbst geritten ist.“
2. Zufall. Eine damalige Kommilitonin hatte sich auf zwei ausgeschriebene Hilfskraftstellen an einem Lehrstuhl beworben und ich habe mich ihr kurzerhand angeschlossen. Letztlich habe leider nur ich eine Stelle dort angeboten bekommen, wofür mich das schlechte Gewissen noch heute plagt. Danach folgten einige Fach- und Uniwechsel und so bin ich über etwas verschlungene Wege an der Uni Bielefeld gelandet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Diese Frage zu beantworten ist tatsächlich eine gewisse Herausforderung für mich, da ich teilweise selbst nicht exakt definieren kann, was mein „aktuelles Feld“ eigentlich ist. Wenn ich meine Forschungsinteressen stärker konkretisieren müsste, würde ich sie auf zwei (Teil-)Disziplinen herunterbrechen: Computational Social Science und Wissenschaftsforschung.
An Computational Social Science begeistert mich, dass dort klassische sozialwissenschaftliche Fragestellungen aufgegriffen und mit computergestützten Methoden analysiert werden, wodurch eine neue Perspektive auf Bewährtes eingenommen wird. Darüber hinaus ist der Bereich für mein Empfinden noch nicht so stark ausdifferenziert wie traditionellere Forschungsfelder, wodurch interdisziplinäres Arbeiten mit einem realen gesellschaftlichen Mehrwert ermöglicht wird.
Mein Interesse an der Wissenschaftsforschung hingegen ist eher persönlicher Natur, da ich mich hier vor allem mit geschlechterbezogener Diskriminierung und Open Science beschäftige. Beides sind Themen, die mich als Wissenschaftlerin direkt betreffen und mit denen ich in der Vergangenheit bereits selbst negative Erfahrungen gemacht habe. Hieraus entstand bei mir der Wunsch, einen eigenen Beitrag zu leisten, um konstruktiv mit Gender Bias und der Replikationskrise, die leider auch die Sozialwissenschaften verstärkt erreicht hat, umzugehen und auf diese Weise nachhaltige Veränderungen an den derzeitigen Wissenschaftsstrukturen anzustoßen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine alltägliche Arbeit ist für eine Sozialwissenschaftlerin vermutlich ungewöhnlich divers und interdisziplinär. Derzeit arbeite ich unter anderem an Projekten zu der Rezeption von US-amerikanischen Amokläufen auf YouTube, geschlechterbezogener Diskriminierung in der Wissenschaft, Open Science oder Stereotypen und Rassismus in sozialen Netzwerken. Ein verbindendes Element weisen jedoch (fast) alle genannten Projekte auf: Die verwendeten computergestützten Analyseverfahren, die von Netzwerkanalysen über Verfahren des Text Mining bis hin zu bibliometrischen Analysen von wissenschaftlichen Publikationen reichen.
Hinzu kommen bei mir noch die Lehre und Betreuung von Studierenden. Dieser Teil der Arbeit macht mir mitunter am meisten Spaß, da man eigenes Wissen und eigene Erfahrungen an die nächste Generation von potentiellen Wissenschaftler*innen weitergeben und gleichzeitig selbst von ihnen lernen kann.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das ist eine Frage, die man als Sozialwissenschaftler*in tatsächlich häufiger gestellt bekommt. Mit Blick auf meine eigenen Forschungsgebiete würde ich sagen: Weil gesellschaftliche Herausforderungen wie Diskriminierung und Rassismus uns alle etwas angehen! Sozialwissenschaftliche Forschung zu diesen und ähnlichen Themen kann, sofern die Ergebnisse für ein breiteres Publikum verständlich aufbereitet und richtig kommuniziert werden, einen wichtigen Beitrag leisten, um neben dem wissenschaftlichen auch einen gesellschaftlichen Impact zu haben. Hierfür ist es jedoch auch wichtig, dass man sich als Sozialwissenschaftler*in – und insbesondere als weibliche Forscherin – dieser Stärke bewusst ist und sich sowohl in der Wissenschaftswelt als auch auf dem nicht-akademischen Arbeitsmarkt nicht unter Wert verkauft.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätitgkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin absolviere ich noch ein Psychologiestudium an der FernUniversität in Hagen und engagiere mich ehrenamtlich bei CorrelAid e.V., einem Netzwerk junger Datenanalyst*innen. Unser Ziel ist es, Organisationen mit sozialem Auftrag durch Analyse- und Beratungsprojekte dabei zu unterstützen, ihren gesellschaftlichen Impact zu vergrößern. Auf diese Weise wollen wir einen Dialog über den Wert und Nutzen von Daten(-analyse) für die Zivilgesellschaft anstoßen und eine Generation von gesellschaftlich denkenden Datenanalyst*innen fördern.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Bücherregal besteht zu 1/3 aus klassischer Literatur, zu 1/3 aus Kunstbüchern und zu 1/3 aus Büchern über Flugzeugabstürze. Hinter letzterem Hobby steckt, auch wenn viele es anfänglich vermuten, jedoch keine Sensationsgier, sondern die Frage nach dem „Warum?“. Warum passieren Unfälle, welche Mechanismen stecken dahinter und welche Faktoren müssen zusammenspielen, damit es überhaupt zu solchen Abstürzen kommen kann? Denn nur wenn das Verständnis für die zunächst verborgenen kausalen Prozesse vorhanden ist, können ähnliche Unglücke zukünftig verhindert werden.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Natur, gute Gespräche, Dokus über Flugzeugabstürze. Alternativ Dokus über Serienkiller.

Bitte begrüßt Lisa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 25, 2018

Mein Freund, der Roboter - Anna Henschel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Anna Henschel (@AnnaHenschel) vorstellen zu dürfen! Anna hat es aus ihrer Heimat im hohen Norden Deutschlands zuerst für ihr Psychologie-Bachelorstudium in den tiefen Süden nach Konstanz am Bodensee verschlagen und anschließend - angetrieben durch ihre neuentdeckte Leidenschaft für die Neurowissenschaften - nach Amsterdam. An der Vrije Universiteit hat sie zwei Jahre lang Kognitive Neurowissenschaften studiert. Durch ein Praktikum am Niederländischen Insititut für Neurowissenschaften und durch einen glücklichen Zufall (mehr dazu auf Twitter!) entdeckte sie dann die "Social Robots" und das Social Brain in Action Lab und zog für ihre Doktorarbeit schließlich nach Wales.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Mein Bachelorstudiengang an der Uni Konstanz hatte einen starken Forschungsschwerpunkt mit einem Fokus auf Statistik und Methodenlehre, und nach einem inspirierenden Forschungspraktikum an der University of California (Irvine), habe ich mich endgültig in die Wissenschaft verliebt! 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein PhD beschäftigt sich offiziell mit "Social Robotics & Neuroscience", aber unter diesen Begriff fallen verschiedene Disziplinen, wie die soziale und affektive, sowie kognitive Neurowissenschaft, soziale Psychologie, die (soziale) Robotik usw.! Ich finde es spannend in so einem vielschichtigen Forschungsfeld tätig zu sein und mich mit einem so kontrovers diskutierten Thema wie Robotik beschäftigen zu dürfen. Ein großes Plus ist auch die Möglichkeit neue neurowissenschaftliche Methoden zu erlernen! 
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Rahmen des durch den ERC geförderten Social-Robots-Projekt möchten wir untersuchen, wie verschiedene Roboter wahrgenommen werden und wie Menschen sich verhalten, wenn sie Roboter in verschiedenen Situationen antreffen. Weitere Ziele des Projektes sind die zu Grunde liegende Gehirnaktivität von Menschen zu untersuchen wenn sie mit Robotern interagieren und was für eine Rolle die erfahrungsabhängige Formbarkeit des Gehirns in dem Zusammenhang spielt.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie bereits erwähnt, ist das Thema Social Robots gerade hoch aktuell. Immer mehr Lebensbereiche werden automatisiert, das Internet of Things dringt in unsere Wohnungen und Häuser ein und Roboter werden in der Arbeit und sogar in der Therapie eingesetzt. Die Frage, ob ein Roboter als soziales Wesen wahr genommen wird und was das für weitreichende Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung haben könnte, dürfte wahrscheinlich viele Menschen interessieren!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Aktuell versuche ich möglichst viel Wissenschaftskommunikation mit in meinen Alltag einzubeziehen und habe in der Hinsicht einige Events organisiert. Während meiner Schulzeit war ich nebenbei noch als Jurorin in der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis tätig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit gehe ich gerne joggen, oder im schönen Snowdonia Nationalpark wandern, ich fotografiere mit meiner geliebten Spiegelreflexkamera, lese leidenschaftlich gerne und singe im Universitäts-Chor.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An einem idealen Tag würde ich morgens im Sonnenschein joggen gehen, mittags mit meinen Mitbewohnern zusammen kochen und über Gott und die Welt philosophieren und abends, je nach Tagesform, entweder ein gutes Buch lesen oder mit Freunden im Arthouse-Kino den aktuellsten Film sehen.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!