Sunday, September 15, 2019

Dem Gehirn das Rauchen abgewöhnen - Amelie Haugg ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Amelie Haugg (@amhaugg) vorstellen zu dürfen! Amelie ist Kognitive Neurowissenschaftlerin und Doktorandin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Sie beschäftigt sich mit Gehirn-Computer-Schnittstellen und trainiert Raucher, wie sie ihr Verlangen nach Rauchen mittels Neurofeedback reduzieren können. Nach einem Bachelorstudium in Kognitionswissenschaft in Tübingen zog es sie für den Master in Kognitiver Neurowissenschaft nach Maastricht in den Niederlanden. Ihre Masterarbeit schrieb sie letztlich in London Ontario in Kanada, wo sie bei Wachkomapatienten untersuchte, wie bewusst deren Gehirn einen spannungsgeladenen Hitchcock-Film verarbeiten kann. Seit 2016 ist sie nun in der Schweiz, wird aber demnächst ein paar Monate für einen Forschungsaufenthalt in Wien verbringen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Zu Beginn meines Bachelorstudiums wollte ich einfach möglichst viel aus möglichst vielen verschiedenen Studienrichtungen kennenlernen. Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass die Hirnforschung viele dieser Richtungen verbindet – sei es Informatik, Biologie, Psychologie, Linguistik oder Philosophie. Um das Gehirn auch nur ein bisschen verstehen zu können, müssen Experten aus allen Bereichen zusammenarbeiten. Diese interdisziplinäre Arbeitsweise hat mich fasziniert und ich habe mich schliesslich gezielt für einen Forschungs-Masterstudiengang beworben.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Meine Entscheidung für die Hirnforschung habe ich ja schon etwas erläutert und, seien wir mal ehrlich, irgendwie möchte doch jeder gerne wissen, wie sein Gehirn eigentlich funktioniert. Gerade da wir aber noch immer so verschwindend wenig über diese Funktionsweise des Gehirns – und deren Störungen – wissen, ist es ein unglaublich faszinierendes Gebiet. Für mich war dann auch sehr schnell klar, dass ich gerne mit neurologischen und psychiatrischen Patienten arbeiten möchte. Ich habe das große Glück, dass meine aktuelle Forschung sehr patientennah und anwendungsbezogen ist – jeder einzelne Proband kann von seiner Studienteilnahme profitieren. Den Nutzen seiner Forschung so konkret zu sehen ist einfach sehr bereichernd.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich beschäftige mich mit Gehirn-Computer-Schnittstellen, die auf funktioneller Magnetresonanztomographie (auch: fMRT) basieren. Momentan arbeite ich dabei vor allem mit Echtzeit fMRT Neurofeedback. Das heißt, ich zeige meinen Probanden ihre Hirnaktivität in Echtzeit. Dadurch können sie lernen, wie sie diese Aktivität durch bestimmte mentale Strategien nach oben oder unten regulieren können. Je nach Hirnregion kann das dann verschiedenen Patientengruppen helfen, ihr Gehirn wieder besser unter Kontrolle zu bekommen. In meiner Hauptstudie handelt es sich bei den Probanden um Raucher, die lernen sollen, ihr Verlangen nach Rauchen (kodiert durch Aktivität im Anterioren Cingulate Cortex) zu reduzieren. Da ich an einer Psychiatrie arbeite, bin ich aber auch in Studien zu anderen psychiatrischen Krankheiten involviert, wie etwa Depression oder Schizophrenie.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Obwohl die Methode noch relativ neu ist, hat Echtzeit fMRT Neurofeedback in den letzten Jahren gezeigt, dass es durchaus Potential hat, in der Zukunft zur Verbesserung von klinischen Symptomen genutzt zu werden. Besonders spannend finde ich, dass Neurofeedback nicht-invasiv arbeitet und dabei vor allem auf einen entscheidenden Faktor setzt: Die Fähigkeit des Menschen zu lernen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Mitglied der „Student and Postdoc Special Interest Group“ der „Organization for Human Brain Mapping“. Wir versuchen, das Leben von Doktoranden und Postdocs ein bisschen zu verbessern, indem wir beispielsweise ein Online Mentoring Programm anbieten, Workshops zum Thema Karriere veranstalten, oder Social Events und Partys zum Networken organisieren. Zudem habe ich auch auf lokaler Ebene schon den ein oder anderen Brainhack mitorganisiert – so nennen wir Hackathons mit Fokus auf die Hirnforschung.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Aufgewachsen im Allgäu, jetzt wohnhaft in der Schweiz – kein Wunder, dass ich alles liebe, was mit „Berg“ zu tun hat! Neben Wandern, Skifahren und Bouldern mache ich aber auch sehr gerne Yoga oder gehe zum Tanzen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich mag Orte ohne Internetverbindung, wo man nicht durch ständige Mails und Nachrichten gestört werden kann: hoch oben in den Bergen etwa, oder an einem abgelegenen Strand. Idealerweise bin ich an meinem freien Tag an einem solchen Ort, umgeben von lieben Menschen. Abends lasse ich mich aber gerne wieder von der Großstadt treiben oder gehe auf ein Konzert.

Bitte begrüßt Amelie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 8, 2019

Über wirksame Medizin und das Immunsystem - Andrea Kamphuis ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Andrea Kamphuis (@ak_text) vorstellen! Andrea ist Biologin. Ihre Doktorarbeit hat sie an der Universität Bonn in der Abteilung für Theoretische Biologie geschrieben, über die Schwerkraftorientierung des „Augentierchens“ (Gravitaxis bei Euglena gracilis). Nach langjähriger Tätigkeit in der Buchbranche, vor allem als Literaturübersetzerin und Sachbuchlektorin, arbeitet sie heute auf einer Teilzeitstelle im Stabsbereich Kommunikation des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in Köln. Seit ihrer Erkrankung an Hashimoto-Thyreoiditis im Jahr 2011 beschäftigt sie sich mit der Biologie des Immunsystems. 2018 hat sie den ersten Band ihres „Autoimmunbuchs“ selbst verlegt. Band 2 lässt noch eine Weile auf sich warten.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon als Kind war ich von der Natur fasziniert und als etwas eigenbrötlerische Jugendliche täglich stundenlang im Wald unterwegs. Mit 18 Jahren bin ich auf einer offenen Liste der „Grünen“ in der Kommunalpolitik gelandet. Ein Biologie-Studium lag da auf der Hand; nebenbei habe ich Bücher übersetzt und lektoriert. Später wollte ich Journalistin oder Autorin mit dem Schwerpunkt Natur werden; mein großes Vorbild war Horst Stern. Nachdem ich mich auf die eher brotlose Disziplin der Theoretischen Biologie spezialisiert hatte und meine mathematischen Fähigkeiten für eine Biologin zwar überdurchschnittlich, für eine Karriere in der Theoretischen Biologie aber m. E. nicht gut genug waren, habe ich im Anschluss an die Doktorarbeit die Forschung an den Nagel gehängt und das literarische Übersetzen und das freie Lektorat ausgebaut. 2012 sah ich dann in einem sozialen Netzwerk die Ausschreibung einer halben Stelle in der IQWiG-Kommunikation. Zack: Beworben, eingeladen worden, angestellt. Das war, glaube ich, die dritte Bewerbung überhaupt in meinem Leben – und zugleich die Rückkehr in eine wissenschaftliche Einrichtung.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Was meine Teilzeitstelle im Institut angeht: Ich finde, wissenschaftliche Einrichtungen sind es der Gesellschaft schuldig, ihre Arbeit und deren Bedeutung gut zu erklären. Das gilt erst recht, wenn die Bürgerinnen und Bürger diese Arbeit finanzieren (in unserem Fall über ihre Krankenversicherung) und wenn sich die Ergebnisse unmittelbar auf ihr Leben auswirken, was beim IQWiG der Fall ist. Und Autorin oder … räusper … Privatgelehrte für Autoimmunerkrankungen bin ich aus eigener Betroffenheit geworden: Mir tut es gut zu verstehen, wie das Immunsystem arbeitet und wieso es manchmal dauerhaft entgleist. Inzwischen hat sich meine Vermutung bestätigt, dass viele andere Menschen das ähnlich sehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Montags, mittwochs und freitags arbeite ich ganztägig im Institut. Mittwoch ist Sitzungstag: Morgens besprechen wir mit der Institutsleitung die aktuelle Nachrichtenlage und die bevorstehenden Termine und Pressemitteilungen. Darauf folgt alle zwei Wochen eine Teamsitzung – die einzige Gelegenheit, bei der sich alle aus der Kommunikation um einen Tisch versammeln, denn sonst fehlt immer jemand wegen Teilarbeit oder Homeoffice. Alternierend tagt die Leitungskonferenz des Instituts, an der ich ab und zu als Vertretung meines Chefs teilnehme. „Das Telefon“, also die Aufgabe, Anrufe an die Pressestelle entgegenzunehmen, habe ich zum Glück selten. Viel Zeit verbringe ich mit dem Schreiben und Abstimmen von Pressemitteilungen, von denen ein Großteil nach Schema F aufgebaut ist, weil die entsprechenden Gutachten des Instituts immer dieselbe Struktur haben. Zwischendurch twittere ich fürs Institut oder mache Monitoring: Spricht jemand über uns? Sollte ich intervenieren? Brauche ich dafür noch Informationen von Kolleg*innen aus den Fachressorts? Oder ich ergänze Wikipedia-Artikel über Arzneimittel um Kernaussagen aus unseren Gutachten und aus den entsprechenden Beschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses. (Das ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens in Deutschland.) Da wir mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten, sind wir auch relativ oft mit Beschaffungs- und Vergabeverfahren beschäftigt, also mit Bürokratie: unsexy, aber notwendig. Und oft steht plötzlich jemand in der Tür: „Kannst du mal eben …?“
Dienstags und donnerstags bleibe ich zu Hause. Eigentlich arbeite ich dann an Band 2 des Autoimmunbuchs: Ich recherchiere und lese Fachartikel, mache Exzerpte oder Zeichnungen, kümmere mich um den Vertrieb des ersten Bandes oder bereite Vorträge vor. Zurzeit fließt aber viel Energie in die „Scientists for Future“ und andere Aktivitäten rund um die Klimakrise.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Was die IQWiG-Gutachten angeht, darf man sich keinen Illusionen hingeben: Die Ergebnisse und erst recht die Methoden sind nur für eine begrenzte Fachöffentlichkeit interessant. Relevant sind sie aber für alle Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Denn nur das, was nachweislich nützt, kommt in den Leistungskatalog der Kassen, wird von ihnen also erstattet. (Na gut, das war jetzt arg idealisiert: Schließlich zahlen viele Kassen auch für Homöopathie, während wir unsere Brillen weitgehend selbst finanzieren dürfen.)
Und was das Autoimmunbuch betrifft, so sind Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden. Die meisten Menschen wissen sehr wenig über den Aufbau und die Arbeit des Immunsystems. Wenn das System dann dauerhaft versagt und unheimlicherweise Teile des eigenen Körpers zerstört, weckt das Ängste. Wissen tut gut!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Außerhalb meiner IQWiG-Arbeitszeit mache ich bei der Köln-Bonner Regionalgruppe der „Scientists for Future“ mit. Kann sein, dass ich euch während meiner Woche als Kuratorin ein bisschen mit dem Thema Klimakrise nerve und für die Teilnahme am sogenannten Klimastreik am 20.09. werbe. Kann nicht nur sein: Wird so sein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zusammen mit einem Freund, der Physiker ist, veröffentliche ich seit mittlerweile über 10 Jahren fast jeden Monat Fotos und Texte zu Mustern und Strukturen in der Natur. Irgendwann machen wir daraus mal eine Zeitschrift oder Jahrbücher. In einem Anfall von Größenwahn haben wir diesem Projekt den Namen „Principia“ gegeben, nach Isaac Newtons Hauptwerk. Wenn ich wandern gehe oder in der Küche oder auf dem Balkon werkele, achte ich immer darauf, ob sich dabei interessante Muster zeigen. So habe ich schon die Haut einer geräucherten Makrele an unser Küchenfenster gepappt, um sie im Durchlicht zu fotografieren. Und einen Beutel Rosenkohl nach linksdrehenden und rechtsdrehenden Köpfchen sortiert.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wandern und dabei fotografieren. Oder mein Balkongemüse pflegen. Lesen. Möglichst keine E-Mails abrufen, aber das gelingt mir eigentlich nur im Urlaub.

Bitte begrüßt Andrea ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 1, 2019

Die Karte im Gehirn - Matthias Nau ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Matthias Nau (@NauMatt) vorstellen zu dürfen! Matthias ist Kognitiver Neurowissenschaftler und promoviert derzeit am Kavli Institute for Systems Neuroscience in Trondheim. Er macht Grundlagenforschung um herauszufinden, wie unser Gehirn kognitive Karten der Umgebung bildet und wie diese unsere Wahrnehmung und unser Verhalten steuern. Nach seinem Neurobiologie-Studium in Tübingen arbeitete er dort längere Zeit am Zentrum für Integrative Neurowissenschaften und dem Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik. Hier lernte er, die funktionelle Magnetresonanz mit Eye-Tracking zu verbinden, um das menschliche Gehirn zu untersuchen. Für sein Doktorstudium zog er dann an das Bildgebungszentrum Donders Institute for Brain, Cognition & Behavior in der Niederlande und später an das Neurophysiologie-Institut Kavli Institute for Systems Neuroscience in Norwegen. Hier schreibt er derzeit seine Dissertation über unseren Sehsinn, Raumkognition und Gedächtnis. Außerdem ist er Gastmitarbeiter am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich glaube, ganz am Anfang war es wie bei vielen anderen der kindlich naive Drang, die Welt verstehen zu wollen. Ich wuchs direkt neben einem größeren Wald auf und verbrachte meine Zeit hauptsächlich in der Natur, welche mich sehr faszinierte. Dadurch entstand letztendlich der Wunsch, sie zu erforschen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe in Tübingen Biologie studiert und im Rahmen dessen ein paar wirklich exzellente (Neuro)Physiologie-Vorlesungen erleben dürfen. Diese zeigten mir, dass man zu allererst verstehen musste, wie wir unsere Umwelt überhaupt wahrnehmen. Ich erinnere mich daran, wie ich manchmal abends von der Universität nach Hause ging und plötzlich die Welt mit völlig neuen Augen sah. Ich hatte dabei das Gefühl, mich selbst und meine gesamte Umwelt besser zu verstehen. Meine jetzige Forschungsrichtung (Kognitive Neurowissenschaften) ist zudem sehr divers und lebt vom Austausch verschiedener Disziplinen wie beispielsweise die Psychologie, Biologie, Philosophie, Computerwissenschaften oder Physik. Es gibt so viele verschiedene Perspektiven, die voneinander lernen. Da kommt erstens nie Langeweile auf und zweitens gibt es immer wieder andere spannende Fragestellungen. Zudem machen mir Datenanalyse und Schreiben schlichtweg wirklich Spaß, was definitiv hilft.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Mich persönlich fasziniert die Tatsache, dass das Gehirn eine Art ‘mentales Modell der Welt‘ generiert, welches unsere Erinnerungen und unser Verhalten steuert. Dieser Prozess entsteht durch die Zusammenarbeit einer großen Anzahl an Hirnarealen, welche in einer engen und oft hierarchischen funktionellen Beziehung zueinander stehen. Anfänglich sensorische Informationen, die wir z.B. mit unseren Augen wahrnehmen, werden transformiert und immer weiter abstrahiert, bis Hirnareale oben in der Hierarchie eine Karte unserer Umgebung repräsentieren. Diesen Prozess, oft als ‘cognitive mapping’ bezeichnet, untersuche ich in meiner Forschung. Ich lege dabei den Fokus auf unseren Sehsinn und auf unsere Augenbewegungen. Dabei sehe ich mir außerdem an, wie unser Gedächtnis die Art beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Unser Gehirn und unseren Geist zu untersuchen heißt für mich auch, das menschliche Selbstbild zu entwickeln. Unser Gehirn ist der Teil von uns, der uns zu dem macht, der wir sind. Herauszufinden, wie es funktioniert, wie es Probleme löst und welche Fehler es macht, bedeutet auch, etwas über das Menschsein zu lernen. Das finde ich unglaublich spannend und bin sicher, dass viele von euch diese Faszination teilen. Diese Grundlagenforschung erlaubt uns außerdem, letztendlich auch die Vielzahl von Erkrankungen des Nervensystems besser verstehen zu können. Unsere Raumkognitionszentren sind mitunter die ersten Bereiche, die beispielsweise im Verlauf der Alzheimererkrankung absterben, was sich bereits frühzeitig auch in einem schlechteren Ortsgedächtnis widerspiegeln kann.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich war der erste Doktorand unserer Gruppe hier am Kavli Institut in Norwegen und half im Laufe der letzten Jahre dabei mit, das Labor aufzubauen. Dabei gab es unzählige tolle (und manchmal natürlich auch nicht so tolle) Aufgaben, die Kreativität und Einsatz forderten. Das kann zeitweise etwas stressig werden, ist aber eine tolle Erfahrung. Außerdem war ich lange in der Doktoranden- und Post-Doc Organisation (YROCK) hier am Kavli Institut aktiv, mit welcher ich regelmäßig Gastvorträge oder Karriereseminare organisierte. Das machte total Spaß, wich in jüngster Zeit allerdings dem Schreiben der Dissertation. Zudem supervidiere ich ein paar Studenten, was ebenfalls sehr spannend ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Neben der Wissenschaft schlägt mein Herz für Musik, Tauchen und Grafikdesign. Ich könnte stundenlang am Schlagzeug sitzen, ‘progressive drumming‘ Videos schauen, dem Fangschreckenkrebs hinterherschwimmen und Bilder bzw. Grafiken bearbeiten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag startet mit einer Fahrradtour, gefolgt von einem Sprung in den Trondheim-Fjord und endet mit einer guten Pizza.

Bitte begrüßt Matthias ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 25, 2019

Röntgenblick auf die Wissenschaft - Mike Beckers ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Mike Beckers (@mimimibe) vorstellen! Mike ist Physiker und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft. Er ist in Hamburg aufgewachsen, dann aber zum Studium nach Heidelberg gegangen. Dort hat er in seiner Diplomarbeit sehr kleine Dinge mit sehr kurzen Blitzen aus Röntgenstrahlung untersucht, sich dann aber für eine journalistische Laufbahn entschieden, um wieder Zeit mit größeren Dingen zu verbringen. Er kam 2011 zu dem Wissenschaftsmagazin. Dort beschäftigt er sich seither regelmäßig mit allem, was er zwischen Quantenmechanik und Kosmologie gerade spannend findet. Dabei sucht er Forscherinnen und Forscher aus dem Fachgebiet (die das naturgemäß besonders spannend finden), um dem Rest der Welt zu vermitteln, warum alle anderen das ebenfalls spannend finden sollten.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Foto: Jörg Farys/www.dieprojektoren.de

Schon als Kind habe ich alles, was mir untergekommen ist, zerlegt, untersucht, neu zusammengesetzt, unter Strom gesetzt oder angezündet. Für meinen Opa war ich immer der "Professor". Dass es letztlich die Physik geworden ist, habe ich zum einem Teil einem sehr engagierten Lehrer in der Oberstufe zu verdanken - und zum anderen meiner Unentschlossenheit. Ich wusste nicht, was ich mit meinen vielen Interessen anstellen sollte, und habe irgendwo gehört, mit Physik könne man später alles machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während der Diplomarbeit habe ich gemerkt, wie mir die Spezialisierung auf ein kleines Gebiet der Physik - in meinem Fall war es die Untersuchung von Proben mit Röntgenstrahlung - zunehmend Probleme machte. Ich wollte mir nicht den Rest meiner akademischen Karriere an sehr spezifischen Fragestellungen in einem kleinen Bereich die Zähne ausbeißen. Ich konnte mit Theorie nie sonderlich viel anfangen und habe das Rechnen auch bei meinen Veröffentlichungen wo möglich anderen überlassen, die mehr Spaß daran hatten und das besser konnten. In dieser Hinsicht bin ich das bastelnde Kind geblieben, das sich schnell für etwas begeistern und stunden- oder tagelang damit im Zimmer einschließen konnte, sich danach aber mit aller Energie auf etwas anderes stürzen wollte.
Deswegen habe ich dann nach meiner Diplomarbeit und einigen Monaten, die ich weiter in meiner Arbeitsgruppe angestellt war und experimentiert und Daten ausgewertet habe, keine Doktorarbeit mehr angestrebt. Danach war ich beinahe ein Jahr lang auf der Suche nach einer Aufgabe, die mich erfüllt - und habe den Wissenschaftsjournalismus entdeckt. Beim Redakteur gehört es quasi zur Arbeitsbeschreibung, sich einige Tage oder Wochen intensiv mit einer bestimmten Fragestellung auseinanderzusetzen, und anschließend (gern auch parallel) ein völlig anderes Feld zu beackern. Nichts perfekt zu verstehen - aber von allem genug, um sich gut zurechtzufinden und die Verbindung zu den anderen Dingen zu erkennen.
Dazu kommt der präzise, zugleich oft spielerische oder künstlerische Umgang mit Sprache, den ich immer geliebt habe. Ich hatte das Glück, bei Spektrum eine Praktikumsstelle zu bekommen, und das noch größere Glück, dort bleiben zu dürfen. Inzwischen seit acht Jahren ohne Unterbrechung oder ernsthaften Zweifeln daran, dass das für mich der beste Job überhaupt ist.​

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Auf meinem Schreibtisch liegen meist mehrere unterschiedliche Artikel aus diversen Fachgebieten in verschiedenen Stadien vor der Veröffentlichung. Ich bin in der Heftredaktion von Spektrum, das heißt, ich arbeite eigentlich ständig an dem jeweils nächsten Magazin, das monatlich erscheint.
Wie meine übrigen Kolleginnen und Kollegen verantworte ich in jedem Heft ein oder zwei "Hauptartikel", das sind längere Manuskripte zu großen Themen aus der Forschung, die wir sprachlich und inhaltlich bearbeiten und die (sofern es keine Übernahmen, also Übersetzungen von unserem US-Muttermagazin Scientific American sind) mit den Autorinnen und Autoren abgestimmt werden müssen. Bei uns im Heft schreiben nämlich eher weniger Journalisten, die zwar gut erzählen können, sich aber in ein Thema erst einarbeiten müssen, sondern die Leute aus der Forschung selbst, die sich am besten damit auskennen, aber oft nicht viel Erfahrung damit haben, wie man Texte so gestaltet, dass die Inhalte auch für Leute jenseits des Forschungsgebiets interessant werden. Das heißt, wir in der Redaktion übernehmen gewissermaßen viel vom journalistischen Teil. Dann bauen wir die Texte gemeinsam um, wobei wir aus der Redaktion uns entsprechend ins Thema einarbeiten müssen, um nichts Wichtiges zu übersehen.
Das ist ein langer und oft sehr intensiver Prozess. Am Anfang steht die Suche nach einem spannenden Thema, dann die nach geeigneten Menschen aus der Forschung, die darüber für uns schreiben möchten, schließlich die Arbeit am Manuskript und am Layout - das alles dauert locker ein halbes Jahr. Die Hauptartikel, die ich bearbeite, sind meist aus allen möglichen physikalischen Bereichen, aber manchmal fallen mir in der Redaktionskonferenz auch völlig andere Themen zu, von der Biologie bis zur Soziologie. Zusätzlich zu den Hauptartikeln betreuen wir kleinere Rubriken oder kürzere Meldungen, bei mir ist das beispielsweise jeden Monat die Kolumne "Schlichting!" über Phänomene der Alltagsphysik.
Gleichzeitig zur Arbeit am nächsten Heft, für das die Artikel bereits feststehen, müssen wir Themen für die Hefte der Monate danach finden, das heißt, ich schaue regelmäßig in neue Veröffentlichungen in den diversen Fachmagazinen, verfolge (nicht zuletzt über meine im Lauf der Jahre liebevoll zusammengestellte Timeline auf Twitter) gesellschaftliche und innerwissenschaftliche Debatten und informiere mich via Blogs, Nachrichtenseiten, Konferenzen und weitere Quellen über das, was gerade wichtig ist oder werden könnte. Ein wesentlicher Teil meines Jobs ist also, mich darüber zu informieren, was mich ohnehin interessiert - traumhaft!
Zusätzlich bin ich Stellvertreter unseres Redaktionsleiters. Wenn er im Urlaub ist - wie gerade in der Woche, in der ich den Account übernehme -, gehen über meinen Schreibtisch nicht nur meine eigenen Artikel, sondern zur Kontrolle auch die aller Kolleginnen und Kollegen: Wo ließe sich etwas noch klarer formulieren, wo verstehe ich etwas noch nicht richtig, wo wäre eine andere Überschrift oder ein anderes Bild vielleicht besser? Mehr Augen sehen mehr, und darum gucken in der Redaktion auf jeden Artikel viele Menschen mehrmals drauf.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir versuchen, den Menschen klarzumachen, wie faszinierend das ganze Spektrum der Wissenschaft ist und sie über das, was gerade wichtig ist​, auf dem Laufenden zu halten. Ich glaube, meine Arbeit dann gut gemacht zu haben, wenn die Leute ein tieferes Verständnis auch für die Zusammenhänge und hoffentlich sogar eine Liebe zur Wissenschaft entwickeln. Wenn sowohl ein Artikel bei denen gut ankommt, die ihn lesen, als auch die stolz darauf sein können, die ihn verfasst haben. Eigentlich soll die Öffentlichkeit meine Arbeit gar nicht direkt bemerken, sondern die Forschung unserer Autorinnen und Autoren würdigen, die ich in meiner Hintergrundarbeit lediglich versuche, besser herauszuputzen.​

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn ich erzähle, wo ich arbeite, ist die erste Frage oft: "Und, woran schreibst du gerade?" Dabei ist das die Ausnahme - ich bin ja eher so etwas wie ein Ghostwriter. Deswegen hat es für mich immer noch den Charakter einer willkommenen Zusatzaufgabe, wenn ich mal selbst einen Artikel schreibe, weil ich mich für ein Thema besonders begeistere. Ansonsten reizen mich Dinge, wo ich mal etwas jenseits der Arbeit an Texten ausprobieren kann: gelegentliche Moderationen von Veranstaltungen, Vorträge, Workshops (mein Highlight bisher war es, vor ein paar Jahren einige Male mehrere Tage lang mit Kindern Wissenschaftsjournalismus zu üben, vom Recherchieren bis zum Schreiben). Bei Spektrum beschäftigen wir uns außerdem seit längerer Zeit mit Videos und versuchen uns inzwischen auch auf dem Spielfeld der Podcasts, und freue mich immer, wenn ich hier etwas beitragen kann, vom Filmchen bis zum Plaudern über neue Artikel. ​Als Privatprojekt jenseits des Verlags, aber natürlich mit einigen inhaltlichen Verbindungen zu unserer Arbeit, produziere ich mit meinem Kollegen Lars Fischer inzwischen seit sechs Jahren in unregelmäßigen Abständen die Videoserie "Wir werden alle sterben" auf seinem YouTube-Kanal.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Es gibt Vieles, was ich in meiner Freizeit genieße, nur ist nichts davon wirklich außergewöhnlich: Sport, menschenleere Natur, flauschige Katzen, laute Livemusik (Metal!), Whisky, diverse Bastelarbeiten und Kochversuche, bei denen ich wieder ein wenig das experimentierende Kind werde. Über mein recht einfaches Leben wird es aber voraussichtlich weder Buch noch Film noch Vierminüter im Frühstücksfernsehen geben. Aber ich mag es sehr.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein ausgiebiges Frühstück, dann ein, zwei Stunden Herumlümmeln im Internet mit einer Katze in Kraulreichweite, dann Sport - entweder ein Lauf durch den Wald oder Krafttraining mit anschließender Sauna -, ein leckeres Abendessen, und weil ich mir einen idealen Tag wünschen kann spielen heute zufällig Iron Maiden im Club um die Ecke.

Bitte begrüßt Mike ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 18, 2019

Auf dem Meeresgrund und darüber - Eva Paulus ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Eva Paulus (@Deep_sea_dirndl) vorstellen! Eva ist Masterstudentin an der Universität Groningen und untersucht dort Copepoden (Ruderflusskrebse) von Tiefsee-Hydrothermalquellen und im Flachwasser entlang der Küste von Island. Bisherige Forschungsfahrten haben sie in die Ostsee, das Wattenmeer und zuletzt in die Mitte des Atlantik geführt. Sie hat vor, im Bereich der Tiefseeforschung zu bleiben und war bereits an mehreren spannenden Forschungsprojekten beteiligt: Highlights waren unter anderem Arbeiten mit Meeresschildkröten, Viperfischen, Korallenrifferhalt und -fischarten und ein Tauchgang an einer aktiven Hydrothermalquelle. Eva ist Meeresbiologin und Taucherin und wird immer noch seekrank - es ist es definitiv wert!

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Ich wollte schon immer Meeresbiologin werden, da ich mit meiner Mutter oft am Meer Urlaub machen durfte und dort auch viel geschnorchelt und getaucht bin!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Weil es die einzig richtige Entscheidung für mich war, und weil es in der Forschung nie langweilig wird!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meeresbiologie ist nicht immer glamourös und man darf nicht jeden Tag mit Delfinen schwimmen, man arbeitet oft einfach mit Schlamm oder Wasserproben, aber man darf oft an wirklich tollen Projekten beteiligt sein und wertvolle neue Erkenntnisse mit herausfinden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Meer ist der wichtigste und größte Lebensraum auf unserer Erde, ohne die Lebewesen im Meer können wir auch nicht überleben.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin außerdem PADI Assistant Instructor, das heißt ich kann Tauchlehrern assistieren und hatte schon die Möglichkeit, zum Beispiel am Great Barrier Reef zu tauchen!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Natürlich wäre ich am liebsten an einem tropischen Strand mit Taucherbrille und vielleicht einem guten Hörbuch.

Bitte begrüßt Eva ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 11, 2019

Die Suche nach Leben im All - Daniel Angerhausen ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Dr. Daniel Angerhausen (@dan_anger) vorstellen! Daniel ist Astrophysiker und Astrobiologe Center for Space and Habitability der Universität Bern. Der ehemalige Postdoktorand der NASA ist Gründer und CEO des Start-ups 'Explainables' für Wissenschafts- und Technologiekommunikation, einem vielfältigen Team hochqualifizierter junger Kommunikatoren aus der ganzen Welt. Auf seiner Suche nach Planeten um andere Sterne flog Daniel bereits fünf Missionen mit dem NASA-Flugzeugteleskop SOFIA. Daniel ist außerdem Mentor und Mitglied des Wissenschaftskomitees des NASA Frontier Development Lab, einem Inkubator für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, der sich mit Herausforderungen in verschiedenen Bereichen der Weltraumwissenschaften befasst in Zusammenarbeit mit Branchenakteuren wie Google Cloud, Nvidia oder IBM.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
War schon immer gut in Mathe/Physik. Nach dem Dipl. Phys. einfach weitergemacht.
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Astrophysik, weil es aus der Physik der Bereich ist, in dem man am meisten Reisen kann und nicht nur im Keller im Labor, vor dem Computer sitzt oder an der Tafel steht.

Mein Thema kam aus einer verlorenen Wette, aber das ist ein laengere Geschichte.😀

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich suche nach Leben im All. 😀

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil wir versuchen eine der aeltesten Fragen der Menschheit zu beantworten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Siehe oben: Explainables und NASA FDL



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
"Back home" bei meiner Familie in Deutschland. Einen Tag Blödsinn treiben mit meinem kleinen Neffen.

Im Stadion beim 1. FC Koeln.

Bitte begrüßt Daniel ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 4, 2019

Der grünen Daumen - Frank Hochholdinger is jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Frank Hochholdinger (@HochholdingerF) vorstellen! Frank ist Pflanzengenetiker und seit 2010 Professor für funktionelle Genomik der Nutzpflanzen an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. Sein Forschungsschwerpunkt ist die genetische Analyse der Wurzelentwicklung von Mais.
Frank hat vor seiner Zeit an der Uni Bonn an den Universitäten Freiburg, Tübingen und der Iowa State University geforscht.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Nach meinem Abschluss als Diplom-Biologe an der Universität Freiburg hat mir der Betreuer meiner Diplomarbeit eine Promotionsstelle in seiner Arbeitsgruppe angeboten. Während der Promotion habe ich dann eine Reihe von neuen Mutanten mit Defekten in der Wurzelentwicklung von Mais entdeckt. Da mein Doktorvater, Professor Feix, nach meiner Promotion in Pension ging, konnte ich alle meine Mutanten an die Iowa State University mitnehmen, wo ich sie im Rahmen eines DAAD Postdoc Stipendiums weiter untersuchen konnte. Von Iowa ging es dann mit den Mutanten als Nachwuchsgruppenleiter ans Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen und von dort mit diesen und in der Zwischenzeit weiteren neuen Wurzelmutanten im Jahr 2010 auf eine Professur der Universität Bonn, die ich immer noch innehabe.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Das war eigentlich eher Zufall. Ich wusste allerdings bereits nach dem ersten Semester meines Biologiestudiums an der Universität Freiburg, nachdem ich die Genetik Vorlesung von Rudi Hausmann gehört und dessen brillantes Skript gelesen sowie die spannende Übungsgruppe von Rainer Hertel besucht hatte, dass mich Genetik besonders interessiert. Nach diversen Praktika im Laufe des Studiums war mir dann auch klar, dass ich mich lieber mit Pflanzen als mit Tieren beschäftigen möchte. Ich habe mich dann für eine Diplomarbeit in der Arbeitsgruppe von Günter Feix am Institut für Biologie III der Uni Freiburg entschieden. In der Arbeitsgruppe war kurz zuvor eine Maismutante mit verminderter Standfestigkeit gefunden worden, die in der Wurzelbildung defekt war. Diese Mutante sollte ich genauer charakterisieren. Die Entscheidung für die AG Feix fiel damals weniger wegen des Forschungsthemas, sondern weil ich die Arbeitsgruppe besonders sympathisch fand. Wie oben beschrieben bin ich dann dort auch zur Promotion geblieben und habe während dieser Zeit nach neuen Wurzelmutanten gesucht. Nach Abschluss der Promotion konnte ich mein Forschungsthema inklusive der neuen Mutanten mitnehmen und weiter ausbauen. Im Prinzip beschäftige ich mich also seit meiner Diplomarbeit ununterbrochen mit den molekulargenetischen Prozessen der Wurzelentwicklung bei Mais. Die ungewöhnlich lange Affinität zu diesem Thema hängt sicherlich damit zusammen, dass wir die meisten unserer genetischen Ressourcen, also vor allem die Mutantensammlung, selbst entwickelt haben.  Ein großer Vorteil für mich war in den Anfangsjahren, dass es nur wenig Interesse an der genetischen Analyse von Wurzeln in Nutzpflanzen gab und ich fast konkurrenzlos in einer Nische forschen konnte.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Das Forschungsinteresse meiner Arbeitsgruppe ist das Verständnis der genetischen Grundlagen der Wurzelentwicklung von Mais. Ausgangspunkt dieser Arbeiten sind spezifische Mutanten, die wir im Laufe der Zeit gefunden haben. Bei diesen Mutanten, die alle in nur einem Gen defekt sind, sind bestimmte Aspekte der Wurzelbildung gestört. Manche bilden z. B. keine Wurzelhaare, andere keine Seitenwurzeln oder keine sproßbürtigen Wurzeln. Da in diesen Mutanten nur ein Gen defekt ist, kann man mit bestimmten molekularen Methoden dieses Gen identifizieren und somit herausfinden, welches Gen an der Bildung bestimmter Wurzeln beteiligt ist. Anschließend charakterisieren wird diese Gene und untersuchen z.B. die Aktivität dieser Gene in bestimmten Geweben oder Zellen oder suchen andere Moleküle, mit denen die von diesen Genen hergestellten Proteine interagieren.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt meiner Arbeitsgruppe ist die Analyse der frühen Ausprägung der Heterosis. Darunter versteht man die Überlegenheit von Pflanzen, die aus der Kreuzung unterschiedlicher homozygoter Eltern hervorgegangen sind. Dieses Phänomen ist besonders für die Maiszüchtung von großer Bedeutung.

Außerdem haben wir vor kurzem damit begonnen uns die Interaktionen von Wurzeln und der Rhizosphäre, also den die Wurzel direkt umgebenden Boden und seine Mikroorganismen, im komplexen Wurzelsystem von Mais genauer anzuschauen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wurzeln sind die Bergwerke der Pflanze. Fast alle mineralischen Nährstoffe, die für den Menschen essentiell sind und durch die Nahrung aufgenommen werden müssen (z. B. Calcium, Magnesium, Eisen) werden durch Pflanzenwurzeln aus dem Boden extrahiert. Trotz ihrer Bedeutung ist bislang im Vergleich zum grünen Teil der Pflanzen relativ wenig über die Bildung der Wurzeln in Nutzpflanzen und ihrer Interaktion mit der Umwelt bekannt.

Bis zum Jahr 2050 wird eine Steigerung der Weltbevölkerung auf 9-10 Mrd. Menschen erwartet, was bedeutet, dass die Nahrungsmittelproduktion unter erschwerten Bedingungen (Stichwort Klimawandel) um 50-70% gesteigert werden muss. Das wird nur möglich sein, wenn auch das Wurzelsystem der Pflanzen als Merkmal in künftige Züchtungsprogramme mit einbezogen wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben der Forschung spielt an der Universität die Lehre eine entscheidende Rolle in der Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlern.  Als Professor bin ich außerdem in verschiedensten Gremien und Kommissionen zur Selbstverwaltung von Fakultät und Institut aktiv, ab Oktober zum Beispiel als Prodekan für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an unserer Fakultät.
Seit dem EuGH Urteil zur Genomeditierung habe ich mich an verschiedenen öffentlichen Diskussionen zu diesem Thema beteiligt.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Das ist kein richtiges Hobby, aber außerhalb der Arbeit interessieren mich vor allem historische, kunstgeschichtliche und archäologische Themen von  der griechischen Antike bis zum Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Bei Regenwetter kann z.B. ein Museumsbesuch dazugehören. Bei schönem Wetter eine Aktivität draußen. Deshalb enden meine Tweets diese Woche auch schon am Freitag, weil ich am Wochenende paddeln gehe.

Bitte begrüßt Frank ganz herzlich bei Real Scientists DE!