Sunday, August 13, 2017

Die Wissenschaft vom Spracherwerb - Laura de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns, euch unsere neue Kuratorin Laura de Ruiter (@LEdeRuiter) vorstellen zu dürfen! Laura ist ziemlich herumgekommen: Sie hat unter anderem in Potsdam und Edinburgh studiert und in Nijmegen in Psycholinguistik promoviert. Aktuell arbeitet sie als Postdoc an der Universität Manchester und erforscht Erst- und Zweitspracherwerb, mit einem besonderen Fokus darauf, wie sich das Verständnis komplexer Sätze im Kindesalter entwickelt.

Hier ist Laura in ihren eigenen Worten:

Mein Weg in die Wissenschaft war nicht ganz gerade. Wie so manch eine/r, habe ich im Studium mehrmals meine Haupt- und Nebenfächer sowie die Universitäten gewechselt. Dabei waren: Vergleichende Sprachwissenschaft, Keltologie, Allgemeine und Theoretische Linguistik, Publizistik und Japanologie… Letztendlich bin ich einfach: eine Linguistin. Nach Magister (in Potsdam) und Master (in Edinburgh, Schottland) habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (in Nijmegen, Niederlande) promoviert.
Etwas ungewöhnlich ist, dass ich während meines ersten Postdocs die Wissenschaft verlassen habe – ich bin ins Wissenschaftsmanagement gewechselt. Mein wissenschaftlicher Chef wurde Rektor, und hat mich gefragt, ob ich ihn im Rektorat unterstützen wollte. So habe ich ein paar Jahre zunächst im Rektorat der Uni Bielefeld, und später als Projektmanagerin beim TestDaF-Institut (Test für Deutsch als Fremdsprache) in Bochum gearbeitet.
Das war eine wirklich lehrreiche und interessante Zeit, aber: mir hat die Wissenschaft gefehlt! Nach 3 Jahren ging’s zurück, nach Bielefeld und in die Sprachwissenschaft. Und trotz all der Unsicherheit im Jobmarkt und dem “2 body problem” habe ich die Entscheidung bis jetzt nie bereut.



Mein Feld ist der Spracherwerb – das heißt, wie Kinder ihre erste und mögliche weitere Sprachen lernen. Gelandet bin ich in dem Feld eher durch Zufall: Ich wollte unbedingt in Edinburgh studieren, und “Developmental Linguistics” hat mich am meisten angesprochen. Das Jahr dort hat mich enorm geprägt und meine Faszination dafür geweckt, wie wir alle so etwas unglaublich Kompliziertes wie Sprache lernen. Wir kommen auf die Welt, und können so gut wie gar nichts. Und ein paar Jahre später können wir durch Koordination unserer Lunge und unseres Mundes die Luft in Schwingung versetzen und damit Laute produzieren, die das Trommelfell anderer Menschen anstoßen, die dann wiederum die Laute dekodieren und daraus irgendwie ein Bild dessen zusammenstellen, was wir im Kopf hatten. Wir können über Dinge reden und Dinge verstehen, die sich nicht im Hier und Jetzt befinden – Vergangenes, Zukünftiges, Theoretisches. Sprachen unterscheiden sich enorm in ihrer Aussprache und Grammatik. Doch lernen Kinder Sprache relativ mühelos, ob es nun Deutsch, Arabisch, oder Bengali ist. Wie schwierig das eigentlich ist, merken wir erst, wenn wir versuchen, eine Fremdsprache zu lernen…

Ich untersuche sowohl wie Kinder in unterschiedlichen Altersstufen Sprache produzieren, als auch wie sie Sprache verstehen. Ich möchte erfahren, was z.B. ein 3,5-jähriges Kind versteht, und wie sich das von dem unterscheidet, was ein 5- oder 7-jähriges Kind versteht. In meinem aktuellen Projekt benutze ich Experimente, um rauszufinden, wie Kinder komplexe Sätze wie “Bevor er den Rasen mäht, trinkt er eine Tasse Tee” oder “Er springt in das Becken, weil ihm wirklich warm ist” verstehen. Wissen sie, was zuerst passiert? Was beeinflusst, wie sie den Satz verstehen? Hängt es z.B. davon ab, wie gut das Arbeitsgedächtnis ist? Oder wie häufig bestimmte Satztypen in der Sprache vorkommen? Was die Arbeit mit Kindern zu einer Herausforderung macht, aber auch gleichzeitig motivierend ist: Es muss den Kindern immer Spaß machen. Alles muss ein Spiel sein, es darf nicht zu lange dauern, und doch muss ich rausfinden können, was ich rausfinden möchte.

Sprache ist – so weit wir wissen – etwas, das nur Menschen haben. Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Sprache ist die Grundlage für alles weitere Lernen. Deshalb ist es wichtig, dass wir verstehen, wie Sprache und Spracherwerb funktionieren, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass wir Kinder in dieser Entwicklung unterstützen können. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich vertrete alle WissenschaftlerInnen mit befristeten Verträgen in unserer Sektion. Das ist vielleicht auf den ersten Blick nicht spannend, aber angesichts der zunehmenden Präkarisierung in der Wissenschaft finde ich es wichtig, unsere Interessen in der Universität zu vertreten.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich laufe gerne, vom 10k bis zum Marathon. Beim Laufen höre ich gerne Hörbücher oder Podcasts über Geschichte und Politik. Wenn es die Umstände (Zeit, Infrastruktur) erlauben, dann mache ich auch Triathlon. Tiere und Tierschutz/Tierrechte sind außerdem ein wichtiges Thema für mich, und ich habe mich in der Vergangenheit in verschiedenen Tierschutzprojekten engagiert. Und: Ich lerne gerne Sprachen! Japanisch ist und bleibt eine meiner “Lieblingssprachen”, und ich habe mich gerade für einen Russischkurs an der Uni angemeldet.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Obwohl ich eher ein Morgenmensch bin (spät abends kann ich etwas ungenießbar werden…), schlafe ich gerne aus. Wenn ich 9 oder 10 Stunden schlafen kann, bin ich glücklich. Dann ausgebreitet frühstücken, und dabei Radio (gerne eine Doku oder ein politisches Programm) hören. Später dann vielleicht ein Lauf, und danach auf dem Sofa sitzen/liegen, und mich von einer zufälligen Wikipedia-Seite zur nächsten klicken, oder eine neue Sprachlern-App ausprobieren. Wenn mein Mann und ich gerade mal am selben Ort sind, dann liebe ich es, am Abend gemeinsam mit ihm zu kochen und zu essen, und danach zusammen einen Film anzugucken.


Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!





Sunday, August 6, 2017

Schau mir auf den Kortex, Kleines - Jens Foell tweetet für Real Scientists DE!

Diese Woche haben wir entweder etwas Besonderes oder etwas besonders Langweiliges für euch: Dr. Jens Foell (@fMRI_guy), Mitbegründer von Real Scientists DE und langjähriger Mod für das originale, englischsprachige Real Scientists, tweetet über seine Arbeit und sein Leben.

Jens gibt eine Präsentation im Rahmen von TEDxFSU

Jens hat an der Uni Tübingen Psychologie studiert und danach am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit geforscht, was in einen Doktorgrad der Neuropsychologie von der Uni Heidelberg mündete. Derzeit lebt er seit einigen Jahren in Florida und arbeitet an der Florida State University weiter im Bereich der Neuropsychologie und des Neuroimaging.

Hier ist Jens in seinen eigenen Worten:

Eine Methode zieht sich wie ein roter Faden durch meine Forschung: die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT/fMRI), mit welcher sich Hirnaktivität sichtbar machen lässt (daher auch mein Twitter-Name @fMRI_guy). Mit diesem Instrument habe ich in Mannheim untersucht, wie sich eine simple Therapieform auf die kortikale Organisation von Phantomschmerzpatienten auswirkt. In Florida versuche ich vor allem herauszufinden, wie Aggression/Impulsivität und Angst im Gehirn funktionieren.

Nach Florida hat es mich vor allem gezogen, weil ich Erfahrungen in einem anderen Land und in einem anderen Themenbereich sammeln wollte. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Bereich der Wissenschaftskommunikation in den USA besser ausgebaut und oft zugänglicher ist, als das in Deutschland der Fall ist.

Jens als Gast bei This Week In Science


Interessiert hat mich die Kommunikation von Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit schon immer, und ich habe an der Mannheimer Abendakademie immer gerne Kurse zum kritischen Denken und der wissenschaftlichen Methode gehalten. Seit ich vor ein paar Jahren Twitter für mich entdeckt habe, bin ich dabei noch aktiver geworden und freue mich immer über die Gelegenheit, meine Forschung und die von anderen näher an die Gruppe zu bringen, die ja schließlich auch die ganze Arbeit bezahlt: nämlich die interessierte Bevölkerung. Die Krönung meiner Versuche, die Distanz zwischen Forschung und Öffentlichkeit zu verringern, ist ganz klar der @realsci_DE Account. Es ist für mich eine große Freude, den Account zu leiten und diese Woche selbst als Kurator zu fungieren :)

Meine Forschungsarbeit selbst macht mir ebenfalls einen Riesenspaß. Ich bin in der glücklichen Lage, an mehreren Themen gleichzeitig arbeiten zu können und dabei mehr und mehr über die Forschungsmethoden zu lernen, die dafür relevant sind. Manchmal geht es dabei um grundsätzliche neurale Prozesse, die notwendig sind, langfristig mehr über das Gehirn zu lernen. Ein andermal geht es darum, handfeste Ergebnisse zu erzielen, z.B. in der Schmerztherapie oder der Entwicklung von Prothesen.

Ich freue mich sehr darauf, euch mehr von meiner Arbeit zu erzählen. Wir sehen uns online!

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 30, 2017

Das Sozialleben von Bakterien - Charlotte Wermser ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch heute Charlotte Wermser (@CWermser) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Charlotte ist Doktorandin am Institut für molekulare Infektionsbiologie in Würzburg. Sie studierte Biomedizin an der Universität Würzburg mit Forschungsaufenthalten in Ljubljana/Slowenien und Braunschweig. In ihrer Arbeit erforscht sie komplexe Gemeinschaften von Bakterien, sogenannte Biofilme - natürlich immer mit dem hehren Ziel, dass mit den Erkenntnissen eines Tages Infektionen behandelt werden können. 



Es wird also faszinierende Einblicke in die Welt der Zellen und Bakterien geben, und wir sind schon sehr gespannt. Hier ist Charlotte in ihren eigenen Worten:


Das Interesse an der Wissenschaft hat bei mir mein hervorragender Biolehrer während eines Austauschjahres in den USA geweckt. Ich habe dann ein Studium gesucht, das den Schwerpunkt auf der medizinischen Forschung hat – daher habe ich mich für „Biomedizin“ an der Uni Würzburg entschieden. Im Studienplan waren auch einige längere Laborpraktika vorgesehen und ich habe gemerkt, dass mir die Laborarbeit einfach total Spaß macht und mich richtig fesselt. Als ich nach meiner Masterarbeit eine Stelle als Doktorandin angeboten bekommen habe, habe ich nicht lange gezögert. Ich wusste, dass ich die Erfahrung machen wollte mich in ein Projekt über Jahre hereinzufuchsen.

Mir hat an der Mikrobiologie gefallen, dass man in den meisten Fällen schnell Ergebnisse sieht – die Bakterienkultur wird morgens angesetzt und nach ein paar Stunden hat man genug Material für seine Experimente. Bakterien sind vom Aufbau der Zelle natürlich viel simpler als menschliche Zellen. Deshalb können wir Fragestellungen bearbeiten, die sich an anderen Zellen (noch oder so) nicht erforschen lassen. Wir arbeiten viel damit Zellen genetisch zu verändern um mehr über die Funktion von einzelnen Genen zu erfahren, das ist noch immer einer meiner liebsten Arbeitsschritte, weil es fast etwas Handwerkliches hat. 


Ich beschäftige mich mit dem Sozialleben von Bakterien. Die schwimmen nämlich meist nicht für sich alleine rum, sondern bilden „Biofilme“ – ziemlich komplexe, organisierte Gemeinschaften. Die sind unheimlich spannend zu erforschen, weil sich die Bakterien da drin fast so verhalten wie ein multizellulärer Organismus. In Biofilmen findet man eine Miniaturwelt mit Verteidigungsstrategien, Abfallentsorgung, Bauunternehmen etc.. Aber Biofilme sind nicht nur faszinierend und oft schön anzugucken, sondern auch ein Problem für die Medizin und Industrie. Es wird immer klarer, dass wir für die Behandlung von Infektionen nicht nur einzelne Bakterien bekämpfen müssen, sondern auch spezielle Strategien gegen Biofilme brauchen. Ich schnüffele also im Sozialleben der Bakterien herum um Möglichkeiten zu finden wie diese Strategien aussehen könnten.

Die Mikrobiologie hat das Glück, dass Begriffe wie „Mikrobiom“ oder „Antibiotikaresistenz“ eh in aller (oder zumindest vieler) Munde sind. Von ersterem wird viel medizinischer Fortschritt erwartet in den nächsten Jahren und mit letzterem werden wir uns wohl noch ziemlich herumplagen. Biofilme bergen die Gefahr das Problem der Antibiotikaresistenz noch zu verschlimmern und nehmen daher an Relevanz zu. Andererseits können sie richtig eingesetzt auch nützlich sein, etwa in der Abwasserreinigung oder Bodensanierung. Aber die Mikrobiologie hat eben noch ganz andere spannende Bereiche zu bieten und wird da oft unterschätzt. Ohne Grundlagenforschung in der Mikrobiologie, hätten wir beispielsweise CRISPR/Cas, den Hoffnungsträger der Gentherapie, nicht entdeckt.

Ich habe viele Jahre Basketball gespielt, aber zu Beginn der Doktorarbeit aus Zeitmangel und wegen einer Verletzung aufgehört. Wenn ich einen großen orangen Ball sehe, juckt es mich trotzdem noch immer in den Fingern. Seit letztem Jahr bin ich als Science Slammerin aktiv. Der erste Slam war eine große Herausforderung und der Zeitaufwand ist noch immer groß, aber ich bin ein bisschen süchtig danach geworden. Schaut euch einfach mal einen Slam an, wenn es sich ergibt, vielleicht packt euch das Fieber ja auch!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Erst einmal ausschlafen (hat hier schon irgendjemand gesagt, dass er/sie ganz früh aufstehen möchte?) und gemütlich frühstücken. Tagsüber dann irgendetwas draußen machen, z.B. wandern, eine Radtour oder einfach nur in der Sonne liegen. Abends würde ich gemeinsam mit Freunden kochen und dann bis in die Nacht Brettspiele spielen (Mein Tipp: Union Pacific, sehr abwechslungsreich und nicht nur etwas für Amerika- oder Eisenbahnfans. Für Fans von Kartenspielen empfehle ich „Dead Man’s Draw“, eine mehr als gelungene Adaptation einer iOS App) 





Bitte heißt Charlotte ganz herzlich bei Real Scientists DE willkommen!

Sunday, July 23, 2017

Einblick in die Palliativmedizin - Annette Nijjar ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns außerordentlich, euch heute Annette Kristina Nijjar (@annij12) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Annette ist Ärztin in der Palliativmedizin an der University of Minnesota in Minneapolis (in Annettes eigenen Worten: "wie es ein Freund mal so schön gesagt hat: 'Da sieht man mal, dass es auch am Arsch der Welt richtig schön sein kann'").
Annette ist nicht die erste Medizinerin hier bei Real Scientists DE, aber die erste Kuratorin aus dem Bereich Palliativmedizin und Medizinethik. Wir freuen uns sehr darauf zu hören, was sie uns aus diesem Feld zu berichten hat.



Erfahrt mehr über Annette hier in ihren eigenen Worten:

Für mich war es schon immer schwierig zu entscheiden, was mich jetzt eigentlich mehr interessiert als (fast) alles andere. Besonders in den Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften. Für eine ganze Weile sah es so aus, als würden ich bei den Geisteswissenschaften landen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich dann doch nicht ohne Naturwissenschaften kann. Dieses Gefühl etwas wirklich verstanden zu haben, Schritt für Schritt nachvollziehen zu können, und es dann am besten noch in ein größeres System einzufügen, macht Lust auf mehr. Und mein kleines Abiturientenhirn dachte sich dann, dass Medizin doch prima wäre, weil irgendwie alles drin steckt. 

Ich habe in der Inneren Medizin angefangen. Allerdings hat mir dort immer etwas gefehlt. Ich hatte oft das Gefühl, bestimmten Werten, Erwartungen des Systems usw hinterherzurennen. Absurd war, dass ich die Patienten dabei oft eher als Störfaktor wahrgenommen habe. DIe Palliativmedizin ist einer der wenigen Bereiche in der Medizin, wo wir den Luxus haben, uns Zeit mit den Patienten und ihren Familien zu nehmen. Wir konzentrieren uns auf das, was dem Patienten selbst wichtig ist, auf seine Ziele und Hoffnungen. Und das ist unglaublich befriedigend. Ich bin zum Beispiel jedesmal total happy, wenn ich einen Eisbecher als durchaus gesunde Mahlzeit empfehlen darf, und sich Erwachsene dann triumphierend darüber freuen.  

Ich habe das Glück, in einem super Team arbeiten zu dürfen. Wir treffen uns jeden morgen und besprechen alle unsere Fälle. Danach verbringen wir viel Zeit mit unseren Patienten - und leider auch sehr viel mit Dokumentation am Computer. Wir betreuen Patienten mit schweren, oft lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die drei Bereiche, die wir abdecken, sind die Symptomkontrolle (Schmerzen, Übelkeit, Juckreiz usw), psychologische Unterstützung und Vorausplanung der Behandlung. 

Krankheit, Sterben und Tod gehen jeden etwas an. Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaften altern, ist es hilfreich, sich gelegentlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Und oft kann ein relativ kurzes Gespräch einen echten Unterschied machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Früher wäre das ganz klar meine Geige gewesen, und Reisen. Jetzt ganz klar abgelöst von meinen zwei Kindern. Das Erstaunlichste am Elterndasein war bisher, dass man doch irgendwie in jedes Klischee tappt. Nur dass man es auf einmal versteht, was die Leute immer gemeint haben. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Erstmal gemütlich ausschlafen, dann Frühstück mit frischen Brötchen. Und natürlich einem Haufen guten Kaffee. Dann mit den Kindern und Freunden an den See und den Tag einfach so dahinplätschern lassen, den Blättern im Wind zuschauen, gelegentlich zum Abkühlen ins Wasser...

Bitte begrüßt Annette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 16, 2017

Die Furcht an sich verstehen - Jan Haaker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch heute Jan Haaker (@janhaaker) als neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Jan ist Arbeitsgruppenleiter (und eigentlich Apotheker) am Institut für Systemische Neurowissenschaften, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort untersucht er, wie Furchtreaktionen und Furchkonditionierung im Gehirn funktionieren.

Erfahrt mehr über Jan, hier in seinen eigenen Worten:

Ich war schon immer von Forschung und Forschern/innen fasziniert. Außerdem waren Chemie und Neurotransmitter immer interessant für mich. Die Entscheidung für mich Pharmazie zu studieren kam als ich Zivi war (Dank meiner beiden Chefs!). Aber ich konnte mir nicht vorstellen, Apo
theker zu werden. Im Studium war dann klar, dass ich nicht für die Apotheke gemacht bin. Dann konnte ich als Hiwi und später als Forschungspraktikant in die Wissenschaft reingucken und wusste, dass ich hier richtig bin. Ich hab dann meinen Prof. für Pharmakologie gefragt, ob man vielleicht erst einmal ausprobieren sollte, ob man promovieren kann und möchte. Er hat gesagt: “ Die Promotion ist ein Abenteuer, in das man direkt wie ins kalte Wasser rein springen muss”. Dann bin ich gesprungen.

Ich arbeite in der Grundlagenforschung von Furchtreaktionen im Menschen (wir nutzen vor allem Furchtkonditionierung). Dabei kombiniere ich Pharmakologie mit neurowissenschaftlichen Methoden (funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRT).
Dass ich im Feld der Pharmakologie arbeite, ist ganz klar mein Interesse, welches auch schon bestimmend für mein Pharmaziestudium war.
Dass ich in den Neurowissenschaften mit dem Thema Angst und Furcht gelandet bin, ist dann teilweise Zufall. 
Im Studium habe ich als Hiwi in der pharmazeutischen Chemie gearbeitet. Durch einen Zufall war ich dann für ein Forschungspraktikum in einem neurowissenschaftlichen Labor im Ausland, welches den Einfluss von frühkindlicher Trennung auf Neurotransmitter im Tiermodell untersucht hat. Ich war total verblüfft, dass solche negativen Erfahrungen eine Auswirkungen auf die Balance der Neurochemie hat. Damit war direkt mein Interesse an negativen Emotionen im Feld der Neurowissenschaften geweckt. Zur Promotion habe ich mich dann bei zwei Laboren beworben, die beide Furcht und Angst neurowissenschaftlich untersuchen: Im Menschen am Uniklinikum Hamburg und im Tiermodell an der Uni Münster. In Hamburg konnte ich dann früher anfangen und so bin ich im Feld gelandet.
Später habe ich die Tierforscher aus Münster wieder getroffen und wir haben zusammen ein translationales Projekt in Mensch und Maus gemacht. Diese Verbindung war eine großartige Erfahrung und ich arbeite heute noch mit den Leuten zusammen.
Mich hält es im Feld, dass ich immer noch neue Sachen lernen kann. Am Anfang als Doktorand waren die psychologischen Konzepte für mich Neuland, heute sind die neuen Analysemethoden im fMRT eine Herausforderung, die Spass macht. Aber auch die erwähnte Translation ist spannend. Wir untersuchen einen sehr grundlegenden Prozess (Furchtkonditionierung), der z.B. in Meeresschnecken, Ratten, Mäusen, Affen und Menschen funktioniert. 
Ein interessanten Ansatz aus einem Tiermodell in den Menschen zu übertragen, finde ich sehr spannend!

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Psychopharmakologie von 2 Prozessen:
 1) wie man Furchtreaktionen von anderen Menschen lernt (durch Beobachtungslernen) und
 2) wie man Angst wieder “verlernt” (Furcht-Extinktion). 
Beides sind wichtige Prozesse: 1) Wir lernen nicht alles aus eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Beobachtung der Erlebnisse von anderen. Gerade das Miterleben von negativen Ereignissen (z.B. eine Person ,die vom Hund gebissen wird, oder einen Unfall hat) löst dann auch bei uns selbst in ähnlichen Situationen Furcht aus. Und das ist gut so! Wir brauchen die Furcht, um uns zu schützen. Leider wissen wir nicht, welche Neurotransmitter dabei eine Rolle spielen. Beim Lernen aus eigenen negativen Erfahrungen ist das schon eher klar, beim sozialen Beobachtungslernen gibt es keine pharmakologischen Studien (noch nicht!).
2) Die Furchtreaktionen in Situationen wieder zu reduzieren, die sicher sind, ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft. In einer Verhaltenstherapie ist dies ein wichtiger Inhalt: Sicherheit lernen zu Objekten, die eigentlich Furcht, Angst oder Panik auslösen. Es gibt schon pharmakologische Forschung, wie man diese Prozesse verbessert werden können. Beispielsweise habe ich mich in meiner Doktorarbeit damit beschäftigt, wie man mit Dopamin diese Lernprozesse verbessern kann. Hier gibt es aber auch noch Forschungsbedarf, um vielleicht ein Medikament zu entwickeln, welches die Psychotherapie von Angsterkrankungen verbessert, ohne nur die Symptome zu unterdrücken (wie z.B. Benzodiazepine).
Im Alltag besteht meine Arbeit als frisch gebackener Arbeitsgruppenleiter einerseits daraus, die Studien von meinem (Megamäßigen)-Post-doc mit zu planen und die Ergebnisse zu besprechen. Andererseits versuche ich, eigene Daten, Ideen und Hirngespinste in Publikationen, Anträge oder den Papierkorb zu befördern. Und dann ist natürlich auch noch ein Anteil administrativer “Kram”. Es wird also nicht langweilig!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich denk eher anders herum: Was ist meine Motivation, meine Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Meiner Meinung nach sollte man seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in einer gewissen Dosis zugänglich machen. Schließlich wurden wir durch Steuergelder finanziert. 
Ich denke auch, dass die Forschung, die wir hier machen, ein gewisses Interesse für die Öffentlichkeit besitzt. Jeder von uns kennt die Situationen, in denen wir Angst haben. Es ist vielleicht deshalb interessant zu hören, wie Furcht und Angst so “funktionieren”. 

Zur Zeit bin ich Mitglied in einem wissenschaftlichen Netzwerk der DFG, welches von meiner Kollegin Tina Lonsdorf (wir teilen uns das Büro) geführt wird. Hier treffen sich Forscher aus Europa, die alle Furchtkonditionierung als Methode benutzen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich es doch praktisch gemacht wird. Gerade in der Sicht der "Replication crisis” wird es immer wichtiger, sich über Methoden auszutauschen. Nicht immer einfach, aber man lernt unheimlich viel und es lohnt sich, wenn man am Ende Probleme erkannt hat.

Ich interessiere mich für graphic-design in unterschiedlichsten Formen. Das ist vielleicht kein interessantes Hobby, aber ich habe viele Schultage damit verbracht, vor mich hin zu malen und Graphiken “zu machen”. Das ist heute noch immer so, auch wenn die Zeit dafür immer knapper wird. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Das kann unterschiedlich sein, vielleicht früh aufstehen und bei super Wetter mit der umwerfenden Frau an meiner Seite (und ihrem Auto) an die Ostsee fahren.
In Hamburg gehört zu einen guten freien Tag mit dem Rad losfahren, eine Platte kaufen, nach Hause, Kaffee machen, Musik hören und auf dem Balkon n paar Leuten zugucken.  

Bitte heißt Jan ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!

Sunday, July 9, 2017

Das Licht am Ende der Zelle - Stephanie Kainrath ist jetzt bei Real Scientists DE!

Es ist uns eine außerordentliche Freude, euch unsere neue Kuratorin Stephanie Kainrath (@OptoVaris) vorzustellen. Stephanie ist Doktorandin am Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) in Klosterneuburg bei Wien. Stephanies Forschungsbereich ist ebenso jung wie spannend: in der Optogenetik wird Licht eingesetzt, um Zellen zu beeinflussen - ein Wissenschaftsgebiet, das Physik, Biologie  und Medizin miteinander kombiniert. Wir sind sehr gespannt auf den Einblick, den uns Stephanie diese Woche in diesen Bereich bieten wird.
Hier ist Stephanie in ihren eigenen Worten:


Ich war eigentlich schon als Kind begeisterte „Forscherin“. Das ist sicherlich unter Anderem meiner Großmutter zu verdanken, mit der ich in meiner Kindheit sehr viel Zeit verbracht habe, und die mir geduldig all meine Fragen zu Pflanzen und Tieren in Garten und Wald beantwortete. Und wenn sie das mal nicht konnte, dann haben wir gemeinsam in Lexika und Sachbüchern nachgeschlagen. Damals begann meine große Faszination für Insekten, vor Allem Schmetterlinge, deren Raupen ich gesammelt und aufgezogen habe, um die Metamorphose zu beobachten. Dieser Prozess hat mich jahrelang zutiefst fasziniert und ich habe als Kind dann versucht, herauszufinden wie das überhaupt funktioniert, lange bevor ich überhaupt wusste, was Zellen und Moleküle sind. Erklärungen durch Erwachsene und diverse Schul- und Sachbücher empfand ich als höchst unbefriedigend, weil sie immer zu vage, zu oberflächlich blieben. Im Laufe der Zeit hat sich so aber jedenfalls immer mehr herauskristallisiert, dass ich einfach wissen will „wie“ Dinge funktionieren, und zwar in einem sehr, sehr kleinen Maßstab. Dennoch – oder vielleicht auch deswegen - hab ich nach der Matura (Abi) zuerst begonnen, Physik zu studieren. Vielleicht auch nicht ganz unbeeinflusst durch meine Lieblings-Buchserie „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Aber nach einem Jahr Physikstudium in Wien habe ich gemerkt, dass es doch nicht das richtige für mich ist – langfristig bereitete es mir zu viel philosophisches Kopfzerbrechen und lange schlaflose Nächte, mich mit den unendlichen Weiten des Universums oder der so unfassbar kleinen Welt der Quantenphysik zu beschäftigen. Daher habe ich mich einem kleinen, aber nicht subatomar-winzigen Aspekt der Naturwissenschaften zugewandt – der Molekularbiologie, und mein Studium gewechselt. Für mich war sofort klar, wenn ich etwas „biologisches“ mache, dann was in Richtung Medizin, speziell Krebsforschung hat mich interessiert, da ich einige Erkrankungen in meinem Umfeld und meiner Familie miterlebt habe und diese Krankheit besser verstehen wollte. Mittlerweile bin ich PhD Student und habe somit erfolgreich meine Lieblingsbeschäftigungen – Fragen stellen, Neues lernen, kreativ sein und Probleme lösen – zu meinem momentanen Beruf gemacht.
Im Studium habe ich sämtliche Zellsignalwege leidenschaftlich gehasst, da es nur um stupides Auswendiglernen von Abbildungen und Abkürzungen ging (ich sage nur MAP-Kinase-Kinase-Kinase und ähnlich großartige Namen). Ich wollte am Liebsten möglichst wenig damit zu tun haben, aber es kommt ja meistens anders als man denkt. 2014 entdeckte ich ein spannendes Paper, wo Forscher einen Zellsignalweg so verändert haben, dass man ihn mit Licht kontrollieren konnte. Säugetierzellen die auf Licht reagieren, so wie man es sonst nur von Pflanzen oder Bakterien kennt? Prozesse die bei Krebs eine Rolle spielen, wie Wachstum und Migration, mit Licht zu steuern und erforschen? Das ganze Prinzip hat mich zutiefst fasziniert. Und durch Zufall entdeckte ich zwei Wochen später eine Ausschreibung für eine Masterstelle für ein Kollaborationsprojekt genau jener zwei Gruppen, von denen das Paper stammte. Also habe ich mein Glück versucht, mich beworben und bin schließlich in der Arbeitsgruppe „Synthetische Physiologie“ am IST Austria gelandet.
Beim Einlesen in die Literatur zu meinem Thema bemerkte ich sofort, dass es - wenig überraschend - viel einfacher ist, sich all die Signalwege zu merken, wenn man auch die Hintergründe und Zusammenhänge dazu hat. Dazu hat im Studium in den Vorlesungen die Zeit nicht gereicht, und auch Lehrbücher waren meist nur unbefriedigende Zusammenfassungen und nicht in der Lage ein „Bigger Picture“ zu vermitteln. Erst durch Eintauchen in die Primärliteratur konnte ich wirklich wertschätzen, wie faszinierend und komplex die Kommunikation zwischen und innerhalb von Zellen ist. Gleichzeitig beschäftigte ich mich mit Fragen aus der Physik – eben der Optik, und den Wechselwirkungen zwischen Licht und biologischen Systemen. Und so hat mich der Zufall genau da hin geführt, wo ich am Besten aufgehoben bin: eine Schnittstelle zwischen Physik, Molekularbiologie und Medizin, jener drei Bereiche die mich eigentlich immer schon am Meisten interessiert haben.
Einer der Aspekte an meiner Arbeit im Allgemeinen und meinem Arbeitsplatz im speziellen, den ich am allermeisten schätze, ist die Freiheit, einfach nur „ich“ zu sein und keine Vorschriften über mein Aussehen oder meine Kleidung gemacht zu bekommen. Ich habe seit ein paar Jahren immer wieder mal eher ausgefallene Haarfarben, die sogar ein bisschen zu meinem Erkennungsmerkmal geworden sind. Aber dazu gibt es eine eigene Geschichte, die ich im Laufe der Woche noch erzählen will :-)
Ich beschäftige mich mit der Entwicklung und Anwendung von Methoden, Zellsignale durch Licht zu manipulieren, um sie besser zu verstehen. Optogenetik bedeutet im Prinzip, dass man mit Gentechnik bestimmte Komponenten in Zellen umbaut oder ersetzt, so dass diese fortan auf sichtbares Licht reagieren. Der große Vorteil von Licht ist, dass man es mit hoher zeitlicher und räumlicher Präzision anwenden kann – man denke dabei an einen Laserpointer, den man durch einen Knopfdruck ein- oder ausschalten, und sehr präzise auf ein Ziel richten kann, und stelle sich nun vor, dass man so zum Beispiel in einem komplexen Gewebe nur eine einzelne Zelle für einen kurzen Moment aktiviert, und den Effekt auf die umliegenden Zellen beobachtet. Mit konventionellen (pharmakologischen) Methoden ist das nicht möglich. In den Neurowissenschaften kann man so zum Beispiel einzelne Nervenzellen so umbauen, dass man sie mit Licht aktivieren oder inhibieren kann, was unter Anderem dabei hilft die Aufgaben bestimmter Areale im Gehirn zu erforschen, und wie diese miteinander vernetzt sind. Der Bereich der Optogenetik, in den meine Arbeit fällt,  wird manchmal mit dem Zusatz „Non-neuronal“ bezeichnet, um sich von diesem großen (und bekannteren) Feld abzugrenzen. Wir beschäftigen uns nicht mit der Kommunikation zwischen Nervenzellen, sondern allen möglichen anderen Zelltypen, oder aber auch innerhalb der Zelle selbst.
Besonders interessant ist das natürlich unter dem Aspekt dass Krebszellen grundsätzlich dieselben Signalwege wie gesunde Zellen verwenden. Degenerative Erkrankungen resultieren auch oft aus einem Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Zellsignalen. Zu verstehen, wie diese komplexen Kommunikationsnetzwerke zwischen Zellen und ihrer Umwelt, und innerhalb der Zelle selbst, funktionieren, kann uns also auch dabei helfen die molekularen Ursachen von Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu finden. Ein kürzlich abgeschlossenes Projekt dass ich während meines Masterpraktikums begonnen habe, habe ich hier in einem Interview noch ein wenig genauer erklärt.
Kurz gesagt: Meine Arbeit ist in einem sehr neuen, hochaktuellen Forschungsfeld, das unheimlich viele interessante und interdisziplinäre Berührungspunkte hat, und gleichzeitig einen guten Einblick in die Grundlagen der Zellbiologie bietet. Genau das hoffe ich während meiner Zeit als Kurator für Real Scientists DE auf Twitter auch zu vermitteln :-) Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass die Leute verstehen, was im Forschungsalltag ganz allgemein so vor sich geht. Ich merke das vor Allem bei der Kommunikation mit meiner Familie und Bekannten, die fast ausschließlich aus nicht-wissenschaftlichen, nicht-medizinischen Berufen kommen. Abgesehen davon, dass es für sie schwer vorstellbar ist, was ich im Alltag so mache, ist es manchmal auch schwer zu verstehen „warum“. Wobei ich ja durch meinen Bezug zur Krebsforschung (Buzzword!) auch da ein bisschen einen Vorteil habe. Aber mein Feld hat ja auch Berührungspunkte mit Entwicklungsbiologie und anderen Disziplinen der Grundlagenforschung. Und all diese Arbeit, deren „Sinn“ oder „Ziel“ oft nicht so direkt ersichtlich ist, wird ja Großteils von Steuergeldern finanziert. Mir ist es enorm wichtig, dass die Leute verstehen, warum wir diese Arbeit machen und warum sie wichtig ist, und dass wir nicht einfach in unserem „Elfenbeinturm“ Steuergeld verbrennen.
Was Wissenschaftskommunikation betrifft, beschäftige ich mich mal hier, mal da, mit verschiedenen Ansätzen, Formaten und Medien. Zum Beispiel habe ich vor zwei Jahren beim von Florian Freistätter (Astrodicticum Simplex) ausgerufenen Scienceblogs-Schreibwettbewerb mitgemacht (Link). Letztes Jahr habe ich mich zum ersten Mal an Wissenschaftskommunikation mit Kindern versucht, als ich beim „Sommercampus“ vor Kindern im Volkschulalter als „Rolemodel in Science“ dienen durfte. Wir haben am Institut auch so eine interne, interdisziplinäre Seminarreihe, bei der ich letzten Herbst mein Projekt vor einem gemischten Publikum vorgestellt habe und versucht habe, es auch Nicht-Biologen verständlich zu machen. Und zuletzt habe ich eben meinen Twitter-Account gestartet, um wieder ein bisschen aktiver Wissenschaftskommunikation zu betreiben. Einen Blog zu starten und regelmäßig zu schreiben ist eine Idee, die mir immer wieder mal im Kopf herum spukt. Mein persönliches Ziel in dieser Woche ist es auch definitiv, ein bisschen Feedback einzuholen was an meiner Arbeit und meinem Feld die Leute (vor Allem Nicht-Wissenschaftler) interessieren könnte, und worüber ich vielleicht in Zukunft in so einem Format schreiben könnte. Die größte Herausforderung für mich ist dabei, dass mein Studium fast komplett auf Englisch war, und ich auch im Arbeitsalltag nur Englisch spreche. Wissenschaftskommunikation auf Deutsch ist daher nochmal eine eigene Hürde für mich, aber ich freue mich auf die Herausforderung!
An unserem Institut habe ich dieses Jahr das „Young Scientist Symposium“ mitorganisiert. Da wir ein Multi-Disziplinäres Institut sind (derzeit sind Computerwissenschaften, Mathematik, Physik, Neurowissenschaften und Biologie hier vertreten), stehen wir dabei jedes Jahr vor der interessanten Herausforderung,  zunächst ein Thema zu finden, das alle Disziplinen anspricht, und dann Sprecher zu finden, die nicht nur zum Thema passen,  sondern im Idealfall auch ihre Forschungsinhalte so vermitteln können, dass die Leute aus den anderen Feldern es auch verstehen. Es war eine spannende Erfahrung, das Symposium auf die Beine zu stellen! Da ich mich auch hobbymäßig mit Graphic Design beschäftige, übernehme ich auch gerne das Posterdesign für derartige Veranstaltungen hier am Campus, zuletzt für ein Charity Konzert.
Ich erfülle ein sehr österreichisches Klischee, indem ich wahnsinnig gerne Wintersport betreibe - ich liebe Skifahren, Snowboarden und Eislaufen. Seit letztem Herbst habe ich nun auch wieder angefangen zu rudern (nachdem ich vor 10 Jahren Verletzungsbedingt aufgehört hatte). Eine wirklich tolle Sportart, die durch ihren Rhythmus und Eleganz des Bewegungsablaufes besticht. Mir hilft es besser als jeder andere Sport, einfach mal „abzuschalten“ und den Kopf von Sorgen und Alltag freizubekommen, gerade weil man sich sehr auf Technik, Körperhaltung und Rhythmus konzentrieren muss. Und im Gegensatz zu Laufen oder Radfahren ist es auch bei wirklich heißen Temperaturen am Wasser durchaus erträglich. Momentan versuchen wir im Verein eine Damen-8er Mannschaft aufzustellen, und ich versuche mindestens 2, besser 3 mal wöchentlich beim Training zu sein.
Sonstige Freizeitbeschäftigungen, denen ich gerne nachgehe, sind lesen oder zocken, auf Konzerte gehen, oder mich selbst kreativ austoben, durch zeichnen, schreiben oder schneidern/nähen (oder mir die Haare bunt färben, haha). Auch meine Pflanzen sehe ich als ein Hobby an – sie sind für mich ein bisschen ein „Haustier-Ersatz“.
Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Je nach Tagesverfassung bin ich manchmal so erledigt dass ich froh bin wenn ich ausschlafen kann, und auf dem Sofa oder vor dem PC den ganzen Tag vergammeln kann - ich kann durchaus mal einen Tag lang „Nichts“ (sinnvolles) machen und bin sehr glücklich damit. An anderen Tagen habe ich den Drang,  unheimlich produktiv zu sein – dann stehe ich früh auf, gehe Rudern, Laufen oder Radfahren, brunche auf meinem Balkon, verbringe den Nachmittag mit irgendeinem meiner zahlreichen anderen Hobbies und Abends unternehme ich etwas mit Freunden oder Familie, oder verbringe einfach nur einen gemütlichen Abend mit meinem Freund.

Bitte heißt Stephanie ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!

Sunday, July 2, 2017

Der Roboterflüsterer - JP de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Freude stellen wir euch unseren neuen Kurator JP de Ruiter (@JPdeRuiter) vor! JP, den starrköpfige Deutsche ausnahmsweise „Jan” nennen dürfen, stammt aus den Niederlanden und hat in Nimwegen in Psycholinguistik promoviert. Nach seiner Postdoc-Zeit war er 7 Jahre als Professor für Psycholinguistik an der Universität Bielefeld tätig und wanderte vor einem Jahr in die USA aus, wo er jetzt als „Bridge Professor in the Cognitive Sciences” an der Tufts University eine Brücke zwischen Psychologie und Informatik schlägt und die Kommunikation zwischen Menschen und künstlichen Agenten erforscht.




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Das ist eine etwas längere Geschichte. Ich habe zunächst angefangen, Jura zu studieren, weil das die Bedingung meiner Eltern war, alleine wohnen zu dürfen. Das war mir dann aber doch wirklich zu langweilig, also wollte ich in das an der Juristischen Fakultät auch angebotene Fach „Internationale Beziehungen” fliehen. Dafür musste man aber damals wiederum auch „Methodik der Sozialen Wissenschaften” absolvieren. Als ich dort gelernt habe, wie z.B. Soziologen die „Geologie“ von Müllhaufen benutzen, um etwas über den Zeitgeist einer Epochen zu sagen, war ich begeistert, und wollte weiter in der Wissenschaft arbeiten. Komischerweise bin ich dann später, wegen meiner Nerd-Interessen, in der Informatik gelandet, und habe aus Geldgründen als Programmierer in einem Krankenhauslabor gearbeitet. Als dann in Nimwegen der neue interdisziplinäre Studiengang „Kognitionswissenschaft” entstand, habe ich wieder angefangen, zu studieren. 



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meines Studiums der Kognitionswissenschaft habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (auch in Nimwegen) meine Diplomarbeit über Worterkennung geschrieben, und wollte gern dort auch promovieren. Pim Levelt hat mir dann eine Doktorandenstelle angeboten, um die Produktion von Gestik und Sprache zu untersuchen. So bin ich in der Psycholinguistik gelandet. In dieser Zeit und während meines Post-Docs an der Uni Köln habe ich dann bemerkt, wie interessant und komplex Kommunikation eigentlich ist, und habe mich dann entschieden, mich darauf zu konzentrieren.




Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich versuche heraus zu finden, welche Berechnungen Menschen und künstliche Agenten (z.B. Roboter) durchführen müssen, um effektiv mit einander zu kommunizieren. Dafür benutze ich sowohl Methoden aus der Psychologie und der Soziologie als auch komputationelle Modellierung, z.B. indem ich sozial kompetente Roboter konstruiere. 



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung interessieren?
Es wird immer mehr künstliche Agenten (wie z.B. Roboter oder virtuelle Agenten) geben, und durch die weiter fortschreitende Globalisierung sowie die zunehmende Verbreitung digitaler Kommunikationsmittel wird es auch immer mehr Kommunikation zwischen Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen und kulturellen Hintergründen geben. Das heißt auch, dass das Potenzial für Missverständnisse immer größer wird. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir verstehen, wie wir uns gegenseitig verständigen können und wo und wie Missverständnisse entstehen, so dass wir sowohl die Mensch-Mensch-Kommunikation als auch die Mensch-Maschine-Kommunikation verstehen und verbessern können.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Meine größte Leidenschaft ist die Fotografie. Ich fotografiere gerne Menschen, Tiere, und brutalistische und skurrile Architektur.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Um 9 aufwachen, Zeitungen und Twitter lesen im Bett, dann Kaffee und leichtes Frühstück, und dann ein paar Stunden in einer alten industriellen Gegend mit meiner Kamera rumdackeln und Fotos machen. Dann ausführlich kochen und essen. Abends dann einen guten Film oder Comedy-TV anschauen. Das geht alles alleine, aber ist natürlich viel schöner mit meiner Partnerin.


Bitte begrüßt JP ganz herzlich bei Real Scientists DE!