Sunday, February 18, 2018

Der Wissenschaftskommunikator - Philipp Schrögel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Philipp Schrögel (@schroep) vor! Philipp hat erst an der Universität Erlangen-Nürnberg sein Diplom in Physik gemacht, und dann an der Harvard Kennedy School of Government einen Master in Public Policy draufgesetzt.
Seitdem hat er sich ganz der Wissenschaftskommunikation verschrieben: Von 2011 bis 2014 war er als Berater in den Themenfeldern Technik- und Wissenschaftskommunikation, Bürgerbeteiligung und Foresight bei der IFOK GmbH tätig und beschäftigte sich dabei unter anderem mit dem Projekt Bürgerdialog Zukunftstechnologien für das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Seit September 2014 arbeite er selbstständig mit einem Büro für Wissenschafts- und Technikkommunikation. Gleichzeitig lehrt er an der Uni Erlangen-Nürnberg und forscht seit Februar 2016 in der Abteilung Wissenschaftskommunikation am KIT: Dort leitet er die Projekte "Wissenschaft für alle!" und "Science In Presentations", um herauszufinden, wie sich Wissenschaft am besten an den Mann bzw. die Frau bringen lässt.
Philipp hat die Wissenschaftskommunikations-Praxisprojekte „Schaufenster Ozean“ und „Wissensbuffet“ gegründet und organisiert und moderiert Science Slams unter anderem in Karlsruhe, Erlangen und Nürnberg.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Bei mir gibt es kein spektakuläres „Erweckungserlebnis“. Das ist zwar dramaturgisch schade für Erzählungen wie diese hier, zeigt aber auch, dass es viele Wege in die Wissenschaft gibt. Natürlich habe ich mich in meiner Kindheit für viele Dinge interessiert, gebastelt und die Natur erkundet, und hatte in der Schule auch Spaß am Experimentieren. Ich würde sagen, am meisten hat mich noch mein Physik-Grundkurs geprägt, der dann zu einem Physik-Studium geführt hat. Obwohl ich lange überlegt habe, ob ich nicht doch Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit studieren sollte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mit der Entscheidung für Physik und gegen Archäologie hat sich dann aber immer noch kein gerade wissenschaftlicher Karriereweg ergeben. Mein Physikstudium hat mir Spaß gemacht, aber durch mein Engagement in der Studierendenvertretung habe ich gemerkt, dass mich Forschungspolitik und –management noch mehr interessieren. Nach meinem zweiten Public Policy Studium und meiner Zeit im Berufsleben als Berater bin ich dann in der Wissenschaftskommunikation gelandet, was meiner Ansicht nach der perfekte Ort ist. Hier befinde ich mich mitten drin, sowohl zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Methoden aus den Kommunikations-, Sozial- und Geisteswissenschaften, als auch die ganzen wissenschaftlichen Themen, die Inhalte der untersuchten oder durchgeführten Kommunikationsprojekte sind. Diese Vielfalt, Offenheit und Vernetzung finde ich wunderbar!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe das große Glück, bei meiner Arbeit zwei Aspekte ausleben zu dürfen. Einerseits die Forschung zu Wissenschaftskommunikation. Das sind konkret zwei Projekte, zum einen „Science In Presentations“, wo wir die verschiedenen Präsentationsformen untersuchen, die Wissenschaftler*innen nutzen, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, von Abendvorträgen über Science-Slams bis zu Videos. Das untersuchen wir aus der Sicht der Rezipient*innen sowohl durch Befragungen und Beobachtungen als auch durch Blickaufzeichnungs-Analysen (Eye-Tracking) wodurch wir erheben können, wohin ein*e Besucher*in bei einer Präsentation schaut. In meinem zweiten Forschungsprojekt „Wissenschaft für alle“ untersuchen wir, welche Bevölkerungsgruppen von klassischen Formen der Wissenschaftskommunikation nicht erreicht werden, welche Faktoren zur Exklusion beitragen und dann, in einem zweiten Schritt anhand von Pilotprojekten, wie gemeinsam mit zuvor ausgeschlossenen Gruppen neue Zugangswege zur Wissenschaftskommunikation entwickelt werden können.
Andererseits widme ich mich ebenso der Durchführung von ganz konkreten Wissenschaftskommunikationsprojekten als Moderator oder Organisator. Dies gibt mir die Gelegenheit, auch neue Ideen zu erproben, ob als freiberuflicher Wissenschaftskommunikator bei Hackathons oder Comic-Workshops, oder durch eigene Wissenschaftskommunikationsprojekte hier am Institut, wie beispielsweise das „Schaufenster Ozean“ oder das „Wissensbuffet“.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Auf den ersten Blick ist das eine schwierige Angelegenheit. So ist schon die Erforschung von Wissenschaftskommunikation ein Meta-Thema, die Wissenschaftskommunikation zur Erforschung von Wissenschaftskommunikation ist dann ein Meta-Meta-Thema. Aber auf den zweiten Blick wird die Alltagsrelevanz umso deutlicher: viele bedenkliche gesellschaftliche Entwicklungen heute basieren auf der gescheiterten gemeinsamen Verständigung über wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen, von Klimawandel-Leugner*innen, Impfgegner*innen, Rassist*innen mit Falschbehauptungen zu Migration und allen Gegner*innen aller möglichen Stromerzeugungsformen. Dabei geht es nie nur darum, dass eine Seite wissenschaftlich Recht hat und die andere nicht, sondern um eine vielschichtige Problemlage aus Fakten, Annahmen, Bewertungen, Interessen, Wünschen und Werten. Diese Kommunikationssituationen besser zu verstehen und besser gestalten zu können, sollte in jedermanns und jederfraus Interesse sein.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich organisiere und moderiere regelmäßig Science-Slams in Karlsruhe, Erlangen und Nürnberg sowie sporadisch in etlichen weiteren Orten. Ich finde dies eine wunderbare Art der Wissenschaftskommunikation: die Verbindung von ernsthaftem Vortrag und Unterhaltung, der Schritt aus den Hochschulen heraus (meine Science-Slams finden zumeist in Kultureinrichtungen und Clubs statt), der Vortrag durch junge, engagierte Wissenschaftler*innen und nicht ergraute Eminenzen und die Machtumkehr zwischen Laien und Expert*innen durch die Bewertung des Publikums am Ende. Den Science-Slam als Format gibt es mittlerweile seit über 10 Jahren, er ist also nicht mehr ganz taufrisch, aber ich finde es weiterhin eine großartige Sache!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Da es mit dem Mittelalterarchäologie-Studium nichts geworden ist, habe ich beschlossen, das Mittelalter zumindest als Hobby weiterzubetreiben. Ich mache Mittelalter-Reenactment, also das Nachstellen des Lebens im Mittelalters bei historischen Events. Dabei ist mir der historische Anspruch wichtig, also nicht einfach Jeans und Bettlaken überzuwerfen wie bei so etlichen Stadtfesten häufig gesehen oder Fantasy-Events mit Elfenohren und Plastikschwertern. Es geht darum Kleidung und Ausrüstung einer Epoche (bei mir das frühe Hochmittelalter) möglichst authentisch zu gestalten, also natürlich handgenähte Leinen- oder Wollkleidung nach historischem Schnitt, idealerweise aus handgewebten und pflanzengefärbten Stoffen. Der handwerkliche Aspekt ist mir dabei besonders wichtig, so versuche ich alle Ausrüstung selbst herzustellen und nicht zu kaufen: vom selbstgeschmiedeten Schwert, zu den selbstgenähten Schuhen und Kleidung bis zu selbstgeschreinerten Truhen und den selbstgegossenen Bronze-Fibeln. Es ist ein sehr beglückendes Gefühl, wenn man handwerklich etwas hergestellt hat. Da kann ein abgegebenes Manuskript nicht mithalten. Leider bin ich aber in den letzten Jahren zeitlich immer weniger dazu gekommen, mich meinem Hobby zu widmen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mir fällt es schwer, mich von meiner Arbeit zu lösen, auch weil ich dauernd neue Ideen und Gedanken habe. Also würde auch ein freier Tag zumindest ein bisschen Lesen und vielleicht ein paar Notizen beinhalten. Ansonsten wäre es eine gute Gelegenheit, mein oben erwähntes vernachlässigtes Hobby wieder aufzugreifen oder einfach mal eine Runde Bogenschießen gehen.

Bitte begrüßt Philipp ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, February 11, 2018

In die Kamera-Falle getappt - Ann-Sophie Warkentin ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche ist nicht ganz wie jede andere - wir feiern Geburtstag! Vor genau einem Jahr ging Real Scientists DE mit unserem ersten Kurator Dennis Eckmeier an den Start.
Wir freuen uns sehr, Ann-Sophie Warkentin (@ASWarkentin) in dieser Geburtstagswoche als Kuratorin begrüßen zu dürfen! Ann-Sophie ist gerade in ihrem 6. (und letzten) Semester des BSc Zoology with Animal Behaviour der Bangor Univeristy in Bangor, Nordwales. Danach wird sie ihren Master absolvieren, ebenfalls in Bangor, allerdings wird ihre Forschung dafür sie nach Sansibar führen, wo sie die Auswirkungen von Touristen auf die endemischen Sansibar Stummelaffen erforschen wird. Sie hofft danach eine Doktorstelle zu finden, am liebsten in der Fachrichtung Verhalten.

Hier ist Ann-Sophie in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Im Prinzip durch einen Zufall und eine Tumblr-Bekanntschaft! Ich hatte Naturwissenschaften für mich schon aufgegeben, da ich zwar in Biologie immer sehr gut war und es mich begeistert hat, ich aber in Chemie und Physik nie so richtig angekommen war. Da ein naturwissenschaftliches Studium in Deutschland aber alles drei benötigt, hatte ich die Idee des Biologiestudiums erst mal zur Seite gelegt und mich in den Geisteswissenschaften umgeschaut. Ich folgte allerdings jemandem bei Tumblr, die Zoologie studierte (witzigerweise sogar in Bangor, wo ich jetzt bin). Nach einer Veranstaltung in London sah ich auf Fotos von ihr, dass wir unwissentlich bei der gleichen Veranstaltung waren. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihr, fragte sie dann was genau ein Zoologiestudium denn beinhaltete, und habe mich danach nach gerade diesem Studienfach umgesehen. Dabei fiel mir auf, dass Zoologie hier in Großbritannien genau die Themengebiete abdeckte, die mich in Biologie am meisten fasziniert hatten. Also ab nach Wales!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich hatte mein Studium ohne Spezialisierung in Verhalten angefangen, mich dann aber über die möglichen Module informiert und mich schon Mitte des ersten Jahres für Verhalten entschieden. Die beiden Verhaltensmodule haben mich sehr begeistert, allerdings habe ich auch ein Modul namens Primatenkunde belegt, welches sich zu meinem Lieblingsmodul entwickelte. Mich fasziniert vor allem der Nutzen eines Verhaltens, also wieso tut ein Tier, was es tut? Bei den Primaten halten mich am meisten die beiden Dozenten an meiner Uni, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben, und die generelle Gemeinschaft der Primatenkundler. Ich durfte im November auf einer Konferenz dabei sein und traf sogar Jane Goodall! Aber wer weiß, vielleicht verirre ich mich ja doch noch in Richtung Großkatzen...

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Momentan bin ich im letzten Semester meines Studiums, was bedeutet, dass ich zeitgleich an meiner Bachelorarbeit schreibe und mich auf den Master vorbereite, indem ich Anträge auf Forschungsgelder erstelle. Meine Bachelorarbeit basiert auf den Daten aus 21 Kamerafallen, die ich (zusammen mit meinem jetzt-Ex-Freund) im Juli in Schleswig-Holstein aufgestellt hatte. Dabei hatten wir Unterstützung von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, welche die Kamerafallen und die Fläche zur Datenermittlung zur Verfügung gestellt hatte. Aus 21 Kamerafallen kamen 197.000 Fotos, von denen 74.000 für unsere Arbeit interessant waren. Aus diesen Daten erstelle ich nun Graphen, analysiere und schreibe die Bachelorarbeit dazu. Gleichzeitig schreibe ich Anträge auf Forschungsgelder für meine geplanten drei Monate auf Sansibar diesen Sommer.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Masterarbeit wird hoffentlich dabei helfen, den Touristen auf Sansibar zu zeigen, wie sie sich den dortigen Affen gegenüber verhalten können, um sie möglichst wenig zu stören. Dies sollte hoffentlich dem Arterhalt helfen, denn momentan gibt es von den Sansibar Stummelaffen nur noch ca. 5000, sie sind aber ein guter Touristenmagnet und helfen der örtlichen Wirtschaft. Außerdem sehen sie (in meinen Augen zumindest) ziemlich süß aus, das sollte helfen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich zeige zukünftigen Studenten Bangor University auf sogenannten "Open Days". Dabei gibt es eine kleine Stadtrundfahrt und eine Besichtigung der Wohnheime, bei der ich stets für Fragen zur Verfügung stehe. Ich freue mich immer, meine Begeisterung für dieses schöne Fleckchen Erde und den Studiengang weitergeben zu können und hatte schon Studenten, die hauptsächlich wegen ihrer Erfahrungen beim Open Day hier studieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Hier in Bangor habe ich das Bouldern für mich entdeckt, allerdings bisher nur in der Halle, nicht draußen am Felsen. Es macht wirklich viel Spaß, sich an körperliche Grenzen heranzutasten und den Fortschritt jede Woche an der Wand zu sehen. Außerdem habe ich mit dem Bogenschießen angefangen, das ist auch sehr spannend. Hoffentlich kann ich dieses neue Hobby mit einem alten Hobby verbinden und mal das Bogenschießen vom Pferd aus ausprobieren.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Früh aufstehen (ja, ich bin so ein Morgenmensch), dann eine große Runde mit "meinen" zwei Hunden drehen, am liebsten in Begleitung einer Freundin. Zum Mittagessen mit meiner Familie in ein schönes Restaurant fahren, dann nachmittags bei Brettspielen und in guter Gesellschaft verbringen. Vielleicht noch einen Ausflug in meinen örtlichen Wildpark, ein paar Tiere machen jeden Tag besser.

Bitte begrüßt Ann-Sophie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, February 4, 2018

Bist du, was du isst? Laura König ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Laura M. König (@lauramkoenig) vorstellen zu dürfen! Laura ist Gesundheitspsychologin und hat an der Universität Konstanz Psychologie und Informatik studiert. Dort arbeitet sie seit April 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie, und wird diesen Monat ihre Promotion abschließen - wir erwischen sie also in einer heißen Phase! In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Entwicklung von Smartphone-Apps zur Förderung einer gesunden Ernährung und dem Einfluss der sozialen und physischen Umwelt auf das Ernährungsverhalten.

Hier ist Laura in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Dass mich Wissenschaft fasziniert, stand schon in der Grundschule fest. Nur beim Fachgebiet war ich mir noch nicht ganz sicher. In der vierten Klasse verschlang ich Bücher über archäologische Funde aus der Antike und die Entstehung der Welt, die ich im Bücherregal meiner Mutter entdeckt hatte. Später kamen Bücher zu Wissenschaftsgeschichte und neuer deutscher Geschichte hinzu. Abstecher machte ich gedanklich auch in die Rechts- und die Sprachwissenschaft, bevor ich letztendlich beinahe gleichzeitig auf Psychologie, Informatik und Ernährungswissenschaft bzw. Ernährungsmedizin kam.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Angefangen hat alles mit einem Nebenjob als Kellnerin in einer Heilfastenklinik. Dort habe ich schnell angefangen, mir Fragen über das Essverhalten zu stellen. Warum waren manche PatientInnen in der Klinik so dick, während andere Personen ihr Leben lang schlank bleiben? Welche Programme sind langfristig sinnvoll und erfolgreich, um Übergewicht zu behandeln?

Nachdem ich mein Psychologiestudium in Konstanz begonnen hatte, motivierten diese Fragen auch einen Jobwechsel, und ich fing als Hiwi am Lehrstuhl für Psychologische Diagnostik und Gesundheitspsychologie an. So konnte ich nicht nur jede Lehrveranstaltung aus dem Bereich in mich aufsaugen, sondern auch direkt an der Forschung beteiligt sein. Mein Interesse für das Gebiet halten bis heute an. In meinem Kopf geistern einfach noch zu viele Fragen unbeantwortet herum, als dass ich diesen Beruf so schnell aufgeben wollen würde. Beispielsweise gibt es immer neue Methoden, mit denen wir das Essverhalten im Alltag noch besser abbilden können. Die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen öffnen uns immer neue Möglichkeiten, um Verhaltensänderungsprogramme zu entwickeln, die unsere Ernährung in Zukunft hoffentlich gesünder gestalten können. Auch inhaltlich gehen wir gerne neue Wege: während lange Zeit Zurückhaltung beim Essen gepredigt wurde, besinnen sich manche ForscherInnen darauf zurück, dass Essen für viele Menschen auch Genuss bedeutet und dass dieser Genuss vielleicht gar nicht so gesundheitsschädlich ist, wie man oft geglaubt hat. Auch da gibt es noch viele offene Fragen, die ich in Zukunft untersuchen möchte.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In den letzten Monaten habe ich hauptsächlich geschrieben, weil ich meine Doktorarbeit vor Weihnachten abgegeben habe. Normalerweise ist mein Arbeitsalltag aber etwas ausgewogener. Montags stehen erstmal viele Besprechungen an, um die Woche zu planen. Den Dienstag versuche ich dann, mir für die Arbeit an Papern frei zu halten, d.h. hier lese und schreibe ich hauptsächlich. Während des Semesters gebe ich mittwochs Seminare, zur Zeit sind das zwei für fortgeschrittene Bachelorstudierende. Den Rest der Woche verplane ich spontan mit Terminen, z.B. mit meinen Abschlussarbeitsschreibenden oder TeamkollegInnen. Oft unterstütze ich die Datenerhebung in Studien oder werte Daten aus. Insgesamt verbringe ich also viel Zeit am PC, aber auch der Kontakt mit KollegInnen, Hilfskräften, Studierenden und Studienteilnehmenden kommt nicht zu kurz.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Essen ist vermutlich ein Thema, das viele Menschen ganz natürlich interessiert. Essen muss ja schließlich jeder, und Dank der Medien ist die "richtige" oder "falsche" Ernährung in aller Munde. Aber auch gesellschaftlich ist meine Forschung von Bedeutung. Erkrankungen, die durch eine ungünstige Ernährung ausgelöst werden, kosten das Gesundheitssystem jährlich einige Milliarden Euro, und Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind jährlich 2,8 Millionen Todesfälle auf sogenannte verhaltensbasierte Krankheiten zurückzuführen. Das bedeutet, dass sie durch eine Änderung des Lebensstils, u.a. der Ernährung, vermeidbar wären.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im Zusammenhang mit meiner Promotion engagiere ich mich seit mehr als zwei Jahren bei CREATE, der Fachgruppe für Jungwissenschaftlerinnen in der European Health Psychology Society. Wir organisieren einen Workshop pro Jahr, der im Rahmen der jährlichen Tagung der Fachgesellschaft stattfindet, um den Jungwissenschaftlerinnen die Möglichkeit zu Fortbildung und fachlichem Austausch zu geben.

Außerdem interessiere ich mich für Wissenschaftskommunikation - sonst würde ich vermutlich hier keinen Text über mich verfassen. Ich habe das Schreiben für Laien für mich entdeckt und versuche, Erkenntnisse aus der Gesundheitspsychologie verständlich darzustellen, unter anderem auf dem deutschsprachigen Blog de.in-mind.org. Seit kurzem teile ich auch Einblicke in meinen Arbeitsalltag als Wissenschaftlerin auf einem Instagram-Account. Schaut doch mal auf instagram.com/reatsearcher vorbei!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Als Gesundheitspsychologin weiß ich natürlich, wie wichtig Erholung und Sport sind ;) Mein Abendprogramm ist deswegen auch gut gefüllt. Es dreht sich meist um Musik: ich spiele Saxophon, singe im Chor und tanze Lindy Hop. Außerdem beschäftige ich mich auch privat gerne mit Essen. Ich lade gerne Freunde zum gemeinsamen Kochen ein oder backe Kuchen für meine KollegInnen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ganz wichtig: es ist angenehm warm, so 25 Grad wären ideal. Morgens wache ich zeitig auf, bleibe dann aber erstmal im Bett liegen und lese ein Buch. Danach gehe ich zusammen mit meinem Partner in ein Café und wir frühstücken dort. Den Nachmittag verbringen wir dann mit einem Spaziergang und sonnen uns anschließend am Bodenseeufer. Abends gibt es ein leckeres vegetarisches Essen, bevor wir uns auf den Weg zum Tanzen machen – Lindy Hop natürlich.

Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 28, 2018

Die fabelhafte Welt der Steine - Nadine Gabriel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Nadine Gabriel (@NadWGab) vorstellen zu dürfen! Nadine hat am University College London Geologie studiert und dabei unter anderem 1.9 Milliarden alte Stromatolithen der Belcher Islands in Kanada beforscht.  Seit 2017 macht sie ein Praktikum am nicht ganz so alten, aber doch altehrwürdigen Grant Museum of Zoology der UCL, wobei sie sich auch einem ihrer weiteren Interessen widmen kann: der Wissenschaftskommunikation. Nadine bloggt für den Museums & Collections Blog der UCL und hat den Hashtag #AreYouSiO2 ins Leben gerufen. Darunter dürfen Mineralienfans immer montags raten, ob es sich bei einem abgebildeten Gestein um Quartz handelt oder nicht (zu besonderen Anlässen gibt es auch mal eine special edition).

Hier ist Nadine in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Als ich sehr jung war, wollte ich Anwältin werden, weil ich mir “Judge Judy” sehr oft angeschaut habe. Meine Arbeitserfahrung war in einem Anwaltsbüro und ich habe meine Zeit dort genossen. Aber ich habe mich immer für Wissenschaft interessiert (es war mein Lieblingsfach in der Schule) und wissenschaftliche Dokumentarfilme haben mir immer gefallen. Als ich meine Abitur (A-Levels) gemacht habe, habe ich Erdkunde studiert und sie war wunderbar! Ich habe über Vulkane, Erdbeben, Plattentektonik und Meteorologie gelernt. Dann habe ich entschieden, Geologie an der Universität zu studieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Geologie hat ein bisschen von allem. Um die Erde zu verstehen, muss man Physik, Biologie und Chemie wissen. Und wie gesagt, ich liebe Wissenschaft! Wenn man Geologie studiert, muss man Feldforschung machen und ins Ausland gehen, und das hat mir sehr gefallen. Mein eigenständiges Forschen ging um Geochemie und Stromatolithen (biogene Sedimentgesteine). Ich habe dieses Projekt ausgewählt, weil ich mit sehr alten Steinen (~1,9 Milliarden Jahre alt) arbeiten musste und die Minerale in der Stromatolithen analysieren musste. Ich habe entschieden, in Museen zu arbeiten, weil ich ihre Sammlungen und Wissenschaftskommunikation liebe. Vor ein paar Jahren habe ich das Natural History Museum London besucht. Die Mineraliengalerie war sehr groß und hat mich beeindruckt. Ich finde es sehr gut, dass Museen uns helfen, unsere Welt zu verstehen.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite vier Tage pro Woche beim Grant Museum of Zoology. Das Grant Museum of Zoology ist ein Teil der UCL und hat ~68.000 zoologische Exemplare. Jeder Tag ist anders und das ist ein Pluspunkt für mich. Das Ziel meines Praktikums ist es, alle Aspekte der Tätigkeiten des Museums zu unterstützen.  Ein großes Teil meiner Arbeit besteht aus Museumsdokumentation: ich muss unsere Museumsdatenbank aktualisieren, Exemplaren eine Inventarnummer geben und Exemplare beschriften. Forscher, Künstler, Fotografen, usw. kann das Museum besuchen, um Exemplare zu studieren, also ich muss die Exemplare finden, die sie wollen. Andere Aufgaben beinhalten bloggen, Ausstellungen aufstellen, Besucher grüßen, aufräumen (es ist nicht gut, wenn das Museum staubig ist!) und noch mehr. Vor ein paar Monaten musste ich mich um 26 lebende Schnecken kümmern, weil sie in unserer Ausstellung waren!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Geologie ist überall und wir sind abhängig von ihr. Dank der Geologie haben wir Treibstoff, Chemikalien, Erze und Minerale für unsere Industrie. Geologie hilft uns, Naturgefahren (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Dolinen, usw.) zu verstehen und ihre Risiken abzumildern. Kurz gesagt: Geologie hält uns sicher und hilft unseren Gesellschaften.

Und warum sind Museen wichtig? Wenn man ein Museum besucht, kann man etwas Neues lernen. Museen sind inspirierend und ich finde es echt toll, wenn Leute das Grant Museum of Zoology besuchen und erstaunt sind. Viele seltene und wichtige Exemplare befinden sich in Museen und sie werden dort geschützt. Wegen Museums haben Forscher die Möglichkeit, Exemplare zu analysieren – viele wissenschaftliche Studien nutzen Museumsexemplare.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Deutschlernen! Seit vier Jahren bringe ich mir selbst Deutsch bei. Ich finde Sprachen sehr interessant und vielleicht wenn ich keine Geologin wäre, würde ich Sprachwissenschaft studieren. Regelmäßig übersetze ich Lieder, damit ich mein Deutsch verbessern kann (http://lyricstranslate.com/en/translator/hoffnung). Ich lese, zeichne, höre Musik, sammle Minerale und besuche Museen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Spät aufstehen und ein englisches Frühstück essen. Dann das Natural History Museum London besuchen und in einem Wald spazieren gehen. Und endlich nach Hause gehen und einen guten Film sehen, mit leckerem Essen und Trinken.

Bitte begrüßt Nadine ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 21, 2018

Entscheide dich - Nicolas Schuck ist jetzt bei Real Scientists DE!


Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Nicolas Schuck (@nico_schuck) vor! Nico hat in Berlin Psychologie studiert und dort am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und an der HU zum Thema … promoviert. Nach vier Jahren als Postdoc am Princeton Neuroscience Institute kam er 2017 zurück ans Berliner MPI, wo er nun die Max-Planck-Forschungsgruppe NeuroCode leitet. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf Entscheidungsprozessen im Gehirn und wie sie durch Vorwissen und Lernprozesse beeinflusst werden.

Hier ist Nicolas in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte ursprünglich eigentlich Journalist werden. Auf Anraten von befreundeten Journalisten habe ich dann aber nicht Journalismus, sondern Psychologie studiert, und im Studium wurde mir schnell klar, dass mich das Aufstellen von Hypothesen und Testen dieser mit Experimenten eigentlich am meisten fesselt.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich fand den menschlichen Geist schon immer ein wahnsinnig fesselndes Thema. Gleichzeitig habe ich am Anfang meines Studiums sehr damit gehadert, wenn Methoden und Konzepte in der Psychologie aus meiner Sicht “schwammig” wurden. Dann habe ich ein Jahr in Kanada als Austauschstudent verbracht und mich dort mit maschinellem Lernen beschäftigt, einem Teilgebiet der Künstlichen Intelligenzforschung, das eine sehr mathematische Sichtweise auf den Prozess des Lernens hat. Das hat mir nochmal einen ganz anderen Blickwinkel auf die gleichen Fragen eröffnet, die mich auch in der Psychologie schon fasziniert haben: Wie lernen wir und wie nutzen wir Gelerntes zum Entscheiden? Da wurde mir klar, dass mein Platz an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Biologie und Informatik sein würde.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Seit September 2017 leite ich eine Forschungsgruppe, in der wir erforschen, wie neue Erlebnisse im Gehirn verarbeitet werden, wenn Menschen etwas Neues lernen oder Entscheidungen treffen müssen. Wir stellen also Fragen wie zum Beispiel: An welche Erlebnisse erinnern sich Menschen besonders gut? Welche Erlebnisse beeinflussen eine Entscheidung besonders stark? Und wie spiegelt sich das im Gehirn wieder?
Dazu benutzen wir die sogenannte funktionelle Magnetresonanztomographie, eine Technik die es uns erlaubt, ohne äußerliche Eingriffe Vorgänge im Gehirn aufzuzeichnen. Damit können wir Gehirnvorgänge messen, während Probanden Lern- oder Entscheidungsaufgaben lösen. Nach den Messungen fängt der schwierigste Part an, weil wir vor der Frage stehen, was uns die Daten darüber sagen können, wie Lernen und Entscheiden im Gehirn abläuft.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich glaube, dass es im Moment eine spannende Zeit in meinem Feld ist, weil die Erforschung des Gehirns immer schneller voranschreitet. Noch sind wir ziemlich am Anfang, aber ich glaube, dass neurowissenschaftliche Ergebnisse noch in unserer Lebensspanne wichtige Veränderungen für die Allgemeinheit bringen werden, zum Beispiel die Verwendung von Gehirn-Computer Schnittstellen im Alltag.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin natürlich in allerhand andere Sachen verwickelt, die nicht direkt meine eigene Forschung betreffen, zum Beispiel in die Auswahl von Doktoranden für Max-Planck-Doktorandenprogramme, in die Begutachtung von Forschungsvorhaben und -ergebnissen anderer Wissenschaftler, und in die gelegentlichen Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel neulich in einer Grundschule in Kanada oder jetzt hier bei Euch auf Real Scientists.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich versuche mich, sofern es meine Knie erlauben, im Halbmarathon. Halbmarathon bin ich schon zwei mal in New York gelaufen, und die Atmosphäre dort war unbeschreiblich! Der nächste ist in Berlin, und ich freue mich schon drauf. Ansonsten reise ich sehr gerne. Knapp 25 Länder habe ich bestimmt schon gesehen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine interessante Stadt zu Fuß explorieren, bei Sonne und ohne Eile, und am Abend draussen gutes Essen und Wein genießen. Das ganze natürlich mit meiner Freundin, oder auch mehreren Freunden zusammen.    

Bitte begrüßt Nicolas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 14, 2018

Das Gehirn rehabilitieren - Robert Guggenberger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Robert Guggenberger (@agricolabs) vorstellen zu dürfen! Robert hat in Bamberg Pädagogik studiert und in dieser Zeit nebenbei in einer stationären Einrichtung mit Drogenabhängigen gearbeitet. Diese Erfahrungen motivierten ihn später zu seiner ersten (!) sozialwissenschaftlich orientierten Promotion zum Thema "Sucht und Willensfreiheit" an der Uni Tübingen. Die rein philosophische Herangehensweise an dieses Thema war ihm jedoch nicht genug - etwas Angewandteres musste her, und so setzte er im Frühjahr 2017 noch eine zweite, neurowissenschaftliche Promotion drauf: Diesmal zum Thema Neurofeedback zur motorischen Reha nach Schlaganfall. Dr. Dr. Robert arbeitet als Postdoc in der translationalen Neurochirurgie am Universitätsklinikum Tübingen.


Hier ist Robert in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Während meines Studiums zum Diplom-Pädagogen habe ich mit Abhängigen gearbeitet. Meine Erfahrungen waren sehr eindrücklich. Ich wollte dann besser verstehen, ob man Abhängigen für den Rückfall Schuld zuschreiben kann, darf oder sollte. Zu diesem Thema habe ich mich auf ein Promotionsstipendium im Graduiertenkolleg Bioethik der Universität Tübingen beworben, und das erhalten. Das war mein Einstieg.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem ersten Doktor habe ich mich auch auf praktische sozialpädagogische Arbeitsfelder beworben und hatte auch interessante Zusagen. Letztlich habe ich mich aber dann doch für die Wissenschaft entschieden. Ich denke, mich reizte damals die intellektuelle Herausforderung zu sehr.

Mein erster Doktor war ja primär sozialwissenschaftlich und philosophisch, aber das Thema Sucht ist ja interdisziplinär. Daher wollte ich auch die Neurowissenschaften noch besser verstehen. Ich hatte bereits klinisch zur Tiefen Hirnstimulation bei Abhängigkeit publiziert, und so bin ich zum Forschen dann in der Neurochirurgie gelandet.

Was mich in meinem aktuellen Feld hält, ist meine Vorliebe fürs Programmieren und quantitative Datenauswertung, aber auch die elektrotechnischen Aspekte machen mir sehr viel Spaß. Die Betreuung von Studenten macht mir oft Freude, auch wenn es eine große Verantwortung ist.  Generell mag ich Forschung jeglicher Art, vor allem das Gefühl etwas zu verstehen, und die in der Wissenschaft eher übliche offene Kommunikationsstruktur, in der meist die besseren Argumenten gewinnen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meisten sitze ich vor dem PC und schreibe Anträge, Studienprotokolle, Auswertungsskripte, Verwaltungskram, oder Manuskripte. Gelegentlich halte ich Lehrveranstaltungen, bereite Messaufbauten vor und bastle dafür auch elektronische Hardware. Dazu kommen noch regelmäßige Meetings mit Studierenden, Kollegen und Kollaborationspartnern zu unseren unterschiedlichen Forschungsprojekten.

Obwohl ich in der Neurochirurgie arbeite, befassen sich meine Projekte fast alle mit nicht-invasiven Methoden. Thematisch ist das vor allem hirnzustandabhängiges Verfahren zur Neurorehabilitation. Das heißt, wir wollen herausfinden, *wann* und *wie* man das Hirn und das Nervensystem stimulieren muss, um Krankheiten besser behandeln zu können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Hm. Klinische Forschung ist spannend, weil ja jeder betroffen sein könnte und dann davon profitiert. Aber wenn man nicht gerade selber mitmacht, wirkt ja vieles was Wissenschaftler treiben, eher esoterisch, langatmig, und unnötig kompliziert. Und naja, als Ethiker bin ich mit dem Wörtchen *sollen* zurückhaltend, und als Pädagoge mag ich es nicht, wenn man eine Öffentlichkeit erzeugt, der gegenüber jemand dann die Expertenrolle übernehmen soll. Aber was ich glaube, ist dass man davon profitieren kann, einen Blick in den Arbeitsalltag anderer zu werfen. Und eben da der Alltag von Forschern so esoterisch wirkt, kann gute Wissenschaftskommunikation dazu beitragen, diesen Schleier etwas zu lüpfen. Und ganz persönlich mag ich auch einfach die flache Hierarchie der Kommunikation über Twitter.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die Arbeit als Wissenschaftler füllt fast meine gesamte Zeit aus. Leider nehme ich mir auch die Zeit für vieles nicht, sondern lese in meiner Freizeit dann lieber Paper oder ein Fachbuch.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich klettere, und habe vor einigen Jahren auch eine C-Trainerlizenz erworben. Die nutze ich, um zwei-dreimal im Jahr, entweder für den DAV oder den Unisport, Exkursionen anzubieten, z.B. in die Berge oder Mittelgebirge. Am liebsten in meine Heimat, das Frankenjura, zum Sportklettern oder in die Heimat meiner Frau, ins Vorarlberg. Da trifft sich Hobby und Ehrenamt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Sonnenschein, und mit meiner Frau und Freunden skifahren, bergwandern oder klettern. Danach  gut essen und in der Natur campen.


 Bitte begrüßt Robert ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 7, 2018

Mensch-Technik-Interaktion mit Herz - Christiane Attig ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unsere neue Kuratorin Christiane Attig (@filiiinchen) vor! Christiane ist Psychologin mit ungewöhnlichem Hintergrund: Nach dem Abi machte sie eine Lehre zur Buchhändlerin und war anschließend drei Jahre im Beruf tätig, bevor es sie zum Psychologiestudium an die TU Chemnitz verschlug. Dort gefiel es ihr anscheinend so gut, dass sie geblieben ist: Aktuell promoviert Christiane dort am Lehrstuhl für Allgemeine und Arbeitspsychologie im Forschungsprojekt „Sozial agierende, kognitive Systeme zur Feststellung von Hilfsbedürftigkeit“. Wenn sie gerade nicht mit der Erforschung von Mensch-Technik-Interaktion beschäftigt ist, findet ihr sie auf Instagram.

Hier ist Christiane in ihren eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Nach einem semi-erfolgreichen Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolviert und ein paar Jahre in dem Beruf gearbeitet. Ein Stellenwechsel brachte mich in eine Firma, in der es mir nicht besonders gefiel – ich war die meiste Zeit allein in einer winzigen Filiale auf dem Dorf und die Atmosphäre unter den Kollegen war der Arbeitszufriedenheit auch nicht gerade zuträglich. So entstand der Wunsch, mich noch einmal komplett neu zu orientieren, um meine Potenziale besser auszuschöpfen. Ich las schon immer gern Sachbücher, gerade aus dem psychologischen und naturwissenschaftlichen Bereich, und ein Studium der Psychologie war für mich sehr verlockend. Dank der gesammelten Wartesemester konnte ich trotz mittelmäßigem Abi gleich loslegen. Während des Studiums habe ich meine Leidenschaft für die wissenschaftliche Methode kennengelernt und bereits ab dem zweiten Bachelorsemester als studentische Hilfskraft gearbeitet. Positives Feedback meiner Betreuer bestärkten mich in der Überzeugung, dass die Wissenschaft das Feld sein würde, in dem ich arbeiten möchte. Nach dem Masterabschluss wurde an der Professur, an der ich während des Studiums bereits gearbeitet hatte, eine Projektstelle angeboten, die ich im September 2016 angetreten habe.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
An der Professur für Allgemeine und Arbeitspsychologie bin ich aufgrund meines Interesses für die Interaktion zwischen dem Menschen und technischen Systemen gelandet. Woran liegt es, wenn Menschen mit technischen Systemen nicht zurechtkommen? Was kann man tun, damit sie es tun? Und warum gelingt die Interaktion mit technischen Systemen einigen Menschen besser als anderen? Das sind spannende Fragen, die ich gern beantworten möchte.



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Rahmen meines Projekts bin ich verantwortlich für die Konzeption, Durchführung und Auswertung laborexperimenteller Studien. In diesen setzen wir Menschen vor technische Systeme, z.B. Computer, geben ihnen Aufgaben und schauen, wie sie sich dabei verhalten. Mein Fokus liegt dabei nicht auf der Evaluation der Systeme (sog. "Usability"), sondern auf der Reaktion der Personen auf Verhaltens- und emotionaler Ebene. Wohin schauen sie bei der Bedienung? Welche Emotionen lassen sich an ihren Gesichtern ablesen? Was sagen sie währenddessen? Das sind auch einige Fragestellungen, auf die ich in meiner Dissertation eingehen werde. Im Rahmen dieser gehört natürlich auch Literaturrecherche sowie das Schreiben wissenschaftlicher Artikel zu meiner Arbeit. Und nicht zuletzt die Arbeit mit Studierenden – diese unterstützen mich bei der Studiendurchführung und ich betreue ihre Abschlussarbeiten.



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Projekt „Sozial agierende, kognitive Systeme zur Feststellung von Hilfsbedürftigkeit“, in dem ich arbeite, beschäftigt sich u.a. mit der Identifikation beobachtbarer Indikatoren für die Hilfsbedürftigkeit eines Nutzers während der Bedienung eines technischen Systems. Unser Alltag ist immer mehr durchzogen mit technischen Systemen (z.B. Automaten, Smartphones, Tablets etc.), und gerade ältere Personen, die aufgrund des demographischen Wandels besonders bei uns in Sachsen einen immer größeren Anteil der Bevölkerung ausmachen, haben manchmal Schwierigkeiten bei der Bedienung solcher Systeme. Wir arbeiten an der Entwicklung eines Systems, das automatisch erkennen kann, wenn der Nutzer Hilfe bei der Bedienung benötigt. Laborexperimentelle Ansätze werden mit maschinellem Lernen verbunden, um dieses Ziel zu erreichen. Ich denke, dass die Öffentlichkeit von unserer Arbeit enorm profitieren kann. Darüber hinaus interessieren mich weitere Aspekte der Mensch-Technik-Interaktion, z.B. die Nutzung von Activity-Trackern. Ich selbst bin begeisterte Nutzerin, und ich möchte verstehen, was Menschen dazu bewegt, sich einen Tracker anzuschaffen und was die Nutzung mit ihnen macht. Werden sie tatsächlich aktiver? Und warum geben manche Menschen die Nutzung nach ein paar Wochen oder Monaten auf? Damit möchte ich Faktoren identifizieren, die für eine langanhaltende Nutzung und einer damit verbundenen Verbesserung der Gesundheit verantwortlich sind. Ich denke, dass das auch für die Öffentlichkeit spannende Fragen sind, da sich viele Menschen, natürlich insbesondere tatsächliche Nutzer, diese Fragen womöglich selbst stellen. Aber das ist ja ein Faktor, der die Psychologie allgemein so spannend für jedermann macht.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
An der Uni bin ich für den Mailverteiler der Psychologiestudierenden verantwortlich – aber abgesehen davon, dass man manchmal etwas merkwürdige Mails aussortieren muss, ist das wahrscheinlich nicht sehr interessant. ;-) Spannender ist da wahrscheinlich mein Instagram-Account, der sich dort ebenfalls unter @filiiinchen finden lässt. Ich habe in den letzten Jahren einiges an Gewicht verloren und nutze den Account, um andere zu motivieren und zu unterstützen, das gleiche zu schaffen. Außerdem ist auch Instagram ein tolles soziales Netzwerk für Wissenschaftskommunikation. So ist es mir eine Herzensangelegenheit, dort mit Abnehmmythen aufzuräumen und Erkenntnisse aus der Wissenschaft zu teilen, damit weniger Menschen auf Scharlatane und „Wundermittel“ hereinfallen. Mittlerweile folgen mir dort über 6000 Menschen, von denen einige sehr bereitwillig sind, hin und wieder an Studien bezüglich Activity Tracking teilzunehmen, was eine tolle Sache ist. 



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Da ich in Chemnitz arbeite, aber in Leipzig wohne, ist mein hauptsächliches Hobby leider momentan Zugfahren. Aber immerhin komme ich dadurch regelmäßig dazu, meinen Bücherstapel zu minimieren oder Podcasts zu hören (hallo @MInkorrekt!). Davon abgesehen koche ich gern, gehe spazieren, und so oft es geht ins Kino.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
Ausschlafen (normalerweise klingelt der Wecker um 04:30 Uhr), eine Runde auf den Crosstrainer, ausgiebig frühstücken, einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Weißen Elster, nachmittags ein neues Café entdecken, später kochen und ins Kino. Wahlweise wird ein freier Tag aber auch durch ein neues Tattoo perfekt.



Bitte begrüßt Christiane ganz herzlich bei Real Scientists DE!