Sunday, December 17, 2017

Sind (Pflanzen-)Namen Schall und Rauch? Norbert Holstein ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Norbert Holstein (@dr_norb) als unseren neuen Kurator vorstellen! Norbert hat in Potsdam und Mainz Biologie mit den Schwerpunkten Ökologie, Genetik und systematische Botanik studiert und sich dabei unter anderem mit Flussauenökologie und der heimischen Flora beschäftigt. Seine Promotion an der LMU München widmete er der Kürbisgewächsgattung Coccinia (und deren Revidierung). Im Anschluss arbeitete er für zwei Jahre an der Digitalisierung und wissenschaftlichen Auswertung des Herbariums an der Botanischen Staatssammlung in München, bevor es ihn 2014 an die Uni Bonn zog, wo er seither als Postdoc am Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen zu finden ist.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Da ich von Natur aus recht neugierig bin und mich die biologische Vielfalt fasziniert, konnte ich eigentlich nicht anders als in Forschung zu gehen.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mich hat schon vor dem Studium die Vielfalt der Lebewesen fasziniert und ich habe mich gefragt wie man die ganzen Arten irgendwie benennt und einordnen kann. Während des Studiums habe ich dann mehrere Exkursionen gemacht und festgestellt, dass ich die Pflanzen wiedererkannt habe und dass man bestimmte Arten immer wieder an vergleichbaren Orten findet. Das Systematisieren und benennen der Pflanzen hat mich also schon im Studium interessiert. Für meine Promotion sollte ich hingegen die Evolution von Geschlechtschromosomen in einer Gruppe aus den Kürbisgewächsen untersuchen (sowas ist selten in Pflanzen), also wo diese in der Gattung vorkommen und die alt das “System” ist. Allerdings hat sich schnell rausgestellt, dass die existieren Artkonzepte nicht stimmen und man die Arten nicht ohne weiteres gesichert bestimmen kann. Das musste also zuerst geklärt werden bevor man sinnvoll über die Evolution forschen kann. Von daher ist mir die Bedeutung vernünftiger taxonomischer Arbeit als Grundlage für alle weitere Forschung erst einmal bewusst geworden.



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist variabel und ich muss mich vielen Aspekten auseinandersetzen. Das 
Grundlegende in der Taxonomie sind die Erstbeschreibungen von wissenschaftlichen Namen, z.B. von Arten. Diese muss ich in eher verstreuter Literatur zusammensuchen und dann schauen auf welchem Material diese Beschreibungen basieren. Dazu brauche ich Wissen über die Sammler des Materials und der Beschreiber sowie über die Geschichte der Herbarsammlungen (wo ist welche Sammlung mal hinverkauft worden usw.) Diese grundlegenden Dinge sind eher museal und bibliothekarisch. Zum Teil darf man sich auch mit Fremdsprachen rumschlagen, wenn die originale Literatur halt mal nicht auf Deutsch oder Englisch ist, sondern auf Altrussisch, Latein usw. Wenn man dann die Definitionen der Namen zusammen hat, fängt der biologische Teil an: Wie variabel sind die Arten? Welche Merkmale sind zur Bestimmung wichtig? Wie sind die Verwandtschaftsverhältnisse? Dazu brauche Daten aus der genetischen Verwandtschaftsanalyse, Morphologie, Verbreitung, Chromosomen, Ökologie usw. Je nachdem was verfügbar, möglich und nötig ist, muss ich diese Dinge zusammentragen oder selbst erarbeiten, um dann eine Synthese zu basteln, die dann in einer Artbeschreibung (entweder neu oder revidiert für bereits beschriebene Arten) mündet.
Aktuell habe ich mich v.a. mit der Suche der Namen, Publikationen und Belege von denen die Arten beschrieben wurden bei den Haselnüssen und deren Verwandten gekümmert. Ich arbeite aber aktuell auch mit australischen Verwandten von Vergissmeinnichten, einer kleinen Gruppe afrikanischer Springkräuter und untersuche die morphologischen Grundlagen der Pflanzen für einen speziellen Typus von Bestäubungsverhalten einiger Bienen.

Foto: Julius Jeiter
Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Taxonomie ist die Grundlage für sämtliche organismische Forschung. Wenn man über etwas forschen will, muss man einen eindeutig zuordenbaren Namen dafür haben. Den herauszufinden bzw. zu überprüfen ist Aufgabe der Taxonomie. Wenn man genau schaut, findet man zwischen vielen Bestimmungsliteraturen sehr seltsame und teils widersprüchliche Angaben. Das macht die Bestimmung dann praktisch unmöglich und das dann zu korrigieren ist Aufgabe der Taxonomie: suche nach den Definitionen der Namen, Überprüfung der Art-/Gruppengrenzen und Neueinordnung. Das Ganze schließt diverse Aspekte ein, v.a. auch (wissenschafts-)historische Arbeit, aber auch Dinge wie Bestäubungsbiologie, Nutzpflanzen, Genetik usw. Man stößt dabei auf viele teils irrwitzige und spannende Dinge und Geschichten, die durchaus sehr lehrreich und inspirierend sein können.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn es mir die Zeit zulässt, was selten der Fall ist, leite ich auch mal eine Führung im Botanischen Garten Bonn.

Irgendwelche interessanten Hobbys, von denen du uns erzählen möchtest?
Wenn mal Zeit und Nerven übrig bleiben, mache ich gerne eine Radtour, wandere oder wenn das Wetter nicht ganz so einladend ist, dann Filme, Serien oder Musik hören. Ansonsten interessiere ich mich auch sehr für Politik und gesellschaftliche Themen, bin allerdings nicht aktiv. Und falls es sich ergibt unterstütze ich auch meinen Fußballverein im Stadion.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Einen perfekten Tag habe ich nicht im Kopf. Eigentlich sind so meinen Hobbys und Interessen nachgehen sehr schön, aber chillen oder philosophieren mit guten Freunden oder ein Spieleabend sind auch sehr schön.

Bitte begrüßt Norbert ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 10, 2017

Ein Comic sagt mehr als tausend Tweets - Veronika Mischitz ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Veronika Mischitz (@kirschvogel) vorstellen zu dürfen! Veronika ist studierte Biologin und hat sich der Wissenschaftskommunikation verschrieben, äh, verzeichnet: unter dem Namen "Frau Kirschvogel" veröffentlicht sie Wissenschaftscomics und arbeitet seit 2008 freiberuflich als Illustratorin und Comiczeichnerin für den Bereich Bildung und Wissenschaft ebenso wie für Agenturen, Magazine und Unternehmensberatung.
Ergänzend dazu arbeitet sie als Graphic Recorder oder gibt in Comic-Workshops ihre Begeisterung für das Medium Comic als Kommunikationsmittel weiter. Ihr größtes Anliegen: In unserer immer schneller, unmittelbarer und informationsüberladener werdenden Lebenswelt wach bleiben, fragen, hinterfragen.

Hier ist Veronika in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Bin ich ja gar nicht, streng genommen. Ich habe in Freiburg Biologie studiert und wollte nach meinem Diplom unbedingt etwas anderes machen als reine Forschungsarbeit, Industrie oder Lehre. Da ich schon immer "nebenbei" im Kreativbereich tätig war, wahnsinnig gerne neues lerne und Dinge visuell aufarbeite, war recht schnell die Idee geboren, meine kreative Arbeit und meinen naturwissenschaftlichen Background zu kombinieren. So habe ich mich 2008 als Illustratorin mit Schwerpunkt Wissensvermittlung und Wissenschaftskommunikation selbständig gemacht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich liebe die Projektarbeit mit Vertretern aller naturwissenschaftlichen Disziplinen. So kann ich jeden Tag neue, faszinierende Dinge lernen und mich der Herausforderung stellen, diese für möglichst viele andere Menschen verständlich und spannend visuell darzustellen. Dazu kommt, dass ich ein sehr breites Betätigungsfeld habe. Von klassischen Buchillustrationen über Comics, Social Media, Workshop-Leitung, Beratung und Konzeption bis hin zu Graphic Recording ist alles dabei. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit beginnt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dort, wo etwas aus den Köpfen der Wissenschaftler seinen Weg in die Herzen der Menschen finden soll, komme ich zum Einsatz. Egal ob man das jetzt Visual Storytelling, Graphic Recording oder schlicht Wissenschaftscomic nennt, unterm Strich kommuniziere ich wissenschaftliche Inhalte in Bild und Text. Das ist mal erklärend, mal kommentierend, mal witzig, mal nachdenklich - aber immer unterhaltsam und informativ. Mit meinen Arbeiten kann ich die Menschen auch auf emotionaler Ebene erreichen und ihnen dadurch den Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten erleichtern.

In der Praxis sieht das so aus, dass ich erst mal viel lese. Ich muss mich ja in jedes Thema gezielt einarbeiten. Dann schreibe ich Konzepte und Drehbücher, stimme diese mit meinen Auftraggebern ab und setze sie dann visuell um. Für die Helmholtz-Gemeinschaft zeichne ich seit 2014 einmal im Monat den Wissenschaftscomic "Klar Soweit?" (http://www.helmholtz.de/comic). Mittlerweile ist das Format Comic in der Wissenschaftskommunikation immer häufiger gefragt. Das finde ich spannend, denn ich sehe viel Potential in dieser Kombination.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir leben in einer Zeit, in der Behauptungen und Fakten so eng miteinander verwoben sind, dass vielen Menschen die Unterscheidung schwer fällt. Durch eine nahbar und nachvollziehbar kommunizierte Wissenschaft können wir dazu beitragen, Fakten zu verbreitet und Zusammenhänge aufzuzeigen. Comics bieten sich da für viele als Einstieg an, sich mit Themen wie Statistik, Quantenphysik oder Genchirurgie aber auch Rassismus oder Terrorangst zu beschäftigen. Letztendlich geht Wissenschaft uns alle etwas an. Wir wollen zeigen, dass sie darüber hinaus voller spannender Geschichten steckt und unheimlich viel Spaß macht.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben der reinen Illustrationsarbeit gebe ich auch Comic-Workshops und arbeite als Graphic Recorder, zum Beispiel auf Fachtagungen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich renoviere gerade ein Haus und verplane das große Gartengrundstück dahinter. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das mich aktuell sehr umtreibt, daher lese ich gerade viel über Ackerbau, Hühnerhaltung und Imkerei.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Endlich mal richtig ausschlafen - mit zwei kleinen Kindern ein Ding der Unmöglichkeit, aber wir träumen ja hier gerade rum, nicht wahr? Dann folgt ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück. Danach gibt es zwei Optionen: 1. Raus in den Wald, Wildtiere beobachten, Rad fahren, Schwimmen im Baggersee mit anschließendem Picknick mit Freunden oder 2. eine ausgedehnte Museums-Tour (Ich habe schon ewig keine Kunstausstellung mehr besucht), vielleicht durch die ein oder andere kleine Buchhandlung stöbern und abschließend ein gemütliches Abendessen mit Freunden.

Bitte begrüßt Veronika ganz herzlich bei Real Scientists DE!



Sunday, December 3, 2017

Empathische Neuronen - Philipp Kanske ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Philipp Kanske (@pkanske) vor! Philipp hat sich schon ziemlich herumgetrieben: Nach dem Studium an der TU Dresden und der University of Oregon Psychologie und der Promotion an der Universität Leipzig ging es weiter ans Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, an die Universität Heidelberg, ans Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, und schließlich an die TU Dresden, wo er seit August 2017 die Professur für klinische Psychologie und behaviorale Neurowissenschaft innehat. Er erforscht das Zusammenspiel von Emotion und Kognition, beispielsweise wie sich Empathie und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme auch im Gehirn unterscheiden lassen, welche Veränderungen bei Menschen mit psychischen Störungen auftreten und wie sich diese Fähigkeiten durch Training verbessern lassen. Und das macht er anscheinend ziemlich gut - seine Arbeiten wurden unter anderem mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gemeinschaft und dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

Hier ist Philipp in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Angefangen hab ich mein Studium mit dem Wunsch Psychotherapeut zu werden. Erst im Studium selbst hab ich dann so richtig begriffen, was Forschung bedeutet und recht schnell Feuer gefangen für das Gehirn und Fragen wie "Was sagt uns das Gehrin über unsere Emotionen?"

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Emotionen haben mich schon immer fasziniert, wie sie entstehen, wie wir sie beeinflussen können und auch wie wir mit anderen mitfühlen und ihre Emotionen verstehen können. Bei vielen psychischen Störungen ist veränderte Emotionalität ein kritisches Problem, gerade auch für gute Interaktionen mit anderen. Was mich immer wieder motiviert ist, das grundlagenwissenschaftliche Verständnis langfristig zu nutzen um Interventionen zu entwickeln, die diesen Problemen entgegenwirken.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Nachdem ich die letzten fünf Jahre am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften gearbeitet habe und Teil einer großen Studie zu den Effekten von mentalem Training (inkl. Meditation) unter Leitung von Tania Singer war, bin ich nun seit 01.08.2017 als Professor für Klinische Psychologie und Behaviorale Neurowissenschaft an der TU Dresden. Ich bin momentan also hauptsächlich mit dem Aufbau der Arbeitsgruppe beschäftigt. Das ist eine tolle Aufgabe und erlaubt es, auch mal in großen Fragen zu denken, nicht nur im klein-klein laufender Projekte.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
 Wer hat sich nicht schon mal gefragt, warum ein Streit eskaliert ist? Oder wie uns das Leid eines anderen Menschen so anrühren kann? Emotionen spielen eine so bedeutende Rolle für unser Zusammenleben und dennoch wissen wir so wenig darüber. In der Schule gibt es Sportunterricht, aber der Umgang mit Emotionen wird nicht geübt. Die Sozialen und Affektiven Neurowissenschaften haben hier viel zu bieten, ein bisschen was davon wird über Twitter zu lesen sein.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit 2015 bin ich Mitglied der Jungen Akademie an der Leopoldina und BBAW. Das sind 50 junge Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen, die Projekte zusammen machen. Letztes Jahr haben wir z.B. eine Tagung zur "Faszination mit  dem Unbekannten: Der andere Mensch" gemacht, bei der Wissenschaftler, aber auch Künstler über Empathie und Perspektivenübernahme gesprochen und in Workshops miteinander gearbeitet haben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Innerhalb der Jungen Akademie hatte ich die Gelegenheit mein Interesse am Film auch mal etwas professioneller auszuleben. Ich war Mitorganisator eines Kurzfilmwettbewerbs zu "be a better being" bei dem Fragen nach Selbstoptimierung, Gesellschaftsoptimierung und der Kritik daran von Wissenschaftlern und Filmemachern diskutiert wurden. Die ausgewählten Kurzfilme waren dabei wie eigene Statements zu der Diskussion, was unheimlich gut funktioniert hat.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auf jeden Fall draußen, vielleicht wandern in der Sächsischen Schweiz, mit guten Freunden und guten Gesprächen.


Bitte begrüßt Philipp ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 26, 2017

Wenn dich der Schlag trifft - Ahmed Khalil ist jetzt bei Real Scientists DE!


Diese Woche freuen wir uns sehr, Ahmed Khalil (@AhmedAAKhalil) als neuen Kurator begrüßen zu dürfen! Ahmed hat an der University of Medical Sciences & Technology im Sudan (seinem Heimatland) Medizin studiert und ein Jahr als Arzt in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet. Danach hat führte er sein Studium in Europa weiter - an der University of Edinburgh (PGDip, innere Medizin), der Université Bordeaux (MSc, Neuropsychopharmakologie) und der Charité Berlin (MSc, medizinische Neurowissenschaften). Derzeit promoviert er an der Charité (in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig und der Berlin School of Mind and Brain) zum Thema “Klinische Anwendung der Schlaganfall-Bildgebung”.
Abseits des Schlaganfalls interessiert sich Ahmed für Wissenschafskommunikation und war Chefredakteur des Newsletter seines Graduiertenprogramms.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon während meines Medizinstudiums interessierte ich mich für Forschung und dieses Interesse wuchs schnell danach. In meiner bisher kurzen Zeit als Kliniker habe ich mich gefragt, wie man die großen Fragen, die täglich in der Klinik auftauchen, angehen kann. Das führte zu meiner Entscheidung, einen Master zu machen und mich zu promovieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich wollte am Anfang etwas mit klinischen Daten (d.h. mit Daten von Patienten) tun. Da die meisten neurowissenschaftlichen Studien Tiere oder gesunde Probanden verwenden, blieben nur wenige Möglichkeiten. Eine davon war die medizinische Bildgebung, und in Berlin wird besonders viel über Schlaganfall geforscht. Dass der Schlaganfall viel einfacher erscheint, als er wirklich ist (auch für Mediziner), hat mich auch sehr angesprochen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Alltag arbeite ich sehr viel am Computer: Programmieren, Datenanalyse und Bildverarbeitung, hauptsächlich mit Daten von Schlaganfallpatienten, manchmal auch von Tieren. Als Doktorand betreue ich Student/-innen und versuche, jede Woche 3-4 wissenschaftliche Paper zu lesen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und betrifft jährlich mehr als 200.000 Menschen. Derzeit werden viele Patienten nicht angemessen behandelt, weil Ärzte nicht immer klar erkennen können, wer von der Behandlung profitieren wird und wer nicht. Wir versuchen das (schrittweise) zu ändern.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin in der Redaktion des Newsletter meines Graduiertenprogramms tätig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele ab und zu Fußball und lese gerne Bücher.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich chille gerne im Bett, höre Musik oder schaue mir Netflix an. Im Idealfall hätte ich eine Katze neben mir (derzeit kann ich aber mit der Verantwortung nicht umgehen). Vielleicht gehe ich danach mit Freunden essen.


Bitte begrüßt Ahmed ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 19, 2017

Philosophie im Sternenkindergarten - Sibylle Anderl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unsere neue Kuratorin Sibylle Anderl (@sianderl) vor! Sibylle ist studierte Physikerin und Philosophin und hat an der Universität Bonn im Fach Astronomie/Astrophysik über Stoßwellen im interstellaren Medium promoviert. Im Anschluss zog es sie nach Südfrankreich, wo sie von 2013 bis 2017 Fragen im Kontext der Sternentstehung und der Astrochemie am Institut de Planétologie et d'Astrophysique de Grenoble beforschte. Gleichzeitig widmete sie sich der Philosophie der Astrophysik - und hat ein Buch darüber geschrieben: “Das Universum und ich - die Philosophie der Astrophysik” ist dieses Jahr im Carl Hanser Verlag München erschienen.
Anfang des Jahres machte Sibylle ihr bisheriges Hobby - Wissenschaftsjournalismus - zum Hauptberuf und arbeitet seitdem als Redakteurin im Feuilleton, Ressort „Natur und Wissenschaft“ bei der F.A.Z., bleibt der Astrophysik aber als Gastwissenschaftlerin in Grenoble erhalten.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Physik und Philosophie (Diplom und Magister) studiert und dann einfach immer weiter gemacht: Doktorarbeit in Bonn, Postdoc in Grenoble.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich forsche zur Sternentstehung in der Milchstraße mit einem Schwerpunkt in der Astrochemie. Dieses Thema bietet für mich die ideale Kombination aus theoretischer Modellierung und der Arbeit mit Beobachtungsdaten. Gleichzeitig spielt sehr viel detaillierte Physik und Chemie eine Rolle, da wir die Sternentstehungsregionen in der Milchstraße mit hoher räumlicher Auflösung beobachten können. Seit meiner Doktorarbeit arbeite ich außerdem im Feld der Philosophie der modernen Astrophysik - ein relativ neues Feld der Wissenschaftstheorie, das seit einigen Jahren international immer mehr Interesse weckt. Seit Januar hält mich “nur noch" die Neugier und der Spaß am Forschen in meinen aktuellen Feldern - ein großartiger Luxus!  


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Seit Januar bin ich feste Redakteurin im Wissenschaftsressort der F.A.Z. und schreibe vor allem über Themen aus der Physik und Astrophysik. Nebenbei habe ich in diesem Jahr zu Fragen der Wissenschaftsphilosophie gearbeitet (Themen: Modelle in der Astrophysik, astrophysikalische Evidenz, Datenbearbeitung). In der Astrophysik schreibe ich grade an einem Artikel, in dem wir anhand chemischer Anhaltspunkte den vergangenen Strahlungsausbruch eines jungen Protosterns nachweisen wollen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Astronomie hat die Menschen schon immer fasziniert und ist daher nicht zufällig die älteste Naturwissenschaft. Das Gebiet der Sternentstehung beschäftigt sich dabei insbesondere mit der Frage, wie unser eigenes Sonnensystem entstanden sein könnte - eine Frage, die natürlich jeden interessieren sollte ;). Die Wissenschaftsphilosophie bietet gleichzeitig in Zeiten um-sich-greifender Spezialisierung einen wichtigen übergreifenden Rahmen für eine Reflexion und Einordnung wissenschaftlicher Praktiken und Ergebnisse.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit Januar habe ich Hobby und Hauptjob ausgetauscht: Vorher habe ich hauptberuflich geforscht und nebenbei geschrieben, jetzt ist es andersrum.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit dem Studium habe ich Schul- und Kinderbücher illustriert und mich in Berlin in der Streetartszene herumgetrieben. In diesem Sommer ist mein erstes Sachbuch im Hanser Verlag herausgekommen (“Das Universum und ich - die Philosophie der Astrophysik).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Lesen, ein bisschen Sport, Freunde treffen und leckeres Essen.


Bitte begrüßt Sibylle ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 12, 2017

Sie tun es bei Nacht - Carolin Liefke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Carolin Liefke (@astrophysikerin) vorzustellen! Carolin hat an der Universität Hamburg Physik studiert und sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Hamburger Sternwarte mit stellarer Aktivität und Röntgenastronomie beschäftigt. Schon seit der Schulzeit ist sie aber auch in der astronomischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Im März 2010 hat sie diese Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet nun am Haus der Astronomie in Heidelberg. Dort ist sie zuständig für die Ausbildung von Lehramtsstudenten in Astronomie an der Universität Heidelberg, astronomiebezogene Projekte für Schüler und die Teleskope der Einrichtung. Ihren Blog Astronomers do it at Night bei den Scilogs hat sie in letzter
Zeit leider viel zu sehr vernachlässigt.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hab mich in der Schule eigentlich für fast alle Fächer (außer Sport...) interessiert und hatte auch in vielen Fächern gute Noten. Als ich 13 war, das war 1994, gab es in der Lokalzeitung einen großen Artikel über den Einschlag der Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levi 9 auf dem Planeten Jupiter. Zu meiner Verwunderung tauchte in dem Artikel auch mein Mathelehrer auf, der darin als Leiter der Sternwarte in der Nachbarstadt Lübeck genannt wurde. So landete ich als Siebtklässlerin in der Astronomie-AG meiner Schule, die eigentlich eher für die Oberstufe gedacht war, und die Naturwissenschaften wurden zu meinem Lieblingsfächern. Mit 15 habe ich meinen Vater zum Tag der offenen Tür beim DESY in Hamburg geschleift. Das war ganz offensichtlich nicht seine Welt, aber danach war für mich endgültig klar: Ich studiere Physik. Daß ich mich dabei wieder auf die Astronomie spezialisiert habe, ist ein wenig auch dem Zufall geschuldet, denn über die Sternwarte Lübeck, bei der ich dann ehrenamtlich tätig war, kam ich in direkten Kontakt mit meinem späteren Diplomarbeitsbetreuer und Doktorvater, der mir damals - noch im ersten Semester an der Uni - einen Job als studentische Hilfskraft angeboten hat.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

In Lübeck an der Sternwarte und im angeschlossenen Astronomieverein haben wir von je her großen Wert auf Wissensvermittlung gelegt, sei es an die allgemeine Öffentlichkeit oder speziell auch an Kinder und Jugendliche. Während meiner Diplom- und Doktorarbeitszeit an der Hamburger Sternwarte habe ich dann bei einem Projekt mitgemacht, bei dem Schulklassen das Institut besuchen und dort einen halben Tag lang altersgerecht ein astronomisches Thema bearbeiten können. Zum Ende meiner Doktorarbeit wurde mir dann klar: Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit macht mir mindestens genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr Spaß als die Astronomie als Wissenschaft selber. Jetzt habe ich beides zusammen, besser könnte es also gar nicht sein.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe eine ganze Reihe verschiedener Aufgabengebiete und Projekte, an denen ich arbeite. Deshalb kann es auch mal vorkommen, daß ich mich innerhalb weniger Stunden mit vollkommen anderen Dingen beschäftige. Zuerst halte ich eine Vorlesung für Lehramstsstudenten an der Uni, die dann auch entsprechend vorbereitet werden möchte. Dann treffe ich mich mit einer Schülergruppe, die ich bei ihrem Jugend-Forscht-Projekt betreue. Dann wartet da noch eine Pressemitteilung, die vom Englischen ins Deutsche übersetzt werden will. Und am nächsten Tag muß ich zu unserem fernsteuerbaren Teleskop nach Südfrankreich fahren und es reparieren. Ist gar nicht so einfach manchmal, da die Übersicht zu behalten :-)

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit interessieren?
Wie mein Chef @mpoessel vor einem Monat schon gesagt hat: Urknall, Schwarze Löcher, extrasolare Planeten - das fasziniert von sich aus schon sehr viele. Damit ist es ja aber nicht getan, denn wer mehr wissen will, steht schnell vor komplizierter Fachsprache und Formeln, was so manchen abschreckt, und das muß ja nicht sein. Leute wie ich sind dazu da, Wissenschaft verständlich zu machen, passend für jedes Alter und gesellschaftlichen Hintergrund. Und mir dabei mal über die Schulter zu schauen, bietet vielleicht auch das eine oder andere Aha-Erlebnis.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Letztlich ist es ja so, daß ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Das hat dazu geführt, daß ich viele ähnliche Dinge auch in meiner Freizeit mache, und manchmal gehen Arbeit und Ehrenamt auch ineinander über, weil die Themen einfach zusammenpassen. Ich engagiere mich zum Beispiel beim Heidelberger Life-Science Lab, einem Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums für naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnnen und Schüler, oder in Astronomievereinen wie der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim oder der bundesweit aktiven Vereinigung der Sternfreunde.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich stamme ja zwar eigentlich aus Norddeutschland, bin aber unheimlich gerne in den Bergen - Wandern, Klettern, Gletschertouren, sehr gerne auch in Verbindung mit Geocaching.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich habe drei Katzen, ohne die ich mir mein Leben nicht vorstellen könnte. Das heißt umgekehrt aber auch: Mein Tag beginnt immer morgens um 6, weil die drei Damen Hunger haben und mich mehr oder weniger sanft wecken. Im Laufe des Tages ginge es dann auf jeden Fall raus an die frische Luft, gerne auch mit Freunden gemeinsam was unternehmen. Oder aber mit einem guten Buch die Füße auf dem Terrassensofa hochlegen. Und abends einfach mal wieder den Blick an den Sternhimmel genießen.


Bitte begrüßt Carolin ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 5, 2017

Biodivers und evolutionär - Eike Wulfmeyer ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Eike Stefan Wulfmeyer vorzustellen! Eike ist Diplombiologe und arbeitet als Freelancer.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Langjähriges Interesse

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Faszination für Biodiversität und ihre Entstehungsgeschichte

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Großen und Ganzen Aufträge, die mit Biodiversität zu tun haben - meistens editorial, also Content produzieren oder redigieren, aber auch angewandte Biodiversität (Identifikation) und Ökologie (Habitatevaluation)

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil Biodiversität die letztendliche biologische Grundlage unserer Existenz als Art ist. Jedes Lebewesen ist Teil einer Biozönose, und obwohl unsere Fähigkeit, unsere Biozönose zu verändern, groß ist, ist unsere Fähigkeit, dabei keine existenziellen Fehler zu machen, wesentlich geringer. Um solche Fehler zu vermeiden, ist es essentiell, dass irgendjemand sich mit Biodiversität auskennt, mit ihrer Geschichte, und mit den Regelmäßigkeiten denen Lebewesen und ihre Interaktion unterliegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Momentan eher weniger, weil sich Haupt- und Nebenjob sowie Ehrenamt nicht klar trennen lassen (ich werde hauptsächlich aus diesem Schnittfeld tweeten). Privat habe ich noch ein paläontologisches/methodologisches Projekt, aber das ist mehr langfristig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich interessiere mich generell für Evolution, und beschäftige mich hobbymäßig mit sozialen, historischen und religiösen Evolutionsprozessen, also zB der Frühgeschichte des Christentums. Dort sind dank der Verwendung evolutionsbiologischer Ansätze (Stemmatik) erhebliche Fortschritte erzielt worden.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mit Freunden chillen und ungewöhnliche Musik hören oder ungewöhnliche Filme schauen


Bitte begrüßt Eike ganz herzlich bei Real Scientists DE!