Sunday, November 11, 2018

Cloudy with a chance of storage systems - Erik Riedel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Erik Riedel (@er1p) als unseren neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Erik hat an der Carnegie Mellon University studiert und promoviert und ist derzeit Consultant und Berater, bis vor kurzem Senior Director of Engineering bei Dell EMC in Cambridge, MA. Dort erstellten und unterstützten er und seine Teams Technologien in den Bereichen Hardware-Appliances, Betriebssystem, Sicherheit, Vernetzung, Containerorchestrierung und fehlertolerante Software, die in tausenden Standorten weltweit eingesetzt werden. Vor EMC arbeitete Erik bei Seagate Research an diversen Erfindungen und Innovationen im Bereich Consumer Storage, Performance Management, Vernetzung und Fehlervorhersage, und verbrachte mehrere Jahre in der Speicher- und Sicherheitsforschung bei Hewlett-Packard Labs sowie an der Carnegie Mellon University ("intelligenter, skalierbarer, verteilter Storage bevor es cool war").

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin ein ausgebildeter Ingenieur auf dem Gebiet Computertechnik und arbeite an großen Computersystemen, die umgangssprachlich die "Cloud" genannt werden. Ich habe einen Bachelor in Mathematik / Informatik, einen Master in Software Engineering und einen Doktortitel in Computer Engineering, alle von der Carnegie Mellon University im US Bundesstaat Pennsylvania. Ich folgte einen ziemlich traditioneller Weg zur Ausbildung eines neuen Wissenschaftlers, aber meine Betreuer bei der Doktorarbeit und unsere Universitätsprojekte waren stets an der Industrie und an praktischen Anwendungen orientiert, während wir gleichzeitig versuchten, über inkrementelle Innovationen hinaus zu denken und große Erfindungen für die Zukunft zu machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
In dem breiten Begriff "Computer Engineering" sind viele der großen Probleme der Modernen Technik zuhause - die Nerds haben die Welt erobert. Als Forscher und Ingenieur habe ich täglich mit theoretischen und mit praktischen Fragestellungen zu tun. Die Kombination aus neuen und riskanten Ideen sowie eine strenge Analyse zur Bewältigung der harten Probleme ist für mich sehr attraktiv. Ich genieße es, die Details zu ermitteln, wie ein Aufgabe am besten gelöst werden kann, aber ich freue mich auch, wenn die resultierenden Lösungen genutzt werden, um Auswirkungen zu erzeugen und Veränderungen in der realen Welt zu beeinflussen. Ich poste zum Beispiel regelmäßig ein Videosegment oder ein besonders cleveres GIF zu meinen Freunden in der Branche weltweit, und sage: "Wir haben das gebaut." Ohne die Forschungsarbeit aus vielen Jahrzehnten Computer Science und Computer Engineering wären die Technologien - Twitter und Facebook und Blogs und Giphy - die jeder heute als selbstverständlich betrachtet, gar nicht möglich gewesen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite hauptsächlich im Bereich der Speichersysteme - das Erstellen von Petabyte- (PB) und Exabyte- (EB) großen Speicher, um alle Fotos, Videos und Bilder zu schützen, die täglich auf der ganzen Welt und sogar im Weltall gesammelt werden. Wir haben Systeme mit vielen Zehntausenden einzelner Festplatten gebaut, die manchmal über Millimeter und manchmal über tausende Kilometer Entfernungen zusammenarbeiten. An manchen Tagen arbeiten wir mit Papier oder gemeinsam an einem Whiteboard, um ein neues System zu entwerfen oder das Verhalten eines vorhandenen Systems zu verstehen. An manchen Tagen arbeiten wir mit den Computern, beobachten den Data Flow durch die Datenzentren der Kunden bis zu den Endbenutzer. Ich verbringe auch viel Zeit damit, den Ideen anderer zuzuhören. Ich bringe gelegentlich Anleitung oder Input aus meiner eigenen Erfahrung, aber meistens versuche ich, die Details und Auswirkungen dessen, was andere studieren und abschließen konnten, zu lernen und zu erfassen. Unsere Technologiestacks sind so tief, voneinander abhängig und verändern sich so schnell, dass wir immer darauf achten müssen, woran Forscher oder Unternehmen in angrenzenden Gebieten tüfteln. Unsere Arbeit wird fast ausschließlich in Teams durchgeführt. Daher müssen auch Techniken zur Kommunikation und Zusammenarbeit untersucht und angepasst werden, damit jeden Tag vielfältig Ideen zu effektiven Lösungen kombiniert werden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich habe mit Daten von Satelliten, MRI-Geräten, Kraftwerken, Bibliotheken und natürlich von Smartphones und Kameras der ganzen Welt gearbeitet. Meine Kollegen und ich haben die Technologiesysteme, die so viele für das Erfassen, Speichern und Abrufen von Daten als selbstverständlich betrachten, studiert, aufgebaut, abgerissen und wieder aufgebaut. Ohne die Daten wäre die "Cloud" ein sehr langweiliger Ort. Der erste tragbare Computer-Speicher, den ich verwendete, war eine 160-Kilobyte-Diskette, die nur in eine sehr große Hosentasche passen würde, und heute trage ich mehrere 64-Gigabyte-Speichergeräte - also über 1 Million Mal so viele Daten - die auch enthalten Megapixel-Display und Gigabit-Netzwerke. Der gleiche Trend hat die im Großrechner gespeicherten Datenmengen um unzählige Milliarden multipliziert. Wir sind dafür verantwortlich, Systeme zu schaffen, die schnell und zuverlässig zum Speichern und Abrufen all dieser Daten sind, aber auch eine umfassendere Verantwortung für Datenschutz, Sicherheit, Transparenz und Zugänglichkeit, da die gesamte Weltgesellschaft davon betroffen ist. Als wir an der Uni waren, haben wir darüber gesprochen, die Welt mit neuen Erfindungen zu verändern, aber die heutige Technologie hätten wir nur als Fantasie erdacht. Alle diese technologischen Fortschritte wurden von einer Gruppe von Tausenden und Abertausenden zusammen erzielt. Arbeiten an Standorten auf der ganzen Welt, in vielen verschiedenen Sprachen und Situationen, immer auf dem, was vorher kam gebaut. Wenn ich Vorträge an Universitäten über einen Aspekt der Systeme halte, verwende ich oft den Untertitel "es ist ein Wunder, dass es überhaupt funktioniert", angesichts der Komplexität und Vielfalt der erforderlichen Ideen und Konzepte.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Engineering Culture - wie können wir besser zusammenarbeiten und kooperieren, um unterschiedliche Ansichten und diverse Kollegen besser einzubeziehen. Moderne Computertechnologie ist sowohl durchdringender als auch zugänglicher als je zuvor, und ich glaube, es ist wichtig, dass sie nicht nur der Blick von denen in weißen Laborkitteln oder dicken Gläsern ist. Dies hat mich veranlasst, als Mentor und Berater in meinem Bereich sowie als Kommunikator außerhalb des Feldes und gelegentlich in den Schulen zu arbeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich suche schon seit etwa fünfzehn Jahren ein richtiges Hobby, also gehe gerne auf Vorschläge ein. Seit zwei Jahren mache ich oft Fotografien von Wolken fürs Instagram - also #clouds damit ich immer "on brand" bleibe - aber mit iPhone Kamera ist es wohl kein offizielles Hobby sondern eher eine Achtsamkeitsübung.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auch wenn es einmal einen Tag frei von Forschungsarbeit oder Telefonaten gibt, dann ist wahrscheinlich irgendein Ausflug mit den Kindern fällig. Wir wohnen am Ufer des Atlantik also laufen wir gerne an irgendeinen Strand, und jedes Jahr steigern wir unser Verhältnis Kilometer / Eis um ein bisschen.


Bitte begrüßt Erik ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 4, 2018

(Hoch-)begabt - Tanja Gabriele Baudson ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Tanja Gabriele Baudson (@TGBaudson) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Tanja Gabriele ist Begabungs- und Hochbegabungsforscherin, derzeit als Vertretungsprofessorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg. Zusätzlich zu ihrem Diplom in Psychologie hat sie einen M.A. in Romanistik und sich für Forschung und Studium bereits in sechs Ländern auf vier Kontinenten herumgetrieben. Als Co-Initiatorin und -Koordinatorin des March for Science in Deutschland wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als „Hochschullehrerin des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Über einen Magister in Französischer Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Lyrik der Moderne, also ein Hardcore-Anwendungsfach. Die Psychologie war in diesem Studiengang mein zweites Nebenfach und Resultat einer Münzwurfentscheidung – wäre die Münze anders gelandet, wäre ich vielleicht Philosophin geworden. Dann fand ich die Psychologie aber so faszinierend, dass ich noch ein Diplom nachgeschoben habe. Im Rahmen meiner Diplomarbeit, die ich im Rahmen einer Kooperation mit Fraunhofer geschrieben habe, habe ich dann meine Freude am empirischen wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt. Ich finde es faszinierend, wie verschlungen die Wege manchmal sind; aber für mich ist dieser doppelte Hintergrund eine große Bereicherung. Ich wollte diese Erfahrung nicht missen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Research is me-search, hat mir ein ganz wundervoller älterer Kollege auf den Kopf zu gesagt, als ich noch ziemlich am Anfang meiner Dissertation stand. In der Tat hatte ich zunächst zu aggressivem Lehrerverhalten geforscht, sah dann aber eine Stellenausschreibung für eine Promotion in der Hochbegabungsforschung und wusste: Das ist es.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Grunde das, was man aus der Grundschule kennt: schreiben, rechnen, lesen. Und unterrichten: Mit drei Vorlesungen bin ich aktuell ganz gut ausgelastet, da muss man zusehen, dass für die Forschung noch genug Zeit bleibt. Außerdem halte ich gerne Vorträge für die allgemeine Öffentlichkeit – Praktiker/innen, Vereine, vor kurzem habe ich am TEDx-Event der Universität Luxemburg teilgenommen. Wissenschaftskommunikation ist klasse, weil es ein ganz anderes Publikum ist. Man lernt sehr viel über das eigene Kommunikationsverhalten (und auch darüber, wie begrenzt die eigene Filterblase doch manchmal ist).

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil das Stereotyp, dass Hochbegabte zwar intelligent und leistungsstark sind, gleichzeitig aber soziale und emotionale Schwierigkeiten haben, so unglaublich hartnäckig ist. In Deutschland verbinden allein zwei Drittel der Menschen dieses Klischeebild mit Hochbegabten (Baudson, 2016, Frontiers) – eine Herausforderung für Hochbegabte, die diese Ambivalenz ja irgendwie in ihr Selbstbild einbauen müssen! Und das zieht Ressourcen, die gerade eine so leistungsstarke Gruppe ja besser investieren könnte: nicht nur in wirtschaftliches Wachstum (das Lieblingsargument in der Politik), sondern auch ins Glücklichsein (den Eudämonie-Gedanken, dass die Umsetzung des eigenen Potenzials zum Lebensglück beiträgt, gibt es ja schon seit der Antike). Der Gedanke ist grundsätzlich auf alle Menschen anwendbar. Hochbegabte sind keine besondere Spezies, sondern auch nur Menschen mit individuellen Bedürfnissen

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich einerseits für den „March for Science“ in Deutschland, den ich gemeinsam mit Claus Martin in Deutschland initiiert habe und koordiniere. Außerdem bin ich Beisitzerin für Hochbegabtenforschung des Hochbegabtenvereins Mensa in Deutschland e.V.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zeitgenössische Kunst und Fotografie, die ich sowohl gerne anschaue als auch produziere. Die Expertiseentwicklung schreitet zwar deutlich langsamer voran als in meiner wissenschaftlichen Laufbahn, aber ich habe ja hoffentlich noch ein paar Jährchen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine Auswahl, weil ich immer auf mehr Sachen Lust habe, als in den freien Tag hineinpasst: Ausschlafen, schreiben, mit meinem Lebensgefährten spät frühstücken, lesen, rausgehen in die Natur, dann eine Ausstellung besuchen. Schönheit macht mich glücklich, und das beschränkt sich nicht auf die Schönheit der Wissenschaft. Kaffee und Törtchen. Danach „Nacharbeit“ – Recherche über interessante neu entdeckte Künstler/innen und Techniken, vielleicht selbst was Künstlerisches machen. Abends Zeit nehmen, um zu kochen, oder ausgehen. Nach Dessert und Espresso Kreation von punktstarken Neologismen beim Scrabble. (Ich finde Essen so toll, dass ich sogar zwei Jahre da gewohnt habe. Sorry für den platten Kalauer.)

Bitte begrüßt Tanja Gabriele ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 28, 2018

Verfechtung der Wissenschaft - Dennis Eckmeier ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Dr. Dennis Eckmeier (@DennisEckmeier) vorstellen zu dürfen! Dennis ist Freischaffender Scholar, Wissenschaftsverfechter und Gründer der @SciForProgress.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wie viele war ich als Kind wissenschaftsbegeistert, habe dann entschieden, Wissenschaftler zu werden, und bin dann nach dem Abi einfach bei dem Entschluss geblieben.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Neurowissenschaften boten ein interessantes und vielseitiges Themenfeld, dass meinem Drang zu persönlicher und professioneller Weiterentwicklung viel Raum geben konnte. Leider war das dann im Postdoc nicht mehr der Fall. Ich hatte den Eindruck, dass ich von meinen Chefs nur für meine coding Fähigkeiten gewertschätzt wurde, meine wissenschaftliche Befähigung wurde kaum gewürdigt, meine Ambitionen eine führende Position anzustreben wurde überhaupt nicht unterstützt. Entsprechend stagnierte meine Karriere bis ich keinen Bock mehr hatte.

Zur Zeit bin ich in einem selbstfinanzierten Sabbatjahr, und widme mich hauptsächlich der Verfechtung der Wissenschaft in einem Podcast und einem Twitter rocur Account.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich erfinde gerade meine eigene Arbeit neu. Seit Verlassen meiner Postdocstelle konzentriere ich mich auf "Science Advocacy" auf Social Media aktiv, und produziere einen Podcast über die Akademien und die Schnittstelle zwischen den Akademien und der Gesellschaft. Ich führe Interviews über Wissenschaftsrepräsentation in der Öffentlichkeit, die heißen Themen der Wissenschaft in der Gesellschaft, und Ansätze zur Verbesserung der Wissenschaftskultur.Gleichzeitig biete ich meine Fähigkeiten als Wissenschaftler an, allerdings habe ich auf der Ebene noch nicht viel getan. Ich plane allerdings eine YouTube-Serie zum Thema Publikationen und naturwissenschaftliches Schreiben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Motivation: Wissenschaft und Akademiker haben viel zu bieten. Leider haben die wenigsten Laien Einblicke in das Gefühlsleben, die Sachzwänge, die Motivationen, und die Gedankenwelt von Akademikern. Mit meiner Arbeit hoffe ich die Diskussionen innerhalb des Elfenbeinturms, und um den Elfenbeinturm herum, dem geneigten Laien zugänglich zu machen. Das Ziel ist, das Vertrauen der Gesellschaft in Akademiker zu stärken, und vielleicht auch ein wenig zur Reform des internationalen Wissenschaftsbetriebes beizutragen. Viele Akademiker glauben, integrierter Teil der Gesellschaft zu sein. Das glaube ich nicht. Wir werden von der Gesellschaft völlig korrekt als abgehobene Bildungselite betrachtet. Man muss den Menschen aber zu verstehen geben, dass unser Ziele von denen des "einfachen Mannes" nicht entkoppelt sind, und dass zumindest im öffentlichen Sektor viele Idealisten arbeiten, die das Beste für die Menschen wollen, und dass akademische Freiheit mindestens so wichtig ist wie die Pressefreiheit.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Alle meine Tage sind frei, alle meine Tage sind Arbeit. Das ist das tolle an so einem selbstfinanzierten Sabbatjahr.

Bitte begrüßt Dennis ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 21, 2018

Ein Blick in den Gerichtssaal - Anna Bernzen ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anna Bernzen (@AnnaKBernzen) vorstellen! Während ihres Jurastudiums mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim absolvierte Anna eine studienbegleitende Journalistenausbildung. In ihrer Dissertation, an der sie seit 2016 an der Universität Osnabrück arbeitet, kann sie ihre beiden Leidenschaften vereinen: Darin betrachtet sie ein journalistisches Thema - die Medienberichterstattung aus dem Gericht - aus juristischer Perspektive. Besonderen Spaß macht es ihr dabei, für ihre Forschung über den Tellerrand des deutschen Rechts zu gucken, zuletzt zum Beispiel mit einem Forschungsaufenthalt an der University of Oxford in England.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Eigentlich wollte ich Journalistin werden. Daran hat mich gereizt, dass man dafür bezahlt wird, neugierig zu sein. Menschen treffen und mit Fragen zu einem interessanten Thema löchern, dann überlegen, wie man die Informationen so verpacken kann, dass die Leser und Leserinnen sie sofort verstehen, am Ende einen spannenden Text daraus basteln - das hat mir immer großen Spaß gemacht. Während meiner Doktorarbeit habe ich dann gemerkt, dass Wissenschaft wie Journalismus ist, nur mit mehr Zeit.
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Doktorarbeit befasst sich mit den Regeln, die Journalisten und Journalistinnen einhalten müssen, wenn sie mit ihren Kameras, Mikrofonen und Twitter-Accounts aus dem Gericht berichten wollen. Aktuell ist ihnen in den deutschen Gerichten ziemlich viel von dem verboten, was dabei helfen würde, die Berichte über Gerichtsverhandlungen anschaulicher zu machen. Ich überlege mir in meiner Dissertation, ob die verschiedenen Verbote noch Sinn ergeben oder ob wir neue Regeln für die Arbeit der Medien im Gericht brauchen. Dafür vergleiche ich die deutschen Vorgaben mit denen für Journalisten und Journalistinnen an englischen Gerichten.

Neben meiner Doktorarbeit interessiert mich generell das Recht der alten und neuen Medien und das Recht des Geistigen Eigentums. Zuletzt habe ich zum Beispiel einen Aufsatz darüber geschrieben, welche urheberrechtlichen Regelungen es braucht, damit die Einnahmen, die auf Musikstreaming-Plattformen wie Spotify gemacht werden, gerecht unter den verschiedenen beteiligten Künstlern und Künstlerinnen verteilt werden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meines Studiums habe ich eine Journalistenausbildung gemacht und als freie Autorin für verschiedene Medien wie z.B. ZEIT ONLINE oder Legal Tribune ONLINE gearbeitet. Nachdem ich die Medienbranche aus journalistischer Sicht schon ziemlich gut kennengelernt hatte, wollte ich sie in meiner Doktorarbeit aus der juristischen Perspektive näher betrachten.

Auf das konkrete Thema meiner Doktorarbeit kam ich während eines Praktikums in der ARD-Rechtsredaktion. Zusammen mit den Redakteuren besuchte ich damals den Strafprozess gegen Wendelin Wiedeking, der wegen Marktmanipulation bei der geplanten Übernahme von Volkswagen durch Porsche angeklagt war. Der Manager warf der Staatsanwaltschaft in seiner Aussage vor Gericht vor, eine „fernliegende und absurde Verschwörungstheorie“ zu verfolgen. Kaum hatte er diesen Satz beendet, sprang ein Dutzend Journalisten und Journalistinnen auf und verließ im Laufschritt den Gerichtssaal. Dessen Tür hatte sich noch nicht hinter ihnen geschlossen, da zückten sie bereits ihre Handys und gaben im Telefonat oder per SMS den Vorwurf an ihre Redaktionen durch, der wenig später über alle Nachrichtenticker lief. Der Grund für dieses Spektakel: Der Vorsitzende Richter hatte im Saal die Nutzung des Internets verboten. Die Redaktionen wollten trotzdem aktuelle Berichte über den Prozess liefern und mussten daher auf andere Weise ständig auf dem Laufenden gehalten werden. Meine Beobachtung ließ mich nachdenklich werden. Ich fragte mich: Passen die rechtlichen Grenzen, die Gesetz und Richter bzw. Richterinnen den Medien bei ihrer Berichterstattung aus dem Gerichtssaal ziehen, noch in unsere Zeit? Diese Frage beantworte ich in meiner Doktorarbeit. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Für das Thema meiner Dissertation sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es wichtig ist, dass wir Bürger und Bürgerinnen wissen, was an unseren Gerichten geschieht. In einem demokratischen Rechtsstaat ist es schließlich unsere Aufgabe, die Richter und Richterinnen bei ihrer Arbeit zu kontrollieren. Und weil nicht jeder und jede selbst zu Gericht gehen kann, um alle Prozesse persönlich vor Ort zu verfolgen, ist es wichtig, dass die Medien für uns anwesend sind und anschaulich aus den Gerichtssälen berichten.

Für das Medienrecht und das Recht des Geistigen Eigentums generell sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es uns allen jeden Tag im Alltag begegnet. Mal ehrlich, wer hat nicht mehrmals am Tag sein Smartphone in der Hand? Wenn YouTube uns dann verkündet, „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“, wenn wir die zwanzigste Email mit neuen Datenschutz-Richtlinien öffnen oder Google uns sagt, dass bestimmte Ergebnisse aus rechtlichen Gründen aus der Suchliste gelöscht wurden, dann erleben wir „meine“ Rechtsgebiete in Aktion.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich bei ArbeiterKind.de. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, all diejenigen auf ihrem Weg an die Universität zu unterstützen, die als Erste in ihrer Familie studieren. Meine Eltern haben beide studiert, sodass ich es ziemlich leicht hatte. Von den Abiturienten und Abiturientinnen, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, schafft es dagegen nur knapp ein Viertel an die Uni. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf die Wissenschaft: Zum Beispiel promoviert nur ein Prozent aller „Arbeiterkinder“, wogegen ein Zehntel aller „Akademikerkinder“ einen Doktortitel erwerben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessant - naja, aber lecker: Ich backe sehr gerne. Davon profitiert häufig auch der Lehrstuhl, an dem ich arbeite.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Er beginnt mit einem leckeren Frühstück, gefolgt von der mehrstündigen Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Anschließend verbringe ich die freie Zeit mit meiner Familie und/oder meinen Freunden und Freundinnen.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 14, 2018

Wie man ein Jahrhundert wendet - Anette Schlimm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anette Schlimm (@AnetteSchlimm) vorstellen! Anette arbeitet als Akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der LMU München. Dort stellt sie gerade ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Übergangsgesellschaften. Politik und Regierung im ländlichen Raum, 1850 bis 1950“ fertig. Sie wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit einer Untersuchung über Verkehrsexperten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Großbritannien promoviert, vorher studierte sie erst Sozialwissenschaften auf Diplom, dann Geschichte und Politikwissenschaft auf Magister in Oldenburg und Huddinge (Schweden). Besonders interessiert sie sich für die Geschichte des ländlichen Raums in Europa, für die Geschichte von Herrschaftspraktiken und für die Theorie der Geschichte.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Tja, das ist eine längere Geschichte - wo soll ich anfangen? Als ich mit dem Studium begann, war ich der festen Überzeugung, dass ich den gewählten Diplomstudiengang so schnell wie möglich durchziehen würde, um der Uni wieder den Rücken zu kehren. Einen Fachwechsel und einige Semester später stellte ich fest, dass das, was ich an der Uni tun konnte, mir wirklich sehr viel Spaß machte. In selbst organisierten studentischen Lesekreisen, "Intellektuellen Wochen" und studentischen Tagungen fand ich ein wirklich schönes, aber auch zeitraubendes Hobby - und das konnte ich mit viel Glück (Stellen fallen in den Geisteswissenschaften nicht vom Himmel) zum Beruf machen. Ich hoffe, dass das so bleibt, denn, nunja, unbefristete Stellen fallen in den Geisteswissenschaften noch viel seltener vom Himmel.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin eine Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Besonders interessiert mich die "erweiterte" Wende zum 20. Jahrhundert - sprich: die Zeit ca. zwischen 1880 und 1930. Diese Zeit finde ich deshalb so faszinierend, weil sie auf den ersten Blick noch recht nah an unserer eigenen Lebenswelt ist, denn viele Aspekte unserer Gegenwart haben ihre "Geburststunde" in dieser Zeit der Jahrhundertwende. Schaut man aber genauer hin, vergräbt sich in Quellenmaterial, dann wird mir diese Zeit schnell sehr fremd - und das ist das Faszinierende daran!


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit besteht ungefähr zur Hälfte aus eigener Forschung - im Moment ist das fast ausschließlich meine Habilitationsschrift, die ich im nächsten Sommer einreichen muss, d.h. ich bin mit der Niederschrift meines Buches über die Regierung ländlicher Gesellschaften zwischen 1850 und 1950 beschäftigt. Die andere Hälfte ist sehr abwechslungsreich; in meiner Kuratorinnen-Woche beginnt das Wintersemester und damit auch meine beiden Kurse, die ich unterrichte. Außerdem gibt es Vorträge, die ich halte, Workshops, die ich besuche, allerlei Verwaltungskram an der Uni, ich schreibe an mehreren Rezensionen gleichzeitig und habe auch noch das eine oder andere Schreibprojekt am Start. Insgesamt also: ein bunter Blumenstrauß!



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen weiß ich, dass viele Leute keine Vorstellung davon haben, was man an der Universität alles tut und macht. Nach außen wird nur sichtbar: Ach, die unterrichtet zwei Lehrveranstaltungen. Und was macht sie die restliche Zeit? Schlafen? Die Vielfalt des Arbeitsfeldes Universität, das will ich zeigen (und auch Verständnis UND Begeisterung dafür wecken). Zum anderen will ich natürlich über meine Forschungen berichten, über Politik und Regierung in ländlichen Räumen im 19. und 20. Jahrhundert. Das ist ein wenig bekanntes Thema, aber ein sehr spannendes!



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätigkeit an der Uni betreibe ich - mit mal mehr, mal weniger zeitlichem Aufwand - ein Blog zu meinem Habilitationsprojekt. Weitere zusätzliche Tätigkeiten fallen mir gerade gar nicht ein - aber ich finde, die Vielfalt reicht auch wirklich schon!



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Hobby ist (im Moment) vor allem meine Familie - mein Mann und mein kleiner Sohn. 



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag beginnt mit einem Frühstück in Ruhe (viel Kaffee!), danach scheint hoffentlich die Sonne und wir machen uns auf nach draußen, machen eine Fahrradtour oder eine Wanderung. Nachmittags gibt es selbstverständlich Kuchen (und Kaffee!). Abends kochen wir etwas, und wenn unser Sohn im Bett ist, spielen wir noch etwas an der Konsole - ich bin bekennender Fan (und sehr schlechte Fahrerin) von SuperMarioKart.


Bitte begrüßt Anette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 7, 2018

Im Kopf der Fruchtfliege - Patrick Krätschmer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Patrick Krätschmer (@PKratschmer) vorstellen zu dürfen! Patrick absolvierte sein Abitur in Hamburg, bevor er an der Universität Oxford Zell- und Systembiologie studierte. Seit 2015 wird er vom Wellcome Trust gefördert - im 4-Jahres-PhD Programm in Neurowissenschaften am University College London. Im Department for Clinical and Experimental Epilepsy untersucht er molekulare und genetische Faktoren, die Epilepsie und Dyskinesie zu Grunde liegen - all das an Fruchtfliegen! Abseits des Labors spielt er Gitarre und trainiert konstant für einen Marathon, den er eventuell in naher (oder ferner) Zukunft zu laufen versuchen könnte.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hatte sehr gute Unterstützung meines Gymnasiallehrers Herr Wiedenhöft, der mich für Chemie faszinierte und durchweg förderte. So bin ich in England in den Neurowissenschaften gelandet und habe durch Studien in Oxford und London dieses Interesse vertiefen können. Von hieraus war es ein Selbstgänger - die wichtigste Phase war wohl die der letzten beiden Abiturjahre, ohne die ich wohl nie Wissenschaftler geworden wäre.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Neurowissenschaften interessieren wohl fast jeden Menschen - die meisten fangen an mit der Frage, wie das Gehirn 'funktioniert'; so war es auch bei mir. Das Gehirn ist wohl am meisten studierte und am wenigsten verstandene Organ unseres Körpers und wirft Fragen auf, die nicht nur wissenschaftliche, sondern auch philosophische/ethische, soziologische, oder juristische Relevanz haben. Wenn man in all das Interessiert ist und in einem Wissenschaftsbereich arbeiten möchte, in dem es großes Entdeckungspotenzial gibt, sollte man Neurowissenschaften in Erwägung ziehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir (ich + Kollaborateure) versuchen zu verstehen, wie Mutationen in einem bestimmten Gen (das wir alle haben) in Epilepsie und Dyskinesie resultieren. Diese Mutationen wurden in Menschenfamilien gefunden. Durch Gentechnik ('genetic engineering' oder 'gene editing') haben wir diese Mutationen in Fruchtfliegen eingefügt - der letzte gemeinsame Vorfahre von uns Menschen und Fruchtfliegen lebte vor ca. 600 Millionen Jahren; trotzdem sind geschätzte, sagenhafte 75 % der Gene, die in Menschen Krankheiten verursachen, in Fruchtfliegen erhalten geblieben. Diese genetische Konservierung erlaubt es uns, solche Krankheitsmutationen (wie in unserem Falle für Epilepsie und Dyskinesie) in das Fruchtfliegengenom einzuführen. Warum machen wir das? Fruchtfliegen sind genetisch unglaublich 'powerful': seit über 100 Jahren wird dieser Organismus von Genetikern benutzt: dies hat zur Folge, dass unglaublich viele Techniken und Methoden entwickelt wurden, durch die wir jedes einzelne der 14.000 Gene in der Fruchtfliege präzise manipulieren: aktivieren, inhibieren, visualisieren, oder alles zur gleichen Zeit!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Unsere Forschung ist sowohl 'basic research' als auch krankheitsrelevant. Wir versuchen zu verstehen, wie neurologische Krankheiten entstehen, um dazu beizutragen, dass diese in der Zukunft besser behandelt (oder verhindert) werden können. Zur gleichen Zeit haben wir genetische Möglichkeiten, durch diese Arbeit fundamentale biologische Prozesse besser zu verstehen: denn oft sind die Mechanismen, die zu Krankheiten führen, auch unter Normalbedingungen nicht verstanden; unsere Arbeit trägt deshalb auch dazu bei zu verstehen, wie das Gehirn unter physiologischen Bedingungen funktioniert.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nicht wirklich interessant, aber definitiv extern: zu versuchen, seit einem Jahr eine Department-Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen - das ist schwerer als gedacht!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele klassische Gitarre seitdem ich klein bin. Ansonsten laufe und schwimme ich (un-)gerne und versuche meine Tage mit Sozialkontakten so bunt wie möglich zu gestalten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den ganzen Tag im Bett durch abwechselndes Schlafen und Lesen von Herr der Ringe (+ relevante Filmmusik auf Spotify) verbringen!


Bitte begrüßt Patrick ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 30, 2018

Tanz der Moleküle - Sven Kochmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Sven Kochmann (@indianalytics) vorstellen! Sven hat Analytische Chemie an der Universität Regensburg studiert. Nach seiner Promotion und seinem ersten, kurzen Postdoc-Aufenthalt an der selben Uni, ist er nun Postdoktorand an der York University in Toronto, Kanada. Dort beschäftigt er sich mit mikrofluidischen 2D-Trennverfahren (u.a. Freiflusselektrophorese), Wechselwirkungen zwischen Molekülen und chemoinformatischen Auswerteverfahren. Im Moment ist er in einer heißen Bewerbungsphase für seine erste Fakultätsstelle als eigenständiger
Gruppenleiter (drückt ruhig die Daumen!).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Wahrheit ist: ich löse einfach gerne Puzzles. Die Naturwissenschaft ist voll davon. So kam eins zum anderen.
Dass ich in die Chemie gehe, wurde erst klar als ich bei der Einschreibung an der Uni war und ich irgendwas in das rosa Formular eintragen musste. Mathe und Chemie waren meine beiden Leistungskurse (Grüße an meine beiden LK-Leiter, die sicher nicht unschuldig an meinem Fortgang sind!) und da habe ich mich spontan entschlossen, Chemie zu studieren! Ich erzähle immer, dass ich gewürfelt habe, was auch nicht
ganz unwahr ist...
14 Jahre nach der Einschreibung bereue ich diese Entscheidung und meine Werdegang nicht eine Sekunde. Die Chemie macht mir soviel Spaß, ist jeden Tag neu und aufregend und hat mich sogar bis ins schöne Kanada gebracht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden?
Während dem Studium an der Universität Regensburg, die als einige der wenigen Universitäten ein großes und eigenes Institut für Analytische Chemie hat, hat mich die Begeisterung im zweiten Semester dafür gepackt: Analysen, sowohl chemisch als auch mathematisch und informatisch, das war genau mein Ding und genau das was ich später machen wollte! Super!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Während meiner Laufbahn habe ich an den unterschiedlichsten, coolen Dingen gearbeitet: Dermatologische Hautsensoren, Graphen als Sensormaterial, zweidimensionale Trennverfahren (Ionenchromatographie × Kapillarelektrophorese; Freiflusselektrophorese), verschiedene Detektionsmethoden (Massenspektrometrie, Fluoreszenzspektroskopie),
Wechselwirkungsanalysen zwischen verschiedenen Spezies (z.B. kleinen organischen Molekülen und Proteinen), Mikrofluidik und verschiedenen chemoinformatischen Auswerteverfahren. Während meiner Twitterwoche werde ich zu einigen Sachen genaueres erzählen!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Lebensmittel- und Medikamentenkontrolle, Schadstoff- und Gewässeranalysen, medizinische Untersuchungen, Forensik, biologische Forschung und vieles mehr: Die Analytische Chemie ist omnipräsent, aber nicht omnipotent. In Serien und Filmen wird sie oft interessant aber überdramatisch gut (oder manchmal auch schlecht) dargestellt. Da finden gaschromatographische Analysen oft nicht nur heraus welche Zigarettenmarke am Tatort gefunden wurde, sondern auch wo diese zu welchem Zeitpunkt an welchem noch-so-kleinen Kiosk erstanden wurde. Dementsprechend verzerrt ist das Bild der Analytischen Chemie in der Öffentlichkeit. Deswegen is es wichtig sich mit der "richtigen" Analytischen Chemie zu beschäftigen, mit den Chemikerinnen und Chemikern, die tagtäglich mit solchen Dingen zu tun haben, zu sprechen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Analysen eigentlich ablaufen, wie die Ergebnisse aussehen und wie solche interpretiert werden können. Und vor allem: wo die Grenzen von Verfahren sind, wo Probleme auftauchen. Ich hoffe ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn ich kann, dann engagiere ich mich ehrenamtlich in Vereinen wie z.B. damals der Fachschaft Chemie oder dem Alumniverein Chemie der Universität Regensburg bei dem ich auch Mitgründer und ein paar Jahre Vorstand war. Der Alumniverein veranstaltet bis heute die jährliche Absolventenfeier für alle Chemiker (Bachelor/Master/Doktoranden) - ein Projekt an dem ich auch tatkräftig mitgewirkt und in das ich viel Herzblut gesteckt habe.

Ansonsten programmiere ich zur Entspannung etwas, bastel an einem Elektronikprojekt (Raspberry, Arduino und co), oder mache etwas Grafikdesign.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In koche und backe gerne (Mein Mantra: Jeder gute Chemiker kann kochen und/oder backen!). Außerdem reise ich sehr gerne spontan in andere Länder, um mir Land und Leute anzusehen, ein paar neue Eindrücke zu sammeln, etz. Auch eine gute Gelegenheit Postkarten zu schreiben (auch wenn das wohl nicht mehr alle machen)!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An freien Tagen schlafe ich meist etwas länger und mache dann je nach Lust und Laune etwas: Kochen, Zocken (Legend of Zelda, Civilization und Binding of Isaac), Serien anschauen, Bücher lesen oder an kleinen Nebenprojekten arbeiten. Manchmal besuche ich Veranstaltungen (davon gibt es in Toronto mehr als genug) wie z.B. Comicmessen oder verbringe den ganzen Tag im Museum. Manchmal bin ich auch einfach nur richtig faul und tue gar nichts. Auch das muss mal sein!


Bitte begrüßt Sven ganz herzlich bei Real Scientists DE!