Sunday, March 22, 2026

Eie räumliche und soziale Strukturen Ungleichheit erzeugen und aufrechterhalten! Laura Fürsich ist jetzt bei Real Scientists DE

Foto von Laura Fürsich am Esstisch. Sie trinkt einen Kaffe. Im Vordergrund ist ein Telle mit einem Burger.

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Laura Fürsich (@laurafursich.bsky.social)! Sie ist bin Post Doc am Mansueto Institute for Urban Innovation an der University of Chicago und am Institut für Analytische Soziologie (IAS) an der Universität Linköping. Ihre Forschung untersucht, wie soziale Ungleichheiten in räumlichen und institutionellen Kontexten fortbestehen und sich verändern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem dynamischen Zusammenspiel von sozialen Netzwerken, residenzieller Segregation und sozialer Stratifikation.

Als Computational Social Scientist verbindet sie Ansätze aus der Soziologie, der Stadtforschung und der Komplexitätswissenschaft. Dabei kombiniert sie agentenbasierte Modellierung, Informationstheorie, diskrete Entscheidungsmodelle und Netzwerkanalyse mit großen administrativen Datensätzen aus Schweden und den Niederlanden. Sie interessiert besonders, wie statistische Informationen genutzt werden können, um die Mechanismen hinter räumlicher Ungleichheit, sozialem Einfluss und Intergruppenbeziehungen aufzudecken. Diese Perspektive ermöglicht es ihr, über reine Beschreibung hinauszugehen und in Daten Muster und Zusammenhänge zu identifizieren, die sowohl bestehende als auch neu entstehende Formen von Ungleichheit beleuchten.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ehrlich gesagt nicht auf dem direktesten Weg. Ich habe schon im Bachelor angefangen als HiWi an einem Lehrstuhl zu arbeiten. Was mich letztlich in die Forschung gezogen hat, war die Möglichkeit, gesellschaftliche Fragen (wie entsteht Ungleichheit? warum leben Menschen so getrennt voneinander?) mit Daten und formalen Methoden zu untersuchen. 


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich arbeite an der Schnittstelle von Soziologie, Netzwerkforschung und Computational Social Science. Was mich daran fasziniert, ist, dass man mit den richtigen Daten und Methoden Dinge sichtbar machen kann, die man mit bloßem Auge nicht sieht: Wie hängen die Orte, an denen Menschen wohnen und arbeiten, mit ihren Lebenschancen zusammen? Wie verändern sich Nachbarschaften über die Zeit – und für wen?

Was mich im Feld hält, ist zum einen die methodische Vielfalt. Ich arbeite mit administrativen Registerdaten, baue Netzwerkmodelle und setze agentenbasierte Simulationen ein. Zum anderen die Interdisziplinarität: Ich arbeite mit Leuten zusammen, die aus der Physik, Informatik und Ökonomie kommen. Das zwingt einen, die eigenen Annahmen ständig zu hinterfragen, und das finde ich produktiv.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Forschung dreht sich um die Frage, wie räumliche und soziale Strukturen Ungleichheit erzeugen und aufrechterhalten. Ein Schwerpunkt liegt auf Segregation – also der Frage, wie stark Menschen unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlichen Einkommens voneinander getrennt leben und wie sich das auf ihre sozialen Kontakte auswirkt.

Aktuell arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig. In einem Paper untersuche ich mit Chicagoer Zensusdaten, wie sich städtisches Einkommenswachstum über Jahrzehnte zusammensetzt: Liegt es daran, dass die Einkommen der Bewohner*innen steigen, oder daran, dass besserverdienende Menschen zuziehen und andere wegziehen? In einem anderen Projekt schaue ich mir mit niederländischen Registerdaten an, wie die räumliche Nähe in Mikro-Nachbarschaften den Kontakt zwischen Jugendlichen verschiedener Herkunft beeinflusst.

Daneben arbeite ich viel mit schwedischen Registerdaten. Schweden hat umfassende administrative Daten über Wohnorte, Arbeitsplätze, Einkommen und Familienbeziehungen – anonymisiert und streng reguliert. Damit lassen sich soziale Prozesse über lange Zeiträume und auf sehr feiner räumlicher Ebene untersuchen, was mit Umfragedaten kaum möglich wäre.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil die Fragen, die ich untersuche, den Alltag aller betreffen – auch wenn man nicht darüber nachdenkt. In welcher Nachbarschaft man aufwächst, mit wem man zur Schule geht, wo man arbeitet: All das beeinflusst, welche Chancen man hat und welchen Menschen man begegnet. Segregation ist kein abstraktes Konzept – sie bestimmt mit, wer wen kennt, wer welche Informationen bekommt und wer aufsteigen kann.

Meine Forschung versucht, diese Zusammenhänge sichtbar und messbar zu machen. Das ist relevant, weil politische Entscheidungen – über Wohnungsbau, Stadtplanung, Bildungspolitik – diese Strukturen direkt beeinflussen. Wenn wir verstehen, wie räumliche Sortierung und soziale Netzwerke zusammenhängen, können wir auch besser beurteilen, welche Maßnahmen tatsächlich etwas verändern.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin sowohl an der Universität Linköping als auch am Mansueto Institute for Urban Innovation an der University of Chicago angebunden und in zwei sehr unterschiedlichen akademischen Kulturen arbeite. Das ist manchmal logistisch herausfordernd, aber wissenschaftlich extrem bereichernd, weil die Perspektiven auf Stadtforschung und Ungleichheit sich stark unterscheiden.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich bin am liebsten auf dem Rad oder im Kanu – beides geht in Schweden hervorragend, solange man mit dem Wetter nicht zu wählerisch ist. Wenn ich in Chicago bin, gerne mit dem Rad am Lakefront Trail. Die Stadt ist überraschend gut für Radfahrer*innen. Dazu kommt seit einer Weile ein Welpe, der an den intensivsten Arbeitstagen zuverlässig dafür sorgt, dass ich vor die Tür komme. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Morgens eine lange Runde mit dem Hund, am liebsten am Wasser. Norrköping hat da ein paar schöne Ecken. Danach Kaffee und in Ruhe etwas lesen, das nichts mit Arbeit zu tun hat. Nachmittags eine Radtour, bei der ich nicht wissen muss, wann ich zurück bin. 



Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 15, 2026

Als Scientist Practitioner die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren und die psychische Gesundheit rund um die Geburt beforschen! Larissa Wolkenstein ist jetzt bei Real Scientists DE!

Potraitfoto Dr. Larissa Wolkenstein

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Dr. Larissa Wolkenstein (@lawolkenstein.bsky.social)! Larissa ist Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Nach dem Studium der Psychologie an den Universitäten Konstanz und Tübingen (2000–2005) promovierte sie 2009 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 2010 erhielt sie die Approbation als Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Von 2008 bis 2015 war sie am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie (Prof. Dr. Martin Hautzinger) an der Universität Tübingen tätig, zunächst als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, anschließend als Akademische Rätin a. Z. Ein Forschungsaufenthalt führte sie 2013 an die University of Miami (Prof. Dr. Jutta Joormann), Florida, USA. Seit 2015 ist sie am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der LMU München tätig (zunächst als Akademische Rätin, später als Akademische Oberrätin). 2023 wurde ihr die Venia legendi im Fach Psychologie verliehen.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Als ich mit meinem Studium begonnen habe, war mein Plan eigentlich, Psychotherapeutin zu werden. Meine Begeisterung für die Wissenschaft habe ich erst im Studium entdeckt. Da fand ich forschungsbezogene Lehrveranstaltungen besonders spannend. Bei der Erstellung meiner Abschlussarbeit habe ich dann erstmals eigenständig wissenschaftlich gearbeitet und gemerkt, dass mir das wirklich Spaß macht. Als mein Betreuer mich fragte, ob ich nicht weiter wissenschaftlich arbeiten möchte, war die Entscheidung schnell gefallen. Ich bin trotzdem auch Psychotherapeutin geworden – habe also nach meinem Studium neben der Promotion auch die psychotherapeutische Ausbildung gemacht, die mit der Approbation abschließt. Auch heute schlägt mein Herz nach wie vor für beides – psychotherapeutische Praxis und Forschung. Ich würde mich ganz klar als Scientist-Practitioner bezeichnen. Diese Schnittstelle macht meine Arbeit für mich so spannend.

 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich mache klinisch-psychologische Forschung, weil es mir wichtig ist, mit meiner Forschung etwas für Menschen mit psychischen Störungen zu bewegen. Ich möchte dazu beitragen, psychische Störungen besser zu verstehen und die Behandlung und Versorgung von Betroffenen zu verbessern.

 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In den letzten Jahren habe ich mich in meiner Forschung insbesondere mit zwei Bereichen beschäftigt: Das ist einmal die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren und den wissenschaftlichen Fragen, die sich aus dieser Schnittstelle ergeben. Insbesondere beschäftigt mich die Frage, ob und wie sich psychotherapeutische Interventionen auf die Erinnerung an ein traumatisches Ereignis auswirken. Mein zweiter Forschungsschwerpunkt ist die psychische Gesundheit im Peripartalzeitraum, also dem Zeitraum rund um die Geburt eines Kindes. Hier habe ich mich bislang vor allem mit der postpartalen Depression beschäftigt, aber auch mit den Auswirkungen von Kindsverlust auf betroffene Eltern und das gesamte familiäre System. 

 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren betrifft viele Überlebende von Gewalt- oder Sexualstraftaten. Sofern sie eine entsprechende Straftat zur Anzeige bringen (oder in Erwägung ziehen, das zukünftig zu tun) und zudem psychotherapeutisch behandelt werden, bewegen sie sich genau in dieser Schnittstelle. Eine psychotherapeutische Behandlung steht ihnen zu und ist in vielen Fällen auch indiziert. Allerdings gibt es Konstellationen, in denen eine solche Behandlung bei einem Strafverfahren zum Problem werden kann. Insbesondere wenn das Trauma in der Psychotherapie besprochen wird, kann sich dies negativ auf die Aussageglaubhaftigkeit Betroffener auswirken, die dann in einem Strafverfahren als Opferzeug:innen fungieren.

Das Thema der peripartalen Gesundheit betrifft ebenfalls einen großen Teil unserer Gesellschaft – nämlich alle Frauen, die ein Kind gebären und deren Angehörige. Meines Erachtens finden Themen, die (auf den ersten Blick) vorrangig Frauen betreffen, nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit. Erstaunlich, wo Frauen doch die Hälfte der Menschheit ausmachen. Wenn wir nun auch noch ihre Kinder, Partner und Partnerinnen mit einbeziehen, betrifft das Thema der peripartalen Gesundheit fast alle Menschen. Zumindest irgendwann in ihrem Leben. Wir wissen, dass es sich zum Beispiel ganz deutlich auf die Gesundheit eines Kindes auswirkt, wenn seine Mutter unter einer postpartalen Depression leidet. Nicht nur zum Zeitpunkt der mütterlichen Erkrankung, sondern weit darüber hinaus. Insofern geht uns dieses Thema fast alle an.

 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Zwar umfasst meine aktuelle Position auch Forschung, aber ich bin auch für die therapeutische Leitung und Forschungskoordination in unserer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz zuständig. Das bedeutet vor allem, dass ich therapeutische Konzepte ausarbeite und implementiere und Forschungsstrukturen in der Ambulanz etabliere und kontinuierlich verbessere. Außerdem supervidiere ich die Therapien, die bei uns stattfinden und bin Ansprechpartnerin für alle inhaltlichen Fragen, die unsere therapeutischen Kolleginnen und Kollegen haben.

Zudem bin ich auch in der Lehre tätig. Ich habe das große Glück, dass ich auch in der Lehre meine beiden Leidenschaften – Psychotherapie und Forschung – gut abbilden kann. Oft habe ich sehr praktische Lehrveranstaltungen oder eben Lehrveranstaltungen mit Forschungsbezug. Aktuell führe ich zum Beispiel ein Fallseminar durch, in dem eine psychotherapeutische Behandlung im Beisein und unter Mitwirkung Studierender stattfindet.

Ansonsten gebe ich häufiger Workshops oder Seminare an Aus-/Weiterbildungsinstituten (also in der postgradualen Aus- und Weiterbildung) oder auch Einrichtungen wie z.B. Kliniken. Ich bin zudem als Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin tätig.

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich habe das große Glück, inmitten wunderschöner Natur zu leben, etwas südlich von München. Da sind Berge und Seen nicht weit. Die genieße ich gemeinsam mit meiner Familie. Ich bin gerne draußen – ob mit unseren drei Kindern, unserem Hund oder auch auf dem Pferd.

Außerdem lese ich sehr gerne, gehe gerne ins Kabarett, ins Kino oder ins Theater.

Außerdem liebe ich es, zu Konzerten zu gehen – auch wenn ich das viel zu selten unterbekomme. Das letzte Konzert, auf dem ich war, war von Cypress Hill. Als nächstes stehen neben klassischen Konzerten von Bruce Liu und Rachel Podger auch AnnenMayKantereit, das Black Forest on Fire Reggae Festival und die Abschiedstournee der Fantastischen Vier an. Alle Karten liegen bereit und ich freue mich auf jedes einzelne Konzert riesig.

In meiner Freizeit setze ich mich auch für den Schutz von Demokratie und Menschenwürde ein. Deswegen bin ich Gründungs- und Vorstandsmitglied von Holzkirchen ist bunt e.V. – einem Verein, der für Vielfalt, Toleranz und Menschlichkeit eintritt. Man sieht mich also ab und zu auch auf einer Demonstration oder entsprechenden Veranstaltungen. Ich möchte meinen Kindern diese Werte vorleben und wünsche mir, dass sie in einem Land aufwachsen, in dem kein Platz für Fremdenfeindlichkeit oder Ausgrenzung ist, in dem Frauen dieselben Rechte haben wie Männer und in dem Minderheiten keine Nachteile aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit erfahren. 

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

An einem idealen freien Tag stehe ich früh auf und drehe erst einmal eine Runde mit unserem Hund. Dann gehe ich mit meiner Familie irgendwo ausgiebig frühstücken - am besten auf einer Terrasse in der Sonne. Dabei ist ein guter Kaffee Pflicht :-)

Danach wäre ein Ausritt im Wald perfekt.

Am Nachmittag würde ich dann gerne mit meiner Familie und Freunden gemütlich an einen See gehen. Mit einer großen Picknickdecke und dem SUP. Ich bin sehr gerne unter Menschen und liebe es, mich auszutauschen, zu diskutieren, zu lachen. Gegen Abend entscheiden wir uns dann spontan, bei wem wir gemeinsam den Tag bei einem guten Essen (gerne vietnamesisch) ausklingen lassen.

Noch besser wäre es, wenn all das am Meer stattfinden würde. 😊



Bitte begrüßt Larissa ganz herzlich bei Real Scientists DE!