Diese Woche freuen wir uns auf Elena Katharina Nicolay. Ronja (@enicolay.bsky.social) ist Doktorantin in der Ökotoxikologie (mTox Gruppe) am UFZ Leipzig und untersucht die Auswirkung von endokrinen Disruptoren auf die Darmgesundheit. Es handelt sich dabei um Umweltchemikalien, die das körpereigene Hormonsystem beeinflussen. Dabei hat sie ein besonderes Augenmerk auf Darm-assoziierte Makrophagen und Neuronen.
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Tatsächlich bin ich durch die Arbeit mit Tieren in costa-ricanischen Auffangstationen in der Wissenschaft gelandet. Ich habe dort mehrere Monate lang ehrenamtlich gearbeitet und fand es sehr erfüllend. Das hat mich dazu motiviert, einen Beruf zu ergreifen, der jeden Tag neu und abwechslungsreich ist. Ich habe eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin absolviert, erste Erfahrungen in einem Pharmaunternehmen gesammelt und mich dann für Studienplätze beworben. Mit meinem Fachabitur waren meine Studienmöglichkeiten jedoch begrenzt. Glücklicherweise habe ich dann den Bachelor of Science in Molekularbiologie an der WHS Recklinghausen gefunden und absolviert. Anschließend habe ich einen Master of Science in Regenerativer Biologie und Medizin an der TU Dresden studiert, wo ich die Möglichkeit hatte, den Zebrafisch als faszinierenden Modellorganismus für die neuronale Regeneration kennenzulernen.
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Hattet ihr schon mal so ein Bauchgefühl? Eine emotionale Reaktion aus dem Bauch heraus, stimuliert von einer Entscheidung oder Person? Der Verdauungstrakt ist durchzogen mit einem Nervengeflecht, das autonom funktioniert und die Darmmotilität steuert – das enterischeNervensystem. Der Vagusnerv verbindet dieses Nervensystem mit dem Hirnstamm und sorgt für bilaterale Kommunikation. Motorische Impulse werden vom Gehirn zum Darm gesendet und sensorische Impulse vom Darm ins Gehirn. Gerät dieses sensible System aus dem Gleichgewicht, kann es zu Verdauungsstörungen und psychischen Beeinträchtigungen kommen. Ob durch Umweltchemikalien induzierte Darmentzündung eine Auswirkung auf das enterischeNervensystem haben, ist die Hauptfragestellung meiner Doktorarbeit. Ich bin also meinem eigenen Bauchgefühl gefolgt. 😊
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Auf meiner Suche nach Laboren die mit der Darm-Hirn Achse im Zebrafisch arbeiten, bin ich auf die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Tamara Tal am UFZ Leipzig gestoßen. In Kombination mit meinem Hintergrund in Mikroskopie und Bildanalyse haben wir strategisch ein Projekt entwickelt, bei dem transgene Zebrafischembryonen eingesetzt werden, um die Auswirkungen von endokrinen Disruptoren zu untersuchen. Dies ist eine Klasse von Chemikalien, die auf das körpereigene Hormonsystem einwirken, beispielsweise durch Immunmodulation. Besonders interessiert mich dabei der Einfluss auf Makrophagen im Darm und der potentielle Zusammenhang zu Störungen des enterischen Nervensystems. Hier kann ich einen Beitrag zu wichtigen Forschungsfragen der Immun- und Neurotoxikologie leisten. Dafür setze ich transgene Zebrafischembryonen mit unterschiedlichen fluoreszierend markierten Zelltypen in High-Content-Mikroskopie-Assays ein.
Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Forschen in der Toxikologie ist spannend und sehr wichtig, da wir ständig einer Vielzahl von Umweltchemikalien ausgesetzt sind. Ob in Form von Pestiziden auf Feldern, Weichmachern in Behältern oder Zusätze in Kosmetikprodukten – es gibt viele Wege, wie Chemikalien ihren Weg in unsere Körper finden. Viele dieser Chemikalien wurden nur unzureichend oder gar nicht auf ihre Nebenwirkungen getestet, ganz zu schweigen davon, wie sie mit anderen Chemikalien interagieren. Hier setzt mein Projektan, mit dem Ziel, einen in-vivo Test zu entwickeln, mit dem diese Untersuchungen schneller durchgeführt werden können.
Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit 2023 bin ich Teil der Young Microscopists and Image Analysts (YMIA). Wir sind ein Team von German BioImaging e.V. (GerBI) mit der Mission, Nachwuchswissenschaftler*innen zu vernetzen, die mit Mikroskopie und Bildanalyse arbeiten. Wir möchten problemorientiertes Lernen zu flexiblen, bedarfsorientierten Themen vermitteln, indem wir Watch-Partys, Workshops und Expert*innenrunden anbieten. Seit 2025 bin ich auch Teil des Vorstands von GerBi und vertrete dort die Interessen der YMIA.
Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele gerne, egal ob Brettspiele oder Computerspiele. Dabei genieße ich am Meisten die Auszeit zu meinem sonst sehr geschäftigen Alltag und liebe es neue Welten zu entdecken, die Entwickler*innen für die Spielcommunity kreieren.
Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Ausschlafen, weil die Kätzchen auch noch zu müde sind um uns zu wecken. Dann ein ausgiebiges Frühstück mit meinem Partner, gefolgt von einem Spaziergang in dem nahegelegenen Wald. Später am Tag dann mit meinen Freundinnen Pizza selber machen und einen Film schauen.
Bitte begrüßt Elena ganz herzlich auf dem Kanal!

