Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe in Oldenburg angefangen Biologie zu studieren und wollte auf keinen Fall „so einen Ökologiescheiß“ machen, sondern mein Plan war mich in die Gentechnik-Überwachung einzubringen. Es kam dann irgendwie anders. Nachdem Wechsel nach Hamburg, wo ich auch politische Wissenschaft im Nebenfach studiert habe, bin ich eher durch Zufall studentische Hilfskraft in einer Arbeitsgruppe in der Mikrobiologie geworden, die sich mit Nitrifikation beschäftigt und auch Proben aus Sibirien untersucht hat. Am Anfang brauchte ich einfach einen Job und dann kam die Leidenschaft dazu. Dann ergab sich nach meinem Diplom die Möglichkeit am Thema weiterzuarbeiten und in der Bodenkunde zu promovieren. Das Angebot kam per SMS. Sie suchten jemanden, die schon Erfahrung mit dem Stickstoffkreislauf hatte und bereit war mehrere Wochen auf Expedition nach Sibirien zu gehen. War ich und dann wurde es doch dieser Ökologiescheiß! Die Arbeit in der Arktis war eins meiner besten Erfahrungen
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Alle reden von Kohlenstoff und CO2, ich aber immer über Stickstoff und Lachgas (N2O). Der Stickstoff hat es mir angetan und lässt mich nicht wieder los.
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist eine Mischung aus Feldarbeit, also Probenahmen in unterschiedlichen Ökosystemen, wie z.B. der Elbe, aber auch eher entlegene Orte wie der Indische Ozean und die Arktis. Dazu kommt Laborarbeit, wir untersuchen neben der Konzentration verschiedener Stickstoffverbindungen auch ihre chemischen Zusammensetzung in Bezug auf ihre stabilen Isotopen Signaturen, die geben Hinweise wo der Stickstoff herkommt und durch welche Prozesse er verändert wurde. Was das genau heißt, erfahrt Ihr später. Dazukommt kommt natürlich noch die Schreib- und Büroarbeit.
Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Stickstoff ist ein lebensnotweniger Nährstoff für alle Lebewesen, also auch für den Menschen. Dadurch, dass wir als Menschheit mit der immensen Düngung, den Stickstoffkreislauf ordentlich durcheinandergebracht haben, aber auch viele Millionen Menschen ernähren können, ist es wichtig zu verstehen, wie wir diesen Kreislauf auf eine gute ökologische Weise am Laufen halten und nicht die ganze Welt überdüngen. Die Überdüngung führt auch zu hohen Emissionen an Lachgas, einem sehr Klimawirksamen Treibhausgas, auch das müssen wir reduzieren.
Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Meine Arbeit im Betriebsrat ist mir sehr wichtig, denn nur wenn die Arbeitsbedingungen stimmen, können wir auch Spitzenforschung betreiben, dafür ist eine wirksame Interessenvertretung notwendig und die Einhaltung vom Arbeitsrecht. Außerdem bin ich seit letzten Jahr auch als Gast in der Bundestarifkommission öffentlicher Dienst von Verdi für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen entsand. Gute Wissenschaft bracht eben auch gute Arbeitsbedingungen.
Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zum Ausgleich und um den Kopf freizubekommen, fliege ich Gleitschirm, am liebsten in den Alpen. Sobald meine Füße vom Boden abheben, denke ich nicht mehr über die Arbeit und Wissenschaft nach, sondern genieße das Leben und die Natur.
Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Wenn im Wetterbericht gemeldet wird, es kommt zu einen „Einsickern eines Kaltlufttroges aus Nordwest in die Norddeutsche Tiefebene“. Dann weiß ich, dass es ein wunderbarer Flugtag am Rammelsberg in Goslar im Harz geben wird. Dann muss ich auch mal spontan frei nehmen.
Bitte begrüßt Tina ganz herzlich auf dem Kanal!