Sunday, January 28, 2018

Die fabelhafte Welt der Steine - Nadine Gabriel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Nadine Gabriel (@NadWGab) vorstellen zu dürfen! Nadine hat am University College London Geologie studiert und dabei unter anderem 1.9 Milliarden Jahre alt Stromatolithen der Belcher Islands in Kanada geforscht.  Seit 2017 macht sie ein Praktikum am nicht ganz so alten, aber doch altehrwürdigen Grant Museum of Zoology der UCL, wobei sie sich auch einem ihrer weiteren Interessen widmen kann: der Wissenschaftskommunikation. Nadine bloggt für den Museums & Collections Blog der UCL und hat den Hashtag #AreYouSiO2 ins Leben gerufen. Darunter dürfen Mineralienfans immer montags raten, ob es sich bei einem abgebildeten Gestein um Quartz handelt oder nicht (zu besonderen Anlässen gibt es auch mal eine special edition).

Hier ist Nadine in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Als ich sehr jung war, wollte ich Anwältin werden, weil ich mir “Judge Judy” sehr oft angeschaut habe. Meine Arbeitserfahrung war in einem Anwaltsbüro und ich habe meine Zeit dort genossen. Aber ich habe mich immer für Wissenschaft interessiert (es war mein Lieblingsfach in der Schule) und wissenschaftliche Dokumentarfilme haben mir immer gefallen. Als ich meine Abitur (A-Levels) gemacht habe, habe ich Erdkunde studiert und sie war wunderbar! Ich habe über Vulkane, Erdbeben, Plattentektonik und Meteorologie gelernt. Dann habe ich entschieden, Geologie an der Universität zu studieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Geologie hat ein bisschen von allem. Um die Erde zu verstehen, muss man Physik, Biologie und Chemie wissen. Und wie gesagt, ich liebe Wissenschaft! Wenn man Geologie studiert, muss man Feldforschung machen und ins Ausland gehen, und das hat mir sehr gefallen. Mein eigenständiges Forschen ging um Geochemie und Stromatolithen (biogene Sedimentgesteine). Ich habe dieses Projekt ausgewählt, weil ich mit sehr alten Steinen (~1,9 Milliarden Jahre alt) arbeiten musste und die Minerale in der Stromatolithen analysieren musste. Ich habe entschieden, in Museen zu arbeiten, weil ich ihre Sammlungen und Wissenschaftskommunikation liebe. Vor ein paar Jahren habe ich das Natural History Museum London besucht. Die Mineraliengalerie war sehr groß und hat mich beeindruckt. Ich finde es sehr gut, dass Museen uns helfen, unsere Welt zu verstehen.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite vier Tage pro Woche beim Grant Museum of Zoology. Das Grant Museum of Zoology ist ein Teil der UCL und hat ~68.000 zoologische Exemplare. Jeder Tag ist anders und das ist ein Pluspunkt für mich. Das Ziel meines Praktikums ist es, alle Aspekte der Tätigkeiten des Museums zu unterstützen.  Ein großes Teil meiner Arbeit besteht aus Museumsdokumentation: ich muss unsere Museumsdatenbank aktualisieren, Exemplaren eine Inventarnummer geben und Exemplare beschriften. Forscher, Künstler, Fotografen, usw. kann das Museum besuchen, um Exemplare zu studieren, also ich muss die Exemplare finden, die sie wollen. Andere Aufgaben beinhalten bloggen, Ausstellungen aufstellen, Besucher grüßen, aufräumen (es ist nicht gut, wenn das Museum staubig ist!) und noch mehr. Vor ein paar Monaten musste ich mich um 26 lebende Schnecken kümmern, weil sie in unserer Ausstellung waren!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Geologie ist überall und wir sind abhängig von ihr. Dank der Geologie haben wir Treibstoff, Chemikalien, Erze und Minerale für unsere Industrie. Geologie hilft uns, Naturgefahren (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Dolinen, usw.) zu verstehen und ihre Risiken abzumildern. Kurz gesagt: Geologie hält uns sicher und hilft unseren Gesellschaften.

Und warum sind Museen wichtig? Wenn man ein Museum besucht, kann man etwas Neues lernen. Museen sind inspirierend und ich finde es echt toll, wenn Leute das Grant Museum of Zoology besuchen und erstaunt sind. Viele seltene und wichtige Exemplare befinden sich in Museen und sie werden dort geschützt. Wegen Museums haben Forscher die Möglichkeit, Exemplare zu analysieren – viele wissenschaftliche Studien nutzen Museumsexemplare.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Deutschlernen! Seit vier Jahren bringe ich mir selbst Deutsch bei. Ich finde Sprachen sehr interessant und vielleicht wenn ich keine Geologin wäre, würde ich Sprachwissenschaft studieren. Regelmäßig übersetze ich Lieder, damit ich mein Deutsch verbessern kann. Ich lese, zeichne, höre Musik, sammle Minerale und besuche Museen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Spät aufstehen und ein englisches Frühstück essen. Dann das Natural History Museum London besuchen und in einem Wald spazieren gehen. Und endlich nach Hause gehen und einen guten Film sehen, mit leckerem Essen und Trinken.

Bitte begrüßt Nadine ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 21, 2018

Entscheide dich - Nicolas Schuck ist jetzt bei Real Scientists DE!


Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Nicolas Schuck (@nico_schuck) vor! Nico hat in Berlin Psychologie studiert und dort am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und an der HU zum Thema … promoviert. Nach vier Jahren als Postdoc am Princeton Neuroscience Institute kam er 2017 zurück ans Berliner MPI, wo er nun die Max-Planck-Forschungsgruppe NeuroCode leitet. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf Entscheidungsprozessen im Gehirn und wie sie durch Vorwissen und Lernprozesse beeinflusst werden.

Hier ist Nicolas in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte ursprünglich eigentlich Journalist werden. Auf Anraten von befreundeten Journalisten habe ich dann aber nicht Journalismus, sondern Psychologie studiert, und im Studium wurde mir schnell klar, dass mich das Aufstellen von Hypothesen und Testen dieser mit Experimenten eigentlich am meisten fesselt.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich fand den menschlichen Geist schon immer ein wahnsinnig fesselndes Thema. Gleichzeitig habe ich am Anfang meines Studiums sehr damit gehadert, wenn Methoden und Konzepte in der Psychologie aus meiner Sicht “schwammig” wurden. Dann habe ich ein Jahr in Kanada als Austauschstudent verbracht und mich dort mit maschinellem Lernen beschäftigt, einem Teilgebiet der Künstlichen Intelligenzforschung, das eine sehr mathematische Sichtweise auf den Prozess des Lernens hat. Das hat mir nochmal einen ganz anderen Blickwinkel auf die gleichen Fragen eröffnet, die mich auch in der Psychologie schon fasziniert haben: Wie lernen wir und wie nutzen wir Gelerntes zum Entscheiden? Da wurde mir klar, dass mein Platz an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Biologie und Informatik sein würde.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Seit September 2017 leite ich eine Forschungsgruppe, in der wir erforschen, wie neue Erlebnisse im Gehirn verarbeitet werden, wenn Menschen etwas Neues lernen oder Entscheidungen treffen müssen. Wir stellen also Fragen wie zum Beispiel: An welche Erlebnisse erinnern sich Menschen besonders gut? Welche Erlebnisse beeinflussen eine Entscheidung besonders stark? Und wie spiegelt sich das im Gehirn wieder?
Dazu benutzen wir die sogenannte funktionelle Magnetresonanztomographie, eine Technik die es uns erlaubt, ohne äußerliche Eingriffe Vorgänge im Gehirn aufzuzeichnen. Damit können wir Gehirnvorgänge messen, während Probanden Lern- oder Entscheidungsaufgaben lösen. Nach den Messungen fängt der schwierigste Part an, weil wir vor der Frage stehen, was uns die Daten darüber sagen können, wie Lernen und Entscheiden im Gehirn abläuft.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich glaube, dass es im Moment eine spannende Zeit in meinem Feld ist, weil die Erforschung des Gehirns immer schneller voranschreitet. Noch sind wir ziemlich am Anfang, aber ich glaube, dass neurowissenschaftliche Ergebnisse noch in unserer Lebensspanne wichtige Veränderungen für die Allgemeinheit bringen werden, zum Beispiel die Verwendung von Gehirn-Computer Schnittstellen im Alltag.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin natürlich in allerhand andere Sachen verwickelt, die nicht direkt meine eigene Forschung betreffen, zum Beispiel in die Auswahl von Doktoranden für Max-Planck-Doktorandenprogramme, in die Begutachtung von Forschungsvorhaben und -ergebnissen anderer Wissenschaftler, und in die gelegentlichen Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel neulich in einer Grundschule in Kanada oder jetzt hier bei Euch auf Real Scientists.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich versuche mich, sofern es meine Knie erlauben, im Halbmarathon. Halbmarathon bin ich schon zwei mal in New York gelaufen, und die Atmosphäre dort war unbeschreiblich! Der nächste ist in Berlin, und ich freue mich schon drauf. Ansonsten reise ich sehr gerne. Knapp 25 Länder habe ich bestimmt schon gesehen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine interessante Stadt zu Fuß explorieren, bei Sonne und ohne Eile, und am Abend draussen gutes Essen und Wein genießen. Das ganze natürlich mit meiner Freundin, oder auch mehreren Freunden zusammen.    

Bitte begrüßt Nicolas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 14, 2018

Das Gehirn rehabilitieren - Robert Guggenberger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Robert Guggenberger (@agricolabs) vorstellen zu dürfen! Robert hat in Bamberg Pädagogik studiert und in dieser Zeit nebenbei in einer stationären Einrichtung mit Drogenabhängigen gearbeitet. Diese Erfahrungen motivierten ihn später zu seiner ersten (!) sozialwissenschaftlich orientierten Promotion zum Thema "Sucht und Willensfreiheit" an der Uni Tübingen. Die rein philosophische Herangehensweise an dieses Thema war ihm jedoch nicht genug - etwas Angewandteres musste her, und so setzte er im Frühjahr 2017 noch eine zweite, neurowissenschaftliche Promotion drauf: Diesmal zum Thema Neurofeedback zur motorischen Reha nach Schlaganfall. Dr. Dr. Robert arbeitet als Postdoc in der translationalen Neurochirurgie am Universitätsklinikum Tübingen.


Hier ist Robert in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Während meines Studiums zum Diplom-Pädagogen habe ich mit Abhängigen gearbeitet. Meine Erfahrungen waren sehr eindrücklich. Ich wollte dann besser verstehen, ob man Abhängigen für den Rückfall Schuld zuschreiben kann, darf oder sollte. Zu diesem Thema habe ich mich auf ein Promotionsstipendium im Graduiertenkolleg Bioethik der Universität Tübingen beworben, und das erhalten. Das war mein Einstieg.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem ersten Doktor habe ich mich auch auf praktische sozialpädagogische Arbeitsfelder beworben und hatte auch interessante Zusagen. Letztlich habe ich mich aber dann doch für die Wissenschaft entschieden. Ich denke, mich reizte damals die intellektuelle Herausforderung zu sehr.

Mein erster Doktor war ja primär sozialwissenschaftlich und philosophisch, aber das Thema Sucht ist ja interdisziplinär. Daher wollte ich auch die Neurowissenschaften noch besser verstehen. Ich hatte bereits klinisch zur Tiefen Hirnstimulation bei Abhängigkeit publiziert, und so bin ich zum Forschen dann in der Neurochirurgie gelandet.

Was mich in meinem aktuellen Feld hält, ist meine Vorliebe fürs Programmieren und quantitative Datenauswertung, aber auch die elektrotechnischen Aspekte machen mir sehr viel Spaß. Die Betreuung von Studenten macht mir oft Freude, auch wenn es eine große Verantwortung ist.  Generell mag ich Forschung jeglicher Art, vor allem das Gefühl etwas zu verstehen, und die in der Wissenschaft eher übliche offene Kommunikationsstruktur, in der meist die besseren Argumenten gewinnen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meisten sitze ich vor dem PC und schreibe Anträge, Studienprotokolle, Auswertungsskripte, Verwaltungskram, oder Manuskripte. Gelegentlich halte ich Lehrveranstaltungen, bereite Messaufbauten vor und bastle dafür auch elektronische Hardware. Dazu kommen noch regelmäßige Meetings mit Studierenden, Kollegen und Kollaborationspartnern zu unseren unterschiedlichen Forschungsprojekten.

Obwohl ich in der Neurochirurgie arbeite, befassen sich meine Projekte fast alle mit nicht-invasiven Methoden. Thematisch ist das vor allem hirnzustandabhängiges Verfahren zur Neurorehabilitation. Das heißt, wir wollen herausfinden, *wann* und *wie* man das Hirn und das Nervensystem stimulieren muss, um Krankheiten besser behandeln zu können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Hm. Klinische Forschung ist spannend, weil ja jeder betroffen sein könnte und dann davon profitiert. Aber wenn man nicht gerade selber mitmacht, wirkt ja vieles was Wissenschaftler treiben, eher esoterisch, langatmig, und unnötig kompliziert. Und naja, als Ethiker bin ich mit dem Wörtchen *sollen* zurückhaltend, und als Pädagoge mag ich es nicht, wenn man eine Öffentlichkeit erzeugt, der gegenüber jemand dann die Expertenrolle übernehmen soll. Aber was ich glaube, ist dass man davon profitieren kann, einen Blick in den Arbeitsalltag anderer zu werfen. Und eben da der Alltag von Forschern so esoterisch wirkt, kann gute Wissenschaftskommunikation dazu beitragen, diesen Schleier etwas zu lüpfen. Und ganz persönlich mag ich auch einfach die flache Hierarchie der Kommunikation über Twitter.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die Arbeit als Wissenschaftler füllt fast meine gesamte Zeit aus. Leider nehme ich mir auch die Zeit für vieles nicht, sondern lese in meiner Freizeit dann lieber Paper oder ein Fachbuch.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich klettere, und habe vor einigen Jahren auch eine C-Trainerlizenz erworben. Die nutze ich, um zwei-dreimal im Jahr, entweder für den DAV oder den Unisport, Exkursionen anzubieten, z.B. in die Berge oder Mittelgebirge. Am liebsten in meine Heimat, das Frankenjura, zum Sportklettern oder in die Heimat meiner Frau, ins Vorarlberg. Da trifft sich Hobby und Ehrenamt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Sonnenschein, und mit meiner Frau und Freunden skifahren, bergwandern oder klettern. Danach  gut essen und in der Natur campen.


 Bitte begrüßt Robert ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 7, 2018

Mensch-Technik-Interaktion mit Herz - Christiane Attig ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unsere neue Kuratorin Christiane Attig (@filiiinchen) vor! Christiane ist Psychologin mit ungewöhnlichem Hintergrund: Nach dem Abi machte sie eine Lehre zur Buchhändlerin und war anschließend drei Jahre im Beruf tätig, bevor es sie zum Psychologiestudium an die TU Chemnitz verschlug. Dort gefiel es ihr anscheinend so gut, dass sie geblieben ist: Aktuell promoviert Christiane dort am Lehrstuhl für Allgemeine und Arbeitspsychologie im Forschungsprojekt „Sozial agierende, kognitive Systeme zur Feststellung von Hilfsbedürftigkeit“. Wenn sie gerade nicht mit der Erforschung von Mensch-Technik-Interaktion beschäftigt ist, findet ihr sie auf Instagram.

Hier ist Christiane in ihren eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Nach einem semi-erfolgreichen Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolviert und ein paar Jahre in dem Beruf gearbeitet. Ein Stellenwechsel brachte mich in eine Firma, in der es mir nicht besonders gefiel – ich war die meiste Zeit allein in einer winzigen Filiale auf dem Dorf und die Atmosphäre unter den Kollegen war der Arbeitszufriedenheit auch nicht gerade zuträglich. So entstand der Wunsch, mich noch einmal komplett neu zu orientieren, um meine Potenziale besser auszuschöpfen. Ich las schon immer gern Sachbücher, gerade aus dem psychologischen und naturwissenschaftlichen Bereich, und ein Studium der Psychologie war für mich sehr verlockend. Dank der gesammelten Wartesemester konnte ich trotz mittelmäßigem Abi gleich loslegen. Während des Studiums habe ich meine Leidenschaft für die wissenschaftliche Methode kennengelernt und bereits ab dem zweiten Bachelorsemester als studentische Hilfskraft gearbeitet. Positives Feedback meiner Betreuer bestärkten mich in der Überzeugung, dass die Wissenschaft das Feld sein würde, in dem ich arbeiten möchte. Nach dem Masterabschluss wurde an der Professur, an der ich während des Studiums bereits gearbeitet hatte, eine Projektstelle angeboten, die ich im September 2016 angetreten habe.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
An der Professur für Allgemeine und Arbeitspsychologie bin ich aufgrund meines Interesses für die Interaktion zwischen dem Menschen und technischen Systemen gelandet. Woran liegt es, wenn Menschen mit technischen Systemen nicht zurechtkommen? Was kann man tun, damit sie es tun? Und warum gelingt die Interaktion mit technischen Systemen einigen Menschen besser als anderen? Das sind spannende Fragen, die ich gern beantworten möchte.



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Rahmen meines Projekts bin ich verantwortlich für die Konzeption, Durchführung und Auswertung laborexperimenteller Studien. In diesen setzen wir Menschen vor technische Systeme, z.B. Computer, geben ihnen Aufgaben und schauen, wie sie sich dabei verhalten. Mein Fokus liegt dabei nicht auf der Evaluation der Systeme (sog. "Usability"), sondern auf der Reaktion der Personen auf Verhaltens- und emotionaler Ebene. Wohin schauen sie bei der Bedienung? Welche Emotionen lassen sich an ihren Gesichtern ablesen? Was sagen sie währenddessen? Das sind auch einige Fragestellungen, auf die ich in meiner Dissertation eingehen werde. Im Rahmen dieser gehört natürlich auch Literaturrecherche sowie das Schreiben wissenschaftlicher Artikel zu meiner Arbeit. Und nicht zuletzt die Arbeit mit Studierenden – diese unterstützen mich bei der Studiendurchführung und ich betreue ihre Abschlussarbeiten.



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Projekt „Sozial agierende, kognitive Systeme zur Feststellung von Hilfsbedürftigkeit“, in dem ich arbeite, beschäftigt sich u.a. mit der Identifikation beobachtbarer Indikatoren für die Hilfsbedürftigkeit eines Nutzers während der Bedienung eines technischen Systems. Unser Alltag ist immer mehr durchzogen mit technischen Systemen (z.B. Automaten, Smartphones, Tablets etc.), und gerade ältere Personen, die aufgrund des demographischen Wandels besonders bei uns in Sachsen einen immer größeren Anteil der Bevölkerung ausmachen, haben manchmal Schwierigkeiten bei der Bedienung solcher Systeme. Wir arbeiten an der Entwicklung eines Systems, das automatisch erkennen kann, wenn der Nutzer Hilfe bei der Bedienung benötigt. Laborexperimentelle Ansätze werden mit maschinellem Lernen verbunden, um dieses Ziel zu erreichen. Ich denke, dass die Öffentlichkeit von unserer Arbeit enorm profitieren kann. Darüber hinaus interessieren mich weitere Aspekte der Mensch-Technik-Interaktion, z.B. die Nutzung von Activity-Trackern. Ich selbst bin begeisterte Nutzerin, und ich möchte verstehen, was Menschen dazu bewegt, sich einen Tracker anzuschaffen und was die Nutzung mit ihnen macht. Werden sie tatsächlich aktiver? Und warum geben manche Menschen die Nutzung nach ein paar Wochen oder Monaten auf? Damit möchte ich Faktoren identifizieren, die für eine langanhaltende Nutzung und einer damit verbundenen Verbesserung der Gesundheit verantwortlich sind. Ich denke, dass das auch für die Öffentlichkeit spannende Fragen sind, da sich viele Menschen, natürlich insbesondere tatsächliche Nutzer, diese Fragen womöglich selbst stellen. Aber das ist ja ein Faktor, der die Psychologie allgemein so spannend für jedermann macht.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
An der Uni bin ich für den Mailverteiler der Psychologiestudierenden verantwortlich – aber abgesehen davon, dass man manchmal etwas merkwürdige Mails aussortieren muss, ist das wahrscheinlich nicht sehr interessant. ;-) Spannender ist da wahrscheinlich mein Instagram-Account, der sich dort ebenfalls unter @filiiinchen finden lässt. Ich habe in den letzten Jahren einiges an Gewicht verloren und nutze den Account, um andere zu motivieren und zu unterstützen, das gleiche zu schaffen. Außerdem ist auch Instagram ein tolles soziales Netzwerk für Wissenschaftskommunikation. So ist es mir eine Herzensangelegenheit, dort mit Abnehmmythen aufzuräumen und Erkenntnisse aus der Wissenschaft zu teilen, damit weniger Menschen auf Scharlatane und „Wundermittel“ hereinfallen. Mittlerweile folgen mir dort über 6000 Menschen, von denen einige sehr bereitwillig sind, hin und wieder an Studien bezüglich Activity Tracking teilzunehmen, was eine tolle Sache ist. 



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Da ich in Chemnitz arbeite, aber in Leipzig wohne, ist mein hauptsächliches Hobby leider momentan Zugfahren. Aber immerhin komme ich dadurch regelmäßig dazu, meinen Bücherstapel zu minimieren oder Podcasts zu hören (hallo @MInkorrekt!). Davon abgesehen koche ich gern, gehe spazieren, und so oft es geht ins Kino.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
Ausschlafen (normalerweise klingelt der Wecker um 04:30 Uhr), eine Runde auf den Crosstrainer, ausgiebig frühstücken, einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Weißen Elster, nachmittags ein neues Café entdecken, später kochen und ins Kino. Wahlweise wird ein freier Tag aber auch durch ein neues Tattoo perfekt.



Bitte begrüßt Christiane ganz herzlich bei Real Scientists DE!