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Sunday, October 9, 2022

Zwischen den Phasen in der Verfahrenstechnik - Lutz Böhm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns diese Woche auf unseren neuen Kurator Lutz Böhm (@drlutzboehm)! Lutz hat 2009 das Diplom in der Fachrichtung ''Verfahrens- und Energietechnik'' gemacht und arbeitet seitdem am Fachgebiet Verfahrenstechnik der Technische Universität Berlin. 2015 hat er eine Promotion zum Thema „Comparison of single bubble and bubble swarm behavior in narrow gaps inside flat sheet membrane modules“ erfolgreich zu Ende gebracht. Seitdem arbeitet er als Postdoktorand, hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema „Transportphänomene in reaktiven Newtonschen und nicht-Newtonschen Mehrphasensystemen'' aufgebaut und betreut momentan sieben Doktorand:innen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Etwas kompliziert. Zum Ende meines Studiums konnte ich mir eine Promotion und damit die wissenschaftliche Arbeit vorstellen, während viele meiner Mitstudierenden eigentlich nur raus in die Industrie wollten. Irgendwie auch normal bei uns Ingenieur:innen. Ein bisschen ist es durch meinen Vater bedingt, der im Prinzip meinte, dass es ohne die Promotion in der Karriere gläserne Decken gibt, die nicht durchbrochen werden können, man also irgendwann nicht mehr weiter aufsteigen kann. Das ist übrigens in der Ingenieurskarriere durchaus bis zu einem gewissen Grad richtig (aber auch nicht zwangsläufig). Naja, am Ende haben vergleichsweise viele meiner Mitstudierendenden den Weg der Promotion verfolgt, was auch nicht wenig mit der Wirtschaftskrise 2007 und folgend zusammenhing. In der Uni gab es halt noch Jobs, während auch große Unternehmen einen Einstellungsjob lebten. Klingt alles relativ unromantisch, aber so ist es nun mal. Bei mir war das aber, wie gesagt gar nicht der Grund. Ich hatte Lust auf die Promotion und kannte durch meine studentische Tätigkeit am Fachgebiet das Arbeitsumfeld schon. Da hatte ich richtig Lust drauf und habe mich dafür entschieden in Berlin zu bleiben, obwohl ich auch eine Zusage an der vielleicht sogar renommierteren RWTH Aachen hatte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mein aktuelles Feld als PostDoc im Bereich der Verfahrenstechnik lautet „Transport phenomena in reactive Newtonian and non-Newtonian multiphaseflow“ und ist eine logische Fortentwicklung dessen, was ich schon selbst in meiner Promotion gemacht habe, und was mich daneben sowieso interessiert hat. Das spannende daran ist, dass man es auf allen Ebenen betrachten kann, von fundamental im ganz kleinen Maßstab bis zur >500m³ Anlage. Nur kurz: Phasen sind hier also zum Beispiel Gas, Flüssigkeit, Feststoff. Also, wenn man mehr als eine Phase hat, wird das Forschungsfeld schon riesig. In der Realität sind die Systeme häufig aber eben sogar noch komplexer, was sich im Namen meiner Arbeitsgruppe widerspeigelt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin grundsätzlich erstmal ein Wissenschaftlicher Mitarbeit, der über den Haushalt der Uni bezahlt wird. Das bedeutet auch, dass ich Verpflichtungen im Bereich der Lehre, Forschung und universitären Selbstverwaltung habe. Um mal mit letzterem anzufangen bin ich in ein paar Gremien, wo es um die Verteilung von Mittel und Personal in der Fakultät geht und auch um andere Entscheidungen auf Instituts- und Fakultätsebene. 
In der Lehre betreue ich die zwei größten Lehrveranstaltungen bei uns am Fachgebiet. Das eine Fach heißt Physikalische Chemie und ist eine Mischung aus Thermodynamik und Reaktionstechnik. Das andere nennt sich Energie-, Impuls und Stofftransport und da lernen die Studierenden zB warum Schiffe schwimmen können und vor allem, wie man Apparate in der (chemischen) Industrie auslegen kann. Das sind unsere größten Lehrveranstaltungen, weil diese Fächer u.a. von Studierenden der Biotechnologie, dem Technischen Umweltschutz, der Werkstofftechnik, der Lebensmitteltechnologie usw. besucht werden.
Im Bereich der Forschung stehe ich tatsächlich inzwischen normalerweise nicht mehr selber im Labor, auch wenn man das für Photos gerne mal so macht. Ich beantrage Projekte und betreue Doktorand:innen, so dass sie hoffentlich erfolgreich ihr Projekt bearbeiten können. Im besten Fall schreibe ich Übersichtsartikel und präsentiere diese auf Konferenzen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine erste Reaktion leite ich mal von Mai Thi Nguyen-Kim ab und frage: wie kann man sich nicht für MINT Fächer interessieren? Es ist super vielfältig und man lernt die Welt um sich herum zu verstehen.
Speziell auf meinen Bereich bezogen: Potentielle Arbeitgeber für Verfahrenstechniker:innen sind die Chemie-, Pharmazie-, Kosmetik-, Umwelt- und Lebensmittelindustrie. Neben dem klassischen Maschinenbau sind das mit die größten Arbeitgeber in Deutschland und insbesondere die Chemieindustrie wird auch in Zukunft eine extrem wichtige Rolle in der Umstellung dieses Landes auf die neuen Gegebenheiten spielen. Ohne die Chemieindustrie gibt eine keine Wärmedämmung für Häuser, keine Solarzellen, keine neuen Materialien für Batterien und so weiter. An der Herstellung praktisch all dieser wichtigen Prozesse sind Mehrphasensysteme, mein Forschungsthema, beteiligt. Um noch ein anderes wichtiges Thema zu nennen: Will man CO2 aus Abgasströmen herausholen, kann man dieses Gas durch Flüssigkeiten „blubbern“ lassen, das CO2 geht in die Flüssigkeit über und reichert sich dort an, so dass es nicht mit dem Abgas in die Umgebung abgegeben wird. Mit verschiedensten Aspekten dieser Themen beschäftigt sich meine Arbeitsgruppe.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Naja, zusammen mit Kollegen bin ich zB für den Web und Social Media Auftritt unseres Fachgebiets zuständig. Das umfasst einen Instagram- und auch unseren Youtube-Kanal. Und abgesehen davon versuche ich einigermaßen aktiv auf meinem eigenen Twitter Account zu sein. Meine Hauptanliegen sind dort Wissenschaftskommunikation auf verschiedensten Ebenen, von Kolleg:innen bis zur normalen Person, die mit MINT so gar nichts am Hut hat, aber sich vielleicht trotzdem ein bisschen dafür interessiert, und allgemeine Dinge, die mit dem Wissenschaftsbetrieb zu tun haben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessante Hobbies sind eine gute Frage, da ich mit Job und Family schon echt gut eingespannt bin. Trotzdem: Seit vielen Jahren habe ich ein Abo bei einem Hörbuchanbieter und habe dort seit – das erstaunt mich selber – gut 100 Monaten etwa jeden Monat ein Buch gehört. Da gibt es auch Achievements und, wenn auch nicht im echten Leben, habe ich dort zumindest den Status „Professor“. :-) Wenn ich zeit finde, spiele ich gerne noch Playstation, aber dafür habe ich viel zu wenig Zeit. Meine Follower wissen außerdem, dass ich sehr gerne auf Konzerte gehe. Ein Hobby, das sehr in den heftigeren Corona-Zeiten gelitten hat, dieses Jahr aber wieder gut ausgelebt wurde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meine spontane Antwort, da steckt immer noch der Student  in mir, ist das berühmte Zitat von Harald Juhnke: keine Termine und leicht einen sitzen. Aber mal im Ernst: schlafen, alles andere ist fast egal. Ich glaube, alle mit kleinen Kindern werden das verstehen.

Bitte begrüßt Lutz ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, January 2, 2022

Von der Kernresonanzspektroskopie zum Softwareengineering - Sasha Göbbels ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch einen alten Bekannten vorstellen zu dürfen! Sasha Volker Göbbels (@sasha_goebbels) hat uns 2017 in frühen Real-Scientists-DE-Tagen schon einmal beehrt.
Da das schon ein eine Weile her ist, hat er unseren Fragebogen noch einmal aktualisiert:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Seit ich ein Teenager bin, war ich von Chemie fasziniert. Ich bekam Chemiebaukästen geschenkt, habe die Experimentierbücher von Römpp und Raaf durchgearbeitet und ich besaß ein komplettes Kellerlabor in unserem Haus.
Jede Woche fuhr mein Vater mit mir nach Aachen zum Orgelunterricht. Danach folgte meist ein Abstecher ins Laborbedarfsgeschäft. Dort kennt man mich heute noch, nach so vielen Jahren, mit Namen ;)
Manche Chemikalien bekam ich bei unserem Dorfapotheker. Der ist heute einer meiner persönlichen Freunde. Ich stand mit 16 im Giftbuch, weil ich 2.5 Gramm Sublimat (Quecksilberchlorid) für die Zubereitung einer Färbelösung benötigte.
Dann war es irgendwie folgerichtig, in Aachen Chemie zu studieren. Bis zur Diplomzeit das übliche "Naßchemiestudium" und in der Diplomarbeit Theoretische Chemie. Weil sich mit der Zeit die Arbeit mit Computern und deren Programmierung zu einem zweiten Hobby ausgeweitet hatten. Zur Promotion habe ich dann noch mal den Lehrstuhl gewechselt, was zu gewissen politischen Verstimmungen innerhalb des Professorenkollegiums geführt hat. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe eine Vorlesung meines späteren Diplombetreuers über die Theorie der Kernresonanzspektroskopie (NMR) gehört. Wir waren lediglich zu zweit. Irgendwann hab ich den Professor dann nach einer Vorlesung gefragt, ob ich mit ihm über eine Diplomarbeit reden könnte und er bot mir eine Arbeit zu diesem Thema an. Das war genau das, was ich machen wollte.
Leider hat mich dann nach der Promotion nichts mehr in der Wissenschaft halten können, weil einfach kein Geld zur Verfügung stand. Und bei einem Chemieunternehmen wollte ich nicht arbeiten. Also habe ich mein zweites Standbein zum Beruf gemacht.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Zur Promotion: Ich habe im meiner Promotion untersucht, wie man mittels Kernresonanz das Strömen von Flüssigkeiten in porösen Medien untersuchen kann. Eine spezielle Anwendung davon ist die Einstellung des Arbeitsdrucks von Dialysemodulen. Das wurde früher mit radioaktiven Tracern gemacht. Nun kann man das, zumindest theoretisch, mit Kernresonanzspektroskopie machen.
Zu meiner aktuellen Arbeit: Ich arbeite als eine Art "Unicorn" für ein mittelständisches Softwareunternehmen. Da nehme ich verschiedene Tätigkeiten wahr. Von (Senior) Softwareentwickler, Tech Lead (eine Art technischer Projektleiter), Softwarearchitekt und Engineering Manager im Allgemeinen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich habe ganz allgemein gesehen einen Werdegang, den wahrscheinlich relativ viele Menschen mit oder nach einem wissenschaftlichen Studium genommen haben oder nehmen werden. Ich habe den klassischen Wissenschaftsbereich verlassen und bin in der Industrie (in meinem Fall IT) gelandet. Unter anderen über diesen Übergang würde ich gern sprechen und warum das Studium keine verlorene Zeit war.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe einige private/persönliche Blog Projekte, die gerade in der Entwicklung sind, deshalb kann ich dazu noch nicht so viel sagen. Aber zusätzlich bin ich Konferenzspeaker. Oder besser gesagt: ich liebe es, Vorträge auf Konferenzen zu halten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zu viele, um sie alle aufzuzählen! Ich beschäftige mich mit Modetheorie (ja, das gibt es wirklich), Digital Humanities (also dem Bereich, wo IT und Soziologie/Psychologie etc. zusammen spielen) und ich koche und backe gern. Ob ich das gut mache sollten andere beurteilen :) Außerdem höre ich gerne Podcasts. Mein Podcatcher listet gerade 143 abonnierte Podcasts, die ich aber nicht alle Regelmäßig höre 🙈

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich schlafe relativ lange, wobei ich am frühen Morgen meist kurz raus muss, um eine bestimmte Katze vor dem sicheren Hungertod zu bewahren. Ich lese relativ viel, ich koche oft und am Wochenende bin ich meist bei meinen Schwiegereltern zu Abendessen eingeladen. Da freue ich mich als Katzenmensch jedes mal drauf, weil ich dann mit dem Schwiegerhund eine Runde drehe. Der freut sich auch. Ob das am Spaziergang liegt oder daran, dass ich immer ein "Leckerli" mitbringe, möchte ich nicht beurteilen :)

Bitte begrüßt Sasha ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 6, 2021

Das Klima der Exoplaneten - Julia Seidel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Julia Seidel (@JuliaVSeidel) vorstellen zu dürfen! Julia ist studierte Physikerin und hat ihren Bachelor an der TU Darmstadt absolviert. Ihren Master bekam sie dann am Imperial College London und verbrachte einige Zeit in Paris an der Ecole Normale Supérieure und in Bogotá an der Universidad de los Andes. Von 2017 bis 2021 war sie Doktorandin an der Universität Genf, und arbeitet dort nun als PostDoc.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Da gab es für mich schon sehr früh keine Zweifel, ich wollte schon immer hinter das ‘warum’ der Dinge kommen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mir ist es immer schwer gefallen mich nur auf ein Feld zu konzentrieren, bis zum Ende des Masters habe ich bestimmt 4-5 Mal den Schwerpunkt gewechselt. Jetzt mache ich viele Dinge auf einmal: Atmosphärenphysik, Astronomie, Chemie, und das macht es immer wieder spannend.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich erforsche das Klima and ganz speziell den Wind auf Exoplaneten, Planeten außerhalb des Sonnensystems, und benutze dabei das Licht des Heimatsterns um die Atmosphäre zu durchleuchten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Unsere Erde ist nur einer von vielen Planeten. Um unsere Heimat richtig zu verstehen, müssen wir verstehen wie Planeten im Allgemeinen funktionieren.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Mehrmals im Jahr reise ich nach Chile zu den größten Teleskopen der Welt um neue Beobachtungen zu tätigen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich zeichne sehr gerne, auch Exoplaneten :)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ganz weit weg in einer neuen Stadt treiben lassen und die Leute beobachten.

Bitte begrüßt Julia ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 4, 2020

Das Essen unserer Vorfahren - Simon Hammann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Simon Hammann (@simon_hammann) vorstellen zu dürfen! Simon hat an den Universitäten Stuttgart und Hohenheim Lebensmittelchemie studiert. Nach dem Abschluss seines Diploms 2012 promovierte er anschließend bei Prof. Walter Vetter an der Universität Hohenheim über Analytik von Lipiden (also Fetten) in Lebensmitteln. Im Anschluss wechselte er 2016 als Postdoc an die Universität Bristol, wo er über Lipide in der archäologischen Chemie geforscht hat. Seit Dezember 2019 ist er Juniorprofessor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das sagt Simon über sich in seinen eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 

Nach der Doktorarbeit nicht schnell genug den Absprung geschafft. Ich wollte auf jeden Fall noch ein bisschen forschen und hatte einen DAAD Antrag für ein Postdocprojekt gestellt, der wurde leider abgelehnt. Ich habe dann aber eine super Postdocstelle in Bristol bekommen. Dort habe ich mich dann wirklich entschieden, in der  Wissenschaft zu bleiben und konnte das durch die Stelle in Erlangen nun auch verwirklichen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Als jemand der zwischen Archäologie und Lebensmittelchemie herumspringt ist es gar nicht so leicht zu sagen, was mein Feld ist. Der gemeinsame Nenner ist die analytische Chemie und Lipide, und beide finde ich wahnsinnig faszinierend. Die Details, die man analytische erfassen kann, die Vielfalt an Lipidstrukturen, die vielen biologischen, technologischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften geben einfach sehr viele Anknüpfungspunkte, die es zu erforschen gilt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich beschäftige mich derzeit vor allem mit dem Einfluss der Verarbeitung auf die Lipidzusammensetzung in Lebensmitteln. Viele Lipide sind oxidationsempfindlich, etwa die bekannten w3-Fettsäuren, und bei höheren Temperaturen kann diese Oxidation noch beschleunigt werden. Ich möchte diese Prozesse im Lebensmittel genauer untersuchen und verstehen, welche Produkte entstehen und wie diese im Hinblick auf die Qualität und Sicherheit der Lebensmittel zu bewerten sind. Für diese Arbeit verwende ich instrumentell-analytische Methoden wie Chromatographie, Ionenmobilitäts- und Massenspektrometrie. Darüber hinaus beschäftige ich mich aber immer noch mit der Analyse archäologischer Lipide.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?   
Wir alle essen jeden Tag, und meistens bereiten wir das Essen vorher auch zu, erhitzen es. Dabei möchte man ja wissen, was man denn eigentlich isst und ob der Fisch nach dem Braten denn noch so gesund ist wie wir denken. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 
Neben den üblichen – Manuskripte und Anträge begutachten – bin ich seit kurzem Mitglied des Editorial Boards des NFS Journals und ab nächstem Semester Mitglied der kollegialen Leitung des Departments Chemie und Pharmazie. Im September hab ich außerdem eine Posterkonferenz der Lebensmittelchemischen Gesellschaft mitorganisiert, was auch sehr spannend war.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Meine Freizeit verbringe ich auf dem Sportplatz mit der Leichtathletik. Ich trete selbst noch bei Wettkämpfen an (meistens Weitsprung), bin aber auch Schiedsrichter und habe es so zur EM in Berlin 2018 geschafft! 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
 Gemütlich aufstehen, großes Frühstück, aufs Sofa legen, Kuchen essen, noch ein bisschen auf dem Sofa liegen, Laufen gehen, schönes Abendessen. Das wärs.

Bitte begrüßt Simon ganz herzlich bei Real Scientists DE!    

Sunday, May 17, 2020

Licht rein, Strom raus - Sascha Feldmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Sascha Feldmann (@sascha_feldmann) vorstellen! Sascha ist gebürtiger Ostfriese, den es dann für ein Studium der Chemie nach Heidelberg verschlagen hat. Nach einem Erasmus-Jahr an der Uni Cambridge hat ihm das englische Wetter so gut gefallen, dass er für eine Promotion in Physik dorthin zurückgekehrt ist. Er forscht derzeit an neuartigen Materialien für effizientere LEDs und Solarzellen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich fand eigentlich alle Formen von Wissenschaft schon immer interessant. Vor allem, wenn es kracht und stinkt, fand ich das als Kind immer besonders cool. Vom obligatorischen Chemie-Baukasten über viele Silvester-Aktionen hin zur Leidenschaft fürs Kochen, hat sich dann nach und nach Chemie herauskristallisiert für mich. Nach der Schule hätte ich mich fast dazu entschieden Philosophie zu studieren, weil es so „allumfassend“ erschien. Letztendlich habe ich dann aber doch Chemie in Heidelberg studiert und von da an hat mich die Wissenschaft so richtig gefesselt.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ja Momentchen mal: das klingt doch alles sehr nach Chemie und nicht Physik, oder?! Im Prinzip fand ich Physik von den Naturwissenschaften noch am langweiligsten, dann doch eher Bio. Nachdem ich aber fünf Jahren Studium vor allem gelernt hatte, wie ich neue Materialien synthetisiere, fand ich es zunehmend interessanter zu verstehen, warum ein Material so beschaffen ist wie es eben ist. Dazu ist die Wechselwirkung mit Licht ein super Hilfsmittel und das Arbeitsfeld dazu die Spektroskopie. Mittlerweile promoviere ich in Physik, mit Lasern, Halbleitern und allem was dazu gehört. Aber im Herzen fühle ich mich immer noch eher als der Chemiker der verstehen will, warum dieses neue Material jetzt so schön leuchtet!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In meiner Arbeit geht es darum, die Eigenschaften von neuartigen Halbleiter-Materialien zu verstehen. Im Fokus der Arbeit standen dabei bisher sogenannte Perowskite, auf die ich im Laufe der Woche mehr eingehen werde. Aber im Prinzip finde ich alle möglichen molekularen Materialien spannend, solange sie mit Licht wechselwirken. Dabei besonders spannend sind immer zwei Anwendungen: Licht rein und Strom raus, was wir Solarzelle nennen, oder Strom rein, Licht raus, was eine LED auszeichnet. Wann ein neues Material gut in dem ein oder anderen ist, möchte ich genauer verstehen. Und das geht am besten (wie so oft?), indem man mit einem Laser drauf schießt.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich finde es absolut faszinierend, dass man mit chemischem Verständnis Materialien herstellen kann, die die verrücktesten Eigenschaften besitzen – und zum Beispiel in allen erdenklichen Farben leuchten kann. Aber mir ist auch klar, dass so etwas per se nicht wirklich große Relevanz für die Gesellschaft hat. Absolut wichtig wird unsere Forschung hingegen in Hinblick auf den global wachsenden Energie-Bedarf, der in direktem Gegensatz zum stattfindenden Klimawandel steht. Wir brauchen dringend günstigere und effizientere Beleuchtung, wozu auch Displays aller Art und Telekommunikation gehören. Ebenso muss Solarenergie unsere Hauptquelle für Energie weltweit werden, und zwar möglichst schnell. Damit das passiert, müssen Solarzellen allerdings noch billiger und noch effizienter werden – und genau das erhoffen wir uns bei der Erforschung dieser neuartigen Materialien.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Präsident des SPIE Student Chapter Cambridge. Die SPIE ist eine internationale Gesellschaft für Optik & Photonik und mit unserem Ableger in Cambridge wollen wir dies Faszination und Relevanz dieser Technologien rund ums Licht einem breiteren Publikum vermitteln. Dazu gehören anschauliche Experimente in Schulen durchzuführen, oder bei Tagen der offenen Tür generelle Einblicke in die Forschung zu ermöglichen. Genauso wichtig sind aber auch unsere Veranstaltungen für junge Forscher dieses Feldes, für die wir Diskussions-Runden, Fachvorträge, aber auch zum Beispiel Sommer BBQs mit Impro-Workshops veranstalten.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich koche und backe für mein Leben gern, ob molekular oder traditionell und immer gerne mit Freunden – je mehr desto besser. Leider lässt das die Arbeit nicht immer zu. Wo ich aber absolute Priorität drauf gebe und auch die Promotion nicht in den Weg kommen lasse, ist es ins Gym zu gehen. Nichts ist besser als nach einem nervigen Labor-Tag beim Bankdrücken so richtig schön Dampf abzulassen, und auch das gerne mit Gym-Buddies!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Morgens mit Freunden ins Gym, dann weiter zu einem Brunch in einem unserer Colleges in Cambridge, oder noch besser direkt Einkaufen gehen für ein sonniges BBQ auf der Wiese mit viel Pimm’s Bowle und guter Musik, bis spät in den Abend hinein.

Bitte begrüßt Sascha ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 26, 2020

The Chemical Sisters - Christine und Steffi Kern sind jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche haben wir etwas ganz besonderes vorbereitet: Mit großer Vorfreude möchten wir euch mit Christine und Steffi Kern (@ScienTwins) unsere ersten Zwillingskuratorinnen vorstellen! Christine und Steffi haben beide an der TU Darmstadt ihren Bachelor und Master in Chemie gemacht, sind im Anschluss für ihre Promotion an die Uni Gießen gewechselt und haben sich auf analytische Chemie spezialisiert. Christine ist weiterhin am Physikalisch-Chemischen Institut in Gießen, während es Steffi im November an die University of Nottingham verschlagen hat, wo sie an der School of Pharmacy als ToF-SIMS Facility Managerin arbeitet. Hier sind die beiden in ihren eigenen Worten: 

Wie seid ihr in der Wissenschaft gelandet?



 
Christine: Ich kann mich nicht an einen bestimmten Moment erinnern, ab dem ich wusste, dass ich Wissenschaftlerin werden wollte. Vielmehr hatte ich schon immer sehr viel Spaß am Experimentieren, am Beobachten und am Entdecken neuer Dinge. Schon als Kind habe ich zusammen mit meiner Zwillingsschwester mit Experimentierbaukästen gespielt. In der Schule haben wir dann in der Oberstufe zusammen mit einer Freundin an Jugend Forscht teilgenommen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich für ein Chemiestudium entschied. Die analytische Chemie hat mich am meisten fasziniert, und das ist bis heute so geblieben.

Steffi: Seit unserer Kindheit machte es mir Spaß, Dinge zu analysieren, Experimente zu machen und die Natur zu beobachten. Meine Zwillingsschwester und ich bekamen immer kleine Experimentierkästen zu Weihnachten und zum Geburtstag. Ich erinnere mich, dass ich mich auf die ersten Chemievorlesungen in der Schule gefreut habe. Zusammen mit meiner Schwester nahm ich in der 12. /13. Klasse auch an "Jugend forscht" teil. Das eigenständige Forschen im Schullabor hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich beschloss, nach dem Abitur Chemie an der Universität zu studieren.

 
Warum habt ihr euch für euer aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält euch dort?
 
Christine und Steffi: Wir arbeiten beide aktuell im Bereich der analytischen Chemie. Dieses Gebiet hat uns schon während des Studiums besonders fasziniert. Man ist im Prinzip wie ein Detektiv auf der Suche nach Antworten und Zusammenhängen. Als Analytikerinnen können wir auch in verschiedene Forschungsbereiche eintauchen (z.B. Analyse von biologischen Proben, Polymeren, Zellen, Knochen u.v.m.), da wir eher mittels einer Methode arbeiten. Das macht diesen Bereich der Chemie besonders spannend.


Erzählt uns etwas über eure Arbeit!

Christine: Im Rahmen meiner Doktorarbeit untersuche ich die Mobilität von Strontium in Knochen mit Hilfe der Sekundärionen-Massenspektrometrie (ToF-SIMS). Meine Doktorarbeit ist Teil des (leider mittlerweile beendeten) SFB Transregio 79 „Werkstoffe für die Geweberegeneration im systemisch erkrankten Knochen“. Ziel dieses interdisziplinären Forschungsverbundes war die Entwicklung, Untersuchung und Testung neuer Knochenersatzmaterialien und Implantatwerkstoffe für den systemisch erkrankten Knochen. Osteoporose ist eine solche systemische Knochenkrankheit, von der 1 von 3 Frauen und 1 von 5 Männern im hohen Alter betroffen ist und die nicht nur zu vermehrten Knochenbrüchen führen, sondern auch oft auch zu schlecht (im Sinne von unvollständig, verlangsamt) heilenden Knochenfrakturen. In den letzten Jahren hat sich Strontium als Wirkstoff herauskristallisiert, der sich positiv auf die Knochenheilung auswirkt. Daher spielt Strontium in der Entwicklung neuer Knochenimplantatmaterialien eine große Rolle.

Steffi: Als ToF-SIMS Facility Managerin in der School of Pharmacy in Nottingham bin ich für zwei Großgeräte verantwortlich, für ein ToF-SIMS IV und ein 3D-OrbiSIMS. Das 3D-OrbiSIMS ist ein sekundäres Flugzeit-Massenspektrometer (ToF-SIMS) mit hybrider OrbiTrapTM-Funktionalität und das erste seiner Art in einem akademischen Umfeld. Ich bin darauf spezialisiert, die chemischen Eigenschaften von verschiedenen Materialoberflächen zu analysieren und zu verstehen. Meine Aufgaben bestehen darin Messungen durchzuführen, Daten auszuwerten und Studenten die Arbeit mit den Geräten näher zu bringen. Als Facilty Managerin betreue und bearbeite ich außerdem Anfragen aus der Industrie und von externen Wissenschaftlern. Das Spannende an der Arbeit ist, dass ich die verschiedensten Proben untersuchen kann, von Polymeren, Drug Delivery Systems, Metallen bis hin zu Zellen und Gewebe.


Warum sollte sich die Öffentlichkeit für eure Forschung/Arbeit interessieren?
 
Christine: Interessant an meiner Forschung ist, dass Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachdisziplinen (Medizin, Chemie, Materialwissenschaften, Biologie, Mathematik), in verschiedenen Abschnitten ihrer wissenschaftlichen Laufbahn und an verschiedenen Standorten (Gießen, Dresden, Heidelberg) eng miteinander an neuen Materialien für systemisch erkrankten Knochen gearbeitet haben. Osteoporose ist mittlerweile eine Volkskrankheit, die Frakturen bei immer mehr älteren Patienten zur Folge hat. 1 von 3 Frauen und 1 von 5 Männern im hohen Alter sind von dieser Krankheit betroffen. Die neuen Implantate und Ersatzstoffe, welche die Knochendefekte auffüllen, sollen den Knochen animieren, sich selber besser aufzubauen während der Heilung. Meine Arbeit, nämlich die experimentelle Bestimmung der physikalischen Parameter des Strontiumtransportes im Knochen, soll außerdem dazu beitragen, dass in Zukunft weniger Tierversuche nötig sind. Sind nämlich die Parameter des Strontiumtransportes im gesunden und osteoporotischen Knochen bekannt, sind mathematische Simulationen möglich, wodurch sich die Anzahl der Tierversuche bei der Validierung neuer Implantatmaterialien reduzieren kann.
 
Steffi: Bei meiner Arbeit analysiere ich ein breites Spektrums von Materialien, einschließlich Pharmazeutika, Maschinenkomponenten, Hochleistungsbeschichtungen, Polymere, Kosmetika, Textilien, geologische Proben usw. Bei der Entwicklung neuer Produkte, Materialien oder der Fehleranalyse wird häufig eine einfache und präzise Lösung für applikative Fragestellungen gewünscht. Mittels der ToF-SIMS bzw. 3D-OrbiSIMS Technologie können Oberflächen und Querschnitte bis in den Mikro- und Nanometerbereich ohne aufwendige Probenpräparation charakterisiert werden. Diese Technik untersucht jedoch nicht nur die chemische Zusammensetzung einer Probe, sondern kann auch als Ionenmikroskop eingesetzt werden. Dabei wird die laterale Verteilung der chemischen Verbindungen bildlich dargestellt. Durch diese Technik ist also eine umfassende Charakterisierung von Proben, Defekten, Ablagerungen, etc. möglich. Das macht die Flugzeitsekundärionenmassenspektrometrie so interessant für viele Bereiche in der Wissenschaft und Industrie.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen ihr uns erzählen möchtet?

Christine und Steffi: Wir haben zu viele Hobbys und zu wenig Zeit ☺. Unser größtes Hobby sind unsere drei Katzen. Dann treffen wir uns normalerweise oft mit unseren Freunden, zum Kochen, zum Kartenspielen (Munchkin und Unstable Unicorns) oder einfach zum Quatschen. Filme und Serien zu schaeuen, sowie lesen (Bücher, Comics) sind ebenfalls ein großes Hobby von uns. Musik machen wir auch. Früher haben wir in einem Blasorchester gespielt (Christine: Tenorhorn, Steffi: Trompete). Im Moment versuchen wir uns an Gitarre und Keyboard. Und ab und zu malen wir auch (Acryl auf Leinwand oder digital mit dem iPad).




 
Wie sieht euer idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
 
Christine und Steffi: Spät aufstehen, zusammen mit Freunden zum Brunchen fahren oder zusammen kochen, anschließend einen Kinofilm gemeinsam anschauen oder in ein Museum gehen.


Bitte begrüßt Christine und Steffi ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, March 23, 2020

Im molekularen Maschinenraum - Simon Dürr ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Simon Dürr (@simonduerr) vorstellen! Simon ist Computerchemiker und entwickelt neue Biokatalysatoren. Nachdem er an der Uni Konstanz seinen Bachelor und Master in Life Sciences gemacht hat, zog es ihn an die EPFL in Lausanne in der Schweiz, wo er am Institut für Chemie und Chemieingenieurwissenschaft promoviert.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin auf einem Bio-Bauernhof am Rande des Schwarzwalds aufgewachsen und war als Kind begeisterter Fan von Heinz Sielmann, Stück für Stück hat sich mein Interesse dann von Tieren auf Biochemie gewandelt. Gleichzeitig war ich schon immer ein Fan von Technologie. Ich habe dann Life Science an der Universität Konstanz studiert, was einen guten Mix aus Chemie, Biologie und ein wenig Bioinformatik/Computerchemie beinhaltete.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als Computerchemiker befinde ich mich nun genau an der Schnittstelle von Biochemie und Technologie, die mir Spaß macht. Ich bin zudem eher jemand der im Labor für Chaos sorgt und fühle mich wohler wenn sich die Chemie vor mir auf dem Bildschirm abspielt und ich sie nicht riechen muss. Was einem nämlich niemand sagt, ist das organische Chemie ganz schön stinken kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich entwickle Methoden, um am Computer Enzyme zu simulieren und etwas über deren Tauglichkeit als Biokatalysator herauszufinden. Wir können zum Beispiel die Reaktion im aktiven Zentrum des Enzyms modellieren und deren Energiebarriere berechnen, wir können die Dynamik des Enzyms berechnen oder wir können am Computer Modifikationen am Enzym vornehmen und so teure Laborexperimente einsparen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Vom Menschen veränderte Enzyme hat jeder Mensch nahezu täglich in der Hand sei es in Waschmitteln oder in unseren Lebensmitteln. Enzyme sind kleine molekulare Maschinen, die für viele industrielle Prozesse sehr nützlich sein können. Und das beste an Ihnen ist, dass sie nachhaltig sind. Mit Biokatalyse also Katalyse chemischer Reaktionen durch ein Enzym lässt sich viel Energie sparen und die Umwelt schonen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich arbeite neben meiner Promotion meist 2 Wochenenden im Monat auf einem Biobauernhof und hole mir dort meine Abwechslung von meinem Bürojob.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Neben meiner Bauernhoftätigkeit bin ich auch gerne in den Bergen, mit dem Rad unterwegs und segle auf dem Lac Léman (Genfer See), gerne auch unter etwas extremeren Bedingungen. In meinem Austausch in Schweden haben wir zum Beispiel mal eine Langlauftour im schwedischen Fjäll mit Zeltübernachtungen bei -28°C gemacht. Mittlerweile sind die Alpen und der Schweizer Jura meine Hausberge.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Entweder mit meiner Freundin in den Bergen morgens im Zelt aufwachen, den Sonnenaufgang anschauen und den Tag über die Landschaft erkunden oder auf dem Bauernhof den Tag über produktiv sein und abends die Früchte der Arbeit, wie Pizza aus eigenem Mehl, essen.

Bitte begrüßt Simon ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 15, 2019

Chemie, Wisskomm und Quokkas - Lars Fischer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Lars Fischer (@Fischblog) vorstellen zu dürfen! Lars Fischer ist Redakteur bei »spektrum.de« und »Spektrum - die Woche«, betreut die Blogplattform »SciLogs« und betreibt mit »Spektrum«-Redakteur Mike Beckers den Youtube-Kanal »Wir Werden Alle Sterben«. Seine wichtigsten Themen sind Chemie und Materialforschung, Infektionskrankheiten, Naturkatastrophen und Quokkas.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin gelernter Chemielaborant und habe dann studiert.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin in den Journalismus irgendwie reingerutscht.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich schreibe und redigiere Artikel über diverse Wissenschaftsthemen, betreue freie Autorinnen und Autoren, mache technischen Kleinkram auf der Website und manage das Blogportal @SciLogs.de.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil Journalismus und Medien die wichtigste Quelle für Wissenschaftsinformationen sind und man wissen sollte, wie aus einem Forschungsergebnis ein Text wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich halte Vorträge über verschiedene Wissenschaftsthemen wund bin gelegentlich als Referent bei Veranstaltungen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Viel lesen, gelegentlich Games.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wenn ich zu Hause bin, sitze ich gern mit Tee und Buch in meinem Lesesessel oder koche. Ansonsten treffe ich Freunde in Heidelberg oder fahre auch ma weiter weg.

Bitte begrüßt Lars ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 26, 2019

Genom-Sequenzierung - Sarah Pohl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Sarah Pohl (@LilithElina) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Sarah hat in Braunschweig Biologie studiert, bevor sie nach ihrem Master in den Sales & Marketing Bereich eines Start-ups wechselte, das Bioinformatik-Software vertreibt. Während sie dort diverse soziale Medien Kanäle betreute, erfuhr sie vom "CodeYear 2012" und begann, Programmieren zu lernen. Mit diesem neuen Wissen und frischem Elan kehrte sie in die Wissenschaft zurück, promovierte mit Bioinformatik und arbeitet nun als Postdoc in Hannover, wo sie auch mit ihrem Partner und einjährigem Sohn lebt.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe mich in der Schule für Biologie als Leistungskurs entschieden und es hat mich nicht genug abgeschreckt, um mich von einem Biologie-Studium abzuhalten. Erst während/nach meiner Masterarbeit habe ich realisiert, dass die Arbeit im Labor mir zwar Spaß macht, aber nicht wirklich liegt - da bin ich dann zum "Schreibtischtäter" geworden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe aus Interesse angefangen, Programmieren zu lernen, und weil mir das gefiel, habe ich nach Stellen gesucht, bei denen ich das machen kann, ohne dass mein Studium "ganz umsonst" war. So kam ich dazu, einen Doktor in Bioinformatik (oder wie man das Feld nennen möchte) zu machen. Inzwischen bin ich Postdoc in meiner Arbeitsgruppe und teste noch so ein bisschen aus, in welche Richtung ich in Zukunft gehen möchte.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Arbeitsgruppe wird mit Bakterien - hauptsächlich Pseudomonas aeruginosa - gearbeitet. Meine Kollegen im Labor sequenzieren zum Beispiel die Genome von Stämmen aus Krankenhäusern und testen deren Resistenz gegen Antibiotika. Wir Bioinformatiker bekommen die Daten dann und schauen, ob wir in den Genomen Gründe für diese Resistenzen finden.

Generell besteht meine Arbeit zu ähnlich großen Teilen aus solch einer Auswertung von Daten und aus einem Datenbank-Projekt, das ich vor anderthalb Jahren "geerbt" habe. Die Datenbank heißt "Bactome" und beinhaltet viele der Daten, die wir im Laufe der letzten Jahre generiert haben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Problem der Antibiotika-Resistenz ist ja inzwischen auch öffentlich bekannt - wir versuchen hier unter anderem, neue, verlässliche und schnelle Wege zu finden um diese zu diagnostizieren. Das hätte den Vorteil, dass man Patienten von Anfang an richtig behandeln kann.

Außerdem möchte ich ein wenig die Aufmerksamkeit auf dieses wachsende Feld der Bioinformatik/Datenanalyse lenken. Biologie muss nicht mehr nur im Labor stattfinden, viele meiner Kollegen analysieren die Daten, die sie generieren, selbst. Und: Programmieren macht Spaß!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Im Moment fehlt mir dazu leider die Zeit, aber ich habe einen tumblr Blog zum Thema Datenanalyse, auf dem ich meine Ergebnisse aus einer Coursera-Kursreihe publiziert und diskutiert habe: https://lilithelina.tumblr.com/BCCIUoverview

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Bevor es mit der Abgabe meiner Doktorarbeit akut wurde, war ich in einem Posaunenchor aktiv. Leider habe ich den Wiedereinstieg durch Umzug und Schwangerschaft nicht geschafft. Inzwischen hält mich mein einjähriger Sohn sogar vom Lesen meiner Fantasy und SciFi Bücher ab und hat sich zu meinem einzigen "Hobby" entwickelt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ruhe und Entspannung fände ich gut, meist bin ich aber auch mit schönem Wetter und einer Radtour mit Partner und Kind zufrieden (besonders wenn es dazu noch ein Eis gibt).

Bitte begrüßt Sarah ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 31, 2019

Lass uns über Chemie reden - Laura Howes ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Laura Howes (@L_Howes) vorstellen! Eine Britin in Deutschland: Laura hat in Oxford Chemie studiert, danach aber eine Karriere in der Wissenschaftskommunikation und dem Wissenschaftsjournalismus eingeschlagen. Seit 2013 wohnt Laura in Heidelberg und arbeitet heute als Wissenschaftsjournalistin für Chemical & Engineering News, einer Zeitschrift für Mitglieder der Amerikanischen Gesellschaft für Chemie.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Ich bin in England aufgewachsen mit Eltern, die in technologischen und wissenschaftlichen Jobs gearbeitet haben und in der Schule waren die naturwissenschaftlichen Fächer immer meine Lieblingsfächer. Mit diesem Hintergrund und diesen Interessen war es für mich logisch, Chemie zu studieren. Damals hatte ich keinen Karriereplan - ich wusste nur, dass es viele Möglichkeiten für jemand mit einem Chemiediplom gibt.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem Diplom wollte ich nicht mehr im Labor arbeiten, die Wissenschaft und die Chemie mochte ich aber noch. Heute arbeite ich nicht mehr als Wissenschaftlerin, aber in der direkten Nachbarschaft der Wissenschaft, und ich hoffe, auf diesem Weg nicht nur in Kontakt mit Wissenschaft zu bleiben, sondern auch Wissenschaft und die Wissenschaftskultur zu verbessern. Vielleicht bin ich ein Idealist!

  
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Journalist*innen sollten den Leuten die Information geben, die sie brauchen, um Entscheidungen über wichtige Dingen zu treffen. Für unsere Leser, die in der Chemie arbeiten, ist anderes wichtig als z.B. für einen Kassierer. Der Großteil meines Jobs besteht darin, Artikel von Chemiker*innen zu lesen und andere über diese Artikel und wissenschaftlichen Themen zu befragen. Anschließend spreche ich mit meinen Kolleg*innen, und wenn wir uns über die Story einig sind, schreibe ich los.
 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit interessieren?

Ich habe ein gemischtes Jobprofil mit einem sogenannten "alternativen Wissenschaftsjob" und kann daher den Redaktionsprozess der Wissenschaftsnachrichten erklären.
Wenn ihr mein schlechtes Deutsch entschuldigt, kann ich auch die Schwierigkeiten und Freuden teilen, die ich als Migrantin in Deutschland erlebe. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin zweiter Vorstand eines Vereins für Bioinformatiker*innen und interessierten Leuten in Heidelberg und Umgebung: HeidelbergUnseminars in Bioinformatics.
Obwohl ich zunächst Chemie studiert habe, habe ich von 2011 bis 2017 neben meinem Job zusätzlich ein Bachelorstudium in Kunstgeschichte absolviert. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Nur das Übliche – skifahren, joggen, bouldern, Musik spielen. Ah ja, ich bin auch Hobbybrauerin. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Ein angenehmer Tag mit Freunden und auch etwas Kulturelles, wie z.B. eine Ausstellung oder ein Konzert am Abend.

Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 24, 2019

Die Koordination von Atomen - Janine George ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Janine George (@MolecularXtal) vorstellen zu dürfen! Janine hat ihr Bachelor- und Master-Studium an der RWTH Aachen absolviert. Zwischen Bachelor und Master war sie Gaststudentin für wissenschaftliches Rechnen am Forschungszentrum Jülich. Von 2013 bis 2017 promovierte sie an der RWTH Aachen im Bereich der computergestützten Festkörperchemie. Seit 2018 ist sie Postdoktorandin an der Université catholique de Louvain in Louvain-la-Neuve, Belgien. Dort beschäftigt sie sich der Berechnung von Materialeigenschaften und deren Beziehung zur Kristallstruktur.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Einen Einfluss darauf hatte sicher die Serie „Unsichtbar“ („Out of sight“). Dort kannte sich ein junger Schüler sehr gut mit Chemie aus und konnte so eine Chemikalie herstellen, die unsichtbar machte. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Viertklässlerin bei der Besichtigung der weiterführenden Schule fragte, wann der Chemieunterricht anfängt. Leider musste ich noch bis zur 8. Klasse warten. Ich war tatsächlich ziemlich enttäuscht darüber, dass ich noch so lange warten musste. Dann kamen normaler Chemieunterricht, Chemieleistungskurs, Teilnahme an der nationalen Auswahl der Chemieolympiade, mein Chemiestudium und die Promotion. In der Zeit gab es eigentlich selten Zweifel daran, dass ich Wissenschaft machen möchte. Mir macht es unglaublichen Spaß, wissenschaftliche Probleme zu lösen. Und gerade bei neuen Problemstellungen fällt es mir oft sehr schwer aufzuhören. Wissenschaft ist für mich wie ein großes Geduldsspiel.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
In meinem Studium habe ich mich auf Festkörperchemie und Computerchemie spezialisiert. Das faszinierte mich am meisten. Das war dann auch Thema meiner Promotion. Dort habe ich voraussetzungsfreie (ab initio) Rechenmethoden verwendet, die nur Naturkonstanten und keine Messwerte verwenden, um unter anderem die Bewegung von Atomen in Kristallen bei verschiedenen Temperaturen zu beschreiben und zu untersuchen. Diese Bewegung ist unter anderem für die Bestimmung der Kristallstruktur eines Materials von Bedeutung und meine Berechnungen haben in diesem Zusammenhang bereits geholfen. Die Fähigkeiten, die ich während meiner Promotion und auch schon davor erlernt habe, helfen mir auch jetzt noch, auch wenn sich der Fokus meiner Forschung ein wenig verschoben hat. Jetzt suche ich nämlich auf Grundlage dieser voraussetzungsfreien Rechenmethoden nach neuen Materialien für bestimmte Anwendungen (z.B. in Solarzellen, Batterien). Um das erfolgreich machen zu können, müssen deutlich mehr Materialien berechnet werden. Dazu ist viel Automatisierung nötig. Neben der Aussicht, neue spannende Materialien an sich zu finden, macht mir auch dieser eher technische Teil der Automatisierung und Datenanalyse großen Spaß.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Jetzt wird es ein wenig abstrakt. Im Moment beschäftige ich mich hauptsächlich mit sogenannten Koordinationsumgebungen in Kristallstrukturen, die dazu benutzt werden nächste Umgebungen von Atomen in Kristallen zu beschreiben. In folgendem Beispiel wäre X linear von zwei Sauerstoffatomen umgeben: O--X--O. Bereits 1919 übertrug Paul Pfeiffer dieses Konzept von Koordinationsverbindungen auf Kristallstrukturen. Linus Pauling nutzte diese Koordinationsumgebungen und die von ihm aufgestellten Regeln zu Stabilität von Kristallen, um Kristallstrukturen vorherzusagen. Die Regeln, die Pauling 1929 dazu aufstellte, werden bis heute in abgewandelter Form verwendet. Neben der Stabilität sind diese Koordinationsumgebungen auch z.B. mit elektrischen oder optischen Eigenschaften in Kristallstrukturen verknüpft.

Zunächst haben meine Kollegen einen sehr robusten Algorithmus entwickelt, diese Koordinationsumgebungen für Tausende von Kristallstrukturen zu bestimmen. Die früheren Algorithmen waren immer sehr empfindlich gegenüber kleinen Positionsveränderungen der Atome. Dann bestimmten diese Statistiken der Koordinationsumgebungen für alle Metallionen in Oxiden aus einem großen Datensatz von ca. 10.000 Kristallstrukturen. Solche Statistiken gab es nämlich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Mit Hilfe dieser Statistiken kann nun jeder beurteilen, ob die Koordinationsumgebunden, die er in bestimmten Kristallstrukturen von Oxiden vorfindet, gewöhnlich oder eher ungewöhnlich sind. So etwas kann auf Fehler in Kristallstrukturbestimmungen hindeuten.

Ich beschäftige mich nun etwas genauer damit, wie diese Koordinationsumgebungen mit der Stabilität und anderen Eigenschaften verknüpft sind. So sollen vorhandene Regeln auf Basis der Koordinationsumgebungen zur Stabilität von Kristallen verbessert werden. Im Moment betreibe ich daher recht viel Datenanalyse. Wir werden auch versuchen, die Koordinationsumgebungen mit anderen Eigenschaften von Materialien zu verknüpfen, sodass zukünftig andere Struktur-Eigenschafts-Beziehungen ermittelt werden können. Das soll dann die Suche nach Materialien, die für Anwendungen interessante Eigenschaften haben, erleichtern.

Nebenbei beschäftige ich mich auch immer mit dem Einfluss bestimmten chemischer Bindungen auf bestimmte Eigenschaften des Materials wie z.B. der Stabilität. Das kann mittlerweile problemlos mittels voraussetzungsfreier Verfahren berechnet werden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die anorganischen Materialien, die wir in unserer Forschung untersuchen, sind essentiell für unser modernes Leben und es besteht die Erwartung, dass diese zur Lösung vieler aktueller Probleme beitragen können: Beispielsweise können thermoelektrische Materialien, die Wärme in Elektrizität umwandeln, dazu genutzt werden, um die Energieeffizienz von Produktionsanlagen, Flugzeugen oder Autos zu verbessern.  Wir hoffen durch ein besseres Verständnis der Beziehung zwischen Struktur und Eigenschaft von Materialien dazu beitragen zu können, dass solche Materialien schneller gefunden werden können und so auch schneller zum Einsatz kommen können.

Neben diesen möglichen Anwendungen sind auch die zu entdeckenden Prinzipien an sich interessant für die Öffentlichkeit: Es besteht häufig ein großes öffentliches Interesse an Teilchenphysik. Aber ist es nicht auch interessant, was einen Kristall eigentlich stabil macht?

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
2007 bin ich in den Förderverein Chemieolympiade eingetreten. Dieser Verein fördert einige Schulwettbewerbe zum Thema Chemie in ganz Deutschland. Darunter sind die „Internationale Chemieolympiade“, „Chemie- die stimmt“, und verschiedene Experimentalwettbewerbe. In den Anfangsjahren meiner Vereinstätigkeit war ich dort deutlich aktiver: Ich habe zum Beispiel sogenannte Schnupperpraktika vermittelt und Wettbewerbsteilnehmer/innen auf Veranstaltungen betreut. Über Jahre habe ich dort sehr engagierte Menschen kennen gelernt. Ich besuche noch heute jedes Jahr den Workshop und versuche den Vereinsmitgliedern meine Forschung nahe zu bringen.

Daneben war ich über einige Jahre hinweg als Patin für Schüler/innen der Internatsschule Schloss Hansenberg tätig. Das sollte den Schülern/Schülerinnen den Übergang zwischen Schule und Studium erleichtern. Das half mir noch einen Bezug zu meinem ehemaligen Internat zu erhalten. Letztes Jahr habe ich dort auch einen Vortrag zu meiner aktuellen Forschung gehalten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich beschäftige mich gerne mit dem Leben anderer Menschen – meistens in Form von Biographien oder Dokumentationen. Sicherlich zu den Favoriten unter den Autobiographien zählt Patti Smith’s „Just Kids“. Patti Smith ist als die „Godmother of Punk“ bekannt geworden. Kürzlich habe ich auch die Biographie von Dorothy Hodgkin – einer Kristallographin und Nobelpreisträgerin - gelesen – ich wünschte, dass ich dieses Werk bereits viel früher entdeckt hätte. Allerdings fehlt eine deutsche Übersetzung, sodass es für mich als Jugendliche sicherlich schwer zugänglich gewesen wäre. Besonders fasziniert hat mich auch das Buch „Daily Rituals – How Artists Work“, in dem der Autor die Tagesabläufe berühmter Künstler beschreibt. Vor wenigen Tagen ist eine Fortsetzung erschienen, die sich nun auf den Tagesablauf von Frauen konzentriert – ich habe sie bereits gekauft. Sonst schaue ich sehr, sehr gerne Serien und laufe ab und zu.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen. Essen. Vielleicht ein bisschen Lesen. Definitiv mit Serien.

Bitte begrüßt Janine ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 30, 2018

Tanz der Moleküle - Sven Kochmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Sven Kochmann (@indianalytics) vorstellen! Sven hat Analytische Chemie an der Universität Regensburg studiert. Nach seiner Promotion und seinem ersten, kurzen Postdoc-Aufenthalt an der selben Uni, ist er nun Postdoktorand an der York University in Toronto, Kanada. Dort beschäftigt er sich mit mikrofluidischen 2D-Trennverfahren (u.a. Freiflusselektrophorese), Wechselwirkungen zwischen Molekülen und chemoinformatischen Auswerteverfahren. Im Moment ist er in einer heißen Bewerbungsphase für seine erste Fakultätsstelle als eigenständiger
Gruppenleiter (drückt ruhig die Daumen!).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Wahrheit ist: ich löse einfach gerne Puzzles. Die Naturwissenschaft ist voll davon. So kam eins zum anderen.
Dass ich in die Chemie gehe, wurde erst klar als ich bei der Einschreibung an der Uni war und ich irgendwas in das rosa Formular eintragen musste. Mathe und Chemie waren meine beiden Leistungskurse (Grüße an meine beiden LK-Leiter, die sicher nicht unschuldig an meinem Fortgang sind!) und da habe ich mich spontan entschlossen, Chemie zu studieren! Ich erzähle immer, dass ich gewürfelt habe, was auch nicht
ganz unwahr ist...
14 Jahre nach der Einschreibung bereue ich diese Entscheidung und meine Werdegang nicht eine Sekunde. Die Chemie macht mir soviel Spaß, ist jeden Tag neu und aufregend und hat mich sogar bis ins schöne Kanada gebracht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden?
Während dem Studium an der Universität Regensburg, die als einige der wenigen Universitäten ein großes und eigenes Institut für Analytische Chemie hat, hat mich die Begeisterung im zweiten Semester dafür gepackt: Analysen, sowohl chemisch als auch mathematisch und informatisch, das war genau mein Ding und genau das was ich später machen wollte! Super!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Während meiner Laufbahn habe ich an den unterschiedlichsten, coolen Dingen gearbeitet: Dermatologische Hautsensoren, Graphen als Sensormaterial, zweidimensionale Trennverfahren (Ionenchromatographie × Kapillarelektrophorese; Freiflusselektrophorese), verschiedene Detektionsmethoden (Massenspektrometrie, Fluoreszenzspektroskopie),
Wechselwirkungsanalysen zwischen verschiedenen Spezies (z.B. kleinen organischen Molekülen und Proteinen), Mikrofluidik und verschiedenen chemoinformatischen Auswerteverfahren. Während meiner Twitterwoche werde ich zu einigen Sachen genaueres erzählen!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Lebensmittel- und Medikamentenkontrolle, Schadstoff- und Gewässeranalysen, medizinische Untersuchungen, Forensik, biologische Forschung und vieles mehr: Die Analytische Chemie ist omnipräsent, aber nicht omnipotent. In Serien und Filmen wird sie oft interessant aber überdramatisch gut (oder manchmal auch schlecht) dargestellt. Da finden gaschromatographische Analysen oft nicht nur heraus welche Zigarettenmarke am Tatort gefunden wurde, sondern auch wo diese zu welchem Zeitpunkt an welchem noch-so-kleinen Kiosk erstanden wurde. Dementsprechend verzerrt ist das Bild der Analytischen Chemie in der Öffentlichkeit. Deswegen is es wichtig sich mit der "richtigen" Analytischen Chemie zu beschäftigen, mit den Chemikerinnen und Chemikern, die tagtäglich mit solchen Dingen zu tun haben, zu sprechen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Analysen eigentlich ablaufen, wie die Ergebnisse aussehen und wie solche interpretiert werden können. Und vor allem: wo die Grenzen von Verfahren sind, wo Probleme auftauchen. Ich hoffe ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn ich kann, dann engagiere ich mich ehrenamtlich in Vereinen wie z.B. damals der Fachschaft Chemie oder dem Alumniverein Chemie der Universität Regensburg bei dem ich auch Mitgründer und ein paar Jahre Vorstand war. Der Alumniverein veranstaltet bis heute die jährliche Absolventenfeier für alle Chemiker (Bachelor/Master/Doktoranden) - ein Projekt an dem ich auch tatkräftig mitgewirkt und in das ich viel Herzblut gesteckt habe.

Ansonsten programmiere ich zur Entspannung etwas, bastel an einem Elektronikprojekt (Raspberry, Arduino und co), oder mache etwas Grafikdesign.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In koche und backe gerne (Mein Mantra: Jeder gute Chemiker kann kochen und/oder backen!). Außerdem reise ich sehr gerne spontan in andere Länder, um mir Land und Leute anzusehen, ein paar neue Eindrücke zu sammeln, etz. Auch eine gute Gelegenheit Postkarten zu schreiben (auch wenn das wohl nicht mehr alle machen)!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An freien Tagen schlafe ich meist etwas länger und mache dann je nach Lust und Laune etwas: Kochen, Zocken (Legend of Zelda, Civilization und Binding of Isaac), Serien anschauen, Bücher lesen oder an kleinen Nebenprojekten arbeiten. Manchmal besuche ich Veranstaltungen (davon gibt es in Toronto mehr als genug) wie z.B. Comicmessen oder verbringe den ganzen Tag im Museum. Manchmal bin ich auch einfach nur richtig faul und tue gar nichts. Auch das muss mal sein!


Bitte begrüßt Sven ganz herzlich bei Real Scientists DE!