Sunday, July 30, 2023

Die Physik der Teilchen - Michael Kobel ist jetzt bei Real Scientists!

Diese Woche freuen wir uns auf unseren neuen Kurator Michael Kobel! Michael (@michael_kobel) studierte Physik und promovierte 1991 an der Uni Erlangen-Nürnberg mit einer Auswertung von Daten des Crystal Ball Experiments am DESY in Hamburg. Nach einem Fellowship am CERN im Crystal Barrel Experiment in Genf und Habilitation an der Uni Freiburg mit Analysen und Interpretation von Daten des OPAL Experiments am CERN erhielt er 1998 eine Professur für Teilchenphysik an der Uni Bonn. Seit 2006 ist er Professor für experimentelle Teilchenphysik an der TU Dresden. Seit vielen Jahren engagiert er sich für die verständliche und authentische Vermittlung der Erkenntnisse über Aufbau und Entstehung unseres Universums unter anderem in der International Particle Physics Outreach Group (IPPOG), der er von 2009 bis 2012 vorsaß. 2010 initiierte er und leitet seitdem das Netzwerk Teilchenwelt, in dem bundesweit Jugendliche und Lehrkräfte die Welt von Quarks, Elektronen und Higgs-Teilchen mit Originaldaten des CERN erkunden. Seit März 2021 bekleidet Michael Kobel an der TU Dresden das Amt des Prorektors Bildung und trägt in dieser Rolle die Verantwortung für die Organisation und Qualitätssicherung der Bildungsangebote an der TU Dresden sowie für ihre Schulkooperationen und Angebote für Schüler:innen.





Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Erstaunlich linear. Schon als ich anfing, Physik zu studieren, wollte ich unbedingt Wissenschaftler werden. Nach meiner Entscheidung für die Teilchenphysik habe ich meine Diplom- und Doktorarbeit am Deutschen Teilchenphysikforschungszentrum DESY in Hamburg angefertigt, bin dann als Fellow ans CERN in Genf gegangen und bekam nach der Habilitation an der Uni Freiburg 1998 meine erste Professur an der Uni Bonn. 


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Die Frage nach dem Woher und Wohin des Universums hat sich wohl jede:r schonmal gestellt und hat mich als Jugendlicher dazu gebracht, Physik und Astronomie studieren zu wollen. Dass für die ersten Augenblicke des Universums besonders die Teilchenphysik Aussagen machen kann, habe ich erst im Studium verstanden und seitdem versuche ich, mit nicht nachlassender Neugier und Begeisterung die Vorgänge am Beginn des Universums Bruchteile von Nanosekunden nach dem  Urknall zu ergründen.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Momentan besteht sie als Prorektor Bildung hauptsächlich in der Sicherung und Verbesserung der Qualität der Lehre an der TU Dresden und der Rolle als Ansprechpartner für alle Anliegen der Lernenden und Lehrenden. Das ist an einer so großen Uni mehr als ein Fulltime-Job. Als „PB“ bin ich aber auch für die Schulkontaktstelle der TU Dresden und das Netzwerk ihrer Kooperationsschulen verantwortlich. Von meinem „früheren Leben“ habe ich die Wissenschaftskommunikation im von mir gegründeten und geleiteten bundesweiten Netzwerk Teilchenwelt ins Rektorat hinübergerettet, in der ich vor allem Schüler:innen und Lehrkräften die Teilhabe an der aktuellen Teilchenphysikforschung ermögliche, wie diese Woche bei der „CERN Summer School“ für Lehrkräfte. Als ich noch selbst an meiner Professur aktiv war (ich werde dort derzeit vertreten) war der Alltag aufgeteilt in die vier Bereiche Verwaltungsaufgaben, Wissenschaftskommunikation, Lehre und Forschung. Meine Forschungsgruppe mit einer Postdoktorandin, vier Promovierenden und mehreren Master- und Bachelor-Studierenden beschäftigt sich mit äußerst seltenen Streuprozessen am Large Hadron Collider (LHC) des CERN in Genf, in denen das Higgs-Teilchen als eine Art „Stoßdämpfer“ wirkt. Darüber und welche Aufgaben man dafür direkt vor Ort am CERN übernehmen muss, werde ich diese Woche noch mehr erzählen. In der Lehre ist ein ziemlich breites Spektrum abzudecken, das von Anfängervorlesungen für Physiker:innen oder Ingenieur:innen über Teilchen- und Kernphysik für Bachelor sowie für Lehramt, einer übergreifenden experimentellen „Schlüsselkonzept“-Vorlesung im Master gemeinsam mit Kollegen der kondensierten Materie bis hin zu mindestens fünf verschiedenen Spezialvorlesungen von Statistischen Methoden bis zu Higgs- und Neutrinophysik reicht. Besondere Freude macht mir dabei immer auch die Übernahme von Übungsgruppen, da man dort in intensiveren direkten Austausch mit Studierenden kommt. 


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Grundlagenforschung ist ein Kulturgut, eng verbunden mit dem Genuss der Menschlichen Neugier, so wie Kunst, Theater und Musik mit dem Genuss von ästhetischen Empfindungen verbunden sind. Erst der Austausch mit der Öffentlichkeit macht sie für alle erlebbar. Ohne Wissenschaftskommunikation wären wir wie ein Symphonieorchester oder ein Theaterensemble, das immer nur für sich spielt und nie auftritt. Teilhabe der Öffentlichkeit ist daher integraler Teil unserer Forschung.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Vor 8 Jahren habe ich in einem Dresdner Willkommensnetzwerk eine ehrenamtliche Patenschaftsgruppe für Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Migrant:innen gegründet, die ich seitdem ehrenamtlich leite. Inzwischen habe ich dafür Förderung von der Fachkräfteallianz in Dresden und kann zwei Mitarbeiterinnen hauptamtlich beschäftigen, die jedes Jahr mehrere Hundert Menschen in Ausbildung und Arbeit begleiten. 


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Wie man auf dem Profilbild meines Twitteraccounts sieht, laufe ich gerne, auch längere Strecken. Der letzte Marathon ist allerdings schon 15 Jahre her, der letzte Halbmarathon, von dem das Bild stammt, sieben Jahre.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Lange schlafen, spät und ausführlich frühstücken, Radio hören, die Entwicklungen der letzten Woche in der Zeitung und auf Twitter verfolgen und dann des Rest des Tages mit meiner Partnerin etwas unternehmen wie Laufen, Radfahren, Kino oder Kultur. Jedenfalls keine Physik ;-)


Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!



Sunday, July 23, 2023

Von der Forschung in den Wissenschaftsjournalismus - Sigrid März ist jetzt bei Real Scientists!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Sigrid März (@SigridMaerz)! Sigrid ist freiberufliche Wissenschaftsjournalistin und Zellbiologin. Vor ihrem Wechsel in den Journalismus studierte sie Zellbiologie an der Universität Osnabrück und promovierte mit dem Schwerpunkt Zellbiologie und Immunologie am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. Bis 2019 arbeitete sie als Post-Doktorandin und begann nebenbei ihre Tätigkeit als Journalistin. Seit 2023 ist sie leitende Redakteurin bei MedWatch. 




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? Das war eigentlich Formsache: Aufgewachsen im Dreck, umgeben von Würmern und Kaulquappen, faszinierte mich schon als Kind, wie Lebewesen funktionieren, was sie sind und wie sie miteinander interagieren. In der Schule hatte ich durchweg engagierte Lehrer:innen, die meine Neugierde und Freude an der Biologie förderten. Ein Privileg, wie ich heute weiß, für das ich dankbar bin. Nach der Schule folgten ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, die Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin und schließlich Studium (Abschlüsse in Molekulargenetik und Biophysik) und Promotion. Konsistent, würde ich sagen. Alles in allem habe ich dann rund 20 Jahre in der Grundlagenforschung verbracht – eine gute Entscheidung, denn die Naturwissenschaft ist mein absoluter Traumjob. Thematisch ging es eigentlich immer um kleinste biologische Systeme: rotierende Enzyme, Transporter, Adhäsionsmoleküle. Tatort: Blutgefäße. Auf Schlau zusammengefasst: Als Zellbiologin habe ich in der vaskulären Biologie gearbeitet.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Naja, das Damoklesschwert des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes schwebte wie über vielen Postdoc-Köpfen auch über meinem Haupt. Da ich lieber selbst Entscheidungen treffe als über mich entscheiden zu lassen, habe ich mich irgendwann darauf vorbereitet, die universitäre Forschung zu verlassen. Kurz nachgedacht, was die Alternativen sind: Industrie, Behörden, Lehre. Da war nicht das richtige dabei. Also weiter nachgedacht und mich daran erinnert, dass ich doch auch ganz passabel schreiben kann. So kam‘s zum Wechsel in den Wissenschaftsjournalismus. Besonders famos ist, dass dieser Beruf ja immer noch nen beachtlichen Teil an Wissenschaft beinhaltet. Traumhaft.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Als freie Journalistin verpacke ich komplizierte wissenschaftliche Themen in einfache(re) Worte und – was fast noch wichtiger ist – ordne ein. Was heißt das? Mein Forscherinnen-Wissen ist ja nach dem Wechsel in den Journalismus nicht einfach weg. Das erleichtert mir beispielsweise, schnell und effizient Studien zu durchleuchten: Kann das wirklich so sein? Ist das plausibel? Hat diese Studie Schwachstellen, die die postulierte Aussage abschwächen?

Damit verdiene ich mein Geld und schreibe zum Beispiel für Spektrum, Quarks und Laborjournal. Beim Online-Magazin MedWatch bin ich nicht nur als Autorin aktiv und entlarve obskure Heilsversprechen im Netz, sondern redigiere auch. Und dann gibt es noch die RiffReporter, eine journalistische Genossenschaft für gründlich recherchierten und unabhängigen Journalismus. Auch dort findet man mich, vor allem mit Themen rund um Insekten.

Die journalistische Arbeit ist aber nur ein Teil des spannenden Gesamtkonstrukts Wissenschaftsjournalismus. Mehr verrate ich aber an dieser Stelle nicht. Lest gefällig die Tweets der aktuellen Woche.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit interessieren?

Zuletzt während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig unabhängiger, kritischer und guter Journalismus ist, auch und vor allem in der Wissenschaft. Unsere Aufgabe ist es unter anderem, zwischen Wissenschaftler:innen und der Öffentlichkeit zu vermitteln, komplexe Dinge so zu erklären, dass wirklich jeder sie verstehen kann – der es will.

Gleichzeitig sparen Verlage und Medienhäuser immer mehr, stutzen Wissenschaftsredaktionen auf ein bedenkliches Maß zusammen und bezahlen freie Mitarbeiter:innen teils unterirdisch.

Die Frage, die wir uns als Gesellschaft deshalb stellen müssen ist: Sind wir bereit, für guten Wissenschaftsjournalismus zu zahlen? Und falls ja, wie?


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Schon bevor ich mich selbstständig gemacht habe, bin ich dem Verband freier Journalist:innen „Freischreiber“ beigetreten und habe mich die vergangenen drei Jahre dort im Vorstand für die Belange der Freien engagiert. Außerdem gehe ich für „Lie Detectors“ in Schulen und erkläre Schüler:innen, was Falschmeldungen sind und wie sie sie entlarven können.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Nun müsste die Frage #11 vor dieser hier stehen, dann wär‘s klarer: Ich fotografiere gern, vor allem Insekten, Spinnen, Echsen …, kurz: alles was deutlich kleiner ist als ich.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende und Journalistinnen sind ja auch nur Menschen)?

Sonnig, um 22 °C, trocken. Links Nordsee, rechts karge Heidelandschaft mit viel Sand und ein paar Blümchen. Kaffee im Thermobecher, Blubberwasser im Rucksack, Kamera mit Makroobjektiv in der Hand (und natürlich: Ersatzakku in der Tasche!). Setzt mich morgens aus und sammelt mich abends wieder ein. Oder am nächsten Tag. Auch okay.


Bitte begrüßt Sigrid ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, July 16, 2023

Apotheken in der frühen Neuzeit - Lisa Brunner ist jetzt bei Real Scientists!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin m Lisa Brunner (@ whizzyfizzylizz)!


Kurzbiografie: Stellt euch ein 7-jähriges Mädchen, das gerade das Lesen gelernt hat auf einem Schulbücherflohmarkt vor. Sie entdeckt ein Buch über ägyptische Mumifizierungspraktiken, bettelt ihre Mutter daraufhin an, es ihr zu kaufen und ist von da an von Geschichte fasziniert. Diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen: Lisa Brunner hat an der Universität Salzburg Geschichte studiert und mit dem Kunstgeschichtestudium begonnen. Seit März 2022 ist sie nun Universitätsassistentin an der Universität Graz am Zentrum für Wissenschaftsgeschichte und beschäftigt sich im Zuge ihrer Dissertation mit den frühneuzeitlichen Sammlungspraktiken von Apothekern in deren Naturalienkabinetten, Laboratorien, Bibliotheken und Gärten. Als ausgebildete Social Media Managerin betätigt sie sich zu ihrem Dissertationsprojekt auch aktiv im Bereich der Wissenschaftskommunikation. Auf Instagram betreibt sie etwa den Kanal @weltinderstube und berichtet dort über ihre Forschung. Nebenberuflich ist sie außerdem in der Kunst- und Kulturvermittlung tätig. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Als ich mit meinem Geschichtestudium begonnen habe, war es für mich ganz klar, dass ich vorhabe, einmal in der Wissenschaft zu arbeiten; ohne jedoch genau zu wissen, wie schwierig es eigentlich ist Fuß zu fassen in diesem System. Als First-Generation-Studierende konnte ich nicht auf das Wissen in meiner Familie zurückgreifen, wie es ist zu studieren und hatte auch keine Ahnung, wie ich überhaupt in die Wissenschaft reinkomme. In einem Seminar in meinem Bachelorstudium zur Kurrentschrift der Frühen Neuzeit wurde ein Professor auf mich aufmerksam. Er fragte mich, ob ich Studienassistentin werden möchte, und seitdem ergaben sich immer wieder neue Möglichkeiten. Ich denke, dass ich in der Wissenschaft gelandet bin, ist zum Teil auch sehr großes Glück gewesen. Ich bin zur richtigen Zeit in der richtigen Lehrveranstaltung gesessen.

 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Wie die Bio oben schon andeutet, habe ich mich bereits als Kind für Geschichte interessiert. Früher hatte ich vom Geschichtestudium die typische Indiana-Jones-Vorstellung, das hat mich sehr gereizt. Jetzt, einige Jahre später, kann ich natürlich sagen, dass der Beruf der Historikerin nur sehr wenig mit dem Film zu tun hat, doch ich liebe es in Archiven alte Handschriften und Bücher zu durchforsten. Dinge zu lesen, die Menschen vor hunderten von Jahren in ihren Händen gehalten haben. Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, fasziniert mich das besonders. Man lernt viele verschiedene Leute kennen und reist sehr viel herum, außerdem schätze ich die Freiheiten, die man in seiner Arbeitsgestaltung hat, sehr. Doch wenn es darum geht, was mich in meinem Beruf hält, muss ich ehrlich sein: Die derzeitigen Entwicklungen im österreichischen und deutschen Wissenschaftssystem geben mir sehr zu denken und mindern meine anfängliche Freude und den Elan. Derzeit hält mich mein extremes Interesse an Geschichte in meinem Job, doch ob ich meine Zukunft in der Wissenschaft nach meinem Doktorat weiterhin sehe, kann ich nicht sagen.

 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Am Zentrum für Wissenschaftsgeschichte, wo ich derzeit arbeite, sind wir ein sehr interdisziplinäres Team aus verschiedenen Fachrichtungen, wie der Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte, Philologie, Literaturwissenschaft, Philosophie etc. Diese Interdisziplinarität spiegelt sich auch in meiner eigenen Arbeit wider. Ich arbeite gerade hauptsächlich an meiner Dissertation und gehe dabei u. a. der Frage nach, wie die Aus- und Weiterbildungswege von Apothekern in der Frühen Neuzeit ausgesehen haben, denn Pharmazie war in der Frühen Neuzeit noch kein Studium, sondern ein Handwerk. Trotzdem waren viele Apotheker sehr gebildet, konnten etwa Latein, publizierten selber wissenschaftliche Werke und bauten oft riesige Sammlungen von Naturalien (wie Tieren, Pflanzen und Mineralien) auf. Ich sehe mir an, wie diese Sammlungstätigkeit ihre Ausbildung und wissenschaftliche Tätigkeit beeinflusste. Auf meinem Instagramkanal @weltinderstube berichte ich außerdem über mein Dissertationsthema und über meine Tätigkeit als Historikerin. Zudem lehre ich in meiner Funktion als Universitätsassistentin auch an der Universität, was mir großen Spaß macht. Der Hauptfokus in meiner Lehrtätigkeit liegt vor allem darauf, möglichst quellennah und kreativ mit meinen Studierenden an Themen zu arbeiten.

 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Ich denke, dass Geschichte im Allgemeinen etwas ist, dass für viele Menschen auf unterschiedlichste Weise spannend und wichtig ist / sein kann. Warum sind Dinge so, wie sie heute sind? Eine wichtige Frage, die durch historische Forschung nachvollzogen werden kann.

Auf mein eigenes Thema bezogen würde ich sagen, dass durch die Corona-Pandemie verstärkt die Wichtigkeit unseres modernen Gesundheitswesens in den Fokus gerückt ist. Auch unser Gesundheitswesen hat historische Entwicklungen vollzogen. Meine Arbeit trägt dazu bei, besser nachvollziehen zu können, wie sich die Pharmazie zu dem entwickelt hat, was sie heute ist – weg vom Handwerk zu einem akademischen Hochschulfach. Außerdem fragen immer mehr Museen nach den Ursprüngen ihrer heutigen Sammlungsbestände, die oft auf frühneuzeitliche Sammlungen – wie eben jener von Apothekern – zurückgehen. Mit meiner Dissertation versuche ich also auch einen Beitrag im Bereich der Provenienzforschung von Museen zu leisten.

 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin nebenberuflich als Kunst- und Kulturvermittlerin in einem Museum in Salzburg tätig und gebe dort Führungen. Mein Wissen an ein interessiertes Laienpublikum zu vermitteln, macht mir großen Spaß und ist mir auch sehr wichtig. Daher habe ich auch neben meinem Studium eine zusätzliche Ausbildung zur Social Media Managerin gemacht. Als First-Generation-Studierende und Historikerin bekomme ich von verschiedensten Seiten immer wieder die Frage, wozu Geschichte gut sein soll und was man mit einem Geschichtestudium beruflich anfangen soll. Diese Fragen sind auch berechtigt, wie ich finde. Die Wissenschaft verschließt sich zum Teil sehr stark und bleibt im berühmten Elfenbeinturm oft unter sich. Ich will aber, dass meine Forschung von mehreren Personen verstanden wird, auch außerhalb der Wissenschaft. Darum meine zusätzlichen Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftskommunikation und der Kunst- und Kulturvermittlung.

Zudem arbeite ich auch an einigen Werkverträgen, in denen ich frühneuzeitliche Handschriften für Quelleneditionen transkribiere.

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Die richtige Frage in meinem Fall wäre, welches Hobbie habe ich nicht! Kleiner Scherz, aber gar nicht mal so unwahr. Mich interessieren so viele verschiedene Dinge, dass mir ein Leben, um alles auszuprobieren, was ich gerne möchte, oft zu kurz vorkommt. Ich liebe es zu kochen, vor allem die arabisch-orientalische Küche fasziniert mich sehr. Außerdem bin ich ein sehr kreativer Mensch: Ich male, bastle, nähe und habe seit kurzem durch meine eigene bevorstehende Hochzeit die Gestaltung von Hochzeitspapeterie für mich entdeckt. Ich liebe es zu reisen und besonders das Meer. Ich tauche und segle sehr gerne und das vor allem gemeinsam mit meinem Vater. Ich habe ein Faible für Botanik und Astronomie und sammle zu diesen Themenbereichen auch frühneuzeitliche Kupferstiche (sofern ich sie mir leisten kann). Als Ausgleich zu meinem Büroalltag gärtnere ich gerne.

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?

An einem idealen Tag würde ich auf einem Segelschiff durch die ersten Sonnenstrahlen geweckt werden und bei einer Tasse Tee zusehen, wie sie immer weiter aufsteigt. Ich würde mit meinem Schiff jeden Tag wo anders hinsegeln, ohne vorher zu wissen, wo es mich hinträgt. Am Nachmittag würde ich im Meer baden, nach Muscheln oder einem alten Schiffswrack(oder gar einen Schatz?) tauchen – Indiana Jones lässt grüßen. Natürlich darf am Abend gutes Essen nicht fehlen – entweder selbst gekocht oder in einer kleinen Taverne, die auf der Insel liegt, die ich angesteuert habe. Nachts liege ich dann an Deck und beobachte die Sterne und lese ein gutes Buch.

Weniger spannend aber ebenso entschleunigend für mich: Der Tag beginnt mit einem Frühstück in meinem Lieblingscafé. Danach relaxe ich mit meinem Mann in unserem Garten oder arbeite in den Blumen- und Gemüsebeeten. Wir kochen uns gemeinsam etwas Gutes und genießen den Abend auf unserer Terrasse bei Kerzenschein, einem Glas Wein und mit einem guten Buch.


Bitte begrüßt Lisa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 9, 2023

Gestresste Bäume und deren Genetik! Tobias Brügmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 

Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator Tobias Brügmann (@Tobiology_de)! Dr. Tobias Brügmann studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie und Biotechnologie an der Universität Hamburg. Er promovierte anschließend am Thünen-Institut für Forstgenetik über die genetische Modifikation verschiedener Gene in Pappeln, die mit der Holzbildung zusammenhängen. Während seiner Postdoc-Zeit wurde die Genschere CRISPR/Cas als Werkzeug für die Pflanzenforschung etabliert, sodass er 2016 die ersten CRISPR/Cas-editierten Bäume Deutschlands produzierte. Seit 2021 leitet Tobias die Nachwuchsforschungsgruppe "Genetische Technologien" am Thünen-Institut für Forstgenetik. Mit seinem Team erforscht er die molekulargenetische Grundlage der Widerstandsfähigkeit von Bäumen gegenüber Trockenheit und wie biotechnologische Werkzeuge in Bäumen funktionieren.

Wissenschaftskommunikation ist Tobias ein Herzensanliegen, sodass er schon seit seiner Zeit als Doktorand auf verschiedenen Social-Media-Kanälen, auf Vortragsbühnen und in Videoformaten über die Forschung rund um Forstgenetik, Biotechnologie, Wald und Klimawandelanpassung informiert. 2020 gewann er die "Super Fast Instagram Challenge" des Videowettbewerbs "Fast Forward Science". Sein Fachwissen gibt Tobias als Lehrbeauftragter der Universität Hamburg an Studierende weiter.

 

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Schon in der Mittelstufen-Schulzeit wurde mir klar, dass mich die Naturwissenschaften besonders interessieren und dass ich Forschung super-spannend finde. Spätestens in der 9. Klasse, als Genetik und Vererbung behandelt wurden, war mein Interesse geweckt: "Das möchte ich gern mal beruflich machen!" Zudem habe ich mich schon immer für die einheimische Fauna und Flora interessiert, sodass die Verbindung eine logische Konsequenz war, mit der ich sehr glücklich bin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mein Forschungsfeld hat eine große Relevanz, weil Bäume und Wälder für unseren Planeten wahnsinnig wichtig sind und durch den Klimawandel stark beeinflusst werden. Zudem forsche ich an der sogenannten Genschere CRISPR/Cas, einem top-aktuellen, molekularbiologischen Werkzeug. In der Nische von CRISPR/Cas und Bäumen sind selbst international nur wenige Forschende aktiv. Deswegen erhalten wir quasi wöchentlich neue Erkenntnisse - mal größere, mal kleinere - was die Arbeit sehr spannend macht. In meinem Team habe ich großartige Mitarbeitende, die mit ihrer Motivation ansteckend sind und mit denen sich viel erreichen lässt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich leite die Nachwuchsforschungsgruppe "Genetische Technologien" am Thünen-Institut für Forstgenetik, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert wird. Mein Team und ich erforschen die genetische Grundlage der Trockenstresstoleranz in Bäumen, weil Wälder in Mitteleuropa durch den Klimawandel stark bedroht sind und uns der Erhalt der heimischen Baumarten wichtig ist. Zudem forschen wir an Genome Editing-Technologien an Bäumen, die uns als molekulares Werkzeug dienen, um Gene und ihre Funktionen zu charakterisieren. Für beide Forschungsfelder verwenden wir Pappeln als Modellorganismen, weil sie sehr weit erforscht sind, beispielsweise mit ziemlich guten Genomdaten, schnell wachsen und biotechnologisch recht einfach bearbeitet werden können. Die Erkenntnisse übertragen wir auf die Rotbuche, eine der wichtigsten Laubbaumarten Mitteleuropas. An Rotbuchen führen wir auch direkt Analysen durch, beispielsweise mit Transkriptomanalysen, um herauszufinden, wie gestresste Buchen reagieren und welche Gene an ihrer Reaktion beteiligt sind. Unsere Ergebnisse können bei der Aufforstung oder durch die Forstpflanzenzüchtung berücksichtigt werden.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wälder sind für den Planeten wahnsinnig wichtig. Sie sind CO2-Speicher sowie Lebensraum für viele Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Sie produzieren Sauerstoff und mit ihrem Holz einen der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Den Menschen dienen Wälder als Naherholungsgebiet. Es ist ganz offensichtlich: An Wälder werden sehr vielfältige Ansprüche gerichtet, die nicht immer so ganz einfach in Einklang gebracht werden können.

Gleichzeitig sind Wälder durch den Klimawandel stark bedroht, weil Bäume langlebige Organismen sind, die sich nicht so schnell an den rasanten Klimawandel anpassen können. Die Forstgenetik leistet einen großen Beitrag: einerseits indem die genetische Basis von Merkmalen wie der Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit oder die Anpassungsfähigkeit der Bäume erforscht wird und andererseits durch Empfehlungen für die aktive Anpassung von Bäumen und Wäldern.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Neben meiner Forschung bin ich in der universitären Lehre an der Universität Hamburg aktiv. Im aktuellen Sommersemester habe ich ein Genetikpraktikum für Bachelorstudierende im zweiten Semester betreut und im Masterstudiengang Biologie das Seminar "Pflanzenbiotechnologie" geleitet. Wir haben häufig Studierende in unserer Forschungsgruppe, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit bei uns absolvieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Wissenschaftskommunikation ist mir ein Herzensanliegen, dem ich auch in meiner Freizeit nachgehe. Wenn die verfügbare Zeit es zulässt, dann stelle ich meine Forschungsthemen gern in Science Slams einem vielfältigen Publikum dar. Ich bin im Hintergrund beim Podcast https://genomeediting.podcaster.de/ beteiligt und informiere auch auf Instagram über Forschungsthemen.

Privat kann ich wohl als Social Media-Crack durchgehen, weil ich vermutlich auf allen größeren Portalen einen Account habe. Hier bleibe ich schnell hängen, wenn ich ein witziges Meme oder Simpsons-Posts sehe. Seit knapp 18 Jahren bin ich dem Tanzsport zugetan und war viele Jahre aktiver Turniertänzer. Irgendwann hat die verfügbare Zeit für’s Leistungstraining nicht mehr ausgereicht, allerdings bin ich diesem wunderbaren, ästhetischen und kommunikativen Sport immer noch als ehrenamtlicher Verbandsfunktionär und Wertungsrichter verbunden.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Mein idealer freier Tag beginnt mit einem tollen Brunch in einem gemütlichen Café und beinhaltet auf jeden Fall etwas "Bewegungszeit" in der Natur, z.B. auf dem Fahrrad zwischen Feldern und Wäldern.



Bitte begrüßt Tobias ganz herzlich bei Real Scientists DE!