Sunday, July 15, 2018

Leib und Seele - Michael Gaebler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Michael Gaebler (@michagaebler) vorstellen! Michael hat in Osnabrück, London und Paris Kognitionswissenschaft und "Brain & Mind Sciences" studiert. Nach seinem Master-Abschluss 2008 legte er eine einjährige Pause für eine Weltreise (!) ein, ehe es ihn zur Promotion an der Berliner Humboldt-Universität und Charité verschlug. Seit 2014 ist er Postdoc am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, wo er sich dem Zusammenspiel von mentalen und körperlichen Prozessen widmet.

Hier ist Michael in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich fühlte und fühle mich in multidisziplinären Umgebungen wohl, in denen versucht wird, inter- oder transdisziplinär zu arbeiten: Studium Generale (Leibniz Kolleg Tübingen), Kognitionswissenschaft (Uni Osnabrück, McGill Uni Montreal) und "Brain and Mind Sciences" (Ecole Normale Supérieure Paris, University College London).

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Erforschen, wie Psychisches mit Physi(ologi)schem zusammenhängt erfordert und bietet viele Perspektiven. Die Arbeit als Wissenschaftler ist vielseitig und spannend - mit allen Aufs und Abs. Trotz der vielen Zeit vor dem Computer habe ich auch viel mit interessanten Menschen zu tun (siehe 5).

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Generell interessiert mich, wie geistige Phänomene mit biologischen Prozessen zusammenhängen. Dabei habe ich zwei Schwerpunkte: Emotionale Verarbeitung in Hirn und Körper bei Gesunden und Kranken sowie die Nutzung von virtueller Realität in der neurowissenschaftlichen Forschung und in der Klinik.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil jeder ein Gehirn, einen Körper und Emotionen hat. :) Ich freue mich, meine Forschung mit jeder und jedem zu diskutieren - um Antworten (möglichst) verständlich zu formulieren und neue Fragen zu entwickeln.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die interessanteste externe/zusätzliche Aufgabe/Tätigkeit ist momentan mein Leben als Vater einer knapp einjährigen Tochter.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
24 Stunden mit meiner Familie: Sonne, entspannt und gut essen, Park, Spielplatz, Hängematte, Lesen, einfach ungeplant treiben lassen. 


Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 8, 2018

Die Partikel-Detektivin - Kathrin Göbel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Kathrin Göbel (@5ternguckerin) vorzustellen! Kathrin Göbel studierte Maschinenbau, bevor sie ihre Begeisterung für Physik entdeckte. Seit 2011 forscht sie auf dem Gebiet der „Nuklearen Astrophysik“ an der Frankfurter Goethe-Universität und an den Beschleunigeranlagen GSI/FAIR in Darmstadt und CERN in Genf. Ihre akademische Reputation trug ihr im Sommer 2016 eine hohe Ehre ein: Sie gehörte zu den auserwählten Jungwissenschaftlern, die am Nobelpreisträger-Treffen in Lindau am Bodensee teilnehmen durften.
Zugleich gilt ihre Leidenschaft der Wissensvermittlung: „Ich möchte“, sagt sie, „die Menschen über Forschung und ihre Ergebnisse informieren, sie neugierig machen und begeistern.“ Zahlreiche Vorträge, u.a. im Physikalischen Verein, in Schulen, auf dem Hessentag und bei der Kindervorlesung der Bürgerstiftung Darmstadt, führten Kathrin Göbel zur Premiere der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft Rhein-Main“ im Herbst 2016 in die Hessischen Landesvertretung, Berlin, auf Einladung von Staatsministerin Lucia Puttrich.


Hier ist Kathrin in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Durch Zufall und Begegnungen mit interessanten Person.
Nach dem Abi habe ich angefangen, an der FH Frankfurt Maschinenbau zu studieren, mit der Idee, nachher im Bühnenbau zu arbeiten. So richtig interessant fand ich Maschinenelemente, Festigkeitsrechnungen etc. aber dann doch nicht. Aber die Physik-Vorlesung war spannend! Also habe ich einen Abi-Kollegen besucht, der an der Uni Frankfurt schon Physik studiert hat. Und das gefiel mir sofort. Dann habe ich den Betreuer meiner Bachelor- und Masterarbeit als Tutor in der Experimentalphysik kennen gelernt und ein Projekt an der GSI in Darmstadt bearbeitet. In dieser Zeit habe ich Teilchendetektoren optimiert. Danach war ich etwas ratlos, wo ich promovieren könnte. Ein Bekannter hat mir die Gruppe "Experimentelle Astrophysik" empfohlen. Die Gruppe war recht neu und ich kannte ein paar Leute dort. Schließlich habe ich dort meine Doktorarbeit gemacht und bin bis heute in der Arbeitsgruppe. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Die Menschen in der Arbeitsgruppe und im Arbeitsfeld halten mich dort!
Deswegen an alle da draußen: sucht euch nicht das Forschungsthema, sondern die Forschungsgruppe aus.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In der nuklearen Astrophysik erforschen wir die Entstehung der Elemente von Wasserstoff bis Blei und Uran. Wir machen Experimente an Beschleunigeranlagen, um Sterne, Sternexplosionen und -verschmelzungen besser zu verstehen. Wir wollen z.B. wissen, wie wahrscheinlich verschiedenste Reaktionen von Atomkernen miteinander sind oder wie die Struktur von Atomkernen aussieht. Diese Informationen bauen wir dann in Computersimulationen von Sternen ein, um herauszufinden, welcher Stern wie viel von welchem Element produziert.

Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich: ich designe und baue Teilchendetektoren, führe Experimente durch und analysiere die Daten, mache Computersimulationen, entwickle Projekte, schreibe Anträge und betreue Studierende und Promovierende bei Ihren Arbeiten.


Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir alle bestehen aus einer Vielzahl von Elementen: Unser Körper enthält etwa 65% Wasser, also Wasserstoff und Sauerstoff, Kohlenstoff in vielen Verbindungen, z.B. im Zucker, sowie zahlreiche Spurenelemente wie Eisen, Iod, Fluor und Zink. Doch wo kommen all diese Elemente her? Unsere Einzelteile waren schon in einigen Dutzend Sternen und haben sich zwischendurch mit den Resten anderer Sterne vermischt, bis aus einer Gas- und Staubwolke unser Sonnensystem und schließlich wir entstanden sind. Aber es gibt noch viele offene Fragen und mit jedem Experiment verstehen wir mehr Details vom großen Bild.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
An der Uni Frankfurt habe ich noch ein paar zusätzliche Aufgaben: Zum einen vermittele ich Wissen als Lehrende am Fachbereich Physik, und für das Projekt "Brückenschlagen" gehe ich an Wissenschaftstagen in Schulen im Frankfurter Raum, um mein Forschungsgebiet vorzustellen. Zum anderen bin ich im Gleichstellungsrat des Fachbereichs, für den ich z.B. Veranstaltungen organisiere und Einstellungs-/Berufungsverfahren begleite.

Im Moment noch als Hobby bin ich Teil der Wissenschaftskommunikatoren "science birds". Wir wollen mit Experimenten, Shows und Vorträgen für Wissenschaft begeistern.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin seit fast 10 Jahren im Physikalischen Verein aktiv. Ich halte Vorträge, organisiere kleine und große Veranstaltungen und informiere bei Himmelsbeobachtungen.

Außerdem bin ich leidenschaftliche Handwerkerin, tapeziere, streiche, verlege Böden, mache Installationsarbeiten, ...  Da ich kein eigenes Haus habe, muss ich das allerdings immer bei anderen machen :)

Nicht zuletzt mag ich Hunde und verbringe gerne Zeit beim Spielen oder Üben. Leider habe ich keine Zeit für einen eigenen Hund, aber meine Eltern besitzen einen kleinen Mischling.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Mein idealer freier Tag ist ruhig und beginnt mit Ausschlafen und einem Frühstück auf der Terrasse.
Im Sommer gehe ich gerne im Hofladen etwas Leckeres einkaufen und grille das in kleiner Runde mit lieben Menschen.
Wenn das Wetter schlecht ist, entspanne ich gerne in Therme und Sauna bei interessanten Gesprächen.

Bitte begrüßt Kathrin ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 1, 2018

Statistik ist fantastisch - Heidi Seibold ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Heidi Seibold (@HeidiBaya) vorzustellen! Heidi hat an der Universität Zürich über statistische Methoden für personalisierte Medizin promoviert und arbeitet nun am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung Biometrie und Epidemiologie der LMU München. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit Daten von MS Patienten und versucht herauszufinden welche Medikamente für welche Patienten funktionieren. Heidi ist im Kernteam der Onlineplatform OpenML, bei der es um kollaboratives maschinelles Lernen geht, kümmert sich um Reproduzierbarkeitschecks beim Journal of Statistical Software und engagiert sich allgemein für offene und reproduzierbare Wissenschaft.

Hier ist Heidi in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Statistik studiert, weil ich immer gut in Mathe war und Wissenschaftlerin werden wollte. Warum ich Wissenschaftlerin werden wollte, weiß ich eigentlich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, es war einfach das coolste, was es außer Musiktherapie (da habe ich die Aufnahmeprüfung nicht geschaft) noch so gab 😉

Ich habe im Bachelor und Master angefangen, an wissenschaftlichen Projekten mitzuarbeiten und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass für mich klar war, dass ich promovieren will. Dann habe ich auch noch meine Wunschstelle an der UZH bei Torsten Hothorn bekommen und jetzt bin ich seit April Postdoc an der LMU und kann mir gar nicht vorstellen etwas anderes zu machen, weil ich meine Arbeit so gerne mache.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Statistik ist wichtig in allen Feldern, in denen Daten erhoben werden. Das fand und finde ich superspannend. Zum Beispiel kann man die statistischen Methoden, die ich für einen medizinischen Kontext entwickle auch in den Wirtschaftswissenschaften gebrauchen. Dadurch lernt man immer mal wieder über andere Felder und darf überall mal reinschnuppern. Zum Beispiel habe ich während dem Studium mit Bewegungsdaten von Luchsen und Rehen gearbeitet und über die Politik im Nationalpark gelernt, aber auch Software zur Unterstützung der Suche nach Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg geschrieben.

Außerdem ist Statistik auch ein Fach in dem es noch viel zu tun gibt, weil durch leistungsfähige Rechner viele statistische Methoden oder Methoden des maschinellen Lernens erst seit relativ kurzer Zeit realisitsch geworden sind.

Viele Leute denken, Statistik sei ein sehr trockenes Fach. Ich finde das überhaupt nicht. Die Arbeit ist eigentlich immer interdiszipliär und die Probleme in der Regel spannend und knifflig. Ich schreibe auch gerne Software. Es hat etwas sehr befriedigendes, wenn andere Leute die Software dann nutzen und meine Methoden zitieren.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Sehr gerne: Ich arbeite an statistischen Methoden, mit denen man herausfinden kann, ob unterschiedliche Patienten unterschiedlich auf Medikamente oder Therapien reagieren und wenn ja, welche Patientencharakteristika einen Einfluss auf den Behandlungseffekt dieser Medikamente haben. Wenn zum Beispiel eine Therapie nur bei jüngeren Patienten funktioniert, will man das wissen, um die älteren Patienten nicht unnötig zu behandeln. Diese Dinge herauszufinden ist aber nicht ganz einfach und man braucht gut durchdachte Methoden dafür und natürlich auch Software mit der man diese Sachen rechnen kann. Wir implementieren unsere Methoden immer in R. So sind sie für alle frei verfügbar und nutzbar.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Niemand von uns möchte krank sein und Medikamente bekommen, die gar nicht für uns funktionieren sondern nur für die meisten Patienten. Bei manchen Krankheiten probieren Ärzte einfach verschiedene Medikamente durch und bleiben dann bei dem, das bei dem Patienten anschlägt. Ich hoffe, dass unsere Methoden hier Verbesserung bringen.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist mein Engagement im Bereich Open Science. Ich erhoffe mir, dass wir es schaffen, die Ergebnisse aus Forschung für alle Zugänglich zu machen, die Kosten der Wissenschaft zu verringern, die Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschritts zu erhöhen und die Möglichkeit zur Teilnahme an Forschung für mehr Menschen zu schaffen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Da gibt es einiges 😊

Ich arbeite für das Journal of Statistical Software, ein Open-Access-Journal das auch für Autoren kostenlos ist und in dem es inhaltlich um Software für statistische Analysen geht. Dort kümmere ich mich um die Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse in den Artikeln und um die Endredaktion.

Ich bin für OpenML aktiv. Das ist eine Onlineplatform, auf der man offene Daten, Fragestellungen zu diesen Daten, Algorithmen und Vorhersagemodelle verknüpfen kann. Man kann zum Beispiel einen Datensatz hochladen und eine Fragestellung erstellen (z.B. Kann ich die Verspätung von Bussen in Zürich vorhersagen?). Andere laden die Daten und die Fragestellung herunter und versuchen die Verspätung der Busse möglichst gut vorherzusagen. Am Ende laden sie die Modelle und Ergebnisse auf die Platform und können ihre Lösung mit anderen vergleichen.

Ich engagiere mich ganz allgemein im Bereich Open Science. Zum Beispiel gehe ich auf Workshops und berichte dort von meinen Erfahrungen und Tipps für offenere und reproduzierbare Wissenschaft. Vor kurzem war ich auch auf dem Open Science Trainer Bootcamp von FOSTER. Ganz aktuell kann ich die Summer School on Reproducibility in Computational Sciences im September empfehlen. Da wird es eine Menge cooler Vorträge und Tutorien geben. Bewerbungsschluss ist der 16.7. An der LMU gibt es jetzt auch das Open Science Center, bei dem ich Mitglied bin.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Radln und Skifahren sind die schönsten Sachen auf der ganzen Welt. Jetzt gerade bin ich noch dabei mich auf meinen ersten Triathlon am 1. Juli vorzubereiten. Wenn das hier veröffentlicht wird, ist er schon vorbei und ich werde hoffentlich gut durchs Ziel gekommen sein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich habe eine Antwort für den Sommer und eine für den Winter:

Sommer: Radfahren oder Wandern und danach Grillen im Schrebergarten.
Winter: Skifahren und danach zum Apres Ski. Natürlich mit Schlager 😊

Bitte begrüßt Heidi ganz herzlich bei Real Scientists DE!