Sunday, July 15, 2018

Leib und Seele - Michael Gaebler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Michael Gaebler (@michagaebler) vorstellen! Michael hat in Osnabrück, London und Paris Kognitionswissenschaft und "Brain & Mind Sciences" studiert. Nach seinem Master-Abschluss 2008 legte er eine einjährige Pause für eine Weltreise (!) ein, ehe es ihn zur Promotion an der Berliner Humboldt-Universität und Charité verschlug. Seit 2014 ist er Postdoc am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, wo er sich dem Zusammenspiel von mentalen und körperlichen Prozessen widmet.

Hier ist Michael in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich fühlte und fühle mich in multidisziplinären Umgebungen wohl, in denen versucht wird, inter- oder transdisziplinär zu arbeiten: Studium Generale (Leibniz Kolleg Tübingen), Kognitionswissenschaft (Uni Osnabrück, McGill Uni Montreal) und "Brain and Mind Sciences" (Ecole Normale Supérieure Paris, University College London).

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Erforschen, wie Psychisches mit Physi(ologi)schem zusammenhängt erfordert und bietet viele Perspektiven. Die Arbeit als Wissenschaftler ist vielseitig und spannend - mit allen Aufs und Abs. Trotz der vielen Zeit vor dem Computer habe ich auch viel mit interessanten Menschen zu tun (siehe 5).

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Generell interessiert mich, wie geistige Phänomene mit biologischen Prozessen zusammenhängen. Dabei habe ich zwei Schwerpunkte: Emotionale Verarbeitung in Hirn und Körper bei Gesunden und Kranken sowie die Nutzung von virtueller Realität in der neurowissenschaftlichen Forschung und in der Klinik.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil jeder ein Gehirn, einen Körper und Emotionen hat. :) Ich freue mich, meine Forschung mit jeder und jedem zu diskutieren - um Antworten (möglichst) verständlich zu formulieren und neue Fragen zu entwickeln.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die interessanteste externe/zusätzliche Aufgabe/Tätigkeit ist momentan mein Leben als Vater einer knapp einjährigen Tochter.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
24 Stunden mit meiner Familie: Sonne, entspannt und gut essen, Park, Spielplatz, Hängematte, Lesen, einfach ungeplant treiben lassen. 


Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 8, 2018

Die Partikel-Detektivin - Kathrin Göbel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Kathrin Göbel (@5ternguckerin) vorzustellen! Kathrin Göbel studierte Maschinenbau, bevor sie ihre Begeisterung für Physik entdeckte. Seit 2011 forscht sie auf dem Gebiet der „Nuklearen Astrophysik“ an der Frankfurter Goethe-Universität und an den Beschleunigeranlagen GSI/FAIR in Darmstadt und CERN in Genf. Ihre akademische Reputation trug ihr im Sommer 2016 eine hohe Ehre ein: Sie gehörte zu den auserwählten Jungwissenschaftlern, die am Nobelpreisträger-Treffen in Lindau am Bodensee teilnehmen durften.
Zugleich gilt ihre Leidenschaft der Wissensvermittlung: „Ich möchte“, sagt sie, „die Menschen über Forschung und ihre Ergebnisse informieren, sie neugierig machen und begeistern.“ Zahlreiche Vorträge, u.a. im Physikalischen Verein, in Schulen, auf dem Hessentag und bei der Kindervorlesung der Bürgerstiftung Darmstadt, führten Kathrin Göbel zur Premiere der Veranstaltungsreihe „Wissenschaft Rhein-Main“ im Herbst 2016 in die Hessischen Landesvertretung, Berlin, auf Einladung von Staatsministerin Lucia Puttrich.


Hier ist Kathrin in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Durch Zufall und Begegnungen mit interessanten Person.
Nach dem Abi habe ich angefangen, an der FH Frankfurt Maschinenbau zu studieren, mit der Idee, nachher im Bühnenbau zu arbeiten. So richtig interessant fand ich Maschinenelemente, Festigkeitsrechnungen etc. aber dann doch nicht. Aber die Physik-Vorlesung war spannend! Also habe ich einen Abi-Kollegen besucht, der an der Uni Frankfurt schon Physik studiert hat. Und das gefiel mir sofort. Dann habe ich den Betreuer meiner Bachelor- und Masterarbeit als Tutor in der Experimentalphysik kennen gelernt und ein Projekt an der GSI in Darmstadt bearbeitet. In dieser Zeit habe ich Teilchendetektoren optimiert. Danach war ich etwas ratlos, wo ich promovieren könnte. Ein Bekannter hat mir die Gruppe "Experimentelle Astrophysik" empfohlen. Die Gruppe war recht neu und ich kannte ein paar Leute dort. Schließlich habe ich dort meine Doktorarbeit gemacht und bin bis heute in der Arbeitsgruppe. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Die Menschen in der Arbeitsgruppe und im Arbeitsfeld halten mich dort!
Deswegen an alle da draußen: sucht euch nicht das Forschungsthema, sondern die Forschungsgruppe aus.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In der nuklearen Astrophysik erforschen wir die Entstehung der Elemente von Wasserstoff bis Blei und Uran. Wir machen Experimente an Beschleunigeranlagen, um Sterne, Sternexplosionen und -verschmelzungen besser zu verstehen. Wir wollen z.B. wissen, wie wahrscheinlich verschiedenste Reaktionen von Atomkernen miteinander sind oder wie die Struktur von Atomkernen aussieht. Diese Informationen bauen wir dann in Computersimulationen von Sternen ein, um herauszufinden, welcher Stern wie viel von welchem Element produziert.

Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich: ich designe und baue Teilchendetektoren, führe Experimente durch und analysiere die Daten, mache Computersimulationen, entwickle Projekte, schreibe Anträge und betreue Studierende und Promovierende bei Ihren Arbeiten.


Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir alle bestehen aus einer Vielzahl von Elementen: Unser Körper enthält etwa 65% Wasser, also Wasserstoff und Sauerstoff, Kohlenstoff in vielen Verbindungen, z.B. im Zucker, sowie zahlreiche Spurenelemente wie Eisen, Iod, Fluor und Zink. Doch wo kommen all diese Elemente her? Unsere Einzelteile waren schon in einigen Dutzend Sternen und haben sich zwischendurch mit den Resten anderer Sterne vermischt, bis aus einer Gas- und Staubwolke unser Sonnensystem und schließlich wir entstanden sind. Aber es gibt noch viele offene Fragen und mit jedem Experiment verstehen wir mehr Details vom großen Bild.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
An der Uni Frankfurt habe ich noch ein paar zusätzliche Aufgaben: Zum einen vermittele ich Wissen als Lehrende am Fachbereich Physik, und für das Projekt "Brückenschlagen" gehe ich an Wissenschaftstagen in Schulen im Frankfurter Raum, um mein Forschungsgebiet vorzustellen. Zum anderen bin ich im Gleichstellungsrat des Fachbereichs, für den ich z.B. Veranstaltungen organisiere und Einstellungs-/Berufungsverfahren begleite.

Im Moment noch als Hobby bin ich Teil der Wissenschaftskommunikatoren "science birds". Wir wollen mit Experimenten, Shows und Vorträgen für Wissenschaft begeistern.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin seit fast 10 Jahren im Physikalischen Verein aktiv. Ich halte Vorträge, organisiere kleine und große Veranstaltungen und informiere bei Himmelsbeobachtungen.

Außerdem bin ich leidenschaftliche Handwerkerin, tapeziere, streiche, verlege Böden, mache Installationsarbeiten, ...  Da ich kein eigenes Haus habe, muss ich das allerdings immer bei anderen machen :)

Nicht zuletzt mag ich Hunde und verbringe gerne Zeit beim Spielen oder Üben. Leider habe ich keine Zeit für einen eigenen Hund, aber meine Eltern besitzen einen kleinen Mischling.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Mein idealer freier Tag ist ruhig und beginnt mit Ausschlafen und einem Frühstück auf der Terrasse.
Im Sommer gehe ich gerne im Hofladen etwas Leckeres einkaufen und grille das in kleiner Runde mit lieben Menschen.
Wenn das Wetter schlecht ist, entspanne ich gerne in Therme und Sauna bei interessanten Gesprächen.

Bitte begrüßt Kathrin ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 1, 2018

Statistik ist fantastisch - Heidi Seibold ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Heidi Seibold (@HeidiBaya) vorzustellen! Heidi hat an der Universität Zürich über statistische Methoden für personalisierte Medizin promoviert und arbeitet nun am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung Biometrie und Epidemiologie der LMU München. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit Daten von MS Patienten und versucht herauszufinden welche Medikamente für welche Patienten funktionieren. Heidi ist im Kernteam der Onlineplatform OpenML, bei der es um kollaboratives maschinelles Lernen geht, kümmert sich um Reproduzierbarkeitschecks beim Journal of Statistical Software und engagiert sich allgemein für offene und reproduzierbare Wissenschaft.

Hier ist Heidi in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Statistik studiert, weil ich immer gut in Mathe war und Wissenschaftlerin werden wollte. Warum ich Wissenschaftlerin werden wollte, weiß ich eigentlich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, es war einfach das coolste, was es außer Musiktherapie (da habe ich die Aufnahmeprüfung nicht geschaft) noch so gab 😉

Ich habe im Bachelor und Master angefangen, an wissenschaftlichen Projekten mitzuarbeiten und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass für mich klar war, dass ich promovieren will. Dann habe ich auch noch meine Wunschstelle an der UZH bei Torsten Hothorn bekommen und jetzt bin ich seit April Postdoc an der LMU und kann mir gar nicht vorstellen etwas anderes zu machen, weil ich meine Arbeit so gerne mache.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Statistik ist wichtig in allen Feldern, in denen Daten erhoben werden. Das fand und finde ich superspannend. Zum Beispiel kann man die statistischen Methoden, die ich für einen medizinischen Kontext entwickle auch in den Wirtschaftswissenschaften gebrauchen. Dadurch lernt man immer mal wieder über andere Felder und darf überall mal reinschnuppern. Zum Beispiel habe ich während dem Studium mit Bewegungsdaten von Luchsen und Rehen gearbeitet und über die Politik im Nationalpark gelernt, aber auch Software zur Unterstützung der Suche nach Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg geschrieben.

Außerdem ist Statistik auch ein Fach in dem es noch viel zu tun gibt, weil durch leistungsfähige Rechner viele statistische Methoden oder Methoden des maschinellen Lernens erst seit relativ kurzer Zeit realisitsch geworden sind.

Viele Leute denken, Statistik sei ein sehr trockenes Fach. Ich finde das überhaupt nicht. Die Arbeit ist eigentlich immer interdiszipliär und die Probleme in der Regel spannend und knifflig. Ich schreibe auch gerne Software. Es hat etwas sehr befriedigendes, wenn andere Leute die Software dann nutzen und meine Methoden zitieren.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Sehr gerne: Ich arbeite an statistischen Methoden, mit denen man herausfinden kann, ob unterschiedliche Patienten unterschiedlich auf Medikamente oder Therapien reagieren und wenn ja, welche Patientencharakteristika einen Einfluss auf den Behandlungseffekt dieser Medikamente haben. Wenn zum Beispiel eine Therapie nur bei jüngeren Patienten funktioniert, will man das wissen, um die älteren Patienten nicht unnötig zu behandeln. Diese Dinge herauszufinden ist aber nicht ganz einfach und man braucht gut durchdachte Methoden dafür und natürlich auch Software mit der man diese Sachen rechnen kann. Wir implementieren unsere Methoden immer in R. So sind sie für alle frei verfügbar und nutzbar.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Niemand von uns möchte krank sein und Medikamente bekommen, die gar nicht für uns funktionieren sondern nur für die meisten Patienten. Bei manchen Krankheiten probieren Ärzte einfach verschiedene Medikamente durch und bleiben dann bei dem, das bei dem Patienten anschlägt. Ich hoffe, dass unsere Methoden hier Verbesserung bringen.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist mein Engagement im Bereich Open Science. Ich erhoffe mir, dass wir es schaffen, die Ergebnisse aus Forschung für alle Zugänglich zu machen, die Kosten der Wissenschaft zu verringern, die Geschwindigkeit des wissenschaftlichen Fortschritts zu erhöhen und die Möglichkeit zur Teilnahme an Forschung für mehr Menschen zu schaffen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Da gibt es einiges 😊

Ich arbeite für das Journal of Statistical Software, ein Open-Access-Journal das auch für Autoren kostenlos ist und in dem es inhaltlich um Software für statistische Analysen geht. Dort kümmere ich mich um die Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse in den Artikeln und um die Endredaktion.

Ich bin für OpenML aktiv. Das ist eine Onlineplatform, auf der man offene Daten, Fragestellungen zu diesen Daten, Algorithmen und Vorhersagemodelle verknüpfen kann. Man kann zum Beispiel einen Datensatz hochladen und eine Fragestellung erstellen (z.B. Kann ich die Verspätung von Bussen in Zürich vorhersagen?). Andere laden die Daten und die Fragestellung herunter und versuchen die Verspätung der Busse möglichst gut vorherzusagen. Am Ende laden sie die Modelle und Ergebnisse auf die Platform und können ihre Lösung mit anderen vergleichen.

Ich engagiere mich ganz allgemein im Bereich Open Science. Zum Beispiel gehe ich auf Workshops und berichte dort von meinen Erfahrungen und Tipps für offenere und reproduzierbare Wissenschaft. Vor kurzem war ich auch auf dem Open Science Trainer Bootcamp von FOSTER. Ganz aktuell kann ich die Summer School on Reproducibility in Computational Sciences im September empfehlen. Da wird es eine Menge cooler Vorträge und Tutorien geben. Bewerbungsschluss ist der 16.7. An der LMU gibt es jetzt auch das Open Science Center, bei dem ich Mitglied bin.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Radln und Skifahren sind die schönsten Sachen auf der ganzen Welt. Jetzt gerade bin ich noch dabei mich auf meinen ersten Triathlon am 1. Juli vorzubereiten. Wenn das hier veröffentlicht wird, ist er schon vorbei und ich werde hoffentlich gut durchs Ziel gekommen sein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich habe eine Antwort für den Sommer und eine für den Winter:

Sommer: Radfahren oder Wandern und danach Grillen im Schrebergarten.
Winter: Skifahren und danach zum Apres Ski. Natürlich mit Schlager 😊

Bitte begrüßt Heidi ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 24, 2018

Bewegt euch! Michael Berger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Michael Berger (@__MichaB__) vorzustellen! Michael ist Neurowissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen und hat dort im letzten Jahr seine Promotion beendet. Dabei untersucht er, wie wir Armbewegungen gleichzeitig mit anderen Körperbewegungen kontrollieren. Außerdem betreibt er noch ein wenig Wissenschaftskommunikation mit der Organisation des "March for Science Göttingen", bei Pro-Test Deutschland und der Göttinger Studentenzeitschrift "GGNB-Times".

Hier ist Michael in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hatte schon immer ein technisch, naturwissenschaftliches und mathematisches Grundinteresse. Insbesondere hat mich die mathematische Herangehensweise fasziniert. Wir können die Natur beschreiben, diese Beschreibung mit mathematischen Mitteln umändern und dann Gesetze erhalten,
die wirklich wieder die reale Natur widerspiegeln. Eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass die Mathematik auch nur ein von Menschen erdachtes Gedankenkonstrukt ist. Diese Faszination hat mich zunächst ins Physik-Studium getrieben. Bei der Wahl meines Schwerpunktes habe ich mich für theoretische Neurowissenschaften („Gehirnforschung“) entschieden. Nein, das ist nicht unüblich, Physiker sind häufiger in den Neurowissenschaften vertreten, als man denkt. Leider ist das Gehirn weniger gut verstanden als die Physik und somit sind die theoretischen Beschreibungen auch eher „messy“ im Vergleich zur Physik. Jegliche Theorie benötigt erst einmal eine solide Datenlage und so war meine Schlussfolgerung, dass ich experimentelle Erfahrungen sammeln sollte. Seit Ende 2012 bin ich nun in der Forschungsgruppe Sensomotorik, geleitet von Alexander Gail, am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Dort habe ich im letzten Jahr meine Promotion beendet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Naja, grundsätzlich wollte ich ja „das Gehirn verstehen“. Das ist eine Phrase, die jeder sagt, der etwas mit Gehirn oder Nervenzellen zu tun hat, egal ob Psychologe, Mikrobiologe oder Informatiker. Da ich einen eher mathematisch-technischen Hintergrund habe, bin ich in den „Systemischen Neurowissenschaften“ gelandet. Das bedeutet, ich interessiere mich eher für abstraktere Beschreibungen des Systems „Gehirn“ als den biologischen Details.

Zudem ist es faszinierend, dass sich komplizierte kognitive Prozesse, schon in einfachen Bewegungen widerspiegeln. Da ja Fußball-WM ist, nehme ich als Beispiel einen Elfmeterschützen: Eigentlich muss der nur einmal gegen den Ball treten. Aber um auch ein Tor zu erzielen, muss der Schütze im Laufen seinen Schuss planen, den Fuß koordinieren, die Ballposition beachten, die Torwartposition beachten, die Torwartbewegungen antizipieren, und und und… Der Forschungsbereich „Sensomotorik“ beschäftigt sich damit, wie das Gehirn Sinnesreizen verarbeitet, um daraufhin eine Bewegung auszuführen. In dem wir einfache Bewegungsabläufe und die dazu gehörige Gehirnaktivität studieren, können wir also verschiedene kognitive Prozesse im Gehirn untersuchen. Das fand ich spannend.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wie gesagt, wir untersuchen, wie das Gehirn sensorische Informationen verarbeitet, um eine Bewegung zu planen und auszuführen. Jetzt zeigt das Beispiel des Elfmeterschützens, dass viele Prozesse gleichzeitig ablaufen. Das macht es nahezu unmöglich gemessenen Daten zum richtigen Prozess zuzuordnen. Das heißt, wir benötigen streng kontrollierte Laborbedingungen mit sehr einfachen und minimalen Bewegungen. Üblicherweise werden bei uns, und ähnlichen Laboren, Armbewegungen in abgedunkelten Räumen untersucht. Probanden erhalten nur die nötigen Sinnesreize und müssen ganz bestimmte Bewegungen ausführen. Das ermöglicht es, Verhaltensprozesse zu isolieren und zu studieren. Der Nachteil ist allerdings, dass wir es damit schwer haben, das große Ganze im Gehirn zu verstehen. Das Gehirn ist schließlich so effektiv, da es viele Prozesse parallel ausführt und nicht nacheinander wie ein Computer.
Während wir in den letzten Jahren einiges Wissen angehäuft haben, wie das Gehirn Armbewegungen kontrolliert, beschränkt sich das fast ausschließlich auf Armbewegungen im Sitzen. Wir haben so gut wie keine Ahnung, wie das Gehirn Armbewegungen im Laufen plant und kontrolliert. Laufen und gleichzeitig nach etwas Greifen, oder am Kopf kratzen ist ja nicht gerade etwas, was wir selten machen. Da das allerdings kaum erforscht ist, musste ich zunächst komplett neue Experimentierumgebungen entwickeln. Tatsächlich bestand ein großer Teil meiner Doktorarbeit aus Löten, Schaltkreise designen, 3D-drucken, Kontrollsoftware programmieren und alles zusammenzuschrauben.

Um Laufen und Greifen zu untersuchen, habe ich zwei experimentelle Umgebungen entwickelt. Eine für menschliche Probanden. Ich habe da untersucht, wie Menschen Vibrationsreize an der Hand gleichzeitig mit Lichtreizen an einem Objekt wahrnehmen, während sie mit der Hand zu diesem Objekt hinlaufen und danach greifen. Wie das Gehirn Sehsinn und Tastsinn miteinander abwägt, hängt damit zusammen, wie weit das Objekt entfernt ist und ob Bewegungen geplant sind. Da die Reize und der Abstand des Objektes von mir kontrolliert werden, kann ich Rückschlüsse auf die Bewegungsplanung machen.

Gleichzeitig möchte ich aber auch „sehen“ was im Gehirn vorgeht. Das Gehirn selber ist ein Netzwerk aus vielen Milliarden Nervenzellen. Um Rückschlüsse auf einzelne Gehirnregionen zu machen, müssen wir auch die Aktivität einzelner Nervenzellen betrachten. Das geht leider nur invasiv und in der Regel (von sehr speziellen Umständen abgesehen) nicht im Menschen. Daher sind Tierversuche notwendig. Da zielgerichtete Armbewegungen eine Spezialität von Primaten sind, arbeiten wir hier mit Rhesus Affen. Ich habe eine experimentelle Umgebung entwickelt, in der ich Affen mit Belohnungen darauf trainiert habe, von einer festgelegten Stelle im Käfig zu einem Objekt zu laufen und nach dem Objekt zu greifen. Dabei habe ich ein System, mit dem ich die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn des Affen vor und während der Bewegung messen kann.

Tierversuche bedeuten eine besondere Verantwortung. Ethisch und rechtlich gibt es klare Prinzipien Richtlinien. Unter anderem haben wir die Verantwortung den Tieren eine möglichst angenehme Umgebung zu liefern. In unserer Abteilung haben wir daher eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich ausschließlich damit beschäftigt, das Wohlergehen der Tiere zu quantifizieren und zu verbessern. Im Zuge dieser Gruppe habe ich daran gearbeitet das Tiertraining zu automatisieren, in dem sich die Schwierigkeit der Aufgabe automatisch an das Können des Tieres anpasst. Das fordert die Tiere aber überfordert sie nicht. Gleichzeitig haben wir ein System entwickelt, dass Teile des Trainings nicht in der experimentellen Umgebung, sondern in der vertrauten Heimatumgebung durchgeführt werden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Darauf habe ich eine eher generelle und eine eher speziellere Antwort.

Generell, denke ich, dass ein großes Interesse der Öffentlichkeit an der Funktionsweise des Gehirns besteht. So ein Ding hat ja auch jeder von uns im Kopf. Die Schwierigkeit ist es, dass es unglaublich viele verschiedene Forschungsrichtungen innerhalb der Neurowissenschaften gibt. Jede Einzelne hat ihre Daseinsberechtigung aber auch ihre Grenzen. Möchten man also mehr über das Gehirn erfahren, macht es Sinn, vielen verschiedenen Neurowissenschaftlern zuzuhören. Das bedeutet allerdings auch, wenn jemand daherkommt und sagt: „Ich erzähle dir jetzt die ganze Wahrheit wie das Gehirn funktioniert.“, dann darf man ruhig skeptisch sein, ob das so stimmt.

Im Speziellen wollte ich mit meiner Forschung auch einer konkreten Anwendung zuarbeiten: der Gehirn-Maschine-Schnittstelle. Gehirn-Maschine-Schnittstellen haben z. B. das Potenzial das Querschnittsgelähmte oder Patienten mit amputierten Gliedmaßen wieder Bewegungen durch Roboterprothesen zurückerlangen. Das klingt jetzt sehr nach Science-Fiction (ist es auch ein Stück weit noch), aber mittlerweile gibt es schon die ersten Firmen, die direkt an Anwendungen arbeiten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich gehöre zum Organisationsteam des „March for Science Göttingen“. Wir sind eine recht engagierte und heterogene Gruppe und da Göttingen eine Wissenschaftsstadt ist, erhalten wir viel Unterstützung von Stadt, Uni und Forschungsinstituten. So macht Wissenschaftskommunikation besonders Spaß.

Während meiner Promotion habe ich die Zeitschrift „GGNB-Times“ mit aufgebaut. Das ist die offizielle Zeitschrift der Graduiertenschule „GGNB“ von und für Studenten.

Außerdem bin ich noch bei Pro-Test Deutschland (@ProTestDE) tätig. Das ist eine unabhängige Gruppe aus jungen Wissenschaftlern, wissenschaftlichem Personal und Studenten, die eine offene und objektive Debatte über Tierversuche voranbringen möchten. Viele der Mitglieder machen oder haben Zugang zu Tierversuchen und nutzen ProTest als Plattform, um über die eigenen Ansichten aus erster Hand berichten zu können. Gleichzeitig versuchen wir wissenschaftliche Institutionen zu motivieren, offenen über die eigenen Experimente zu reden, um die Diskussion auf Tatsachen und nicht auf Mythen zu konzentrieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit vielen vielen Jahren fechte ich, Säbel um genau zu sein. (Sportfechten, kein „Studentenfechten“! Das ist ein großer Unterschied.) Früher habe ich noch regelmäßiger im Verein gefochten und war auch bei ein paar Deutschen Meisterschaften dabei. Mittlerweile bin ich eher unregelmäßig im Studentensport in Göttingen aktiv.

Für ein halbes Jahr habe ich in Göttingen am „Theater im OP“ (@Theater_im_OP) als Schauspieler mitgemacht. Ich hätte gerne noch mehr gemacht, aber Theater ist zeitaufwendig und es kamen so Kleinigkeiten wie „Doktorarbeit-Schreiben“ dazwischen…

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Gegen halb acht aufstehen, damit ich um neun Uhr auf der Skipiste bin; bis vier Uhr Skifahren; ein gutes Abendessen kochen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Das Ganze mit meiner Freundin versteht sich. Da die Berge weit weg sind, kommt das leider nicht so häufig vor. Aber auch Tage ohne Skifahren können sehr schön sein 😊.

Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 17, 2018

Grabe aus und rede darüber - Manuela Weber ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Manuela Weber (@manulawe) vorstellen zu dürfen! Manuela hat an der Universität Bern Ur- und Frühgeschichte, Medienwissenschaft und Archäologie der Römischen Provinzen studiert und mit dem Lizentiat zu einem frühmittelalterlichen Gräberfeld abgeschlossen. Nach dem Studium arbeitete sie während eines Jahres auf einer Großgrabung in Zürich. Danach beschäftigte sie sich im nachfolgenden Forschungsprojekt während 3 Jahren mit jungsteinzeitlicher Keramik aus der sogenannten Horgener Kultur. Seit knapp 7 Jahren ist sie bei der Kantonsarchäologie Aargau tätig, in der archäologischen Sammlung und in der Öffentlichkeitsarbeit. 2015 absolvierte sie die Weiterbildung zur Wissenschaftsjournalistin an der Schweizer Journalistenschule MAZ. Seit Anfang 2018 leitet sie nun das Ressort Vermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, Medien in der Kantonsarchäologie Aargau und beschäftigt sich tagtäglich damit, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse an die Öffentlichkeit vermittelt.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Nach meinem Studium der Ur- und Frühgeschichte und der Medienwissenschaft bin ich als erstes auf einer archäologischen Ausgrabung gelandet. Das war 2010, eine spektakuläre Ausgrabung in Zürich direkt vor dem Opernhaus. Es galt, die Überreste einer Pfahlbausiedlung aus der Zeit von 3200 bis 2700 v. Chr. auszugraben und zu dokumentieren, bevor an diesem Platz eine Tiefgarage gebaut wurde. Auf der 9-monatigen Ausgrabung habe ich im sogenannten Fundlabor gearbeitet und dort die Fundobjekte gereinigt, bestimmt, in der Datenbank erfasst und sachgerecht verpackt. Nach der Ausgrabung habe ich aufgrund dieser Arbeitserfahrung direkt eine Anstellung gefunden bei der Kantonsarchäologie Aargau. Auch hier arbeitete ich mit Fundobjekten im Bereich archäologische Sammlung: ich inventarisierte die Funde der laufenden Ausgrabungen. Die Fundobjekte stammten aus allen Epochen: von der Steinzeit über die Bronzezeit und Römerzeit bis ins Mittelalter und die Neuzeit. Parallel zu dieser Teilzeittätigkeit erhielt ich dann die Möglichkeit, die jungsteinzeitliche Keramik der Ausgrabung in Zürich, wo ich dabei gewesen war, auszuwerten. Das war mein erstes großes Forschungsprojekt, in dem ich rund 3 Jahre arbeitete.
Neben der Forschung interessierte ich mich aber immer für die Vermittlung der Forschungsergebnisse an die Bevölkerung, sei es direkt im persönlichen Kontakt mit Führungen und Workshops, vor allem aber auch in der Kommunikation via verschiedene Kanäle. So absolvierte ich schließlich eine Weiterbildung zur Wissenschaftsjournalistin. Dies führte dann Anfang dieses Jahres dazu, dass ich mich ganz der Wissenschaftskommunikation verschrieb und in der Kantonsarchäologie Aargau die Leitung des Ressorts Vermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, Medien übernahm. Hier forsche ich zwar nicht mehr im wissenschaftlichen Sinn, beschäftige mich aber natürlich intensiv mit Vermittlungsformaten und Kommunikationsformen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Beschäftigung mit archäologischen Fundobjekten, hat mir immer gefallen. Die Vergangenheit bzw. deren Erforschung, die Archäologie an sich, übt einfach eine Faszination aus. Durch die Fundobjekte kommt man manchmal auch ganz nah an die Menschen aus dieser Vergangenheit heran, zum Beispiel wenn ich ihre Fingerabdrücke auf der 5000 Jahre alten Keramik entdeckte. Hühnerhautmoment, tatsächlich. Manchmal war diese Forschungstätigkeit aber auch eine einsame und versteckte Angelegenheit. Und ist es wirklich relevant für unsere Gesellschaft, ob ein Keramikgefäß nun eine Wanddicke von 15,5 mm oder 14,2 mm hat? Für die Keramikspezialistinnen natürlich schon, denn da liegen rund 200 Jahre Entwicklung dazwischen, und diese Erkenntnis ist wichtig. Aber für die Bevölkerung, die Menschen da draußen, ist nicht die Wanddicke der Keramik interessant, sondern wie die Menschen damals gelebt haben. Und diese Begeisterung der Menschen für die Vergangenheit spürt man! Deshalb widme ich mich nun auch dieser Aufgabe: das Wissen weiterzuvermitteln. Und dies nicht nur, weil es auch die gesetzliche Aufgabe der Kantonsarchäologie ist, sondern weil ich überzeugt bin, dass die Gesellschaft, letztendlich der Steuerzahler, der die Forschung auch bezahlt, ein Recht darauf hat, daran teilzuhaben. Und zum Schluss: es macht einfach Spaß!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist äußerst vielseitig, ganz grob geht es aber um die Bereiche Vermittlung und Kommunikation. In der Vermittlung organisiere ich mit meinem kleinen Team zusammen Veranstaltungen der Kantonsarchäologie. Dieses Jahr gibt es beispielsweise vier große Erlebnistage in vier Regionen des Aargaus, die sogenannten Kulturerbe-Tage. Da gehen wir vor Ort zur Bevölkerung hin, in eine kleine Gemeinde und zeigen Ihnen ihr kulturelles Erbe. Also die Funde von Ausgrabungen, es gibt Führungen zu Baudenkmälern, wir veranstalten Workshops für Kinder und zeigen mit Demonstrationen, zum Beispiel einem experimentalarchäologischen Bronzeguss, wie die Dinge in der Vergangenheit funktioniert haben. Natürlich gibt es neben diesen Großevents auch regelmäßig Grabungsführungen, Vorträge, Buchvernissagen zu organisieren. Zum Bereich Vermittlung gehören auch Ausstellungen, aktuell beraten wir das Museum Aargau bei der Realisierung einer Archäologie-Ausstellung. Im Bereich Kommunikation pflege ich unsere Webseite und unseren Instagram-Kanal und ich verfasse Medienmitteilungen zu unseren neusten Entdeckungen oder Forschungsresultaten. Mein Team ist auch zuständig für die wissenschaftlichen Publikationen, das heißt unsere Zielgruppe sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, indem wir unsere Ausgrabungs- und Forschungsresultate publizieren, dies selbstverständlich open access. So beschäftige ich mich tatsächlich mit vielen verschiedenen Facetten der Archäologie und bleibe dadurch trotzdem, auch wenn ich nicht mehr aktiv forsche, auf dem Laufenden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Öffentlichkeit hat sich schon immer für Archäologie interessiert! Aber oft schwirren da natürlich Klischees herum: Indiana Jones lässt grüßen. Wir, ich und mein Team, wollen genau diese Klischees aus dem Weg räumen. Die Öffentlichkeit soll also sehen, was wir Archäologen und Archäologinnen wirklich tun, und zwar authentisch. Dass wir nicht Schatzgräber sind, sondern nach wissenschaftlichen Standards arbeiten. Grundsätzlich ist die Öffentlichkeit ja schon sehr an Wissenschaft interessiert, und in der Archäologie sind in den letzten Jahren auch große Schritte gemacht worden, neue naturwissenschaftliche Methoden, zum Beispiel DNA-Analysen, oder neue Dokumentationsmethoden wie 3D-Modelle. Da ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Dadurch haben wir ein immer besseres Bild der Vergangenheit. Die Öffentlichkeit, also jedermann, aber auch die Gesellschaft als Ganzes, kann so plastisch erfahren, woher wir kommen und was unsere Geschichte ist.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nebenamtlich engagiere ich mich noch in einem Verein, der Gesellschaft Pro Vindonissa. Hier bin ich Redaktorin des Jahresberichts, der jährlich erscheint. Er beinhaltet wissenschaftliche Artikel zur Archäologie, wir versuchen aber, diese verständlich und reich bebildert zu realisieren, sodass auch die Laienmitglieder des Vereins die Artikel (hoffentlich) lesen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit, also in den Ferien, reise ich gerne. Einmal pro Jahr findet man mich auf einem Trekking, wo ich am liebsten möglichst einfach im Zelt in der Natur übernachte. Mein Arbeitsalltag ist oft recht turbulent, so dass ich diese Abgeschiedenheit und Einfachheit auf meinen Reisen liebe. Kein Handy, kein Internet, aber auch keine Dusche und kein Federbett.
Ansonsten geh ich gern ins Kino, lese gern und pflege meinen kleinen Garten. Unkrautjäten ist das beste Mittel gegen Alltagsstress!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen selbstverständlich. Ausgiebig frühstücken. Und dann schauen, was passiert.

Bitte begrüßt Manuela ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 10, 2018

Kindsköpfe - Nora Raschle ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nora Raschle (@bornascientist) vorstellen! Nora ist studierte Neuropsychologin und hat an der Universität Zürich über frühe Vorzeichen von Legasthenie promoviert. Nach mehreren Jahren als Postdoc am Boston Children’s Hospital und der Harvard Medical School zog sie zurück in die Schweiz und forscht seither an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Hinblick auf die soziale, emotionale und sprachliche Entwicklung.
Auf https://bornascientist.com/ betreibt Nora einen Blog, oder besser gesagt: eine bunte Plattform mit dem Ziel, Neurowissenschaft verständlich zu kommunizieren.

Hier ist Nora in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war schon immer fasziniert vom Gehirn und der Idee herauszufinden, wie dieses Organ unser Handeln und unsere Gedanken beeinflusst. Wie wir Verhalten und Fähigkeiten lernen, aber auch, weshalb das nicht bei jedem gleich abläuft und welche Konsequenzen dies haben kann. Nach einem Grundstudium in Psychologie habe ich mein Lizentiatsstudium in Neuropsychologie an der Universität Zürich abgeschlossen. Für meine Masterarbeit reiste ich ins Ausland und führte als sogenannter „Visiting Scholar“ eine Forschungsstudie mittels transkranialer Gleichstromstimulation im Bereich der Tonverarbeitung am Beth Israel Deaconess Medical Center und Harvard Medical School Boston (USA) durch.

In den Anfängen der Neuropsychologie lernten man  über die Funktion des Gehirns durch einzigartige Fallstudien. Nicht weit von meinem damaligen Arbeitsplatz entfernt befindet sich eines der wohl bekanntesten Relikte einer Fallstudie aus dem Gebiet der Neurowissenschaften; der Schädel von Phineas Gage. Eine Eisenstange hatte sich bei einem Arbeitsunfall durch dessen Gehirn gebohrt. Überlebt hat er dies, aber seine Persönlichkeit und sein Verhalten veränderten sich komplett. Solche und weitere Studien bildeten die Grundlage unseres Verständnisses, dass Verhalten durch unterschiedliche Gehirnregionen gesteuert werden muss. Zum Zeitpunkt meines Lizentiatsabschlusses (Ende 2007) gab es verschiedenste immer bessere Methoden, welche Vorgänge des Gehirnes räumlich oder zeitlich darstellen konnten. Die Magnetresonanztomographie (MRT), eine nicht invasive und sichere Methode, ermöglicht Einblicke in die Struktur und Funktion des Gehirnes, und faszinierte mich daher am meisten.

Im Team von Prof. Nadine Gaab (Laboratories of Cognitive Neuroscience, Children’s Hospital & Harvard Medical School Boston) bekam ich die Möglichkeit diese Methode von Grund auf zu erlernen und anzuwenden. Dabei habe ich mich speziell für die pädiatrische Bildgebung interessiert. Das heisst, wie man mit Hilfe von MRT das sich typisch und atypisch entwickelnde Gehirn darstellen kann. Als Doktorandin und später als Postdoc habe ich die verhaltensbezogenen und neuronalen Korrelate von Kindern mit einem Risiko für Dyslexie untersucht. Dabei ging es darum aufzuzeigen, ob die Gehirnstruktur und Funktion uns genauere Informationen über die Entstehung dieser entwicklungsbezogenen Sprachschwierigkeiten aufzeigen lassen. Meinen Doktortitel verteidigte ich erfolgreich im Jahr 2011 an der Universität Zürich, nur kurze Zeit nachdem ich Mutter von Zwillingen geworden bin, ein neues Universum an Erfahrungen.

Nach sechs Jahren Forschungsarbeiten an der US-Ostküste bin ich 2013 mit meiner Familie zurück in die Schweiz gezogen. Seither arbeite ich in Basel als Wissenschaftlerin an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Universitären Psychiatrischen Kliniken. Dort bin ich für die bildgebungsbezogenen Studien (Magnetresonanztomographie) zur Untersuchung der Hirnentwicklung bei Kindern und Jugendlichen zuständig.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die pädiatrische Bildgebung bringt eine ganz einzigartige Faszination und neue Herausforderungen mit sich. Faszinierend, da immer noch relative wenig über die frühen Entwicklungsprozesse bekannt ist. Lange wurde das Gehirn mehrheitlich bei Erwachsenen erforscht. Dafür gibt es sowohl technisch bedingte als auch praktische Gründe. Herausfordernd ist dabei der Umgang mit den Kindern, der immer auch den Einbezug der Familien beinhaltet.

Das Verständnis für bildgebende Methoden und die Wichtigkeit dieser Untersuchungen für Forschungszwecke müssen dabei auf einfache und verständliche Weise kommuniziert werden. Das sollte auch immer Spass machen. Bei uns werden Kinder selber zu kleinen Forschern. Sie helfen uns zu verstehen wie Verhaltensweisen gelernt wird, manchmal auch was diese schwierig macht. Nur dank ihrer Teilnahme wissen wir, wie sich das menschliche Gehirn entwickelt. Wenn wir verstehen, wie Kinder lernen und die Welt wahrnehmen, dann können wir in einem weiteren Schritt auch versuchen zu verstehen, weshalb dies nicht jedem Kind gleich gut gelingt. Weshalb es in der Entwicklung Verzögerungen geben kann oder Verhaltensweisen entstehen, die zu einer starken Belastung für das Kind oder seine Umgebung werden können.

Forschungsstudien mit Kindern werden bei uns sehr spielerisch und mit viel Fantasie umgesetzt. Diese Kombination von naturwissenschaftlichem Arbeiten und Kreativität haben für mich besonderen Anreiz. Für meine Doktorarbeit habe ich Stunden meiner „Freizeit“ investiert, um kinderfreundliche MRT-Aufgaben, kurze Filme und attraktives Studienmaterial zu entwickeln. Die Laborarbeit beinhalteten dann aber auch viel programmieren, schreiben und technische Arbeiten. Die Kombination von naturwissenschaftlichem Vorgehen und Kreativität war zu gleichen Teilen entscheidend für den Start von erfolgreichen Studien im Bereich der Gehirnentwicklung.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die Forschungsarbeit besteht meist aus verschiedenen Schritten: (1) das Entwerfen einer Studie und Einwerben von Drittmitteln, (2) Einholen von Ethikbewilligungen für den eigentlichen Versuch, (3) Studienvorbereitung, Rekrutieren und Testen, (4) Analysieren, Auswerten und Interpretieren, (5) Präsentation von Resultaten an Konferenzen und das Schreiben von Manuskripten. Mittlerweile hat sich meine Arbeit weg von der eigentlichen Durchführung von Studien hin zur Betreuung und mehr administrativen Arbeiten verschoben. Bei mir ist das zurzeit so, dass ich Doktoranden und Postdocs betreue, Verantwortungen für das Team trage, Entscheidungen treffe, Anträge schreibe, Analysen durchführe und betreue, Artikel schreibe und immer weniger in der praktischen Durchführung der Studien und dem eigentlichen Testen involviert bin.

Inhaltlich führe ich Studien im Bereich der Sprach- und Emotionsentwicklung bei Kindern im Vorschul- bis Jugendalter durch. Diese Entwicklung wird in Bezug zur psychischen Gesundheit und schulischem Erfolg sowie dem zwischenmenschlichem Funktionieren untersucht. Wir studieren die Hirnentwicklung sowohl bei gesunden Kindern und Jugendlichen als auch bei Kindern und Jugendlichen mit entwicklungsbezogenen Schwierigkeiten (z.B. Dyslexie) oder klinischen Diagnosen wie zum Beispiel der Störung des Sozialverhaltens.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Entwicklung des menschlichen Gehirnes ist ein Prozess, der zum Teil genetisch bedingt ist, aber auch stark von unserer Umwelt geprägt wird. Die Grundbausteine für menschliches Verhalten werden in der Kindheit gelegt. Negative Erfahrungen können lebenslange psychische und physische Konsequenzen mit sich bringen. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse hilft uns, frühzeitig und richtig zu intervenieren. Verhaltensbezogene und mentale Erkrankungen haben Konsequenzen, welche weit über das betroffene Kind hinausreichen. Die Erkrankung eines Kindes betrifft die ganze Familie, deren Umgebung (z.B. das Schulsystem), kann finanzielle Mehrkosten für die Gesellschaft bedeuten und in der Summe auf globaler Ebene spürbar sein.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
In meiner Freizeit führe ich einen Blog (www.bornascientist.com) welcher sich die Wissenschaftskommunikation zum Ziel gesetzt hat. Dabei soll Forschung aus meinem Bereich auf verständliche und kreative Art und Weise an alle vermittelt werden. Denn Forschung soll für alle sein und unbedingt über die Grenzen eines Labors hinaus von Nutzen sein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Auch wenn es schwierig scheint, auch Wissenschaftler sollten sich Zeit für Hobbies und Freizeit nehmen. Ich bin Mutter dreier Kinder (nicht mein Hobby, aber Leben) und Wissenschaftlerin. Wenn sich etwas freie Zeit ergibt, male ich sehr gerne. Das Malen hat sich in der Zwischenzeit auch aufs Illustrieren und Comiczeichnen ausgeweitet; tatsächlich male ich so ziemlich auf alles was mir zwischen die Finger kommt: Bilder, Gesichter, Kuchen,… Sport gibt mir die Möglichkeit für einen Ausgleich und ist damit sehr wichtig. Früher war ich sicherlich aktiver (Volleyball, Snowboarding, Joggen etc.). Heute halten mich die Kinder auf Trab. Zum Ausgleich gehe ich abends gerne mal Klettern. Dabei kann man komplett abschalten und den Kopf woanders haben.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
(1) Ausschlafen, (2) Pancakes mit Erdbeeren, Schlagsahne und Kaffee, (3) mit den Kids zu alten Hits durch die Wohnung tanzen, (4) aktiv sein: Wandern, Schwimmen, Spielen, (4) Essen mit Familie und Freunden, (5) TV & malen

Bitte begrüßt Nora ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 3, 2018

Wissenschaft und Kunst mit Doctor Anna - Anna Zakrisson ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Anna Zakrisson (@XDr_AnnaX) - aka "Doctor Anna" - vorstellen zu dürfen. Anna ist promovierte Biologin und Wissenschaftskommunikatorin mit Abschlüssen an Institutionen wie der Cambridge University und dem Max-Planck-Institut sowie mehrjähriger Berufserfahrung als VP, Head of Content bei ZAGENO.
Sie machte jedoch die Leinen los, verließ ihren Job als Führungskraft und begab sich gemeinsam mit Künstlern und Wissenschaftlern auf den Weg, um die Schönheit der Welt mit all ihren widersprüchlichen Eindrücken zu teilen: Schmerz und Glück, Hässlichkeit und Schönheit, die alle gleichermaßen authentische Seiten von uns sind.
Gemeinsam mit ihrem Partner, dem Opernsänger Joa Helgesson, produziert sie den Podcast Doctor Anna's Imaginarium, in dem sie medizinische Behauptungen in den sozialen Medien in Frage stellt.
Mit ihrem gleichnamigem Blog und zugehöriger Facebook-Seite hat Doctor Anna im Grenzgebiet zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst eine erfolgreiche Online-Plattform mit 30.000 Followern und Tausenden von Lesern, Zuschauern und Zuhörern pro Monat aufgebaut.

Hier ist Anna in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte immer Biologin werden. Mein Vater hat mich seit ich 6 Monate alt war auf seine Expeditionen mitgebracht. Auch wenn er in der Uni unterrichtet hat, war ich oft dabei. Ich denke, er hat mich sehr beeinflusst. Ich finde es einfach SUPERCOOL wie unsere biochemischen Reaktoren, unsere Körper, sich fortbewegen, denken, reagieren... Ein Blatt auf einem Baum ist so komplex, dass man fast umfällt! Wie kann man da nicht staunen!?!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Für die Wissenschaftskommunikation habe ich mich nach fünf Uni-Abschlüssen, inklusive einer Promotion, einer Zeit als Gastforscherin, und dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin und dann ein paar Jahre in der Geschäftsleitung in einer Biotechfirma, entschieden. Ich liebe Forschung, aber die akademische Welt ist nicht ganz meins. Ich mag meine Position als Grenzgänger zwischen Business, akademischer Welt und der Öffentlichkeit.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Erstens betreibe ich meine Wissenschafts-Kommunikations-Plattform Doctor Anna’s Imaginarium mit ungefähr 30.000 Followern auf Facebook. Ich habe auch einen Blog, Podcast und YouTube-Kanal, und habe gerade mit Twitter angefangen.

Ich arbeite auch mit dem Kommunikationswissenschaftler Masse Hellström zusammen. Er hat Jahrelang in Kasachstan und Pakistan für die WHO gearbeitet, besonders mit Impffragen und Gesundheit. Unser Wissen und unsere Expertise ergänzen sich wunderbar, und wir haben wirklich Spaß an der Arbeit. Wir bieten verschiedene Kurse in Kommunikation über Social Media bis Patient-Arzt-Kommunikation oder sogar medizinische Krisenkommunikation an. Wir machen auch ein paar Projektbetreuungen.

Dazu arbeite ich mit hervorragenden Musikern zusammen, z.B. Opernsänger Joa Helgesson, der jetzt gerade das Phantom der Oper in der Oper Göteborg spielt.
Wir haben eine große Show am 6. Juli in Schweden, wo wir Wissenschaft, Oper und Fakirismus kombinieren in einer Vorstellung über Mad King George III (Eight Songs for a Mad King). Wir haben ein Orchester, Tänzer, Sänger… und eine Wissenschaftlerin (das bin ich). Wir haben sogar biophysische Instrumente gebaut in Zusammenarbeit mit Dr. Marco Donnarumma. Projektlink: http://joahelgesson.net/main-page/eight-songs-for-a-mad-king/

Ich LIEBE ES, Wissenschaft an Leute zu bringen, die normalerweise niemals damit in Kontakt kommen. Letztens habe ich einen Vortrag auf einer Body Suspension/Tattoo-Convention gehalten. War super!

Ich schreibe auch ein Buch und trinke viel zu viel Kaffee.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wenn wir nicht ordentlich mit der Öffentlichkeit kommunizieren, werden wir es teuer bereuen. Forschungsgelder werden von Politikern gestrichen, wenn kein öffentliches Interesse an unserer Forschung besteht. Noch schlimmer wird es, wenn Forschung falsch verstanden und zu viralen Unwahrheiten transformiert wird. Diese Urban Legends sind sehr schwierig zu kontrollieren. Man muss sie einfach von Anfang an vermeiden.
Ein anderer Grund ist, Epidemien zu vermeiden: Krankheit und Tod.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Es geht nicht. Der Zeitplan ist voll. Vielleicht brauche ich einfach mehr Kaffee?

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich hatte eine Weile eine Feuershow, die Burn Baby Burn hieß.
Ich habe lange Mixed Martial Arts (MMA) gemacht und sogar ein paar Wettkämpfe im Grappling. Heute mache ich meist Muay Thai. Mir geht es schlecht wenn ich mich nicht bewege, aber noch schlechter geht es meinem Partner. Habe etliche idiotische Sportprojekte hinter mir, z.B. The Original Mountain Marathon, obwohl ich eine miserable Läuferin bin.
Ich lebe mit dem Krankheit Endometriose und werde ab und zu operiert. Ich sehe es fast als ein etwas lästiges Hobby.
Für die Vorstellungen, z.B. Eight Songs for a Mad King, habe ich angefangen zu schauen wie weit ich meine Körper strapazieren kann z.B. mit Body Suspensions. Ich finde das Thema Schmerz sehr interessant, besonders da ich mit chronische Schmerzen lebe.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Schlafen, Kaffee, Essen, Kaffee, Training, Kaffee, Essen, Kaffee.
Dann möchte ich mich in der Berliner Nacht verlieren mit meinem Partner.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 27, 2018

Wasser, Wasser überall - Gregor Kalinkat ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Gregor Kalinkat (@gkalinkat) vorzustellen! Gregor hat in Stuttgart Abitur gemacht und anschließend an der TU Darmstadt Biologie studiert sowie 2012 auch dort promoviert. Für seine Doktorarbeit hat er mit Spinnen, Laufkäfern und Hundertfüßern experimentiert. Nach der Promotion hat er sich am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin sowie an der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) in Kastanienbaum bei Luzern (CH) vermehrt mit aquatischen Organismen und Ökosystemen beschäftigt. Schwerpunkte seiner Forschung liegen auf Räuber-Beute Beziehungen und Nahrungsnetzen und wie diese sich unter dem Einfluss von Klimawandel und eingeschleppten Arten ("Neobiota") verändern. Besonderes Interesse widmet er in letzter Zeit dem teilweise drastischen Rückgang der Artenvielfalt in Binnengewässern

Hier ist Gregor in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich bin in den Achtzigern mit den Dokumentationen von Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek aufgewachsen und war schon als kleiner Junge von Tieren fasziniert, ohne dabei eine besondere Vorliebe für eine bestimmte Art oder Gruppe zu entwickeln. Als Jugendlicher habe ich dann bei den christlichen Pfadfindern sehr viel Zeit im Freien verbracht, was sicher auch für den weiteren Weg nicht ganz unbedeutend war. Die Wahl das Bioleistungskurses kam dann in der elften Klasse fast schon zwangsläufig. Später war mein Berufswunsch eher Journalist als Wissenschaftler. Allerdings bekam ich vor dem Studium von vielen Seiten her die Empfehlung, für den Berufseinstieg in dem Bereich eher praktische Erfahrung im Journalismus mit einem Fachstudium, für das ich idealerweise besonders großes Interesse mitbringen sollte, zu kombinieren (man muss dazu sagen es gab Ende der Neunziger auch noch so gut wie keine Studiengänge in die Richtung). Ich entschied mich somit für ein Diplomstudium in Biologie. Im Studium habe ich dann versucht mich möglichst breit aufzustellen und molekulare und organismische Themen gut abzudecken. Das hat dann dazu geführt, dass ich nicht der allerschnellste im Studium war, hat mir aber später oft geholfen wenn es darum ging neue Themenkomplexe zu verstehen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe an der Technischen Universität Darmstadt studiert, wo die Biologie im Vergleich zu Fachbereichen wie Architektur, Informatik oder den Ingenieursfächern eher ein Schattendasein führt (tatsächlich ist die Biologie der kleinste Fachbereich in Darmstadt). Und innerhalb dieses kleinen Fachbereichs wiederum hat die organismische Biologie einen schweren Stand gegenüber den "moderneren" molekularen Disziplinen. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) bin ich in Darmstadt auf Professoren und Wissenschaftler getroffen, die meine Begeisterung für Ökologie und Evolutionsbiologie entfacht haben. Namentlich erwähnen möchte ich dabei sowohl den Bodenökologen Professor Stefan Scheu (heute Uni Göttingen) sowie meinen Doktorvater Professor Ulrich Brose (heute Uni Jena und iDiv Leipzig). Ganz besonders gefesselt hat mich das intensive Naturerlebnis auf verschiedenen Freilandexkursionen während des Studiums. Von den Tiefen des Mittelmeeres bis zu den Höhen der vergletscherten Gipfel in den Ötztaler und Engadiner Alpen. Man versteht die Prozesse die für die Entstehung der Arten und für ihr Zusammenleben entscheidend sind einfach viel besser, wenn man sich den Elementen aussetzt und mit einer Gruppe Gleichgesinnter in diese Welten abtaucht, egal ob es sich dabei um den felsigen Meeresboden vor Giglio oder ein Gletschervorfeld auf 3000 Metern über dem Meer handelt.

Später hat mich dann insbesondere die Verknüpfung von theoretischer Ökologie und Laborexperimenten zum Frassverhalten von bodenlebenden Gliederfüßern in der damals noch sehr jungen Arbeitsgruppe von Ulrich Brose gepackt. Laborversuche zum Verhalten haben nun mal den Vorteil, dass man sie viel besser plannen kann was für die zeitnahe Fertigstellung einer Diplom- oder Doktorarbeit durchaus hilfreich ist. In der Folge habe ich in der AG Brose meine Diplomarbeit angefertigt. Anschließend hatte ich dann wohl auch etwas Glück, dass gerade Geld für eine Doktorandenstelle da war auf der ich weniger als 2 Wochen nach meiner letzten Diplomprüfung anfangen konnte. In der Folge kam ich dann über eine interessante Ausschreibung ans IGB wo ich mich zuletzt auch mit individueller Varianz in Verhaltensmerkmalen beschäftigt habe. So habe ich im Lauf der Zeit mit einer Vielzahl von Kollegen zusammen gearbeitet die teilweise völlig verschiedene Hintergründe mitbringen von der theoretischen Physikerin über den Wasserbauingenieur bis hin zum Umweltwissenschaftler mit Soziologie-Schwerpunkt. Und bis zum heutigen Tag bin ich immer wieder aufs neue von der Interdisziplinarität fasziniert, die die Arbeit in der Ökologie und in der Naturschtzbiologie mit sich bringt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Aktuell bin ich im Projekt GLANCE (Gobal Change Effects in River Ecosystems) angestellt das vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) finanziert und von Dr. Sonja Jähnig am IGB geleitet wird. Ich persönlich untersuche dabei insbesondere das Zusammenwirken von steigenden Temperaturen und der Ausbreitung invasiver Arten. In Binnengewässern hat dieses Zusammenspiel eine ganz besondere Dynamik da durch die so genannte thermale Verschmutzung (beispielsweise durch Zufuhr von aufgewärmtem Kühlwasser aus Kraftwerken) viele Gewässer schon heute eine deutlich höhere Steigerung der Durchschnittstemperaturen erfahren als das durch den Klimawandel für Lebensräume auf dem Land oder im Meer der Fall ist. So ist laut einer 2016 veröffentlichten Studie von Hydrologen der ETH Zürich der Rhein der am stärksten thermisch belastete Fluss der Welt. Gleichzeitig findet sich auch eine sehr hohe Zahl invasiver Arten im Rhein und seinen Nebenflüssen. Meine aktuelle Arbeit besteht darin Studien zu diesem Thema zusammenzutragen. Außerdem arbeite ich mit verschiedenen Kollegen auch an ganz konkreten Beispielsystemen etwa an der Erft in Nordrhein-Westfalen oder an einigen thermal verschmutzten Seen bei Konin in Zentralpolen. Hierbei kombinieren wir Feldarbeit zu Bestandsaufnahmen der Artenvielfalt mit Laborexperimenten zum Verhalten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Artenvielfalt und intakte Natur sind immens wichtig für uns Menschen. Aber selbst ohne direkten (nachweisbaren) Nutzen ist jede einzelne Art wert, dass man sich für ihren Erhalt einsetzt. Ich denke das ist eines der spannendsten Themen die wir in unserer gemeinsamen Woche auf Real Scientists DE besprechen können und sollten ;)

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin seit kurzem Botschafter für Preprints und Preprint-Server in der Biologie bei der Organisation ASAPBio. Auch dazu wird es während meiner Woche als Kurator definitiv ein paar Teewts geben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin früher mal relativ intensiv Fahrrad gefahren, insbesondere auf dem Mountainbike. Ich bin aber auch schon bei Klappradrennen wie dem berühmten Kalmit Klapprad Cup bei Neustadt an der Weinstrasse an den Start gegangen. Das Hobby ist in den vergangenen Jahren Job- und Familienbedingt leider etwas eingeschlafen aber so langsam sind die Kinder aus dem Gröbsten raus und ich hoffe bald wieder etwas mehr Zeit für mein Hobby zu haben.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Am liebsten verbringe ich mit meiner Familie Zeit im Freien (schwimmen, radfahren, etc)

Bitte begrüßt Gregor ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 20, 2018

Stadtlandschaft - Stefan Kurath ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Stefan Kurath (@stadtlandschaft) vorzustellen! Stefan ist Architekt und Urbanist. Nach seinem Studium der Architektur in der Schweiz und den Niederlanden hat er an der HafenCity-Universität in Hamburg in Stadtplanung promoviert. 2013 war er gemeinsam mit Peter Jenni Gewinner des CS-ZHAW-Lehrpreis-2013-Awards für herausragende Lehre. Jetzt ist er Professor für Architekture und Entwurf, Leiter der Instituts Urban Landscape und Büroinhaber des urbanplus.ch Büros für Architektur und Städtebau. Stefan ist auch Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Architektur, Städtebau und Raumforschung.

Hier ist Stefan in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Unbeabsichtigt. Im Ernst. Ich habe zwar nebst meiner Arbeit als Architekt immer geschrieben und war in Teilzeit stets an Hochschulen tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Beim Schreiben geht’s aber vorwiegend um das Beziehen einer architektonischen städtebaulichen Position, die wiederum in der Lehre von Bedeutung ist. Nie aber habe ich auch nur im Ansatz daran gedacht zu promovieren, da zum einen Architektur als nicht wissenschaftliche Disziplin gilt und es zum anderen hieß: nur unfähige Architekten doktorieren (im Selbstverständnis der Architektinnen und Architekten hat der Architekt/die Architektin in erster Linie die Aufgabe, schöne Häuser zu entwerfen - bei Berufungen für Professuren zählen denn auch in der Regel nicht die Forschung, sondern das gebaute Werk). Ich wurde aber eines Tages von einem Professoren mit Hintergrund Wirtschaftsgeschichte - von dem ich inhaltlich sehr viel halte - angefragt, ob ich nicht über ein städtebauliches Thema doktorieren möchte. Das heißt in der Architektur, dass man sich wissenschaftliche anerkannt Forschungsmethoden aus bspw. Geschichte, Soziologie, Ethnologie, etc. aneignet und sich so städtebauliche architektonische Phänomene untersucht. Da mich a. seine Auseinandersetzungen mit Architektur und Stadt interessierte, b. die Betreuungsperson sich als äußerst fair und aufrichtig erwies (gemäß Umberto Eco einer der wichtigsten Faktoren wenn es darum geht, eine
wissenschaftliche Arbeit zu schreiben) habe ich zugesagt. Den Entscheid habe ich bis heute nicht bereut. Auch bin ich deswegen kein schlechterer Architekt geworden - aber sicher ein kritischerer gegenüber der Profession. Parallel zu meiner Forschungstätigkeit habe ich drum auch im eigenen Büro in Zürich und Graubünden gearbeitet und Bauten realisiert.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Architektur und Stadt haben mich seit ich fünfzehn Jahre alt bin fasziniert - auch wenn ich in den Schweizer Bergen auf dem Land aufgewachsen bin. Nach dem Architekturstudium hat mich vor allem interessiert, wie es dazu kommt, dass das, was im Studium vermittelt und in den Architekturbüros erarbeitet wird - sich kaum auf die Stadt des Alltags auswirkt. Das war denn auch die Ausgangsfrage meiner Doktorarbeit: Wie kommt es zur Diskrepanz zwischen dem was Planer beabsichtigen und dem, was sich in der Stadtwirklichkeit tatsächlich abzeichnet. Die Diskrepanz ist groß. Wo also liegen die Grenzen und Chancen der Planung im Spiegel der städtebaulichen Praxis? Ich habe mich also mit der Wirkungsgeschichte und der Rolle von Architekten und Architektinnen und ihren Handlungsstrategien im Alltag auseinandergesetzt. Das tue ich heute noch. Ich profitiere auch in meiner Architekturpraxis von dieser Arbeit und umgekehrt. Deshalb werde ich dieses Thema auch weiter verfolgen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin in der Lehre und Forschung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften tätig und leite zusammen mit Regula Iseli das Institut Urban Landscape mit rund 20 Personen. An unserem Departement erachten wir es als äußerst wichtig, dass die Dozierenden und Forschenden parallel in der Praxis tätig sind, da Lehre und Forschung in Architektur im angewandten Bereich zu verorten ist. Das heißt, dass der Praxisbezug ein Stück weit auch das Vertrauen in meine Lehrbefähigung, aber auch in die Praxistauglichkeit der Forschung stärkt. Im Büro arbeite ich an städtebaulichen Studien und architektonischen Projekten. Ich selber arbeite dabei in Zürich mit zusammen mit einem Partner in Graubünden. Der Spagat ist groß, die Zeit ist knapp, aber eben die gegenseitig Befruchtung sehr groß.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die öffentliche Hand investiert sehr viel Geld in die Planung von Quartieren, Siedlungen, Infrastrukturen, öffentlichen Raum, Studien zur zukünftigen Entwicklung, und gleichzeitig sind zumindest im Städtebau und in der Raumplanung nur sehr wenige Auswirkungen dieser Planungen im Alltag sichtbar - insbesondere in den Agglomerationen und Metropolitanräumen, also außerhalb der historischen Dorf- und Stadtkerne. Dies hängt zusammen mit der Kurzfristigkeit gesellschaftlicher Bedürfnisse und der Langfristigkeit der Planungen. Das heißt vereinfacht gesagt, was heute geplant wird, interessiert morgen kaum mehr jemanden. Planungen verliert also im Laufe der Zeit die gesellschaftliche Entsprechungen - sie werden (wenn die Verknüpfungen zu sich verändernden Bedürfnissen der Gesellschaft nicht aufrecht erhalten werden) zur Makulatur. Dies ist vorwiegend auf Misskonzeptionen der Handlungsstrategien in Architektur und Städtebau zurückzuführen. Planer und Planerinnen sind sich ihrer nicht intendierten Folgen durch Planung zu wenig bewusst. Planer und Planerinnen gehen von Ursache und Wirkung aus. Der Alltag zeigt aber eher die Verkettung von Ursache mit Ursache mit Ursache. Ich kann durch meine Arbeit aufzeigen, wie planerische Inhalte über längere Zeit „im Gespräch“ bleiben können und was zu tun ist, damit sich die Realisierungschancen planerischer Ziele verbessern. Wer sich also für meine Forschung interessiert, erhält als Resultat nicht nur die (nach baukünstlerischen Kriterien) schönere Stadt, sondern setzt seine Mittel auch effizienter ein (allerdings ohne Garantie ;-))

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nebst Lehre, Forschung und Praxis bin ich in Vorständen von Berufsverbänden wie Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) und Beobachter für Wettbewerbe und Ausschreibungen (BWA) tätig

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Architektur, Städtebau, Skifahren, Wildwasserkajak (wobei für die letzten beiden Positionen kaum Zeit bleibt)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Der ideale freie Tag verbringe ich mit meiner Familie.

Bitte begrüßt Stefan ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 13, 2018

Die Jagd nach zoonotischen Viren - Dr. Katharina Kopp ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Dr. Katharina Kopp (@koppk_OHPGXC) vorzustellen! Katharina ist Expertin in Infektionskrankheiten und hat 1994 an der Ludwig-Maximilians-Universität München in Tiermedizin promoviert. Jetzt ist sie selbstständige Freiberuflerin mit ihrem Ein-Frau-Unternehmen One Health Pathogenomics Consulting Dr. Katharina Kopp. Katharinas anderer Twitter-Account ist Zoonotic Virus Discovery Paper Bot, auf dem Tweets mit Links zu Artikeln über zoonotische Viren gepostet werden.

Hier ist Katharina in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Promotion nach Tiermedizinstudium, da ich mich auf Tropenveterinärmedizin spezialisieren wollte. Infektionskrankheiten waren schon im Studium “mein Ding” und Afrika sowieso.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden und/oder was hält dich dort?
Begeisterung für Infektionskrankheiten, Tropen, Feldarbeit und Computer sowie die Kombi aus all dem.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe mit tropischen Zecken und von diesen übertragenen Krankheiten während meiner Promotion angefangen. Dann spezialisierte ich mich weiter auf Tropenveterinärmedizin und “Animal Health Management” und arbeitete in Ostafrika in Projekten über Zoonosen, u.a. Trypanosomiasis (Schlafkrankheit/Nagana) und atypische Mykobakterien in Haus- und Wildtieren.

Virologie war schon immer meine Lieblingsdisziplin, so dass ich dann in die damals sich verbreitende molekularbiologische Diagnostik einstieg. Nach vielen Jahren im Feld in Ostafrika und einem Studium der Bioinformatik und Arbeit in einer strukturbiologischen Gruppe an der Uni in Deutschland, ging ich wieder für eine Weile ins Labor nach Australien, um über Viren zu forschen. Erst arbeitete ich in einer HIVGruppe, dann in einer “Special Pathogens” Gruppe, die sich hauptsächlich mit “Emerging Infectious Diseases” beschäftigt, deren bekannte oder vermutete Reservoirwirte Fledermäuse sind.

Davon ausgehend kehrte ich wieder nach Ostafrika zurück und untersuchte mit molekularbiologischen und bioinformatischen Methoden im Feld nach “neuen”, noch unentdeckten Viren und anderen Pathogenen in Wildtieren. Nun bin ich, zumindest zwischenzeitlich wieder in Deutschland und versuche meine angesammelten Erfahrungen im Feld zu “verarbeiten”.

Ich habe ein Ein-Frau-Consulting-Unternehmen gegründet und biete Beratung und Training rund um “Pathogen Discovery” an, von der sicheren Probengewinnung im Feld, über molekularbiologische
Untersuchung bis zur bioinfomatischen Datenanalyse. Dabei liegt mein Fokus weiterhin auf dem “One Health” Konzept, also der interdisziplinären Schnittstelle zwischen Tiermedizin und “Public
Health” und allen kooperierenden Disziplinen, wie z.B. Anthropologie oder Ökologie.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Infektionskrankheiten sind per se “interdisziplinär” (oder sollte ich sagen “un-disziplin-iert”?). Sie halten sich weder an Landesgrenzen, noch an strikte Beschränkung auf eine Wirtsspezies. Ohne die
Einbeziehung möglichst vieler Faktoren, wie Umwelt, Klima, sozioökonomische Strukturen, Biodiversität etc., können wir die komplexen Zusammenhänge nicht ausreichend verstehen, die in
letzter Zeit zum verstärkten Auftreten von “Emerging und Reemerging diseases” und “Species Spillover” führen. Ein tieferes Verständnis dieses Pathogen-Wirt-Umwelt Netzwerkes ist aber
dringend notwendig, um “alte” Seuchen zu kontrollieren oder “neue” gar nicht erst Fuß fassen zu lassen (Stichworte: HIV, Ebola, MERS,…).

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wildtierschutz (Conservation) in Zusammenarbeit mit the Uganda Canivore Program (Facebook-Seite hier) und die dazugehörige Community-Arbeit.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich coache/trainiere/manage ostafrikanische Jugendgruppen in Akrobatik unter dem Motto: “Saltos statt Wildern!”

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Sport, Sport, nochmals Sport und dann ganz viel richtig guten Kaffee in toller Landschaft trinken (Berge, Seen, Meer, Savanne oder Tropenwald) und sich dabei mit netten Leuten aus ganz anderen Fachgebieten und mit ganz anderen Lebensentwürfen unterhalten.

Bitte begrüßt Katharina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 6, 2018

Ohne Moos nix los - Ralf Reski ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Ralf Reski (@ReskiLab) vorstellen! Ralf ist Professor für Pflanzenbiotechnologie an der Universität Freiburg und hat sich ganz den Moosen verschrieben. Im Laufe seiner Karriere hat er intensiv Genetik und Stoffwechsel von Moosen beforscht -- unter anderem war er an der Entschlüsselung des Genoms von Physcomitrella patens beteiligt -- und Moose als Modellorganismen populär gemacht. Ralf ist Mitbegründer der Greenovation Biotechnologie GmbH, die einen Moosbioreaktor zur Arzneimittelherstellung entwickelt hat, sowie -- unter anderem -- des International Moss Stock Centers, der Spemann Graduiertenschule für Biologie und Medizin, und des Exzellenzclusters Zentrum für Biologische Signalstudien (bioss).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Zuerst wollte ich Journalist werden, dann Lehrer. Meine Staatsexamensarbeit hat mich überzeugt, dass Wissenschaftler die beste Wahl ist.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Schon in der Staatsexamensarbeit habe ich an Moos geforscht. Es gibt noch so unglaublich viel zu entdecken!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir versuchen, erstklassige Grundlagenforschung zu machen und dabei mögliche Anwendungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen, weil Moose unglaublich interessant sind, zum anderen, weil die Verbindung von Grundlagenforschung und Anwendung (Innovationen!) ein höchst spannendes gesellschaftliches Thema ist.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Unternehmensgründer, Politikberater, Arbeit in der universitären Selbstverwaltung, Wissenschaftskommunikation

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein Beamter ist immer im Einsatz. ;)

Bitte begrüßt Ralf ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 29, 2018

Lesen lernen - Xenia Schmalz ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Xenia Schmalz (@xenia_sch) vorzustellen! Xenia hat in Australien Psychologie studiert und dann in Sydney in Kognitionswissenschaften promoviert. In ihrer Promotion beschäftigte sie sich damit, wie sich die kognitiven Prozesse beim Lesen in Deutsch und Englisch unterscheiden. Nach ihrem Studium verbrachte sie zwei Jahre als Postdoc in Padua und arbeitet aktuell als Postdoc in München. Sie interessiert sich weiterhin für das Thema Lesen in verschiedenen Sprachen und für kognitive Defizite, die zu Lese- und/oder Rechtschreibschwäche führen können. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich komme aus einer Akademikerfamilie, und dass ich nach dem Bachelorstudium weiterstudiert habe war für mich irgendwie ganz natürlich. Danach habe ich für zwei Jahre als Postdoc in Padua (Italien) gearbeitet, und bin jetzt in München gelandet. Besonders hat mich an einer wissenschaftlichen Karriere gereizt, dass ich unabhängig bin und an Themen arbeiten kann, die mich wirklich interessieren. Bis jetzt bin ich nicht enttäuscht worden!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein Forschungsgebiet ist Kognitionspsychologie/Psycholinguistik. Ich habe Psychologie an der Australian National University in Canberra studiert, und habe mich immer für Sprachen interessiert. Während meiner Bachelor-Arbeit habe ich an einem Projekt über Lesen Lernen gearbeitet. Ich fand das Thema interessant und habe auch zu diesem Thema an der Macquarie University in Sydney promoviert.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die meisten von uns lesen täglich (seien es Bücher, Zeitungen, Facebook, oder Werbungen in der U-Bahn), ohne dass es uns bewusst wird, wie komplex der Prozess des Lesens ist. Dass wir aus visuellen Symbolen komplexe Konzepte und Sichtweisen entnehmen können, ist schon ziemlich beeindruckend. Ich arbeite mit Kindern und Erwachsenen. Mein Ziel ist es, besser zu verstehen, welche kognitiven Prozesse für das Lesen und Lesen Lernen wichtig sind.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Da ich vor allem Grundlagenforschung betreibe,  fällt es mir manchmal schwer zu erklären, wieso meine Forschung wichtig und interessant ist. Wahrscheinlich hat wenig von dem, was ich mache, unmittelbare Anwendungen in der Praxis. Aber ein besseres Verständnis der kognitiven Prozesse, die dem Lesen Lernen zugrunde liegen, geben uns Einsichten darüber, wie man in der Schule das Lesen unterrichten sollte, und wie wir Kindern mit Leseschwäche am besten helfen können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich für Open Science. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass wir unsere Resultate einer breiten Öffentlichkeit vermitteln. Das schließt  auch Informationen darüber ein, wie wir zu unseren Schlussfolgerungen gekommen sind. Leider gibt es zum Thema Lesen lernen und  Lese- und Rechtschreibschwäche ziemlich viel Quacksalberei. Wenn wir als Wissenschaftler ernst genommen werden wollen, müssen wir auch unsere Methoden klar darstellen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele Cello und Klavier und reise und lese sehr gerne. Ich treibe auch ziemlich viel Sport (als Ausgleich dafür, dass ich die meiste Arbeitszeit am Schreibtisch vor dem Computer verbringe).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Da sehe ich zwei Möglichkeiten: Entweder eine neue Stadt in einem neuen Land erkunden, oder ein entspannter Tag zu Hause: Brötchen zum Frühstück, ein Spaziergang oder Fahrradausflug mit meinem Mann, Musik, Lesen, und dann irgendwas leckeres zum Abendessen.

Bitte begrüßt Xenia ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 22, 2018

Kampf den Antibiotikaresistenzen - Uli Klümper ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Uli Klümper (@UliKluemper) vorstellen! Uli hat in Duisburg-Essen „Water Science“ studiert und 2009 seinen Bachelor- und 2011 seinen Mastertitel erworben. Nach Forschungsaufenthalten in Wales und Hong Kong hat er seine Doktorarbeit unter Anleitung von Prof. Barth F. Smets an der Technical University of Denmark in Lyngby verfasst und 2015 abgeschlossen. Anschliessend verbrachte er einen zweijährigen Postdoc im European Centre for Environmental and Human Health an der University of Exeter, UK. 2017 erhielt er ein Individual Research Fellowship vom europäischen Marie-Curie-Forschungsprogramm um mit Prof. Angus Buckling und Prof. Will Gaze im College of Life and Environmental Sciences, University of Exeter an der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in bakteriellen Gemeinschaften zu forschen.
  
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon während der Schulzeit war ich mir eigentlich immer sicher, dass ich etwas mit Naturwissenschaften studieren wollte. Nachdem ich mich während meines „Water Science“ Studiums (Universität Duisburg-Essen) über diverse Forschungsprojekte und Auslandsaufenthalte (Wales, Hong Kong) einmal in der Universitätswelt eingelebt hatte, war mir eigentlich klar, dass eine wissenschaftliche Karriere genau das richtige für mich ist. Entsprechend habe ich mir eine PhD-Stelle im Ausland (Technical University of Denmark) gesucht und kann mir auch nach dem jetzigen Wechsel zum PostDoc aktuell nur schwer vorstellen, der Wissenschaft und Forschung in der Zukunft den Rücken zu kehren. Einer meiner liebsten Aspekte in der Wissenschaft ist die Möglichkeit, Kollaborationen mit Laboren aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen einzugehen und über Reisen zu Konferenzen verschiedene Teile der Welt zu erkunden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meiner Masterarbeit in Hong Kong habe ich realisiert, dass ich gerne eine längere Zeit im Ausland verbringen möchte und mich entsprechend auf die Suche nach PhD Stellen in der angewandten Mikrobiologie gemacht. Auf ein bestimmtes Feld hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht festgelegt und mir auch Stellen in biologischer Abwasserreinigung und Bioremediation von mit Schadstoffen belasteten Ökosystemen angeschaut. Im Nachhinein bin ich allerdings sehr froh über meine finale Entscheidung, mich während meiner Doktorarbeit der Ausbreitung von Resistenzgenen in bakteriellen Gemeinschaften zu widmen. Antibiotikaresistenzgene, vor allem in Krankheitserregern, werden zu einem immer grösseren Problem für unsere Gesundheit, da die herkömmlichen Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Die Arbeit in einem gesundheitsrelevanten Bereich ist motivierend und herausfordernd und gibt mir das Gefühl, mit meiner Arbeit einen Unterschied ausmachen zu können. Da Bakterien nicht nach Tarifplan arbeiten, ist meine Arbeitszeit außerdem sehr flexibel, je nachdem wie ich meine Experimente plane. Diese Freiheit in der Gestaltung meiner Forschung und Arbeitszeit will ich auf keinen Fall missen, auch wenn es hin und wieder mal unerwarteter Weise ein Wochenende kosten kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin aktuell seit 2.5 Jahren in Penryn (UK) and der University of Exeter, zuerst als Postdoctoral Research Fellow und nun als individueller Forscher finanziert über das europäische Marie-Curie-Forschungsprogramm. Als Mikrobiologe befinde ich mich tagtäglich im Labor, wo ich mich mit meinen Bakterien beschäftige. Bakterien leben in der Umwelt in sehr diversen Gemeinschaften von mehreren Milliarden Mikroorganismen und in meiner Forschung nutze ich jene Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt von Schweinen vorkommen, als Modell. Entsprechend begebe ich mich regelmässig auf eine lokale Schweinefarm um Stuhlproben der dort ansässigen Schweine einzusammeln. Im Labor kultivieren wir die Bakterien aus diesen Proben, um sie in meinen Experimenten zu nutzen. In meinem Projekt versuchen wir jene Umweltbedingungen zu identifizieren, in denen ein Bakterium das resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum ist einen selektiven Wachstumsvorteil gegenüber einem für dieses Antibiotikum anfälliges Bakterium hat, und sich dadurch ausbreiten kann. Auf diesem Wege können wir dann in der Zukunft Massnahmen treffen, um diese Bedingungen die zur Ausbreitung von Resistenzen beitragen zu vermeiden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Antibiotikaresistenz und im speziellen die Entstehung und Ausbreitung von multiresistenten Krankheitserregern steht auf der Liste der Gefahren für die zukünftige Gesundheit der Menschheit sehr weit oben. Diese Superbugs sind mit den aktuell klinisch verfügbaren Antibiotika nicht mehr behandelbar und somit ein sehr komplexes und auch internationales (Bakterien kennen keine Grenzen) Problem für unsere Gesundheit.
Ein vom britischen Gesundheitsministerium veröffentlichter Report aus dem Jahr 2014, schätzt, dass falls keine Maßnahmen ergriffen werden, im Jahr 2050 mit bis zu 50 Millionen Todesfällen pro Jahr durch resistente Bakterien zu rechnen ist. Es ist also essentiell, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, um schnellstmöglich eingreifen zu können.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele aktuell mehrmals die Woche aktiv Fußball, gehe regelmässig und sehr gerne auch ins Stadion um unseren lokalen Verein zu unterstützen. Zudem bin ich ein großer Fan von Brettspielen und mindestens einmal die Woche findet man mich im Pub um an einem Pubquiz teilzunehmen. Um als Ausgleich zur Laborarbeit in die Natur zu kommen, schnappe ich mir ausserdem regelmäßig mein GPS-Gerät und begebe mich auf die Suche nach versteckten Geocaches an schönen Orten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer Tag beginnt mit langem Ausschlafen, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück mit echtem deutschen Aufschnitt (den ich hier in England wirklich vermisse). Anschliessend geht es bei bestem Wetter ins Fussballstadion um unseren lokalen Verein zu supporten. Um den Tag ausklingen zu lassen, begebe ich mich anschließend an den Strand um bei Sonnenschein einen ausgiebigen Grillabend mit Freunden zu verbringen.

Bitte begrüßt Uli ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 15, 2018

Globukalypse now - Natalie Grams ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch eine alte Bekannte vorzustellen: Natalie Grams (@nataliegrams1)! Vor genau einem Jahr sie hat uns zum ersten Mal als Kuratorin beehrt. Seitdem ist einiges passiert -- unter anderem hat sie ein neues Buch veröffentlicht -- und das wollten wir uns von ihr persönlich erzählen lassen.

Das Interview vom letzten Jahr findet ihr hier, und so stellt sich Natalie in ihren eigenen Worten vor:

Ich bin Ärztin und ehemalige Homöopathin. In meinem Buch "Homöopathie neu gedacht" beschreibe ich meinen Weg heraus aus der Homöopathie, breche darin aber auch eine Lanze für mehr Empathie und Zuwendung in der normalen Medizin. Als Kommunikationsmanagerin der GWUP und als Leiterin des Informationsnetzwerks Homöopathie setze ich mich mit Leidenschaft und Engagement dafür ein, dass Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden.
Dazu erschien im Oktober 2017 auch mein Appell für eine vernünftige Medizin „Gesundheit! Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen“.

Ich setze mich vielfältig für Aufklärung rund um falschen Glauben, Esoterik und Alternativmedizin ein. Zum Bespiel für den Deutschen Konsumentenbund, als ehrenamtliche Vize-Präsidentin des Humanistischen Pressedienstes, als Beirätin der Giordano-Bruno-Stiftung sowie als Mitglied im Münsteraner Kreis.

Bitte begrüßt Natalie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 8, 2018

Kinder, Kinder - Janna Gottwald ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch Janna M. Gottwald als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Janna ist Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Entwicklungspsychologie an der Universität Durham, Vereinigtes Königreich.
Sie hat Psychologie an den Universitäten Kiel und Potsdam studiert und hat als Marie-Curie Stipendiatin an der Universität Uppsala, Schweden in der Entwicklungspsychologie promoviert.
In ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit motorischer Handlungsplanung und frühen kognitiven Prozessen im Säuglingsalter beschäftigt. Derzeit forscht sie hauptsächlich zur Entwicklung von Körperrepräsentation und Bewegung im Kindesalter.

Mehr über Janna erfahrt ihr in ihren eigenen Worten hier:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich habe Psychologie studiert mit dem klaren Ziel, Psychoanalytikerin zu werden.
An der Psychoanalyse reizte mich damals das analytische Denken und die Haltung, die menschliche Psyche in ihrer Komplexheit grundlegend verstehen zu wollen.
An der Uni erschien mir dann die Entwicklungspsychologie am ehesten mit psychoanalytischen Ansätzen vereinbar. Besonders spannend fand ich die Säuglingsforschung, die sich schließlich die Bedeutung der ersten Lebensjahre für die menschliche Entwicklung beschäftigt! Ich habe daher meine Diplomarbeit an der Uni Potsdam in dem Bereich geschrieben und mich mit frühkindlichen Aufmerksamkeitsprozessen und deren neuropsychologischen Korrelaten beschäftigt. Der ganze Prozess, von Planung und Literaturrecherche über Datenerhebung und Datenanalyse bis hin zum Aufschreiben, hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich für die Wissenschaft entschieden habe. Ich hatte außerdem Glück mit meiner Diplomarbeitsbetreuerin (Prof Birgit Elsner), die mich gefördert und unterstützt hat, und mir direkt nach dem Diplom eine Stelle angeboten hat.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ursprünglich bin ich über mein Interesse an der Psychoanalyse zur Entwicklungspsychologie gekommen. Durch mein Psychologie-Studium und meine Diplomarbeit habe ich meine Liebe zur Grundlagenforschung und Methodik entdeckt. Insbesondere die Säuglingsforschung und ihre Möglichkeiten, komplexe Entwicklungsprozesse untersuchen (und hoffentlich verstehen!) zu können hat mich gereizt. Außerdem finde ich es spannend, die vorsprachliche Zeit direkt (und nicht retrospektiv) untersuchen zu können und dabei Verzerrungen durch sozial erwünschtes Verhalten der Versuchsteilnehmer_innen vermeiden zu können. Persönlich gefällt mir auch sehr der Kontakt mit Eltern und ihren Kindern. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich schon Säuglinge sind! Es gefällt mir, Studien mit Aufgaben zu planen, die möglichst spannend und unterhaltsam für die Kinder sind.
Mein Doktorarbeitsprojekt in Schweden an der Uni Uppsala hat mich weiterhin in meiner Wahl bestätigt. Ich habe dort im Babylab Zusammenhänge von sensu-motorischer und kognitiver Entwicklung untersucht. Und wieder hatte ich Glück mit einem sehr inspirierenden Betreuer (Prof Gustaf Gredebäck), der meine Begeisterung für die Entwicklungspsychologie (und die Wissenschaft allgemein) weiter befördert hat.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin seit drei Monaten in Durham, England, und arbeite im Bereich sensu-motorische Entwicklung, nun mit etwas älteren Kindern (4- bis 12-Jährige). Zusammen mit Dr Dorothy Cowie untersuche ich, wie Kinder ein Gefühl für ihren eigenen Körper entwickeln. Woher wissen wir, dass zum Beispiel die eigene Hand zum eigenen Körper gehört? Wie verändert sich diese sogenannte Körperrepräsentation im Laufe der Zeit und wie unterscheidet sie sich von der von Erwachsenen? Dabei schaue ich, wie die verschiedene Sinne, wie Sehen und Fühlen, zusammenspielen, und inwiefern Kinder die verschiedenen Sinneseindrücke miteinander integrieren. Zusätzlich interessiere ich mich dafür, welche Rolle eigene Bewegung dabei spielt. Zurzeit arbeite ich viel mit dem experimentellen Paradigma der Rubber Hand Illusion, d.h. die Kinder sehen, wie eine künstliche Hand mit einem Pinsel gestrichen wird, während ihre eigene Hand (nicht sichtbar!) ebenso gestrichen wird. Nach einer Weile geben die meisten Kinder an, das Gefühl zu haben, dass die künstliche Hand zu ihnen gehört, und wenn sie gefragt werden mit geschlossenen Augen zu zeigen, wo ihre Hand ist, zeigen sie eher in Richtung der künstlichen Hand als in Richtung der eigenen Hand. Zur Zeit testen wir gerade viele Schulkinder, was sehr praktisch und effizient ist! Wir besuchen die Schulen tageweise und testen viele Kinder einzeln hintereinander.
Zudem leite ich ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Uni Uppsala in Schweden. In dem Projekt untersuche ich, inwiefern motorische Planung von Greifhandlungen mit der Entwicklung der exekutiven Funktionen in den ersten zwei Lebensjahren zusammenhängt. Hängen motorische und kognitive Planung miteinander zusammen? Und welche Rolle spielt der elterliche Einfluss? Dazu werde ich eine Längsschnittsstudie mit vielen Säuglingen durchführen, die nächstes Jahr anläuft.



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Hoffnung ist, dass meine Forschung dazu beiträgt, die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern tiefergehend zu verstehen. Wenn wir besser erklären können, wie Kinder ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln und welche Rolle Bewegung und multisensorische Prozesse dabei spielen, könnte eventuell Menschen mit Körperbildstörungen oder Menschen mit Prothesen geholfen werden. Wenn wir besser erklären können, wie sich unsere exekutiven Funktionen entwickeln, könnten darauf aufbauend eventuell Trainings entwickelt werden, um Kinder mit Schwierigkeiten in diesem Bereich (z.B. Kindern mit ADHS) zu unterstützen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe eine Weile zusätzlich als externe Gutachterin für eine norwegische Universität gearbeitet, und habe Gastvorlesungen gehalten. Dabei haben mir meine Schwedisch-Kenntnisse sehr geholfen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich fotografiere sehr gern und teile meine Begeisterung dafür auf Instagram (@kvinnalene). Ähnlich wie auf Twitter bin ich dort umgehen von vielen anderen mit den gleichen Interessen. Ich treffe viele von meinen Instagram-Followern im analogen Leben zu Fotowalks und zum Teil haben sich Freundschaften daraus entwickelt. Fotografieren ist ein toller Ausgleich zum manchmal etwas stressigen Forscherinnenleben und ich nutze jede Konferenzreise zur Dokumentation der neuen Umgebung. Am liebsten fotografiere ich jedoch Hunde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer freier Tag beginnt mit frisch geröstetem Kaffee und hält gutes Fotowetter bereit. Mein Freund und ich spazieren den ganzen Tag durch die Stadt (Berlin oder Stockholm) und fotografieren. Zwischendurch gehen wir schwedisch Kaffeetrinken. Abends gehe ich zum Yoga. Am nächsten Arbeitstag habe ich dann Inspiration für neue Projekte.

Bitte begrüßt Janna ganz herzlich bei Real Scientists DE!