Sunday, December 30, 2018

Graue Zellen in grauen Zeiten - Katharina Förster ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch mit Katharina Förster (@KatFoerster) unsere Kuratorin für den Jahreswechsel - und damit erste Kuratorin in 2019 - vorstellen! Katharina hat in Münster Psychologie mit Schwerpunkt kognitive Neurowissenschaften studiert. Nach einer Stippvisite in Neuseeland für ein Forschungspraktikum an der Victoria University in Wellington kehrte sie zurück nach Münster und begann dort am Universitätsklinikum erst die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin und dann ihre Promotion, in der sie kognitive Defizite bei depressiven Patienten auf neurobiologischer und psychologischer Ebene untersucht. Wenn sie gerade nicht Gehirne scannt, findet man Katharina vielleicht auf dem Lacrosse-Platz.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wusste nach dem Psychologie-Bachelor nicht genau, in welche Richtung es gehen sollte. Einen Master “nur” in klinischer Psychologie konnte ich mir nicht vorstellen. Der Master an der Uni war damals noch relativ “neu” und ich habe dann den Schwerpunkt kognitive Neurowissenschaften gewählt. Ich war begeistert von den vielen Möglichkeiten, hatte aber eine Doktorarbeit nicht in Betracht gezogen. Zum Ende hin habe ich dann viele Praktika gemacht. In einem klinischen Praktikum durfte ich in einer psychiatrischen Klinik unter Anleitung schon selbstständig Übungen mit Patienten durchführen. Das hat mir Sicherheit gegeben in Bezug auf meine “Kompetenz” mit psychiatrischen Patienten zu arbeiten. Durch die Forschungspraktika habe ich viel über mich selbst gelernt und unter welchen Bedingungen ich gut arbeiten kann. Ein Forschungspraktikum habe ich in Neuseeland in der Arbeitsgruppe von Maryanne Garry gemacht, die ich auf einer Konferenz kennengelernt hatte. Auch wenn diese Monate in Neuseeland mich sehr geprägt haben und ich viel darüber gelernt habe, wie ich langfristig gerne arbeiten möchte, bin ich nicht in der Arbeitsgruppe geblieben. Denn ich wollte drei Dinge, die ich dort nicht umsetzen konnte: 1) Unbedingt mit neurowissenschaftlichen Methoden arbeiten 2) Mehr über Psychotherapie lernen und 3) Diagnostik und Behandlung psychiatrischer Patienten durch Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen Forschung verbessern. Durch Zufall lernte ich während der Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin meinen jetzigen Arbeitgeber Udo Dannlowski kennen, der gerade auf eine Professur in Münster berufen worden war.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin ein Hybrid aus psychologischer Psychotherapeutin und kognitiver Neurowissenschaftlerin, d.h. ich habe sowohl theoretisches und praktisches Wissen über psychische Störungen, als auch vertiefte Kenntnisse übe die Funktionsweise und Struktur des Gehirns. Langfristig würde ich meine neurowissenschatfliche Forschung gerne nutzen, um die Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen zu verbessern. Neurowissenschafliche Methoden können in der Zukunft insbesondere bei der Diagnostik, aber auch bei der Auswahl eines Therapieverfahrens hilfreich sein.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Doktorarbeit (ich bin gerade in der Endphase) habe ich strukturelle Veränderungen des Gehirns bei Patienten mit Depressionen untersucht. Hierbei benutze ich vor allem das Verfahren der strukturellen MRT-Bildgebung. Mit diesem Verfahren schaue ich mir insbesondere die graue Substanz der Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden an. In unserer Arbeitsgruppe interessieren wir uns insbesondere für die Entwicklung der grauen Substanz über die Zeit bei Patienten d.h. wir interessieren uns für die Frage welche Faktoren treiben strukturelle Veränderungen des Gehirns? Praktisch bedeutet dies, dass wir unsere Probanden häufig öfter als einmal im MRT messen, um die Veränderungen messen zu können. In einem Projekt, das ich während meiner Doktorarbeit koordiniert habe, haben wir Probanden zehn Jahre nach einer stationären psychiatrischen Behandlung und einem Studien-MRT wieder zu einer erneuten Messung eingeladen. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit einem chronischen Krankheitsverlauf deutlich stärker an Volumen verlieren als Patienten, die keine erneuten schweren depressiven Episoden nach einer Behandlung haben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Nur 30% aller Patienten mit Depressionen zeigen ein Ansprechen auf die erste Behandlung mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie. Dies hat unterschiedliche Gründe. Ein wichtiger Grund ist, dass sich Depressionen bei Menschen in ganz unterschiedlichen Symptomen zeigen und auch aufgrund ganz unterschiedlicher Erfahrungen oder Risikofaktoren entstehen können. Meine Forschung wird langfristig dazu beitragen können, herauszufinden a) welche Prozesse entscheidend für hirnstrukturelle Veränderungen bei Patienten mit Depressionen sind und b) wie wir dieses Wissen nutzen können, um den Patienten eine bessere Behandlung zu ermöglichen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben der Wissenschaft bin ich weiterhin als psychologische Psychotherapeutin tätig und berate Patienten in Erstgesprächen bzgl. ihres Anliegens. Außerdem arbeite ich ehrenamtlich als Supervisorin für Studierende, die sich ebenfalls ehrenamtlich sozial engagieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Seit fünf Jahren spiele ich Lacrosse bei den Münster Mohawks. Der Sport macht mir großen Spaß und ist ein exzellenter Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit. Die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen es mir an den Trainingszeiten teilzunehmen. Ich engagiere mich außerdem in unserem Verein als Vorstandsmitglied und bin dort für die Presseverwaltung und Social-Media-Kommunikation tätig.
Langfristig würde ich mich auch gerne wieder mehr politisch engagieren, wenn die Doktorarbeit abgeschlossen ist.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich bin ein sehr sozialer Mensch, ich würde also einer Reihe sozialer Tätigkeiten nachgehen: ein Frühstück mit einer guten Freundin, ein anschließender Stadtbummel mit ausgiebigen Gesprächen bei mehreren Tassen Kaffee. Danach eine Runde Schwimmen oder Laufen. Und zum krönenden Abschluss eine gegrillte Gemüse-Rolle von meinem syrischen Lieblingsimbiss auf dem Sofa.

Bitte begrüßt Katharina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 16, 2018

Text in freier Netzbahn - Jürgen Hermes ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch Jürgen Hermes (@spinfocl) als unseren neuen Kurator vorzustellen! Jürgen ist Geschäftsführer des Instituts für Digital Humanities (IDH) an der Universität zu Köln und dort auch wissenschaftlicher Assistent im Teilbereich Sprachliche Informationsverarbeitung. In diesem Fach hat er 2012 auch zum Thema “Textprozessierung: Design und Applikation” promoviert. Vorher erwarb er seinen Magister in den Fächern Informationsverarbeitung, Germanistik und Soziologie. Als Geschäftsführer des IDH ist er u.a. zuständig für die Organisation und Studienberatung der Studiengänge Informationsverarbeitung, Medienwissenschaftten-Medieninformatik und Linguistik-Computerlinguistik. Seine Forschungsgebiete sind Digitale Infrastrukturen, Korpuslinguistik, Text Mining und Public Humanities Tools.  

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und habe mir einen Jugendtraum erfüllen können.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich wollte etwas mit IT/Programmierung machen, das nicht reine Informatik ist. Ich wollte Dinge messen können, aber nicht rein naturwissenschaftlich arbeiten. Ich wollte geisteswissenschaftlichen Zugang haben, ohne reine Geisteswissenschaft zu betreiben.
So habe ich mein Chemiestudium gegen eins der Germanistik eingetauscht, um dann über die Linguistik zur Computerlinguistik zur Informationsverarbeitung und schließlich zu den Digital Humanities zu gelangen. Nur der erste Schritt war tatsächlich ein Paradigmenwechsel, die weiteren ergaben sich letztlich auseinander.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Moment bin ich ganz überwiegend mir administrativen Dingen beschäftigt. Das liegt daran, dass das Institut erst ein knappes Jahr alt und erst kürzlich in gemeinsame Räumlichkeiten umgezogen ist. Einige Positionen sind noch bzw. sind demnächst wieder unbesetzt. Obwohl ich ein tolles Team habe, bleibt doch relativ viel Arbeit an mir als Geschäftsführer hängen, da ich viele vakante Aufgaben kommissarisch übernehmen und die Dinge bestmöglich am Laufen halten muss. Unser Institut betreut eigenverantwortlich zwei BA- und drei MA-Studiengänge mit insgesamt mehr als 500 eingeschriebenen Studierenden, deren Fachstudienberater ich bin. Aktuell leite ich noch ein Kooperationsprojekt mit einem Bundesinstitut, das die Auswertung von Stellenanzeigen zum Gegenstand hat und betreue bzw. berate mehrere Kleinprojekte, die unterschiedliche Tools mit der Zielrichtung Public Humanities entwickeln. Meine Langzeitthemen, die ich schon in meiner Dissertation behandelte, sind digitale Infrastrukturen und die damit einhergehenden Möglichkeiten für interdisziplinären Austausch und die Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen. Über all das werde ich gerne in Tweets erzählen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Warum sollte sie das nicht tun? Im Ernst: Für einen Bereich wie den der Digital Humanities ist es schwer, eine Grenze zwischen einem inneren Kreis der Eingeweihten und der Öffentlichkeit außerhalb zu ziehen, befinden sie sich doch an der Schnittstelle sowohl zwischen der Informatik und den Geisteswissenschaften als auch an der der Geisteswissenschaften untereinander. Sie sind von ihrer Natur aus interdisziplinär angelegt und das bedeutet, dass der Kreis ihrer Wissenschaftler|innen nicht auf eine Fachcommunity beschränkt werden kann. Die Follower des Accounts @realsci_de sind ja ein Teil der Öffentlichkeit, der sich für Wissenschaft interessiert. Ich denke, dass ich aus der Sicht der Digital Humanities Interessantes und Abwechslungsreiches berichten kann.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich blogge gerne und engagiert, einerseits zu den Themen, die meine Arbeit direkt betreffen, andererseits aber auch zu solchen, die die Öffentlichkeit aktuell beschäftigen und zu denen ich als Wissenschaftler zumindest einen Bezug habe. Auch aus diesem Anlass nehme ich im Januar an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Wahrheit, Populismus, Internet” teil, in der um den Einsatz von Kommunikationsmitteln im digitalen Zeitalter gehen wird. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nichts wirklich interessantes… radfahren, lesen, das Voynich-Manuskript...

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Morgens lange im Bett lesen, eine größere Runde auf dem Rad fahren, lecker mit der Familie zu abend essen, danach vielleicht Freunde treffen oder ein paar Zeilen über das Leben schreiben, zwischendurch immer mal wieder zum Twittern kommen.

Bitte begrüßt Jürgen ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 9, 2018

Internationale Beziehungen - Kilian Spandler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Kilian Spandler (@KilianSpandlerals unseren neuen Kurator vorstellen! Kilian ist Gastwissenschaftler im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität Göteborg. Dort forscht er zur sicherheitspolitischen Kooperation zwischen globalen und regionalen Organisationen. Er promovierte bis 2016 an der Uni Tübingen und lehrte anschließend in Freiburg und Würzburg, bevor es ihn 2017 nach Schweden zog. Jenseits der wissenschaftlichen Arbeit leitet er zusammen mit einem jungen Team den Verein IFAIR, der Studierenden und Berufseinsteiger*innen eine Plattform zum Austausch und zur Projektarbeit im Bereich internationale Politik bietet.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe mich schon in meiner Jugend für politische und gesellschaftliche Themen interessiert, mein Traumberuf war damals aber Journalist. Um den zu verwirklichen habe ich in Würzburg Politikwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaftslehre studiert. Im Studium fand ich die Gedankengebäude der Theoretiker*innen von Anfang an sehr faszinierend – im Gegensatz zu den meisten Komiliton*innen, für die Auseinandersetzung damit eher ein notwendiges Übel auf dem Weg zu einer praktischen Arbeit in Partien, Verbänden oder Stiftungen war. Ich habe gemerkt, dass das Herumexperimentieren mit Konzepten und Modellen nicht nur Spaß machen kann, sondern vor allem hilft, die Welt besser zu verstehen. Ich habe mich schrittweise von einer journalistischen Karriere verabschiedet und nach meinem Magister-Abschluss lieber in Tübingen promoviert. 2017 habe ich glücklicherweise von der DFG ein Forschungsstipendium für einen Postdoc in Schweden bekommen, wo ich derzeit Gastforscher bin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Internationalen Beziehungen als Teilbereich der Politikwissenschaft sind für mich ungemein spannend, weil globale Politik unser Zusammenleben im Großen wie im Kleinen beeinflusst. Sie entscheidet nicht nur über Krieg und Frieden – auch alltägliche Dinge wie unsere Gesundheit, unsere Mobilität und wer wo welche Rechte genießt sind davon geprägt, wie Staaten und andere internationale Akteure ihre Beziehungen gestalten. Diese Zusammenhänge besser zu verstehen und zu vermitteln ist der Hauptantrieb für meine Forschung und Lehre – neben der ganz banalen Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit meinen tollen Kolleg*innen ungemein Spaß macht.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Als Postdoc in Göteborg forsche ich eigenverantwortlich an einem Projekt zur sicherheitspolitischen Kooperation zwischen der UN und verschiedenen Regionalorganisationen wie der EU. Momentan führe ich dafür Forschungsinterviews in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Daneben bin ich noch in ein paar kleinere kollaborative Projekte eingebunden. Der Hauptteil meiner Arbeit besteht aus Forschung, aber ich übernehme an der School of Global Studies auch Lehraufgaben, z.B. durch die Betreuung von Abschlussarbeiten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Egal ob Lai*in, Expert*in oder Politiker*in: Viele Aspekte der internationalen Politik erscheinen uns entweder rätselhaft oder aber komplett selbstverständlich. Beides kann negative Effekte haben, weil wir Situationen falsch einschätzen oder Ungerechtigkeiten übersehen. Meine vage Hoffnung ist, dass die Welt ein klein wenig friedlicher und gerechter wird, wenn wir einerseits das Rätselhafte der Weltpolitik besser verstehen und andererseits das vermeintlich Selbstverständliche in Frage stellen. Das Ende des Kalten Krieges wurde zum Beispiel nicht zuletzt dadurch möglich, dass Leute wie Gorbatschow althergebrachte Feindbilder abgebaut haben. Die Öffentlichkeit hat als Zivilgesellschaft und durch ihr Wahlverhalten durchaus Einfluss auf die globale Politik. Daher wäre es toll, wenn meine Arbeit ein paar Leute dazu inspirieren könnte, noch mehr in globalen Zusammenhängen zu denken.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich seit fünf Jahren im Verein Young Initiative on Foreign Affairs and International Relations (IFAIR), der jungen Menschen ermöglicht, sich grenzüberschreitend über Fragen der internationalen Politik auszutauschen und mit Entscheidungsträger*innen aus Politik und Diplomatie ins Gespräch zu kommen. Unsere Mitglieder können Artikel in unserem Online-Think-Tank veröffentlichen und wir organisieren Online-Workshops und Live-Events mit jungen Teilnehmer*innen aus aller Welt. IFAIR wird von einem Team aus Studierenden und Berufseinsteiger*innen hauptsächlich online betrieben, was es mir ermöglicht, auch von Schweden aus mitzuarbeiten. Teil dieser Community zu sein und ihr jetzt als Vorstandsmitglied beim Wachsen zuzusehen ist wirklich sehr motivierend.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Lange ausschlafen, mit meiner Partnerin Pancakes frühstücken, dann ein gemeinsamer Ausflug mit Buch und Picknick an einen der Seen rund um Göteborg. Nachmittags zuerst Fika (schwedische Kaffeepause), anschließend eine kleine Runde Joggen oder Fußballspielen. Abends dann entweder eine spannende Netflix-Serie oder ein gemütlicher Kneipenabend mit Freund*innen.

Bitte begrüßt Kilian ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 2, 2018

Zu den Sternen - Victoria Grinberg ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Victoria Grinberg (@vicgrinberg) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Victoria hat ihr Diplom in Physik an der LMU München und ihren Doktor in Astrophysik an der Universität Erlangen-Nürnberg gemacht, genauer gesagt an dem Erlangen Centre for Astroparticle Physics und der Dr. Karl Remeis-Sternwarte, Bamberg. Danach war sie für drei Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA und eineinhalb Jahre bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Noordwijk, den Niederlanden. Seit Juli 2018 ist sie zurück in Deutschland und schreibt ihre Habilitation an der Universität Tübingen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte tatsächlich schon immer forschen! Es gab zwar zum Teil recht lange Phasen dazwischen, wo ich eher etwas anderes machen wollte als Physik - Psychologie war dabei, aber auch Linguistik und Literaturwissenschaften - aber es war immer Forschung und Wissenschaft. 

Foto:Friedhelm Albrecht/Universität Tübingen
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Physik und Kosmologie haben mich schon immer fasziniert - ich habe schon als Kind sehr viel Science Fiction gelesen (von den Science Fiction Büchern, die die Augsburger Stadtbücherei hatte, ist keins ungelesen geblieben!), das hat das Interesse sicher stark mitgeprägt.

Am Anfang des Physikstudiums habe ich allerdings versucht, mich auf was handfesteres zu konzentrieren - die Jobaussichten in der reinen Forschung sind ja sehr schlecht und als jemand, die mit Hartz IV aufgewachsen ist, wollte ich auf keinen Fall Arbeitslosigkeit riskieren. Diese Vernunftsentscheidung hat mich aber sehr unglücklich gemacht - das Studium machte erst dann wieder Spaß als ich die Vernunft über Bord geworfen und die Astrophysikvorlesungen vorgezogen habe. Später kamen dann die ersten Forschungserfahrungen mit Forschungspraktika und Hilfswissenschafler-Jobs. So bin ich auch in mein Forschungsfeld reingerutscht - zuerst eine Sommerakademie, dann ein Forschungspraktikum, dann ein HiWi-Job, dann ein Auslandssemester, in dem ich mich auf ein Forschungsprojekt konzentrieren konnte ... Mit den Leuten, mit denen ich damals als Studentin zu tun hatte, arbeite ich zum Teil heute, mehr als 10 Jahre später, immer noch zusammen!Mich hält wirklich das faszinierende Thema - und tolle Leute! Ohne gute Kollegen und Freunde ist der Job nämlich nicht zu schaffen.
 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich mache beobachtende Hochenergieastrophysik, mit einem Schwerpunkt auf Röntgendoppelsternen - das sind Systeme, die aus einem schwarzen Loch oder Neutronenstern und einem normalen Begleiterstern bestehen. Material von diesem Begleiter fällt auf das schwarze Loch oder den Neutronenstern und erzeugt dabei elektromagnetische Strahlung, viel davon im Röntgenbereich. Diese Strahlung beobachte ich mit Weltraumteleskopen (auf der Erde geht das nicht, weil unsere Atmosphäre uns zum Glück vor Röntgenstrahlung aus dem Weltraum abschirmt!).

Wenn ich Leute abschrecken will bzw. auf den Boden der Tatsachen holen, sage ich immer, dass ich einfach stundenlang am Computer arbeite und Code und Text schreibe. Aber natürlich ist der Teufel im Detail: mein Code liest nämlich Informationen über tatsächlich gemessene Photonen ein, die in der unmittelbarer Nähe eines schwarzen Lochs oder eines Neutronensterns entstanden sind, und vergleicht sie mit theoretischen Modellen. Und aus dem Vergleich kann ich dann Aussagen darüber treffen, was tatsächlich in der Nähe eines schwarzen Lochs passiert. Oder wie sich die Winde von Sternen, die 50 mal massereicher und Millionen mal leuchtkräftiger sind als unsere Sonne, verhalten. Und die Texte, die ich schreibe, fassen dann meine Entdeckungen zusammen. Oder es sind Anträge (sehr, sehr viele Anträge, sie verschlingen auch unheimlich viel Zeit), die dafür Sorgen, dass die Teleskope überhaupt Quellen, die ich spannend finde, beobachten - oder aber dass mir jemand das Geld gibt, damit ich oder meine Studenten und Doktoranden die Beobachtungen auch auswerten können (weil Wissenschaft ist toll, aber ohne Bezahlung können wir halt auch nicht leben).

Dazu kommen noch andere Aufgaben dazu: Lehre ist immer dabei (und nimmt gerade recht viel Zeit in Anspruch), Studierende und Promovierende betreuen, im kommenden Jahr organisiere ich eine Special Session bei einer Konferenz und bin im wissenschaftlichen Organisationskomitee einer anderen Konferenz, außerdem beteilige ich mich an der Planung neuer Weltraummissionen im Bereich der Röntgenastrophysik ...

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ganz utilitaristisch könnte hier mit all den Anwendungen argumentiert werden, die aus der astronomischen Forschung entstanden sind. Aber auch ohne das würde es nichts an Wert verlieren. Weil Grundlagenforschung dazu beiträgt, dass wie eben die Grundlagen unserer Welt besser verstehen! Und die Welt zu verstehen ist ein genauso grundsätzliches Streben wie Kunst zu machen; das macht uns erst wirklich menschlich.

Und ganz ehrlich: schwarze Löcher! Röntgenstrahlen aus dem Weltraum! Sternwinde! Das sind alle Extremen des Universums, das ist einfach total faszinierend!
 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin gerade dabei, mich da neu zu orientieren - ich war drei Jahre in den USA und eineinhalb in den Niederlanden und bei jedem Umzug muss gerade das soziale/ehrenamtliche Engagement neu aufgebaut werden. Ich habe in der Vergangenheit verschiedene Dinge gemacht, hauptsächlich in den Bereichen Frauen in den Naturwissenschaften und (Jugend-)Bildung: ich war (eine der) Frauenbeauftragte(n) meiner Fakultät, ich habe einen Kurs bei der Schülerakademie organisiert (kann ich übrigens jedem nur empfehlen, ist total klasse!), einen Volkshochschulkurs über Astronomie gegeben, als Referentin bei Seminaren für interessierte Schüler mitgemacht, öffentliche Vorträge gehalten. Mal schauen, welche neue Aufgabe ich jetzt finde - ein paar öffentliche Vorträge wird es von mir in nächster Zeit auf jeden Fall geben, aber mehr dazu unter der Woche.

Mein anderes großes Interesse sind Sprache und Literatur. So bin ich zum Beispiel Mitglied im "Erlangen Centre for Literature and Natural Science (ELINAS)", das versucht die zwei verschiedenen Felder der Literatur und der Naturwissenschaften zusammen zu bringen.
 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Also die Sache mit Sprache/Literatur ist schon ein Hobby, auch wenn es durch ELINAS einen Schnittpunkt zur Arbeit hat. Sehr viel lesen - ich habe nach fünf Jahren im Ausland endlich, endlich meine ganze Bibliothek zurück. Ansonsten kochen und gut Essen, Wandern, gerne auch auf Reisen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Oh, nur den einen idealen freien Tag gibt es nicht! Ein freier Tag daheim beinhaltet spät aufstehen, eine tolle Ausstellung oder einen Ausflug, etwas leckeres kochen und zu lange wach bleiben, weil das Buch, das ich gerade lese, so gut ist. Auf Reisen gibt es dann die Variante mit gutem Frühstück (und viel Kaffee!) am Anfang, einer langen Wanderung oder einem guten Roadtrip-Tag und schönem Essen zum Abschluss. Oder aber einfach nur einen Tag mit und bei Freunden, die mittlerweile auf der ganzen Welt verstreut sind und die ich daher nur sehr selten sehe - da ist es auch egal, was genau wir unternehmen.

Bitte begrüßt Victoria ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 25, 2018

Beschleunigte Ionen - Svenja Lohmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Svenja Lohmann (@svenja_lohmann) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Svenja hat erst an der Universität Oldenburg Physik im Bachelor studiert und ist dann für den Master an die Universität Heidelberg gewechselt. Für die Promotion wollte sie dann gerne nochmal ein anderes Land kennenlernen und ist daher nach Schweden gezogen. Momentan promoviert sie an der Universität von Uppsala in der Ionenphysik.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Oh, schwierige Frage. Die Neugier nach dem "Warum" und ein gewisses Bedürfnis nach intellektuellen Herausforderungen haben sicher dazu geführt, dass ich Physik studiert habe. Meine Masterarbeit hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich danach gerne noch mehr im Labor stehen wollte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe während meines Studiums in mehrere sehr verschiedene Bereiche reingeschnuppert - von der Theorie komplexer Systeme über Hochenergie- und medizinische Physik. An der Ionenphysik mag ich, dass Grundlagenforschung (Wechselwirkung zwischen Ionen, also geladenen Atomen, und Festkörpern) und Anwendung hier sehr nahe zusammen liegen. Außerdem ist die Arbeit im Labor sehr hands-on und man arbeitet mit Teilchenbeschleunigern!


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In der Ionenphysik verwendet man beschleunigte Ionen für Materialanalyse. Dafür muss man erstmal ein gutes Verständnis für die grundlegenden Wechselwirkungen zwischen Ion und Festkörper haben. Für höhere Energien ist das schon relativ gut bekannt, aber in dem Energiebereich, den wir mittlere Energien (so um die 100 keV) nennen, sind noch einige Fragen offen. Ich forsche experimentell, in diesem Fall heißt das, dass ich einen Teilchenbeschleuniger verwende und dann mit den beschleunigten Ionen auf eine Probe ziele. Ich arbeite z.B. mit dünnen Metallfilmen oder auch Kristallen. Man detektiert dann die Teilchen, die die Probe verlassen (das können die gestreuten Ionen selbst sein oder Photonen, Elektronen und gesputterte Ionen aus der Probe) und versucht dann zurück zu schließen, was im Festkörper passiert ist. Dem voraus gehen etliche praktische Überlegungen, wie man die unterschiedlichen Teilchen am besten detektiert und dann analysiert; das macht einen großen Teil meiner Arbeit aus.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich glaube, dass viele Nichtwissenschaftler den Sinn von angewandter Forschung eindeutig verstehen, aber Grundlagenforschung dann doch für Zeit- (und Geld-) Verschwendung halten. An unserer Arbeit kann man, denke ich, gut sehen warum man Grundlagenforschung braucht und wie sie mit Anwendungen zusammenhängt. Ein Beispiel für eine schon recht etablierte Anwendung der Ionenphysik ist Krebstherapie mit Protonen, welche letztendlich auf Wechselwirkungen von schnellen Ionen mit einem Material (hier dem menschlichen Körper) beruht. Für eine sichere Therapie muss man den Energieverlust der Ionen genau verstehen. Diese grundlegende Physik muss man also erst erforschen und verstehen. In einem zweiten Schritt würde dann angewandte Forschung dieses Wissen praktisch nutzbar machen. Meine (grundlegende) Forschung beschäftigt sich übrigens damit, den Energieverlust von langsameren Teilchen genau zu verstehen. Mal sehen zu welchen Anwendungen das eventuell noch führen wird.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin aktiv in der DoktorandInnenvertretung. In Schweden sitzen in allen Gremien und Ausschüssen auf allen Ebenen StudentInnen bzw. DoktorandInnenvertreter, ich z.B. in unserem Abteilungsrat und in dem des Tandemlabors (so heißt das Beschleunigerlabor, in dem ich auch forsche). Dazu kommen noch Meetings mit den anderen DoktorandInnenvertretern, um uns auszutauschen und abzustimmen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit ich in Schweden wohne, verwende ich viel Freizeit auf's Tanzen genauer gesagt Lindy Hop, ein Swingtanz aus den 20ern. Das ist ein gutes Kontrastprogramm zu meiner Arbeit und man trifft viele nette Leute. Außerdem lese ich sehr gerne Romane und spiele Harfe.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, gemütliches Frühstück mit gutem Kaffee und den weltbesten Pfannkuchen von meinem Freund. Zeit für einen langen Spaziergang und ein gutes Buch. Abends treffe ich gerne Freunde - auf ein Bier oder beim Tanzen (siehe letzte Frage).

Bitte begrüßt Svenja ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 18, 2018

Die Bausteine der Intelligenz - Anna-Lena Schubert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Anna-Lena Schuberg (@AnnaLSchubert) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Anna-Lena hat an der Universität Heidelberg Psychologie (B.Sc./M.Sc.) studiert und dort anschließend zum Thema „The relationship between mental speed and mental abilities“ promoviert. Im Anschluss an ihre Promotion hat sie sich für einen viermonatigen Forschungsaufenthalt im Department of Cognitive Sciences der University of California, Irvine, in Kalifornien aufgehalten und dort an einem Modell zur Integration neuraler Daten, mathematischer Modelle und Intelligenztestdaten gearbeitet. Zurück in Heidelberg ist sie derzeit als akademische Rätin auf Zeit in der Abteilung für Persönlichkeitsforschung und Psychologische Diagnostik tätig und beschäftigt sich dort mit den neurokognitiven Grundlagen der Intelligenz.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?Ursprünglich wollte ich Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studieren, habe mich dann aber doch mit Psychologie für die vernünftigere Alternative entschieden – schließlich muss man ja irgendwann doch mal Geld verdienen. Während meines Psychologiestudiums habe ich mich recht schnell für (grundlagen-) wissenschaftliche Fragestellungen begeistert. Die Herausforderung, durch neue methodische Ansätze und Perspektivwechsel Antworten auf offene Fragen zu entwickeln, hat mich schon während meines Studiums sehr gereizt und motiviert mich auch heute noch stark. Ich hatte das große Glück, als studentische Hilfskraft während meines Studiums in zwei Abteilungen arbeiten zu dürfen, in denen ich bereits als Studentin stark in die Planung, Auswertung und Interpretation von Experimenten miteinbezogen wurde. Als mein Doktorvater mir dann anbot, im Anschluss an meine Masterarbeit bei ihm zu promovieren, war ich überglücklich, meinen Forschungsdrang weiter verfolgen zu können.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe mich schon immer gefragt, warum Menschen häufig schlechte Entscheidungen treffen und oft entgegen ihrer eigenen Interessen handeln. Es ist nur konsequent, dass ich mich in meiner Forschung mit den Determinanten rationalen Schlussfolgerns und individuellen Unterschieden in der Intelligenz beschäftige. Gerade Intelligenzforschung ist ein unglaublich spannendes Feld, weil wir mit Intelligenztests – anders als häufig behauptet – sehr viele wichtige Erfolgsvariablen wie Bildungs- und Berufserfolg, aber auch Lebenszufriedenheit und Gesundheit vorhersagen können. Obwohl Intelligenz also ein mächtiges Konstrukt ist, das wir mit klassischen Intelligenztests auch sehr gut messen können, wissen wir relativ wenig darüber, warum sich Menschen in ihrer Intelligenz unterscheiden. Um die kognitiven Prozesse und neuronalen Korrelate zu identifizieren, die Intelligenzunterschieden zugrunde liegen, muss man viele verschiedene methodische Herangehensweisen vereinen: Klassische Laborexperimente, bildgebende Verfahren, Erblichkeitsstudien, mathematische Modellierung, … Es macht mir großen Spaß, diese Forschungsfrage aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und Teile zur Entschlüsselung des großen Rätsels menschlicher Intelligenz beizutragen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit besteht zu gleichen Teilen aus Lehre und Forschung (und ein paar administrativen Tätigkeiten, mit denen ich hier aber niemanden langweilen will). Meine Lehrveranstaltungen stammen meist aus dem Bereich der Persönlichkeitspsychologie oder der Forschungsmethoden. Außerdem betreue ich Bachelor- und Masterarbeiten sowie neuerdings auch meinen ersten Doktoranden. Es macht mir viel Spaß mit Studierenden zu arbeiten, die sich für unsere Forschung begeistern können, und ihre wissenschaftliche, aber auch persönliche Entwicklung zu begleiten. Im Rahmen meiner Forschungstätigkeit leite ich das EEG-Labor unserer Abteilung und programmiere und analysiere elektrophysiologische Experimente. Derzeit schreibe ich außerdem an mehreren Manuskripten, in denen Ergebnisse aus bereits abgeschlossenen Forschungsprojekten berichtet werden. Ich stelle meine Forschung auch regelmäßig auf nationalen und internationalen Konferenzen vor und habe großen Spaß am Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Fast jede Person, die ich treffe, fragt mich erst einmal zu den grundlegenden Fakten zu Intelligenz und Intelligenzunterschieden aus, wenn ich von meinem Forschungsthema erzähle. Wir alle wissen, dass wir uns alle auf vielen verschiedenen Dimensionen der Persönlichkeit (nicht nur in der Intelligenz) unterscheiden, und ich glaube, dass es sehr spannend sein kann, ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis für diese Persönlichkeitsunterschiede zu entwickeln. Dass Intelligenzforschung in der Öffentlichkeit vor allem dann diskutiert wird, wenn gerade wieder ein politisch motiviertes Buch mit polemischen Thesen zu Intelligenzunterschieden veröffentlicht wurde, macht mich persönlich traurig. Wenn wir als Intelligenzforscherinnen und -forscher die Öffentlichkeit mehr an unserer Forschung teilhaben ließen, würden viele dieser öffentlichen Diskussionen sicherlich reflektierter ausfallen. Letztlich hat die Identifikation der neurokognitiven Grundlagen der Intelligenz natürlich auch klare gesellschaftliche Relevanz und umfassende ethische Implikationen, wenn wir irgendwann auf Basis unserer Forschungsergebnisse in der Lage sein sollten Interventionen zu entwickeln, mit deren Hilfe wir möglicherweise die menschliche Intelligenz steigern können. So kann unsere Forschung auch jetzt schon helfen, Mythen zur Intelligenzsteigerung durch „Gehirntrainings“ oder „Intelligenzpillen“ zu widerlegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich als stellvertretende Jungwissenschaftlervertreterin für die Anliegen der Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler in der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA). Zusammen mit den Jungwissenschaftlervertretern der Fachgruppe Biologische Psychologie und Neuropsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPS) wollen wir die Vernetzung unter Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftlern fördern und veranstalten dazu Workshops und Retreats.
Außerdem engagiere ich mich für die Stiftung für Effektiven Altruismus, die es sich zum Ziel gesetzt hat, nach wissenschaftlichen Prinzipien und rationalen Kriterien so viel Gutes wie möglich auf der Welt zu tun. Mir ist dabei besonders wichtig, dass wir nicht nur wohltätig sind, weil es uns ein gutes Gefühl gibt, sondern dass wir aus vielen verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen und ihren Interventionen diejenigen zur Förderung auswählen, die nachweislich besonders effektiv sind.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich habe eine große Leidenschaft für Film, Theater, Musik und Kultur. Als Persönlichkeitspsychologin begeistern mich fein gezeichnete Charakterportraits in Romanen, Theaterstücken oder Film und Fernsehen, und gelegentlich schlüpfe ich auch selbst im Rahmen von Improvisationstheater und Erzählspielen in andere Rollen. Ich bin außerdem begeisterte Brettspielerin und habe einen ganzen Schrank voller Strategie-, Denk- und Kartenspiele. Am liebsten mag ich strategische, kooperative Spiele, in denen man gemeinsam als Gruppe komplexe Probleme lösen oder eine strategische Herausforderung bestehen muss.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen (bis 9 Uhr), ausgiebig frühstücken, lesen, etwas in der Natur unternehmen oder in eine andere Stadt fahren, sich abends gemeinsam mit Freunden zum Kochen und/oder zum Brettspielen treffen, ein Konzert besuchen, einen guten Film oder ein gutes Theaterstück sehen. Guter Kaffee ist ein essentieller Bestandteil jedes idealen Tages, sei es ein Arbeitstag oder ein freier Tag.

Bitte begrüßt Anna-Lena ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 11, 2018

Cloudy with a chance of storage systems - Erik Riedel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Erik Riedel (@er1p) als unseren neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Erik hat an der Carnegie Mellon University studiert und promoviert und ist derzeit Consultant und Berater, bis vor kurzem Senior Director of Engineering bei Dell EMC in Cambridge, MA. Dort erstellten und unterstützten er und seine Teams Technologien in den Bereichen Hardware-Appliances, Betriebssystem, Sicherheit, Vernetzung, Containerorchestrierung und fehlertolerante Software, die in tausenden Standorten weltweit eingesetzt werden. Vor EMC arbeitete Erik bei Seagate Research an diversen Erfindungen und Innovationen im Bereich Consumer Storage, Performance Management, Vernetzung und Fehlervorhersage, und verbrachte mehrere Jahre in der Speicher- und Sicherheitsforschung bei Hewlett-Packard Labs sowie an der Carnegie Mellon University ("intelligenter, skalierbarer, verteilter Storage bevor es cool war").

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin ein ausgebildeter Ingenieur auf dem Gebiet Computertechnik und arbeite an großen Computersystemen, die umgangssprachlich die "Cloud" genannt werden. Ich habe einen Bachelor in Mathematik / Informatik, einen Master in Software Engineering und einen Doktortitel in Computer Engineering, alle von der Carnegie Mellon University im US Bundesstaat Pennsylvania. Ich folgte einen ziemlich traditioneller Weg zur Ausbildung eines neuen Wissenschaftlers, aber meine Betreuer bei der Doktorarbeit und unsere Universitätsprojekte waren stets an der Industrie und an praktischen Anwendungen orientiert, während wir gleichzeitig versuchten, über inkrementelle Innovationen hinaus zu denken und große Erfindungen für die Zukunft zu machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
In dem breiten Begriff "Computer Engineering" sind viele der großen Probleme der Modernen Technik zuhause - die Nerds haben die Welt erobert. Als Forscher und Ingenieur habe ich täglich mit theoretischen und mit praktischen Fragestellungen zu tun. Die Kombination aus neuen und riskanten Ideen sowie eine strenge Analyse zur Bewältigung der harten Probleme ist für mich sehr attraktiv. Ich genieße es, die Details zu ermitteln, wie ein Aufgabe am besten gelöst werden kann, aber ich freue mich auch, wenn die resultierenden Lösungen genutzt werden, um Auswirkungen zu erzeugen und Veränderungen in der realen Welt zu beeinflussen. Ich poste zum Beispiel regelmäßig ein Videosegment oder ein besonders cleveres GIF zu meinen Freunden in der Branche weltweit, und sage: "Wir haben das gebaut." Ohne die Forschungsarbeit aus vielen Jahrzehnten Computer Science und Computer Engineering wären die Technologien - Twitter und Facebook und Blogs und Giphy - die jeder heute als selbstverständlich betrachtet, gar nicht möglich gewesen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite hauptsächlich im Bereich der Speichersysteme - das Erstellen von Petabyte- (PB) und Exabyte- (EB) großen Speicher, um alle Fotos, Videos und Bilder zu schützen, die täglich auf der ganzen Welt und sogar im Weltall gesammelt werden. Wir haben Systeme mit vielen Zehntausenden einzelner Festplatten gebaut, die manchmal über Millimeter und manchmal über tausende Kilometer Entfernungen zusammenarbeiten. An manchen Tagen arbeiten wir mit Papier oder gemeinsam an einem Whiteboard, um ein neues System zu entwerfen oder das Verhalten eines vorhandenen Systems zu verstehen. An manchen Tagen arbeiten wir mit den Computern, beobachten den Data Flow durch die Datenzentren der Kunden bis zu den Endbenutzer. Ich verbringe auch viel Zeit damit, den Ideen anderer zuzuhören. Ich bringe gelegentlich Anleitung oder Input aus meiner eigenen Erfahrung, aber meistens versuche ich, die Details und Auswirkungen dessen, was andere studieren und abschließen konnten, zu lernen und zu erfassen. Unsere Technologiestacks sind so tief, voneinander abhängig und verändern sich so schnell, dass wir immer darauf achten müssen, woran Forscher oder Unternehmen in angrenzenden Gebieten tüfteln. Unsere Arbeit wird fast ausschließlich in Teams durchgeführt. Daher müssen auch Techniken zur Kommunikation und Zusammenarbeit untersucht und angepasst werden, damit jeden Tag vielfältig Ideen zu effektiven Lösungen kombiniert werden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich habe mit Daten von Satelliten, MRI-Geräten, Kraftwerken, Bibliotheken und natürlich von Smartphones und Kameras der ganzen Welt gearbeitet. Meine Kollegen und ich haben die Technologiesysteme, die so viele für das Erfassen, Speichern und Abrufen von Daten als selbstverständlich betrachten, studiert, aufgebaut, abgerissen und wieder aufgebaut. Ohne die Daten wäre die "Cloud" ein sehr langweiliger Ort. Der erste tragbare Computer-Speicher, den ich verwendete, war eine 160-Kilobyte-Diskette, die nur in eine sehr große Hosentasche passen würde, und heute trage ich mehrere 64-Gigabyte-Speichergeräte - also über 1 Million Mal so viele Daten - die auch enthalten Megapixel-Display und Gigabit-Netzwerke. Der gleiche Trend hat die im Großrechner gespeicherten Datenmengen um unzählige Milliarden multipliziert. Wir sind dafür verantwortlich, Systeme zu schaffen, die schnell und zuverlässig zum Speichern und Abrufen all dieser Daten sind, aber auch eine umfassendere Verantwortung für Datenschutz, Sicherheit, Transparenz und Zugänglichkeit, da die gesamte Weltgesellschaft davon betroffen ist. Als wir an der Uni waren, haben wir darüber gesprochen, die Welt mit neuen Erfindungen zu verändern, aber die heutige Technologie hätten wir nur als Fantasie erdacht. Alle diese technologischen Fortschritte wurden von einer Gruppe von Tausenden und Abertausenden zusammen erzielt. Arbeiten an Standorten auf der ganzen Welt, in vielen verschiedenen Sprachen und Situationen, immer auf dem, was vorher kam gebaut. Wenn ich Vorträge an Universitäten über einen Aspekt der Systeme halte, verwende ich oft den Untertitel "es ist ein Wunder, dass es überhaupt funktioniert", angesichts der Komplexität und Vielfalt der erforderlichen Ideen und Konzepte.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Engineering Culture - wie können wir besser zusammenarbeiten und kooperieren, um unterschiedliche Ansichten und diverse Kollegen besser einzubeziehen. Moderne Computertechnologie ist sowohl durchdringender als auch zugänglicher als je zuvor, und ich glaube, es ist wichtig, dass sie nicht nur der Blick von denen in weißen Laborkitteln oder dicken Gläsern ist. Dies hat mich veranlasst, als Mentor und Berater in meinem Bereich sowie als Kommunikator außerhalb des Feldes und gelegentlich in den Schulen zu arbeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich suche schon seit etwa fünfzehn Jahren ein richtiges Hobby, also gehe gerne auf Vorschläge ein. Seit zwei Jahren mache ich oft Fotografien von Wolken fürs Instagram - also #clouds damit ich immer "on brand" bleibe - aber mit iPhone Kamera ist es wohl kein offizielles Hobby sondern eher eine Achtsamkeitsübung.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auch wenn es einmal einen Tag frei von Forschungsarbeit oder Telefonaten gibt, dann ist wahrscheinlich irgendein Ausflug mit den Kindern fällig. Wir wohnen am Ufer des Atlantik also laufen wir gerne an irgendeinen Strand, und jedes Jahr steigern wir unser Verhältnis Kilometer / Eis um ein bisschen.


Bitte begrüßt Erik ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 4, 2018

(Hoch-)begabt - Tanja Gabriele Baudson ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Tanja Gabriele Baudson (@TGBaudson) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Tanja Gabriele ist Begabungs- und Hochbegabungsforscherin, derzeit als Vertretungsprofessorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg. Zusätzlich zu ihrem Diplom in Psychologie hat sie einen M.A. in Romanistik und sich für Forschung und Studium bereits in sechs Ländern auf vier Kontinenten herumgetrieben. Als Co-Initiatorin und -Koordinatorin des March for Science in Deutschland wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als „Hochschullehrerin des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Über einen Magister in Französischer Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Lyrik der Moderne, also ein Hardcore-Anwendungsfach. Die Psychologie war in diesem Studiengang mein zweites Nebenfach und Resultat einer Münzwurfentscheidung – wäre die Münze anders gelandet, wäre ich vielleicht Philosophin geworden. Dann fand ich die Psychologie aber so faszinierend, dass ich noch ein Diplom nachgeschoben habe. Im Rahmen meiner Diplomarbeit, die ich im Rahmen einer Kooperation mit Fraunhofer geschrieben habe, habe ich dann meine Freude am empirischen wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt. Ich finde es faszinierend, wie verschlungen die Wege manchmal sind; aber für mich ist dieser doppelte Hintergrund eine große Bereicherung. Ich wollte diese Erfahrung nicht missen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Research is me-search, hat mir ein ganz wundervoller älterer Kollege auf den Kopf zu gesagt, als ich noch ziemlich am Anfang meiner Dissertation stand. In der Tat hatte ich zunächst zu aggressivem Lehrerverhalten geforscht, sah dann aber eine Stellenausschreibung für eine Promotion in der Hochbegabungsforschung und wusste: Das ist es.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Grunde das, was man aus der Grundschule kennt: schreiben, rechnen, lesen. Und unterrichten: Mit drei Vorlesungen bin ich aktuell ganz gut ausgelastet, da muss man zusehen, dass für die Forschung noch genug Zeit bleibt. Außerdem halte ich gerne Vorträge für die allgemeine Öffentlichkeit – Praktiker/innen, Vereine, vor kurzem habe ich am TEDx-Event der Universität Luxemburg teilgenommen. Wissenschaftskommunikation ist klasse, weil es ein ganz anderes Publikum ist. Man lernt sehr viel über das eigene Kommunikationsverhalten (und auch darüber, wie begrenzt die eigene Filterblase doch manchmal ist).

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil das Stereotyp, dass Hochbegabte zwar intelligent und leistungsstark sind, gleichzeitig aber soziale und emotionale Schwierigkeiten haben, so unglaublich hartnäckig ist. In Deutschland verbinden allein zwei Drittel der Menschen dieses Klischeebild mit Hochbegabten (Baudson, 2016, Frontiers) – eine Herausforderung für Hochbegabte, die diese Ambivalenz ja irgendwie in ihr Selbstbild einbauen müssen! Und das zieht Ressourcen, die gerade eine so leistungsstarke Gruppe ja besser investieren könnte: nicht nur in wirtschaftliches Wachstum (das Lieblingsargument in der Politik), sondern auch ins Glücklichsein (den Eudämonie-Gedanken, dass die Umsetzung des eigenen Potenzials zum Lebensglück beiträgt, gibt es ja schon seit der Antike). Der Gedanke ist grundsätzlich auf alle Menschen anwendbar. Hochbegabte sind keine besondere Spezies, sondern auch nur Menschen mit individuellen Bedürfnissen

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich einerseits für den „March for Science“ in Deutschland, den ich gemeinsam mit Claus Martin in Deutschland initiiert habe und koordiniere. Außerdem bin ich Beisitzerin für Hochbegabtenforschung des Hochbegabtenvereins Mensa in Deutschland e.V.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zeitgenössische Kunst und Fotografie, die ich sowohl gerne anschaue als auch produziere. Die Expertiseentwicklung schreitet zwar deutlich langsamer voran als in meiner wissenschaftlichen Laufbahn, aber ich habe ja hoffentlich noch ein paar Jährchen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine Auswahl, weil ich immer auf mehr Sachen Lust habe, als in den freien Tag hineinpasst: Ausschlafen, schreiben, mit meinem Lebensgefährten spät frühstücken, lesen, rausgehen in die Natur, dann eine Ausstellung besuchen. Schönheit macht mich glücklich, und das beschränkt sich nicht auf die Schönheit der Wissenschaft. Kaffee und Törtchen. Danach „Nacharbeit“ – Recherche über interessante neu entdeckte Künstler/innen und Techniken, vielleicht selbst was Künstlerisches machen. Abends Zeit nehmen, um zu kochen, oder ausgehen. Nach Dessert und Espresso Kreation von punktstarken Neologismen beim Scrabble. (Ich finde Essen so toll, dass ich sogar zwei Jahre da gewohnt habe. Sorry für den platten Kalauer.)

Bitte begrüßt Tanja Gabriele ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 28, 2018

Verfechtung der Wissenschaft - Dennis Eckmeier ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Dr. Dennis Eckmeier (@DennisEckmeier) vorstellen zu dürfen! Dennis ist Freischaffender Scholar, Wissenschaftsverfechter und Gründer der @SciForProgress.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wie viele war ich als Kind wissenschaftsbegeistert, habe dann entschieden, Wissenschaftler zu werden, und bin dann nach dem Abi einfach bei dem Entschluss geblieben.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Neurowissenschaften boten ein interessantes und vielseitiges Themenfeld, dass meinem Drang zu persönlicher und professioneller Weiterentwicklung viel Raum geben konnte. Leider war das dann im Postdoc nicht mehr der Fall. Ich hatte den Eindruck, dass ich von meinen Chefs nur für meine coding Fähigkeiten gewertschätzt wurde, meine wissenschaftliche Befähigung wurde kaum gewürdigt, meine Ambitionen eine führende Position anzustreben wurde überhaupt nicht unterstützt. Entsprechend stagnierte meine Karriere bis ich keinen Bock mehr hatte.

Zur Zeit bin ich in einem selbstfinanzierten Sabbatjahr, und widme mich hauptsächlich der Verfechtung der Wissenschaft in einem Podcast und einem Twitter rocur Account.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich erfinde gerade meine eigene Arbeit neu. Seit Verlassen meiner Postdocstelle konzentriere ich mich auf "Science Advocacy" auf Social Media aktiv, und produziere einen Podcast über die Akademien und die Schnittstelle zwischen den Akademien und der Gesellschaft. Ich führe Interviews über Wissenschaftsrepräsentation in der Öffentlichkeit, die heißen Themen der Wissenschaft in der Gesellschaft, und Ansätze zur Verbesserung der Wissenschaftskultur.Gleichzeitig biete ich meine Fähigkeiten als Wissenschaftler an, allerdings habe ich auf der Ebene noch nicht viel getan. Ich plane allerdings eine YouTube-Serie zum Thema Publikationen und naturwissenschaftliches Schreiben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Motivation: Wissenschaft und Akademiker haben viel zu bieten. Leider haben die wenigsten Laien Einblicke in das Gefühlsleben, die Sachzwänge, die Motivationen, und die Gedankenwelt von Akademikern. Mit meiner Arbeit hoffe ich die Diskussionen innerhalb des Elfenbeinturms, und um den Elfenbeinturm herum, dem geneigten Laien zugänglich zu machen. Das Ziel ist, das Vertrauen der Gesellschaft in Akademiker zu stärken, und vielleicht auch ein wenig zur Reform des internationalen Wissenschaftsbetriebes beizutragen. Viele Akademiker glauben, integrierter Teil der Gesellschaft zu sein. Das glaube ich nicht. Wir werden von der Gesellschaft völlig korrekt als abgehobene Bildungselite betrachtet. Man muss den Menschen aber zu verstehen geben, dass unser Ziele von denen des "einfachen Mannes" nicht entkoppelt sind, und dass zumindest im öffentlichen Sektor viele Idealisten arbeiten, die das Beste für die Menschen wollen, und dass akademische Freiheit mindestens so wichtig ist wie die Pressefreiheit.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Alle meine Tage sind frei, alle meine Tage sind Arbeit. Das ist das tolle an so einem selbstfinanzierten Sabbatjahr.

Bitte begrüßt Dennis ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 21, 2018

Ein Blick in den Gerichtssaal - Anna Bernzen ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anna Bernzen (@AnnaKBernzen) vorstellen! Während ihres Jurastudiums mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim absolvierte Anna eine studienbegleitende Journalistenausbildung. In ihrer Dissertation, an der sie seit 2016 an der Universität Osnabrück arbeitet, kann sie ihre beiden Leidenschaften vereinen: Darin betrachtet sie ein journalistisches Thema - die Medienberichterstattung aus dem Gericht - aus juristischer Perspektive. Besonderen Spaß macht es ihr dabei, für ihre Forschung über den Tellerrand des deutschen Rechts zu gucken, zuletzt zum Beispiel mit einem Forschungsaufenthalt an der University of Oxford in England.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Eigentlich wollte ich Journalistin werden. Daran hat mich gereizt, dass man dafür bezahlt wird, neugierig zu sein. Menschen treffen und mit Fragen zu einem interessanten Thema löchern, dann überlegen, wie man die Informationen so verpacken kann, dass die Leser und Leserinnen sie sofort verstehen, am Ende einen spannenden Text daraus basteln - das hat mir immer großen Spaß gemacht. Während meiner Doktorarbeit habe ich dann gemerkt, dass Wissenschaft wie Journalismus ist, nur mit mehr Zeit.
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Doktorarbeit befasst sich mit den Regeln, die Journalisten und Journalistinnen einhalten müssen, wenn sie mit ihren Kameras, Mikrofonen und Twitter-Accounts aus dem Gericht berichten wollen. Aktuell ist ihnen in den deutschen Gerichten ziemlich viel von dem verboten, was dabei helfen würde, die Berichte über Gerichtsverhandlungen anschaulicher zu machen. Ich überlege mir in meiner Dissertation, ob die verschiedenen Verbote noch Sinn ergeben oder ob wir neue Regeln für die Arbeit der Medien im Gericht brauchen. Dafür vergleiche ich die deutschen Vorgaben mit denen für Journalisten und Journalistinnen an englischen Gerichten.

Neben meiner Doktorarbeit interessiert mich generell das Recht der alten und neuen Medien und das Recht des Geistigen Eigentums. Zuletzt habe ich zum Beispiel einen Aufsatz darüber geschrieben, welche urheberrechtlichen Regelungen es braucht, damit die Einnahmen, die auf Musikstreaming-Plattformen wie Spotify gemacht werden, gerecht unter den verschiedenen beteiligten Künstlern und Künstlerinnen verteilt werden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meines Studiums habe ich eine Journalistenausbildung gemacht und als freie Autorin für verschiedene Medien wie z.B. ZEIT ONLINE oder Legal Tribune ONLINE gearbeitet. Nachdem ich die Medienbranche aus journalistischer Sicht schon ziemlich gut kennengelernt hatte, wollte ich sie in meiner Doktorarbeit aus der juristischen Perspektive näher betrachten.

Auf das konkrete Thema meiner Doktorarbeit kam ich während eines Praktikums in der ARD-Rechtsredaktion. Zusammen mit den Redakteuren besuchte ich damals den Strafprozess gegen Wendelin Wiedeking, der wegen Marktmanipulation bei der geplanten Übernahme von Volkswagen durch Porsche angeklagt war. Der Manager warf der Staatsanwaltschaft in seiner Aussage vor Gericht vor, eine „fernliegende und absurde Verschwörungstheorie“ zu verfolgen. Kaum hatte er diesen Satz beendet, sprang ein Dutzend Journalisten und Journalistinnen auf und verließ im Laufschritt den Gerichtssaal. Dessen Tür hatte sich noch nicht hinter ihnen geschlossen, da zückten sie bereits ihre Handys und gaben im Telefonat oder per SMS den Vorwurf an ihre Redaktionen durch, der wenig später über alle Nachrichtenticker lief. Der Grund für dieses Spektakel: Der Vorsitzende Richter hatte im Saal die Nutzung des Internets verboten. Die Redaktionen wollten trotzdem aktuelle Berichte über den Prozess liefern und mussten daher auf andere Weise ständig auf dem Laufenden gehalten werden. Meine Beobachtung ließ mich nachdenklich werden. Ich fragte mich: Passen die rechtlichen Grenzen, die Gesetz und Richter bzw. Richterinnen den Medien bei ihrer Berichterstattung aus dem Gerichtssaal ziehen, noch in unsere Zeit? Diese Frage beantworte ich in meiner Doktorarbeit. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Für das Thema meiner Dissertation sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es wichtig ist, dass wir Bürger und Bürgerinnen wissen, was an unseren Gerichten geschieht. In einem demokratischen Rechtsstaat ist es schließlich unsere Aufgabe, die Richter und Richterinnen bei ihrer Arbeit zu kontrollieren. Und weil nicht jeder und jede selbst zu Gericht gehen kann, um alle Prozesse persönlich vor Ort zu verfolgen, ist es wichtig, dass die Medien für uns anwesend sind und anschaulich aus den Gerichtssälen berichten.

Für das Medienrecht und das Recht des Geistigen Eigentums generell sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es uns allen jeden Tag im Alltag begegnet. Mal ehrlich, wer hat nicht mehrmals am Tag sein Smartphone in der Hand? Wenn YouTube uns dann verkündet, „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“, wenn wir die zwanzigste Email mit neuen Datenschutz-Richtlinien öffnen oder Google uns sagt, dass bestimmte Ergebnisse aus rechtlichen Gründen aus der Suchliste gelöscht wurden, dann erleben wir „meine“ Rechtsgebiete in Aktion.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich bei ArbeiterKind.de. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, all diejenigen auf ihrem Weg an die Universität zu unterstützen, die als Erste in ihrer Familie studieren. Meine Eltern haben beide studiert, sodass ich es ziemlich leicht hatte. Von den Abiturienten und Abiturientinnen, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, schafft es dagegen nur knapp ein Viertel an die Uni. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf die Wissenschaft: Zum Beispiel promoviert nur ein Prozent aller „Arbeiterkinder“, wogegen ein Zehntel aller „Akademikerkinder“ einen Doktortitel erwerben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessant - naja, aber lecker: Ich backe sehr gerne. Davon profitiert häufig auch der Lehrstuhl, an dem ich arbeite.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Er beginnt mit einem leckeren Frühstück, gefolgt von der mehrstündigen Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Anschließend verbringe ich die freie Zeit mit meiner Familie und/oder meinen Freunden und Freundinnen.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 14, 2018

Wie man ein Jahrhundert wendet - Anette Schlimm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anette Schlimm (@AnetteSchlimm) vorstellen! Anette arbeitet als Akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der LMU München. Dort stellt sie gerade ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Übergangsgesellschaften. Politik und Regierung im ländlichen Raum, 1850 bis 1950“ fertig. Sie wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit einer Untersuchung über Verkehrsexperten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Großbritannien promoviert, vorher studierte sie erst Sozialwissenschaften auf Diplom, dann Geschichte und Politikwissenschaft auf Magister in Oldenburg und Huddinge (Schweden). Besonders interessiert sie sich für die Geschichte des ländlichen Raums in Europa, für die Geschichte von Herrschaftspraktiken und für die Theorie der Geschichte.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Tja, das ist eine längere Geschichte - wo soll ich anfangen? Als ich mit dem Studium begann, war ich der festen Überzeugung, dass ich den gewählten Diplomstudiengang so schnell wie möglich durchziehen würde, um der Uni wieder den Rücken zu kehren. Einen Fachwechsel und einige Semester später stellte ich fest, dass das, was ich an der Uni tun konnte, mir wirklich sehr viel Spaß machte. In selbst organisierten studentischen Lesekreisen, "Intellektuellen Wochen" und studentischen Tagungen fand ich ein wirklich schönes, aber auch zeitraubendes Hobby - und das konnte ich mit viel Glück (Stellen fallen in den Geisteswissenschaften nicht vom Himmel) zum Beruf machen. Ich hoffe, dass das so bleibt, denn, nunja, unbefristete Stellen fallen in den Geisteswissenschaften noch viel seltener vom Himmel.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin eine Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Besonders interessiert mich die "erweiterte" Wende zum 20. Jahrhundert - sprich: die Zeit ca. zwischen 1880 und 1930. Diese Zeit finde ich deshalb so faszinierend, weil sie auf den ersten Blick noch recht nah an unserer eigenen Lebenswelt ist, denn viele Aspekte unserer Gegenwart haben ihre "Geburststunde" in dieser Zeit der Jahrhundertwende. Schaut man aber genauer hin, vergräbt sich in Quellenmaterial, dann wird mir diese Zeit schnell sehr fremd - und das ist das Faszinierende daran!


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit besteht ungefähr zur Hälfte aus eigener Forschung - im Moment ist das fast ausschließlich meine Habilitationsschrift, die ich im nächsten Sommer einreichen muss, d.h. ich bin mit der Niederschrift meines Buches über die Regierung ländlicher Gesellschaften zwischen 1850 und 1950 beschäftigt. Die andere Hälfte ist sehr abwechslungsreich; in meiner Kuratorinnen-Woche beginnt das Wintersemester und damit auch meine beiden Kurse, die ich unterrichte. Außerdem gibt es Vorträge, die ich halte, Workshops, die ich besuche, allerlei Verwaltungskram an der Uni, ich schreibe an mehreren Rezensionen gleichzeitig und habe auch noch das eine oder andere Schreibprojekt am Start. Insgesamt also: ein bunter Blumenstrauß!



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen weiß ich, dass viele Leute keine Vorstellung davon haben, was man an der Universität alles tut und macht. Nach außen wird nur sichtbar: Ach, die unterrichtet zwei Lehrveranstaltungen. Und was macht sie die restliche Zeit? Schlafen? Die Vielfalt des Arbeitsfeldes Universität, das will ich zeigen (und auch Verständnis UND Begeisterung dafür wecken). Zum anderen will ich natürlich über meine Forschungen berichten, über Politik und Regierung in ländlichen Räumen im 19. und 20. Jahrhundert. Das ist ein wenig bekanntes Thema, aber ein sehr spannendes!



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätigkeit an der Uni betreibe ich - mit mal mehr, mal weniger zeitlichem Aufwand - ein Blog zu meinem Habilitationsprojekt. Weitere zusätzliche Tätigkeiten fallen mir gerade gar nicht ein - aber ich finde, die Vielfalt reicht auch wirklich schon!



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Hobby ist (im Moment) vor allem meine Familie - mein Mann und mein kleiner Sohn. 



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag beginnt mit einem Frühstück in Ruhe (viel Kaffee!), danach scheint hoffentlich die Sonne und wir machen uns auf nach draußen, machen eine Fahrradtour oder eine Wanderung. Nachmittags gibt es selbstverständlich Kuchen (und Kaffee!). Abends kochen wir etwas, und wenn unser Sohn im Bett ist, spielen wir noch etwas an der Konsole - ich bin bekennender Fan (und sehr schlechte Fahrerin) von SuperMarioKart.


Bitte begrüßt Anette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 7, 2018

Im Kopf der Fruchtfliege - Patrick Krätschmer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Patrick Krätschmer (@PKratschmer) vorstellen zu dürfen! Patrick absolvierte sein Abitur in Hamburg, bevor er an der Universität Oxford Zell- und Systembiologie studierte. Seit 2015 wird er vom Wellcome Trust gefördert - im 4-Jahres-PhD Programm in Neurowissenschaften am University College London. Im Department for Clinical and Experimental Epilepsy untersucht er molekulare und genetische Faktoren, die Epilepsie und Dyskinesie zu Grunde liegen - all das an Fruchtfliegen! Abseits des Labors spielt er Gitarre und trainiert konstant für einen Marathon, den er eventuell in naher (oder ferner) Zukunft zu laufen versuchen könnte.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hatte sehr gute Unterstützung meines Gymnasiallehrers Herr Wiedenhöft, der mich für Chemie faszinierte und durchweg förderte. So bin ich in England in den Neurowissenschaften gelandet und habe durch Studien in Oxford und London dieses Interesse vertiefen können. Von hieraus war es ein Selbstgänger - die wichtigste Phase war wohl die der letzten beiden Abiturjahre, ohne die ich wohl nie Wissenschaftler geworden wäre.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Neurowissenschaften interessieren wohl fast jeden Menschen - die meisten fangen an mit der Frage, wie das Gehirn 'funktioniert'; so war es auch bei mir. Das Gehirn ist wohl am meisten studierte und am wenigsten verstandene Organ unseres Körpers und wirft Fragen auf, die nicht nur wissenschaftliche, sondern auch philosophische/ethische, soziologische, oder juristische Relevanz haben. Wenn man in all das Interessiert ist und in einem Wissenschaftsbereich arbeiten möchte, in dem es großes Entdeckungspotenzial gibt, sollte man Neurowissenschaften in Erwägung ziehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir (ich + Kollaborateure) versuchen zu verstehen, wie Mutationen in einem bestimmten Gen (das wir alle haben) in Epilepsie und Dyskinesie resultieren. Diese Mutationen wurden in Menschenfamilien gefunden. Durch Gentechnik ('genetic engineering' oder 'gene editing') haben wir diese Mutationen in Fruchtfliegen eingefügt - der letzte gemeinsame Vorfahre von uns Menschen und Fruchtfliegen lebte vor ca. 600 Millionen Jahren; trotzdem sind geschätzte, sagenhafte 75 % der Gene, die in Menschen Krankheiten verursachen, in Fruchtfliegen erhalten geblieben. Diese genetische Konservierung erlaubt es uns, solche Krankheitsmutationen (wie in unserem Falle für Epilepsie und Dyskinesie) in das Fruchtfliegengenom einzuführen. Warum machen wir das? Fruchtfliegen sind genetisch unglaublich 'powerful': seit über 100 Jahren wird dieser Organismus von Genetikern benutzt: dies hat zur Folge, dass unglaublich viele Techniken und Methoden entwickelt wurden, durch die wir jedes einzelne der 14.000 Gene in der Fruchtfliege präzise manipulieren: aktivieren, inhibieren, visualisieren, oder alles zur gleichen Zeit!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Unsere Forschung ist sowohl 'basic research' als auch krankheitsrelevant. Wir versuchen zu verstehen, wie neurologische Krankheiten entstehen, um dazu beizutragen, dass diese in der Zukunft besser behandelt (oder verhindert) werden können. Zur gleichen Zeit haben wir genetische Möglichkeiten, durch diese Arbeit fundamentale biologische Prozesse besser zu verstehen: denn oft sind die Mechanismen, die zu Krankheiten führen, auch unter Normalbedingungen nicht verstanden; unsere Arbeit trägt deshalb auch dazu bei zu verstehen, wie das Gehirn unter physiologischen Bedingungen funktioniert.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nicht wirklich interessant, aber definitiv extern: zu versuchen, seit einem Jahr eine Department-Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen - das ist schwerer als gedacht!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele klassische Gitarre seitdem ich klein bin. Ansonsten laufe und schwimme ich (un-)gerne und versuche meine Tage mit Sozialkontakten so bunt wie möglich zu gestalten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den ganzen Tag im Bett durch abwechselndes Schlafen und Lesen von Herr der Ringe (+ relevante Filmmusik auf Spotify) verbringen!


Bitte begrüßt Patrick ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 30, 2018

Tanz der Moleküle - Sven Kochmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Sven Kochmann (@indianalytics) vorstellen! Sven hat Analytische Chemie an der Universität Regensburg studiert. Nach seiner Promotion und seinem ersten, kurzen Postdoc-Aufenthalt an der selben Uni, ist er nun Postdoktorand an der York University in Toronto, Kanada. Dort beschäftigt er sich mit mikrofluidischen 2D-Trennverfahren (u.a. Freiflusselektrophorese), Wechselwirkungen zwischen Molekülen und chemoinformatischen Auswerteverfahren. Im Moment ist er in einer heißen Bewerbungsphase für seine erste Fakultätsstelle als eigenständiger
Gruppenleiter (drückt ruhig die Daumen!).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Wahrheit ist: ich löse einfach gerne Puzzles. Die Naturwissenschaft ist voll davon. So kam eins zum anderen.
Dass ich in die Chemie gehe, wurde erst klar als ich bei der Einschreibung an der Uni war und ich irgendwas in das rosa Formular eintragen musste. Mathe und Chemie waren meine beiden Leistungskurse (Grüße an meine beiden LK-Leiter, die sicher nicht unschuldig an meinem Fortgang sind!) und da habe ich mich spontan entschlossen, Chemie zu studieren! Ich erzähle immer, dass ich gewürfelt habe, was auch nicht
ganz unwahr ist...
14 Jahre nach der Einschreibung bereue ich diese Entscheidung und meine Werdegang nicht eine Sekunde. Die Chemie macht mir soviel Spaß, ist jeden Tag neu und aufregend und hat mich sogar bis ins schöne Kanada gebracht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden?
Während dem Studium an der Universität Regensburg, die als einige der wenigen Universitäten ein großes und eigenes Institut für Analytische Chemie hat, hat mich die Begeisterung im zweiten Semester dafür gepackt: Analysen, sowohl chemisch als auch mathematisch und informatisch, das war genau mein Ding und genau das was ich später machen wollte! Super!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Während meiner Laufbahn habe ich an den unterschiedlichsten, coolen Dingen gearbeitet: Dermatologische Hautsensoren, Graphen als Sensormaterial, zweidimensionale Trennverfahren (Ionenchromatographie × Kapillarelektrophorese; Freiflusselektrophorese), verschiedene Detektionsmethoden (Massenspektrometrie, Fluoreszenzspektroskopie),
Wechselwirkungsanalysen zwischen verschiedenen Spezies (z.B. kleinen organischen Molekülen und Proteinen), Mikrofluidik und verschiedenen chemoinformatischen Auswerteverfahren. Während meiner Twitterwoche werde ich zu einigen Sachen genaueres erzählen!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Lebensmittel- und Medikamentenkontrolle, Schadstoff- und Gewässeranalysen, medizinische Untersuchungen, Forensik, biologische Forschung und vieles mehr: Die Analytische Chemie ist omnipräsent, aber nicht omnipotent. In Serien und Filmen wird sie oft interessant aber überdramatisch gut (oder manchmal auch schlecht) dargestellt. Da finden gaschromatographische Analysen oft nicht nur heraus welche Zigarettenmarke am Tatort gefunden wurde, sondern auch wo diese zu welchem Zeitpunkt an welchem noch-so-kleinen Kiosk erstanden wurde. Dementsprechend verzerrt ist das Bild der Analytischen Chemie in der Öffentlichkeit. Deswegen is es wichtig sich mit der "richtigen" Analytischen Chemie zu beschäftigen, mit den Chemikerinnen und Chemikern, die tagtäglich mit solchen Dingen zu tun haben, zu sprechen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Analysen eigentlich ablaufen, wie die Ergebnisse aussehen und wie solche interpretiert werden können. Und vor allem: wo die Grenzen von Verfahren sind, wo Probleme auftauchen. Ich hoffe ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn ich kann, dann engagiere ich mich ehrenamtlich in Vereinen wie z.B. damals der Fachschaft Chemie oder dem Alumniverein Chemie der Universität Regensburg bei dem ich auch Mitgründer und ein paar Jahre Vorstand war. Der Alumniverein veranstaltet bis heute die jährliche Absolventenfeier für alle Chemiker (Bachelor/Master/Doktoranden) - ein Projekt an dem ich auch tatkräftig mitgewirkt und in das ich viel Herzblut gesteckt habe.

Ansonsten programmiere ich zur Entspannung etwas, bastel an einem Elektronikprojekt (Raspberry, Arduino und co), oder mache etwas Grafikdesign.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In koche und backe gerne (Mein Mantra: Jeder gute Chemiker kann kochen und/oder backen!). Außerdem reise ich sehr gerne spontan in andere Länder, um mir Land und Leute anzusehen, ein paar neue Eindrücke zu sammeln, etz. Auch eine gute Gelegenheit Postkarten zu schreiben (auch wenn das wohl nicht mehr alle machen)!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An freien Tagen schlafe ich meist etwas länger und mache dann je nach Lust und Laune etwas: Kochen, Zocken (Legend of Zelda, Civilization und Binding of Isaac), Serien anschauen, Bücher lesen oder an kleinen Nebenprojekten arbeiten. Manchmal besuche ich Veranstaltungen (davon gibt es in Toronto mehr als genug) wie z.B. Comicmessen oder verbringe den ganzen Tag im Museum. Manchmal bin ich auch einfach nur richtig faul und tue gar nichts. Auch das muss mal sein!


Bitte begrüßt Sven ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 23, 2018

Pflanzen stoffwechseln auch - Rebekka Schröder ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratoring Rebekka Schröder (@BeckiSchnubiiii) vorstellen zu dürfen! Rebekka hat an der Universität Potsdam (Bachelor) und der Freien Universität Berlin (Master) Biologie studiert und ist aktuell Doktorandin an der Leibniz Universität Hannover am Institut für Pflanzenernährung. In ihrer Masterarbeit hat sie mit der Charakterisierung einer Ribokinase im Nukleosidabbau-Metabolismus begonnen. Für den PhD hat es sie an die Leibniz Universität Hannover verschlagen, wo sie ihr Masterthema in der Arbeitsgruppe weiter bearbeitet hat. Im Moment ist sie in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit, führt letzte Experimente durch und bereitet sich auf die heiße Phase des Schreibens vor.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon früh fand ich die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule am interessantesten. Nach dem Abitur in Biologie wollte ich zuerst Medizin studieren und habe mich dann aber für die Biowissenschaften entschieden. Ich mochte es schon immer Dinge auszuprobieren und ein bisschen zu knobeln.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich dachte immer Pflanzenwissenschaftler wären am entspanntesten. Ihre Versuchsobjekte laufen ihnen zumindest ja nicht weg.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite im großen, weiten Feld des RNA-Nukleotidabbaus. Die Grundbausteine der RNA bestehen aus der Nukleobase, des Phosphatrestes und einem Zucker, der D-Ribose. Ich arbeite daran herauszufinden, wie die Ribose aus den Nukleotiden nach dem Freisetzen wieder in den Stoffkreislauf der Pflanze zurück geführt wird.
Ich arbeite dabei in Arabidopsis thaliana, der Ackerschmalwand, einem der Modellorganismen der Pflanzenwissenschaftler und benutze alle möglichen Methoden von CrispR über Enzymtest bis hin zur Massenspektrometrie um meine vielen Fragen zu beantworten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Grundlagenforschung kann sehr trocken und schwer zugänglich sein, dabei ist es extrem interessant etwas zu bearbeiten, was bis dato unbekannt oder unerforscht ist. Ich möchte den Spaß an der wissenschaftlichen Arbeit näher bringen und dass Wissenschaft in jedermanns Leben Platz hat. Ich möchte mit dem Twittern hier versuchen, Leute dazu anzuregen, Dinge zu hinterfragen wie zum Beispiel Superfood, Pseudomedizin, Esotherik, Homöopathie oder auch nur das tägliche Werbeversprechen aus dem Fernsehen. Ich möchte auch auf die grüne Gentechnik und ihre Chancen eingehen, da dieses Thema viele Menschen beschäftigt aber auch viel Halbwissen im Umlauf ist.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich versuche mir 3D-modelling und 3D-Grafikdesign beizubringen um das vielleicht später in der wissenschaftlichen Karriere nutzen zu können, bspw. zur Visualisierung von Enzymreaktionen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich gehe in einem Sportverein mehr oder weniger regelmäßig Bogenschießen. Ich fahre gerne Inline-Skates und Longboard darum trifft man mich auch oftmals auf der Skate by night in Hannover. Ich spiele sehr gerne Computerspiele in Moment habe ich World of Warcraft für mich entdeckt. Und nebenher diverse Handarbeiten: nähen, Modellbau, sowas zum Beispiel.
Ich versuche mich immer an Dingen, die ich noch nicht kann.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, denn ich bin eher ein Nachtmensch. Dann Kaffee, meist kein Frühstück.Den Tag verbringe ich am Rechner beim Zocken. Regelmäßig die Katze kuscheln oder den Kampffisch Günnie füttern. Ich bin in der Freizeit ein relativ ,,fauler" Mensch.

Bitte begrüßt Rebekka ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, September 17, 2018

Archäologische Zeitreise - Jens Notroff ist jetzt bei Real Scientist DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Jens Notroff (@jens2go) vorzustellen! Jens hat Prähistorische Archäologie, Geschichte und Kommunikationswissenschaft in Berlin studiert und ist derzeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Göbekli Tepe-Projekt des Deutsches Archäologischen Instituts tätig. Dort ist er u.a. an der Erforschung der ältesten bisher bekannten, am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren von Jägern und Sammlern erbauten Monumentalarchitektur beteiligt. Seine Forschungsschwerpunkte darüber hinaus liegen in Neolithikum und Bronzezeit, mit besonderem Interesse für die Repräsentation von Macht und Prestige, Kultplätze und deren archäologischem Kontext, sowie sog. Sonderbestattunge. Außerdem engagiert er sich für Wissenschaftskommunikation in der Archäologie, insbesondere in Sachen Aufklärung pseudoarchäologischer Falschinformationen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Als ich gerade vier Jahre alt war, hat mein Vater mit mir nach und nach eine 'Grand Tour' durch nahezu alle Museen Ost-Berlins gemacht. Und die archäologischen Sammlungen (insbesondere das damalige Bode-Museum, und dort v.a. Dinge die Inszenierung früher Grabkammern (in den Fußboden eingelassene Bestattungen, Skelette samt Grabbeigaben)) haben einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen. Als ich dann später in Großvaters Bücherschrank dann auch noch C. W. Cerams "Götter, Gräber und Gelehrte" entdeckte (das heute als eines der ersten populärwissenschaftlichen Sachbücher gilt), gab es schließlich kein zurück mehr.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich gebe zu, der man mit dem Filzhut und der Lederjacke war nicht ganz unbeteiligt, ausschlaggebender war aber am Ende die besondere Faszination schriftloser Kulturen und der damit verbundenen besonderen Aufmerksamkeit auf die materielle Kultur jener Epochen. Davon ist bis heute nichts eingebüßt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Derzeit bin ich am Göbekli Tepe in der Südosttürkei tätig, wo das DAI (in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum Sanliurfa) gewaltige aus bis zu 5,5 m hohen T-förmigen Kalksteinpfeilern errichteten Kreisanlagen ausgräbt und erforscht. Diese Bauten gelten als die älteste bisher bekannte Monumentalarchitektur, und wurden im frühen Neolithikum vor etwa 12.000 Jahren von noch nicht vollends sesshaften Jägern und Sammlern errichtet, die sich dort für Rituale und große Feste trafen. Diese Feste spielten wohl überhaupt eine wichtige Rolle für die Errichtung der Monumentalbauten, denn nur so war es möglich die notwendige Arbeitskraft (die die Kapazitäten einer einzelnen Jägergruppe überschritten haben dürfte) vor Ort versammelt. Die Versorgung solcher Zusammenkünfte schließlich wird als einer der Auslöser für die bald folgende Nahrungsmittelproduktion und deren Konsequenzen - Sesshaftwerdung, Ackerbau und Viehzucht - angesehen, dürfte also wohl eine bedeutende Rolle in der Ausbildung unserer heutigen Lebensweise gespielt haben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Archäologie ist mehr als Ton, Steine und Scherben. Der Blick in die Vergangenheit hilft uns, die langfristigen Auswirkungen menschlichen Schaffens und Handelns zu erkennen und verstehen. Wir können nur sehen wohin wir gehen, wenn wir wissen woher wir kommen. Ohne den Blick zurück, wüssten wir nicht einmal, dass wir uns voranbewegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Mit zunehmendem öffentlichen Interesse für unsere Arbeit und Forschung am Göbekli Tepe haben auch Zuschriften, An- und Nachfragen zugenommen. Die Beantwortung dieser E-Mails und Briefe hat irgendwann einen großen Teil unserer Arbeitszeit in Anspruch genommen, so dass ein Kollege und ich beschlossen haben, die häufigsten Fragen zu sammeln und in kurzen Beiträgen auf einem Blog zu beantworten. Daraus ist in der Zwischenzeit ein regelechtes Kompendium mit Informationen, Kurzbeiträgen, Publikationshinweisen und Diskussionen zu aktuellen Forschungsfragen im Rahmen des Projekts geworden. Eine, wie wir den Besucherzahlen und Kommentaren entnehmen, gern und oft genutzte Ressource zu den Ausgrabungen am Göbekli Tepe: http://www.dainst.blog/the-tepe-telegrams

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Selten, im Grunde nie, packe ich meinen Seesack ohne Aquarellkasten und Skizzenbuch mitzunehmen. Unterwegs gesammelte Reiseskizzen sind mir oft Jahre später noch die bleibendsten Erinnerungen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Der Versuch auszuschlafen wird von meinem Sohn durchkreuzt. Nach dem gemeinsamen Frühstück verlagert sich die ganze Familie auf den Spielplatz (in meiner Tasche idealerweise ein Buch), bevor es in den Zoo oder Park geht. Abends wird auf dem Balkon gegrillt und bevor der Tag zu Ende geht, werden auch die beiden begonnen Artikel-Entwürfe irgendwie noch beendet.

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 9, 2018

Sprich mit mir! - Janina Wildfeuer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Janina Wildfeuer (@neous) vorzustellen! Janina Wildfeuer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für multimodale Linguistik im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. Nach einem Magisterstudium in Allgemeiner Sprachwissenschaft, Germanistik und Romanistik in Münster hat sie 2012 in Bremen zur linguistischen Analyse des Films als Text promoviert und arbeitet seitdem dort in verschiedenen Projekten zur Medienanalyse im Bereich der multimodalen und angewandten Linguistik. Sie beschäftigt sich gerne mit Filmen, Comics, sozialen Medien und neuerdings auch Computerspielen, die alle auch eine Rolle in ihrem Habilitationsprojekt zur Semantik von Medien spielen. Außerdem ist sie seit diesem Jahr Mitherausgeberin eines Journals und lernt dabei noch ganz andere Seiten des Wissenschaftsbetriebs kennen.

Hier ist Janina in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Faszination an Sprachen, ihrer Grammatik und ihren Strukturen, die ich während meiner Schulzeit erlebt habe, hat mich in ein klassisches Philologie-Studium mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Münster geführt. Das Studium habe ich mit einem Magisterabschluss und einer Arbeit zur Anwendung textlinguistischer Strukturen auf Medien beendet und mich danach eigentlich ganz naiv und unwissend der akademischen Strukturen auf verschiedenste Ausschreibungen für Stipendien beworben. Ich bekam eine Zusage von einem neu eingerichteten DoktorandInnenkolleg an der Universität Bremen, das sich mit dem Film beschäftigte und mir drei Jahre die Möglichkeit gab, dies ebenfalls zu tun. Ich traf zum ersten Mal meinen Doktorvater und Mentor, mit dem ich bis heute zusammenarbeite und der mir eine ganz andere akademische Welt als die mir bis dahin bekannte zeigte. Obwohl ich mich mit unterschiedlichsten Sprachen beschäftigt hatte, hatte ich weder Hausarbeiten auf Englisch geschrieben noch Referate gehalten (und stattdessen eher französische Übersetzungen vorgenommen). Ich konnte fortan an Konferenzen im Ausland teilnehmen und die internationale Welt der Sprach- und Medienwissenschaft kennen lernen - in einem Bereich, der immer noch mit den Grundannahmen meines Fachs arbeitet, sie aber auf viele andere Kommunikationsformen (neben Sprache) überträgt und sich damit interdisziplinär zwischen unterschiedlichsten Fächern und Forchungsrichtungen bewegt. Die Möglichkeiten und Herausforderungen, die eine solche Forschung mit sich bringt, lassen mich bis heute den Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten nicht verlieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem Studium war es im Grunde das Stipendium und die Zielsetzungen der damit verbundenen KollegInnen und BetreuerInnen, die mich zu meinen heutigen Forschungsschwerpunkten gebracht haben. Das war zum einen also teilweise fremdbestimmt, zum anderen aber war mir von Anfang eine gewisse Flexibilität mitgegeben, die ich bis heute genießen darf und die mich eigenständige Projekte und Interessen verfolgen lässt - und mir so kaum noch ein Gefühl von Fremdbestimmtheit geben. Diese Flexibilität macht nämlich zum Beispiel möglich, mich in unterschiedlichen Disziplinen umzuschauen, mit ihnen zu arbeiten und meinen Forschungsschwerpunkt immer wieder neu zu definieren.

In meiner Zeit als Postdoc habe ich mich explizit für eine Mischung aus Sprach- und Medienwissenschaften entschieden, war und bin also etwas risikobereit, was die Zukunft meiner Beschäftigung an einer Universität betrifft: Professuren und Studiengänge für Multimodalität oder multimodale Kommunikation/Linguistik gibt es nur sehr, sehr wenige ujnd es braucht auch einen gewissen Optimismus, weiter in diesem Bereich arbeiten zu können. Neben diesem gab es eigentlich noch nie einen Moment, in dem ich mich in meiner Position als Wissenschaftlerin nicht wohlfühlte oder dachte, dass ich irgendwann einmal keine Lust mehr auf diese Art von Arbeit habe.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Eine der Hauptfragen, mit denen ich mich in Analysen und theoretischen Auseinandersetzungen beschäftige, ist, inwiefern Medien bzw. Medienprodukte wie Filme, Comics, soziale Medien, etc. Bedeutungen konstruieren, uns also Geschichten erzählen, Sachverhalte darstellen oder Argumente vorführen. Während wir dies für sprachliche Texte ziemlich genau beschreiben können, nutzen viele Medien neben Sprache ja noch ganz andere Äußerungsformen wie Bilder, Musik, Bewegung, Animationen, etc., für die wir Bedeutungen nicht in einem Nachschlagewerk (wie in einem Wörterbuch für Sprache) festhalten bzw. nachschauen können. In meiner Forschung geht es also darum, zu beschreiben, wie Bedeutung mit und durch diese Äußerungsformen entsteht und wie wir dies vielleicht auch mit uns bekannten Instrumentarien (aus der Sprach-, Literatur-, Medienwissenschaft und anderen Disziplinen) analysieren können.

Meine Arbeit ist also zu einem großen Teil theoretisch und analytisch, indem sie konkrete Medienbeispiele und -texte mit diesen Instrumentarien untersucht. Hierfür bedarf es natürlich auch einer theoretischen und methodologischen Auseinandersetzung, also einer kritischen Evaluation von Instrumentarien und Analyserastern und ihrer Erprobung an und mit Beispielen. Ergebnisse dieser ‚Denkarbeit‘ finden momentan vor allem Eingang in mein Habilitationsprojekt, an dem ich schon eine Weile arbeite. Außerdem sind ein paar wissenschaftliche Veröffentlichungen und Präsentationen auf Konferenzen in Arbeit. In der momentanen vorlesungsfreien Zeit schreibe ich unter anderem an einem Einführungstext für ein Studienbuch zur Comicanalyse und an einem einleitenden Beitrag zu einem Sammelband, den ich in Folge einer Konferenz zum Thema Multimodalität mit KollegInnen herausgebe.

In meiner Woche als Kuratorin werde ich auch einen Kongress besuchen und dort zwei Vorträge halten. Nebenbei will ich noch einen Förderantrag für Gelder der Universität Bremen stellen. Im nächsten Jahr steht dann auch eine weitere große Konferenz an, die ich organisiere. Hierfür gilt es in der nächsten Zeit Drittmittelgelder zu beantragen und den Call for Paper auszusenden.

Während des Semesters unterrichte ich in den Studiengängen unseres Fachbereichs, also im Bereich Anglistik, Linguistik und teilweise auch Literatur- bzw. Medienwissenschaft. Im letzten Semester ging es zum Beispiel um aktuelle TV-Serien, im kommenden Semester gebe ich unter anderem ein Seminar zur Kommunikation in den sozialen Medien.

Außerdem arbeite ich in einem Team von HerausgeberInnen eines internationalen Journals und bin als Gutachterin für weitere solcher Journals und Verlage tätig.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Dass sprachwissenschaftliche Forschung sich immer auch mit sozialen und kulturellen Strukturen beschäftigt und dabei sehr wertvolle Arbeit leistet, ist gerade aktueller denn je. KollegInnen vom Institut für deutsche Sprache in Mannheim haben zum Beispiel gerade erst die Sprache der AfD mit der anderer Parteien verglichen und interessante Ergebnisse erzielt, die für die aktuellen politischen Entwicklungen unheimlich wichtig sind.

Dass Sprachwissenschaft sich aber auch mit nicht- oder nur wenig sprachlichen Kommunikationsformen auseinandersetzt und dabei ebenso wichtige Ergebnisse erzielen kann, ist manchmal noch nicht so ganz akzeptiert, weder in den Geisteswissenschaften noch im Alltag. Ich will während meiner Zeit als Kuratorin versuchen, hier ein bisschen Überzeugungsarbeit zu leisten und zu zeigen, dass der Umgang mit den Medien in Kommunikationssituationen oft noch gar nicht so gut funktioniert und wir noch viel mehr darüber lernen müssen, was wir eigentlich genau ausdrücken, wenn wir Bilder oder Videos mit Text in einem Tweet oder Facebook-Beitrag verbinden und diesen in die Welt senden. Oft ist zum Beispiel die Rede von der Text-Bild-Schere, die mal wieder zugeschlagen hat, oder von einem falschen oder missglückten Einsatz von Werbebildern auf Webseiten, der auf Algorithmen aufbaut, die irgendwie noch nicht so gut funktionieren. Dahinter steckt fehlendes oder nicht ausreichendes Wissen über das Verstehen von nicht-sprachlichen Einheiten wie Bildern, Diagrammen, etc.., das wir erst noch viel systematischer erarbeiten müssen. Und für diese Erarbeitung bedarf es unter anderem auch sprachwissenschaftlicher Instrumentarien und Hypothesen sowie einer Menge empirischer Untersuchungen, mit denen wir noch eine ganze Weile beschäftigt sein werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden dann wertvolle Informationen liefern, die wir nicht nur unseren Kindern im Umgang mit den Medien mitgeben, sondern auf allen Ebenen der Kommunikation anwenden sollten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bremen bin ich auch Herausgeberin des Journals „Visual Communication“. Das bedeutet, dass ich die dort eingereichten Manuskripte lese, sie in den meisten Fällen zum Review aussende und dafür also nach geeigneten GutachterInnen suche und diese kontaktiere. Das Journal hat soeben einen Relaunch erlebt, an dem das HerausgeberInnenteam eine ganze Weile gearbeitet hat. Auch hierfür waren Texte zu verfassen und zu editieren, Layoutfragen zu klären, etc. Die Arbeit als Herausgeberin eines solchen internationalen Journals ist besonders spannend, weil man immer neue Forschungsprojekte und Ergebnisse kennen lernt, mit den unterschiedlichsten KollegInnen und ForscherInnen kommuniziert und auch einen guten Einblick in das Verlagswesen bekommt.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Mann ist Jäger und ich begleite ihn gerne auf seinen Ausflügen in die Natur, ohne selbst einen Jagdschein haben zu wollen. Wir haben das schon eine ganze Weile nicht mehr gemeinsam gemacht, weil wir auch seit einiger Zeit eine kleine Tochter haben, die auf eine ganz andere Art und Weise gerade Natur und Leben entdeckt. Das Leben mit einem Jäger ist also immer irgendwie besonders, sei es mit Blick auf unsere Ernährung, die Details des Wortschatz unseres Kindes, das die Tiere im Wald bald alle besser benennen kann als ich, den Umgang mit einem kranken Tier in der Nachbarschaft und im Garten oder im Streit um die Dekorationen im Haus.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Bevor meine Tochter geboren wurde, hätte ich diese Frage mit einem Serienmarathon oder guten Büchern und dem Austausch über solche mit Freunden beantwortet. Heute ist es ein Tag mit der Familie, an dem wir gemeinsam ohne Verpflichtungen und mit viel Abstand von der Arbeit einen Ausflug (vielleicht ans Meer oder in die Natur) machen und uns über die kleinen Dinge im Alltag freuen.

Bitte begrüßt Janina ganz herzlich bei Real Scientists DE!