Sunday, November 11, 2018

Cloudy with a chance of storage systems - Erik Riedel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Erik Riedel (@er1p) als unseren neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Erik hat an der Carnegie Mellon University studiert und promoviert und ist derzeit Consultant und Berater, bis vor kurzem Senior Director of Engineering bei Dell EMC in Cambridge, MA. Dort erstellten und unterstützten er und seine Teams Technologien in den Bereichen Hardware-Appliances, Betriebssystem, Sicherheit, Vernetzung, Containerorchestrierung und fehlertolerante Software, die in tausenden Standorten weltweit eingesetzt werden. Vor EMC arbeitete Erik bei Seagate Research an diversen Erfindungen und Innovationen im Bereich Consumer Storage, Performance Management, Vernetzung und Fehlervorhersage, und verbrachte mehrere Jahre in der Speicher- und Sicherheitsforschung bei Hewlett-Packard Labs sowie an der Carnegie Mellon University ("intelligenter, skalierbarer, verteilter Storage bevor es cool war").

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin ein ausgebildeter Ingenieur auf dem Gebiet Computertechnik und arbeite an großen Computersystemen, die umgangssprachlich die "Cloud" genannt werden. Ich habe einen Bachelor in Mathematik / Informatik, einen Master in Software Engineering und einen Doktortitel in Computer Engineering, alle von der Carnegie Mellon University im US Bundesstaat Pennsylvania. Ich folgte einen ziemlich traditioneller Weg zur Ausbildung eines neuen Wissenschaftlers, aber meine Betreuer bei der Doktorarbeit und unsere Universitätsprojekte waren stets an der Industrie und an praktischen Anwendungen orientiert, während wir gleichzeitig versuchten, über inkrementelle Innovationen hinaus zu denken und große Erfindungen für die Zukunft zu machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
In dem breiten Begriff "Computer Engineering" sind viele der großen Probleme der Modernen Technik zuhause - die Nerds haben die Welt erobert. Als Forscher und Ingenieur habe ich täglich mit theoretischen und mit praktischen Fragestellungen zu tun. Die Kombination aus neuen und riskanten Ideen sowie eine strenge Analyse zur Bewältigung der harten Probleme ist für mich sehr attraktiv. Ich genieße es, die Details zu ermitteln, wie ein Aufgabe am besten gelöst werden kann, aber ich freue mich auch, wenn die resultierenden Lösungen genutzt werden, um Auswirkungen zu erzeugen und Veränderungen in der realen Welt zu beeinflussen. Ich poste zum Beispiel regelmäßig ein Videosegment oder ein besonders cleveres GIF zu meinen Freunden in der Branche weltweit, und sage: "Wir haben das gebaut." Ohne die Forschungsarbeit aus vielen Jahrzehnten Computer Science und Computer Engineering wären die Technologien - Twitter und Facebook und Blogs und Giphy - die jeder heute als selbstverständlich betrachtet, gar nicht möglich gewesen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite hauptsächlich im Bereich der Speichersysteme - das Erstellen von Petabyte- (PB) und Exabyte- (EB) großen Speicher, um alle Fotos, Videos und Bilder zu schützen, die täglich auf der ganzen Welt und sogar im Weltall gesammelt werden. Wir haben Systeme mit vielen Zehntausenden einzelner Festplatten gebaut, die manchmal über Millimeter und manchmal über tausende Kilometer Entfernungen zusammenarbeiten. An manchen Tagen arbeiten wir mit Papier oder gemeinsam an einem Whiteboard, um ein neues System zu entwerfen oder das Verhalten eines vorhandenen Systems zu verstehen. An manchen Tagen arbeiten wir mit den Computern, beobachten den Data Flow durch die Datenzentren der Kunden bis zu den Endbenutzer. Ich verbringe auch viel Zeit damit, den Ideen anderer zuzuhören. Ich bringe gelegentlich Anleitung oder Input aus meiner eigenen Erfahrung, aber meistens versuche ich, die Details und Auswirkungen dessen, was andere studieren und abschließen konnten, zu lernen und zu erfassen. Unsere Technologiestacks sind so tief, voneinander abhängig und verändern sich so schnell, dass wir immer darauf achten müssen, woran Forscher oder Unternehmen in angrenzenden Gebieten tüfteln. Unsere Arbeit wird fast ausschließlich in Teams durchgeführt. Daher müssen auch Techniken zur Kommunikation und Zusammenarbeit untersucht und angepasst werden, damit jeden Tag vielfältig Ideen zu effektiven Lösungen kombiniert werden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich habe mit Daten von Satelliten, MRI-Geräten, Kraftwerken, Bibliotheken und natürlich von Smartphones und Kameras der ganzen Welt gearbeitet. Meine Kollegen und ich haben die Technologiesysteme, die so viele für das Erfassen, Speichern und Abrufen von Daten als selbstverständlich betrachten, studiert, aufgebaut, abgerissen und wieder aufgebaut. Ohne die Daten wäre die "Cloud" ein sehr langweiliger Ort. Der erste tragbare Computer-Speicher, den ich verwendete, war eine 160-Kilobyte-Diskette, die nur in eine sehr große Hosentasche passen würde, und heute trage ich mehrere 64-Gigabyte-Speichergeräte - also über 1 Million Mal so viele Daten - die auch enthalten Megapixel-Display und Gigabit-Netzwerke. Der gleiche Trend hat die im Großrechner gespeicherten Datenmengen um unzählige Milliarden multipliziert. Wir sind dafür verantwortlich, Systeme zu schaffen, die schnell und zuverlässig zum Speichern und Abrufen all dieser Daten sind, aber auch eine umfassendere Verantwortung für Datenschutz, Sicherheit, Transparenz und Zugänglichkeit, da die gesamte Weltgesellschaft davon betroffen ist. Als wir an der Uni waren, haben wir darüber gesprochen, die Welt mit neuen Erfindungen zu verändern, aber die heutige Technologie hätten wir nur als Fantasie erdacht. Alle diese technologischen Fortschritte wurden von einer Gruppe von Tausenden und Abertausenden zusammen erzielt. Arbeiten an Standorten auf der ganzen Welt, in vielen verschiedenen Sprachen und Situationen, immer auf dem, was vorher kam gebaut. Wenn ich Vorträge an Universitäten über einen Aspekt der Systeme halte, verwende ich oft den Untertitel "es ist ein Wunder, dass es überhaupt funktioniert", angesichts der Komplexität und Vielfalt der erforderlichen Ideen und Konzepte.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Engineering Culture - wie können wir besser zusammenarbeiten und kooperieren, um unterschiedliche Ansichten und diverse Kollegen besser einzubeziehen. Moderne Computertechnologie ist sowohl durchdringender als auch zugänglicher als je zuvor, und ich glaube, es ist wichtig, dass sie nicht nur der Blick von denen in weißen Laborkitteln oder dicken Gläsern ist. Dies hat mich veranlasst, als Mentor und Berater in meinem Bereich sowie als Kommunikator außerhalb des Feldes und gelegentlich in den Schulen zu arbeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich suche schon seit etwa fünfzehn Jahren ein richtiges Hobby, also gehe gerne auf Vorschläge ein. Seit zwei Jahren mache ich oft Fotografien von Wolken fürs Instagram - also #clouds damit ich immer "on brand" bleibe - aber mit iPhone Kamera ist es wohl kein offizielles Hobby sondern eher eine Achtsamkeitsübung.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auch wenn es einmal einen Tag frei von Forschungsarbeit oder Telefonaten gibt, dann ist wahrscheinlich irgendein Ausflug mit den Kindern fällig. Wir wohnen am Ufer des Atlantik also laufen wir gerne an irgendeinen Strand, und jedes Jahr steigern wir unser Verhältnis Kilometer / Eis um ein bisschen.


Bitte begrüßt Erik ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 4, 2018

(Hoch-)begabt - Tanja Gabriele Baudson ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch Tanja Gabriele Baudson (@TGBaudson) als unsere neue Kuratorin vorstellen! Tanja Gabriele ist Begabungs- und Hochbegabungsforscherin, derzeit als Vertretungsprofessorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Luxemburg. Zusätzlich zu ihrem Diplom in Psychologie hat sie einen M.A. in Romanistik und sich für Forschung und Studium bereits in sechs Ländern auf vier Kontinenten herumgetrieben. Als Co-Initiatorin und -Koordinatorin des March for Science in Deutschland wurde sie vom Deutschen Hochschulverband als „Hochschullehrerin des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Über einen Magister in Französischer Literaturwissenschaft, Schwerpunkt Lyrik der Moderne, also ein Hardcore-Anwendungsfach. Die Psychologie war in diesem Studiengang mein zweites Nebenfach und Resultat einer Münzwurfentscheidung – wäre die Münze anders gelandet, wäre ich vielleicht Philosophin geworden. Dann fand ich die Psychologie aber so faszinierend, dass ich noch ein Diplom nachgeschoben habe. Im Rahmen meiner Diplomarbeit, die ich im Rahmen einer Kooperation mit Fraunhofer geschrieben habe, habe ich dann meine Freude am empirischen wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt. Ich finde es faszinierend, wie verschlungen die Wege manchmal sind; aber für mich ist dieser doppelte Hintergrund eine große Bereicherung. Ich wollte diese Erfahrung nicht missen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Research is me-search, hat mir ein ganz wundervoller älterer Kollege auf den Kopf zu gesagt, als ich noch ziemlich am Anfang meiner Dissertation stand. In der Tat hatte ich zunächst zu aggressivem Lehrerverhalten geforscht, sah dann aber eine Stellenausschreibung für eine Promotion in der Hochbegabungsforschung und wusste: Das ist es.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Grunde das, was man aus der Grundschule kennt: schreiben, rechnen, lesen. Und unterrichten: Mit drei Vorlesungen bin ich aktuell ganz gut ausgelastet, da muss man zusehen, dass für die Forschung noch genug Zeit bleibt. Außerdem halte ich gerne Vorträge für die allgemeine Öffentlichkeit – Praktiker/innen, Vereine, vor kurzem habe ich am TEDx-Event der Universität Luxemburg teilgenommen. Wissenschaftskommunikation ist klasse, weil es ein ganz anderes Publikum ist. Man lernt sehr viel über das eigene Kommunikationsverhalten (und auch darüber, wie begrenzt die eigene Filterblase doch manchmal ist).

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil das Stereotyp, dass Hochbegabte zwar intelligent und leistungsstark sind, gleichzeitig aber soziale und emotionale Schwierigkeiten haben, so unglaublich hartnäckig ist. In Deutschland verbinden allein zwei Drittel der Menschen dieses Klischeebild mit Hochbegabten (Baudson, 2016, Frontiers) – eine Herausforderung für Hochbegabte, die diese Ambivalenz ja irgendwie in ihr Selbstbild einbauen müssen! Und das zieht Ressourcen, die gerade eine so leistungsstarke Gruppe ja besser investieren könnte: nicht nur in wirtschaftliches Wachstum (das Lieblingsargument in der Politik), sondern auch ins Glücklichsein (den Eudämonie-Gedanken, dass die Umsetzung des eigenen Potenzials zum Lebensglück beiträgt, gibt es ja schon seit der Antike). Der Gedanke ist grundsätzlich auf alle Menschen anwendbar. Hochbegabte sind keine besondere Spezies, sondern auch nur Menschen mit individuellen Bedürfnissen

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich einerseits für den „March for Science“ in Deutschland, den ich gemeinsam mit Claus Martin in Deutschland initiiert habe und koordiniere. Außerdem bin ich Beisitzerin für Hochbegabtenforschung des Hochbegabtenvereins Mensa in Deutschland e.V.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zeitgenössische Kunst und Fotografie, die ich sowohl gerne anschaue als auch produziere. Die Expertiseentwicklung schreitet zwar deutlich langsamer voran als in meiner wissenschaftlichen Laufbahn, aber ich habe ja hoffentlich noch ein paar Jährchen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Eine Auswahl, weil ich immer auf mehr Sachen Lust habe, als in den freien Tag hineinpasst: Ausschlafen, schreiben, mit meinem Lebensgefährten spät frühstücken, lesen, rausgehen in die Natur, dann eine Ausstellung besuchen. Schönheit macht mich glücklich, und das beschränkt sich nicht auf die Schönheit der Wissenschaft. Kaffee und Törtchen. Danach „Nacharbeit“ – Recherche über interessante neu entdeckte Künstler/innen und Techniken, vielleicht selbst was Künstlerisches machen. Abends Zeit nehmen, um zu kochen, oder ausgehen. Nach Dessert und Espresso Kreation von punktstarken Neologismen beim Scrabble. (Ich finde Essen so toll, dass ich sogar zwei Jahre da gewohnt habe. Sorry für den platten Kalauer.)

Bitte begrüßt Tanja Gabriele ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 28, 2018

Verfechtung der Wissenschaft - Dennis Eckmeier ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Dr. Dennis Eckmeier (@DennisEckmeier) vorstellen zu dürfen! Dennis ist Freischaffender Scholar, Wissenschaftsverfechter und Gründer der @SciForProgress.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wie viele war ich als Kind wissenschaftsbegeistert, habe dann entschieden, Wissenschaftler zu werden, und bin dann nach dem Abi einfach bei dem Entschluss geblieben.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Neurowissenschaften boten ein interessantes und vielseitiges Themenfeld, dass meinem Drang zu persönlicher und professioneller Weiterentwicklung viel Raum geben konnte. Leider war das dann im Postdoc nicht mehr der Fall. Ich hatte den Eindruck, dass ich von meinen Chefs nur für meine coding Fähigkeiten gewertschätzt wurde, meine wissenschaftliche Befähigung wurde kaum gewürdigt, meine Ambitionen eine führende Position anzustreben wurde überhaupt nicht unterstützt. Entsprechend stagnierte meine Karriere bis ich keinen Bock mehr hatte.

Zur Zeit bin ich in einem selbstfinanzierten Sabbatjahr, und widme mich hauptsächlich der Verfechtung der Wissenschaft in einem Podcast und einem Twitter rocur Account.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich erfinde gerade meine eigene Arbeit neu. Seit Verlassen meiner Postdocstelle konzentriere ich mich auf "Science Advocacy" auf Social Media aktiv, und produziere einen Podcast über die Akademien und die Schnittstelle zwischen den Akademien und der Gesellschaft. Ich führe Interviews über Wissenschaftsrepräsentation in der Öffentlichkeit, die heißen Themen der Wissenschaft in der Gesellschaft, und Ansätze zur Verbesserung der Wissenschaftskultur.Gleichzeitig biete ich meine Fähigkeiten als Wissenschaftler an, allerdings habe ich auf der Ebene noch nicht viel getan. Ich plane allerdings eine YouTube-Serie zum Thema Publikationen und naturwissenschaftliches Schreiben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Motivation: Wissenschaft und Akademiker haben viel zu bieten. Leider haben die wenigsten Laien Einblicke in das Gefühlsleben, die Sachzwänge, die Motivationen, und die Gedankenwelt von Akademikern. Mit meiner Arbeit hoffe ich die Diskussionen innerhalb des Elfenbeinturms, und um den Elfenbeinturm herum, dem geneigten Laien zugänglich zu machen. Das Ziel ist, das Vertrauen der Gesellschaft in Akademiker zu stärken, und vielleicht auch ein wenig zur Reform des internationalen Wissenschaftsbetriebes beizutragen. Viele Akademiker glauben, integrierter Teil der Gesellschaft zu sein. Das glaube ich nicht. Wir werden von der Gesellschaft völlig korrekt als abgehobene Bildungselite betrachtet. Man muss den Menschen aber zu verstehen geben, dass unser Ziele von denen des "einfachen Mannes" nicht entkoppelt sind, und dass zumindest im öffentlichen Sektor viele Idealisten arbeiten, die das Beste für die Menschen wollen, und dass akademische Freiheit mindestens so wichtig ist wie die Pressefreiheit.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Alle meine Tage sind frei, alle meine Tage sind Arbeit. Das ist das tolle an so einem selbstfinanzierten Sabbatjahr.

Bitte begrüßt Dennis ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 21, 2018

Ein Blick in den Gerichtssaal - Anna Bernzen ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anna Bernzen (@AnnaKBernzen) vorstellen! Während ihres Jurastudiums mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim absolvierte Anna eine studienbegleitende Journalistenausbildung. In ihrer Dissertation, an der sie seit 2016 an der Universität Osnabrück arbeitet, kann sie ihre beiden Leidenschaften vereinen: Darin betrachtet sie ein journalistisches Thema - die Medienberichterstattung aus dem Gericht - aus juristischer Perspektive. Besonderen Spaß macht es ihr dabei, für ihre Forschung über den Tellerrand des deutschen Rechts zu gucken, zuletzt zum Beispiel mit einem Forschungsaufenthalt an der University of Oxford in England.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Eigentlich wollte ich Journalistin werden. Daran hat mich gereizt, dass man dafür bezahlt wird, neugierig zu sein. Menschen treffen und mit Fragen zu einem interessanten Thema löchern, dann überlegen, wie man die Informationen so verpacken kann, dass die Leser und Leserinnen sie sofort verstehen, am Ende einen spannenden Text daraus basteln - das hat mir immer großen Spaß gemacht. Während meiner Doktorarbeit habe ich dann gemerkt, dass Wissenschaft wie Journalismus ist, nur mit mehr Zeit.
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Doktorarbeit befasst sich mit den Regeln, die Journalisten und Journalistinnen einhalten müssen, wenn sie mit ihren Kameras, Mikrofonen und Twitter-Accounts aus dem Gericht berichten wollen. Aktuell ist ihnen in den deutschen Gerichten ziemlich viel von dem verboten, was dabei helfen würde, die Berichte über Gerichtsverhandlungen anschaulicher zu machen. Ich überlege mir in meiner Dissertation, ob die verschiedenen Verbote noch Sinn ergeben oder ob wir neue Regeln für die Arbeit der Medien im Gericht brauchen. Dafür vergleiche ich die deutschen Vorgaben mit denen für Journalisten und Journalistinnen an englischen Gerichten.

Neben meiner Doktorarbeit interessiert mich generell das Recht der alten und neuen Medien und das Recht des Geistigen Eigentums. Zuletzt habe ich zum Beispiel einen Aufsatz darüber geschrieben, welche urheberrechtlichen Regelungen es braucht, damit die Einnahmen, die auf Musikstreaming-Plattformen wie Spotify gemacht werden, gerecht unter den verschiedenen beteiligten Künstlern und Künstlerinnen verteilt werden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meines Studiums habe ich eine Journalistenausbildung gemacht und als freie Autorin für verschiedene Medien wie z.B. ZEIT ONLINE oder Legal Tribune ONLINE gearbeitet. Nachdem ich die Medienbranche aus journalistischer Sicht schon ziemlich gut kennengelernt hatte, wollte ich sie in meiner Doktorarbeit aus der juristischen Perspektive näher betrachten.

Auf das konkrete Thema meiner Doktorarbeit kam ich während eines Praktikums in der ARD-Rechtsredaktion. Zusammen mit den Redakteuren besuchte ich damals den Strafprozess gegen Wendelin Wiedeking, der wegen Marktmanipulation bei der geplanten Übernahme von Volkswagen durch Porsche angeklagt war. Der Manager warf der Staatsanwaltschaft in seiner Aussage vor Gericht vor, eine „fernliegende und absurde Verschwörungstheorie“ zu verfolgen. Kaum hatte er diesen Satz beendet, sprang ein Dutzend Journalisten und Journalistinnen auf und verließ im Laufschritt den Gerichtssaal. Dessen Tür hatte sich noch nicht hinter ihnen geschlossen, da zückten sie bereits ihre Handys und gaben im Telefonat oder per SMS den Vorwurf an ihre Redaktionen durch, der wenig später über alle Nachrichtenticker lief. Der Grund für dieses Spektakel: Der Vorsitzende Richter hatte im Saal die Nutzung des Internets verboten. Die Redaktionen wollten trotzdem aktuelle Berichte über den Prozess liefern und mussten daher auf andere Weise ständig auf dem Laufenden gehalten werden. Meine Beobachtung ließ mich nachdenklich werden. Ich fragte mich: Passen die rechtlichen Grenzen, die Gesetz und Richter bzw. Richterinnen den Medien bei ihrer Berichterstattung aus dem Gerichtssaal ziehen, noch in unsere Zeit? Diese Frage beantworte ich in meiner Doktorarbeit. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Für das Thema meiner Dissertation sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es wichtig ist, dass wir Bürger und Bürgerinnen wissen, was an unseren Gerichten geschieht. In einem demokratischen Rechtsstaat ist es schließlich unsere Aufgabe, die Richter und Richterinnen bei ihrer Arbeit zu kontrollieren. Und weil nicht jeder und jede selbst zu Gericht gehen kann, um alle Prozesse persönlich vor Ort zu verfolgen, ist es wichtig, dass die Medien für uns anwesend sind und anschaulich aus den Gerichtssälen berichten.

Für das Medienrecht und das Recht des Geistigen Eigentums generell sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil es uns allen jeden Tag im Alltag begegnet. Mal ehrlich, wer hat nicht mehrmals am Tag sein Smartphone in der Hand? Wenn YouTube uns dann verkündet, „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“, wenn wir die zwanzigste Email mit neuen Datenschutz-Richtlinien öffnen oder Google uns sagt, dass bestimmte Ergebnisse aus rechtlichen Gründen aus der Suchliste gelöscht wurden, dann erleben wir „meine“ Rechtsgebiete in Aktion.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich bei ArbeiterKind.de. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, all diejenigen auf ihrem Weg an die Universität zu unterstützen, die als Erste in ihrer Familie studieren. Meine Eltern haben beide studiert, sodass ich es ziemlich leicht hatte. Von den Abiturienten und Abiturientinnen, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, schafft es dagegen nur knapp ein Viertel an die Uni. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf die Wissenschaft: Zum Beispiel promoviert nur ein Prozent aller „Arbeiterkinder“, wogegen ein Zehntel aller „Akademikerkinder“ einen Doktortitel erwerben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessant - naja, aber lecker: Ich backe sehr gerne. Davon profitiert häufig auch der Lehrstuhl, an dem ich arbeite.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Er beginnt mit einem leckeren Frühstück, gefolgt von der mehrstündigen Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Anschließend verbringe ich die freie Zeit mit meiner Familie und/oder meinen Freunden und Freundinnen.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 14, 2018

Wie man ein Jahrhundert wendet - Anette Schlimm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Anette Schlimm (@AnetteSchlimm) vorstellen! Anette arbeitet als Akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der LMU München. Dort stellt sie gerade ihre Habilitationsschrift mit dem Titel „Übergangsgesellschaften. Politik und Regierung im ländlichen Raum, 1850 bis 1950“ fertig. Sie wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit einer Untersuchung über Verkehrsexperten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Großbritannien promoviert, vorher studierte sie erst Sozialwissenschaften auf Diplom, dann Geschichte und Politikwissenschaft auf Magister in Oldenburg und Huddinge (Schweden). Besonders interessiert sie sich für die Geschichte des ländlichen Raums in Europa, für die Geschichte von Herrschaftspraktiken und für die Theorie der Geschichte.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Tja, das ist eine längere Geschichte - wo soll ich anfangen? Als ich mit dem Studium begann, war ich der festen Überzeugung, dass ich den gewählten Diplomstudiengang so schnell wie möglich durchziehen würde, um der Uni wieder den Rücken zu kehren. Einen Fachwechsel und einige Semester später stellte ich fest, dass das, was ich an der Uni tun konnte, mir wirklich sehr viel Spaß machte. In selbst organisierten studentischen Lesekreisen, "Intellektuellen Wochen" und studentischen Tagungen fand ich ein wirklich schönes, aber auch zeitraubendes Hobby - und das konnte ich mit viel Glück (Stellen fallen in den Geisteswissenschaften nicht vom Himmel) zum Beruf machen. Ich hoffe, dass das so bleibt, denn, nunja, unbefristete Stellen fallen in den Geisteswissenschaften noch viel seltener vom Himmel.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin eine Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Besonders interessiert mich die "erweiterte" Wende zum 20. Jahrhundert - sprich: die Zeit ca. zwischen 1880 und 1930. Diese Zeit finde ich deshalb so faszinierend, weil sie auf den ersten Blick noch recht nah an unserer eigenen Lebenswelt ist, denn viele Aspekte unserer Gegenwart haben ihre "Geburststunde" in dieser Zeit der Jahrhundertwende. Schaut man aber genauer hin, vergräbt sich in Quellenmaterial, dann wird mir diese Zeit schnell sehr fremd - und das ist das Faszinierende daran!


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit besteht ungefähr zur Hälfte aus eigener Forschung - im Moment ist das fast ausschließlich meine Habilitationsschrift, die ich im nächsten Sommer einreichen muss, d.h. ich bin mit der Niederschrift meines Buches über die Regierung ländlicher Gesellschaften zwischen 1850 und 1950 beschäftigt. Die andere Hälfte ist sehr abwechslungsreich; in meiner Kuratorinnen-Woche beginnt das Wintersemester und damit auch meine beiden Kurse, die ich unterrichte. Außerdem gibt es Vorträge, die ich halte, Workshops, die ich besuche, allerlei Verwaltungskram an der Uni, ich schreibe an mehreren Rezensionen gleichzeitig und habe auch noch das eine oder andere Schreibprojekt am Start. Insgesamt also: ein bunter Blumenstrauß!



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Zum einen weiß ich, dass viele Leute keine Vorstellung davon haben, was man an der Universität alles tut und macht. Nach außen wird nur sichtbar: Ach, die unterrichtet zwei Lehrveranstaltungen. Und was macht sie die restliche Zeit? Schlafen? Die Vielfalt des Arbeitsfeldes Universität, das will ich zeigen (und auch Verständnis UND Begeisterung dafür wecken). Zum anderen will ich natürlich über meine Forschungen berichten, über Politik und Regierung in ländlichen Räumen im 19. und 20. Jahrhundert. Das ist ein wenig bekanntes Thema, aber ein sehr spannendes!



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätigkeit an der Uni betreibe ich - mit mal mehr, mal weniger zeitlichem Aufwand - ein Blog zu meinem Habilitationsprojekt. Weitere zusätzliche Tätigkeiten fallen mir gerade gar nicht ein - aber ich finde, die Vielfalt reicht auch wirklich schon!



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Hobby ist (im Moment) vor allem meine Familie - mein Mann und mein kleiner Sohn. 



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag beginnt mit einem Frühstück in Ruhe (viel Kaffee!), danach scheint hoffentlich die Sonne und wir machen uns auf nach draußen, machen eine Fahrradtour oder eine Wanderung. Nachmittags gibt es selbstverständlich Kuchen (und Kaffee!). Abends kochen wir etwas, und wenn unser Sohn im Bett ist, spielen wir noch etwas an der Konsole - ich bin bekennender Fan (und sehr schlechte Fahrerin) von SuperMarioKart.


Bitte begrüßt Anette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 7, 2018

Im Kopf der Fruchtfliege - Patrick Krätschmer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Patrick Krätschmer (@PKratschmer) vorstellen zu dürfen! Patrick absolvierte sein Abitur in Hamburg, bevor er an der Universität Oxford Zell- und Systembiologie studierte. Seit 2015 wird er vom Wellcome Trust gefördert - im 4-Jahres-PhD Programm in Neurowissenschaften am University College London. Im Department for Clinical and Experimental Epilepsy untersucht er molekulare und genetische Faktoren, die Epilepsie und Dyskinesie zu Grunde liegen - all das an Fruchtfliegen! Abseits des Labors spielt er Gitarre und trainiert konstant für einen Marathon, den er eventuell in naher (oder ferner) Zukunft zu laufen versuchen könnte.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hatte sehr gute Unterstützung meines Gymnasiallehrers Herr Wiedenhöft, der mich für Chemie faszinierte und durchweg förderte. So bin ich in England in den Neurowissenschaften gelandet und habe durch Studien in Oxford und London dieses Interesse vertiefen können. Von hieraus war es ein Selbstgänger - die wichtigste Phase war wohl die der letzten beiden Abiturjahre, ohne die ich wohl nie Wissenschaftler geworden wäre.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Neurowissenschaften interessieren wohl fast jeden Menschen - die meisten fangen an mit der Frage, wie das Gehirn 'funktioniert'; so war es auch bei mir. Das Gehirn ist wohl am meisten studierte und am wenigsten verstandene Organ unseres Körpers und wirft Fragen auf, die nicht nur wissenschaftliche, sondern auch philosophische/ethische, soziologische, oder juristische Relevanz haben. Wenn man in all das Interessiert ist und in einem Wissenschaftsbereich arbeiten möchte, in dem es großes Entdeckungspotenzial gibt, sollte man Neurowissenschaften in Erwägung ziehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir (ich + Kollaborateure) versuchen zu verstehen, wie Mutationen in einem bestimmten Gen (das wir alle haben) in Epilepsie und Dyskinesie resultieren. Diese Mutationen wurden in Menschenfamilien gefunden. Durch Gentechnik ('genetic engineering' oder 'gene editing') haben wir diese Mutationen in Fruchtfliegen eingefügt - der letzte gemeinsame Vorfahre von uns Menschen und Fruchtfliegen lebte vor ca. 600 Millionen Jahren; trotzdem sind geschätzte, sagenhafte 75 % der Gene, die in Menschen Krankheiten verursachen, in Fruchtfliegen erhalten geblieben. Diese genetische Konservierung erlaubt es uns, solche Krankheitsmutationen (wie in unserem Falle für Epilepsie und Dyskinesie) in das Fruchtfliegengenom einzuführen. Warum machen wir das? Fruchtfliegen sind genetisch unglaublich 'powerful': seit über 100 Jahren wird dieser Organismus von Genetikern benutzt: dies hat zur Folge, dass unglaublich viele Techniken und Methoden entwickelt wurden, durch die wir jedes einzelne der 14.000 Gene in der Fruchtfliege präzise manipulieren: aktivieren, inhibieren, visualisieren, oder alles zur gleichen Zeit!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Unsere Forschung ist sowohl 'basic research' als auch krankheitsrelevant. Wir versuchen zu verstehen, wie neurologische Krankheiten entstehen, um dazu beizutragen, dass diese in der Zukunft besser behandelt (oder verhindert) werden können. Zur gleichen Zeit haben wir genetische Möglichkeiten, durch diese Arbeit fundamentale biologische Prozesse besser zu verstehen: denn oft sind die Mechanismen, die zu Krankheiten führen, auch unter Normalbedingungen nicht verstanden; unsere Arbeit trägt deshalb auch dazu bei zu verstehen, wie das Gehirn unter physiologischen Bedingungen funktioniert.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nicht wirklich interessant, aber definitiv extern: zu versuchen, seit einem Jahr eine Department-Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen - das ist schwerer als gedacht!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele klassische Gitarre seitdem ich klein bin. Ansonsten laufe und schwimme ich (un-)gerne und versuche meine Tage mit Sozialkontakten so bunt wie möglich zu gestalten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den ganzen Tag im Bett durch abwechselndes Schlafen und Lesen von Herr der Ringe (+ relevante Filmmusik auf Spotify) verbringen!


Bitte begrüßt Patrick ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 30, 2018

Tanz der Moleküle - Sven Kochmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Sven Kochmann (@indianalytics) vorstellen! Sven hat Analytische Chemie an der Universität Regensburg studiert. Nach seiner Promotion und seinem ersten, kurzen Postdoc-Aufenthalt an der selben Uni, ist er nun Postdoktorand an der York University in Toronto, Kanada. Dort beschäftigt er sich mit mikrofluidischen 2D-Trennverfahren (u.a. Freiflusselektrophorese), Wechselwirkungen zwischen Molekülen und chemoinformatischen Auswerteverfahren. Im Moment ist er in einer heißen Bewerbungsphase für seine erste Fakultätsstelle als eigenständiger
Gruppenleiter (drückt ruhig die Daumen!).

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Wahrheit ist: ich löse einfach gerne Puzzles. Die Naturwissenschaft ist voll davon. So kam eins zum anderen.
Dass ich in die Chemie gehe, wurde erst klar als ich bei der Einschreibung an der Uni war und ich irgendwas in das rosa Formular eintragen musste. Mathe und Chemie waren meine beiden Leistungskurse (Grüße an meine beiden LK-Leiter, die sicher nicht unschuldig an meinem Fortgang sind!) und da habe ich mich spontan entschlossen, Chemie zu studieren! Ich erzähle immer, dass ich gewürfelt habe, was auch nicht
ganz unwahr ist...
14 Jahre nach der Einschreibung bereue ich diese Entscheidung und meine Werdegang nicht eine Sekunde. Die Chemie macht mir soviel Spaß, ist jeden Tag neu und aufregend und hat mich sogar bis ins schöne Kanada gebracht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden?
Während dem Studium an der Universität Regensburg, die als einige der wenigen Universitäten ein großes und eigenes Institut für Analytische Chemie hat, hat mich die Begeisterung im zweiten Semester dafür gepackt: Analysen, sowohl chemisch als auch mathematisch und informatisch, das war genau mein Ding und genau das was ich später machen wollte! Super!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Während meiner Laufbahn habe ich an den unterschiedlichsten, coolen Dingen gearbeitet: Dermatologische Hautsensoren, Graphen als Sensormaterial, zweidimensionale Trennverfahren (Ionenchromatographie × Kapillarelektrophorese; Freiflusselektrophorese), verschiedene Detektionsmethoden (Massenspektrometrie, Fluoreszenzspektroskopie),
Wechselwirkungsanalysen zwischen verschiedenen Spezies (z.B. kleinen organischen Molekülen und Proteinen), Mikrofluidik und verschiedenen chemoinformatischen Auswerteverfahren. Während meiner Twitterwoche werde ich zu einigen Sachen genaueres erzählen!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Lebensmittel- und Medikamentenkontrolle, Schadstoff- und Gewässeranalysen, medizinische Untersuchungen, Forensik, biologische Forschung und vieles mehr: Die Analytische Chemie ist omnipräsent, aber nicht omnipotent. In Serien und Filmen wird sie oft interessant aber überdramatisch gut (oder manchmal auch schlecht) dargestellt. Da finden gaschromatographische Analysen oft nicht nur heraus welche Zigarettenmarke am Tatort gefunden wurde, sondern auch wo diese zu welchem Zeitpunkt an welchem noch-so-kleinen Kiosk erstanden wurde. Dementsprechend verzerrt ist das Bild der Analytischen Chemie in der Öffentlichkeit. Deswegen is es wichtig sich mit der "richtigen" Analytischen Chemie zu beschäftigen, mit den Chemikerinnen und Chemikern, die tagtäglich mit solchen Dingen zu tun haben, zu sprechen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Analysen eigentlich ablaufen, wie die Ergebnisse aussehen und wie solche interpretiert werden können. Und vor allem: wo die Grenzen von Verfahren sind, wo Probleme auftauchen. Ich hoffe ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn ich kann, dann engagiere ich mich ehrenamtlich in Vereinen wie z.B. damals der Fachschaft Chemie oder dem Alumniverein Chemie der Universität Regensburg bei dem ich auch Mitgründer und ein paar Jahre Vorstand war. Der Alumniverein veranstaltet bis heute die jährliche Absolventenfeier für alle Chemiker (Bachelor/Master/Doktoranden) - ein Projekt an dem ich auch tatkräftig mitgewirkt und in das ich viel Herzblut gesteckt habe.

Ansonsten programmiere ich zur Entspannung etwas, bastel an einem Elektronikprojekt (Raspberry, Arduino und co), oder mache etwas Grafikdesign.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In koche und backe gerne (Mein Mantra: Jeder gute Chemiker kann kochen und/oder backen!). Außerdem reise ich sehr gerne spontan in andere Länder, um mir Land und Leute anzusehen, ein paar neue Eindrücke zu sammeln, etz. Auch eine gute Gelegenheit Postkarten zu schreiben (auch wenn das wohl nicht mehr alle machen)!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An freien Tagen schlafe ich meist etwas länger und mache dann je nach Lust und Laune etwas: Kochen, Zocken (Legend of Zelda, Civilization und Binding of Isaac), Serien anschauen, Bücher lesen oder an kleinen Nebenprojekten arbeiten. Manchmal besuche ich Veranstaltungen (davon gibt es in Toronto mehr als genug) wie z.B. Comicmessen oder verbringe den ganzen Tag im Museum. Manchmal bin ich auch einfach nur richtig faul und tue gar nichts. Auch das muss mal sein!


Bitte begrüßt Sven ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 23, 2018

Pflanzen stoffwechseln auch - Rebekka Schröder ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratoring Rebekka Schröder (@BeckiSchnubiiii) vorstellen zu dürfen! Rebekka hat an der Universität Potsdam (Bachelor) und der Freien Universität Berlin (Master) Biologie studiert und ist aktuell Doktorandin an der Leibniz Universität Hannover am Institut für Pflanzenernährung. In ihrer Masterarbeit hat sie mit der Charakterisierung einer Ribokinase im Nukleosidabbau-Metabolismus begonnen. Für den PhD hat es sie an die Leibniz Universität Hannover verschlagen, wo sie ihr Masterthema in der Arbeitsgruppe weiter bearbeitet hat. Im Moment ist sie in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit, führt letzte Experimente durch und bereitet sich auf die heiße Phase des Schreibens vor.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon früh fand ich die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule am interessantesten. Nach dem Abitur in Biologie wollte ich zuerst Medizin studieren und habe mich dann aber für die Biowissenschaften entschieden. Ich mochte es schon immer Dinge auszuprobieren und ein bisschen zu knobeln.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich dachte immer Pflanzenwissenschaftler wären am entspanntesten. Ihre Versuchsobjekte laufen ihnen zumindest ja nicht weg.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite im großen, weiten Feld des RNA-Nukleotidabbaus. Die Grundbausteine der RNA bestehen aus der Nukleobase, des Phosphatrestes und einem Zucker, der D-Ribose. Ich arbeite daran herauszufinden, wie die Ribose aus den Nukleotiden nach dem Freisetzen wieder in den Stoffkreislauf der Pflanze zurück geführt wird.
Ich arbeite dabei in Arabidopsis thaliana, der Ackerschmalwand, einem der Modellorganismen der Pflanzenwissenschaftler und benutze alle möglichen Methoden von CrispR über Enzymtest bis hin zur Massenspektrometrie um meine vielen Fragen zu beantworten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Grundlagenforschung kann sehr trocken und schwer zugänglich sein, dabei ist es extrem interessant etwas zu bearbeiten, was bis dato unbekannt oder unerforscht ist. Ich möchte den Spaß an der wissenschaftlichen Arbeit näher bringen und dass Wissenschaft in jedermanns Leben Platz hat. Ich möchte mit dem Twittern hier versuchen, Leute dazu anzuregen, Dinge zu hinterfragen wie zum Beispiel Superfood, Pseudomedizin, Esotherik, Homöopathie oder auch nur das tägliche Werbeversprechen aus dem Fernsehen. Ich möchte auch auf die grüne Gentechnik und ihre Chancen eingehen, da dieses Thema viele Menschen beschäftigt aber auch viel Halbwissen im Umlauf ist.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich versuche mir 3D-modelling und 3D-Grafikdesign beizubringen um das vielleicht später in der wissenschaftlichen Karriere nutzen zu können, bspw. zur Visualisierung von Enzymreaktionen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich gehe in einem Sportverein mehr oder weniger regelmäßig Bogenschießen. Ich fahre gerne Inline-Skates und Longboard darum trifft man mich auch oftmals auf der Skate by night in Hannover. Ich spiele sehr gerne Computerspiele in Moment habe ich World of Warcraft für mich entdeckt. Und nebenher diverse Handarbeiten: nähen, Modellbau, sowas zum Beispiel.
Ich versuche mich immer an Dingen, die ich noch nicht kann.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, denn ich bin eher ein Nachtmensch. Dann Kaffee, meist kein Frühstück.Den Tag verbringe ich am Rechner beim Zocken. Regelmäßig die Katze kuscheln oder den Kampffisch Günnie füttern. Ich bin in der Freizeit ein relativ ,,fauler" Mensch.

Bitte begrüßt Rebekka ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, September 17, 2018

Archäologische Zeitreise - Jens Notroff ist jetzt bei Real Scientist DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Jens Notroff (@jens2go) vorzustellen! Jens hat Prähistorische Archäologie, Geschichte und Kommunikationswissenschaft in Berlin studiert und ist derzeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Göbekli Tepe-Projekt des Deutsches Archäologischen Instituts tätig. Dort ist er u.a. an der Erforschung der ältesten bisher bekannten, am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren von Jägern und Sammlern erbauten Monumentalarchitektur beteiligt. Seine Forschungsschwerpunkte darüber hinaus liegen in Neolithikum und Bronzezeit, mit besonderem Interesse für die Repräsentation von Macht und Prestige, Kultplätze und deren archäologischem Kontext, sowie sog. Sonderbestattunge. Außerdem engagiert er sich für Wissenschaftskommunikation in der Archäologie, insbesondere in Sachen Aufklärung pseudoarchäologischer Falschinformationen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Als ich gerade vier Jahre alt war, hat mein Vater mit mir nach und nach eine 'Grand Tour' durch nahezu alle Museen Ost-Berlins gemacht. Und die archäologischen Sammlungen (insbesondere das damalige Bode-Museum, und dort v.a. Dinge die Inszenierung früher Grabkammern (in den Fußboden eingelassene Bestattungen, Skelette samt Grabbeigaben)) haben einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen. Als ich dann später in Großvaters Bücherschrank dann auch noch C. W. Cerams "Götter, Gräber und Gelehrte" entdeckte (das heute als eines der ersten populärwissenschaftlichen Sachbücher gilt), gab es schließlich kein zurück mehr.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich gebe zu, der man mit dem Filzhut und der Lederjacke war nicht ganz unbeteiligt, ausschlaggebender war aber am Ende die besondere Faszination schriftloser Kulturen und der damit verbundenen besonderen Aufmerksamkeit auf die materielle Kultur jener Epochen. Davon ist bis heute nichts eingebüßt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Derzeit bin ich am Göbekli Tepe in der Südosttürkei tätig, wo das DAI (in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum Sanliurfa) gewaltige aus bis zu 5,5 m hohen T-förmigen Kalksteinpfeilern errichteten Kreisanlagen ausgräbt und erforscht. Diese Bauten gelten als die älteste bisher bekannte Monumentalarchitektur, und wurden im frühen Neolithikum vor etwa 12.000 Jahren von noch nicht vollends sesshaften Jägern und Sammlern errichtet, die sich dort für Rituale und große Feste trafen. Diese Feste spielten wohl überhaupt eine wichtige Rolle für die Errichtung der Monumentalbauten, denn nur so war es möglich die notwendige Arbeitskraft (die die Kapazitäten einer einzelnen Jägergruppe überschritten haben dürfte) vor Ort versammelt. Die Versorgung solcher Zusammenkünfte schließlich wird als einer der Auslöser für die bald folgende Nahrungsmittelproduktion und deren Konsequenzen - Sesshaftwerdung, Ackerbau und Viehzucht - angesehen, dürfte also wohl eine bedeutende Rolle in der Ausbildung unserer heutigen Lebensweise gespielt haben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Archäologie ist mehr als Ton, Steine und Scherben. Der Blick in die Vergangenheit hilft uns, die langfristigen Auswirkungen menschlichen Schaffens und Handelns zu erkennen und verstehen. Wir können nur sehen wohin wir gehen, wenn wir wissen woher wir kommen. Ohne den Blick zurück, wüssten wir nicht einmal, dass wir uns voranbewegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Mit zunehmendem öffentlichen Interesse für unsere Arbeit und Forschung am Göbekli Tepe haben auch Zuschriften, An- und Nachfragen zugenommen. Die Beantwortung dieser E-Mails und Briefe hat irgendwann einen großen Teil unserer Arbeitszeit in Anspruch genommen, so dass ein Kollege und ich beschlossen haben, die häufigsten Fragen zu sammeln und in kurzen Beiträgen auf einem Blog zu beantworten. Daraus ist in der Zwischenzeit ein regelechtes Kompendium mit Informationen, Kurzbeiträgen, Publikationshinweisen und Diskussionen zu aktuellen Forschungsfragen im Rahmen des Projekts geworden. Eine, wie wir den Besucherzahlen und Kommentaren entnehmen, gern und oft genutzte Ressource zu den Ausgrabungen am Göbekli Tepe: http://www.dainst.blog/the-tepe-telegrams

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Selten, im Grunde nie, packe ich meinen Seesack ohne Aquarellkasten und Skizzenbuch mitzunehmen. Unterwegs gesammelte Reiseskizzen sind mir oft Jahre später noch die bleibendsten Erinnerungen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Der Versuch auszuschlafen wird von meinem Sohn durchkreuzt. Nach dem gemeinsamen Frühstück verlagert sich die ganze Familie auf den Spielplatz (in meiner Tasche idealerweise ein Buch), bevor es in den Zoo oder Park geht. Abends wird auf dem Balkon gegrillt und bevor der Tag zu Ende geht, werden auch die beiden begonnen Artikel-Entwürfe irgendwie noch beendet.

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 9, 2018

Sprich mit mir! - Janina Wildfeuer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Janina Wildfeuer (@neous) vorzustellen! Janina Wildfeuer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für multimodale Linguistik im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bremen. Nach einem Magisterstudium in Allgemeiner Sprachwissenschaft, Germanistik und Romanistik in Münster hat sie 2012 in Bremen zur linguistischen Analyse des Films als Text promoviert und arbeitet seitdem dort in verschiedenen Projekten zur Medienanalyse im Bereich der multimodalen und angewandten Linguistik. Sie beschäftigt sich gerne mit Filmen, Comics, sozialen Medien und neuerdings auch Computerspielen, die alle auch eine Rolle in ihrem Habilitationsprojekt zur Semantik von Medien spielen. Außerdem ist sie seit diesem Jahr Mitherausgeberin eines Journals und lernt dabei noch ganz andere Seiten des Wissenschaftsbetriebs kennen.

Hier ist Janina in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die Faszination an Sprachen, ihrer Grammatik und ihren Strukturen, die ich während meiner Schulzeit erlebt habe, hat mich in ein klassisches Philologie-Studium mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Münster geführt. Das Studium habe ich mit einem Magisterabschluss und einer Arbeit zur Anwendung textlinguistischer Strukturen auf Medien beendet und mich danach eigentlich ganz naiv und unwissend der akademischen Strukturen auf verschiedenste Ausschreibungen für Stipendien beworben. Ich bekam eine Zusage von einem neu eingerichteten DoktorandInnenkolleg an der Universität Bremen, das sich mit dem Film beschäftigte und mir drei Jahre die Möglichkeit gab, dies ebenfalls zu tun. Ich traf zum ersten Mal meinen Doktorvater und Mentor, mit dem ich bis heute zusammenarbeite und der mir eine ganz andere akademische Welt als die mir bis dahin bekannte zeigte. Obwohl ich mich mit unterschiedlichsten Sprachen beschäftigt hatte, hatte ich weder Hausarbeiten auf Englisch geschrieben noch Referate gehalten (und stattdessen eher französische Übersetzungen vorgenommen). Ich konnte fortan an Konferenzen im Ausland teilnehmen und die internationale Welt der Sprach- und Medienwissenschaft kennen lernen - in einem Bereich, der immer noch mit den Grundannahmen meines Fachs arbeitet, sie aber auf viele andere Kommunikationsformen (neben Sprache) überträgt und sich damit interdisziplinär zwischen unterschiedlichsten Fächern und Forchungsrichtungen bewegt. Die Möglichkeiten und Herausforderungen, die eine solche Forschung mit sich bringt, lassen mich bis heute den Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten nicht verlieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem Studium war es im Grunde das Stipendium und die Zielsetzungen der damit verbundenen KollegInnen und BetreuerInnen, die mich zu meinen heutigen Forschungsschwerpunkten gebracht haben. Das war zum einen also teilweise fremdbestimmt, zum anderen aber war mir von Anfang eine gewisse Flexibilität mitgegeben, die ich bis heute genießen darf und die mich eigenständige Projekte und Interessen verfolgen lässt - und mir so kaum noch ein Gefühl von Fremdbestimmtheit geben. Diese Flexibilität macht nämlich zum Beispiel möglich, mich in unterschiedlichen Disziplinen umzuschauen, mit ihnen zu arbeiten und meinen Forschungsschwerpunkt immer wieder neu zu definieren.

In meiner Zeit als Postdoc habe ich mich explizit für eine Mischung aus Sprach- und Medienwissenschaften entschieden, war und bin also etwas risikobereit, was die Zukunft meiner Beschäftigung an einer Universität betrifft: Professuren und Studiengänge für Multimodalität oder multimodale Kommunikation/Linguistik gibt es nur sehr, sehr wenige ujnd es braucht auch einen gewissen Optimismus, weiter in diesem Bereich arbeiten zu können. Neben diesem gab es eigentlich noch nie einen Moment, in dem ich mich in meiner Position als Wissenschaftlerin nicht wohlfühlte oder dachte, dass ich irgendwann einmal keine Lust mehr auf diese Art von Arbeit habe.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Eine der Hauptfragen, mit denen ich mich in Analysen und theoretischen Auseinandersetzungen beschäftige, ist, inwiefern Medien bzw. Medienprodukte wie Filme, Comics, soziale Medien, etc. Bedeutungen konstruieren, uns also Geschichten erzählen, Sachverhalte darstellen oder Argumente vorführen. Während wir dies für sprachliche Texte ziemlich genau beschreiben können, nutzen viele Medien neben Sprache ja noch ganz andere Äußerungsformen wie Bilder, Musik, Bewegung, Animationen, etc., für die wir Bedeutungen nicht in einem Nachschlagewerk (wie in einem Wörterbuch für Sprache) festhalten bzw. nachschauen können. In meiner Forschung geht es also darum, zu beschreiben, wie Bedeutung mit und durch diese Äußerungsformen entsteht und wie wir dies vielleicht auch mit uns bekannten Instrumentarien (aus der Sprach-, Literatur-, Medienwissenschaft und anderen Disziplinen) analysieren können.

Meine Arbeit ist also zu einem großen Teil theoretisch und analytisch, indem sie konkrete Medienbeispiele und -texte mit diesen Instrumentarien untersucht. Hierfür bedarf es natürlich auch einer theoretischen und methodologischen Auseinandersetzung, also einer kritischen Evaluation von Instrumentarien und Analyserastern und ihrer Erprobung an und mit Beispielen. Ergebnisse dieser ‚Denkarbeit‘ finden momentan vor allem Eingang in mein Habilitationsprojekt, an dem ich schon eine Weile arbeite. Außerdem sind ein paar wissenschaftliche Veröffentlichungen und Präsentationen auf Konferenzen in Arbeit. In der momentanen vorlesungsfreien Zeit schreibe ich unter anderem an einem Einführungstext für ein Studienbuch zur Comicanalyse und an einem einleitenden Beitrag zu einem Sammelband, den ich in Folge einer Konferenz zum Thema Multimodalität mit KollegInnen herausgebe.

In meiner Woche als Kuratorin werde ich auch einen Kongress besuchen und dort zwei Vorträge halten. Nebenbei will ich noch einen Förderantrag für Gelder der Universität Bremen stellen. Im nächsten Jahr steht dann auch eine weitere große Konferenz an, die ich organisiere. Hierfür gilt es in der nächsten Zeit Drittmittelgelder zu beantragen und den Call for Paper auszusenden.

Während des Semesters unterrichte ich in den Studiengängen unseres Fachbereichs, also im Bereich Anglistik, Linguistik und teilweise auch Literatur- bzw. Medienwissenschaft. Im letzten Semester ging es zum Beispiel um aktuelle TV-Serien, im kommenden Semester gebe ich unter anderem ein Seminar zur Kommunikation in den sozialen Medien.

Außerdem arbeite ich in einem Team von HerausgeberInnen eines internationalen Journals und bin als Gutachterin für weitere solcher Journals und Verlage tätig.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Dass sprachwissenschaftliche Forschung sich immer auch mit sozialen und kulturellen Strukturen beschäftigt und dabei sehr wertvolle Arbeit leistet, ist gerade aktueller denn je. KollegInnen vom Institut für deutsche Sprache in Mannheim haben zum Beispiel gerade erst die Sprache der AfD mit der anderer Parteien verglichen und interessante Ergebnisse erzielt, die für die aktuellen politischen Entwicklungen unheimlich wichtig sind.

Dass Sprachwissenschaft sich aber auch mit nicht- oder nur wenig sprachlichen Kommunikationsformen auseinandersetzt und dabei ebenso wichtige Ergebnisse erzielen kann, ist manchmal noch nicht so ganz akzeptiert, weder in den Geisteswissenschaften noch im Alltag. Ich will während meiner Zeit als Kuratorin versuchen, hier ein bisschen Überzeugungsarbeit zu leisten und zu zeigen, dass der Umgang mit den Medien in Kommunikationssituationen oft noch gar nicht so gut funktioniert und wir noch viel mehr darüber lernen müssen, was wir eigentlich genau ausdrücken, wenn wir Bilder oder Videos mit Text in einem Tweet oder Facebook-Beitrag verbinden und diesen in die Welt senden. Oft ist zum Beispiel die Rede von der Text-Bild-Schere, die mal wieder zugeschlagen hat, oder von einem falschen oder missglückten Einsatz von Werbebildern auf Webseiten, der auf Algorithmen aufbaut, die irgendwie noch nicht so gut funktionieren. Dahinter steckt fehlendes oder nicht ausreichendes Wissen über das Verstehen von nicht-sprachlichen Einheiten wie Bildern, Diagrammen, etc.., das wir erst noch viel systematischer erarbeiten müssen. Und für diese Erarbeitung bedarf es unter anderem auch sprachwissenschaftlicher Instrumentarien und Hypothesen sowie einer Menge empirischer Untersuchungen, mit denen wir noch eine ganze Weile beschäftigt sein werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden dann wertvolle Informationen liefern, die wir nicht nur unseren Kindern im Umgang mit den Medien mitgeben, sondern auf allen Ebenen der Kommunikation anwenden sollten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bremen bin ich auch Herausgeberin des Journals „Visual Communication“. Das bedeutet, dass ich die dort eingereichten Manuskripte lese, sie in den meisten Fällen zum Review aussende und dafür also nach geeigneten GutachterInnen suche und diese kontaktiere. Das Journal hat soeben einen Relaunch erlebt, an dem das HerausgeberInnenteam eine ganze Weile gearbeitet hat. Auch hierfür waren Texte zu verfassen und zu editieren, Layoutfragen zu klären, etc. Die Arbeit als Herausgeberin eines solchen internationalen Journals ist besonders spannend, weil man immer neue Forschungsprojekte und Ergebnisse kennen lernt, mit den unterschiedlichsten KollegInnen und ForscherInnen kommuniziert und auch einen guten Einblick in das Verlagswesen bekommt.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Mann ist Jäger und ich begleite ihn gerne auf seinen Ausflügen in die Natur, ohne selbst einen Jagdschein haben zu wollen. Wir haben das schon eine ganze Weile nicht mehr gemeinsam gemacht, weil wir auch seit einiger Zeit eine kleine Tochter haben, die auf eine ganz andere Art und Weise gerade Natur und Leben entdeckt. Das Leben mit einem Jäger ist also immer irgendwie besonders, sei es mit Blick auf unsere Ernährung, die Details des Wortschatz unseres Kindes, das die Tiere im Wald bald alle besser benennen kann als ich, den Umgang mit einem kranken Tier in der Nachbarschaft und im Garten oder im Streit um die Dekorationen im Haus.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Bevor meine Tochter geboren wurde, hätte ich diese Frage mit einem Serienmarathon oder guten Büchern und dem Austausch über solche mit Freunden beantwortet. Heute ist es ein Tag mit der Familie, an dem wir gemeinsam ohne Verpflichtungen und mit viel Abstand von der Arbeit einen Ausflug (vielleicht ans Meer oder in die Natur) machen und uns über die kleinen Dinge im Alltag freuen.

Bitte begrüßt Janina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 2, 2018

Das soziale Netzwerk - Lisa Hehnke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Lisa Hehnke (@DataPlanes) vorzustellen! Lisa arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsgruppe für Quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung der Uni Bielefeld. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Computational Social Science, d. h. der Schnittstelle zwischen Informatik und den Sozialwissenschaften. Hier interessiert sich Lisa insbesondere für die Erhebung und Auswertung von webbasierten Daten sowie für Netzwerke und räumliche Analysen. Inhaltlich beschäftigt sie sich derzeit vor allem mit aktuellen Fragen der Wissenschaftsforschung und den Anwendungsmöglichkeiten von computergestützten Analyseverfahren auf interdisziplinäre gesellschaftliche Herausforderungen.

Hier ist Lisa in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Zu dieser Frage stehen zwei alternative Antworten zur Auswahl:
1. Vorherbestimmung. Um mal mein latent stereotypes kindliches Ich zu zitieren: „Ich denke, man kann gar nicht beurteilen, welches das beste Pony ist! Das ginge höchstens, wenn jemand schon alle geritten wäre, sonst mag man ja automatisch die Ponys, die man selbst geritten ist.“
2. Zufall. Eine damalige Kommilitonin hatte sich auf zwei ausgeschriebene Hilfskraftstellen an einem Lehrstuhl beworben und ich habe mich ihr kurzerhand angeschlossen. Letztlich habe leider nur ich eine Stelle dort angeboten bekommen, wofür mich das schlechte Gewissen noch heute plagt. Danach folgten einige Fach- und Uniwechsel und so bin ich über etwas verschlungene Wege an der Uni Bielefeld gelandet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Diese Frage zu beantworten ist tatsächlich eine gewisse Herausforderung für mich, da ich teilweise selbst nicht exakt definieren kann, was mein „aktuelles Feld“ eigentlich ist. Wenn ich meine Forschungsinteressen stärker konkretisieren müsste, würde ich sie auf zwei (Teil-)Disziplinen herunterbrechen: Computational Social Science und Wissenschaftsforschung.
An Computational Social Science begeistert mich, dass dort klassische sozialwissenschaftliche Fragestellungen aufgegriffen und mit computergestützten Methoden analysiert werden, wodurch eine neue Perspektive auf Bewährtes eingenommen wird. Darüber hinaus ist der Bereich für mein Empfinden noch nicht so stark ausdifferenziert wie traditionellere Forschungsfelder, wodurch interdisziplinäres Arbeiten mit einem realen gesellschaftlichen Mehrwert ermöglicht wird.
Mein Interesse an der Wissenschaftsforschung hingegen ist eher persönlicher Natur, da ich mich hier vor allem mit geschlechterbezogener Diskriminierung und Open Science beschäftige. Beides sind Themen, die mich als Wissenschaftlerin direkt betreffen und mit denen ich in der Vergangenheit bereits selbst negative Erfahrungen gemacht habe. Hieraus entstand bei mir der Wunsch, einen eigenen Beitrag zu leisten, um konstruktiv mit Gender Bias und der Replikationskrise, die leider auch die Sozialwissenschaften verstärkt erreicht hat, umzugehen und auf diese Weise nachhaltige Veränderungen an den derzeitigen Wissenschaftsstrukturen anzustoßen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine alltägliche Arbeit ist für eine Sozialwissenschaftlerin vermutlich ungewöhnlich divers und interdisziplinär. Derzeit arbeite ich unter anderem an Projekten zu der Rezeption von US-amerikanischen Amokläufen auf YouTube, geschlechterbezogener Diskriminierung in der Wissenschaft, Open Science oder Stereotypen und Rassismus in sozialen Netzwerken. Ein verbindendes Element weisen jedoch (fast) alle genannten Projekte auf: Die verwendeten computergestützten Analyseverfahren, die von Netzwerkanalysen über Verfahren des Text Mining bis hin zu bibliometrischen Analysen von wissenschaftlichen Publikationen reichen.
Hinzu kommen bei mir noch die Lehre und Betreuung von Studierenden. Dieser Teil der Arbeit macht mir mitunter am meisten Spaß, da man eigenes Wissen und eigene Erfahrungen an die nächste Generation von potentiellen Wissenschaftler*innen weitergeben und gleichzeitig selbst von ihnen lernen kann.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das ist eine Frage, die man als Sozialwissenschaftler*in tatsächlich häufiger gestellt bekommt. Mit Blick auf meine eigenen Forschungsgebiete würde ich sagen: Weil gesellschaftliche Herausforderungen wie Diskriminierung und Rassismus uns alle etwas angehen! Sozialwissenschaftliche Forschung zu diesen und ähnlichen Themen kann, sofern die Ergebnisse für ein breiteres Publikum verständlich aufbereitet und richtig kommuniziert werden, einen wichtigen Beitrag leisten, um neben dem wissenschaftlichen auch einen gesellschaftlichen Impact zu haben. Hierfür ist es jedoch auch wichtig, dass man sich als Sozialwissenschaftler*in – und insbesondere als weibliche Forscherin – dieser Stärke bewusst ist und sich sowohl in der Wissenschaftswelt als auch auf dem nicht-akademischen Arbeitsmarkt nicht unter Wert verkauft.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Tätitgkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin absolviere ich noch ein Psychologiestudium an der FernUniversität in Hagen und engagiere mich ehrenamtlich bei CorrelAid e.V., einem Netzwerk junger Datenanalyst*innen. Unser Ziel ist es, Organisationen mit sozialem Auftrag durch Analyse- und Beratungsprojekte dabei zu unterstützen, ihren gesellschaftlichen Impact zu vergrößern. Auf diese Weise wollen wir einen Dialog über den Wert und Nutzen von Daten(-analyse) für die Zivilgesellschaft anstoßen und eine Generation von gesellschaftlich denkenden Datenanalyst*innen fördern.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mein Bücherregal besteht zu 1/3 aus klassischer Literatur, zu 1/3 aus Kunstbüchern und zu 1/3 aus Büchern über Flugzeugabstürze. Hinter letzterem Hobby steckt, auch wenn viele es anfänglich vermuten, jedoch keine Sensationsgier, sondern die Frage nach dem „Warum?“. Warum passieren Unfälle, welche Mechanismen stecken dahinter und welche Faktoren müssen zusammenspielen, damit es überhaupt zu solchen Abstürzen kommen kann? Denn nur wenn das Verständnis für die zunächst verborgenen kausalen Prozesse vorhanden ist, können ähnliche Unglücke zukünftig verhindert werden.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Natur, gute Gespräche, Dokus über Flugzeugabstürze. Alternativ Dokus über Serienkiller.

Bitte begrüßt Lisa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 26, 2018

Wort für Wort - Nina Mainz ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nina Mainz (@par_curiosite) vorstellen! Nina hat gerade ihre Promotion am Max Planck Institut für Psycholinguistik abgeschlossen und wird im Oktober ihre Doktorarbeit verteidigen. Sie hat einen Bachelor in Sprach- und Kommunikationswissenschaft und English Studies an der RWTH Aachen gemacht, bevor es sie für den Master (Linguistics) nach London an die Queen Mary University of London verschlagen hat. Im Anschluss an ihre Promotion ist sie jetzt auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung im Bereich Wissenschaftskommunikation.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Motivation für mein Bachelorstudium war, dass ich Sprache(n) schon immer unglaublich faszinierend fand und es daher naheliegend war, mich in meinem Studium damit zu beschäftigen. Meine berufliche Zukunft habe ich damals im Journalismus gesehen. Während des Bachelors habe ich schon mal ein kleineres Forschungsprojekt durchgeführt. Ich hatte so großen Spaß daran, dass ich angefangen habe darüber nachzudenken, ob Forschung nicht eigentlich viel mehr mein Ding ist als Journalismus. Im Master hat sich der Wunsch, in die Wissenschaft zu gehen, dann weiter verfestigt und ich habe mich gezielt mehr mit Forschung beschäftigt, mit Methodik, Statistik und so weiter. Nach dem Master war also klar, in welche Richtung es gehen sollte: Wissenschaft war der Plan A für meine Zukunft. Die Promotionsstelle am MPI war ein Traum, der wahr wurde. Ein großartiges Umfeld, um in dem Bereich zu lernen und zu forschen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Wie oben schon erwähnt: Meine Faszination für Sprache(n) war immer groß. Ist es nicht beeindruckend, wie Kinder diese komplexe Fähigkeit in den allermeisten Fällen problemlos erwerben? Und wie wir als Erwachsene Sprache so mühelos verwenden? All die komplexen Prozesse — denn Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben sind hochkomplexe kognitive Prozesse — laufen so schnell und meist unproblematisch ab. Ich finde das nach wie vor beeindruckend. Das und mein damaliger Traumberuf Journalismus haben mich zum Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaft und English Studies geführt. Von da aus waren es verschiedene Dozenten, kleinere Forschungsprojekte, Freude an Mathematik und Statistik und meine bleibende Faszination für Sprache, die mich zur Psycholinguistik geführt haben.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich fand meine Arbeit als Promovierende sehr spannend und abwechslungsreich. Ich hatte Freude daran, programmieren zu lernen, um meine Experimente programmieren zu können. Aber auch das Entwickeln von Experimenten, um eine bestimmte Forschungsfrage beantworten zu können, und das Testen haben mir Spaß gemacht. Hatte man dann endlich alle Daten gesammelt, war die Datenanalyse der nächste spannende Schritt. Immer neue Analyseverfahren zu lernen und mehr als einmal nach völliger Frustration endlich eine Analyse zum Laufen zu bekommen, war jedes Mal ein großartiges Gefühl. Vor allem hat mir tatsächlich das Aufschreiben meiner Forschung Spaß gemacht. Es war aber natürlich nicht alles ein großer Spaß. Eine Promotion geht auch immer mit viel Frustration und vielen Stunden harter Arbeit einher; Stunden, in denen man manchmal so gerne einfach aufgeben würde, weil nichts zu klappen scheint und man das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein und nicht genug zu wissen oder zu können.
Neben meiner Arbeit an meinen Forschungsprojekten habe ich mich außerdem der Wissenschaftskommunikation gewidmet. Ich habe hin und wieder kleinere Artikel für die Webseite des Instituts geschrieben oder mich an der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen zur wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. Bei all meiner Freude an der wissenschaftlichen Arbeit haben mich diese Aufgaben immer besonders erfüllt. Meine Faszination für Wissenschaft und Forschung zu teilen war eine tolle Erfahrung. Und genau das (neben der Tatsache, dass mir eine wissenschaftliche Karriere nicht in all ihren Facetten zusagt) hat mich letztendlich dazu bewogen, nicht in der Wissenschaft bleiben zu wollen. Stattdessen bin ich auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung im Bereich Wissenschaftskommunikation.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Sprache ist faszinierend! Das hatte ich schon erwähnt, oder? Im Ernst, ich denke, die meisten Menschen nicht wirklich bewusst, wie komplex die Vorgänge sind, die im Gehirn ablaufen, wenn wir Sprache produzieren oder verstehen. Wir benutzen Sprache im Alltag ganz selbstverständlich und in den allermeisten Fällen völlig mühelos. Tatsächlich sind unzählige kognitive Prozesse daran beteiligt, wenn wir die Bedeutung von Worten verstehen und unserem Gegenüber im Gespräch auf eine Frage antworten. Um beispielsweise Menschen mit Sprachstörungen, bei denen Spracherwerb und -verwendung nicht mühelos und auch nicht immer unproblematisch sind, gezielt therapieren zu können, müssen wir die Prozesse verstehen, die für den Spracherwerb, -produktion und -verstehen eine Rolle spielen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die Wissenschaftskommunikation war während meiner Promotion ein wichtiger Teil und Bereicherung meiner Arbeit. Obwohl die Arbeit an meinen Forschungsprojekten sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, habe ich immer versucht, meine Forschungsergebnisse nicht nur Kollegen im Institut, auf Fachkonferenzen oder in wissenschaftlichen Artikeln zu kommunizieren, sondern auch ein breiteres Publikum teilhaben zu lassen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ganz wichtiger Teil meines Lebens und große Leidenschaft war schon immer das Tanzen. Seit ich fünf Jahre alt bin tanze ich Ballett. In der Zwischenzeit standen auch mal Showtanz, Modern/Contemporary und HipHop auf dem Tanzstundenplan, hängen geblieben bin ich aber beim klassischen Ballett und Modern/Contemporary. Wo immer ich gelebt habe, habe ich viel Zeit auch im Ballettstudio verbracht, durfte mit professionellen Tänzern trainieren, an Workshops teilnehmen und auf der Bühne stehen. Der perfekte Ausgleich zur Arbeit!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag würde mit einem ausgiebigen Frühstück mit meinem Partner beginnen, am besten bei Sonnenschein auf dem Balkon, gefolgt von ein bisschen Zeit zum Lesen oder Musikhören; danach eine Stunde Ballett und abends gemeinsames Kochen. Um den Tag perfekt ausklingen zu lassen: Drinks mit Freunden im Park oder am Fluss.

Bitte begrüßt Nina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 19, 2018

Gut versichert? Emma Vitz ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Emma Vitz (@EmmaVitz) vorstellen zu dürfen! Emma ist Aktuarin in Auckland, Neuseeland. Sie wurde in Deutschland geboren und hat deutsche Eltern, wohnt aber seit ihrer Kindheit in Neuseeland. Sie hat Statistik studiert und arbeitet seit Anfang diesen Jahres als Aktuarin. Emma interessiert sich für Data Science und benutzt R in ihrer Arbeit. Besonders gern beschäftigt sie sich mit Geodatenanalyse und der Vorhersage von natürlichen Gefahren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe Statistik studiert und interessiere mich sehr für Data Science. Ich wollte in einem Feld arbeiten, wo ich immer mehr lernen kann, und wo ich nicht nur etwas beschreibe mit Statistik, sondern auch vorausberechne. In der Versicherung geht es um Unsicherheit, und das finde ich sehr interessant. Versicherungsmathematik ist sehr rigoros, aber trotzdem kommerziell, und das gefällt mir auch.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite für eine Consulting-Firma in Neuseeland. Das bedeutet, dass ich immer etwas anderes für verschiedene Kunden mache.
Ich benutze R sehr viel in meiner Arbeit, oft für Geodatenanalyse. Zum Beispiel habe ich vor ein paar Monaten jedes Haus in Australien gefunden, das in einer Sackgasse ist, weil das das Risiko von Diebstahl und Vandalismus beeinflusst. Im Moment versuchen wir, Überschwemmung in Neuseeland zu vorhersagen. Solche Sachen finde ich total interessant. Neuseeland und Australien haben relativ viele natürliche Gefahren; Erdbeben und Überschwemmung hier in Neuseeland und Buschfeuer in Australien. Das hat wichtige Auswirkungen für die Versicherungsindustrie.
Ich lerne auch für die Examen, die ich bestehen muss, um mich als Aktuar bezeichnen zu dürfen. Im Moment lerne ich für zwei Examen, Wirtschaft und Buchhaltung.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil fast jeder Versicherungen kauft, interessieren sich Leute meistens dafür, wie die Preise entschieden werden. Wenn mann sich für Klimawandel interessiert, ist Versicherung auch sehr interessant, weil das Feld sich dafür verändern und vorbereiten muss.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich lerne immer gerne mehr R, Python und andere Programmiersprachen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich verbringe gerne Zeit mit Freunden oder Familie. Wir gehen oft zum Brunchen ins Café.
Neuseeland hat auch viel Natur. Ich bin in Nelson groß geworden, wo es schöne Strände gibt, und auch Nationalparks. Wenn ich meine Familie dort besuche, gehen wir oft wandern oder zum Strand.

Bitte begrüßt Emma ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, August 12, 2018

Wie bitte? Lena Blott ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Lena Blott (@LenaMBlott) vorstellen!

Hier ist Lena in ihren eigenen Worten:
Ich habe an der Universität Mannheim Anglistik und Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert. Mein Interesse an der Schnittstelle zwischen Sprach- und Neurowissenschaft hat mich nach London verschlagen, wo ich am University College London einen MSc in Neuroscience, Language and Communication abgeschlossen habe. Ich habe mich in die (und in der) Stadt verliebt, und bin dort geblieben. Derzeit arbeite ich an meiner Doktorarbeit im Bereich Sprache und Kognition. Ich untersuche die mentalen und neuronalen Prozesse, die vor sich gehen, wenn die Bedeutung eines Wortes im Satzkontext unklar ist, und Missdeutungen ausgebügelt werden müssen. Ganz besonders interessiere ich mich dabei für individuelle Unterschiede, z.B. im Arbeitsgedächtnis und in der Größe des Vokabulars.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich kann definitiv nicht von mir sagen, dass ich schon immer Wissenschaftlerin werden wollte. Als Kind wusste ich glaube ich noch nicht einmal, dass das ein Beruf sein kann. Mein Traumberuf war Lehrerin (das hat sich halbwegs erfüllt; ist ja nunmal auch ein Teil der Wissenschaftskarriere). Ich kann meinem Biologielehrer in der Oberstufe dafür danken, dass er meine Neugier für kognitive Neurowissenschaft geweckt hat – obwohl der Begriff “kognitive Neurowissenschaft” natürlich nie fiel. Ich kann mich heute noch an die Stunde erinnern, in der wir über Brocas und Wernickes Gehirnareale gesprochen haben! Und in meinem Studium habe ich zum ersten Mal von dem Bereich der “Psycholinguistik” gehört – das fand ich unheimlich spannend. Einer der Dozenten hat mich unter seine Fittiche genommen, und mir beigebracht, wie man einen Eye-Tracker benutzt und was die Augenbewegungen von Lesern uns über die Sprachverarbeitung sagen können. Da hat es irgendwie geklickt bei mir.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Das hat sich irgendwie ganz glücklich und organisch entwickelt. Als es um die Studienentscheidung ging, schwankte ich zwischen meinen beiden Lieblingsfächern, Englisch und Bio. Hatte mal ganz kurz mit Psychologie geliebäugelt, aber dann entschieden, dass ich da ja Statistik bräuchte und Mathe fand ich zu der Zeit ziemlich doof. Das ist recht ironisch, da ich jetzt ganz viel mit komplexen Regressionsmodellen arbeite!
Also ging’s zum Anglistik-Studium nach Mannheim. Das war ein Mix aus Literatur-, Kultur-, und Kommunikationswissenschaft. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, warum ich denn ausgerechnet Literaturwissenschaft studieren wollte. Romane habe ich noch nie besonders gemocht! Ich hatte aber während meines Bachelor-Studiums das Glück, einen Dozenten zu haben, der im Bereich Psycholinguistik forscht und mich ermutigt hat, das auch mal auszuprobieren. Das hat mich total fasziniert, und ich bin für meinen Master in Sprach- und Neurowissenschaft nach London gezogen. Dort bin ich dann erst mal geblieben, und mache zur Zeit meinen Doktor im Bereich Sprache und Kognition. Im Endeffekt bin ich dann nun doch zwischen Sprachwissenschaft, Biologie und Psychologie gelandet.
Die Forschungsfragen, die das Feld zu beantworten versucht, sind unglaublich vielfältig: von der Evolution der Sprache in der Menschheitsgeschichte, der Sprachentwicklung in Kleinkindern, über die mentalen und neuronalen Prozesse, die vor sich gehen, wenn wir Sprache produzieren oder verstehen, bis hin zu Sprachstörungen. Es gibt so Vieles, das wir noch nicht wissen, und das finde ich spannend!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Manchmal ist es wahnsinnig langweilig, zum Beispiel wenn ich Experimente doppelt und dreifach testen und sicherstellen muss, dass alle Sätze, die ich meinen Probanden präsentieren will, richtig geschrieben sind. Auf der anderen Seite ist es super spannend, neue Experimente zu entwickeln, analysierte Daten anzuschauen und die Antworten auf meine Forschungsfragen zu finden.
Meine Arbeit widmet sich ganz spezifisch der Auflösung von Mehrdeutigkeiten. Woher wissen wir zum Beispiel, wann mit dem Wort “Bank” ein finanzielles Institut gemeint ist, und wann es um eine Sitzmöglichkeit geht? Wie entscheidet das Sprachsystem, welche Bedeutung aktiviert wird? Und was passiert, wenn wir unerwarteterweise auf ein Satzende stoßen, dass nicht zu unserer ausgewählten Bedeutung passt (z.B. “Der Mann ging zur Bank und setzte sich”)? Wie schnell und effizient kann das Sprachsystem sich von so einer Missdeutung erholen? Und gibt es da individuelle Unterschiede? Um das herauszufinden benutze ich verschiedene Methoden, zum Beispiel Reaktionszeitexperimente online oder im Labor, Magnetresonanztomografie, oder Eye-Tracking.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Sprache ist etwas, das wir oft als selbstverständlich ansehen. Wir alle benutzen Sprache, aber im Alltag ist es uns nicht bewusst, was für komplexe Vorgänge in unserem Gehirn passieren müssen, damit wir Laute als Wörter verstehen, die Bedeutung dieser Wörter begreifen, die Botschaft unseres Gegenübers verstehen, und angemessen antworten können. Es ist wichtig, diese Prozesse zu verstehen, um zum Beispiel das Lesenlernen besser unterstützen zu können, oder um Therapien für Patienten mit Sprachstörungen zu entwickeln. Ich glaube, weil jeder von uns Erfahrung mit Sprache hat, ist das Thema für uns alle relevant.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Meine Arbeit an der Dissertation nimmt die meiste Zeit in Anspruch: Stöbern in der Literatur, Experimente gestalten und programmieren, Daten sammeln, Daten analysieren, Resultate visualisieren, Fachartikel und Konferenzbeiträge verfassen. Das ist alles ganz schön zeitaufwendig! Nebenher bin ich allerdings auch in der Lehre tätig. Zum Beispiel unterstütze ich Studierende in ihrem letzten Jahr bei der Vorbereitung und beim Schreiben ihrer Bachelorarbeit. Ich korrigiere und benote Laborberichte von Erstsemestern in der Psychologie, und ich gebe Tutorien zum Thema Forschungsmethoden und akademisches Lesen und Schreiben. Die Lehre ist mir sehr wichtig, und ich versuche, sicherzugehen, dass meine Lehrmethoden gut funktionieren und die Studierenden von meinen Tutorien profitieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Wie man vielleicht an meinem Foto erkennen kann, träume ich mich ganz gerne in die 1940er und 50er zurück. Da geht es um Kleidung und Accessoires, aber auch um die optimalen Lockenwickler, Bürstentechnik, und historisch akkurates Make-up (so gut es geht!). Ich stöbere wahnsinnig gerne in Londons charity shops nach vintage oder Sachen, die zumindest vintage aussehen. Ich bin auch dabei, mir das Schneidern von Kleidern im Vintagestil beizubringen. Das ist oftmals viel frustrierender als Statistiksoftware!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
Wandern. Craftbier. Karaoke.

Bitte begrüßt Lena ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 5, 2018

Kristallklar - Franziska Emmerling ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Franziska Emmerling (@FranEmmerling) vorzustellen! Franziska leitet den Fachbereich Strukturanalytik an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und forscht dort im Bereich der Nanopartikel, Kristallisation sowie Synthese und Charakterisierung neuer Materialien zur Gasspeicherung. Begonnen hat alles mit einem Studium der Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und einer Spezialisierung auf anorganische Festkörperchemie. Nach erfolgreicher Promotion und klassischer Postdoc-Phase kam sie 2005 an die BAM. Neben ihrem Arbeitsplatz in Berlin-Adlershof hatte sie zwischen 2010 und 2012 bereits eine Gastprofessur für Anorganische Chemie an der Humboldt-Universität inne und schloss dort ihre Habilitation im Bereich Anorganische und analytische Chemie ab.
In-situ-Untersuchungen von Kristallisationsprozessen, Nanopartikelbildung und Mechanochemie begleiten sie inzwischen seit über 12 Jahren. Ihre Forschung auf dem Gebiet der Mechanochemie ist international anerkannt und führt zu Kooperationen weltweit. Sie ist Co-Autorin von mehr als 200 Artikeln und betreute zahlreiche Master- und Doktorarbeiten.

Hier ist Franziska in ihren eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war schon immer neugierig. Mich interessieren Zusammenhänge und ich versuche das "Warum" hinter den Dingen zu verstehen. Da hat sich dann irgendwann Chemie als passendes Studienfach herauskristallisiert.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Im Chemiestudium hat mich die Festkörperchemie sofort begeistert. Genauer gesagt die Möglichkeit, neue Verbindungen herzustellen, deren Struktur aufzuklären und deren Eigenschaften über die Struktur einzustellen. In diesem Bereich habe ich dann auch meine Doktorarbeit geschrieben und danach war klar, dass ich von diesem "Basteln" und "Aufklären" nie wieder wegkommen will.
Aktuell fasziniert mich ein Teilgebiet der Chemie ganz besonders: die Mechanochemie. Hier wird im Wesentlichen der Eintrag von mechanischer Energie genutzt um neue Verbindungen zu synthetisieren.
Es macht einfach Spaß sich mit neuen Fragestellungen auseinanderzusetzen und Zusammenhänge aufzuklären. Und natürlich ist es ein schöner Erfolg, wenn ein Artikel oder Antrag angenommen wird oder wenn die Doktorandinnen und Doktoranden erfolgreich verteidigen (bester Moment!). Das motiviert mich und gibt mir Schwung für kommende Durststrecken (die kommen garantiert…). Wissenschaft ist immer Teamarbeit und gibt mir auch die Möglichkeit viele interessante Charaktere unterschiedlicher Nationalität kennen zu lernen. Kurz: Es wird einfach nie langweilig.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist eine unglaublich spannende Mischung: Ich habe viel Zeit für Forschung, aber auch Leitungsaufgaben, die mich fordern, über den Tellerrand zu schauen. Ich habe tatsächlich gerne mit Menschen zu tun und es freut mich, Entwicklungen zu sehen und zu erkennen, dass ich etwas bewirken kann. Natürlich gibt es auch nervige Aspekte, aber glücklicherweise erkenne ich meistens deren Notwendigkeit. Das macht Vieles leichter.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil es für aktuelle und zukünftige Anwendungen wie z.B. neuartige Solarzellen wichtig ist, deren Herstellungswege zu kennen – und die Möglichkeiten, diese zu beeinflussen.

Egal, welche Anwendung: Wir müssen die Eigenschaften von Verbindungen verstehen, die sich unmittelbar aus ihrer Struktur ergeben. Eigenschaften wie Lumineszenz, Magnetismus, Partikel- oder Porengröße hängen von einer rationalen Synthese spezifischer Strukturen ab. Solche Synthesen werden möglich, wenn man den Mechanismus zur Bildung von Materialien sowie den Einfluss von Syntheseparametern auf diese Prozesse kennt. Die Keimbildung, das Kristallwachstum und / oder allgemein Phasenübergänge spielen eine Rolle. Besonders gut lassen sich solche Prozesse unter Verwendung von In-situ-Charakterisierungstechniken aufklären.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nichts Spektakuläres. Ich bin als Jurorin für Jugend forscht im Einsatz und versuche in Mentoring-Programmen und bei anderen Gelegenheiten Doktorandinnen und Doktoranden jenseits des Fachlichen ein bisschen auf dem Weg zu unterstützen. (Nur wenn ich gefragt werde, aber dann kommt man unter einer Stunde und mit ca. 3 Buchtipps auch nicht mehr los).

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Lesen! Das ist für mich der einfachste Weg, um vollkommen abzuschalten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Nachdem ich in meinem Alltag fast nie alleine bin, besteht mein idealer freier Tag hauptsächlich aus Zeit für mich alleine. Angenommen alle sind versorgt und kein Familienmitglied oder Katze braucht meine Aufmerksamkeit, dann würde ich nach leichtem Ausschlafen (bis 9 Uhr) und ausreichend Kaffee (sehr wichtig!) direkt mit Streifzügen in diverse Buchhandlungen beginnen. Das ist in Berlin besonders einfach mit den vielen kleinen gut sortieren Buchläden. Danach würde ich mich mit meiner Beute in ein Café zurückziehen, lesen und natürlich Kaffee trinken. Danach würde ich noch ein Schreibwarengeschäft aufsuchen und ausgiebig Stifte testen (andere haben einen Schuhtick, bei mir sind es Stifte.). Spätestens dann hätte ich genug von der "Zeit allein" und dann wäre der ideale Abschluss eine abendliche Runde Bowling (darin bin ich wirklich schlecht) mit Freunden.

Bitte begrüßt Franziska ganz herzlich bei Real Scientists DE!