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Sunday, November 17, 2019

Schafen auf den Zahn fühlen - Nicole Ackermans ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nicole Ackermans (@AckermansNicole) vorstellen! Nicole ist eine amerikanisch-niederländische Biologin (Deutsch ist ihre vierte Sprache!) und hat gerade ihre Doktorarbeit abgeschlossen. Ihr Hauptforschungsgebiet ist die Morphologie der Wirbeltiere: sie ist spezialisiert auf die 3D-Bildgebung von Knochen, insbesondere mit CT-Scans. Das Thema ihrer Doktorarbeit war die Wirkung verschiedener Arten von diätetischen Schleifmitteln auf den herbivoren Zahnabrieb, insbesondere bei Schafen als Modellorganismus. Derzeit ist sie im Urlaub (eine Seltenheit für Wissenschaftler) und genießt eine Pause, bevor sie am 1.1.2020 eine neue Postdoc-Stelle antritt: Nicole hat ein Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung zu erhalten, um bighorn sheep an der Ichan School of Medicine am Mount Sinai in New York City zu erforschen, wovon sie erwartungsgemäß sehr begeistert ist.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Ich war schon immer von Tiere besessen. Schon als Kind wolte ich Zoologe werden!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Im Laufe meines Studiums schränkte ich mein Interessengebiet immer weiter ein. Zuerst Tiere, dann Wirbeltiere, dann Säugetiere. Während meines Masterstudiums stellte ich fest, dass ich wirklich eine Leidenschaft für die Anatomie hatte und fortschrittliche Bildgebungstechniken einsetzte, um sie zu visualisieren. Jetzt bin ich also "vertebrate morphologist” und untersuche die verschiedenen Aspekte dieses Feldes, vom Zahn bis zum Schädel, aber immer mit 3D-Bildgebung.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich denke, ich werde am meisten über meine Promotion sprechen. Mein Postdoc-Projekt ist auch sehr interessant, hat aber noch nicht begonnen! Für meine Doktorarbeit konzentrierte ich mich also auf die Evolutionsbiologie von herbivoren Zähnen und Zahnabnutzung. Grundsätzlich verursachen Pflanzendiäten viel Zahnverschleiß, und je mehr Zähne verschleißen, desto kürzer ist die Lebensdauer. Das Wachstum längerer Zähne ist also ein evolutionärer Vorteil für ein längeres Leben!
Um mehr über die Abnutzung der Zähne zu erfahren, führten wir eineinhalb Jahre lang ein Experiment am UZH durch, bei dem wir Schaffutter mit Sand füllten. Wir benutzten CT-Scans, um die Zähne vorher und nachher zu betrachten und herauszufinden, wie der Sand sie beeinflusst hat.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wenn ich den Leuten sage, dass ich Schafe studiere, lachen sie immer. Ich denke, es ist etwas ganz anderes, worauf die Leute neugierig sind. Meine Arbeit gilt als Grundlagenforschung, und ich halte es für wichtig, die Ergebnisse in diesem Bereich zu teilen, damit die breite Öffentlichkeit weiß, dass nicht jeder Wissenschaftler Krebs heilt! Viele Dinge, an die wir vielleicht noch nie gedacht haben, werden sehr detailliert recherchiert, und es ist faszinierend, jeden Tag mehr über sie zu erfahren!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich würde sagen, 18 Monate lang Schafzüchter zu sein, war sicherlich.... interessant! Ich bekomme den Geruch immer noch nicht raus. Aber ansonsten macht mir die Arbeit mit 3D-Modellen von Skeletten und Zähnen sehr viel Spaß.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich liebe es zu klettern und bouldern. Im Moment bin ich in New Mexico, also bin ich gespannt, auch in der Wüste zu wandern, die Landschaften sind fantastisch hier draußen. Schließlich, wie es in meiner Biografie steht, identifiziere ich sehr gerne Knochen. Also, schicken Sie mir alle Knochenfotos!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Hmm… Ich würde den Tag mit einer schönen Tasse Tee (ich bin ein stolzer Teesnob) und meiner Katze auf dem Schoß beginnen. Ich würde dann wahrscheinlich die Stadt oder das Land erkunden, in dem ich derzeit wohne. Ich laufe gerne an schönen Tagen herum, mit dem Ziel, lokale Gerichte zu probieren. Wenn das Wetter schlecht ist, dann würde ich zu Hause bleiben und Cookies backen. Am Abend entspannte ich mich dann mit Netflix oder einigen Videospielen.


Bitte begrüßt Nicole ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 22, 2019

Wissenschaft im Klassenzimmer - Stacy Kunst ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Stacy Kunst (@StacyCBaker) vorstellen zu dürfen!

Hallo! Mein Name ist Stacy Kunst. Obwohl ich meine wissenschaftliche Karriere mit der Erforschung von Seevögeln in Alaska begann, habe ich meine Karriere hauptsächlich damit verbracht, Jugendliche in Klassenzimmern mit Wissenschaftlern zu verbinden. Die traditionelle Umgebung im Klassenzimmer ist langweilig, voreingenommen gegenüber weißen Männern und tötet das natürliche Interesse der Schüler an der Wissenschaft. Ich habe versucht, traditionelle Modelle mit Hilfe von Strategien der Wissenschaftskommunikation und Social Media zu verändern. Nachdem ich meinen Master-Abschluss gemacht hatte, veröffentlichte ich einen Artikel darüber, wie Naturwissenschaftsmuseen Twitter nutzen sollten, um besser mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten. Es ist mir ein großen Aniegen, die wissenschaftlichen Umgebunge für alle sicherer zu machen. Ich engagiere mich aktiv für die Reduzierung sexueller Belästigung und für die Gleichstellung der Geschlechter.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Wissenschaft immer geliebt. Es hat eine Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, wo ich in die Wissenschaftswelt passen wollte. Ich erkannte früh, dass die akademische Forschung nicht gut zu mir passte. Ich habe einige erstaunliche Erfahrungen in der Wissenschaft gemacht, indem ich nicht einem traditionellen Karriereweg gefolgt bin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Meine Arbeit als Freelancer ist nur vorübergehend. Ich zog nach Deutschland, um meinen Post-Doc-Mann bei der Erreichung seiner Karriereziele zu unterstützen. Leider war es für mich nicht so einfach, Deutsch zu lernen, wie ich es mir erhofft hatte. Das hat meine Karrierepläne ein wenig eingeschränkt, aber ich habe gelernt, dass die Dinge im Leben nicht immer so laufen, wie du es geplant hast. Ich habe viele interessante Menschen getroffen, indem ich verschiedene Dinge ausprobiert habe, und viele Türen haben sich in letzter Zeit für mich geöffnet. Das Scwierige ist jetzt die Entscheidung zu treffen, in welche Richtung man gehen soll!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe gerade erst den Co-Vorsitz eines Panels übernommen, das Preise an Wissenschaftler vergibt, die dazu beitragen, die Wissenschaft integrativer zu gestalten. Es war sehr aufregend! Wir hören viele schlechte Nachrichten über Missbrauch in der Wissenschaft, deshalb ist es sehr wichtig, dass wir uns auf die Menschen konzentrieren, die helfen. Es gibt einige wunderbare Nachwuchswissenschaftler, die den Status quo aufrütteln und dazu beitragen, die Wissenschaft für alle sicherer zu machen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Der Großteil meiner Arbeit konzentrierte sich auf die Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. So viel von den Missverständnissen der Menschen über die Wissenschaft lässt sich auf ihre Erfahrungen im Klassenzimmer zurückführen. Die Art und Weise, wie wir Naturwissenschaft als eine Reihe von Vokabellisten und rezeptähnlichen Laborexperimenten unterrichten, führt dazu, dass die Menschen falsche Erwartungen daran haben, wie Wissenschaft funktioniert. Es ist notwendig, dass wir die Art und Weise, wie wir Naturwissenschaften unterrichten, ändern.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Obwohl ich keine traditionelle Erfahrung im Grafikdesign habe, baue ich gerne Websites und mache Infografiken. Darüber hinaus habe ich nicht viel Zeit für Hobbys, da ich den Großteil meiner Freizeit mit meiner Familie verbringe.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meine Familie war kürzlich im Legoland. Das hat viel Spaß gemacht. Wir gingen in die Legofabrik und mein Sohn lernte, wie Legos hergestellt werden. Dann fuhren wir Achterbahnen. Das war ein wirklich schöner Tag.

Bitte begrüßt Stacy ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 24, 2018

Bewegt euch! Michael Berger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Michael Berger (@__MichaB__) vorzustellen! Michael ist Neurowissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen und hat dort im letzten Jahr seine Promotion beendet. Dabei untersucht er, wie wir Armbewegungen gleichzeitig mit anderen Körperbewegungen kontrollieren. Außerdem betreibt er noch ein wenig Wissenschaftskommunikation mit der Organisation des "March for Science Göttingen", bei Pro-Test Deutschland und der Göttinger Studentenzeitschrift "GGNB-Times".

Hier ist Michael in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hatte schon immer ein technisch, naturwissenschaftliches und mathematisches Grundinteresse. Insbesondere hat mich die mathematische Herangehensweise fasziniert. Wir können die Natur beschreiben, diese Beschreibung mit mathematischen Mitteln umändern und dann Gesetze erhalten,
die wirklich wieder die reale Natur widerspiegeln. Eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass die Mathematik auch nur ein von Menschen erdachtes Gedankenkonstrukt ist. Diese Faszination hat mich zunächst ins Physik-Studium getrieben. Bei der Wahl meines Schwerpunktes habe ich mich für theoretische Neurowissenschaften („Gehirnforschung“) entschieden. Nein, das ist nicht unüblich, Physiker sind häufiger in den Neurowissenschaften vertreten, als man denkt. Leider ist das Gehirn weniger gut verstanden als die Physik und somit sind die theoretischen Beschreibungen auch eher „messy“ im Vergleich zur Physik. Jegliche Theorie benötigt erst einmal eine solide Datenlage und so war meine Schlussfolgerung, dass ich experimentelle Erfahrungen sammeln sollte. Seit Ende 2012 bin ich nun in der Forschungsgruppe Sensomotorik, geleitet von Alexander Gail, am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Dort habe ich im letzten Jahr meine Promotion beendet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Naja, grundsätzlich wollte ich ja „das Gehirn verstehen“. Das ist eine Phrase, die jeder sagt, der etwas mit Gehirn oder Nervenzellen zu tun hat, egal ob Psychologe, Mikrobiologe oder Informatiker. Da ich einen eher mathematisch-technischen Hintergrund habe, bin ich in den „Systemischen Neurowissenschaften“ gelandet. Das bedeutet, ich interessiere mich eher für abstraktere Beschreibungen des Systems „Gehirn“ als den biologischen Details.

Zudem ist es faszinierend, dass sich komplizierte kognitive Prozesse, schon in einfachen Bewegungen widerspiegeln. Da ja Fußball-WM ist, nehme ich als Beispiel einen Elfmeterschützen: Eigentlich muss der nur einmal gegen den Ball treten. Aber um auch ein Tor zu erzielen, muss der Schütze im Laufen seinen Schuss planen, den Fuß koordinieren, die Ballposition beachten, die Torwartposition beachten, die Torwartbewegungen antizipieren, und und und… Der Forschungsbereich „Sensomotorik“ beschäftigt sich damit, wie das Gehirn Sinnesreizen verarbeitet, um daraufhin eine Bewegung auszuführen. In dem wir einfache Bewegungsabläufe und die dazu gehörige Gehirnaktivität studieren, können wir also verschiedene kognitive Prozesse im Gehirn untersuchen. Das fand ich spannend.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wie gesagt, wir untersuchen, wie das Gehirn sensorische Informationen verarbeitet, um eine Bewegung zu planen und auszuführen. Jetzt zeigt das Beispiel des Elfmeterschützens, dass viele Prozesse gleichzeitig ablaufen. Das macht es nahezu unmöglich gemessenen Daten zum richtigen Prozess zuzuordnen. Das heißt, wir benötigen streng kontrollierte Laborbedingungen mit sehr einfachen und minimalen Bewegungen. Üblicherweise werden bei uns, und ähnlichen Laboren, Armbewegungen in abgedunkelten Räumen untersucht. Probanden erhalten nur die nötigen Sinnesreize und müssen ganz bestimmte Bewegungen ausführen. Das ermöglicht es, Verhaltensprozesse zu isolieren und zu studieren. Der Nachteil ist allerdings, dass wir es damit schwer haben, das große Ganze im Gehirn zu verstehen. Das Gehirn ist schließlich so effektiv, da es viele Prozesse parallel ausführt und nicht nacheinander wie ein Computer.
Während wir in den letzten Jahren einiges Wissen angehäuft haben, wie das Gehirn Armbewegungen kontrolliert, beschränkt sich das fast ausschließlich auf Armbewegungen im Sitzen. Wir haben so gut wie keine Ahnung, wie das Gehirn Armbewegungen im Laufen plant und kontrolliert. Laufen und gleichzeitig nach etwas Greifen, oder am Kopf kratzen ist ja nicht gerade etwas, was wir selten machen. Da das allerdings kaum erforscht ist, musste ich zunächst komplett neue Experimentierumgebungen entwickeln. Tatsächlich bestand ein großer Teil meiner Doktorarbeit aus Löten, Schaltkreise designen, 3D-drucken, Kontrollsoftware programmieren und alles zusammenzuschrauben.

Um Laufen und Greifen zu untersuchen, habe ich zwei experimentelle Umgebungen entwickelt. Eine für menschliche Probanden. Ich habe da untersucht, wie Menschen Vibrationsreize an der Hand gleichzeitig mit Lichtreizen an einem Objekt wahrnehmen, während sie mit der Hand zu diesem Objekt hinlaufen und danach greifen. Wie das Gehirn Sehsinn und Tastsinn miteinander abwägt, hängt damit zusammen, wie weit das Objekt entfernt ist und ob Bewegungen geplant sind. Da die Reize und der Abstand des Objektes von mir kontrolliert werden, kann ich Rückschlüsse auf die Bewegungsplanung machen.

Gleichzeitig möchte ich aber auch „sehen“ was im Gehirn vorgeht. Das Gehirn selber ist ein Netzwerk aus vielen Milliarden Nervenzellen. Um Rückschlüsse auf einzelne Gehirnregionen zu machen, müssen wir auch die Aktivität einzelner Nervenzellen betrachten. Das geht leider nur invasiv und in der Regel (von sehr speziellen Umständen abgesehen) nicht im Menschen. Daher sind Tierversuche notwendig. Da zielgerichtete Armbewegungen eine Spezialität von Primaten sind, arbeiten wir hier mit Rhesus Affen. Ich habe eine experimentelle Umgebung entwickelt, in der ich Affen mit Belohnungen darauf trainiert habe, von einer festgelegten Stelle im Käfig zu einem Objekt zu laufen und nach dem Objekt zu greifen. Dabei habe ich ein System, mit dem ich die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn des Affen vor und während der Bewegung messen kann.

Tierversuche bedeuten eine besondere Verantwortung. Ethisch und rechtlich gibt es klare Prinzipien Richtlinien. Unter anderem haben wir die Verantwortung den Tieren eine möglichst angenehme Umgebung zu liefern. In unserer Abteilung haben wir daher eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich ausschließlich damit beschäftigt, das Wohlergehen der Tiere zu quantifizieren und zu verbessern. Im Zuge dieser Gruppe habe ich daran gearbeitet das Tiertraining zu automatisieren, in dem sich die Schwierigkeit der Aufgabe automatisch an das Können des Tieres anpasst. Das fordert die Tiere aber überfordert sie nicht. Gleichzeitig haben wir ein System entwickelt, dass Teile des Trainings nicht in der experimentellen Umgebung, sondern in der vertrauten Heimatumgebung durchgeführt werden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Darauf habe ich eine eher generelle und eine eher speziellere Antwort.

Generell, denke ich, dass ein großes Interesse der Öffentlichkeit an der Funktionsweise des Gehirns besteht. So ein Ding hat ja auch jeder von uns im Kopf. Die Schwierigkeit ist es, dass es unglaublich viele verschiedene Forschungsrichtungen innerhalb der Neurowissenschaften gibt. Jede Einzelne hat ihre Daseinsberechtigung aber auch ihre Grenzen. Möchten man also mehr über das Gehirn erfahren, macht es Sinn, vielen verschiedenen Neurowissenschaftlern zuzuhören. Das bedeutet allerdings auch, wenn jemand daherkommt und sagt: „Ich erzähle dir jetzt die ganze Wahrheit wie das Gehirn funktioniert.“, dann darf man ruhig skeptisch sein, ob das so stimmt.

Im Speziellen wollte ich mit meiner Forschung auch einer konkreten Anwendung zuarbeiten: der Gehirn-Maschine-Schnittstelle. Gehirn-Maschine-Schnittstellen haben z. B. das Potenzial das Querschnittsgelähmte oder Patienten mit amputierten Gliedmaßen wieder Bewegungen durch Roboterprothesen zurückerlangen. Das klingt jetzt sehr nach Science-Fiction (ist es auch ein Stück weit noch), aber mittlerweile gibt es schon die ersten Firmen, die direkt an Anwendungen arbeiten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich gehöre zum Organisationsteam des „March for Science Göttingen“. Wir sind eine recht engagierte und heterogene Gruppe und da Göttingen eine Wissenschaftsstadt ist, erhalten wir viel Unterstützung von Stadt, Uni und Forschungsinstituten. So macht Wissenschaftskommunikation besonders Spaß.

Während meiner Promotion habe ich die Zeitschrift „GGNB-Times“ mit aufgebaut. Das ist die offizielle Zeitschrift der Graduiertenschule „GGNB“ von und für Studenten.

Außerdem bin ich noch bei Pro-Test Deutschland (@ProTestDE) tätig. Das ist eine unabhängige Gruppe aus jungen Wissenschaftlern, wissenschaftlichem Personal und Studenten, die eine offene und objektive Debatte über Tierversuche voranbringen möchten. Viele der Mitglieder machen oder haben Zugang zu Tierversuchen und nutzen ProTest als Plattform, um über die eigenen Ansichten aus erster Hand berichten zu können. Gleichzeitig versuchen wir wissenschaftliche Institutionen zu motivieren, offenen über die eigenen Experimente zu reden, um die Diskussion auf Tatsachen und nicht auf Mythen zu konzentrieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit vielen vielen Jahren fechte ich, Säbel um genau zu sein. (Sportfechten, kein „Studentenfechten“! Das ist ein großer Unterschied.) Früher habe ich noch regelmäßiger im Verein gefochten und war auch bei ein paar Deutschen Meisterschaften dabei. Mittlerweile bin ich eher unregelmäßig im Studentensport in Göttingen aktiv.

Für ein halbes Jahr habe ich in Göttingen am „Theater im OP“ (@Theater_im_OP) als Schauspieler mitgemacht. Ich hätte gerne noch mehr gemacht, aber Theater ist zeitaufwendig und es kamen so Kleinigkeiten wie „Doktorarbeit-Schreiben“ dazwischen…

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Gegen halb acht aufstehen, damit ich um neun Uhr auf der Skipiste bin; bis vier Uhr Skifahren; ein gutes Abendessen kochen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Das Ganze mit meiner Freundin versteht sich. Da die Berge weit weg sind, kommt das leider nicht so häufig vor. Aber auch Tage ohne Skifahren können sehr schön sein 😊.

Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, February 11, 2018

In die Kamera-Falle getappt - Ann-Sophie Warkentin ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche ist nicht ganz wie jede andere - wir feiern Geburtstag! Vor genau einem Jahr ging Real Scientists DE mit unserem ersten Kurator Dennis Eckmeier an den Start.
Wir freuen uns sehr, Ann-Sophie Warkentin (@ASWarkentin) in dieser Geburtstagswoche als Kuratorin begrüßen zu dürfen! Ann-Sophie ist gerade in ihrem 6. (und letzten) Semester des BSc Zoology with Animal Behaviour der Bangor Univeristy in Bangor, Nordwales. Danach wird sie ihren Master absolvieren, ebenfalls in Bangor, allerdings wird ihre Forschung dafür sie nach Sansibar führen, wo sie die Auswirkungen von Touristen auf die endemischen Sansibar Stummelaffen erforschen wird. Sie hofft danach eine Doktorstelle zu finden, am liebsten in der Fachrichtung Verhalten.

Hier ist Ann-Sophie in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Im Prinzip durch einen Zufall und eine Tumblr-Bekanntschaft! Ich hatte Naturwissenschaften für mich schon aufgegeben, da ich zwar in Biologie immer sehr gut war und es mich begeistert hat, ich aber in Chemie und Physik nie so richtig angekommen war. Da ein naturwissenschaftliches Studium in Deutschland aber alles drei benötigt, hatte ich die Idee des Biologiestudiums erst mal zur Seite gelegt und mich in den Geisteswissenschaften umgeschaut. Ich folgte allerdings jemandem bei Tumblr, die Zoologie studierte (witzigerweise sogar in Bangor, wo ich jetzt bin). Nach einer Veranstaltung in London sah ich auf Fotos von ihr, dass wir unwissentlich bei der gleichen Veranstaltung waren. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihr, fragte sie dann was genau ein Zoologiestudium denn beinhaltete, und habe mich danach nach gerade diesem Studienfach umgesehen. Dabei fiel mir auf, dass Zoologie hier in Großbritannien genau die Themengebiete abdeckte, die mich in Biologie am meisten fasziniert hatten. Also ab nach Wales!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich hatte mein Studium ohne Spezialisierung in Verhalten angefangen, mich dann aber über die möglichen Module informiert und mich schon Mitte des ersten Jahres für Verhalten entschieden. Die beiden Verhaltensmodule haben mich sehr begeistert, allerdings habe ich auch ein Modul namens Primatenkunde belegt, welches sich zu meinem Lieblingsmodul entwickelte. Mich fasziniert vor allem der Nutzen eines Verhaltens, also wieso tut ein Tier, was es tut? Bei den Primaten halten mich am meisten die beiden Dozenten an meiner Uni, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben, und die generelle Gemeinschaft der Primatenkundler. Ich durfte im November auf einer Konferenz dabei sein und traf sogar Jane Goodall! Aber wer weiß, vielleicht verirre ich mich ja doch noch in Richtung Großkatzen...

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Momentan bin ich im letzten Semester meines Studiums, was bedeutet, dass ich zeitgleich an meiner Bachelorarbeit schreibe und mich auf den Master vorbereite, indem ich Anträge auf Forschungsgelder erstelle. Meine Bachelorarbeit basiert auf den Daten aus 21 Kamerafallen, die ich (zusammen mit meinem jetzt-Ex-Freund) im Juli in Schleswig-Holstein aufgestellt hatte. Dabei hatten wir Unterstützung von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, welche die Kamerafallen und die Fläche zur Datenermittlung zur Verfügung gestellt hatte. Aus 21 Kamerafallen kamen 197.000 Fotos, von denen 74.000 für unsere Arbeit interessant waren. Aus diesen Daten erstelle ich nun Graphen, analysiere und schreibe die Bachelorarbeit dazu. Gleichzeitig schreibe ich Anträge auf Forschungsgelder für meine geplanten drei Monate auf Sansibar diesen Sommer.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Masterarbeit wird hoffentlich dabei helfen, den Touristen auf Sansibar zu zeigen, wie sie sich den dortigen Affen gegenüber verhalten können, um sie möglichst wenig zu stören. Dies sollte hoffentlich dem Arterhalt helfen, denn momentan gibt es von den Sansibar Stummelaffen nur noch ca. 5000, sie sind aber ein guter Touristenmagnet und helfen der örtlichen Wirtschaft. Außerdem sehen sie (in meinen Augen zumindest) ziemlich süß aus, das sollte helfen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich zeige zukünftigen Studenten Bangor University auf sogenannten "Open Days". Dabei gibt es eine kleine Stadtrundfahrt und eine Besichtigung der Wohnheime, bei der ich stets für Fragen zur Verfügung stehe. Ich freue mich immer, meine Begeisterung für dieses schöne Fleckchen Erde und den Studiengang weitergeben zu können und hatte schon Studenten, die hauptsächlich wegen ihrer Erfahrungen beim Open Day hier studieren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Hier in Bangor habe ich das Bouldern für mich entdeckt, allerdings bisher nur in der Halle, nicht draußen am Felsen. Es macht wirklich viel Spaß, sich an körperliche Grenzen heranzutasten und den Fortschritt jede Woche an der Wand zu sehen. Außerdem habe ich mit dem Bogenschießen angefangen, das ist auch sehr spannend. Hoffentlich kann ich dieses neue Hobby mit einem alten Hobby verbinden und mal das Bogenschießen vom Pferd aus ausprobieren.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Früh aufstehen (ja, ich bin so ein Morgenmensch), dann eine große Runde mit "meinen" zwei Hunden drehen, am liebsten in Begleitung einer Freundin. Zum Mittagessen mit meiner Familie in ein schönes Restaurant fahren, dann nachmittags bei Brettspielen und in guter Gesellschaft verbringen. Vielleicht noch einen Ausflug in meinen örtlichen Wildpark, ein paar Tiere machen jeden Tag besser.

Bitte begrüßt Ann-Sophie ganz herzlich bei Real Scientists DE!