Showing posts with label Medizin. Show all posts
Showing posts with label Medizin. Show all posts

Sunday, January 16, 2022

Mit der Pipette gegen den Krebs - Franziska Briest ist jetzt bei Real Scientists DE

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Franziska Briest (@F_I_Briest) vorstellen! Franziska, geboren 1982, lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet an der Charité. Sie studierte Biochemie/Molekularbiologie mit Schwerpunkt molekulare Medizin an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, bevor sie 2009 nach Berlin wechselte. Nach der Elternzeit mit dem ersten Kind promovierte sie 2016 an der Freien Universität Berlin zu seltenen Tumoren. Nach einem thematischen Wechsel und der Elternzeit mit dem zweiten Kind forscht und lehrt sie seit 2018 u.a. zu den genetischen Ursachen der Blutkrebsentstehung.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Forschen war schon ganz früh mein Berufsziel. Als Kind habe ich tote Insekten „seziert“ oder Stühle übereinander gestellt, um an die Haushaltschemikalien zu kommen, die ich dann miteinander gemischt habe (heute weiß ich, dass das grundsätzlich keine so gute Idee ist, weder das mit den Stühlen, noch das Mischen von Haushaltschemikalien). Zwischendurch kam mal das Thema Archäologie auf (weshalb ich dann in der Mittelstufe einen Sprachfokus gewählt habe und mich – zu lange – mit Altgriechisch und Latein gequält habe). Später kamen dann die Naturwissenschaften zurück und dabei ist es dann letztlich auch geblieben. Seit einem Schülerpraktikum am Max-Planck-Institut, in dem ich meine erste DNA isoliert und PCR angesetzt habe, war klar, wohin die Reise für mich geht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich hatte schon immer den Wunsch, etwas zum Wohl der Allgemeinheit zu tun, anstatt z.B. ein Unternehmen reicher zu machen (wobei sich das grundsätzlich nicht ausschließt, aber gerade in der Medizin durchaus den ethischen Grundsätzen widersprechen kann). Daher war öffentliche, medizinische Forschung ganz oben auf der Liste. Das schwankte dann lange zwischen HIV-Forschung und Krebsforschung, letztlich fand ich letztere spannender.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Forschung klingt erstmal viel spannender, als es letztlich ist: unsere Arbeit ist sehr stark geprägt von Planungen, Auswertungen und Wiederholungen. Die eigentlichen Experimente nehmen, zumindest wenn man mit fortschreitender Erfahrung immer mehr Supervision übernimmt, gar nicht so viel Zeit ein. Dazu kommt eine unfassbare Menge an Bürokratie, die manchmal den letzten Nerv raubt.
Typisch für naturwissenschaftliche Forschung ist auf jeden Fall ein sehr hoher Anteil an Fehlversuchen. In unserem Beruf muss man eine hohe Frustrationstoleranz haben, bis ein Versuch optimiert ist oder ein System etabliert. Da kann die Vorbereitung eines Experimentes schon mal viele Monate in Anspruch nehmen, ohne dass man einen einzigen Messwert erhoben hat. Aber wenn dann das System steht und dann auch die Experimente Ergebnisse liefern, ist die Belohnung umso größer. Man muss aber auch den Mut haben, eine Hypothese irgendwann gehen zu lassen, um sich nicht in ressourcenaufwendigen Sackgassen zu verrennen. Die Kunst liegt sicher darin, zu erkennen, wann man am Ball bleiben sollte und wann man umdenken muss. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Fast jeder zweite Mensch in Deutschland erkrankt, statistisch gesehen, in seinem Leben an Krebs. Eine Krebserkrankung ist immer eine Ausnahmesituation für die Betroffenen und ihre Familien. Da muss vieles gleichzeitig bewältigt werden. Die Patient:innen suchen natürlich nach Information und Rat und das Internet ist da leider nicht immer der beste Ratgeber. Zusätzlich treffen viele auf ein Gesundheitssystem, in dem die Zeit für ausführliche Beratung knapp ist. Die Pandemie zeigt derzeit auch, dass gerade Risiken und Relationen von vielen Menschen über- oder unterschätzt werden. Da ist es hilfreich, wenn Patienten gut informierte Entscheidungen treffen können, weil auch ein gutes Vorwissen vorhanden ist. Dazu kommt, dass gerade bei der Frage, was kann ich tun, um Krebs vorzubeugen oder früh zu erkennen, auch viel Leid durch bessere gesundheitliche Bildung verhindert werden könnte.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich war 6 Jahre lang Mitglied im Kommunalparlament in Berlin Mitte und 5 Jahre davon eine von 2 Fraktionsvorsitzenden. Dabei bekommt man einen tiefen Einblick, wie Verwaltung funktioniert, wie politische Akteure arbeiten und wie man selbst Menschen führt. Man lernt Kompromisse zu schließen, pragmatisch zu denken und vor allem weg von einer naturwissenschaftlichen Analytik, auf einer Metaebene zu denken. Politik und Wissenschaft haben viel gemeinsam: beides sind sehr kompetitive Felder, oft immer noch von Männern dominiert, wer nicht dauerhaft „liefert“ verliert schnell den Anschluss. Aber die Denkweisen unterscheiden sich fundamental. Leider ist beides, zumal mit zwei Kindern und einem Beruf der viel zusätzliche Flexibilität abverlangt, sehr schwierig zu stemmen. Ich habe, hochschwanger mit dem zweiten Kind, parallel Koalitionsverhandlungen geführt und meine Dissertation verteidigt. Das hält kein Mensch dauerhaft durch.
Heute mache ich Gremienarbeit an der Charité als stellvertretendes Mitglied des Fakultätsrates. Das ist zeitlich besser mit Familie, Forschung und Lehre zu vereinbaren.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Es bleibt leider wenig Zeit für regelmäßige Hobbies. Ich laufe regelmäßig und wenn Zeit ist, tobe ich mich gerne kreativ aus, das reicht von Lyrik, über kleine Klavierkompositionen bis hin zu Fotografie. Ich habe auch schon ein Kinderbuch veröffentlicht.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Die Pandemie ist vorbei. Ausschlafen, eine Runde laufen gehen oder noch besser: schwimmen, gutes Essen irgendwo mit Blick aufs Meer und Zeit mit der Familie.

Bitte begrüßt Franziska ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 26, 2021

Krebs verstehen helfen - Marisa Kurz ist jetzt bei Real Scientists DE!

In der letzten Woche des Jahres freuen wir euch sehr, euch unsere neue Kuratorin Marisa Kurz (@MarisaKurz) vorstellen zu dürfen! Marisa hat diesen Monat ihr Medizinstudium abgeschlossen (herzlichen Glückwunsch!) wird im Januar als Assistenzärztin in einer Uniklinik die Ausbildung zur Fachärztin für Hämatologie und Onkologie anfangen. Vor dem Medizinstudium hat sie bereits zwei andere Studiengänge abgeschlossen (Biochemie M. Sc., B. Sc., Philosophie B. A. mit Nebenfach Sprache, Literatur und Kultur). Seit drei Jahren arbeitet sie an ihrer medizinischen Doktorarbeit. Sie untersucht, wie ein bestimmter Immuncheckpoint in Lungenkrebs durch das Ubiquitin-Proteasom-System abgebaut wird. Da sich Krebszellen mit Immuncheckpoints vor der Immunabwehr schützen können, ist es therapeutisch sehr attraktiv, den Abbau dieser Checkpoints anzukurbeln. Nebenbei arbeitet sie als freie Medizin-Journalistin für den Georg Thieme-Verlag und schreibt als "Die Monacologin" auf Scilogs.Spektrum.de.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe direkt nach dem Abitur angefangen Biochemie zu studieren, weil ich verstehen wollte, was die Welt im Inneren zusammenhält - so steht es tatsächlich in meiner Abi-Zeitung aus dem Jahr 2007.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Im Biochemiestudium war Tumorbiologie mein Lieblingsfach. Im Philosophiestudium habe ich mich in Richtung Medizinethik spezialisiert. Onkologie ist für mich die Kombination meiner Interessen: Molekularbiologie und Ethik.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Das letzte Jahr habe ich als Medizinstudentin im Praktischen Jahr in der Klinik verbracht (u. a. auf einer COVID-19-Station), die Wochenenden im Labor für meine Doktorarbeit oder vor meinem Laptop, wenn ich Texte geschrieben habe. Sobald ich als Assistenzärztin loslege, werde ich auf Station Krebspatienten betreuen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Statistisch gesehen erkrankt fast jeder zweite von uns im Laufe seines Lebens an Krebs. Krebs betrifft uns also alle. Jeder sollte Krebs verstehen können und deshalb möchte ich leicht verständlich darüber aufklären.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wie auf meinen Fotos unschwer zu erkennen ist, habe ich einen ziemlich tollen Hund. Bevor ich ihn adoptiert habe, musste er sich als Straßenhund in Sarajevo durchschlagen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein Tag, an dem ich wirklich nichts zu tun habe, und auch kein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nichts Produktives tue. Und dann: mit Freunden und Hund ins Grüne, spazieren gehen und Biergarten.

Bitte begrüßt Marisa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 29, 2021

Forschungsanträge in der Biomedizin - Marthe Ludtmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Marthe Ludtmann (@MartheHR) vorstellen zu dürfen! Hier ist Marthe in ihren eigenen Worten:

Nach meiner Biologielaborantenausbildung in Deutschland bin ich 2005 in die UK ausgewandert und habe dort 2012 im Bereich der Alzheimerforschung meinen PhD abgeschlossen. Während meines Postdocs und Fellowships habe ich besonders viel mitochondrial and bioenergetic research betrieben. Ich habe in 9 verschiedenen Laboratorien (4 Länder, 3 Kontinente) geforscht, sehr viel Spaß und Erfolg in der Forschung gehabt und habe mich dennoch entschieden einer neuen Karriere in der NHS nachzugehen. Nach 14 Jahren London hat es mich nach York verschlagen. A word of warning - mein Deutsch ist ein wenig eingerostet 😉

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wie so viele andere Wissenschaftler – ich habe den NC fürs Medizinstudium nicht geschafft. Meine Mutter hat mir damals eine Biologielaborantenausbildung ans Herz gelegt. Und genau das habe ich dann auch getan.
Von 2002-2005 war ich in der Tropentierhygiene an der Uni Göttingen bevor ich zum Studieren nach London gegangen bin. An der Kingston University habe ich Medizinische Biochemie studiert und durfte dank meiner Ausbildung direkt ins 2. Studienjahr einsteigen. Von 2007-2008 habe ich ein MSc by research an der Kingston Uni & Natural History Museum London absolviert bevor ich 2008 meinen PhD an der Royal Holloway University begonnen habe. 2012 war ich endlich fertig und habe am Institute of Neurology (Queens Square, UCL) eine Postdocstelle angenommen. Mein eigenes Fellowship (Alzheimer’s Research UK) und eine tenure track position am Royal Veterinary College in London habe ich 2017 begonnen und 2019 hinter mir gelassen um meinen jetzigen Job anzutreten.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Meine akademische Zeit habe ich im Bereich der Mikrobiologie, Parasitologie, Alzheimer- und Parkinsonforschung verbracht. Die Zeit in der Alzheimer- und Parkinsonforschung habe ich besonders genossen.
Mein jetziger Job beinhaltet sehr viel Abwechslung und ich freue mich, wenn Forschungsanträge erfolgreich sind. Und ich freue mich umso mehr, dass ich die Forschung nicht selber betreiben muss 😉

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Es ist vor allem vielfältig! Wir sind ein kleines teaching hospital das momentan versucht seine Forschung auszubauen. Meine Arbeit umfasst research grant applications aus jedem Bereich: von Anästhesie über Gastroenterologie bis hin zur Zahnmedizin. Und natürlich in den letzten 18 Monaten auch Covid-Forschung. Dadurch lese ich natürlich viele verschiedene Forschungsvorhaben und lerne ich jeden Tag etwas Neues. Ich helfe Medizinern Kollaborationen mit der University of York aufzubauen, helfe Akademikern Kontakte mit Medizinern zu knüpfen, Grantsmanship und Kostenberechnung. Zudem unterstützte ich Ko im Krankenhaus und organisiere Forschungstreffen. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Arbeit unterstützt Forschung im Gesundheitswesen. Die angewandte Forschung im Krankenhaus ist vielfältig und involviert Patienten. Die Pandemie hat sehr viele Studien ans Krankenhaus gebracht – die Leitungsstruktur der NHS ermöglichte das Covidstudien sehr schnell gestartet wurden. All dies macht meine Arbeit sehr interessant und niemals langweilig.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Meine kleine Familie – ich habe einen 9 Monate alten Sohn und bin seit ein paar Wochen wieder bei der Arbeit.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Früh aufstehen und mit einem Kaffee am Fluss im Garten sitzen und Zeitung lesen. Ins Fitnessstudio (Spinning und HITT) und danach nach York fahren und mit meiner Familie und Freunden in ein schönes Restaurant oder Pub gehen. Oder meine Freunde in London besuchen was natürlich auch einen Pub beinhalten würde ;-) 

Bitte begrüßt Marthe ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 20, 2020

Arztgespräch, Patientengespräch - Isabella Buck ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Isabella Buck (@isabellabuck_) vorstellen! Isabella studierte angewandte Sprachwissenschaft, Germanistik und Medienwissenschaft in Bonn und Münster. Seit 2018 promoviert sie aus einer linguistisch-gesprächsanalytischen Perspektive zur Kommunikation auf der Palliativstation. Für ihre Dissertation erhob sie auf einer süddeutschen Palliativstation über 800 Gespräche zwischen Ärzt*innen/Pfleger*innen und Patient*innen. Auf dieser Grundlage stellt sie einen Vergleich zwischen pflegerischem und ärztlichem Sprechen mit Patient*innen an und untersucht in diesem Rahmen beispielsweise, welche Strategien Pflegekräfte und welche Strategien Ärzt*innen einsetzen, um die Bedürfnisse der Patient*innen in Erfahrung zu bringen. Isabella ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Nach dem Abi wollte ich eigentlich unbedingt ‚was mit Medien‘ machen (am liebsten beim Radio) und habe dementsprechend angefangen, in Bonn Medienwissenschaft und Germanistik zu studieren. In der Schule fand ich den Grammatikunterricht eher nervig, aber im ersten Semester hatte ich das Glück, im linguistischen Einführungsseminar eine sehr engagierte und motivierte Dozentin zu haben, die in mir eine große Begeisterung für die Linguistik entfachte. Ab dem zweiten Semester war ‚was mit Medien‘ passé und ich wusste, dass ich mich fortan nur noch der Linguistik widmen und nach meinem Studium unbedingt promovieren möchte. Für den Master wechselte ich dann nach Münster, wo ich Angewandte Sprachwissenschaft studierte und schließlich auch mit der Promotion begann.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Am Ende meines Masters, als ich bereits eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin angeboten bekommen hatte, stellte sich natürlich die Frage, zu welchem Thema ich promovieren möchte. Meine Chefin erzählte mir damals, dass sie ein Projekt zur Kommunikation auf der Palliativstation beantragen möchte und ich in diesem Bereich dann promovieren könnte. Das Projekt kam in der geplanten Form leider nie zustande, aber für mich war ein Dissertationsthema geboren. Dass ich an diesem Thema trotz der fehlenden Einbettung in ein größeres Projekt, wie zu Beginn geplant, festgehalten habe, lag u.a. daran, dass ich mich auch unabhängig von meiner Promotion für die Thematik zu interessieren begann. Ich machte in der Folge die Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin und hoffe, mit meiner Forschungsarbeit vielleicht ein wenig mehr zu einer ‚guten‘ Kommunikation mit Palliativpatient*innen beitragen zu können.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Dissertation vergleiche ich das pflegerische und das ärztliche Sprechen mit Patient*innen auf der Palliativstation. Hierfür habe ich insgesamt 614 Pflege-Patient*in- und 250 Ärzt*in-Patient*in-Gespräche aufgenommen (Audioaufnahmen). Das sind insgesamt 103 Stunden Gesprächsmaterial und eigentlich viel zu viel Material für eine qualitativ ausgerichtete Arbeit … Die methodische Grundlage für meine Analyse bildet die linguistische Gesprächsanalyse, deren Wurzeln in der Soziologie liegen. Die große Frage, die jede gesprächsanalytische Arbeit umtreibt, ist die Frage nach dem WIE: Wie interagieren Menschen miteinander? Wie schaffen sie es dabei, ein geordnetes Gespräch zu erzeugen? In meiner Arbeit betrachte ich im Speziellen, welche sprachlich-interaktiven Praktiken Pfleger*innen und Ärzt*innen in ihren Gesprächen mit Patient*innen einsetzen. Dafür habe ich mir vier thematische Komponenten ausgesucht: Sprechen über Medikamente, Sprechen über Schmerzen, Sprechen über psychosoziales Krankheitserleben und Sprechen über Sterben und Tod.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Auch wenn fast alle Menschen eines Tages gerne zu Hause sterben wollen, sieht die Realität doch leider anders aus, da die meisten im Krankenhaus versterben. Ich möchte mit meiner Arbeit zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die pflegerische und ärztliche Kommunikation mit sterbenden Menschen in der Endphase ihres Lebens so ist, dass sie die palliativ betreuten Personen nicht noch zusätzlich belastet, sondern dass diese sich so gut wie möglich aufgehoben und begleitet fühlen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin ehrenamtlich als Sterbebegleiterin bei einem ambulanten Hospizdienst in Münster tätig. Das bedeutet, dass ich Menschen, die palliativ begleitet werden, zu Hause besuche und Zeit mit ihnen verbringe. Je nach Zustand der zu begleitenden Personen gehe ich mit ihnen spazieren, lese ihnen vor, unterhalte mich mit ihnen oder sitze einfach schweigend an ihrem Bett. Einmal im Monat gibt es einen Gruppenabend, bei dem sich die Ehrenamtlichen austauschen, und mehrmals im Jahr wird auch eine externe Supervision angeboten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nichts Besonderes, ich pflege eher die ‚durchschnittlichen‘ Hobbies. Ich koche gerne und würde auch gerne wesentlich öfter backen, aber zu zweit dauert es immer so lange, bis ein Kuchen aufgegessen ist ;-) Seit Kurzem habe ich das Tanzen (Standardtanz) für mich entdeckt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen muss nicht unbedingt sein (ich bin definitiv eine Lerche!), Frühstück auf dem Balkon, lesen (querbeet), Musik hören, ein Cafébesuch, über den Markt bummeln, eine kleine Radtour ins Grüne, backen und kochen, Dokus schauen. Insgesamt eine gute Mischung aus Stadt und Land.

Bitte begrüßt Isabella ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 3, 2020

Schau mir ins Gehirn, Kleines - Simon Eickhoff ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Simon Eickhoff (@INM7_ISN) vorstellen! Simon ist Neurowissenschaftler und leitet das Institut für systemische Neurowissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie das Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-7, Gehirn und Verhalten) am Forschungszentrum Jülich. An der Schnittstelle zwischen Neuroanatomie, Datenwissenschaft und Gehirnmedizin nutzt er künstliche Intelligenz (KI) zur detaillierteren Charakterisierung des menschlichen Gehirns und seiner interindividuellen Variabilität, um auf dieser Basis Veränderungen im fortgeschrittenen Alter sowie bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen besser zu verstehen. Ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist die Entwicklung und Anwendung neuartiger Methoden maschinellen Lernens zur Vorhersage kognitiver, sozioaffektiver und klinischer Eigenschaften bei individuellen Personen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt sind die ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI in der Medizin.


 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Zum Medizinstudium bin ich über den Zivildienst gekommen, dann zur Hirnforschung über meine Doktorarbeit in der Neuroanatomie. Von da war es dann ein langsamer Drift in die Bildgebung, die Kognitionsforschung, die Modellierung und zu guter Letzt das maschinelle Lernen bzw. die Datenwissenschaften. Zwischendurch habe ich allerdings auch drei Jahre klinisch als Psychiater gearbeitet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein aktuelles Arbeitsfeld war mehr eine Entwicklung als eine konkrete Entscheidung. Was hier hält ist die Mischung aus grundlegenden Erkenntnissen über unser Gehirn einerseits und die klare (klinische) Anwendungsperspektive andererseits.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Zentral sind für mich zwei miteinander zusammenhängende Fragen: Wie ist das menschliche Gehirn organisiert aber auch zwischen Personen verschieden? Können wir auf Basis von Bildgebungsdaten Rückschlüsse auf individuelle Eigenschaften ziehen?

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Gerade die Perspektive individuelle Rückschlüsse aus Bildgebungsdaten zu ziehen hat eine große gesellschaftliche aber irgendwann auch persönliche Relevanz. Können wir neurologische oder psychische Erkrankungen irgendwann besser erkennen oder ihren Verlauf besser vorhersagen? Wie werden Ärzte und Computer in der Zukunft zusammenarbeiten? Werden Assessment-Center durch den direkten Blick ins Gehirn ersetzt? Was macht das mit der individuellen Freiheit? Wo sind die Grenzen, wie sollen die Regeln aussehen?

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Tagsüber mit den Kindern im Zoo, abends mit Freunden grillen !

Bitte begrüßt Simon ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 3, 2019

Der Kampf gegen Tumoren - Maike Effern ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Maike Effern (@MaikeEffern) vorstellen! Maike ist (noch) Doktorandin in einer internationalen Graduiertenschule auf der Grenze zum Postdoc-Leben. Sie arbeitet auf dem Feld der Tumorimmunologie mit Fokus auf Resistenzmechanismen in der Melanomimmuntherapie.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war schon immer neugierig und in der Schule hat mich Biologie immer begeistert. Danach lag ein Studium in Naturwissenschaften nahe. Allerdings war ich mir lange nicht sicher, ob ich gerne an der Uni bleiben möchte oder doch nach meiner Doktorarbeit eher in die Industrie wechsel. Ich habe aber während meiner Doktorarbeit sehr gute Unterstützung durch meine Doktorväter gehabt, was am Ende meine Entscheidung an der Uni zu bleiben doch auch stark beeinflusst hat.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Schon als ich angefangen habe zu studieren, war für mich klar, dass ich in das Feld der Tumorbiologie möchte. Während meiner Masterarbeit habe ich ein Projekt bearbeitet was auf der Schnittstelle von Tumorbiologie und Immunologie lag und mir wurde bewusst, dass dieses Fachgebiet mich doch mehr begeistert als reine Tumorbiologie, weil es ein viel translationaleres Feld ist. In den letzten paar Jahren ist so viel in dem Feld der Tumorimmunologie passiert, dass den Meschen wirklich geholfen hat und es ist sehr schön zu sehen, dass das was man den lieben langen Tag im Labor macht, irgendwann wirklich jemandem helfen kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite daran zu verstehen, wie das Melanom Resistenz gegenüber einer ganz bestimmten Art von Immuntherapie (adoptiver T-Zell-Transfer) entwickelt. Diese Immuntherapie ist gerichtet gegenüber einem Molekül, welches von dem Melanom hergestellt wird, und somit von ganz bestimmten Immunzellen erkannt werden kann. Ich arbeite daran herauszufinden, wie der Tumor resistent gegenüber dieser Therapie werden kann, wenn man verschiedene Moleküle, die von dem Tumor hergestellt werden, aber eigentlich ganz verschiedene Eigenschaften haben, angreift. Das mache ich mittels CRISPR/Cas9 (Genschere) und im Mausmodell.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es gibt verschiedene Gründe, warum ich finde, dass die Öffentlichkeit sich für meine Forschung interessiert. In erster Linie sind Wissenschaftler auf Steuergelder und damit auf das Geld von Jedermann angewiesen, um forschen zu können. Ich denke aber auch, dass es wichtig ist, dass jeder die Grundlagen von Wissenschaft zu verstehen, um informierte Entscheidungen zu treffen. Ich arbeite in einem Feld, in dem sich in den letzten Jahren so viel getan hat. Letztes Jahr konnte man bei der Vergabe des Nobelpreises für Medizin sehen, dass Grundlagenforschung dazu geführt hat, dass heute Tausende von Menschen mit Krebs mit einem Medikament behandelt werden, die vor 5-6 Jahren quasi keine Überlebenschance gehabt hätten. Ich habe die Hoffnung, dass durch die Erkenntnisse von meiner Forschung, es möglich ist bessere Forschungsmodelle zu bauen, die eventuell dabei helfen, für einzelne Patienten Entscheidungen zu treffen, wie sie am besten behandelt werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin seit diesem Jahr beim Pint of Science Team in Bonn mit dabei und wir hatten im Oktober unser erstes Event in Bonn. Beim Pint of Science geht es darum, Wissenschaft für Jedermann zugänglich und verständlich zu machen und das in der schönen Umgebung von einer Bar/Pub.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich tauche leidenschaftlich gerne und bin immer noch auf der Suche nach einem Fernstudiengang im Fach Marine Biologie, um noch mehr über die verborgene Welt der Ozeane zu lernen und meine Leidenschaft für Wissenschaft und das Tauchen zu kombinieren.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, Kaffee, Freunde treffen, gutes Essen.

Bitte begrüßt Maike ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 8, 2019

Über wirksame Medizin und das Immunsystem - Andrea Kamphuis ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Andrea Kamphuis (@ak_text) vorstellen! Andrea ist Biologin. Ihre Doktorarbeit hat sie an der Universität Bonn in der Abteilung für Theoretische Biologie geschrieben, über die Schwerkraftorientierung des „Augentierchens“ (Gravitaxis bei Euglena gracilis). Nach langjähriger Tätigkeit in der Buchbranche, vor allem als Literaturübersetzerin und Sachbuchlektorin, arbeitet sie heute auf einer Teilzeitstelle im Stabsbereich Kommunikation des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in Köln. Seit ihrer Erkrankung an Hashimoto-Thyreoiditis im Jahr 2011 beschäftigt sie sich mit der Biologie des Immunsystems. 2018 hat sie den ersten Band ihres „Autoimmunbuchs“ selbst verlegt. Band 2 lässt noch eine Weile auf sich warten.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon als Kind war ich von der Natur fasziniert und als etwas eigenbrötlerische Jugendliche täglich stundenlang im Wald unterwegs. Mit 18 Jahren bin ich auf einer offenen Liste der „Grünen“ in der Kommunalpolitik gelandet. Ein Biologie-Studium lag da auf der Hand; nebenbei habe ich Bücher übersetzt und lektoriert. Später wollte ich Journalistin oder Autorin mit dem Schwerpunkt Natur werden; mein großes Vorbild war Horst Stern. Nachdem ich mich auf die eher brotlose Disziplin der Theoretischen Biologie spezialisiert hatte und meine mathematischen Fähigkeiten für eine Biologin zwar überdurchschnittlich, für eine Karriere in der Theoretischen Biologie aber m. E. nicht gut genug waren, habe ich im Anschluss an die Doktorarbeit die Forschung an den Nagel gehängt und das literarische Übersetzen und das freie Lektorat ausgebaut. 2012 sah ich dann in einem sozialen Netzwerk die Ausschreibung einer halben Stelle in der IQWiG-Kommunikation. Zack: Beworben, eingeladen worden, angestellt. Das war, glaube ich, die dritte Bewerbung überhaupt in meinem Leben – und zugleich die Rückkehr in eine wissenschaftliche Einrichtung.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Was meine Teilzeitstelle im Institut angeht: Ich finde, wissenschaftliche Einrichtungen sind es der Gesellschaft schuldig, ihre Arbeit und deren Bedeutung gut zu erklären. Das gilt erst recht, wenn die Bürgerinnen und Bürger diese Arbeit finanzieren (in unserem Fall über ihre Krankenversicherung) und wenn sich die Ergebnisse unmittelbar auf ihr Leben auswirken, was beim IQWiG der Fall ist. Und Autorin oder … räusper … Privatgelehrte für Autoimmunerkrankungen bin ich aus eigener Betroffenheit geworden: Mir tut es gut zu verstehen, wie das Immunsystem arbeitet und wieso es manchmal dauerhaft entgleist. Inzwischen hat sich meine Vermutung bestätigt, dass viele andere Menschen das ähnlich sehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Montags, mittwochs und freitags arbeite ich ganztägig im Institut. Mittwoch ist Sitzungstag: Morgens besprechen wir mit der Institutsleitung die aktuelle Nachrichtenlage und die bevorstehenden Termine und Pressemitteilungen. Darauf folgt alle zwei Wochen eine Teamsitzung – die einzige Gelegenheit, bei der sich alle aus der Kommunikation um einen Tisch versammeln, denn sonst fehlt immer jemand wegen Teilarbeit oder Homeoffice. Alternierend tagt die Leitungskonferenz des Instituts, an der ich ab und zu als Vertretung meines Chefs teilnehme. „Das Telefon“, also die Aufgabe, Anrufe an die Pressestelle entgegenzunehmen, habe ich zum Glück selten. Viel Zeit verbringe ich mit dem Schreiben und Abstimmen von Pressemitteilungen, von denen ein Großteil nach Schema F aufgebaut ist, weil die entsprechenden Gutachten des Instituts immer dieselbe Struktur haben. Zwischendurch twittere ich fürs Institut oder mache Monitoring: Spricht jemand über uns? Sollte ich intervenieren? Brauche ich dafür noch Informationen von Kolleg*innen aus den Fachressorts? Oder ich ergänze Wikipedia-Artikel über Arzneimittel um Kernaussagen aus unseren Gutachten und aus den entsprechenden Beschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses. (Das ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens in Deutschland.) Da wir mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten, sind wir auch relativ oft mit Beschaffungs- und Vergabeverfahren beschäftigt, also mit Bürokratie: unsexy, aber notwendig. Und oft steht plötzlich jemand in der Tür: „Kannst du mal eben …?“
Dienstags und donnerstags bleibe ich zu Hause. Eigentlich arbeite ich dann an Band 2 des Autoimmunbuchs: Ich recherchiere und lese Fachartikel, mache Exzerpte oder Zeichnungen, kümmere mich um den Vertrieb des ersten Bandes oder bereite Vorträge vor. Zurzeit fließt aber viel Energie in die „Scientists for Future“ und andere Aktivitäten rund um die Klimakrise.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Was die IQWiG-Gutachten angeht, darf man sich keinen Illusionen hingeben: Die Ergebnisse und erst recht die Methoden sind nur für eine begrenzte Fachöffentlichkeit interessant. Relevant sind sie aber für alle Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Denn nur das, was nachweislich nützt, kommt in den Leistungskatalog der Kassen, wird von ihnen also erstattet. (Na gut, das war jetzt arg idealisiert: Schließlich zahlen viele Kassen auch für Homöopathie, während wir unsere Brillen weitgehend selbst finanzieren dürfen.)
Und was das Autoimmunbuch betrifft, so sind Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden. Die meisten Menschen wissen sehr wenig über den Aufbau und die Arbeit des Immunsystems. Wenn das System dann dauerhaft versagt und unheimlicherweise Teile des eigenen Körpers zerstört, weckt das Ängste. Wissen tut gut!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Außerhalb meiner IQWiG-Arbeitszeit mache ich bei der Köln-Bonner Regionalgruppe der „Scientists for Future“ mit. Kann sein, dass ich euch während meiner Woche als Kuratorin ein bisschen mit dem Thema Klimakrise nerve und für die Teilnahme am sogenannten Klimastreik am 20.09. werbe. Kann nicht nur sein: Wird so sein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zusammen mit einem Freund, der Physiker ist, veröffentliche ich seit mittlerweile über 10 Jahren fast jeden Monat Fotos und Texte zu Mustern und Strukturen in der Natur. Irgendwann machen wir daraus mal eine Zeitschrift oder Jahrbücher. In einem Anfall von Größenwahn haben wir diesem Projekt den Namen „Principia“ gegeben, nach Isaac Newtons Hauptwerk. Wenn ich wandern gehe oder in der Küche oder auf dem Balkon werkele, achte ich immer darauf, ob sich dabei interessante Muster zeigen. So habe ich schon die Haut einer geräucherten Makrele an unser Küchenfenster gepappt, um sie im Durchlicht zu fotografieren. Und einen Beutel Rosenkohl nach linksdrehenden und rechtsdrehenden Köpfchen sortiert.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wandern und dabei fotografieren. Oder mein Balkongemüse pflegen. Lesen. Möglichst keine E-Mails abrufen, aber das gelingt mir eigentlich nur im Urlaub.

Bitte begrüßt Andrea ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 21, 2019

Sexualwissenschaft - Victoria Hartmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kuratorin Victoria Hartmann (@DoctorVictoria) vorstellen zu dürfen!

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich mich für Sexualwissenschaften interessiert. Es ist eine Leidenschaft.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Von meinem ersten Psychologieunterricht an der Universität war ich fasziniert vom sexuellen Verhalten. Ich war getrieben, die Sexualität zu verstehen und wie wir Menschen uns darüber fühlen. Ich bin immer noch fasziniert und der Reichtum meiner Karriere hält mich treu und konzentriert.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meinem Job kann ich einige interessante Dinge tun. Ich forsche nicht nur über unsere sexuelle Geschichte, sondern lerne auch verschiedene Disziplinen wie Anthologie und Neurowissenschaften kennen. Ich kuriere auch uralte sexuelle Artefakte und arbeite daran, die sexuelle Herkunft von Menschen zu erhalten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Sexualwissenschaft ist faszinierend und betrifft uns alle!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Manchmal besuche ich Pornokonferenzen und interviewe erwachsene Filmkünstler über ihre Arbeit. Ich moderiere auch eine Sex-Science-Show mit einem Kollegen auf YouTube und Patreon namens "Baking Naked".

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ja! Ich spiele Schlagzeug, fliege und studiere in meiner Freizeit Physik, Kosmologie und Quantenmechanik. In letzter Zeit verbringe ich einige Zeit mit meinem neuen Welpen Falkor.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Aus Las Vegas raus und mit meinem Mann zu warmen Quellen in der kalifornischen Wüste.

Bitte begrüßt Victoria ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 7, 2019

Insulinausschüttung unterm Mikroskop - Andreas Müller ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Andreas Müller (@Andi_Microscopy) vorstellen zu dürfen! Andreas ist in Radeberg nahe Dresden aufgewachsen und hat in Dresden Biologie studiert. Nach seiner Diplomarbeit 2009 in der Parasitologie fing er als MTA im Labor von Prof. Michele Solimena am Uniklinikum Dresden an, einem Labor mit Schwerpunkt in der Zellbiologie der Betazelle, die Insulin produziert und somit den Blutzuckerspiegel des Körpers reguliert. Er war anfangs auf Elektronenmikroskopie spezialisiert und hat für seine anschließende Doktorarbeit diese mit Lichtmikroskopie kombiniert und untersucht, wie sich verschiedene Pools von Insulin in den Betazellen verhalten. Für seine Doktorarbeit erhielt er 2017 den Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie (DGE). Seit Ende 2016 arbeitet Andreas als Postdoc am Paul Langerhans Institut Dresden und beschäftigt sich neben Elektronenmikroskopie vermehrt mit lichtmikroskopischen Methoden, wobei er herauszufinden versucht, wie Insulin in den Betazellen transportiert wird und ob die Insulinausschüttung durch Manipulation des Transportes verändern werden kann.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Biologie studiert. Als Kind haben mich zuerst Pflanzen und dann Spinnen und Insekten interessiert. Im Studium war ich erst eher auf Botanik fokussiert und habe dann für meine Diplomarbeit auf Zoologie umgeschwenkt. Da habe ich viel Elektronenmikroskopie gemacht und das hat mir auch nach dem Diplom eine TA-Stelle in der molekularen Diabetologie eingebracht, die dann in eine Doktorarbeit übergegangen ist.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Innerhalb der Diabetesforschung ist meine Arbeitsgruppe ein bisschen exotisch, weil wir einen zellbiologischen Hintergrund haben. Das finde ich ziemlich spannend, weil viele Aspekte der Insulinausschüttung und des Versagens der Betazellen bei Diabetes noch nicht wirklich gut verstanden sind. Daher gibt es eine Menge Grundlagenforschung zu tun und viel zu entdecken.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit dreht sich darum herauszufinden, wie Betazellen, die Insulin produzieren, das eigentlich machen und so genau regulieren können. Ich bin sehr auf Mikroskopiemethoden spezialisiert. Ich habe mit Elektronenmikroskopie angefangen und mache in letzter Zeit sehr viele Lebendzellaufnahmen. Es gibt ziemlich viele Diskussionen darüber, wie das Insulin, das in den Betazellen in tausenden kleinen Vesikeln gespeichert ist, innerhalb der Zelle transportiert und schließlich ausgeschüttet wird. Ich versuche diese Prozesse zu visualisieren und auch zu manipulieren. Dabei geht es erstmal darum zu sehen, wie der Normalzustand aussieht. Aber letztlich können wir auch die Zellen stressen um zu schauen, was bei beginnendem Diabetes passieren könnte.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich finde Grundlagenforschung sehr wichtig und denke auch, dass in der Öffentlichkeit kommuniziert werden sollte, dass wir dafür ergebnisoffen arbeiten müssen. Und zum Verständnis von Krankheiten ist es notwendig, genau zu wissen, welche zellulären Prozesse ablaufen und welchen Einfluss Medikamente darauf haben. Ich möchte auch ein bisschen was von der Begeisterung und Faszination teilen, die ich für Mikroskopie und Zellbiologie habe.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Mitglied bei prelights, einer Seite, auf der Wissenschaftler neue, interessante Preprints highlighten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich fotografiere gern und hatte auch mit Freunden eine kleine Galerie in Dresden. Durch die Arbeit ist das aber etwas eingeschlafen. Außerdem liebe ich Musik und sammle Vinyl.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein Sohn liebt es in den Zoo zu gehen. Da bestehen die freien Tage in der Regel aus einem Zoobesuch und Eis essen.

Bitte begrüßt Andreas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, February 17, 2019

Von der Wissenschaft zum Journalismus - Michaela Maya-Mrschtik ist jetzt wieder bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns unheimlich, euch eine neue alte Kuratorin präsentieren zu dürfen: Michaela Maya-Mrschtik (@MiMrMa) hat uns im April 2017 schon einmal beehrt. Was sich seitdem bei ihr getan hat, wird sie uns diese Woche erzählen.

Wie bist du im Wissenschaftsjournalismus gelandet?
Als ich das letzte Mal den Real-Scientists-Account kuratiert habe, war ich gerade mit meinem Redaktionspraktikum bei Spektrum fertig und hatte eine Stelle als Content Manager angenommen. In der Position war ich dann etwas länger als ein Jahr. Letztes Frühjahr konnte ich mich auf eine Redaktionsstelle bewerben - das war genau das, was ich gerne machen wollte! Zum Glück habe ich sie auch bekommen. Mittlerweile arbeite ich seit fast einem Jahr als Redakteurin für Medizinthemen bei Gehirn&Geist.

Warum Wissenschaftsjournalismus?
Jeder Tag ist ein Tag, an dem ich etwas Neues lernen kann. Das macht viel Spaß, ist aber auch sehr anspruchsvoll - eine tolle Mischung. Nach dem PhD war mir klar, dass ich nicht mehr im Labor arbeiten will, dass ich aber dennoch nicht ganz aus der Wissenschaft aussteigen will. Der Job im Wissenschaftsjournalismus hat mir das ermöglicht. Ich bleibe informiert, lese viel und kann spannende Forschung mit vielen Menschen teilen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Als Redakteurin schreibe ich selbst nicht mehr viel. Ich bearbeite vor allem Rohfassungen von Artikeln, die Journalist*innen oder auch Forscher*innen geschrieben haben, und mache sie so publikationsreif. Ich bin ein bisschen so wie jemand, der in einem kleinen Kämmerchen einen Rohdiamanten zum Brillanten schleift (oder das zumindest versucht, haha). Meine Arbeit passiert großteils im "Verborgenen": ihr seht sie nicht, denn ihr lest nur das Endergebnis. Es ist zwar keine besonders ruhmreiche Tätigkeit, aber ich finde sie ist wichtig und durchaus erfüllend.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit dafür interessieren, was ihr Journalisten so treibt?
Gerade jetzt finde ich es wichtig, darüber zu reden, wie (Wissenschafts-)Journalismus funktioniert und wie Journalist*innen arbeiten, beziehungsweise arbeiten sollten. Das Misstrauen in meine Kolleg*innen und mich ist gefühlt hoch, und in mancher Hinsicht auch verständlich. Ich hoffe, ich kann euch diese Woche zeigen, dass viele Journalist*innen gewissenhaft arbeiten, und dass es viele Fallstricke gibt, die wir bei unserer Arbeit beachten müssen. Das gilt ganz besonders für mein Spezialgebiet, die Medizin.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Zur Weiterbildung mache ich gerade ein Journalismus-Fernstudium - da ich als Wissenschaftlerin quereingestiegen bin, will ich meinen Nachholbedarf in dem Bereich so ausgleichen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zählen die zwei Kätzchen? Die halten mich auf jeden Fall auf Trab! Sonst das Übliche: Kochen, Lesen, Reisen, bei Gelegenheit auch gerne Fotografieren. Hin und wieder stricke ich auch, aber die Katzen erlauben das nicht mehr so oft.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Jetzt gerade sehne ich mich nach etwas Entspannung: Ein Tag am Meer mit gutem Essen und gutem Wetter, oder alternativ ein Tag, an dem ich mit den Katzen spiele und ein gutes Buch lese, und dabei Pizza und Pancakes esse.

Bitte begrüßt Michaela ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 27, 2019

Der Kampf gegen Krebs - Marlene Heckl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Marlene Heckl (@MarleneHeckl) vorstellen! Marlene studiert Medizin an der Technischen Universität München und ist momentan im Praktischen Jahr am Institut für Pharmakologie und Toxikologie, wo sie E-Learning-Projekte zur allgemeinen und speziellen Pharmakologie entwickelt. Ihre Doktorarbeit schreibt sie am Pathologischen Institut der LMU München über molekulare Entstehungsmechanismen bei Eierstock- und Gebärmutterkrebs.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon in der Schule lagen mir eher die wissenschaftlichen Fächer. Ich habe auch ein paar Mal an Wettbewerben wie Jugend forscht teilgenommen und Praktika bei Forschungsunternehmen und in Kliniken gemacht. Ich wollte den Dingen immer gerne genauer auf den Grund gehen und wissen warum etwas so ist wie es ist. Die Laborarbeit gefiel mir sehr gut, sodass ich dann auch im Rahmen meines Medizinstudiums Wahlfächer in diesem Bereich (z.B. am Institut für Neurophysiologie) belegt habe. Nach dem ersten ärztlichen Staatsexamen entschied ich mich dann eine experimentelle Doktorarbeit im Labor von Prof. Mayr zu beginnen, die auf dem Gebiet der gynäkologischen Pathologie arbeitet.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Jeder kennt Menschen in seiner Familie oder in seinem Umfeld, die schon einmal mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurden. Mich interessiert schon lange wie es eigentlich dazu kommt, dass eine normale gesunde Körperzelle plötzlich entartet. Meine Doktorarbeit bot mir die ideale Gelegenheit hier einmal etwas in die Tiefe zu gehen und die molekularen Entstehungsmechanismen von Eierstock- und Gebärmutterkrebs genauer zu untersuchen. Was mich in der Wissenschaft hält ist vor allem meine Neugier...

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich untersuche verschiedene Tumorsuppressoren (Proteine, die normalerweise dafür sorgen, dass wir keinen Krebs bekommen) in Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Ich versuche herauszufinden, ob man für ganz bestimmte Tumorarten charakteristische Muster aus funktionierenden/defekten Proteinen erkennen kann und setze das anschließend in Korrelation mit bestimmen Parametern wie Aggressivität des Tumors, Überleben, Rückfallrate, usw. Im Prinzip möchte ich damit die Tumoren der betroffenen Frauen genauer charakterisieren. Als zweites Gebiet untersuche ich außerdem noch den Zusammenhang zwischen Gebärmutterkrebs und Endometriose, da einige Daten daraufhin deuten, dass es Verbindungen zwischen den zwei Erkrankungen geben könnte.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Arbeit ist im Prinzip Grundlagenforschung. Es ist aber sehr wichtig, dass wir Forscher Tumoren immer besser untersuchen und herausfinden was zu ihrer Entstehung und Entwicklung beiträgt, um daraus irgendwann zielgerichtete Therapien entwickeln zu können. Das große Ziel ist es maßgeschneiderte Medikamente für Krebspatienten entwickeln zu können (Stichwort: personalisierte Medizin). Jedes Jahr erkranken in Deutschland 400.000 (weltweit 10 Millionen) Menschen neu an Krebs. Und obwohl wir Behandlungen wie die Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie haben, sterben immer noch knapp die Hälfte aller Tumorpatienten. Deswegen ist es wichtig neue, spezifischer ausgerichtete Behandlungsansätze zu entwickeln.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im Praktischen Jahr hat es mich momentan an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der TU München verschlagen, wo ich mich vor allem in der Lehre engagiere. Ich entwickle hier sogenannte Pharmacases (realitätsnahe Fallbeispiele aus dem klinischen Alltag), die im E-Learning-Format von Medizinstudenten zur Erlernung praxisrelevanter Aspekte der allgemeinen und speziellen Pharmakologie genutzt werden.

Nebenbei betreibe ich einen Blog (Marlenes Medizinkiste), bei dem ich regelmäßig Artikel über Medizin, Gesundheit und Forschung veröffentliche. Das Schreiben und Berichten über wissenschaftliche Themen macht mir unglaublich viel Spaß und bietet eine gute Abwechslung vom normalen Studienalltag. Letztens ist auch noch ein dazu passender youtube-Kanal (MediTutor) hinzugekommen, bei dem ich mich filmerisch in der Wissenschaftskommunikation ausprobiere.

Ansonsten engagiere ich mich noch ehrenamtlich im Verein „Aufklärung gegen Tabak“ - eine Gruppe von jungen Ärzten & Medizinstudenten, die mit Schulkindern über die Gefahren des Rauchens spricht.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessant könnte sein, dass ich neben dem Klavierspielen und (im Chor-)Singen auch selber komponiere. Vor allem Stücke für Klavier, ich habe aber auch schon ein paar Orchesterstücke geschrieben. Das gibt mir Gelegenheit mich ein wenig kreativ auszutoben und nach einem anstrengenden Arbeitstag runterzukommen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auf jeden Fall ausschlafen – ich bin eine echte Langschläferin, wenn man mich lässt. Dann gemütlich brunchen, etwas in der freien Natur unternehmen (z.B. mit meinem Hund spazieren/wandern gehen), abends ein paar Freunde treffen und den Abend dann gemütlich in einer Bar oder einem schönen Film ausklingen lassen.


Bitte begrüßt Marlene ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 13, 2019

Hatschi! - Florian Krammer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Florian Krammer (@florian_krammer) vorstellen zu dürfen! Florian studierte Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien, graduierte mit einer Doktorarbeit über Influenzaimpfstoffe und begann 2010 als PostDoc an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York im Labor von Peter Palese zu arbeiten. Seit 2014 leitet er sein eigenes Labor und ist seit ist er 2018 'full professor with tenure'. Seine Arbeitsgruppe hat sich der Entwicklung universeller Influenzaimpfstoffe verschrieben, die vor allen Influenzaviren (inklusive Schweine- und Vogelgrippe) schützen. Des weiteren forscht er auch an Hantaviren und Arenaviren und interessiert sich für Antikörper die diese Viren neutralisieren können.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war immer schon an Natur und Biologie interessiert und wusste bereits im Gymnasium was ich studieren wollte und dass ich in die Forschung gehen würde.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Viren sind faszinierend, extrem divers und abwechslungsreich und bereiten gleichzeitig viele Probleme. Impfstoffe und Therapien für virale Infektionen zu Entwickeln ist aufregend, hilft Menschen und man lernt sehr viel über die Biologie der einzelnen Viren dabei. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich versuche einen Impfstoff zu entwickeln, der nur 2-3 mal im Leben verabreicht werden muss aber gegen jegliche Form von Influenzavirus schützt. Das ist eine große Herausforderung. Wir haben sehr gute Kandidaten, auch schon in klinischen Studien, aber man kann noch nicht sagen ob es am Ende funktionieren wird oder nicht. Zusätzlich arbeite ich auch an Antikörpern gegen Hanataviren, Arenaviren, Zika und Ebola. Aber das ist eher ein Hobby. Influenza ist der wirkliche Fokus meines Labors.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Influenzaviren verursachen etwa 650,000 Todesfälle und 3-5 Millionen Krankenhausaufenthalte jedes Jahr weltweit. Die Impfstoffe die wir gegen Influenza haben funktionieren (lasst euch impfen, Leute!), aber nicht immer weil sich das Virus ständig verändert. Und dann sind da noch Influenzapandemien die auftreten wenn Vogel- oder Schweinegrippeviren anfangen sich in Menschen auszubreiten. 1918 hat das zu 40 Millionen Toten gefürht. Wir haben noch immer keine gute und schnelle Antwort auf neueauftretende pandemische Viren. Ein universeller Impfstoff gegen Influenza würde all diese Probleme beseitigen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Nichts interessantes, leider. Ich bin Editor für ein paar Journals, ich helfe Konferenzen zu organisieren.....eher fad.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nichts außergewöhnliches. Laufen, Wandern, Schifahren und Radfahren mag ich gerne, ist aber nichts außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist, dass ich sehr gerne Angle, vor allen im Antlantik, obwohl ich Veganer bin. Mein Frau mag Fisch ;)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mh, lange nicht mehr gehabt. Sport, Kaffee, Lesen, Kochen und eine Flasche guter Rotwein.

Bitte begrüßt Florian ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 22, 2018

Kampf den Antibiotikaresistenzen - Uli Klümper ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Uli Klümper (@UliKluemper) vorstellen! Uli hat in Duisburg-Essen „Water Science“ studiert und 2009 seinen Bachelor- und 2011 seinen Mastertitel erworben. Nach Forschungsaufenthalten in Wales und Hong Kong hat er seine Doktorarbeit unter Anleitung von Prof. Barth F. Smets an der Technical University of Denmark in Lyngby verfasst und 2015 abgeschlossen. Anschliessend verbrachte er einen zweijährigen Postdoc im European Centre for Environmental and Human Health an der University of Exeter, UK. 2017 erhielt er ein Individual Research Fellowship vom europäischen Marie-Curie-Forschungsprogramm um mit Prof. Angus Buckling und Prof. Will Gaze im College of Life and Environmental Sciences, University of Exeter an der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in bakteriellen Gemeinschaften zu forschen.
  
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon während der Schulzeit war ich mir eigentlich immer sicher, dass ich etwas mit Naturwissenschaften studieren wollte. Nachdem ich mich während meines „Water Science“ Studiums (Universität Duisburg-Essen) über diverse Forschungsprojekte und Auslandsaufenthalte (Wales, Hong Kong) einmal in der Universitätswelt eingelebt hatte, war mir eigentlich klar, dass eine wissenschaftliche Karriere genau das richtige für mich ist. Entsprechend habe ich mir eine PhD-Stelle im Ausland (Technical University of Denmark) gesucht und kann mir auch nach dem jetzigen Wechsel zum PostDoc aktuell nur schwer vorstellen, der Wissenschaft und Forschung in der Zukunft den Rücken zu kehren. Einer meiner liebsten Aspekte in der Wissenschaft ist die Möglichkeit, Kollaborationen mit Laboren aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen einzugehen und über Reisen zu Konferenzen verschiedene Teile der Welt zu erkunden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während meiner Masterarbeit in Hong Kong habe ich realisiert, dass ich gerne eine längere Zeit im Ausland verbringen möchte und mich entsprechend auf die Suche nach PhD Stellen in der angewandten Mikrobiologie gemacht. Auf ein bestimmtes Feld hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht festgelegt und mir auch Stellen in biologischer Abwasserreinigung und Bioremediation von mit Schadstoffen belasteten Ökosystemen angeschaut. Im Nachhinein bin ich allerdings sehr froh über meine finale Entscheidung, mich während meiner Doktorarbeit der Ausbreitung von Resistenzgenen in bakteriellen Gemeinschaften zu widmen. Antibiotikaresistenzgene, vor allem in Krankheitserregern, werden zu einem immer grösseren Problem für unsere Gesundheit, da die herkömmlichen Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Die Arbeit in einem gesundheitsrelevanten Bereich ist motivierend und herausfordernd und gibt mir das Gefühl, mit meiner Arbeit einen Unterschied ausmachen zu können. Da Bakterien nicht nach Tarifplan arbeiten, ist meine Arbeitszeit außerdem sehr flexibel, je nachdem wie ich meine Experimente plane. Diese Freiheit in der Gestaltung meiner Forschung und Arbeitszeit will ich auf keinen Fall missen, auch wenn es hin und wieder mal unerwarteter Weise ein Wochenende kosten kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin aktuell seit 2.5 Jahren in Penryn (UK) and der University of Exeter, zuerst als Postdoctoral Research Fellow und nun als individueller Forscher finanziert über das europäische Marie-Curie-Forschungsprogramm. Als Mikrobiologe befinde ich mich tagtäglich im Labor, wo ich mich mit meinen Bakterien beschäftige. Bakterien leben in der Umwelt in sehr diversen Gemeinschaften von mehreren Milliarden Mikroorganismen und in meiner Forschung nutze ich jene Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt von Schweinen vorkommen, als Modell. Entsprechend begebe ich mich regelmässig auf eine lokale Schweinefarm um Stuhlproben der dort ansässigen Schweine einzusammeln. Im Labor kultivieren wir die Bakterien aus diesen Proben, um sie in meinen Experimenten zu nutzen. In meinem Projekt versuchen wir jene Umweltbedingungen zu identifizieren, in denen ein Bakterium das resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum ist einen selektiven Wachstumsvorteil gegenüber einem für dieses Antibiotikum anfälliges Bakterium hat, und sich dadurch ausbreiten kann. Auf diesem Wege können wir dann in der Zukunft Massnahmen treffen, um diese Bedingungen die zur Ausbreitung von Resistenzen beitragen zu vermeiden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Antibiotikaresistenz und im speziellen die Entstehung und Ausbreitung von multiresistenten Krankheitserregern steht auf der Liste der Gefahren für die zukünftige Gesundheit der Menschheit sehr weit oben. Diese Superbugs sind mit den aktuell klinisch verfügbaren Antibiotika nicht mehr behandelbar und somit ein sehr komplexes und auch internationales (Bakterien kennen keine Grenzen) Problem für unsere Gesundheit.
Ein vom britischen Gesundheitsministerium veröffentlichter Report aus dem Jahr 2014, schätzt, dass falls keine Maßnahmen ergriffen werden, im Jahr 2050 mit bis zu 50 Millionen Todesfällen pro Jahr durch resistente Bakterien zu rechnen ist. Es ist also essentiell, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, um schnellstmöglich eingreifen zu können.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele aktuell mehrmals die Woche aktiv Fußball, gehe regelmässig und sehr gerne auch ins Stadion um unseren lokalen Verein zu unterstützen. Zudem bin ich ein großer Fan von Brettspielen und mindestens einmal die Woche findet man mich im Pub um an einem Pubquiz teilzunehmen. Um als Ausgleich zur Laborarbeit in die Natur zu kommen, schnappe ich mir ausserdem regelmäßig mein GPS-Gerät und begebe mich auf die Suche nach versteckten Geocaches an schönen Orten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer Tag beginnt mit langem Ausschlafen, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück mit echtem deutschen Aufschnitt (den ich hier in England wirklich vermisse). Anschliessend geht es bei bestem Wetter ins Fussballstadion um unseren lokalen Verein zu supporten. Um den Tag ausklingen zu lassen, begebe ich mich anschließend an den Strand um bei Sonnenschein einen ausgiebigen Grillabend mit Freunden zu verbringen.

Bitte begrüßt Uli ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 15, 2018

Globukalypse now - Natalie Grams ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch eine alte Bekannte vorzustellen: Natalie Grams (@nataliegrams1)! Vor genau einem Jahr sie hat uns zum ersten Mal als Kuratorin beehrt. Seitdem ist einiges passiert -- unter anderem hat sie ein neues Buch veröffentlicht -- und das wollten wir uns von ihr persönlich erzählen lassen.

Das Interview vom letzten Jahr findet ihr hier, und so stellt sich Natalie in ihren eigenen Worten vor:

Ich bin Ärztin und ehemalige Homöopathin. In meinem Buch "Homöopathie neu gedacht" beschreibe ich meinen Weg heraus aus der Homöopathie, breche darin aber auch eine Lanze für mehr Empathie und Zuwendung in der normalen Medizin. Als Kommunikationsmanagerin der GWUP und als Leiterin des Informationsnetzwerks Homöopathie setze ich mich mit Leidenschaft und Engagement dafür ein, dass Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden.
Dazu erschien im Oktober 2017 auch mein Appell für eine vernünftige Medizin „Gesundheit! Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen“.

Ich setze mich vielfältig für Aufklärung rund um falschen Glauben, Esoterik und Alternativmedizin ein. Zum Bespiel für den Deutschen Konsumentenbund, als ehrenamtliche Vize-Präsidentin des Humanistischen Pressedienstes, als Beirätin der Giordano-Bruno-Stiftung sowie als Mitglied im Münsteraner Kreis.

Bitte begrüßt Natalie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 31, 2017

Gesundheit fürs Volk - Susanna Bächle ist jetzt bei Real Scientists DE!

Ein frohes Neues Jahr an alle Real-Scientists-DE-Leser! Wir freuen uns auf ein aufregendes 2018, und auf unsere neue Kuratorin Susanna Bächle (@SusannaMBachle), die es für uns einläuten wird.
Susanna ist studierte Biomedizinerin, die es auf dem Weg bis zu ihrer Promotion am ehrwürdigen Karolinska Institutet in Stockholm schon bis nach Australien verschlagen hat. Ihr besonderes Interesse gilt der Verbindung ihrer wissenschaftlichen Interessen - Virologie/Immunologie - und Unternehmertum, sowie der Open-Science-Bewegung. Aktuell arbeitet sie als "outreach scientist" für die wissenschaftliche Nonprofit-Organisation Addgene in Boston. "Nebenbei" engagiert Susanna sich beim MIT European Club und der Association for Women in Science.


Hier ist Susanna in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war neugierig, wie der Mensch funktioniert und Krankheiten auf molekularer Ebene ablaufen

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Krankheitserreger finde ich absolut faszinierend!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Siehe oben - ich habe in meiner laborwissenschaftlichen Karriere mit Bakterien, Parasiten und Viren gearbeitet - immer im Bezug dazu, wie sie es schaffen, das menschliche Immunsystem auszutricksen, oder sogar für sich zu benutzen. Heute arbeite ich mit vielen Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, da ja Plasmide überall eingesetzt werden. Ich bekommen Einblicke in neue Methoden und spannende Projekte. Das ist allerdings, wie gesagt ein sehr sehr breiter Bereich und daher schwer unter ein Stichwort zu packen. Ich denke der rote Faden bei meiner Arbeit für Addgene ist Open Science.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Sowohl das Zusammenspiel Pathogen-Immunsystem als auch Open Science sind sehr wichtige aber auch aktuelle Themen. Wir haben gerade die Zika-Geschichte vergessen und vermeiden es, an die Cholera-Katastrophe im Yemen zu denken. Ausserdem denkt man über CRISPR-Lösungen für HIV nach. Gleichzeitig gibt es eine neue Bewegung für Open Science, gegen überteuerte Abos von wissenschaftlichen Journals und Deutschland hat da gerade vorgelegt mit dem Widerstand gegen Elsevier. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Vice President des MIT European Clubs. Der European Club hat zum Ziel, Kulturen zusammenzubringen und Europa als Arbeitgeber und Wohnsitz vorzustellen. Wir organisieren die grösste US-EU Uni Karrieremesse jedes Jahr im Februar am MIT. // Ich bin auch Mentorin für AWIS - Association für Women in Science - auch ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin ein grosser Tierfreund und wohne mit einer exzentrischen Katzendame zusammen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Schönes Wetter, raus gehen eine Wanderung machen hier in den Bergen oder im Wald, oder an den Strand ;) und danach Abends in einer kleinen Brauerei oder Weinbar mit Freunden den Abend ausklingen lassen.


Bitte begrüßt Susanna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 26, 2017

Wenn dich der Schlag trifft - Ahmed Khalil ist jetzt bei Real Scientists DE!


Diese Woche freuen wir uns sehr, Ahmed Khalil (@AhmedAAKhalil) als neuen Kurator begrüßen zu dürfen! Ahmed hat an der University of Medical Sciences & Technology im Sudan (seinem Heimatland) Medizin studiert und ein Jahr als Arzt in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet. Danach hat führte er sein Studium in Europa weiter - an der University of Edinburgh (PGDip, innere Medizin), der Université Bordeaux (MSc, Neuropsychopharmakologie) und der Charité Berlin (MSc, medizinische Neurowissenschaften). Derzeit promoviert er an der Charité (in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig und der Berlin School of Mind and Brain) zum Thema “Klinische Anwendung der Schlaganfall-Bildgebung”.
Abseits des Schlaganfalls interessiert sich Ahmed für Wissenschafskommunikation und war Chefredakteur des Newsletter seines Graduiertenprogramms.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon während meines Medizinstudiums interessierte ich mich für Forschung und dieses Interesse wuchs schnell danach. In meiner bisher kurzen Zeit als Kliniker habe ich mich gefragt, wie man die großen Fragen, die täglich in der Klinik auftauchen, angehen kann. Das führte zu meiner Entscheidung, einen Master zu machen und mich zu promovieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich wollte am Anfang etwas mit klinischen Daten (d.h. mit Daten von Patienten) tun. Da die meisten neurowissenschaftlichen Studien Tiere oder gesunde Probanden verwenden, blieben nur wenige Möglichkeiten. Eine davon war die medizinische Bildgebung, und in Berlin wird besonders viel über Schlaganfall geforscht. Dass der Schlaganfall viel einfacher erscheint, als er wirklich ist (auch für Mediziner), hat mich auch sehr angesprochen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Alltag arbeite ich sehr viel am Computer: Programmieren, Datenanalyse und Bildverarbeitung, hauptsächlich mit Daten von Schlaganfallpatienten, manchmal auch von Tieren. Als Doktorand betreue ich Student/-innen und versuche, jede Woche 3-4 wissenschaftliche Paper zu lesen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und betrifft jährlich mehr als 200.000 Menschen. Derzeit werden viele Patienten nicht angemessen behandelt, weil Ärzte nicht immer klar erkennen können, wer von der Behandlung profitieren wird und wer nicht. Wir versuchen das (schrittweise) zu ändern.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin in der Redaktion des Newsletter meines Graduiertenprogramms tätig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele ab und zu Fußball und lese gerne Bücher.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich chille gerne im Bett, höre Musik oder schaue mir Netflix an. Im Idealfall hätte ich eine Katze neben mir (derzeit kann ich aber mit der Verantwortung nicht umgehen). Vielleicht gehe ich danach mit Freunden essen.


Bitte begrüßt Ahmed ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 23, 2017

Einblick in die Palliativmedizin - Annette Nijjar ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns außerordentlich, euch heute Annette Kristina Nijjar (@annij12) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Annette ist Ärztin in der Palliativmedizin an der University of Minnesota in Minneapolis (in Annettes eigenen Worten: "wie es ein Freund mal so schön gesagt hat: 'Da sieht man mal, dass es auch am Arsch der Welt richtig schön sein kann'").
Annette ist nicht die erste Medizinerin hier bei Real Scientists DE, aber die erste Kuratorin aus dem Bereich Palliativmedizin und Medizinethik. Wir freuen uns sehr darauf zu hören, was sie uns aus diesem Feld zu berichten hat.



Erfahrt mehr über Annette hier in ihren eigenen Worten:

Für mich war es schon immer schwierig zu entscheiden, was mich jetzt eigentlich mehr interessiert als (fast) alles andere. Besonders in den Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften. Für eine ganze Weile sah es so aus, als würden ich bei den Geisteswissenschaften landen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich dann doch nicht ohne Naturwissenschaften kann. Dieses Gefühl etwas wirklich verstanden zu haben, Schritt für Schritt nachvollziehen zu können, und es dann am besten noch in ein größeres System einzufügen, macht Lust auf mehr. Und mein kleines Abiturientenhirn dachte sich dann, dass Medizin doch prima wäre, weil irgendwie alles drin steckt. 

Ich habe in der Inneren Medizin angefangen. Allerdings hat mir dort immer etwas gefehlt. Ich hatte oft das Gefühl, bestimmten Werten, Erwartungen des Systems usw hinterherzurennen. Absurd war, dass ich die Patienten dabei oft eher als Störfaktor wahrgenommen habe. DIe Palliativmedizin ist einer der wenigen Bereiche in der Medizin, wo wir den Luxus haben, uns Zeit mit den Patienten und ihren Familien zu nehmen. Wir konzentrieren uns auf das, was dem Patienten selbst wichtig ist, auf seine Ziele und Hoffnungen. Und das ist unglaublich befriedigend. Ich bin zum Beispiel jedesmal total happy, wenn ich einen Eisbecher als durchaus gesunde Mahlzeit empfehlen darf, und sich Erwachsene dann triumphierend darüber freuen.  

Ich habe das Glück, in einem super Team arbeiten zu dürfen. Wir treffen uns jeden morgen und besprechen alle unsere Fälle. Danach verbringen wir viel Zeit mit unseren Patienten - und leider auch sehr viel mit Dokumentation am Computer. Wir betreuen Patienten mit schweren, oft lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die drei Bereiche, die wir abdecken, sind die Symptomkontrolle (Schmerzen, Übelkeit, Juckreiz usw), psychologische Unterstützung und Vorausplanung der Behandlung. 

Krankheit, Sterben und Tod gehen jeden etwas an. Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaften altern, ist es hilfreich, sich gelegentlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Und oft kann ein relativ kurzes Gespräch einen echten Unterschied machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Früher wäre das ganz klar meine Geige gewesen, und Reisen. Jetzt ganz klar abgelöst von meinen zwei Kindern. Das Erstaunlichste am Elterndasein war bisher, dass man doch irgendwie in jedes Klischee tappt. Nur dass man es auf einmal versteht, was die Leute immer gemeint haben. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Erstmal gemütlich ausschlafen, dann Frühstück mit frischen Brötchen. Und natürlich einem Haufen guten Kaffee. Dann mit den Kindern und Freunden an den See und den Tag einfach so dahinplätschern lassen, den Blättern im Wind zuschauen, gelegentlich zum Abkühlen ins Wasser...

Bitte begrüßt Annette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 16, 2017

Die Furcht an sich verstehen - Jan Haaker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch heute Jan Haaker (@janhaaker) als neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Jan ist Arbeitsgruppenleiter (und eigentlich Apotheker) am Institut für Systemische Neurowissenschaften, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort untersucht er, wie Furchtreaktionen und Furchkonditionierung im Gehirn funktionieren.

Erfahrt mehr über Jan, hier in seinen eigenen Worten:

Ich war schon immer von Forschung und Forschern/innen fasziniert. Außerdem waren Chemie und Neurotransmitter immer interessant für mich. Die Entscheidung für mich Pharmazie zu studieren kam als ich Zivi war (Dank meiner beiden Chefs!). Aber ich konnte mir nicht vorstellen, Apo
theker zu werden. Im Studium war dann klar, dass ich nicht für die Apotheke gemacht bin. Dann konnte ich als Hiwi und später als Forschungspraktikant in die Wissenschaft reingucken und wusste, dass ich hier richtig bin. Ich hab dann meinen Prof. für Pharmakologie gefragt, ob man vielleicht erst einmal ausprobieren sollte, ob man promovieren kann und möchte. Er hat gesagt: “ Die Promotion ist ein Abenteuer, in das man direkt wie ins kalte Wasser rein springen muss”. Dann bin ich gesprungen.

Ich arbeite in der Grundlagenforschung von Furchtreaktionen im Menschen (wir nutzen vor allem Furchtkonditionierung). Dabei kombiniere ich Pharmakologie mit neurowissenschaftlichen Methoden (funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRT).
Dass ich im Feld der Pharmakologie arbeite, ist ganz klar mein Interesse, welches auch schon bestimmend für mein Pharmaziestudium war.
Dass ich in den Neurowissenschaften mit dem Thema Angst und Furcht gelandet bin, ist dann teilweise Zufall. 
Im Studium habe ich als Hiwi in der pharmazeutischen Chemie gearbeitet. Durch einen Zufall war ich dann für ein Forschungspraktikum in einem neurowissenschaftlichen Labor im Ausland, welches den Einfluss von frühkindlicher Trennung auf Neurotransmitter im Tiermodell untersucht hat. Ich war total verblüfft, dass solche negativen Erfahrungen eine Auswirkungen auf die Balance der Neurochemie hat. Damit war direkt mein Interesse an negativen Emotionen im Feld der Neurowissenschaften geweckt. Zur Promotion habe ich mich dann bei zwei Laboren beworben, die beide Furcht und Angst neurowissenschaftlich untersuchen: Im Menschen am Uniklinikum Hamburg und im Tiermodell an der Uni Münster. In Hamburg konnte ich dann früher anfangen und so bin ich im Feld gelandet.
Später habe ich die Tierforscher aus Münster wieder getroffen und wir haben zusammen ein translationales Projekt in Mensch und Maus gemacht. Diese Verbindung war eine großartige Erfahrung und ich arbeite heute noch mit den Leuten zusammen.
Mich hält es im Feld, dass ich immer noch neue Sachen lernen kann. Am Anfang als Doktorand waren die psychologischen Konzepte für mich Neuland, heute sind die neuen Analysemethoden im fMRT eine Herausforderung, die Spass macht. Aber auch die erwähnte Translation ist spannend. Wir untersuchen einen sehr grundlegenden Prozess (Furchtkonditionierung), der z.B. in Meeresschnecken, Ratten, Mäusen, Affen und Menschen funktioniert. 
Ein interessanten Ansatz aus einem Tiermodell in den Menschen zu übertragen, finde ich sehr spannend!

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Psychopharmakologie von 2 Prozessen:
 1) wie man Furchtreaktionen von anderen Menschen lernt (durch Beobachtungslernen) und
 2) wie man Angst wieder “verlernt” (Furcht-Extinktion). 
Beides sind wichtige Prozesse: 1) Wir lernen nicht alles aus eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Beobachtung der Erlebnisse von anderen. Gerade das Miterleben von negativen Ereignissen (z.B. eine Person ,die vom Hund gebissen wird, oder einen Unfall hat) löst dann auch bei uns selbst in ähnlichen Situationen Furcht aus. Und das ist gut so! Wir brauchen die Furcht, um uns zu schützen. Leider wissen wir nicht, welche Neurotransmitter dabei eine Rolle spielen. Beim Lernen aus eigenen negativen Erfahrungen ist das schon eher klar, beim sozialen Beobachtungslernen gibt es keine pharmakologischen Studien (noch nicht!).
2) Die Furchtreaktionen in Situationen wieder zu reduzieren, die sicher sind, ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft. In einer Verhaltenstherapie ist dies ein wichtiger Inhalt: Sicherheit lernen zu Objekten, die eigentlich Furcht, Angst oder Panik auslösen. Es gibt schon pharmakologische Forschung, wie man diese Prozesse verbessert werden können. Beispielsweise habe ich mich in meiner Doktorarbeit damit beschäftigt, wie man mit Dopamin diese Lernprozesse verbessern kann. Hier gibt es aber auch noch Forschungsbedarf, um vielleicht ein Medikament zu entwickeln, welches die Psychotherapie von Angsterkrankungen verbessert, ohne nur die Symptome zu unterdrücken (wie z.B. Benzodiazepine).
Im Alltag besteht meine Arbeit als frisch gebackener Arbeitsgruppenleiter einerseits daraus, die Studien von meinem (Megamäßigen)-Post-doc mit zu planen und die Ergebnisse zu besprechen. Andererseits versuche ich, eigene Daten, Ideen und Hirngespinste in Publikationen, Anträge oder den Papierkorb zu befördern. Und dann ist natürlich auch noch ein Anteil administrativer “Kram”. Es wird also nicht langweilig!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich denk eher anders herum: Was ist meine Motivation, meine Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Meiner Meinung nach sollte man seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in einer gewissen Dosis zugänglich machen. Schließlich wurden wir durch Steuergelder finanziert. 
Ich denke auch, dass die Forschung, die wir hier machen, ein gewisses Interesse für die Öffentlichkeit besitzt. Jeder von uns kennt die Situationen, in denen wir Angst haben. Es ist vielleicht deshalb interessant zu hören, wie Furcht und Angst so “funktionieren”. 

Zur Zeit bin ich Mitglied in einem wissenschaftlichen Netzwerk der DFG, welches von meiner Kollegin Tina Lonsdorf (wir teilen uns das Büro) geführt wird. Hier treffen sich Forscher aus Europa, die alle Furchtkonditionierung als Methode benutzen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich es doch praktisch gemacht wird. Gerade in der Sicht der "Replication crisis” wird es immer wichtiger, sich über Methoden auszutauschen. Nicht immer einfach, aber man lernt unheimlich viel und es lohnt sich, wenn man am Ende Probleme erkannt hat.

Ich interessiere mich für graphic-design in unterschiedlichsten Formen. Das ist vielleicht kein interessantes Hobby, aber ich habe viele Schultage damit verbracht, vor mich hin zu malen und Graphiken “zu machen”. Das ist heute noch immer so, auch wenn die Zeit dafür immer knapper wird. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Das kann unterschiedlich sein, vielleicht früh aufstehen und bei super Wetter mit der umwerfenden Frau an meiner Seite (und ihrem Auto) an die Ostsee fahren.
In Hamburg gehört zu einen guten freien Tag mit dem Rad losfahren, eine Platte kaufen, nach Hause, Kaffee machen, Musik hören und auf dem Balkon n paar Leuten zugucken.  

Bitte heißt Jan ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!