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Sunday, July 24, 2022

Die Hochschule von innen - Christina Bergmann ist wieder bei Real Scientists!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere Kuratorin Christina Bergmann (@chbergma) erneut vorstellen zu dürfen! Christina ist seit März 2022 Recruiterin und Talentmanagerin an der Hochschule Osnabrück, wo sie eine neue, diversere Generation Professor*innen für eine Karriere an einer HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) gewinnt. Daneben setzt sich Christina für offene Wissenschaft und den freien Zugang zu aktuellen Erkenntnissen ein; wie sie das tut könnt ihr hier nachlesen. Christina’s wissenschaftliche Laufbahn begann mit einem Bachelor in Kognitionswissenschaften an der Universität Osnabrück und einem Erasmussemester in Computational Logic an der Universidade Nova in Lissabon. Danach ging es in die Niederlande für einen Master in kognitiven Neurowissenschaften, gefolgt von einem interdisziplinären PhD über Computermodelle, die wie Babys sprechen lernen sollen. Der nächste Umzug 2014 führte nach Paris, an die traditionsreiche École Normale Supérieure, wo Christina die Vorhersagen ihrer Dissertation im lokalen Babylab testete. Als Postdoc ging es zurück in die Niederlande, da 2017 ein neues Department am Max Planck Institut für Psycholinguistik zum Thema Sprachentwicklung eröffnete. Ab 2020 war Christina dort als Senior Investigator und Leiterin des Innovations Teams tätig, mittlerweile ist sie Gastwissenschaftlerin. Ihre Veröffentlichungen findet ihr frei zugänglich hier,

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Wie ich schon bei meiner ersten Runde bei realscientists schrieb, bin ich in die Wissenschaft ein bisschen reingerutscht. Aber ohne eine große Portion Unterstützung und Glück hätte es nicht geklappt. Ich sehe sowohl meine bisherige Laufbahn als auch meine aktuelle Stelle als großes Privileg an, denn ich kann und konnte mich immer mit Themen beschäftigen, für die ich mich einfach sehr interessiere.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Auch hier war wieder der Zufall und Glück am Werk. Ich war auf der Suche nach Professuren, mitten in der #IchBinHanna Debatte. Nach all den befristeten Verträgen wollte ich gern eine Perspektive und endlich irgendwo "ankommen". Bewerben ist ein aufreibender Prozess, bei dem man immer wieder mehrseitige Schreiben und Konzepte generiert, die genau auf die Stelle und die Arbeitsumgebung passen. Nicht ganz einfach, gerade wenn man mit einem Kleinkind zu Hause auf das Ende eines befristeten Vertrags zusteuert, und nebenbei noch Pandemie herrscht. Dafür habe ich mich, wie ich finde, gut geschlagen – geklappt hat es aber leider trotzdem nicht. Gerade als ich wieder den deutschen Stellenmarkt durchforstete, und als Plan B "Wissenschaftsmanagement" eingab statt "Professur", kam genau diese Stellenanzeige – und das auch noch an einem Ort, an dem ich mich auskenne! Noch nie ging mir eine Bewerbung so leicht von der Hand, auch weil die Anforderungen und Erwartungen sehr klar formuliert waren und mich die Themen wirklich bewegen. Beim Vorstellungsgespräch musste ich dann vorab eine Aufgabe erfüllen und hatte dann ein sehr schönes Gespräch mit meinen zukünftigen Kolleg*innen und Vorgesetzten, sodass ich direkt einen tollen Eindruck und richtig Lust auf diese Aufgabe hatte. Wissenschaft betreibe ich noch in meiner Freizeit und versuche, hier eine gute Balance zu finden.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich bin Teil des Career Lab (CarLa) Osnabrück, wo ich mit vielen unterschiedlichen und sehr interessanten Personen arbeite. Derzeit sind wir noch in der Entwicklungsphase des „Osnabrücker Karrierewegs“ in eine HAW-Professur, sodass ich hauptsächlich mit ganz unterschiedlichen Leuten rede und neue Ideen erarbeite. Ich lerne gerade auch unheimlich viel über Wissenschaftsmanagement und wie so eine Hochschule von innen funktioniert, nachdem ich schon ein bisschen die Studierendenperspektive während meines Bachelor als AStA Referentin und Mitglied des Studierendenparlamentes kennenlernen konnte.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Im Grunde beschäftigt sich meine aktuelle Aufgabe mit der Frage, wer 2030 gemeinsam mit den Studierenden die Welt von morgen erforschen wird. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, auch bekannt als Fachhochschulen oder jetzt HAWs, beschäftigen sich damit, aktuelle Probleme zu bearbeiten und nachhaltige Lösungen zu finden. Dieser starke Anwendungsbezug unterscheidet sie von Unis, wo der Blick eher auf Grundlagenforschung gerichtet ist. Aus meiner bisherigen Arbeit kenne ich das selbst: Eine mögliche praktische Anwendung ist in der Regel noch einige Jahre von den eigenen Studien und Ergebnissen entfernt, auch wenn man sich natürlich fragt, wie sich diese oder jede Studie auf den Alltag auswirken könnte. Natürlich brauchen wir beide Arten von Forschung, und darum kooperieren Universität und Hochschule Osnabrück miteinander, genau wie das an vielen anderen Standorten der Fall ist.

Da Professuren an der Hochschule so nah an der Anwendung arbeiten, ist es natürlich auch wichtig, hier Menschen zu gewinnen, die andere inspirieren, gerne mit jungen Menschen zusammenarbeiten, und gemeinsam Ideen entwickeln und umsetzen. Eine besondere Fähigkeit, die viele Personen hier an der Hochschule auszeichnet, ist es, Herausforderungen, die gerade in der Praxis vorhanden sind, zu erkennen und erforschen, um kreative und nachhaltige Lösungen zu finden. Zum Thema ideale*r Professor*in haben wir alle sicher viele Ideen und Erwartungen... Also nehme ich diese Ideen mit, aber schaue auch, dass wir möglichst vielfältige Personen für diese wichtige Aufgabe gewinnen können und uns nicht unnötig auf ein bestimmtes Bild beschränken. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass viele unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven nur ein Gewinn sein können. Also möchte ich Personen gewinnen, die sich und andere für ihre Themen begeistern können. Solche Professor*innen bedeuten gute Lehre und somit Studierende, die die Herausforderungen der Zukunft meistern können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Neben meiner Arbeit engagiere ich mich schon seit Längerem bei ManyBabies – einem globalen Netzwerk für informative Kleinkindforschung. Die Grundideen hinter ManyBabies sind offene Wissenschaft, Zusammenarbeit, und Wertschätzung für ganz unterschiedliche Ansätze und Ideen. Ich bin unheimlich stolz, hier einen Beitrag leisten zu können und gemeinsam besser zu verstehen, was in Kinderköpfen so passiert und wie wir das so verlässlich wie möglich herausfinden können.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Puh, das Backen habe ich leider vorerst aufgegeben – dafür kocht mein Mann ganz toll für die ganze Familie. Abends erholen wir uns bei den neuesten Serien, auch wenn binge watching mit Kind leider nicht mehr drin ist. Also bitte nicht spoilern! Aber Empfehlungen nehme ich gerne entgegen, auch für spannende Science Fiction und Fantasy Romane, die lese ich nämlich besonders gerne. Durch die Pandemie sind viele andere kleine Freuden verloren gegangen, die ich gerade langsam wiederentdecke, zum Beispiel auf einer Terrasse sitzen und einen Latte trinken – für das Kind gibt es dann Milchschaum. Ich freue mich auch schon sehr darauf, Europa als Familie zu erkunden, und Freunde, die ich ewig nicht mehr gesehen hab, in San Sebastian, Paris, Berlin,... zu besuchen. Das ist einer der Vorteile des Nomadenlebens in der Wissenschaft, auch wenn es schade ist, dass viele Freundschaften über Kurz oder Lang auf Distanz geführt werden müssen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Hier ist meine Antwort noch dieselbe wie 2017: Mein idealer freier Tag besteht entweder aus einem Tag am Meer, natürlich im Strandkorb und mit viel Sonne, oder einer Stadterkundung, am liebsten mit Brunch und vielen spannenden Ecken, die man entdecken kann.

Bitte begrüßt Christina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 12, 2021

Sehen verstehen - Benedikt Ehinger ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Benedikt Ehinger (@BenediktEhinger) vorstellen zu dürfen! Benedikt Ehinger ist ein 100%iger Kognitionswissenschaftler, mit einem BSc, MSc und Doktor in Cognitive Science von der Universität Osnabrück. Nach einem Abstecher am Donders Institute in den Niederlanden ist er jetzt im Schwabenländle gelandet mit einer Juniorprofessur für Computational Cognitive Science an der Universität Stuttgart. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Irgendwas mit Biologie, Psychologie und Informatik wollte ich studieren. Nimmt man noch Mathematik, Philosophie und Linguistik dazu, hat man Cognitive Science. Das konnte man  damals nur in Osnabrück studieren - also bin ich dahin, ohne groß auswählen zu müssen. Meine Bachelorarbeit habe ich innerhalb eines recht großen Forschungsprojekts abgeschlossen und hatte wahnsinnig viel Gestaltungsmöglichkeiten. Meine Betreuer:innen waren super und meine Ideen wurden alle sehr ernst genommen. Da wurde mir sehr schnell klar, dass richtige Forschung jede Menge Spaß macht - und das Gehirn ist alles andere als verstanden, es gibt also viel zu tun.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Visuelle Wahrnehmung hat mich schon immer begeistert - tatsächlich gibt es noch einen alten Zeitungsschnippsel aus meiner Schulzeit, wo ich als "Mr. Optische Täuschung" abgebildet bin. Das sieht in Anblick meines jetzigen Berufs ziemlich zielstrebig aus, war es das aber eigentlich gar nicht. Eine Aneinanderreihung von Zufällen und schwubs ist man da, wofür man am Anfang in der Zeitung stand. Jetzt Untersuche ich zwar nicht optische Täuschungen direkt, aber Augenbewegungen und die unterliegende Hirnaktivität. Das ist ein sehr spannendes Thema - underappreciated fact: Die häufigste Muskelbewegung ist die Augenbewegung, mit 4-5mal pro Sekunde! Es liegt also nahe, dass der visuelle Teil des Gehirns sich um Augenbewegungen herum entwickelt hat. In den meisten Experimenten sind aber Augenbewegungen aus verschiedenen Gründen streng verboten - zumindest bis das nicht mehr so ist, will ich in diesem Bereich arbeiten.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Mein Schwerpunkt ist das Sehen: Ich möchte ein tiefgehendes Verständnis von der Ursache und Wirkung der Augenbewegungen auf das Gehirn bekommen und untersuche Hirnaktivität während Augenbewegungen.

Daran anknüpfend beschäftigt ich mich mit statistischen Methoden zur Analyse von Hirnströmen und anderen Zeitreihen. Durch Corona und Laborgründung kann ich bisher noch keine eigenen Daten aufnehmen und arbeite viel an Simulationen. Zurzeit versuche ich Methoden zu entwickeln, die es uns erlauben Hirnstromdaten unter Bewegung zu analysieren, z.B. bewegte Bilder, bewegte Arme, Beine, und natürlich auch bewegte Augen. Das ist aus vielerlei Gründen schwierig, von elektrischen Artefakten, zu zeitlich überlappenden Aktivität bis hin zu konzeptionellen Problemen. Ein paar davon werde ich diese Woche sicherlich besprechen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Das Gehirn hält alle Erinnerungen inne, alle Erfahrungen, Wahrnehmungen, kontrolliert alle Fähigkeiten und fällt alle Entscheidungen. Bisher versuchen wir diese verschiedenen Bereiche sehr getrennt und kontrolliert im Labor zu betrachten. Das hat mehrere Gründe, einer davon ist, dass wir keine guten Methoden haben Gehirnaktivität in alltäglichen Situationen zu messen. Es fängt bei den Augenbewegungen an: In welcher alltäglichen Situation bewegen wir unsere Augen nicht? Eigentlich fast nie. Das heißt, ich fange mal an Augenbewegungen und Gehirnaktivität zu verbinden, und daraus folgenden dann sehr viele Anwendungen um Gehirnaktivität in natürliche(re)n Umgebungen zu verstehen. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Verletzungsbedingt hängen meine Tanzschuhe am Nagel, dafür mach ich jetzt Tanzmusik. Das Bandonion, *das* argentinisches Volksinstrument (aber eigentlich ein vergessenes deutsches Volksinstrument), hat mich in seinen Bann geschlagen. Es ist ein, sagen wir mal, spezielles Akkordeon. Leider hat jemand die 70 Knöpfe auf den ersten Blick wahllos angeordnet und man muss sie auswendig lernen, fies: Zug und druck unterscheiden sich auch noch, also 140 "Knöpfe" auswendig lernen. Dafür belohnt wird man mit einem einmaligen und fantastischen Klang, und das mit einem Tonumfang eines Klaviers. Und das ganze zum Mitnehmen ins Handgepäck! Ich selber spiel ein Instrument das bald 100 Jahre alt wird und begnüge mich noch mit vielen klassischen Stücken, Tangos und freier Improvisation.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Morgens bis neun ausschlafen und gleichzeitig mit Kind und Partnerin wachwerden - schönes Wetter natürlich. Dann etwas auf dem Bandonion Musik machen. Später Freunde besuchen, Tanzen im Park, vielleicht ein Schachspiel, Menschen beobachten und abends in mittelgroßer Runde Essen kochen, quatsch machen und diskutieren.

 Bitte begrüßt Benedikt ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 12, 2020

Wissenschaft lesen lernen - Monica Gonzales-Marquez ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Monica Gonzales-Marquez (@aeryn_thrace) vorzustellen! Monica ist zur Zeit Gastwissenschaftlerin am Institut für Psychologie der RWTH Aachen. Ursprünglich hat sie Linguistik studiert, sich aber dann für eine wissenschaftliche Karriere in den Kognitionswissenschaften entschieden. Da sie Deutsch zwar gut versteht, aber sich beim Schreiben doch auf Englisch leichter tut, bekommt sie diese Woche Unterstützung von ihrer Kollegin Andrea Philipp. Aus dem gleichen Grund hat Monica unsere Fragen auf Englisch beantwortet*.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Did undergrad in linguistics but wanted evidence, not just theory, so I switched to cognitive science.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Open science is a social imperative. There are many inequities in science that must be remedied. Helping any way I can is my goal. Teaching to read science, a skill that is largely ignored by universities the world over, is one way I can do this.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Our work focuses on teaching to read science. Most students are never taught how to read papers, and it shows. We use a theory called cognitive narrative to help learners understand the relationship between the science that was done, and the science that was documented.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
It is part of the German constitution that all citizens should be active participants in civic life. Science is a cornerstone of modern society, yet most citizens are functionally science illiterate. Our work is intended to help remedy this problem.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
I also work on a project called the Meta-Data Inventory whose goal is to create a global, searchable, open-access data-base of exhaustive scientific knowledge, much like we see on Star Trek. I also head the Empirical Methods in Cognitive Linguistics workshop. These workshop focus on teaching research methods in cognitive science in an intensive, hands-on, collaborative, open science setting.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Raising my child, cooking, walking, science fiction in all forms, and meeting different kinds of people.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Packing a picnic and getting on a random bus or a train with my kid to have an adventure, destination unknown.

Bitte begrüßt Monica ganz herzlich bei Real Scientists DE!

* wer die Antworten lieber auf Deutsch lesen möchte kann sie sich z.B. hier übersetzen lassen (Anmerkung d. Moderatoren)