Sunday, November 17, 2019

Schafen auf den Zahn fühlen - Nicole Ackermans ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nicole Ackermans (@AckermansNicole) vorstellen! Nicole ist eine amerikanisch-niederländische Biologin (Deutsch ist ihre vierte Sprache!) und hat gerade ihre Doktorarbeit abgeschlossen. Ihr Hauptforschungsgebiet ist die Morphologie der Wirbeltiere: sie ist spezialisiert auf die 3D-Bildgebung von Knochen, insbesondere mit CT-Scans. Das Thema ihrer Doktorarbeit war die Wirkung verschiedener Arten von diätetischen Schleifmitteln auf den herbivoren Zahnabrieb, insbesondere bei Schafen als Modellorganismus. Derzeit ist sie im Urlaub (eine Seltenheit für Wissenschaftler) und genießt eine Pause, bevor sie am 1.1.2020 eine neue Postdoc-Stelle antritt: Nicole hat ein Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung zu erhalten, um bighorn sheep an der Ichan School of Medicine am Mount Sinai in New York City zu erforschen, wovon sie erwartungsgemäß sehr begeistert ist.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Ich war schon immer von Tiere besessen. Schon als Kind wolte ich Zoologe werden!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Im Laufe meines Studiums schränkte ich mein Interessengebiet immer weiter ein. Zuerst Tiere, dann Wirbeltiere, dann Säugetiere. Während meines Masterstudiums stellte ich fest, dass ich wirklich eine Leidenschaft für die Anatomie hatte und fortschrittliche Bildgebungstechniken einsetzte, um sie zu visualisieren. Jetzt bin ich also "vertebrate morphologist” und untersuche die verschiedenen Aspekte dieses Feldes, vom Zahn bis zum Schädel, aber immer mit 3D-Bildgebung.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich denke, ich werde am meisten über meine Promotion sprechen. Mein Postdoc-Projekt ist auch sehr interessant, hat aber noch nicht begonnen! Für meine Doktorarbeit konzentrierte ich mich also auf die Evolutionsbiologie von herbivoren Zähnen und Zahnabnutzung. Grundsätzlich verursachen Pflanzendiäten viel Zahnverschleiß, und je mehr Zähne verschleißen, desto kürzer ist die Lebensdauer. Das Wachstum längerer Zähne ist also ein evolutionärer Vorteil für ein längeres Leben!
Um mehr über die Abnutzung der Zähne zu erfahren, führten wir eineinhalb Jahre lang ein Experiment am UZH durch, bei dem wir Schaffutter mit Sand füllten. Wir benutzten CT-Scans, um die Zähne vorher und nachher zu betrachten und herauszufinden, wie der Sand sie beeinflusst hat.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wenn ich den Leuten sage, dass ich Schafe studiere, lachen sie immer. Ich denke, es ist etwas ganz anderes, worauf die Leute neugierig sind. Meine Arbeit gilt als Grundlagenforschung, und ich halte es für wichtig, die Ergebnisse in diesem Bereich zu teilen, damit die breite Öffentlichkeit weiß, dass nicht jeder Wissenschaftler Krebs heilt! Viele Dinge, an die wir vielleicht noch nie gedacht haben, werden sehr detailliert recherchiert, und es ist faszinierend, jeden Tag mehr über sie zu erfahren!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich würde sagen, 18 Monate lang Schafzüchter zu sein, war sicherlich.... interessant! Ich bekomme den Geruch immer noch nicht raus. Aber ansonsten macht mir die Arbeit mit 3D-Modellen von Skeletten und Zähnen sehr viel Spaß.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich liebe es zu klettern und bouldern. Im Moment bin ich in New Mexico, also bin ich gespannt, auch in der Wüste zu wandern, die Landschaften sind fantastisch hier draußen. Schließlich, wie es in meiner Biografie steht, identifiziere ich sehr gerne Knochen. Also, schicken Sie mir alle Knochenfotos!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Hmm… Ich würde den Tag mit einer schönen Tasse Tee (ich bin ein stolzer Teesnob) und meiner Katze auf dem Schoß beginnen. Ich würde dann wahrscheinlich die Stadt oder das Land erkunden, in dem ich derzeit wohne. Ich laufe gerne an schönen Tagen herum, mit dem Ziel, lokale Gerichte zu probieren. Wenn das Wetter schlecht ist, dann würde ich zu Hause bleiben und Cookies backen. Am Abend entspannte ich mich dann mit Netflix oder einigen Videospielen.


Bitte begrüßt Nicole ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 10, 2019

Von den Genen übers Gehirn zum Verhalten - Sofie Valk ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Sofie Valk (@sofievalk) vorstellen zu dürfen! Sofie arbeitet als Postdoctoral Scholar am FZ Jülich/Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Hier erforscht sie die genetischen Grundlagen (Anlage und Umwelt) von Struktur und Funktion des Gehirns und deren Verbindung mit Verhalten. Sie kommt aus Amsterdam, wo sie geboren ist und "beta-gamma", ein interdisziplinärer Bachelor-Studiengang, studiert hat. Der Fokus im Bachelor lag auf künstlicher Intelligenz sowie sozialer und politischer Philosophie. Nach Abschluss des Bachelor hat sie einen Master in Human Brain and Cognitive Sciences in Amsterdam gemacht, in dessen Rahmen sie Praktika am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften sowie an der University of California in Berkeley, USA, absolvierte. Nach abgeschlossenem Master hat sie in Leipzig am MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften einen PhD in sozialen Neurowissenschaften abgeschlossen. Dabei hat sie die Verbindung zwischen sozialen Funktionen und Gehirnstruktur erforscht und entdeckt, dass sich Gehirnstruktur durch Trainieren von sozialen Fähigkeiten ändert. Nach ihrem PhD ging Sofie als Postdoc an das Forschungszentrum Jülich, wo sie die Erblichkeit von Gehirn und Verhalten erforscht. Nebenbei versucht Sofie, Geige zu lernen, was eigentlich nicht richtig funktioniert, und sie hat zwei liebe Söhne im Alter von 1 und 3 Jahren.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Gute Frage, ich habe mir das nie so richtig vorgestellt, aber ich hatte eine so tolle Zeit in Leipzig als Masterstudentin, dass ich dachte 'hier möchte ich mehr von'. Als Kind fand ich immer den Erfinder bei der Mickey Maus ganz cool, da der immer neue Sachen entdeckt. Auch bin ich sehr neugierig und ich finde es angenehm meinen eigenen Weg zu gehen und kreativ zu denken. Das sind Eigenschaften, die ich oft anwenden kann in der Forschung. Langfristig hoffe ich, dass ich wenn ich ganz alt bin ein Zimmer voller Bücher habe und einfach eine vernünftige und glückliche Person werde (oder besser gesagt bleibe). Ich denke, wenn ich weiterhin beim Forschen bleibe, das ich dieses Ziel erreichen kann. Auch finde ich es schön an etwas Größerem als ich beizutragen, meiner Meinung nach ist Forschung ein Projekt, zu dem ich gerne ein klein bisschen (oder wenn möglich natürlich so groß wie möglich) beitrage.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Gerade arbeite ich sehr interdisziplinär und ich kombiniere Neuroscience mit Psychologie und Behavioural Genetics. Der Alltag ist meistens Programmieren, Paper lesen und schreiben, und Austausch mit Kollegen über die Forschung. Da ich einen Bachelor in Interdisziplinären Wissenschaften habe und mich dabei auf künstliche Intelligenz und soziale Philosophie fokussiert habe, passt das eigentlich alles ganz gut zu meinen breiten Interessen.
Was mich da hält... mmm, erstmal habe ich gute berufliche Perspektiven, was natürlich ein großer Luxus ist und pragmatisch erst mal ein guter Anfang ist, um bei der Sache zu bleiben. Zudem habe ich einen starken inneren Trieb noch etwas ganz Cooles zu verstehen oder zu erfinden, und ich bin einfach super neugierig und ehrgeizig das Gehirn zu verstehen (was natürlich ein sehr großes Ziel ist ;) ).

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Lab von Prof. Dr. Simon Eickhoff im FZ Jülich und der Heinrich Heine Universität Düsseldorf erforsche ich seit 2 Jahren die Erblichkeit von Gehirnorganisation und genetischen Zusammenhängen zwischen Gehirn und Verhalten. Hier bin ich vor allem interessiert an abstraktem Denken sowie sozialen Fertigkeiten und Emotionen, aber auch an Persönlichkeit. Ich nutze Zwillingsmodellen um die Erblichkeit und genetische Korrelationen zwischen Gehirn und Verhalten zu berechnen. In meinen Studien nutze ich gerade "Open Data", das meint Gehirnscans die nicht durch mich erhoben sind, sondern von anderen geteilt werden. Das hat zum Vorteil, dass die Anzahl von Probanden in meiner Forschung relativ groß ist. Hierbei nutze ich Algorithmen, die automatisch graue und weiße Substanz ausmessen und die Dicke der Gehirnrinde messen können. Diese Dicke ist unterschiedlich zwischen Menschen, und ich schau ob die Unterschiede mit Verhalten und Genetik zu tun haben. In meinen Studien nach der Erblichkeit schaue ich, ob der Zusammenhang von Gehirnstruktur und Verhalten bei monozygotischen Zwillingen anders ist als bei dizygotischen. Da monozygotische Zwillinge genetisch (fast) identisch sind und dizygotische Zwillinge nur zu ~50% genetisch gleich, ist es möglich die Rolle von Genen in Variationen von Gehirn und Verhalten zu erforschen. Neben Projekten bezüglich Erblichkeit, erforsche ich auch die Reliabilitat der automatischen Berechnung von Dicke der grauen Substanz, schaue ob mentale Übungen das Gehirn verändern können, und beschäftige ich mich mit der Frage wie Struktur und Funktion zusammenhängen. Meistens arbeite ich mit Gehirn- und Verhaltensdaten von gesunden erwachsenen Probanden, darüber hinaus habe ich auch einige Studien über Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung gemacht, und wie und warum deren Gehirne anders sind.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Alle Menschen sind unterschiedlich, aber warum ist nicht so einfach zu erklären. Oft ist es nur schön, wichtig und gut, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt, aber im Falle der psychiatrischen Erkrankungen ist es nicht gut. Meine Forschung versucht zu verstehen was die biologischen Grundlagen sind für inter-individuelle Unterschiede von komplexem Verhalten und versucht dabei zu verstehen was die Rolle und Interaktion von Genen und Umwelt sind. Ich hoffe und glaube, dass durch besseres Verständnis davon, wie erbliche und Umweltfaktoren einwirken auf das Gehirn und Verhalten, es vielleicht möglich ist Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen besser zu helfen. Dabei denke ich, dass es per se interessant ist zu wissen wie die Biologie zusammenhängt mit Verhalten, aber auch was wir noch nicht wissen können nur dadurch, ein Gehirn zu sehen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben der Wissenschaft bin ich vor allem beschäftigt mit meinen zwei kleinen Söhnen, die 1 und 3 Jahre alt sind. Sonst finde ich es wichtig mich zu engagieren für Outreach, wie das Falling Walls Lab oder das Brainstorms Festival in Wien, und habe zusammen mit Kollegen Brainhack in Jülich organisiert. Dabei versuch ich Zeit zu schaffen, um anderen Forschern/Studenten zu helfen mit Mentoring-Projekten, und versuche auch zu einer besseren Forschungskultur beizutragen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wahrend meines PhDs habe ich angefangen mit Geigenunterricht. Geige zu lernen ist ein ziemliche Herausforderung und meistens bild ich mich ein ich fühle mein Gehirn jucken nach ein halben Stunde Unterricht (nein, ich glaube nicht, dass das physiologische Basis hat). Während meines Studiums in Holland war ich sehr beschäftigt mit Rudern. Ich trainierte neben meinem Studium so 15-20 Stunden pro Woche und habe an nationalen und internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Momentan ist mein 'Hobby' auch Stillen, was vielleicht nicht so interessant ist aber auch viel Zeit und Energie fordert.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
In der idealen Welt würde ich mal ausschlafen... (oder vielleicht ist das gerade nicht so realistisch), in jeden Fall gibt es gute gelungenen Kaffee und leckeres Brot beim Frühstück, alle haben gute Laune und ich kann kurz die Zeitung lesen. Dann machen ich und mein Freund einen schönen Ausflug mit den Kids, und nachmittags spiel ich draußen Fußball mit Freunden (die Sonne scheint, es sind 19 Grad). Abends gehe ich mit meinem Freund essen und danach gehen wir mal wieder tanzen und Tischtennis spielen um dann bei Morgendämmerung das erste Brötchen beim Backer zu kaufen (und die Kinder hatten ein tolle Nacht mit den Großeltern, ich nehm für sie aber auch ein Brötchen von Bäcker mit).

Bitte begrüßt Sofie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 3, 2019

Der Kampf gegen Tumoren - Maike Effern ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Maike Effern (@MaikeEffern) vorstellen! Maike ist (noch) Doktorandin in einer internationalen Graduiertenschule auf der Grenze zum Postdoc-Leben. Sie arbeitet auf dem Feld der Tumorimmunologie mit Fokus auf Resistenzmechanismen in der Melanomimmuntherapie.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich war schon immer neugierig und in der Schule hat mich Biologie immer begeistert. Danach lag ein Studium in Naturwissenschaften nahe. Allerdings war ich mir lange nicht sicher, ob ich gerne an der Uni bleiben möchte oder doch nach meiner Doktorarbeit eher in die Industrie wechsel. Ich habe aber während meiner Doktorarbeit sehr gute Unterstützung durch meine Doktorväter gehabt, was am Ende meine Entscheidung an der Uni zu bleiben doch auch stark beeinflusst hat.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Schon als ich angefangen habe zu studieren, war für mich klar, dass ich in das Feld der Tumorbiologie möchte. Während meiner Masterarbeit habe ich ein Projekt bearbeitet was auf der Schnittstelle von Tumorbiologie und Immunologie lag und mir wurde bewusst, dass dieses Fachgebiet mich doch mehr begeistert als reine Tumorbiologie, weil es ein viel translationaleres Feld ist. In den letzten paar Jahren ist so viel in dem Feld der Tumorimmunologie passiert, dass den Meschen wirklich geholfen hat und es ist sehr schön zu sehen, dass das was man den lieben langen Tag im Labor macht, irgendwann wirklich jemandem helfen kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite daran zu verstehen, wie das Melanom Resistenz gegenüber einer ganz bestimmten Art von Immuntherapie (adoptiver T-Zell-Transfer) entwickelt. Diese Immuntherapie ist gerichtet gegenüber einem Molekül, welches von dem Melanom hergestellt wird, und somit von ganz bestimmten Immunzellen erkannt werden kann. Ich arbeite daran herauszufinden, wie der Tumor resistent gegenüber dieser Therapie werden kann, wenn man verschiedene Moleküle, die von dem Tumor hergestellt werden, aber eigentlich ganz verschiedene Eigenschaften haben, angreift. Das mache ich mittels CRISPR/Cas9 (Genschere) und im Mausmodell.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es gibt verschiedene Gründe, warum ich finde, dass die Öffentlichkeit sich für meine Forschung interessiert. In erster Linie sind Wissenschaftler auf Steuergelder und damit auf das Geld von Jedermann angewiesen, um forschen zu können. Ich denke aber auch, dass es wichtig ist, dass jeder die Grundlagen von Wissenschaft zu verstehen, um informierte Entscheidungen zu treffen. Ich arbeite in einem Feld, in dem sich in den letzten Jahren so viel getan hat. Letztes Jahr konnte man bei der Vergabe des Nobelpreises für Medizin sehen, dass Grundlagenforschung dazu geführt hat, dass heute Tausende von Menschen mit Krebs mit einem Medikament behandelt werden, die vor 5-6 Jahren quasi keine Überlebenschance gehabt hätten. Ich habe die Hoffnung, dass durch die Erkenntnisse von meiner Forschung, es möglich ist bessere Forschungsmodelle zu bauen, die eventuell dabei helfen, für einzelne Patienten Entscheidungen zu treffen, wie sie am besten behandelt werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin seit diesem Jahr beim Pint of Science Team in Bonn mit dabei und wir hatten im Oktober unser erstes Event in Bonn. Beim Pint of Science geht es darum, Wissenschaft für Jedermann zugänglich und verständlich zu machen und das in der schönen Umgebung von einer Bar/Pub.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich tauche leidenschaftlich gerne und bin immer noch auf der Suche nach einem Fernstudiengang im Fach Marine Biologie, um noch mehr über die verborgene Welt der Ozeane zu lernen und meine Leidenschaft für Wissenschaft und das Tauchen zu kombinieren.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, Kaffee, Freunde treffen, gutes Essen.

Bitte begrüßt Maike ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 27, 2019

Informatik und Mathematik - Daniel Probst ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Daniel Probst (@skepteis) vorstellen! Hier ist Daniel in seinen eigenen Worten...

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wohl ein wenig anders als die Meisten. Als Kind war ich unglaublich fasziniert von Physik und Astronomie. Diese Interessen wichen dann in meiner Jugend Computerspielen, Skateboards und E-Gitarren; Schule, Bücher und Lernen hatten für mich kaum mehr eine Bedeutung. Ich begann nach meinem Sekundarschulabschluss (Realschule in DE) eine Berufslehre als Hochbauzeichner, wechselte jedoch nach einem Jahr zu einer Informatiklehre. Nach abgeschlossener vierjähriger Ausbildung zum Informatiker packte mich die Faszination an der Wissenschaft wieder, und so besuchte ich während zwei Jahren berufsbegleitend die technische Berufsmaturitätsschule mit Fokus auf Mathematik, Physik und Chemie. Anschliessend machte ich meinen Bachalor in Informatik, mit Schwerpunkt Computergraphik und Künstliche Intelligenz an der Fachhochschule in Biel. Da mich, wie erwähnt, die Naturwissenschaften seit meiner Kindheit interessierten, entschloss ich mich danach für einen Bioinformatik Master an der Universität Bern, wo ich mich dank einem soliden Informatikwissen auf Biologie fokussieren konnte. Via meiner Masterarbeit landete ich dann in der Gruppe von Prof. Jean-Louis Reymond und somit in der Cheminformatik, wo ich dann auch für mein Doktorat blieb.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein aktuelles Feld, die Cheminformatik, verbindet Informatik, und somit vor allem auch Mathematik, mit Chemie und Biochemie. In unserer Forschungsgruppe fokussieren wir uns vor allem auf die Pharmaforschung, das heisst, die Entdeckung neuer Wirkstoffe und somit letztenendes Medikamenten. Zudem bin ich Teil des interdisziplinären Forschungsnetzwerkes TransCure, welches sich mit Transport- und Kanalproteinen in Zellmembranen beschäftigt. Diese Interdisziplinarität und Breite ist dann auch warum ich mich für dieses Feld entschieden habe und was mich zur Zeit dort hält.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit als Doktorand in der Forschungsgruppe von Jean-Louis Reymond an der Universität Bern hat zwei Ziele: Mit Mathematik Computern helfen Chemie besser zu verstehen und durch Visualisierungen Menschen helfen Daten besser zu verstehen. Die Methoden welche ich entwickle finden dann in der Pharmaforschung Anwendung.

Es geht also zum einen darum, basierend auf Erkenntnissen aus dem Labor Algorithmen und Programme zu entwickeln, welche eine Vorhersage betreffend Eigenschaften und Wirkung von Molekülen machen können. Diese Algorithmen werden dann in sogenannten «Virtual Screenings» eingesetzt, die es den Chemikern oder Biologen erlauben aus einer extrem grossen Menge an möglichen oder verfügbaren Molekülen die erfolgsversprechensten mit Hilfe von Computern herauszufiltern. Wenn man bedenkt, dass die Anzahl an pharmakologisch interessanten und plausiblen Molekülen auf rund 10^60 geschätzt wird, ist die Hilfe von Computern unumgänglich. Zum Vergleich: Die Anzahl von Sternen im Universum wird auf 10^21 geschätzt, die Anzahl an Atomen in und auf der Erde beträgt etwa 10^50.

Umgekehrt ist es wichtig, dass Forschende ihre Erfahrung, Kreativität und Intuition einbringen können. Deshalb beschäftige ich mich auch mit der Entwicklung von Visualisierungsmethoden, die es z.B. Chemikern erlaubt, Moleküldatenbanken mit Millionen von Einträgen visuell zu durchstöbern und so unabhägig von Algorithmen und Modellen, die oft schwer verständlich oder gar undurchschaubar sind, neue und interessante Moleküle zu entdecken, welche vielleicht in Zukunft die Basis für Medikamente und Therapien bilden können.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Pharmaforschung ist, nicht zuletzt in Zeiten von Antibiotikaresistenzen, ein wichtiges Gebiet. Am Ursprung eines jeden Medikaments steht ein Wirkstoff, dessen Entdeckung und Entwicklung heute nicht länger dem Zufall überlassen wird, sondern durch Erkentnisse aus der Chemie und Biologie, sowie mit Werkzeugen aus der Mathematik und Informatik, vorangetrieben wird. Aufgrund der interdisziplinären Art meiner Arbeit bietet sich so eine interessante und vielleicht neue Perspektive auf diesen Prozess.

Zudem finde ich, dass sich die Öffentlichkeit generell mehr für Forschung interessieren sollte und ich hoffe einen Beitrag zur Förderung dieses Interessens zu leisten.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Während meines PhDs war ich an einigen Outreach Projekten beteiltigt, zu denen ich unter anderem Virtual Reality Applikationen beisteuerte, welche dem Publikum die molekulare Welt etwas näher brachte.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wenn ich mal Zeit habe, spiele ich gerne Gitarre, gucke mit dem Teleskop die Sterne und Planeten an oder versuche mich auf dem Skateboard nicht zu arg zu verletzen. Ich treibe und gucke gerne Sport: Von (Eis)hockey über Sqush und Tennis bis Leichtathletik und Kunstturnen, wobei ich die letzteren nur als Zuschauer geniesse. Dann ist da noch der EHC Biel, der hoffentlich dieses Jahr Schweizer Eishockeymeister wird.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den ganzen Morgen im Bett rumhängen, dann Käse auf dem Teller und im TV. Den Tag durch ein Bisschen Sport und dann am Abend am Punk Rock Konzert in den hinteren Reihen stehen. Nicht zu spät in’s Bett, bin ja keine 20 mehr.

Bitte begrüßt Daniel ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 20, 2019

Künstliche Intelligenz und Risiko - Virginia Albert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Virginia Albert (@vi_Albert7) vorstellen! Virginia hat ihren Master in Medizinischer Biologie in Essen absolviert. Sie arbeitet am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation und ist für das Projekt Risikokommunikation zur Künstlichen Intelligenz, kurz RIKI, zuständig. Darüber hinaus schreibt Sie Beiträge für die Online-Plattform Wissenschaftskommunikation.de.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Naturwissenschaften haben mich schon früh begeistert. In der Schulzeit war das vor allem die Physik – Gewürzgurken zum Glühen bringen, Roboter bauen, Kugeln schweben lassen… Wie konnte es da anders kommen? Ein naturwissenschaftliches Studium musste es sein. Zuerst war es die Medizinische Physik, dann die Medizinische Biologie. Der rote Faden ist erkennbar, oder? All diejenigen, die sich nun auf eine Woche voller Zellen oder pathologischer Merkmale freuen, muss ich leider enttäuschen. Ich forsche weder im Bereich Medizin, noch baue ich Roboter. Tatsächlich forsche ich selber gar nicht, aber ich bringe Forschende zusammen und ermutige sie zur Kommunikation. Diese Woche geht es um Intelligenz – Künstliche Intelligenz (KI) und um Risiko. Also macht euch auf etwas gefasst.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Alles begann mit einer erschreckenden Erkenntnis: Ich bin für ein Leben im Labor nicht geschaffen. Auf die anfängliche Panik, folgte schnell Trotz und Angriffslust. Wieder aller Empfehlungen habe ich den Sprung gewagt und kann euch freudig berichten: Man kann auch ohne Promotion einen tollen Job finden. Ich bin ein wissensdurstiger Mensch. Das äußert sich dadurch, dass ich gespannt zuhöre, wenn es um Materiewellen geht, oder jemand über seine Micro-RNA schwärmt. Um so nah wie möglich an der wissenschaftlichen Arbeit zu bleiben, habe ich nach Stellen in der Wissenschaftskommunikation gesucht und bin am Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) fündig geworden.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Als letztes Jahr bekannt wurde, dass das Wissenschaftsjahr 2019 ganz im Zeichen von Künstlicher Intelligenz stehen wird, haben wir uns mit einem Projekt beim BMBF beworben und den Zuschlag erhalten. So wurde aus mir, der Praktikantin am NaWik, die Projektkoordinatorin für das RIKI Projekt. RIKI steht für „Risikokommunikation zur Künstlichen Intelligenz“. Ich dürfte mich fortan ein Jahr lang mit Maschinellem Lernen und Neuronalen Netzwerken befassen. In sechs Workshops sprechen wir mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Bereich KI darüber, wie die Öffentlichkeit und die Medien ihre Themen wahrnehmen.  Da der Einsatz von KI höchstwahrscheinlich nicht in einer Roboter-Apokalypse enden wird, wollen wir den Forschenden eine Hilfestellung dazu geben, wie sie ein potentiell heikles Thema gut kommunizieren können. Oft entwickeln sich dann auch Diskussionen unter den Forschenden. Es fällt nicht nur Laien schwer „Künstliche Intelligenz“ zu definieren. Zusätzlich zu den Workshops habe ich zwei öffentliche Diskussionsrunden organisiert, um den Dialog zwischen Forschenden und der Gesellschaft zu fördern. Für das Projekt twittere ich als @risk_comm_KI über potentielle Risiken von KI und schreibe an der Zusammenfassung des Projekts.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Dieses Jahr ist es kaum möglich, um das Thema Künstliche Intelligenz herum zu kommen. Hype und Hysterie liegen hier eng beieinander: Vom sympathischen Pflegeroboter bis zum Terminator, von Unterstützung bis Überwachung. Vieles wird sich durch Künstliche Intelligenz verändern. Manche dieser Veränderungen können wir noch beeinflussen. Dazu sollten wir jedoch wissen, wo wir Einfluss nehmen können und worum es geht. Durch meine Arbeit hatte ich die Chance mich in dieses Thema einzuarbeiten, mit Forschenden ins Gespräch zu kommen und dadurch ganz neue Einblicke zu erhalten. Ich freue mich, dass ich ein paar meiner Überlegungen und Erkenntnisse mit euch teilen darf.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich arbeite auch als Autorin bei der Online-Plattform Wissenschaftskommunikation.de. Wie der Name bereits vermuten lässt, dreht sich hier alles um Wissenschaftskommunikation. Hier findet man neben Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen auch Beispiele von Projekten und kommunizierenden Forschenden, eine Sammlung mit über 100 Wisskomm-Formaten, Tipps und Leitlinien oder Fortbildungsmöglichkeiten für die Wisskomm. Es gibt so viele tolle Projekte und so viele engagierte Leute. Oft genug reicht die Zeit leider nicht, all die Dinge anzugehen, die ich gerne machen würde.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich nähe gerne, meist einfach wild drauf los. Da wünschte ich mir manchmal, ich hätte einen Roboter, der die falschen Nähte wieder auftrennt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich werde ohne Wecker wach und freue mich auf einen exorbitant schönen Tag. Idealerweise ist der Tag auch doppelt so lang wie normale Tage, denn gerade die schönen sind immer viel zu kurz. Wie gesagt, super gelaunt gibt es Kaffee mit Milchschaum zum Frühstück – ein großer Luxus. Dann geht’s raus in den Wald. Nachmittags gibt es frischen, selbst gebackenen Schokokuchen und Freunde und Familie helfen mir beim Vernichten. Den Abend lasse ich gemütlich mit meinem Freund ausklingen.

Bitte begrüßt Virginia ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 13, 2019

Der künstlichen Intelligenz vertrauen? Marisa Tschopp ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Marisa Tschopp (@marisatpp) vorstellen! Marisa hat ihren Master in Wirtschaftspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München absolviert. Sie ist aktiv in der Forschung zu Künstlicher Intelligenz aus Humanperspektive, wobei sie sich auf psychologische und ethische Aspekte fokussiert. Sie hat unter anderem schon Vorträge bei TEDx-Events gehalten und vertritt zudem die Schweiz als Ambassador in der Women in AI (WAI)-Initiative.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte eigentlich nie in die Wissenschaft, ich wollte etwas Praktisches mit Hand und Fuss machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik waren für mich immer nur Science Fiction. Als ich das erste mal den Watson (IBMs KI) erlebt habe, wie er einen Menschen in Jeopardy! geschlagen hat, ist für mich diese Fiktion zu real geworden. Ich will verstehen was dahinter steckt und wie sich diese Technologien auf unsere Zukunft auswirken.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit im corporate research ist ein Volltreffer. Viel Freiheit, coole Leute, keine Administration, flache Hierarchien und Flexibilität. Ich mache eigentlich immer das, worauf ich gerade Lust habe.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Künstliche Intelligenz betrifft uns alle, liegt aber in der Hand von wenigen. Jeder kann (und muss) dazu beitragen, dass KI zum Guten gebaut und verwendet wird und die negativen Formen, wie z. B. Deep Fakes, autonome Waffensysteme und Überwachung in Schach gehalten und kontrolliert werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Women in AI Ambassador Switzerland (npo), Cognitive Valley Ambassador

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
2-fache Mama, semi-professioneller Sherpa, Möchtegern Mila Superstar.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mit der Familie im Lost Valley in Schottland. Oder in einem einsamen Chalet in den Alpen... Egal, Haupsache Berge.

Bitte begrüßt Marisa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, October 6, 2019

Freier Zugang zu Forschungsergebnissen - Claudia Frick ist jetzt bei Real Scientists DE

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Claudia Frick (@FuzzyLeapfrog) vorstellen! Claudia hat einen Doktor in Meteorologie und einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Sie arbeitet als Fachbereichs- und Teamleiterin in der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich. Von dort aus will sie Open Access zum Standard für wissenschaftliche Veröffentlichungen machen. Nach dem Diplomstudium der Meteorologie in Mainz zog es sie für den Doktor an die ETH in Zürich. Hier brachte sie dem Wettervorhersagemodell des Deutschen Wetterdienstes bei, dass Schneeflocken beim Fallen durch die Atmosphäre schmelzen können. Nach Zwischenstationen beim Deutschen Wetterdienst und an der Uni Köln, arbeitet sie nun seit 2014 im Forschungszentrum Jülich als Bibliothekarin.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich wollte ich schon als Jugendliche immer Mathematik studieren, weil ich dort meine Leidenschaft für Ordnung und Logik ausleben konnte. Wenn mir in der Schule das Lernen von Französischvokabeln Kopfschmerzen bereitete, löste ich zur Entspannung Gleichungen. Mathematik schien mir die schönste aller Fremdsprachen zu sein. Kurz vor dem Abitur ging es an das Einschreiben an der Uni und in einem Anflug von Kühnheit entschied ich, dass Mathematik alleine nur eingeschränkt seine Schönheit entfalten kann. Eine Sprache sprechen ist eine Sache, sie anwenden eine andere. Also schrieb ich mich für Physik ein. Nach nicht allzu langer Zeit spezialisierte ich mich dann auf die Meteorologie. Hier konnte ich die Mathematik nicht nur sprechen, sondern sie auch in meiner Umwelt sehen und erleben. Neben Mathematik und Atmosphärenphysik lernte ich viel über Chemie, Elektronik, Geophysik und vor allem das Programmieren. Mithilfe dieser neuen Sprache brachte ich von nun an Computern Mathematik und Naturgesetze bei.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Für meine Promotion in Meteorologie habe ich meine deutsche Heimatuniversität verlassen und bin an die ETH in Zürich gewechselt. Eine der ersten E-Mails, die mich dort erreichte, war von einer ehemaligen Kollegin aus Deutschland, die mich fragte, ob ich ihr nicht diesen einen wissenschaftlichen Artikel runterladen und schicken könnte, auf den sie keinen Zugriff hat. Ich habe das getan und, was soll ich sagen, das sollte nicht die letzte E-Mail dieser Art bleiben. Um ehrlich zu sein, bekam ich sehr viele und ich habe sie alle beantwortet. Da fing ich an, mich zu fragen, wie es denn sein kann, dass Wissenschaftler*innen und auch alle anderen, die über Steuergelder Forschung finanzieren, keinen Zugriff auf die Ergebnisse dieser Forschung haben. Umso mehr ich darüber lernte, umso absurder fand ich dieses System, wollte es noch besser verstehen, eine weitere Perspektive davon sehen, um es dann zu verändern. Also begab ich mich in die Welt der wissenschaftlichen Bibliotheken, übernahm die Leitung des Teams “Wissenschaftliches Publizieren” am Forschungszentrum Jülich und machte noch einen Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich kümmere mich in der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich um so ziemlich alles, was mit dem Publizieren von Forschungsergebnissen zu tun hat. Das fängt an mit der tagtäglichen Beratung unserer Wissenschaftler*innen zu allen Fragen rund ums Publizieren und endet bei der Entwicklung, Unterstützung und Umsetzung von Strategien zu einer Welt, in der Forschungsergebnisse frei für alle Menschen zugänglich sind. Viele Wissenschaftler*innen wissen gar nicht, welche Unterstützung ihnen ihre Bibliothek in diesem Bereich bieten kann. Deshalb tue ich auch sehr viel, um unser Wissen immer wieder passend zu platzieren. Wir können den Wissenschaftler*innen Unsicherheiten und Arbeit abnehmen, was ihnen mehr Zeit für ihre eigene Forschung lässt.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie zwar die Forschung durch ihre Steuergelder finanzieren, sie aber gar keinen Zugang zu deren Ergebnissen haben. Von diesem Skandal sollte aber eigentlich jede*r wissen. Wenn man dann auch noch weiß, wie viel Steuergeld aufgewendet wird, um zumindest den Wissenschaftler*innen diese Forschungsergebnisse wieder zugänglich zu machen, wird ein riesiger Skandal daraus. In Zeiten des Klimawandels können wir es uns gesellschaftlich nicht leisten, Wissenschaft hinter Bezahlschranken zu verstecken.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin aktiv bei Jugend hackt. Jugend hackt ist ein Hackathon für programmierbegeisterte Jugendliche, die ein Wochenende gemeinsam Prototypen, Webseiten und Konzepte für ihre Vision einer besseren Gesellschaft entwickeln und umsetzen. Neben der organisatorischen und pädagogischen Unterstützung, sind auch ehrenamtliche Mentor*innen dabei, die bei technischen Fragen und Problemen aller Art unterstützen. Eine der Letzteren bin ich: schon 5 mal in Köln, gerade letztes Wochenende in Berlin und die Woche nach meiner Zeit hier bei Real Scientist DE in Tokyo.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
An meinen Wochenenden mache ich Tae Bo und boxe freudig auf Schaumstoffpratzen ein. Zum Ausgleich gibt es dann Yoga.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Aufstehen, wenn ich wach werde. Frühstücken, Sport, Duschen. Den Laptop schnappen und in der Innenstadt in einem Café in der Sonne lesen, basteln, programmieren. Abends mit Freund*innen etwas unternehmen und essen gehen.

Bitte begrüßt Claudia ganz herzlich bei Real Scientists DE!