Sunday, February 5, 2023

Geschichtswissenschaft frei verfügbar - Bitte begrüßt Karoline Döring bei Real Scientists DE!











Diese Woche begrüßen wir unsere neue Kuratorin Karoline Döring (@karolinedoering)! Karoline ist promovierte Historikerin mit Schwerpunkt Mittelalter und Frühe Neuzeit, liebt Projekte und Schreiben, ist digital enthusiast und engagiert in der Vermittlung von Geschichte. Derzeit arbeitet sie als Wissenschafts-, Infrastruktur- und Datenmanagerin für "Archivum Medii Aevi Digitale" (AMAD), eine scholar-led Open Access-Publikationsplattform für Mittelalterforschung.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich bin schon überhaupt nur auf großen (geistigen) Umwegen beim Studieren gelandet. Als Arbeiterkind oder #FirstGen habe ich vorher keinerlei Berührung mit Universität und Wissenschaft gehabt. Durch 
meinen Mann, der wusste, dass er studieren wird, habe ich das Interesse dafür entwickelt, Zugang zu diesem Bildungsweg bekommen und auch ein Studium der Biochemie begonnen. Ziemlich schnell war mir klar, dass dieses komplett durchgetaktete nine-to-five-Studium nichts für mich ist und ich mehr Freiräume zum Nachdenken brauche. Dann habe ich mich für 
Mittelalterliche, Neuere und Neueste Geschichte und Englische Literatur eingeschrieben, weil mich Geschichte und Englisch schon als Schulfächer 
immer begeistert haben. In meinem allerersten Proseminar in Mittelalter, das eine sehr engagierte Oberrätin gehalten hat, habe ich sofort 
gemerkt, dass das die richtige Wahl war, auch wenn ich überhaupt nicht klar wusste, worauf das alles am Ende zulaufen wird. Im Lauf des Studiums bin ich dann immer mehr in Berührung mit den aktuellen 
Forschungsfragen gekommen und weil ich neugierig und experimentierfreudig bin, war ich mir irgendwann sicher, dass mir Wissenschaft Spaß machen wird. Als studentische Hilfskraft war ich auch noch mehr als andere Studierende an der mit Forschung dran. Das 
Magisterthema, das mir meine spätere Doktormutter vorgeschlagen hat, wollte ich unbedingt vertiefen und das wissenschaftliche Arbeiten und besonders das Schreiben gingen mir leicht von der Hand und haben mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich für die Promotion entschieden habe.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein aktuelles Feld ist mein Herzensanliegen. Ich forsche gerade nicht selbst, sondern sorge dafür, dass Forschende ihre Ergebnisse in einer qualitätsgesicherten, nachhaltigen und wissenschaftsgetragenen Open Access-Publikationsinfrastruktur veröffentlichen können. Das war vor 10 Jahren auch schon so, aber in viel kleinrere Dimension, denn zusammen mit meinem Kollegen Björn Gebert führe ich seit 2012 das 
Wissenschaftsblog "Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte", kurz Mittelalterblog. Es ist ein Gemeinschaftsblog mit einer Fachredaktion und widmet sich dem Mittelalter sowie seiner Rezeption und Vermittlung. Sein Ziel ist der 
interdisziplinäre wissenschaftliche Austausch, die Vernetzung von Forschenden, die Veröffentlichung von fachrelevanten Informationen und Terminen und, im Sinne einer wissenschaftlichen Vermittlung des Mittelalters, die Publikation von Forschungsergebnissen im Open Access. Es hat sich in unserer mediävistischen Fachcommunity mittlerweile gut etabliert und wir empfinden die enge Zusammenarbeit mit den Autor*innen spannend und bereichernd. 2014/2015 schon haben Björn und ich das erste Mal darüber gesprochen, dass wir nicht nur wissenschaftliche Blogartikel veröffentlichen wollen, sondern uns auch vorstellen könnten, ein Open Access-Repositorium zu betreiben, das mehr Publikationsmöglichkeiten bietet. Die Idee für das Projekt "Archivum Medii Aevi Digitale (AMAD) - 
Interdisziplinäres Open Access-Fachrepositorium mit Wissenschaftsblog für die Mittelalterforschung" wurde in dieser Zeit geboren. Wir haben Partner aus den Bereichen Bibliothek, Akademie und Universität gesucht, mit ihnen einen umfangreichen Antrag bei der DFG gestellt und von 2018 bis jetzt im Januar 2023 ist das Projekt für den Aufbau dieser neuen 
Publikationsinfrastruktur, die Repositorium und Blog kombiniert, auch gefördert worden. AMAD ist scholar-led und lebt vom unentgeltlichen Engagement von Forschenden bei der Redaktionsarbeit. Wie schon Björn und ich teilen alle bei AMAD die große Open Access-Vision und genau das ist mein Herzensanliegen, für das ich mich jeden Tag aufs Neue ins Zeug lege.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Während des DFG-Projekts war ich für die wissenschaftliche Koordination und das Projektmanagement bei AMAD zuständig. Seit Februar mache ich das auch weiter, aber mit weniger konkretem Projektmanagent-Anteil, weil das Projekt abgeschlossen ist, und mehr als allgemeines Wissenschafts-, Daten- und Infrastrukturmanagement, denn AMAD ist in den Dauerbetrieb übergegangen. Ich leite also weiter das operative Geschäft. Meine 
Hauptaufgabe sehe ich im Prinzip darin, unseren Fachredakteur*innen und Datenmanager*innen das unentgeltliche commitment, das sie in unsere gemeinsame Open Access-Vision stecken, so einfach wie möglich zu machen. Ich schaue also darauf, dass die Infrastruktur technisch einwandfrei funktioniert, die redaktionellen Workflows reibungslos laufen, die 
etablierten Kommunikationswege eingehalten werden und manchmal pflege ich sogar selbst noch die Metadaten und veröffentlichten die Texte. Denn 
zusätzlich bin ich immer auch noch Fachredakteurin für die geschichtswissenschaftliche Publikationen von AMAD und Mitherausgeberin und Fachredakteurin vom Mittelalterblog, das heißt ich spreche mit 
Forschenden, berate über Publikationsmöglichkeiten, lese auch Manuskripte und bereite sie für die Publikation vor.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ohne jetzt das taxpayer-Argument überstrapazieren zu wollen: Sie sollte sich dafür interessieren, weil ich dafür arbeite, dass öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse auch ohne Einschränkung allen verfügbar gemacht werden. Die interessieren dann vielleicht nicht jede*n total brennend, aber Open Access ist eben nicht nur ein Thema, das die 
fachinterne Wissenschaftskommunikation erleichtert, sondern es hat gesamtgesellschaftliche Relevanz. Deswegen ist es mir wichtig, dass zumindest der unbeschränkte Zugang zu Forschung geschaffen wird. Ob er dann genutzt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin in verschiedenen Geschichtsvereinen und Fachgesellschaften aktiv und setze mich außerdem zusammen mit anderen bei #IchBinHanna und 
#IchBinReyhan und im "Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft" (NGA-Wiss) für bessere Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft ein.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Vermutlich nicht wirklich interessant, aber ich für mich entspannend: Ich bin gern und viel draußen, um Sport zu machen oder das Wetter und die Luft zu genießen und liebe es zu reisen und unterwegs zu sein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Den Tag mit Menschen, die mir wichtig sind, zu verbringen.

Bitte begrüßt Karoline ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 22, 2023

Von schwarzen Löchern und gefrässigen Galaxien - Tobias Beuchert ist jetzt bei Real Scientists DE!




Diese Woche begrüßen wir unseren neuen Kurator Tobias Beuchert (@TobiBeuchert)Ganz frisch, im Januar diesen Jahres, hat Tobi als Wissenschaftsredakteur bei der Max-Planck-Gesellschaft in München angefangen. Davor hat er Physik studiert und in der Astrophysik von schwarzen Löchern in Mitten gefräßigster Galaxien promoviert. Parallel habt er sich schon immer für die WissKomm begeistert und sich über Science Slams, verschiedene Projekte oder auch Videoformate ausprobiert. Er beschreibt seinen Weg als selten einfach, aber im Kern stand immer sein Bedürfnis sich in der Wissenschaftskommunikation zu engagieren und zu professionalisieren. Auf diesem Weg arbeitete er nach nach einem Postdoc an der Uni Amsterdam als Presenter am ESO Supernova Planetarium und Besucherzentrum in Garching bei München und sammelte dort viel Erfahrung auf der Bühne und im Museumskontext. Danach hatte er noch eine Anstellung als Wissenschaftsmanager am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und an der TU München. Hier hat er sozusagen die Teleskope in der Erdumlaufbahn umgedreht und elementare Forschung im Bereich der datengetriebenen Erdbeobachtung gemanaget und kommuniziert.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe (Astro)physik studiert und direkt mit der Promotion und einem Postdoc weitergemacht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
So spannend schwarze Löcher und Galaxien sind, war es mir doch in Anbetracht der gesellschaftlichen Herausforderungen und globalen Krisen thematisch zu eng gestrickt. Ich habe nach meinem ersten Postdoc den recht konkreten Entschluss gefasst, ein Paar Schritte zurück zu treten und meine Verantwortung als Wissenschaftler vor der Gesellschaft wahrzunehmen, indem ich mich in der Wissenschaftskommunikation professionalisierte. Zudem macht es einen riesen Spaß!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine (sehr neuen) Aufgaben als Wissenschaftsredakteur drehen sich um die Wissenschaftskommunikation über die offiziellen Kanäle der Max-Planck-Gesellschaft. Nicht nur an Hand von eingehenden Meldungen aus den Max-Planck-Instituten der Astronomie, Physik und Computerwissenschaften, bespielen wir auf verschiedene Zielgruppen zugeschnittene Formate. Da ist von Artikeln bis Bewegtbild und Podcast alles dabei. 

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Als Wissenschaftsredakteur berichte ich über eine ganze Bandbreite an Themen, die gesellschaftlich relevant sind, begeistern oder auch einfach Neuland aufzeigen. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich nutze meine ehrenamtliche Rolle als Teil der Organisation "Astronomers for Planet Earth", um laut und deutlich zu kommunizieren, was mir persönlich am Herzen liegt und was mich in meiner Arbeit antreibt. Ich sehe in der faszinierenden Perspektive der Astronomie auch einen Weg, um wichtige, gesellschaftliche Themen und globale Herausforderungen auf unserer Erde zu thematisieren. In der Organisation trage ich über die Organisation von Projekten oder Vorträge zur externen Kommunikation bei. Über eIn spannendes Projekt werde ich während meines Takeovers von @RealSci_DE noch berichten! Hier haben wir in einer Kirche bebende Sci-Fi Orgelklänge mit einer Reise vom Universum auf die Erde kombiniert.

Außerdem hatte ich das Glück teils noch über meine Anstellung an der TU München und dem DLR, gemeinsam mit Kolleg*innen, Funding für ein Museumsexponat zum Thema Planetary Health zu gewinnen. Was daraus geworden ist, erfahrt ihr von mir auf Twitter.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich liebe die Natur und die Berge. Seilklettern ist für mich zudem über lange Jahre hinweg zu einer Lebenseinstellung geworden. Gemeinsam mit Freunden, denen man sein Leben anvertraut, rückversichert durch ein Seil, begegnet man ständig neuen Herausforderungen, überwindet seine Grenzen, begegnet sehr bewusst seiner Angst und lernt damit umzugehen. All das gemeinsam, sehr intensiv erleben zu dürfen schafft Verbindungen fürs Leben und hilft, mit den Stolpersteinen des Lebens umzugehen und seinen Weg im Blick zu behalten.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Morgens mit Freunden und/oder meiner Partnerin ins Café, reden, die Zeit vergessen, vielleicht noch eine Runde Klettern, danach ein Bier in geselliger Runde. Freunde gehören für mich fest zur Familie. Aber ich genieße zugegeben auch sehr die Arbeit an Projekten, die mich, angetrieben durch Begeisterung und mit voller Überzeugung in den Bann ziehen... und am Ende oft viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen können. Ich habe gehört Slacklinen hilft der Balance... ;)

Bitte begrüßt Tobias ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, January 15, 2023

Mathematik in Bildern - Marlene Knoche ist jetzt bei Real Scientists DE!



Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Marlene Knoche (@SanguinikDE)! Marlene hat Informatik an der Hochschule Zittau/Görlitz studiert und arbeitet seit Mai 2021 vollzeit als freiberufliche Illustratorin und Künstlerin mit Fokus auf Wissenschaftskommunikation. Seit Mai 2022 ist sie als Fellow am MIP.labor Berlin aktiv und entwickelt dort ein Computerspiel über Mathematikhistorie.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Schon als Kind war ich begeister von Naturwissenschaft und habe mich sehr für Astronomie interessiert. Nach meiner Schulzeit habe ich dann zunächst Informatik studiert und bin in dieser Zeit das erste Mal aktiv mit Wissenschaftskommunikation und -Journalismus in Verbindung gekommen als ich beim Heidelberg Laureate Forum 2013 im Blog-Team berichtet habe. Etwa zur gleichen Zeit habe ich dann angefangen, mich stärker auch mit Mathematik auseinanderzusetzen und bin dann, nach ein paar Jahren als Software-Entwicklerin nun als freiberufliche Illustratorin mit Fokus auf Wissenschaftskommunikation im MINT-Bereich tätig. So gesehen mache ich zwar selbst keine aktive Wissenschaft, arbeite aber daran mit, das Wissen in die Welt zu tragen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Meine Arbeit vereint meine beiden Leidenschaften: Die Kunst und die Wissenschaft. Das spannende daran ist, dass ich nicht nur ständig neues dazulernen kann, sondern auch die tolle Aufgabe habe, Wissen in eine leichter verständliche Bildsprache zu übersetzen. Es motiviert mich dabei besonders, wenn ich Themen aus der Mathematik durch meine Kunst und Illustrationen in einen positiven Kontext rücken                                                          und Vorbehalte oder Ängste nehmen kann. Außerdem ist es unheimlich abwechslungsreich, ich darf tolle Forschende kennenlernen und es macht wahnsinnig viel Spaß.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Je nach Auftrag oder eigenem Projekt variiert das Themenfeld in dem ich mich bewege ein Stück weit, was es immer wieder aufs neue spannend macht, Konzepte zu entwickeln. Mein Arbeitsalltag wird also nie langweilig. Im Moment arbeite ich auch an einem Computerspiel über Mathematikhistorie im Rahmen meines Fellowships am MIP.labor in Berlin und privat an einem Buch mit interdisziplinären Mathe-Sketchnotes im Kontext der Mathe-Doodle-Challenge #mathyear, die ich gemeinsam mit Constanza Rojas-Molina 2019 ins Leben gerufen habe. Ein Teil der Sketchnotes ist neben meinen anderen Arbeiten auf Instagram (https://www.instagram.com/sanguinikde/) zu finden. 
Neben meiner eher gestalterischen Arbeit mache ich auch interaktive Formate, wie Livestreams, in denen ich zeichne und regelmäßig auch Themen aus der Mathematik aufgreife und mit künstlerischen Aspekten verknüpfe. 

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich möchte zeigen, dass Kunst und Wissenschaft Hand in Hand gehen und sogar unterstützend ineinandergreifen. Bilder erzeugen Aufmerksamkeit, erzählen Geschichten und können helfen komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen. Mit meiner besonderen Mischung aus naturwissenschaftlich-technischer Ausbildung und künstlerischem Handwerk bin ich also gewissermaßen Übersetzerin  und wirke mit Freude daran mit, unsere Welt ein bisschen anschaulicher zu machen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Arbeit engagiere ich mich vor Ort im gemeinnützigen Verein Digitale Oberlausitz e. V. (https://digitale-oberlausitz.eu/), um digitale Bildung voran zu treiben und organisiere in diesem Zuge unter anderem Programmier-Vorträge (Im Zuge der Java User Group Görlitz https://www.jug-gr.de/) , Stammtische oder Veranstaltungen wie einen Hackathon. Außerdem fertige ich dafür auch Grafiken, Plakate und Ähnliches an. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Die Liste ist lang und gefühlt könnte hier dauernd etwas neues hinzukommen. In der Regel reizt mich aber alles was kreativ, handarbeitlich oder konzeptionell veranlagt ist.                                                          Musik, Nähen und andere Handarbeiten und Kunst in allen Formen sind für mich nicht aus meinem Alltag wegzudenken. Mein Lieblings-Hobby-Projekt war ein riesiges doppelseitiges Dreieckstuch mit dem Motiv des Sierpinski-Dreiecks (das auch mein Lieblings-Fraktal ist). 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich kann ausschlafen, gehe in meinem Lieblingscafé mit ein paar Freunden und habe Zeit zum Zeichnen an eigenen Bildern ohne Kundenauftrag und kann mich vielleicht auch bei einem Ründchen Computerspielen entspannen. So gesehen zum Teil manchmal gar nicht so unterschiedlich zu einem normalen Arbeitstag bei mir.

Bitte begrüßt Marlene ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, January 8, 2023

Spannende Geheimnisse aus der Mediävistik - Hannah Mieger ist jetzt bei RealScientists DE!




Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Hannah Mieger (@HMieger)! Hannah hat Germanistik, Italienisch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Heidelberg und an der Università di Bologna studiert. Seit November 2019 ist sie akademische Mitarbeiterin im SFB 933 „Materiale Textkulturen“ an der Universität Heidelberg und promoviert im Bereich der germanistischen Mediävistik zu „Macht in Bewegung. Briefe als Handlungsträger in höfischer Epik“.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Gute Frage! Ich bin da irgendwie reingeschlittert. Als ich mein Lehramtsstudium in den Fächern Germanistik, Italienisch und später noch Geschichte begann, diente mir das Studium eigentlich als direkter Weg ins Berufsleben. Ich hatte schon immer Lehrerin werden wollen, um junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten und sie mit meiner Begeisterung anstecken zu dürfen. Schnell merkte ich aber, wie sehr mich das wissenschaftliche Arbeiten interessierte, wie mich Forschungstexte zu eigenen Fragen inspirierten und wie es mich motivierte, dass ich so vieles noch nicht wusste! Schon früh im Studium bekam ich eine HiWi-Stelle in der germanistischen Mediävistik angeboten und durfte seitdem Einblicke ‚hinter die Kulissen‘ gewinnen. Und ich war begeistert!!! Während meines Studiums arbeitete ich somit gleichzeitig als HiWi in einem DFG-Projekt und über einen Lehrauftrag auch an einem Gymnasium. Wissen mehren und weitergeben beflügelt mich. Als mir dann kurz vor meinem Staatsexamen ans Herz gelegt wurde, mich auf eine Promotionsstelle im SFB 933 zu bewerben, zog ich meine Bewerbung auf das Referendariat im Gymnasiallehramt zurück und stürzte mich voller Wissbegierde und Vorfreude in die Arbeit an meinem ganz eigenen Forschungsprojekt. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Zu Beginn des Germanistikstudiums an der Uni Heidelberg ist die Mediävistik vielen kein Begriff - so auch mir. Unter Sprachwissenschaft konnte ich mir etwas vorstellen und Literaturwissenschaft meinte ich ja ohnehin aus dem Deutschunterricht zu kennen. Die Mediävistik aber reizte mich gerade auch deswegen, weil sie mir fremd war, spannende Geheimnisse bot und mir versprach, eine alte Sprache neu lernen zu dürfen. Schon zu Schulzeiten war ich von Sprachen begeistert, weil sie uns die Möglichkeit eröffnen, neue Welten - sei es durch Reisen oder durch die Literatur - zu entdeckenu. Dank des Mittelhochdeutschen waren aber plötzlich Zeitreisen möglich! Von inspirierenden Dozierenden angesteckt, saugte ich schon in der Einführungsveranstaltung in meinem ersten Semester alles auf und war hellauf begeistert, als ich in meinem zweiten Semester dann in meiner allerersten Hausarbeit meine Leidenschaft für Dantes Jenseitsreise in der Commedia mit der auf mittelhochdeutsch verfassten Jenseitsreise des Tnugdalus vergleichen durfte. Schnell wurde mir klar, dass ich hier ganz neue Welten, Verknüpfungen und Epochen bereisen konnte. Ich blieb diesem Fachbereich also trotz vieler Interessen und meiner großen Begeisterungsfähigkeit treu und bin dankbar, heute für diese ‚nerdigen‘ Interessen bezahlt zu werden.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Wann hast du das letzte Mal einen Brief geschrieben? Vermutlich war es eher ein elektronischer oder sogar ein als Sprachnachricht diktierter. Während wir heute die Auswahl zwischen verschiedenen Medien haben, eröffneten im Mittelalter Briefe die Möglichkeit, über räumliche und zeitliche Distanz miteinander kommunizieren zu können. Briefe zeichnen sich zum einen durch ihre materiale Beschaffenheit wie geringe Größe, leichtes Gewicht sowie Faltbarkeit aus. Zum anderen bedurfte es damals zahlreicher Akteur:innen, die den Brief u.a. in Auftrag gaben, schrieben, vorlasen, aber vor allem transportierten. Briefe sind daher Schrift in Bewegung. Ziel meiner Dissertation ist es, anhand der brieflichen Kommunikation in hochmittelalterlicher Erzählliteratur zu zeigen, wie sich die soziale und politische Bedeutsamkeit ebenso wie das Machtpotential des Geschriebenen in der räumlichen und sozialen Über- und Vermittlung manifestieren. Briefe sind somit "Macht in Bewegung".


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Arbeit/Forschung interessieren?

...weil das Mittelalter so viel mehr bietet als Ritter und Burgen! Mir ist es wichtig, Menschen verständlich zu machen, dass das Mittelalter‘ eben nicht einfach ein abgeschlossenes, weit hinter uns liegendes dunkles Zeitalter ist. Die Menschheitsgeschichte ist ein Kontinuum, indem wir immer wieder mit ähnlichen Herausforderungen, Fragen und Themen konfrontiert werden - so z.B. die Frage nach Machtverhältnissen in Bezug auf Kommunikationsmedien. Nicht alles, was historisch hinter uns liegt, ist dadurch auch gleich rückschrittig oder gar mittelalterlich‘. Gerade die Literatur gibt uns nämlich Aufschluss darüber, wie Menschen vor Jahrhunderten ihre damaligen Kommunikationsmedien reflektiert, wie sie diese und sich selbst in ihrer Welt verortet, wie sie Fremdes wahrgenommen und bewertet haben. Sind das nicht auch genau die Fragen, die wir uns in unserer digitalen, schnelllebigen, globalisierten Welt angesichts alter und neuer Kriege und Krisen stellen? „Erst hören, dann handeln“ hat mein früherer Grundschulrektor immer gesagt. Vielleicht sollten wir häufiger erst zuhören, was uns die Geschichte, unsere Mitmenschen und die Wissenschaft sagen, bevor wir handeln.

Hast Du irgendwelche interessanten/zusätzliche Aufgaben?
Ich bin seit Oktober 2018 als Aktivistin für erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs (BRCA-Genmutation) und Frauengesundheit auf Instagram als Fräulein BRCA(https://instagram.com/fraeulein_brca?igshid=YmMyMTA2M2Y=) aktiv. Im Rahmen dieses ehrenamtlichen Engagements habe ich eine eigene Selbsthilfegruppe für junge Genträgerinnen gegründet, für die ich monatliche (inzwischen digitale) Treffen anbiete, und versende OP-Pakete mit Mastektomie-Hemden, Herzkissen und persönlichem Brief an Betroffene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Darüber hinaus kooperiere ich mit der Uniklinik Heidelberg, indem wir Fachvorträge für Betroffene anbieten. Ich selbst habe u.a. schon bei der Stiftung der deutschen Wirtschaft als Referentin zu diesem Thema vorgetragen und es ist mir ein ganz persönliches Anliegen allen Menschen klar zu machen, dass unsere (körperliche und mentale) Gesundheit ein Stück weit auch in unseren eigenen Händen liegt!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen Du erzählen möchtest?
Es ist eher unterhaltsam als interessant: Ich liebe Karaoke! Und zwar nicht, weil ich etwa besonders gut singen könnte. Nein - ganz im Gegenteil. Ich gleiche jedoch mein fehlendes Gesangstalent mit einer unschlagbaren Bühnenpräsenz und einer kreativen Performance (am liebsten zusammen mit meiner Schwester) aus. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Karaoke quasi Finnlands Nationalsport ist?! Durch mein zweites großes Hobby - das Reisen - bin ich gemeinsam mit meiner Schwester auf diese Erkenntnis gestoßen, weswegen wir Finnland aus diesem und vielen weiteren Gründen als Reiseziel - trotz der Kälte im Winter - nur wärmstens empfehlen können! Für mich eröffnen Reisen Tore zu neuen Welten, Kulturen und Menschen. Mit dem Rucksack auf dem Rücken und meistens meinem Mann an der Seite erkunde ich daher gerne unseren wunderschönen Planeten an Land und unter Wasser. Denn obwohl ich stark unter Seekrankheit leide und mich gar nicht gerne auf Booten aufhalte, tauche ich am liebsten in die Tiefe, um dabei jedes Mal auf's Neue über mich selbst hinauszuwachsen. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? (Forschende sind ja auch nur Menschen!!!)
Am liebsten starte ich mit einem ausgiebigen Frühstück in meinen freien Tag. Dafür radel ich mit meinem Mann zuerst auf den Markt in unserem Heimatort: Hier kaufen wir frische Brötchen in der Familienbäckerei, leckere Antipasti vom Marktstand unseres Vertrauens und decken uns mit reichlich Käse ein. Mit vollen Bäuchen landen wir dann erstmal auf unserer Couch und suchen uns eine der zahlreichen Terra X-Dokus raus, die wir per Serienaufnahme hundertfach gespeichert haben. Bei gutem Wetter zieht es uns meistens ins Freie: Zu Fuß oder per Fahrrad geht es dann in die idyllischen Weinberge an unserer geliebten Bergstraße, in den Wald, ins Freibad oder mit unserem Camping-Van auf einen Wochenend-Ausflug. Bei schlechtem Wetter oder während der kalten Jahreszeit warten tausende von Puzzleteilen darauf, ihrem richtigen Platz zugeordnet zu werden, und so manches Exit-Game will gelöst werden. Diesen Aufgaben gehen wir am liebsten in Gesellschaft nach! Familie und Freundschaften sind mir sehr wichtig, weswegen ich gerne alle um mich herum habe: sei es für Spiele-, Film- oder Karaokeabende! Mit einem Lächeln im Gesicht und einem noch größerem im Herzen schlafe ich nach solchen Tagen ein und bin dankbar für neue Erinnerungen, alte Ohrwürmer und gute Gesellschaft!

Bitte begrüßt Hannah ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Tuesday, January 3, 2023

Zwischen Sprache und Dialekt - Toke Hoffmeister ist jetzt bei Real Scientists DE!



Diese Woche freuen wir uns auf unseren neuen Kurator Toke Hoffmeister (@tokehoff)! Toke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter (PostDoc) im Graduiertenkolleg 2700 Dynamik und Stabilität sprachlicher Repräsentationen an der Philipps-Universität Marburg und erforscht dort den Zusammenhang von Sprachsystem und Sprachgebrauch. Seine Dissertation hat Toke Hoffmeister 2021 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel abgeschlossen. Darin untersuchte er das sprachliche Wissen linguistischer Laien aus einer kognitionslinguistischen Perspektive.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wollte ich schon immer Wissenschaftler werden? Nein, so gar nicht. In Schulzeiten wollte ich zuerst zur Polizei, die nahmen mich wegen einer Sehschwäche nicht, dann wollte ich Lehrer werden und begann auch ein Lehramtsstudium. Aber habe ich mich schon immer für sprachwissenschaftliche Fragen interessiert? Auch nein, ganz im Gegenteil. Zu Beginn meines Studiums waren die Literaturwissenschaft und die Philosophie meine Hauptinteressensgebiete. Wie bin ich dann doch zur Linguistik gekommen? Ich wurde gefragt, ob ich als studentische Hilfskraft in einem DFG-Projekt mitarbeiten möchte. In dem Projekt ging es darum, welches Verständnis linguistische Laien von den deutschen Dialekten haben. Diese Chance ergriff ich, denn der Universitätsbetrieb als solcher interessierte mich sehr. Die Disziplin Wahrnehmungsdialektologie, der das Projekt zugeordnet war hat mich dann so begeistert, dass ich meine Masterarbeit in diesem Bereich geschrieben habe. Anschließend hat mich mein damaliger Chef gefragt, ob ich mir eine Promotion bei ihm vorstellen könne. Ich stimmte zu, nahm an und kam so zur Linguistik und zur Wissenschaft.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Sprache zeichnet uns Menschen aus. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mit Sprache konfrontiert sind, sie in irgendeiner Form verwenden. Sie ist für unser Zusammenleben maßgeblich. Sie stellt für viele (und für manche zu sehr) ein elementares Identifikationsmittel dar. Wenn wir darüber Bescheid wissen, wie Sprache funktioniert, wissen wir auch darüber Bescheid, wer wir als Menschen sind. 

Dass Sprache dabei ein komplexes Feld ist, wird schon an dieser kurzen Beschreibung deutlich. Ich verwende Sprache hier als Oberbegriff (linguistisch würden wir sagen als Hyperonym) für alle natürlichen (d.h. frei vorkommenden und nicht erfundenen) Sprachen. Das ist natürlich stark vereinfachend. Sprache gibt es nicht (bzw. nur idealisiert) als allgemeingültige Struktur. Sie ist dynamisch in vielerlei Hinsicht: diachron, d.h. geschichtlich verändert sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende. Regional ist sie ganz verschieden: In Bayern sprechen die Menschen anders als in Schleswig-Holstein, in Nürnberg anders als in Augsburg. Sie ist auch funktional dynamisch: im Beruf z.B. sprechen wir anders, als mit Freunden. Das ist dann natürlich jeweils verschiedenes Sprechen. Aber sind das auch verschiedene Sprachen? Intuitiv würde man sagen: Nein, das ist doch alles irgendwie Deutsch. Neuere Forschung geht aber unter anderem von sogenannten Regionalsprachen aus, da sie durchaus Merkmale eigener Sprachen in sich tragen. Ich will das hier nicht vertiefen (dazu ausführlich Schmidt/Herrgen (2011): Sprachdynamik), sondern einen kleinen Einblick in die Komplexität von Sprache dazu nutzen, meine Begeisterung für Linguistik zu begründen und nachvollziehbar zu machen, weshalb sich die Erforschung lohnt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Auch wenn ich noch in der Wahrnehmungsdialektologie (wo alles begann) aktiv bin (zuletzt habe ich als Ko-Autor eine Einführung geschrieben), ist sie nicht (mehr) mein Hauptarbeitsgebiet. In meiner Dissertation habe ich zur Laienlinguistik geforscht (gewissermaßen eine Mutterdisziplin zur Wahrnehmungsdialektologie) und im Rahmen meiner Habilitation forsche ich zu sprachlichen Repräsentationen und dem Verhältnis von Sprachsystem und Sprachgebrauch. Für mich ist der Mensch als Sprache verwendendes Wesen die zentrale Instanz. Dabei untersuche ich einerseits seine individuelle Verfasstheit, d.h. die Kognition und andererseits soziale Aspekte vor allem im Hinblick auf kulturelle Paradigmen. Sprache – Kognition – Kultur, das sind die drei wichtigen Bausteine meine forschenden Tätigkeit. Ich glaube, dass man damit über das Verhältnis dieser drei Bausteine den Menschen und seine Sprache angemessen erschließen kann und der Geschichtlichkeit wie der Gegenwart gerecht wird.

Die Laienlinguistik (als Teilgebiet der Soziolinguistik) beschäftigt sich damit, was Menschen, die keine linguistische oder philologische Ausbildung absolviert haben, unter Sprache verstehen. Was meinen sie, wenn sie von Sprache sprechen? Welches Konzept haben sie von der deutschen Sprache (das war die zentrale Frage meiner Dissertation)? Wie bewerten sie Sprache(n) und deren Sprecher*innen? Welche Stereotype sind damit verbunden? Wie kann man das aus einer linguistischen Perspektive adäquat beschreiben? Wie soll die Linguistik mit den Einstellungen von linguistischen Laien umgehen? Das alles (und noch viel mehr) wird in der Laienlinguistik untersucht.

Die Wahrnehmungsdialektologie ist eine Teildisziplin der Laienlinguistik oder – je nach Perspektive – der Dialektologie. Dabei wird untersucht, wie die kognitiven/mentalen Karten des deutschen Sprachraumes von linguistischen Laien aussehen. Welche Grenzen zwischen Dialekten sind vorhanden? Welche Dialekträume werden unterschieden und wie werden sie bezeichnet? Wie werden die verschiedenen Dialekte bewertet? Gibt es ganz besonders beliebte und unbeliebte Dialekte?

Unsere Arbeit am Graduiertenkolleg 2700 beschäftigt sich mit sprachlichen Repräsentationen, die wir als kognitive Entsprechungen linguistischer Kategorien verstehen. Eine linguistische Kategorie wäre zum Beispiel das Wort, dessen Bedeutung kognitiv gespeichert und abgerufen wird. Auch die Formseite, z.B. HAUS, ist kognitiv ‚repräsentiert‘, d.h. vergegenwärtigt. Wie sich diese Repräsentationen verändern (z. B. über Jahrhunderte hinweg oder im Laufe des Spracherwerbs) ist Gegenstand unserer Forschung. Wir untersuchen das aus drei Perspektiven: 1.) Neurolinguistik: Dort werden Messungen an Gehirnen vorgenommen und neuronale Reaktionszeiten gemessen, die Auskunft über Verarbeitungsgeschwindigkeiten und auch aktive Gehirnregionen geben. 2.) Spracherwerb: Wie verändern sich sprachliche Repräsentationen vom Kleinkind- zum Erwachsenenalter? Wie funktioniert Sprachverarbeitung bei ein- und mehrsprachigen Kindern? 3.) Variationslinguistik: Welche Unterschiede gibt es in den regionalen Ausprägungen des Deutschen? Wie haben sie sich über die Jahrhunderte herausgebildet? Meine Aufgabe ist es dabei, einen Repräsentationsbegriff theoretisch zu entwickeln, zu fundieren und auf die Teilprojekte anwendbar zu machen, sodass er schließlich eine Art Überdachung für alle drei Bereiche darstellt.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Kurz: Weil ‚die‘ ‚Öffentlichkeit‘ Gegenstand meiner Forschung ist (Stichwort: Laienlinguistik und Wahrnehmungsdialektologie). Länger: Sprache geht uns alle an. Die Öffentlichkeit ist interessiert an Sprache, das zeigen vor allem Debatten zum sog. ‚Sprachverfall‘ oder zum sog. ‚Gendern‘. Wir (als Linguistik) erforschen Sprache und zeigen, wie sie funktioniert. Deshalb sollte die Öffentlichkeit schauen, was die Linguistik für Erkenntnisse über Sprache liefert. Dabei sollte die Öffentlichkeit die Linguistik zwar kritisch hinterfragen, ihr aber auch vertrauen, dass sie zu validen Erkenntnissen kommt. Dass dabei einzelne Themen für die Öffentlichkeit interessanter und relevanter scheinen als andere, liegt in der Natur der Sache. Hier werbe ich aber auch für ein Verständnis für solche Themen, die für die Öffentlichkeit auf den ersten Blick „wie aus dem Elfenbeinturm“ zu stammen scheinen. Das ist oftmals Forschung, die für uns wichtige Grundlagen liefert, auf denen wir dann aufbauen. Die Angewandte Linguistik z. B. wäre ohne Grundlagenforschung nicht denkbar. 


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit kurzem bin ich Mentor in einem Programm zu Förderung promotionsinteressierter Frauen. Dort geht es darum, dass ich mit meiner Mentee bespreche, ob eine Promotion für sie in Frage kommen könnte, welche Chancen aber auch welche Risiken mit einer Promotion verbunden sind und wie sie für sich eine Entscheidung für oder gegen eine Promotion fällen kann. Das ist eine sehr inspirierende Aufgabe: Ich lerne auch selbst viel über mich, weil ich auch meine Position als Mann im Wissenschaftssystem stärker als zuvor reflektiere. Daneben ist es bereichernd zu sehen, wie meine Mentee für sich selbst den Weg nach und nach geht und Denkprozesse angestoßen werden.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ob andere das Hobby interessant finden, weiß ich nicht, aber es ist in jedem Fall außergewöhnlich, denn ich spiele schon seit ich 12 Jahre alt bin, d.h. seit 18 Jahren, Bridge. Zwar ist Bridge stereotyp ein Kartenspiel älterer, vornehmer englischer Damen, aber ich bin ein gutes Beispiel, dass dies ein Vorurteil und nicht die Realität ist. Mich fasziniert an Bridge, dass es sehr sozial ist, den Kopf beansprucht und gleichermaßen zum Spaß wie kompetitiv betrieben werden kann. Die Regeln sind in etwa mit denen von Skat vergleichbar – es geht auch darum, möglichst viele Stiche zu erzielen und die Anzahl möglichst exakt vorherzusagen – im Unterschied zu Skat spielt man Bridge aber zwei gegen zwei im Paarmodus oder vier gegen vier im Teammodus. Die zu erbringende Konzentrationsleistung ist aber eher mit Schach vergleichbar, da man sehr genau erinnern muss, welche Karten bereits gespielt und welche noch im Spiel vorhanden sind – bei 52 Karten ist das nicht immer so leicht. 

Daneben spiele ich gern – wenn auch viel zu selten – Klavier.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An einem freien Tag schlafe ich gern aus und verbringe ihn nach einem ausgiebigen Frühstück mit meiner Frau im Garten, beim Einkaufen und Kochen. Auch Zeit für eine gute Serie oder ein gutes Buch nehme ich mir gern. Da wir recht nah an der Nordsee wohnen, ist auch dies ein schöner Ort zum Spazierengehen und in die Ferne schauen.

Bitte begrüßt Toke ganz herzlich bei Real Scientists DE!