Sunday, May 9, 2021

Option A, B oder C? - Rima-Maria Rahal ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Rima-Maria Rahal (@rimamrahal) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Rima-Maria Rahal studierte Psychologie in Heidelberg und Amsterdam und promovierte an der Universität Leiden zu kognitiven Grundlagen von Entscheidungen in sozialen und moralischen Dilemmata. Ihre Doktorarbeit schrieb sie am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, wo sie derzeit an Prozessmaßen zu Emotionen und Kognitionen in verschiedenen Entscheidungskontexten arbeitet.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Die lustige Version dieser Geschichte ist, dass ich als Teenie mal einen Spiderman-Film geschaut habe und davon beeindruckt war, dass Spiderman so ein cooler Nerd war, der neben dem Studium im Labor  arbeitet aber eben auch Bösewichte bekämpft. Ich bin mir sicher, dass ich damals in mein Tagebuch geschrieben habe, dass ich auch mal Wissenschaftler werden wollte.

Die andere Version der Geschichte ist etwas weniger unterhaltsam. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der immer viel Wert auf Bildung gelegt wurde. Dazu gehörten natürlich gute Noten, nicht nur in der Schule sondern auch im Studium, damit man hinterher viele Option hat, was für einen Beruf man ausüben könnte. Erst während meines PhDs habe ich dann so richtig entdeckt, dass ich große Freude daran habe, Probleme zu lösen und an kniffligen Fragen zu puzzeln. „Was passiert eigentlich, wenn...“ ist die Frage, die mich oft umtreibt und in der Wissenschaft kann ich mich da völlig austoben. Deswegen ist die Wissenschaft eine Institution, in der ich gerne bleiben würde. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 

Ich finde Entscheidung faszinierend, weil sie wirklich jeden Aspekt unseres Alltags berühren und extremen Einfluss darauf haben können, wie sich unser Leben entwickelt. Entscheide ich mich, die Blumen vom Nachbarn zu gießen, wenn er im Urlaub ist und finde dabei einen Freund fürs Leben? Helfe ich systematisch bestimmten Personen weniger als anderen und produziere damit vielleicht sogar Diskriminierung? Entscheiden müssen wir wirklich überall und ständig. Gerade deswegen ist das Feld auch so reich an interessanten Forschungsfragen, und wird mich sicher noch lange beschäftigen. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich interessiere mich für Entscheidungsprozesse. Dabei geht es mir darum, wie wir Entscheidungen treffen. Welche Informationen benutzen wir, um uns zu informieren, bevor wir entscheiden? Von welchen Informationen wenden wir uns sogar ab, weil wir unsere Entscheidungen nicht auf deren Basis treffen wollen? Wie schwer fallen uns bestimmte Entscheidungen im Vergleich zu anderen Entscheidungen oder zu anderen Entscheidern? Ich benutze Methoden wie Blickbewegungsmessung oder Wärmebildgebung, um zu erfahren, welche. kognitiven und affektiven Prozesse ablaufen, während wir uns entscheiden. 

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Entscheidungen stecken überall in unserem Alltag. Wie wir entscheiden, hat direkte Konsequenzen dafür, wie es uns geht, und oft auch dafür, wie es anderen geht, die von unseren Entscheidungen direkt oder indirekt betroffen sind. Zu verstehen, wie diese Entscheidungen getroffen werden, kann uns dabei helfen, Entscheidungsprozesse zu reflektieren, und Entscheidungshilfen zu entwickeln, sodass schlussendlich sogar bessere Entscheidungen möglich sein könnten. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Yes! Ich bin Gleichstellungsbeauftragte an unserem Institut, im Steering Committee des German Reproducibility Networks und ich bin Guide bei The Resolution Project. Ich kann gerne etwas dazu erzählen.  

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Dieser Tage bin ich gerne draußen unterwegs, wenn ich einen freien Tag habe. Dazu hat die COVID-19-Pandemie sicher auch ihren Beitrag geleistet, aber zumindest kommen die Wanderschuhe jetzt regelmäßig zum Einsatz! Ich bin offenbar schon so sehr zum Outdoormenschen geworden, dass ich auf Social Media seit neuestem regelmäßig Werbung für Trekkingausrüstung angezeigt bekomme – eine interessante Entwicklung.

Sonst bin ich begeisterte Kickboxerin, und arbeite gerade daran, den perfekten Apfelkuchen zu backen (ernstgemeinte Rezeptvorschläge und Geheimtipps von Omi sind gerne willkommen!).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag startet mit eine Frühstück im Sonnenschein auf dem Balkon, inkludiert eine kleine sportliche Herausforderung, zum Beispiel eine Wanderung auf schwierigem Terrain, und dann einen Abend mit bester Gesellschaft von Freunden und Familie mit einen leckeren Abendessen.  

Bitte begrüßt Rima ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 2, 2021

Zellen re-programmieren - Vira Iefremova ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Vira Iefremova (@ViraIefremova) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Vira ist Doktorandin am Institut für Rekonstruktive Neubiologie des Universitätsklinikums Bonn. Außerdem engagiert sich sich vielfältig in der Wissenschaftskommunikation, z.B. bei 500 Women Scientists oder Pint of Science. Das sagt Vira zu sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 

So lange ich mich erinnern kann, war ich wirklich neugierig auf das Kaleidoskop aller möglichen Dinge: von den Dinosauriern (immer noch ein RIESIGER Tyrannosaurus Rex-Fan :) ) bis zur Faszination, wie alle Teile unseres Körpers zusammenarbeiten könnten, um dies zu ermöglichen uns so viele verschiedene Dinge zu tun und zu fühlen. Aber seit dem ich es entschieden hatte, Wissenschaftler zu werden, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was genau ich studieren möchte. Die Antwort war mir ganz klar - ich möchte Neurowissenschaftler werden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 

Das menschliche Gehirn für mich ist das Aufregendste und Komplizierteste in einem bekannten Universum. Aus meiner Sicht ist unser Gehirn das, was uns menschlich macht, und seine Geheimnisse zu entdecken, ist eine der coolsten Jobs, die ich mir vorstellen kann.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit! 

Als Stammzellbiologin programmiere ich menschliche Haut oder Blutzellen auf ihr undefiniertes (fast embryoähnliches Stadium) um und verwende diese Zellen später zur Erzeugung von 3D-Kulturen. Sehr oft werden diese 3D-Kulturen auch als "Mini-Gehirne" bezeichnet. Und ich benutze diese 3D-Kulturen, um zu untersuchen, wie sich die graue Substanz des menschlichen Gehirns entwickelt und was passieren kann, wenn einige Gene, die an diesem Prozess beteiligt sind, mutiert sind.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Ich glaube, viele Leute denken, dass "echte Wissenschaft" weit weg vom wirklichen Leben und den wirklichen Menschen ist, und dass es zu langweilig und kompliziert ist, etwas darüber zu lernen. Und dies ist einer der Gründe, warum viele Menschen falsche Vorstellungen und Vorurteile in Bezug auf Stammzellforschung und Genomeditierung haben. Aber was ist, wenn ich Ihnen sage, dass Wissenschaftler, wie ich, die Zelle "vergessen" lassen können, wer sie waren, und sie zu jedem Zelltyp machen können, den man braucht. Und diese Technologien könnten in Zukunft viele Leben retten!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 

Ich habe das Glück, dass ich an vielen verschiedenen Wissenschaftskommunikationsprojekten teilnehmen kann.  500 Women Scientists (500 WS) zum Beispiel. Die Mission von 500 WS ist es, der Gesellschaft zu dienen, indem sie die Wissenschaft offen, inklusiv und zugänglich macht und die Gesellschaft transformiert, indem sie Rassismus, patriarchalische und unterdrückende gesellschaftliche Normen bekämpft. Ich bin Koordinatorin von 500 WS in Bonn und deutsche Regionalkoordinatorin von 500 WS.

Ein anderes Beispiel ist Pint of Science Germany (PoS). Pint of Science ist ein internationales Festival, das einige der brillantesten Forschenden in eure lokale Kneipe bringt, um ihre neuesten Forschungsergebnisse und Erkenntnisse mit euch zu diskutieren. Dort hat man die Chance, die Wissenschaftsverantwortlichen der Zukunft kennenzulernen (und ein Bier mit ihnen zu trinken). Es macht super viel Spaß und ich bin dabei seit 2018 in Bonn wie Speakerin und Teil von Organisatorisch Team.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich liebe es zu reisen und freue mich darauf, mein neues Abenteuer zu planen. Ich lese auch gerne, so dass man mich oft mit dem neuen Buch in der Hand im Cafe finden können (vor kurzem wurde ich Mitglied des Fem_ABC-Buchclubs und genieße Bücher und Diskussionen, die wir danach führen). Ich habe ein starkes Interesse an alten Filmen aus den 1920er, sowie an zeitgenössischer Kunst. Deshalb liebe ich es, Kunstgalerien und Museen zu besuchen. Ich bin auch an Freiwilligenarbeit im Zusammenhang mit der Ukraine (meinem Heimatland) beteiligt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Es hängt von meiner Stimmung ab, aber wenn ich die Möglichkeit habe, den ganzen Tag frei zu haben, versuche ich, nicht zu viel zu planen, da meine ganze Woche ist normalerweise komplett durch geplant. Also würde ich lange ohne Wecker ausschlafen, ein langes faules Frühstück haben, dann einen Kaffee bei meinem Lieblingscafé holen und mich mit Freunden treffen (hoffentlich bald persönlich mit vielen Umarmungen).

Bitte begrüßt Vira ganz herzlich bei Real Scientists DE!