Sunday, May 15, 2022

Ab ins All - Insa Thiele-Eich ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Insa Thiele-Eich (@astro_insa) vorstellen zu dürfen! Insa ist promovierte Meteorologin und Klimaforscherin.  Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation - und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Neben dem Training geht sie hauptberuflich ihrem Job als wissenschaftliche Koordinatorin und Dozentin an der Universität Bonn nach, und forscht an den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Gesundheit.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Mir war immer klar dass ich gerne studieren möchte - vielleicht auch, weil mein Vater selbst begeisterter Naturwissenschaftler ist. Genauso logisch erschien mir deshalb auch die Entscheidung zur Promotion. Definitiv also eine sehr priviligierte Ausgangslage. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 

Meteorologie war und ist für mich die perfekte Mischung aus Mathe, Physik, Chemie und Informatik, mit einer idealen Kombination von Theorie und Anwendung. Auch die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch - nicht nur mit den Wissenschaften der angrenzenden Kompartimente der Atmosphäre (also Ozeanographie, Glaziologie, Bodenkunde, Pflanzenkunde, etc.), sondern insbesondere über die Naturwissenschaften hinaus finde ich absolut spannend. Auch Medizin und Meteorologie gehören für mich zusammen. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Aktuell baue ich hauptsächlich die Vernetzung der 10 Universitäten in Deutschland auf, an denen aktuell Meteorologie studiert werden kann: das University Partnership for Atmospheric Sciences (www.meteo-upas.de). "Nebenher" bin ich je nach Auslastung auch noch als Klimaforscherin an den Themen "Klimawandel und Gesundheit" interessiert, und als Wissenschaftskommunikatorin an allem was die Themen "Klimawandel und Raumfahrt" so beinhaltet.  

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 

Der Klimawandel wird auf alle von uns Auswirkungen haben, und nahezu jeden Bereich in der Gesellschaft verändern. Deshalb gehört es für mich zum absoluten Basiswissen "Mensch Sein 101" auch über den Klimawandel informiert zu sein.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich trainiere seit April 2017 mit meiner Kollegin Suzanna Randall (@astro_suzanna) als angehende Astronautin bei der Stiftung erste deutsche Astronautin, die zum Ziel hat eine Wissenschaftsastronautin zur Internationalen Raumstation zu schicken. Eine von uns wird nicht nur eine spannende 2-4 wöchige Forschungsmission absolvieren, sondern wäre damit auch - leider - die erste deutsche Frau im All.  

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Nö - aber als Astronautin darf ich vieles machen was als für andere als interessantes Hobby zählt: Fliegen, Tauchen, Höhlenforschung...

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscherinnen sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, einen schönen Tagesausflug draussen mit der Familie und spät Abends müde aber glücklich ins Bett fallen. Mindestens ein guter Capuccino sollte enthalten sein, und eventuell würde ich auch noch etwas backen. 

Bitte begrüßt Insa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 8, 2022

Mathe mal ganz interaktiv - Bernhard Werner ist jetzt bei Real Scientist DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Bernhard Wener (@BernhardWerner) vorstellen zu dürfen! Bernhard ist Mathematiker und aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter und Materialentwickler an der School of Social Science and Technology der Technischen Universität München. Das sagt Bernhard über sich in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Schon als Jugendlicher wusste ich, dass ich einmal Mathematik studieren will. Natürlich wusste ich nicht, was genau das bedeutet, aber trotzdem. Erst war der Plan, dass ich auf Lehramt studiere. Da ich mir aber nicht ganz sicher war, meinte mein Vater, dass es vermutlich leichter ist, von einem "normalen" Mathestudium ins Lehramt zu wechseln, als andersherum. Also habe ich mit einem "normalen" Mathematikstudium begonnen.
Obwohl ich Physik als Nebenfach hatte, hab' ich mich während meines Studiums zunehmend mit Programmieren beschäftigt und dort mehr Interessen entwickelt. Darum habe ich gegen Ende des Studiums angepeilt, mich irgendwo als Softwareentwickler zu bewerben. Auf eine echte akademische Karriere mit Endziel Professor hatte ich nicht wirklich Lust. Und selbst schon für eine Promotion hielt ich mich nicht auch nur ansatzweise gut genug. Meine damalige Betreuerin meiner Masterarbeit hat mir dann aber, für mich sehr unerwartet, eine Promotionsstelle angeboten. Und da ich bei großen Entscheidungen immer viel zu wenig nachdenke, habe ich sofort Ja gesagt.
Leider musste ich die Promotion nach eineinhalb Jahren dann abbrechen. Im Anschluss bin ich zu meinem ursprünglichen Plan zurückgekehrt und hab' mich auf diverse Softwareentwicklerstellen beworben und hab' auch einige Einladungen für Vorstellungsgespräche bekommen. Dann dachte ich mir aber auch, dass eine Promotion schon toll wäre, wenn ich ein Thema fände, das besser zu mir passt. Also bin ich einmal zu einem Professor, dessen Vorlesungen mir immer besonders gut gefallen hatten. Ich wollte ihn eigentlich nur fragen, ob er mir ein paar Professor'innen und Arbeitsgruppen nennen kann, die sich mit ähnlichen Themen wie er selbst beschäftigen. Da hat er mir dann aber ein neues Projekt von sich vorgestellt, in dem es um die Entwicklung eines interaktiven Schulbuchs für iPads gehen sollte. Und da das super zu meinen Softwareentwicklerplänen passte, habe ich mich dann auf die freie Stelle in diesem Projekt beworben und konnte dort im zweiten Anlauf meinen Doktor machen. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Im Moment arbeite ich an einer Lernplattform für Lehramtsstudierende. (Unten mehr dazu.) Ich darf/soll mathematische und naturwissenschaftliche Kurstexte schreiben und interaktive Visualisierungen programmieren. Das ist genau die Kombination aus Mathematik, Unterrichten und Programmieren, die ich mir schon immer gewünscht hatte, auch wenn es mir vielleicht nicht immer klar war. Die Entscheidung dafür war also recht leicht und offensichtlich.
Halten tut mich hier allerdings tatsächlich nichts bzw. nicht viel. Unser Projekt ist drittmittelfinanziert und läuft Ende nächsten Jahres aus. Im Anschluss hätte ich noch zwei Jahre unter dem WissZeitVG übrig; bin mir aber im Moment noch überhaupt nicht sicher, ob ich eine akademische Karriere in dem jetzigen System will oder schaffe.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Hier in Bayern lernen Lehramtsstudierende diverse Themen der Erziehungswissenschaft, der Fachdidaktik und der Fachwissenschaft ihrer Fächer. Diese Themen werden meist von Dozent'innen verschiedener Fakultäten unterrichtet und sind oft wenig bis gar nicht aufeinander abgestimmt. Am Ende müssen die Lehrer'innen im Unterricht aber natürlich alles gleichzeitig können und machen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde an der TUM 2016 die Toolbox Lehrerbildung gestartet. Dies ist eine kostenlose, frei zugängliche Lernplattform für Lehramtsstudierende (und Lehrkräfte), in der sie ausgewählte Themen der drei Disziplinen Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Fachwissenschaft miteinander verschränkt lernen können. Dies geschieht hauptsächlich durch den Einsatz gescripteter Unterrichtsvideos, in denen wir zeigen, wie die Themen in Unterrichtssituationen zusammenspielen (können).
Ich habe 2018 in der Toolbox Lehrerbildung als Materialentwickler für die Fachwissenschaft angefangen. Das heißt, ich schreibe die Texte für die Kursseiten zu den fachwissenschaftlichen Themen wie Graphen & Bäume (Informatik), Dynamische Prozesse in Ökosystemen (Mathematik/Biologie) oder gerade jetzt zur Chemie der Farben (Chemie). Zudem zeichne ich Illustrationen, erstelle Selbstlernaufgaben und programmiere interaktive Visualisierungen/Diagramme, mit denen die Themen im wahrsten Sinne des Wortes (be)greifbar gemacht werden.
Mit der Zeit habe ich außerdem noch weitere Aufgaben übernommen, die sich unter Technikverwaltung zusammenfassen lassen: Ich bin Kontaktperson zu einer externen Softwarefirma, die das Backend der Lernplattform betreut, ich koordiniere unsere Zusammenarbeit mit anderen Unterrichtsvideoportalen und ich designe und betreue die Website unseres Projekts.
In den letzten 10 Jahren habe ich auch parallel sehr viel Zeit in die Lehre gesteckt und als Tutor und Übungsleiter gearbeitet. Momentan habe ich allerdings eine 100%-Stelle in der Toolbox Lehrerbildung, sodass ich in absehbarer nicht mehr unterrichten werde. Zum richtigen Forschen komme ich, vielleicht wenig überraschend, kaum. Ich versuche, wann immer ich Zeit habe, über ein, zwei mathematische Probleme nachzudenken und etwas Verwertbares dazu aufzuschreiben. Aber das Meiste ist im Moment nicht erwähnenswert.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Unsere Kinder verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Schule. Deswegen ist es wichtig, dass unsere Lehrkräfte gut ausgebildet werden. Und trotz all der Theorie, die wichtig ist, sollte ein größerer Praxisbezug im Vordergrund stehen. Mit unseren Unterrichtsvideos und verschränkten Disziplinen bilden wir dabei vielleicht nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir zeigen eine erfolgreiche Möglichkeit auf, wie die Lehrer'innenbildung in Zukunft aussehen kann.
Außerdem sind ALICE:Bruchrechnen, der Name des Buchprojekts meiner Promotion, und die Toolbox Lehrerbildung gute Beispiele dafür, wie Digitalisierung in der Schule und Hochschule aussehen kann.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin Schatzmeister im Bayerischen Go-Verein. Go ist ein ca. 4000 Jahre altes Brettspiel. Es entstand in China und wurde in Japan in die heutige Form entwickelt. Seit ein-, zweihundert Jahren verbreitet es sich zunehmend auch in Europa. Als ich etwa 18 Jahre war, hab' ich dieses Spiel über den Manga Hikaru no Go kennengelernt; so wie viele andere auch zu dieser Zeit. Nachdem ich nach München gezogen bin, habe ich oft die örtlichen Spieleabende besucht und an Wochenendturnieren teilgenommen. Eine kurze Zeit leitete ich auch eine Go AG bei mir an der Uni. Leider habe ich für Go immer weniger Zeit und Energie: Promotion, Arbeit, Corona, Familiengründung, etc. Da ich aber unbedingt etwas für die Community hier in Deutschland und insbesondere Bayern tun will, hab' ich mich vor ein paar Jahren dazu bereit erklärt, im Verein als Schatzmeister und Mitgliedsverwalter mitzuarbeiten. Da wir dann aber doch sehr viel kleiner sind als andere Sportvereine, hält sich die Arbeit sehr in Grenzen. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Das interessanteste Hobby ist vermutlich Go, zu dem ich oben ja schon ein bisschen was geschrieben hab'. Ansonsten hab' ich das Problem, dass ich zu viele Interessen hab'. Bin immer ein paar Wochen/Monate von etwas besessen und wechsle dann plötzlich zu etwas anderem.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Hmh... Im Idealfall hat der 100 Stunden, sodass ich alles schaffen kann, was ich mir immer für einen normalen Tag vornehme. Aber unter realistischen Bedingungen:
Früh, aber erholt aufwachen. In Ruhe einen Kaffee trinken und ein Buch lesen. Dann bei schönem Wetter raus an die frische Luft und ein bisschen Sport machen. Ein spätes, großes Frühstück. Nachmittags dann an ein paar Stunden an einem Hobbyprojekt rumbasteln. Und abschließend mit einem Glas Whisky in die Badewanne und wieder lesen.

Bitte begrüßt Bernhard ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 1, 2022

Das geht auf die Haut - Natalie Sondermann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Natalie Sondermann (@sofridaynight) vorstellen zu dürfen! Natalie hat zunächst Biologie studiert und ist aktuell Doktorandin am Leibniz Institut für umweltmedizinische Forschung. In ihrer Forschung dreht sich alles um die Auswirkungen von Umweltschadstoffen auf unsere Haut. Das sagt Natalie über sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Völlig ohne Vorstellung davon, was es genau bedeutet und mit sich bringt, wollte ich schon als Kind immer Forscherin bzw. Wissenschaftlerin werden. Dabei dachte ich in der Grundschule aber eher an das alte Ägypten und Dinosaurier - wahrscheinlich geprägt durch die ganzen Dokus, die ich mir damals reingezogen habe.

Während der Schulzeit habe ich mir eigentlich keine allzu großen Gedanken gemacht, wo es mich mal hinführen würde. Dass ich studieren wollte, war mir klar, aber was genau? Medizin? Journalismus? Anglistik? Da hatte ich absolut keinen Plan. Im letzten Schuljahr entschied ich mich dann für Biologie - etwas spät vielleicht, da ich es nicht mal als Leistungskurs hatte. Nach dem Abi schrieb ich mich ein und bekam einen Platz.

Die folgenden Jahre waren geprägt von der Frage, „Biologie? Also auf Lehramt oder wie?“, und meinem stetigen Verneinen. Nach zahlreichen Momenten, in denen ich überfordert das Studium abbrechen wollte, Klausuren bis ins Unendliche geschoben hatte und mit einigen Nebenjobs fernab der Regelstudienzeit lag, beendete ich mein Bachelorstudium mit meiner praktischen Abschlussarbeit über das Pollensammelverhalten der dunklen Erdhummel. Das erste Mal überhaupt praktisch und selbstständig wissenschaftlich zu planen und zu arbeiten, hat mir echt viel Spaß gemacht und mich enorm motiviert – endlich, das wollte ich!

Darauf folgte also der fließende Übergang in das Masterstudium der Biologie. Ich legte meinen Schwerpunkt auf die molekulare Biomedizin und bewarb mich für meine Masterarbeit am Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF), wo ich auch heute noch arbeite.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden und was hält dich dort?

Im Master belegte ich Vertiefungsmodule über innere Organe, Gehirnfunktion und Genomanalyse. Letztlich, sicher auch durch mein großes Interesse an Tätowierungen, wollte ich meine Masterarbeit aber am liebsten wenigstens in grobem Zusammenhang mit der Haut schreiben.

Tatsächlich arbeitete ich in meiner Masterarbeit dann auch mit Hautzellen und untersuchte die Auswirkungen eines bestimmten Medikaments zur Behandlung von Hautkrebs und dessen Nebenwirkungen in Zusammenhang mit UVB-Strahlung.

Für mich ist die Haut einfach ein besonders spannendes Organ, da wir über sie konstant in Kontakt mit unserer Umwelt und deren Einflüssen stehen. Wirklich aktiv für exakt dieses Feld entschieden habe ich mich wohl aber nicht wirklich – da hat vielmehr auch das Glück mitgespielt, in meiner jetzigen Arbeitsgruppe gelandet zu sein und hier nun auch promovieren zu können!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Aktuell bin ich also immer noch am IUF und behandle mittlerweile im zweiten Jahr meiner Promotion in erster Linie das Thema Umweltschadstoffe und deren Interaktion mit einem bestimmten Rezeptor in der Haut. Dabei versuche ich unter anderem, den Mechanismus hinter der Entstehung bestimmter Hautkrankheiten genauer zu entschlüsseln.

Hierzu gehört letztlich auch eine Reihe verschiedener Experimente und Methoden. Das erstreckt sich von Computersimulationen und 3D-Modellierungen über diverse Versuche in Zellkulturen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Da ich eher Grundlagenforschung zu bestimmten Molekülinteraktionen betreibe, ist das Ganze doch recht fern vom alltäglichen Leben. Dann wiederum arbeite ich mit in unserer Umwelt vorhandenen Schadstoffen - zum Beispiel Chemikalien aus der Plastikproduktion, Pestizide oder Nebenprodukte verschiedener Industriezweige.

Die Haut, als Schutzbarriere zwischen Körper und Umwelt, muss sich solchen Einflüssen täglich aussetzen. Doch was genau dadurch passiert oder passieren kann, ist nicht für jede chemische Verbindung im Detail bekannt.

Nun könnte man meinen, dass diese Details nicht wirklich relevant sind, doch Grundlagenforschung und das genaue Verständnis bestimmter molekularer Mechanismen kann zum Beispiel auch neue präventive Ansätze oder Behandlungsansätze für diverse Krankheiten hervorbringen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Gemeinsam mit meinem Freund habe ich 2017 ein Tattoo-Magazin gegründet: Feelfarbig (https://feelfarbig.com). Dort bin ich seitdem als Redakteurin tätig und verfasse regelmäßig Artikel, führe Interviews oder kuratiere Tattoo-Künstler*innen.

Für mich ist die Literaturrecherche in diesem Themengebiet besonders spannend, weil die Forschung rund um Tätowierungen immer noch relativ nischig ist. Wenn ein neues, interessantes Paper erscheint, ist die Freude also groß! Und das Ganze dann nicht nur zu lesen, sondern diese Forschungsergebnisse für eine breite Masse aufzubereiten und teilen zu können, macht mir einfach Spaß.

Da es im deutschsprachigen Raum nur wenige Tattoo-Fachmagazine gibt und gerade dem wissenschaftlichen Gesichtspunkt bisher nie viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, freuen wir uns auch besonders über den großen Anklang bei unserer Leserschaft!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Vor rund zwei Jahren habe ich damit angefangen, entomologische Präparate anzufertigen - meist wissenschaftlich und mal mit etwas künstlerischer Freiheit. Dafür habe ich mir bei Antiquariaten viele alte Broschüren, Hefte und eine Menge Bücher über Falter und das Präparieren besorgt. Mit denen versuche ich dann auch mal die ein oder andere Art zu bestimmen, was mir auch unheimlich viel Spaß macht.

Ansonsten schreibe ich in meiner Freizeit gerne oder esse Süßkram und gucke Serien – das sind dann aber vielleicht eher weniger interessante Hobbies.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Am liebsten verbringe ich einen freien Tag draußen in der Sonne (natürlich mit Sonnenschutz :D) und gucke mir irgendwelche heimischen Tiere an. Da bin ich wirklich einfach zu begeistern: eine Hummel? Super, da setz ich mich mal 10 Minuten hin und guck, wie sie Nektar oder Pollen sammelt. Ein Eichhörnchen? Komplette Eskalation - aber nur innerlich, damit es nicht verschreckt wird. Ein Vogel? Cool, direkt mal in der Vogel-App nachschauen, ob es ein Gartenbaumläufer oder ein Waldbaumläufer ist.

Im Optimalfall begleitet mich mein Freund dabei und wir snacken später noch Kuchen oder Eis (im besonders optimalen Optimalfall halt Kuchen UND Eis).

Bitte begrüßt Natalie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 24, 2022

Retter der Insekten - Gregor Kalinkat ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren Kurator Gregor Kalinkat (@gkalinkat) vorstellen zu dürfen! Gregor hat Biologie studiert und arbeitet nun am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin. Aktuell untersucht er, wie der Artenrückgang von Insekten durch umweltfreundliche Beleuchtung gestoppt werden kann. Gregor war 2018 schon einmal bei uns zur Gast und hat sich vorgestellt - ein paar Dinge haben sich seitdem aber verändert, die er euch in seinen eigenen Worten beschreibt:

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich habe 2018 das Angebot bekommen in diesem Projekt zu arbeiten und da ich mich schon vorher für Insektenrückgänge und die vielfältigen Gründe dafür sehr interessiert habe fande ich das sehr spannend. Außerdem ist es ein Projekt mit langer Laufzeit (6 Jahre) was es zusätzlich attraktiv gemacht hat. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In unserem Projekt Artenschutz durch umweltfreundliche Beleuchtung (https://www.tatort-strassenbeleuchtung.de/ und @AubeNews auf Twitter)  bin ich vor allem für die Begleitforschung auf unserem Experimentalfeld sowie die Auswertung der Insektenfänge zuständig. Im Projekt haben wir gemeinsam mit Lichttechnikern von der TU Berlin sowie mit Leuchtenherstellern Insektenfreundliche Strassenlaternen entwickelt. In einem so genannten "before control/after impact" Design (BACI) evaluieren wir anschließend ob und wie gut die Lampen die Anlockung von Insekten reduzieren. Das Projekt läuft in 4 Gemeinden/Regionen in Nordostdeutschland und Hessen. Mehr über das Projekt gibt es natürlich in den nächsten Tagen auf dem RealSci DE Account. 

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
 
Es soll zur Dark Sky Week um zwei Schwerpunkte gehen
  1. Exzessive Beleuchtung und Auswirkungen dieser "LIchtverschmutzung" auf Umwelt/Natur aber auch Gesundheit etc
  2. Artenvielfalt ist in erster Linie Insektenvielfalt und das viel zitierte "Insektensterben" hat viele Gründe. Lichtverschmutzung ist einer davon. Ich möchte diese Themenkomplexe beleuchten denn sie
 
Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich engagiere mich im Leibniz Postdoc Network @LeibnizPostdocs wo wir im letzten Jahr eine Interview-Serie rund um die Pandemie veröffentlicht haben (hier ein Beitrag https://leibniz-postdoc.de/blog-series-2-the-immune-response-in-severe-covid-19-cases/) Außerdem tweete ich für die Alliance for Freshwater Life @AFL_org

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich fahre gerne Fahrrad. Am liebsten würde ich auch wieder mal beim Kalmit Klapprad Cup @klappradcup mitfahren (war schon mehrmals dort als ich noch in der Nähe gewohnt habe, aber seit ich in Berlin bin habe ich es noch nicht geschafft).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Auf jeden Fall ist (1.) draußen sein (2.) mit der Familie wichtig. Sonntags fahren wir gerne mit dem Rad oder schlendern über den Flohmarkt. 

Bitte begrüßt Gregor ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, April 18, 2022

Anglophone Texte durchs Perspektivprisma sehen - Jennifer Henke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Jennifer S. Henke (@jenniferhenkeHB) vorstellen zu dürfen! Jennifer ist promovierte Literatur- und Kulturwissenschaftlerin im Bereich Anglistik/Amerikanistik. Sie hat an Universitäten in Bremen, Hamburg-Harburg, Halle, Guelph, Kanada und Freiburg geforscht und gelehrt. Zurzeit vertritt sie ihre zweite Professur, aktuell mit Schwerpunkt anglophone Gender Studies an der Universität Greifswald. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
In der Wissenschaft bin ich über einige Umwege gelandet. Ich habe einen nicht-akademischen Hintergrund, auf den ich sehr stolz bin: Ich bin die erste in der Familie, die Hochschulreife erlangt hat, dazu noch auf dem zweiten Bildungsweg, sowie die erste und einzige mit Studienabschluss und Promotion. Ich bin also das, was man eine #FirstGen (first generation) oder auch Bildungsaufsteigerin nennen würde, was jedoch nicht heißt, dass meine Familie nicht belesen ist, ganz im Gegenteil sogar. Sie gehörte aber nie zur Bildungsschicht; dies kann für Nachkommen solcher Milieus einige Hürden mit sich bringen wie etwa fehlende Netzwerke, mangelnde Kenntnisse des Bildungssystems, keine sonstige Unterstützung usw. In der anglophonen Literatur- und Kulturwissenschaft bin ich gelandet, da ich nicht nur zweitsprachig aufgewachsen bin (englisch/deutsch), sondern mich schon immer für Geschichten, Medien und die britische Kultur interessierte. Dabei haben mich stets auch feministische und genderbezogene Themen fasziniert – von der Suffragetten-Bewegung in Großbritannien über feministische Hollywood-Filme und Romane bis hin zu Shakespeare und Gender. Diese Themen waren es auch, die meine Leidenschaft für das Forschen weckten und warum ich nach dem Abschluss (damals noch Magister) in Anglistik/Amerikanistik und Germanistik unbedingt weitermachen wollte. Heute vertrete ich schon zum zweiten Mal eine Professur, aktuell für Anglophone Gender Studies, und kann manchmal kaum glauben wie weit ich vor allem als Frau und #FirstGen gekommen bin, auch, wenn die weiteren Aussichten mehr als unsicher sind. Natürlich hat mein aktueller Status auch sehr, sehr viel mit Glück und Privilegien zu tun, die andere marginalisierte Forschende nicht haben, dessen bin ich mir überaus bewusst. Gleichzeitig bin ich stolz auf meinen bisherigen Weg, der alles andere als einfach war. Ich hoffe, dass ich auch zukünftig meinen Beruf weiter ausüben kann, denn das Prekariat an deutschen Hochschulen ist kein Geheimnis: Auch ich gehöre zu den weit über 90% befristeten Forschenden in diesem System, die aufgrund des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (#WissZeitVG) und dem eklatanten Mangel an festen Stellen mit über 40 Jahren vor dem Exodus stehen. Bis das Beil endgültig fällt oder ich im Wissenschaftslotto gewinne, forsche und lehre ich mit Herzblut weiter.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
An meinem Fach fasziniert mich besonders, dass es dabei hilft, sich selbst als historisches Subjekt besser begreifen zu können. Anders ausgedrückt: Meine Disziplin untersucht ‚Texte‘ – und das kann alles von Romanen über Filme bis hin zu Illustrationen sein – nicht losgelöst von ihrem historischen Kontext. Texte existieren nie in einem Vakuum – sie sind stets eingebettet in historische und sozio-kulturelle Diskurse. Sie ‚sprechen‘ zudem immer anders zum jeweiligen Publikum. Zum Beispiel gibt es in der anglophonen Geschichte Phasen, über die wir noch nicht genug wissen, da einfach zu wenige historische Quellen existieren. Überliefert werden jedoch oftmals Geschichten, die uns mehr über eine jeweilige Kultur verraten können. Die Literatur- und Kulturwissenschaft fragt jedoch nicht nur nach der Art des Textes (dem ‚Was‘), sondern vor allem auch nach den Bedeutungsmechanismen (dem ‚Wie‘): Wie funktioniert ein Narrativ? Welche intertextuellen Referenzen liegen vor? Wie hängen Form, Inhalt und kultureller Kontext zusammen? Welche gesellschaftliche Funktion hat ein Text in der jeweiligen Epoche? Was kann er uns über Machtmechanismen verraten? Welche Theorien und Methoden können auf einen Text angewendet werden mit welchem Erkenntnisgewinn? Gleichzeitig können uns Texte aus gut erforschten Epochen immer wieder andere, neue Perspektiven eröffnen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man ein vermeintlich objektives Geschichtsbuch zur Hand nimmt, um sich Wissen über eine Kultur oder ein historisches Ereignis anzueignen, oder einen Roman liest, der der Leserin eine andere, subjektivere Perspektive eröffnet. Oft sind Bedeutungen zudem kodiert wie etwa in fantastischen Erzählungen, die auf der Metaebene höchst politisch sein können: Es ist unsere Aufgabe als Forschende, diese Codes zu entschlüsseln und immer wieder neu zu deuten. Letztlich geht es in der Literatur- und Kulturwissenschaft vor allem um unterschiedliche Perspektiven und nicht um ‚die eine‘ Wahrheit, sondern um sich stets verändernde Blickwinkel. Es kann daher für Studienanfänger:innen und Fachfremde manchmal frustrierend sein, wenn es auf eine Frage keine definitive Antwort gibt, aber genau darum geht es oftmals, um die Herausarbeitung der Komplexität eines Themas. Ich verstehe mein Fach dabei als eine Art Prisma, die das Licht bricht und immer wieder neue Farben erzeugt, je nach Art und Bewegung des Prismas. Das bedeutet nicht, dass es keine Fakten gibt, ganz im Gegenteil sogar. Nur wie diese Fakten interpretiert werden und welche Funktionen sie erfüllen – das ist der Gegenstand unserer Forschung und auch das Faszinierende an meinem Fach. Das ist das, was mich persönlich in der Wissenschaft hält – das immer Neue und Andere, der ständige Perspektivwechsel. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich vertrete zurzeit meine zweite Professur im Bereich der englischsprachigen Literatur und Kultur, dieses Mal mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den Gender Studies, was mir ermöglicht, mich in meinem bevorzugten Forschungsfeld ‚austoben‘ zu können. Während der Pandemie und den vielen Universitätswechseln im Rahmen von Vertretungen und Lehraufträgen hatte bisher die Einarbeitung in immer neue Infrastrukturen sowie in die (für nahezu alle Kolleg:innen) neue online Lehre Vorrang. Aktuell arbeite ich am Abschluss meines zweiten großen Forschungsprojekts zur Geschichte der Geburtsmedizin während der Aufklärung in Großbritannien. Mich interessiert dabei vor allem die Frage, wie Darstellungen des reproduktiven Körpers sowohl in medizinischer als auch literarischer und visueller Literatur mit tatsächlichen materiellen Praktiken der Geburtshilfe verwoben sind. Mein kulturhistorisch ausgerichtetes Forschungsprojekt ist für mich äußerst sinnstiftend, da es dazu beiträgt, aktuelle Probleme rund um die Geburtshilfe besser zu verstehen. Literarische und kulturelle Artefakte – und dazu gehören auch medizinische Handbücher und Illustrationen – fungieren dabei nicht nur als historische Quellen, sondern auch als eine Art Brille, die ich mir aufsetze, um zu neuen Perspektiven zu gelangen. Mein Alltag besteht während der Vorlesungszeit überwiegend aus Administration und Lehre: Aktuell führe ich Seminare zu Cyborgs und Gender, aber auch zu irischer und kanadischer Literatur und Kultur durch. Zum Forschen komme ich in der Regel in der vorlesungsfreien Zeit. Dann bestehen meine Tage aus lesen, lesen, lesen, denken, schreiben, lesen. Am schönsten ist es für mich, wenn der ‚flow‘ eintritt und ich beim Lesen = Forschen mein Zeitgefühl verliere, komplett in ein Thema eintauche und mehrere ‚aha, ach, so ist das also!‘-Momente erlebe. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
In erster Linie hat mein Fach der Literatur- und Kulturwissenschaft folgende gesellschaftliche Funktionen: Es fördert durch das Lesen fachwissenschaftlicher und fiktionaler Texte nicht nur die generelle Lese-, sondern vor allem auch die Medienkompetenz, die in unserer heutigen Zeit unabdingbar geworden ist. In meinem Fach geht es nicht vorrangig um den Erwerb von Sprachkompetenzen – diese sollten idealerweise bereits bei Studienbeginn und Eintritt in die Forschung vorliegen – sondern um das Erlernen und Erproben von kritischem Denken. Dieses ist insbesondere angesichts der aktuell zu verzeichnenden Flut an #Desinformation relevant. In meinem Fach steht nicht nur die Einübung von Argumentationslinien, sondern vor allem auch die Überprüfung von Quellen im Vordergrund: Woher stammt dieser Text/diese Information? Wer spricht, mit welcher Intention? Welche belastbaren Quellen lassen sich für diese Aussage finden? Existieren andere Perspektiven auf ein Thema/eine Fragestellung? Welche Machtmechanismen bestimmen wer, wann, wo, was sagen darf? Welche Faktoren wie etwa gender, class, race, ability, age usw. spielen in einem Diskurs welche Rolle? Diese und andere Themen sind für die Öffentlichkeit und somit Gesellschaft von hoher Relevanz, da sie die Demokratie fördern. Das Motto meiner Lehre lautet zum Beispiel: „feel free to disagree“. Studierende sollen nicht passiv konsumieren, sondern debattieren, Dinge hinterfragen und ihre Argumente mit belastbaren Quellen untermauern. Nicht zuletzt bin ich auch in der Lehramtsausbildung tätig. Es sind die Studierenden von heute, die die Kinder von morgen unterrichten und im Klassenzimmer als Multiplikator:innen fungieren werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit mehreren Jahren erfülle ich zusätzlich Lehraufträge an einer Technischen Universität. Ich bringe dort u.a. angehenden Maschinenbauer:innen und Ingenieur:innen nicht nur die anglophonen Literatur- und Kulturwissenschaften, sondern vor allem auch die Relevanz von Geschlechterfragen näher. Ich musste mich anfangs noch etwas an die sehr heterogene (und manchmal auch skeptische) Studierendenschaft gewöhnen, aber liebe die Herausforderung, ein völlig fachfremdes Publikum für meine Disziplin zu begeistern. Eine Rückmeldung, die ich immer wieder erhalte und die mich sehr freut ist, dass Studierende erstaunt über die unterschiedlichen Perspektiven nicht nur mit Blick auf die vermittelten Themen, sondern vor allem hinsichtlich ihrer Kommilliton:innen sind: „I learnt that there are actually far more perspectives than I had previously thought“. Ziel erreicht.
Ansonsten, sofern es die knappe Zeit ermöglicht, bin ich auch in der Wissenschaftskommunikation tätig. Zum Beispiel habe ich an einer Reihe ‚science goes public‘ teilgenommen und in einer Kneipe Frankenstein und Feminismus vermittelt. Andere Male habe ich als Wissenschaftlerin an der Diskussion von Theaterstücken wie etwa The Vagina Monologues teilgenommen und Informationen zur Kulturgeschichte der Gynäkologie eingebracht. Ansonsten bin ich auf Twitter anzutreffen und tweete verstärkt zu den Hashtags #IchBinHanna, #IchBinReyhan sowie zu Gender-Themen.   

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich habe das große Glück, u.a. mit drei Hunden leben zu dürfen, wenn ich nicht gerade pendele – einer amerikanischen Bulldogge und zwei Chinesischen Schopfhunden, Marke Powder Puff. Mit Ihnen verbringe ich den größten Teil meiner kleinen Freizeit.     

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen (Eule)! Dann Gassi, ein gutes Frühstück, Badewanne, Filme (lesen tue ich beruflich schon genug), Freund:innen, Familie.

Bitte begrüßt Jennifer ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, April 11, 2022

Netz und Politik in Fernost - Katharin Tai ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Katharin Tai (@katharintai) vorstellen zu dürfen! Katharin ist Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin. Sie hat an der SciencesPo in Paris Euro-Asia Relations studiert und anschließend an der Universität Oxford ihren Master in International Relations gemacht. Aktuell promoviert sie in den USA am MIT zur chinesischen Außen- und Netzpolitik. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe schon in der Schule gemerkt, dass ich unheimlich Spaß daran habe, mich in komplizierte Zusammenhänge reinzuwühlen, sie zu verstehen und dann zu erklären, besonders in der Politik. Falls möglich wollte ich das mit einem Fokus auf Politik in Ostasien zu meinem Beruf machen. Damals war ich allerdings noch unsicher, ob es vor allem Arbeit zu Japan oder China werden würde. Politikwissenchaftliche Forschung ist letztendlich einer der wenigen Bereiche, in denen das wirklich möglich ist, wenn man Glück hat und nach dem Doktor einen Job findet. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Politikwissenschaft versucht im Idealfall, eine Balance zwischen belastbarer Forschung zu konkreten Fällen und der Suche nach verallgemeinerbaren Theorien zu finden, zum Beispiel: Was können wir von China darüber lernen, wie autoritäre Systeme im Rest der Welt funktionieren? Was können wir vom wirtschaftlichen Erfolg von Südkorea oder Taiwan darüber lernen, welche politischen Institutionen wichtige Bedingungen für Wirtschaftswachstum sind? Das mit der Balance klappt natürlich nicht immer, mal nimmt das Eine, mal das Andere Überhand, und es ist auch eine echte Herausforderung, diesen Sweet Spot zu finden. Aber insgesamt finde ich es einen guten Ansporn, sich zu fragen, inwieweit wir allgemeine Muster in der Politik finden können. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin gerade im 4. Jahr meines Doktors und versuche, herauszufinden, wie genau ich mein Dissertations-Thema am besten konzipiere und empirisch angehe - besonders, da Feldforschung in China gerade nicht möglich ist. Allgemein arbeite ich zwischen den Feldern Internationale Beziehungen und Vergleichende Politikwissenschaft mit einem Fokus auf Netzpolitik in China, Taiwan und Hongkong. Ich interessiere mich besonders für die Integration von Technik in bestehende Politik und Institutionen, die Beziehung und die Interaktionen von Staat und Gesellschaft, insbesondere die Rolle bürokratischer Systeme, und das gesamte Subfeld zu autoritären (und hybriden) politischen Systemen. Zum Beispiel habe ich gerade eine Chicago bei einer Konferenz ein Paper zur historischen Entwicklung der chinesischen Definition von “Cybersecurity” vorgestellt, in der ich mir vor allem die 90er Jahre anschaue.
Mein Alltag besteht aktuell aus drei Teilen: Dissertation, einem Seminar, das ich belege, und einem Forschungsprojekt, bei dem ich eine Professorin am MIT unterstütze. Die Arbeit für die Dissertation ist eine Mischung aus dem Durchsuchen von historischen und aktuellen chinesischen Quellen, von 1949 bis heute, und dem Suchen, Säubern und Nutzen von diversen Datensätzen, wie z.B. der ethnischen Zusammensetzung verschiedener chinesischer Städte. Hinzukommt eine gute Portion existentielle Krise bei der Suche nach der richtigen Forschungsfrage. Für das Seminar lese ich jede Woche mindestens zwei Bücher (eins über China, eins aus der vergleichenden Politikwissenschaft aus dem gleichen Themenbereich) und fahre einmal pro Woche mit dem Rad zum Seminar nach Harvard. Für das Forschungsprojekt lese ich gerade vor allem Sekundärliteratur und recherchiere Primärquellen aus den letzten 100 Jahren deutscher Politik.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Politikwissenschaft zu autoritären Regimen allgemein und zu chinesischer Politik im Besonderen ist überraschend oft kontraintuitiv im Vergleich zu hergebrachten, akzeptierten Weisheiten zu diesen Gebieten außerhalb der Politikwissenschaft - manche Sachen, von denen man glaubt, sie zu wissen, stellen sich bei genauerem Hinsehen manchmal als ganz anders oder viel komplizierter heraus, als man das oft im öffentlichen Diskurs mitbekommt. Solche Missverständnisse können dann Auswirkungen auf Politik haben, z.B. wenn es um den Umgang mit China als aufsteigender Weltmacht geht, oder lassen auch viele Menschen mit einem verzerrten, vereinfachten Bild von einem sehr komplizierten Land zurück. Ein gutes Beispiel was die allgemeine Wahrnehmung angeht ist die Forschung über die chinesischen Internetzensur, die viele Annahmen, die mir dazu in Deutschland oft begegnen, widerlegt: Die Politikwissenschaftlern Margaret Roberts hat herausgefunden, dass die Bestrafung von Leuten für das Posten kritischer Aussagen eine viel kleinere Rolle spielt als z.B. das Schaffen von kleinen Hürden, die es einfach nervig, aber nicht unmöglich machen, bestimmte Webseiten zu nutzen - und das reicht oft, um viele Menschen davon abzuhalten, diese Seiten aufzusuchen. Ein anderes Beispiel ist die Forschung dazu, wie Wahlen autoritären Regierungen helfen, an der Macht zu bleiben - weil Wahlen allein eben noch lange keine Demokratie ausmachen.
Natürlich sind komplizierte, nuancierte Theorien auch viel schwieriger zu vermitteln als einfache Narrative und erfordern etwas mehr Zeit, um sie zu durchdringen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Aber ich glaube, dass es sich lohnt, sich mit der Literatur zu autoritärer Politik auseinanderzusetzen - sei es nur für den Überraschungsfaktor, oder weil es eben auch an sich interessant ist, wie Politik in unterschiedlichen politischen Systemen funktioniert. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wenn der Doktor nicht gerade Überhand nimmt, schreibe ich auch journalistisch über China, Taiwan und Hongkong und betreibe mit einem Freund und Kollegen den Fernostwärts-Podcast und Newsletter über die gleiche Region.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit gehe ich mehrmals die Woche zum Taekwondo. Außerdem coache ich das taiwanesische Schuldebattierteam im World Schools-Stil.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, in Ruhe frühstücken, draußen in der Sonne irgendetwas mit Lieblingsmenschen unternehmen, abends kochen oder essen gehen, dann noch etwas lesen.

Bitte begrüßt Katharin ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 3, 2022

Wenn da mal kein Kraut gegen gewachsen ist - David Spencer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator David Spencer (@d_t_spencer) vorstellen! David studierte Biologie und promoviert aktuell zum Thema Krankheitsresistenzen in Kulturpflanzen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sammelte er als Musiker und Science-Slammer Bühnenerfahrung. In zahlreichen öffentlichen Auftritten vor Fach- und Nichtfachpublikum brachte er den Menschen die Themen der modernen Pflanzenforschung näher. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters ist stets auf der Suche nach neuen Dialogformen für einen evidenzbasierten gesellschaftlichen Diskurs. Seit 2020 ist er Vorstandsmitglied der Umwelt-NGO „Öko-Progressives Netzwerk e. V.“ und spricht im Podcast „Krautnah“, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt, über die Pflanzenwissenschaften in leicht verständlicher Weise. Die Wissenschaftskommunikation hält er für einen integralen Bestandteil der Arbeit von Forschenden, der zu oft vernachlässigt wurde – Zeit, das zu ändern!

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Durch meine Liebe zum Essen :) - ich wollte auf molekularer Ebene verstehen, warum Chili scharf ist, Zwiebeln uns zum Weinen bringen und Cannabis uns high macht.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Der Klimawandel erfordert eine Anpassung der Pflanzenzucht, weg von reiner Ertragssteigerung und hin zu wirklich klimafesten Sorten. Ich finde es total spannend, dabei zu sein und Ideen für einen nachhaltigeren Pflanzenbau aufzuzeigen. What a time to be a biologist!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Weltweit werden Ernten durch Schädlinge und Krankheiten bedroht. In meiner Forschung versuche ich zu verstehen, warum manche Pflanzen krank werden, andere jedoch nicht. Diese "natürlichen" Resistenzen spüre ich in Feldstudien auf und übertrage die verantwortlichen Gene mittels Grüner Gentechnik auf die bedrohte Nutzpflanze. Neben meiner Forschung an den Mechanismen dieser sogenannten Nichtwirtresistenz beteilige ich mich auch aktiv am öffentlichen Dialog zum Thema Gentechnik. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass die Menschen den Nutzen dieser Technologie für eine nachhaltige Landwirtschaft verstehen und akzeptieren.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir alle müssen essen, tanken, Kleidung kaufen. Pflanzenprodukte sind allgegenwärtig, auch wenn uns das oft nicht bewusst ist. Eine robuste Produktion pflanzlicher Produkte, die krisenfest und anpassungsfähig ist, geht uns alle an! Indem ich die Chancen des genetischen Pflanzenschutzes erforsche, trage ich (wenn auch im Kleinen) zu den notwendigen Innovationen für die Ernährungssicherheit bei - so hoffe ich. :)

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich versuche mich seit einigen Jahren in verschiedenen Formaten der Wissenschaftskommunikation: Bundesweite Science Slams, Produktion eines Pflanzen-Podcasts ("Krautnah"), Vorstandsarbeit in der Umwelt-NGO "Öko-Progressives Netzwerk e.V.". Seit kurzem bin ich außerdem Autor, am 1.4.2022 ist mein Buch "Alles bio - logisch?!" im Droemer Knaur-Verlag erschienen. Die Öffentlichkeitsarbeit sehe ich als integralen Bestandteil meiner wissenschaftlichen Arbeit! :)

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mit großer Leidenschaft probiere ich Neues in der Küche aus - weil ich Pflanzeninhaltsstoffe mag, ja, aber auch, weil ich immer auf der Suche nach neuen Geschmacksexplosionen bin. :)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen, mit einer Tasse Tee irgendeine tolle Doku gucken, dann ab in die Natur und abends ein Dreigängemenü zubereiten. ;)

 Bitte begrüßt David ganz herzlich bei Real Scientists DE!