Sunday, October 2, 2022

Serien-Junkies aufgepasst! Melissa Schuh ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Melissa Schuh (@schuh_melissa)! Melissa Schuh ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Habilitandin am Lehrstuhl für Anglistik am Englischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie hat 2019 am English Department der Queen Mary University of London mit einer literaturwissenschaftlichen Doktorarbeit zu narrativen Strategien in zeitgenössischen autobiographischen Texten mit dem Titel “The (Un-)Making of the Novelist’sIdentity promoviert. Davor hat sie Anglistik, Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of Nottingham und der University of Oxford studiert. Sie ist Mitherausgeberin des Journals C21 Literature: Journal of 21st Century Writings. Darüber hinaus ist sie Vertrauensdozentin für Diversität, Gleichstellung und Inklusion am Englischen Seminar und stellvertretende Diversitätsbeauftragte für die philosophische Fakultät der CAU Kiel.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Bereits zu Schulzeiten habe ich mich sehr für Sprache, Geschichte, Literatur und Kultur interessiert und hatte das Privileg bei außerschulischen Programmen, wie sprachwissenschaftlichen Kursen auf der JuniorAkademie und SchülerAkademie, undim Zuge meiner Facharbeit in Geschichte wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitsweisen kennenzulernen. Im Anglistik- und Germanistikstudium in Nottingham wurde ich stetig von neuen Ideen und interessanten Fragen weitergetrieben. So schrieb ich zwei Bachelorarbeiten: eine zur Rolle des Publikums in einer bestimmten Romeo and Juliet Inszenierung des Nottingham Playhouse und eine weitere zu Motiven von Widerstand und Anpassung im autobiographischen Werk des ostdeutschen Autors Günter de Bruyn, wobei diese später zu meinem ersten publizierten Aufsatz wurde. Während ich meine komparatistische Masterarbeit zu Fiktionalität und Faktualität im Werk von Philip Roth und Günter Grass in Oxford schrieb, entwarf ich vier verschiedene Dissertationsprojekte, weil ich so viele darüberhinausgehende Ideen hatte. Meine letztendliche Doktorarbeit war ein darauf aufbauendes Projekt zu narrativen Strategien von Fiktionalität in der Selbstdarstellung zeitgenössischer Autobiographien, dass ich an der Queen Mary University of London durchführen konnte, weil ich das Glück hatte in meinem Forschungsbestreben stets von Mentor*innen und meiner Familie unterstützt zu werden


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Themen und Fragen rund um Sprache, Literatur und Kultur beschäftigen mich seit meiner Kindheit, da ich zweisprachig und als Teil einer großen diasporisch zerstreuten Verwandtschaft aufgewachsen bin, so kam ich dazu Literatur-, Kultur-, und Sprachwissenschaft zu studieren. Im Studium hat mich ein Kurs zu „German Life Writing“ (Life Writing ist ein Überbegriff für biographische und autobiographische Formen) von Professor Roger Woods besonders inspiriert, weshalb ich mich seit meiner Promotion immer wieder mit Fragen zu diesen Textformen beschäftige: was führt uns als Leser*innen dazu Autor*innen zu vertrauen oder zu misstrauen, wenn sie über ihr Leben schreiben? Welche stilistischen Formen tragen zu solchen Leseerfahrungen bei? Welche Rolle spielt insbesondere Fiktion bzw. Fiktionalität in Texten, die einem Wahrheitsanspruch unterworfen sind? Diese und weitere Fragen haben mich tief in die Literatur- und Kulturwissenschaft katapultiert und mein Interesse daran, wie die kulturelle Produkte (wie Texte, Filme, Serien), die wir erleben funktionieren und aufgebaut sind, warum wir sie konsumieren und welche Auswirkungen dies auf gesellschaftliche und politische Diskurse hat, bleibt unerschöpft. Außerdem möchte ich als Woman of Colour in meiner wissenschaftlichen (und Lehr-) Praxis einen Beitrag dazu leisten, dass in Bildung und Wissensproduktion diverse Perspektiven und Stimmen gehört und gesehen sowie strukturelle Hürden abgebaut werden. Diese Verantwortung fließt in all meine Forschungs- und Lehrtätigkeit ein und ist neben meinem wissenschaftlichen Erkenntnisdrang zentral für meine Motivation in der Wissenschaft zu arbeiten.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Neben meinem anhaltenden Interesse in Life Writing Studies beschäftige ich mich in meinem Habilitationsprojekt mit seriellen Formen in Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Seit dem Einzug von Streamingdiensten wie Netflix und auch dem weitreichenden Erfolg von seriell publizierten Fantasy-Romanreihen, zieht das Format Serie mehr Aufmerksamkeit auf sich und ist allgemein als populäre Form bekannt. Dabei liegt allerdings ein großer Fokus auf Serialität in Form von narrativer Kontinuität und Fortsetzung, also zum Beispiel die Frage „Wie geht es weiter?“ nach einem Cliffhanger oder wie die narrativen Stränge eines seriell publizierten Werks zu einer zufriedenstellenden Fortsetzung oder gar einem Ende zusammenkommen. Ich interessiere mich für Formen von Serialität, also Prozesse um Wiederholung und Variation, die anders funktionieren. So kommen in Literatur und Medien auch stilistische Wiederholungen und Adaptionen vor, Werke können lose im selben Universum verortet sein ohne narrativ aufeinander aufzubauen, wiederkehrende Figuren, Orte, Motive und Ideen können seriell zusammenhängend gelesen werden. Ich erforsche welche Effekte solche weniger auf narrative Fortsetzung bezogene Arten von Serialität haben. Der Vergleich solcher alternativen Formen von Serialität kann vielleicht die Frage beantworten, warum im Zusammenspiel mit entsprechenden Marktmechanismen manche Serien als eher populär und andere als literarisch wahrgenommen werden, was auch manche literaturhistorische Kanonisierungsprozesse miterklären könnte. 

Über dieses Projekt hinaus, forsche ich auch zum Thema Brexit in jüngster zeitgenössischer Literatur, und beschäftige mich mit der Darstellung von Theorie und Aktivismus in Wissenschaftsdiskursen und der Repräsentation von Marginalisierungserfahrungen in Literatur und Medien.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Der Konsum von Literatur, Kultur und Medien im weitesten Sinne dieser Begriffe ist allgegenwärtig und prägt gesellschaftliches und politisches Geschehen. Also steht die Frage danach wie die Form und der Inhalt eines jeden Kulturprodukts gewisse Effekte hervorrufen und Menschen bewegen hinter allen gesellschaftlichen Themen, die unser Leben bestimmen, sei es etwas Abstraktes wie unser Wahrheitsbegriff (in Bezug auf Life Writing und Lebensgeschichten) oder ein konkret einschneidendes Ereignis im Zeitgeschehen, wie Brexit. Wie und warum wir uns für die zu Büchern, Filmen, Serien, Interviews, Essays, Twitterthreads, Instagram Stories etc. entworfenen Geschichten, Berichte, Zeugnisse, Perspektiven und Argumentationen von fiktionalen Figuren wie auch realen Personen interessieren hat Auswirkungen darauf, wie wir miteinander umgehen und was uns wichtig erscheint. Meine Arbeit trägt dazu bei solche Mechanismen zu verstehen und zu vermitteln.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin Mitherausgeberin der wissenschaftlichen online open access Zeitschrift C21 Literature: Journal of 21st Century Writings (https://c21.openlibhums.org/). Neben Lektoratsarbeit in diesem Forschungskontext, interessiere ich auch allgemein sehr für Schreibprozesse und wie man das wissenschaftliche und kreative Schreiben in Bildungskontexten vermitteln kann. Daher führe ich öfter Writing Retreats (strukturierte Schreibworkshops bei denen man an seinen eigenen Projekten arbeiten kann) für Doktorand*innen durch und betreue einen von Studierenden gegründeten Creative Writing Club. In meiner Rolle alsVertrauensdozentin für Diversität, Gleichstellung und Inklusion in meinem Institut berate ich zusammen mit meiner Kollegin Dorothee Marx Studierende zu Fragen von Diskriminierung und als stellvertretende Diversitätsbeauftragte für die philosophische Fakultät engagiere ich mich als Teil des Diversitätsteams dafür, dasssystemische und institutionelle Hürden für marginalisierte Personengruppen sichtbar gemacht und abgebaut werden. Ich bin zudem Mittelbauvertreterin im Beirat meine Instituts und im Konvent der philosophischen Fakultät und setze mich in beiden Positionen für die Interessen meiner Statusgruppe ein, die von weitreichender Befristung und daher anhaltender prekärer Lebensbedingungen geprägt ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich gehe gerne draußen in der Natur laufen, zum Beispiel an der Kiellinie mit Blick auf die Förde. Dabei kommen mir dann manchmal interessante Ideen und ich muss schnell nach Hause laufen, um sie mir aufzuschreiben. Außerdem stricke und häkele ich sehr gerne. In den letzten zwei Jahren habe ich über 40 Paar Socken gestrickt, aber ich häkele auch Dreieicksschalsund gerade bin ich an einer Reihe von Mützen für den Winter.Ich koche und backe auch wirklich leidenschaftlich gern und probiere immer wieder neue Rezepte aus. Neuerdings bin ich dem Sauerteig verfallen und backe entsprechend viel Brot.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

An einem idealen Tag schlafe ich morgens aus und gehe dann für einen gemütlichen langen Lauf ans Meer oder den Fluss. Dann koche ich ein aufwändigeres Gericht (das dann auch gelingt), wie zum Beispiel Laksa (ein malaysisches Nudelgericht) nach Familienrezept, und lade dazu Familie oder Freund*innen ein. Später lese oder stricke ich auf dem Sofa oder draußen (derzeit ist Axie Oh’s The Girl Who Fell Beneath the Sea oben auf meiner Liste an Büchern, die nicht für die Arbeit sind, und die zweite Socke eines Paars in der Farbe „Ostseestrand“ möchte vollendet werden) und schaue abends mit meinem Partner eine Serie - die dann je nach ihrer seriellen Form vielleicht doch in meine Arbeit einfließen könnte.


Bitte begrüßt Melissa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

 

Sunday, September 25, 2022

Die Ursachen und Folgen von Schlaganfällen besser verstehen! Jessica Rohmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Jessica Rohmann (@JLRohmann)! Jess studierte zunächst Biochemie und Germanistik an der University of Wisconsin-Madison (USA). Für ihr Masterstudium in Public Health an der Charité kam sie 2012 nach Berlin und blieb danach in Deutschland. Zuerst forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich klinischer Epidemiologie am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) und wechselte 2018 an das Institut für Public Health (IPH), wo sie sich intensiv mit der Methodenforschung befasste. Heute leitet sie die Arbeitsgruppe Neuroepidemiologie im CSB und forscht gleichzeitig immer noch im Institut für Public Health (IPH) an der Charité.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Das ist eine wirklich schwierige Frage für jemanden, der sich mit kausaler Inferenz beschäftigt! Es gab sicherlich mehrere Component Causes („Teilursachen“), wie wir sie in meinem Fachgebiet nennen, die dazu beigetragen haben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sich meine Mutter (netterweise) darüber beschwerte, dass ich nie aufhörte, nach dem "Warum?" zu fragen. Ich bin da wohl nie rausgewachsen. Ich liebte meinen Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht und hatte das unglaubliche Glück, großartige Lehrer*innen zu haben. Ich habe im Bachelor Biochemie studiert, aber ich erinnere mich, dass mir die Entscheidung schwerfiel, weil ich mich auch sehr für Journalismus begeisterte (eine weitere Lehrerin, der ich hierfür danken sollte!). Ich war Chefredakteurin unserer Schülerzeitung und habe das Schreiben geliebt. Natürlich gibt es viele Überschneidungen in der "investigativen" Natur beider Karrierewege. Ich glaube, es war letztlich meine Vorliebe dafür, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Welt um mich herum zu erklären, die mich davon überzeugt hat, dass die Arbeit in der Wissenschaft das Richtige für mich ist. Ich ziehe viel Energie aus der wissenschaftlichen Neugier und Entdeckung, aber ich glaube, es ist vor allem das kommunikative Element der wissenschaftlichen Arbeit (Diskussion und Austausch mit anderen, Öffentlichkeitsarbeit, Lehre und Schreiben), das mich fesselt!



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Um ehrlich zu sein, wusste ich bis zu meinem letzten Jahr des Bachelor-Studiums nicht, was Epidemiologie ist. Als ich dann herausfand, dass es sich um ein Fachgebiet handelt, das die Gesundheit der Bevölkerung untersucht, war mir schnell klar, dass es genau das Richtige für mich ist.

Während meiner Promotion, die sich mit Gerinnungsfaktoren und ischämischen Schlaganfällen (ein Schlaganfall, der auftritt, wenn eine Arterie im Gehirn verstopft wird) befasste, begann ich mich für die Methodik der epidemiologischen Forschung zu interessieren. Wie können wir zum Beispiel die kausale Wirkung eines bestimmten Risikofaktors auf eine bestimmte Krankheit korrekt quantifizieren? Oder wie können wir sicher sein, dass das, was wir in einer Studie beobachtet haben, tatsächlich der Effekt ist, den wir messen wollten, und nicht durch eine dritte Variable, einen Messfehler oder sogar einen Selection Bias („Stichprobenfehler“) erklärt werden kann? Für mich sind diese Probleme wie Puzzle, und es macht mir viel Spaß, gemeinsam mit meinem Team herauszufinden, wie man sie am besten lösen kann.

Mein Interesse an Methoden hat es mir auch ermöglicht, an einer Vielzahl von Themen zu arbeiten, obwohl ich mich hauptsächlich mit neurovaskulären Erkrankungen beschäftige. Ich habe gelernt, dass eine solide Methodik für eine gute Wissenschaft von zentraler Bedeutung ist und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinausgeht. Vor kurzem habe ich sogar an einer Veröffentlichung über die Lernfähigkeit von parasitären Wespen mitgearbeitet! Einige der interessantesten und produktivsten wissenschaftlichen Diskussionen, die ich bisher geführt habe, fanden mit Wirtschaftswissenschaftler*innen, Philosoph*innen, Linguist*innen und Evolutionsbiolog*innen statt. Es macht mir Spaß, neue Erkenntnisse in meine laufenden epidemiologischen Projekte einzubringen. Die immensen Möglichkeiten zur Vernetzung und Zusammenarbeit halten mein Interesse wach!

  

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Derzeit arbeite ich als Nachwuchsgruppenleiterin der Forschungsgruppe Neuroepidemiologie am Zentrum für Schlaganfallforschung Berlin und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Public Health der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Mein Team arbeitet an der Entwicklung neuer Methoden zur Untersuchung der Bevölkerungsgesundheit und setzt moderne Methoden in unserer angewandten Arbeit ein, die darauf abzielt, die Ursachen und Folgen von Schlaganfällen und anderen neurologischen Erkrankungen besser zu verstehen.

Zu meiner täglichen Arbeit gehört es, Anträge zu formulieren, Daten mit statistischer Software zu bereinigen und zu analysieren, Ergebnisse zu interpretieren und zu diskutieren und Manuskripte zu schreiben. Ich treffe mich regelmäßig mit Kliniker*innen, um sie beim Design ihrer Studien mit Schlaganfallpatient*innen zu beraten, ihre statistischen Analysen zu planen und darüber zu sprechen, wie sie mögliche Verzerrungen vermeiden können. Ich verwalte auch den großen Datensatz des Berliner Schlaganfallregisters (B-SPATIAL"), der die Daten aller Schlaganfallpatient*innen enthält, die in 15 Schlaganfallstationen in Berlin eingeliefert werden. Als Gruppenleiterin habe ich jetzt auch viel mehr Verwaltungsarbeit als früher und ich lerne viel über Wissenschaftsmanagement und was es braucht, um ein Team zu leiten. Wenn ich nicht forsche, findet ihr mich in den Methodenkursen unserer Graduiertenprogramme in Public Health, Epidemiologie und Health Data Sciences. Die Lehre ist eine echte Leidenschaft von mir und ich werde im Laufe der Woche in meinen Tweets mehr darüber schreiben, warum ich es für wichtig halte, dass sich Nachwuchswissenschaftler*innen an der Lehre beteiligen.

Ich freue mich auch darauf, im Laufe der Woche mehr (wissenschaftliche) Details über die Forschungsprojekte, an denen mein Team arbeitet, mit Ihnen und euch zu teilen!

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Vor der COVID-19-Pandemie wussten die meisten Menschen, die ich getroffen habe, nicht, was eine Epidemiologin macht ("Sind Sie eine Hautärztin?", "Sie machen also etwas mit Käfern?"). Aber jetzt scheinen die meisten Menschen eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, was Epidemiolog*innen tun und warum unsere Arbeit wichtig ist. Das Wort "Epidemiologie" kommt von "Epidemie". Auch wenn wir oft an Epidemien von Infektionskrankheiten denken, sind viele chronische Krankheiten ebenfalls epidemisch. Derzeit sind chronische Krankheiten weltweit die häufigste Todesursache. Da die Weltbevölkerung immer älter wird, nehmen auch die Auswirkungen dieser chronischen Krankheiten zu. Wir haben bereits viele Ursachen für chronische Krankheiten ermittelt, von denen einige vermeidbar sind. Methoden der Kausalanalyse werden eingesetzt, um weitere Ursachen aufzudecken und Behandlungen und Verhaltensweisen zu ermitteln, die zur Vermeidung von Krankheiten beitragen. Durch gezielte Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit können wir daran arbeiten, bekannte Ursachen zu beseitigen, was zu Verbesserungen auf Bevölkerungsebene hinsichtlich der Krankheitslast führen wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Mitbegründerin des "Berlin Epidemiological Methods Colloquium" (BEMC), einer monatlichen Vortrags- und Journal Club-Reihe, die wir mit dem Ziel ins Leben gerufen haben, an Epidemiologie interessierte Menschen zu vernetzen, die an verschiedenen Universitäten, in der Industrie und bei gemeinnützigen Organisationen in und um Berlin arbeiten. Seit dem Start im Jahr 2016 ist unsere Mailingliste auf mehr als 600 Teilnehmer*innen angewachsen! Während der Pandemie sind wir auf ein Webinar-Format umgestiegen und stellen Aufzeichnungen unserer Vorträge auf YouTube ein, um unsere Inhalte auch für Menschen außerhalb Berlins zugänglicher zu machen. Wer also daran interessiert ist, mehr über die neuesten Methoden in den Bereich Health Data Sciences zu erfahren, kommt gerne vorbei – alle sind willkommen! [weitere Infos: https://bemcolloquium.com/]

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Mein neuestes Hobby ist der Swing-Tanz (Lindyhop und Charleston), mit dem ich während der Pandemie angefangen habe. Eine tolle Möglichkeit, sich körperlich zu betätigen, ohne dass es sich wie Sport anfühlt! Außerdem spiele ich Impro-Comedy mit einer Truppe in Berlin. Spinning- und Yogakurse helfen mir, mich nach langen Tagen im Büro zu entspannen. Kochen und Backen für Freund*innen (und natürlich gemeinsames Essen!) sind ebenfalls Dinge, die ich gerne tue, um mich zu entspannen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Angenommen, das Berliner Wetter ist auf meiner Seite, dann würde ich mit einem schönen Kaffee und einem Frühstück in einem meiner Lieblingscafés in Berlin beginnen. Dann würde ich eine Radtour durch die Stadt und entlang der Spree machen. Den Nachmittag würde ich mit Freund*innen in einem Park im Stadtzentrum verbringen, wo es eine Tanzfläche im Freien gibt und Swing-Musik läuft. Nach einem entspannten Abendessen würde ich den Abend in einer Comedy-Show mit einigen Lachern ausklingen lassen.


Bitte begrüßt Jess ganz herzlich bei Real Scientists DE!

 

Sunday, September 18, 2022

Die Urzeit zum Leben erwecken! Joschua Knüppe ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator, Joschua Knüppe (@JoschuaKnuppe)! Joschua ist seit seinem 4. Lebensjahr künstlerisch tätig. Nach seinem Fachabitur im Bereich der Gestaltung, studierte er von 2010 bis 2022 Freie Kunst an der Kunstakademie Münster. Momentan arbeitet er als freischaffender Künstler in Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen und ist wahrscheinlich Deutschlands einziger Vollzeit-Paleoartist.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Viel Übung und einiges an Networking. Durch online Kontakte und Konferenzen die ersten Jobs bekommen, von da weiter ausgebaut.



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Kindheitswunsch war es, Paläontologe zu werden, aber für das akademische Leben bin ich nicht gemacht. Die Kunst rief mich aber fast genauso stark und so bin ich in diesem Feld zwischen Wissenschaft und Kunst gelandet. Diese Hybridsituation sagt mir sehr zu und es macht mir großen Spaß mit Wissenschaftlern und anderen Wissenschaftskommunikatoren zusammen zu arbeiten und aktiv mitzugestalten, wie wir uns die Urzeit vorstellen.



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich arbeite sowohl auf Papier wie auch digital, mit einzelnen Wissenschaftlern wie auch Museen und Verlagen. Wenn ich zu einem Projekt zusage, wälze ich erst einmal in der Literatur, was zu dem Thema schon geschrieben wurde, um mir einen Überblick zu verschaffen. Daraufhin entstehen erste Skizzen, die dann zurück zu den Wissenschaftlern gehen, für Feedback und weitere Informationen. Das kann je nach Auftraggeber mehrmals so hin und her gehen bis ich zum Papier greife oder die eigentliche Datei anlege und damit beginne Tier und/oder Pflanzen einzuzeichnen. 



Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Die Gegenwart ist ein Schlüssel zur Vergangenheit, aber die Vergangenheit ist auch ein Schlüssel zur Gegenwart. Und um die Gegenwart zu begreifen, müssen wir sie uns auch vorstellen können. Fossile Überreste sind selten vollständig genug oder anschaulich genug, um dies zu leisten, besonders wenn es darum geht, komplexe Ökosysteme zu verstehen. Paläokünstler können hier als Mittler helfen der Öffentlichkeit einen Einblick in Vorgänge wie Makroevolution und Klima- und Umweltveränderungen zu geben die sich häufig hinter Knochenfragmenten und Sedimentproben verbergen. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich arbeite ganze gerne mit Kindern, wenn ich Zeit dazu habe und halte Vorträge zu meinen Expertisen. Dazu mache ich meine Arbeit häufig sehr öffentlich, da ich jedes Wochenende auf Twitch streame. 



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Nichts relevantes momentan.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Hmmm, schöne Wanderung bei gutem Wetter und danach gut Essen gehen wahrscheinlich. 


Bitte begrüßt Joschua ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 11, 2022

Wie Geschichte entsteht! Tabea Henn ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Tabea Henn (@klios_spiegel)! Tabea Henn ist studierte Historikerin. Von Oktober 2015 bis Mai 2022 absolvierte sie ein Geschichtsstudium an der Universität Hamburg. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf der NS-Geschichte, der Zeitgeschichte und der Public History. Seit 2021 ist sie auch als Wissenschaftskommunikatorin in den Sozialen Medien vertreten, unter dem Motto: „@klios_spiegel: Was Historiker*innen wirklich über die Vergangenheit sagen können und was das für unsere Gegenwart bedeutet.“

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

In meinem vorletzten BA-Semester besuchte ich ein Seminar bei Sebastian Kubon (Twitter: @SebastianKubon) zum Thema „Medievalism“ (gemeint ist damit die Rezeption des Mittelalters in unserer Gegenwart). Dadurch lernte ich das Fach der Public History kennen, welches analysiert, wie in unserer Gegenwart mit Geschichte umgegangen wird. Nachdem ich in diesem Fachbereich studentische Hilfskraft geworden war und mich somit immer mehr mit dem Thema beschäftigte, wollte ich irgendwann auch selbst kommunizieren. Schnell habe ich aber gemerkt, dass ich die Wissenschaftskommunikation meines Faches nicht gut finde (Dazu mehr unter Punkt 8 😉). Einen eigenen Instagram-Kanal habe ich erstellt, weil ich als Masterstudentin keine Möglichkeit sah, eine institutionelle Anbindung zu bekommen, da die meisten Angebote erst ab der Promotionsphase offen sind. Zwar hat sich das im Nachhinein ein wenig als Trugschluss erwiesen und ich hätte offensiver auftreten sollen, trotzdem bin ich froh über meine Entscheidung. Ich war völlig frei in der Konzeptentwicklung und ich bin stolz darauf, den Kanal allein neben dem Studium aufgebaut zu haben. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Bereits in der Schule war Geschichte mein Lieblingsfach. Da ich nach dem Abitur nichts Besseres mit mir anzufangen wusste, habe ich das Fach angefangen zu studieren. Bereits am ersten Tag lernte ich, dass die Geschichtswissenschaft nicht das gleiche ist, wie das was wir im Alltagsgebrauch als „Geschichte“ bezeichnen. An der Universität geht es nicht darum zu erzählen, was wirklich in der Vergangenheit passiert ist, sondern zu ergründen, wie es gewesen sein könnte. Entscheidend ist dabei die gegenwärtige Perspektive. Denn jede Gesellschaft stellt in ihrer Zeit andere Fragen an die Vergangenheit. Damit ändern sich auch immer wieder die Antworten der Geschichtswissenschaft, sowie die Bilder, die wir über vergangene Zeiten haben. Dies hat während meines Bachelorstudiums zu einer beruflichen Krise geführt: Wenn es ohnehin keine eindeutigen Antworten gibt, was mache ich dann hier? Daraus führte mich die Public History und mittlerweile interessiere ich mich viel mehr dafür, wie wir in unserer Gesellschaft mit Geschichte umgehen und nicht mehr so sehr, was in der Vergangenheit passiert ist.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
 

Bei meinem Instagram-Kanal in ich frei, was die Gestaltung und die Inhalte angeht. Ich mache nur das, worauf ich Lust habe und was mich auch interessiert. Schnell habe ich mich davon verabschiedet, mich an historischen Daten oder aktuellen Ereignissen zu orientieren, wie das viele meiner geschätzten Historikerkolleg*innen machen. Das setzt mich nur unter Stress und schränkt mich in der Themenwahl zu sehr ein. Stattdessen erkläre ich, wie die Geschichtswissenschaft funktioniert und was sie zur Wissenschaft macht. Ebenso thematisiere ich, wie wir in unserer Gesellschaft mit Geschichte umgehen und warum wir das auf diese Weise und nicht anders tun. Daher auch der Name des Kanals. Klio ist die griechische Muse der Geschichtswissenschaft und Geschichte immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Auch bei meinen anderen beiden Tätigkeiten steht die Kommunikation im Mittelpunkt: Als Guide in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme geht es v.a. um die Vermittlung von Wissen. Meistens in drei bis vier Stunden führt man eine Schulklasse über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Das Gelände ist ca. 55 Hektar groß mit mehreren Orten und Ausstellungen. Man braucht also einen roten Faden mit starkem Fokus, aber auch Flexibilität, um auf die jeweilige Schulklasse eingehen zu können. Einen Frontalvortrag wollen wir nämlich nicht halten!

Bei Jugend forscht habe ich erst Anfang des Monats angefangen. Eingestellt wurde ich, um den Auftritt in den Sozialen Medien grundlegend neu zu konzipieren. So viel kann ich schon mal verraten: Der Fokus wird in Zukunft weniger auf Ankündigungen für institutionelle Veranstaltungen liegen, sondern mehr auf der Geschichte des Wettbewerbs und der Wissenschaftskommunikation über die Projekte und Experimente der Jungforschenden. Denn man muss nicht „Prof. Dr.“ sein und eine lange Karriere hinter sich haben, um tolle Ideen zu entwickeln und großartige Entdeckungen zu machen. Das passiert auch schon im Kleinen ganz am Anfang. Diese Arbeit möchte ich in Zukunft sichtbar(er) machen!


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
          Mit meiner Wissenschaftskommunikation habe ich insbesondere aus zwei Gründen angefangen: Die aktuelle Wissenschaftskommunikation ist auf die Naturwissenschaften fokussiert. Das soll nicht das Engagement Einzelner oder die Wichtigkeit dieser Fächer schmälern. Doch damit haben wir eine sehr einseitige Beschreibung der Welt. Mit meiner Kommunikation will ich zeigen, dass auch die Geisteswissenschaften Antworten auf die Fragen unserer Zeit geben können.

Ebenfalls gefällt mir die momentane Wissenschaftskommunikation der Geschichtswissenschaft nicht – wenn man davon überhaupt in der Form sprechen kann. So gut wie immer sind es Geschichten aus der Vergangenheit – „irgendwo ist irgendwas mal passiert“ –, die erzählt werden. An sich ist das eine legitime Form der Vermittlung, sollte meiner Meinung nach aber nicht darauf beschränkt bleiben. Vielen Geisteswissenschaftler*innen wird abgesprochen überhaupt „richtige“ Wissenschaftler*innen zu sein. Wenn man sich im Fall der Geschichtswissenschaft aber vorrangig als – überspitzt formuliert – „Märchenerzähler*in“ präsentiert, darf man sich über dieses Image nicht wundern. Genau deswegen ist es mein Ziel, dem etwas entgegenzusetzen und Themen auf eine andere Art zu kommunizieren.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
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Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich handarbeite sehr gerne. Ein aktuelles Projekt, was sich so langsam dem Ende nähert, ist ein selbstgehäkeltes Mensch-ärgere-Dich-nicht-Feld. Vielleich zeige ich davon ja noch ein Bild
😉.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auf jeden Fall ausschlafen und dann was Leckeres zum Essen! Ansonsten lasse ich mich an solchen Tagen einfach gerne treiben und mache, worauf ich Lust habe. Wichtig dabei: Kein Social Media und weder Fachliteratur noch Sachbücher lesen. Das Gehirn braucht auch mal eine Pause!


Bitte begrüßt Tabea ganz herzlich bei Real Scientists DE!