Sunday, May 17, 2026

Forschung über Wissenschaft - Lukas Röseler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Lukas Röseler (@aufdroeseler.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Lukas hat Wirtschaftspsychologie studiert, in 2021 in Psychologie promoviert und arbeitet als Geschäftsführer des Münster Center for Open Science an der Universität Münster, ist Editor-in-Chief und Mitgründer der Diamond Open Access Zeitschrift Replication Research, einer der Projektleiter der FORRT Replication Hub, sowie Mitglied des FORRT Steering Committee. Er setzt sich für transparente und nachvollziehbare Forschung, vorwiegend Replikationsforschung, ein.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Theorien über die Welt systematisch, vorsichtig, und unvoreingenommen zu untersuchen begeistert mich sehr. In der Schule haben wir eine Studie zu Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung durchgeführt und als ich dann im Studium an einer Replikationsstudie beteiligt war (es ging um Smarties, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr), war mir klar, dass Wissenschaft etwas ist, zu dem ich beitragen möchte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Tatsächlich bin ich von anderen Feldern stetig hierher, also zu Open Science und Metawissenschaft (= "Forschung über Wissenschaft") gedriftet. Einerseits aus Frust daran, dass in den Bereichen, in den ich vorher geforscht habe, einen Mangel an Transparenz herrschte, den ich anfangs nicht verstanden habe, und andererseits durch meinen Idealismus und meine Hoffnung, dazu beitragen zu können, dass Wissenschaft ihren Idealen etwas näher rückt. Eines dieser Ideale, das ich unterstütze, ist die freie Verfügbarkeit von wissenschaftlichem Wissen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir - denn keine dieser Sachen tue ich allein - unterstützen Forschende dabei, sich mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Rahmen ihrer Forschung auseinanderzusetzen. Das geschieht auf verschiedenen Wegen: 
1) Wir dürfen mit Forschenden aus vielen verschiedenen Disziplinen in den Austausch treten: Wie funktioniert Wissenschaft in ihrem Feld, in welchem Rahmen ist Transparenz sinnvoll und möglich, auf welche Weise lässt sie sich erreichen, und welche Unterstützung ist dabei nötig? 
2) Wir stellen Infrastrukturen und Informationen bereit, beispielsweise allgemeine Open Science-Informationen oder ein Handbuch und eine multidisziplinäre Zeitschrift für Replikationsforschung. 
3) Wir erforschen verschiedene "Open Science-Praktiken", fragen uns also, ob bestimmte Vorschläge, die auf erhöhte Transparenz oder Robustheit wissenschaftlicher Befunde abzielen, sinnvoll und effektiv sind.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit finanziert. Im Rahmen von Open Science setzen wir uns dafür ein, dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Hier ein paar Beispiele:
- Open Acess: Zu viel Geld fließt an kommerzielle Verlage (Zuschauer*innen von Mai Think X haben vielleicht die Sendung zum Steuerskandal und Paywalls gesehen). Bürger*innen haben oft gar keinen Zugriff auf die Forschungsergebnisse, obwohl diese durch Steuergelder finanziert wurden. Ich fand die Sendung spannend und sehr gut erklärt, war dann aber schockiert als es nach Erklärung des Problems plötzlich schon vorüber war. Wir haben im Rahmen von Open Science eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen für die in der Sendung vorgestellten Probleme.
- Replizierbarkeit: Es ist inzwischen weit über die Wissenschaft hinaus bekannt, dass viele wissenschaftliche Befunde einer erneuten Prüfung, zum Beispiel im Rahmen einer Replikation, nicht standhalten. Das ist hoch relevant, wenn im Alltag oder in der Wirtschaft darauf aufgebaut wird. Der erste und meistens falsche Gedanke ist dann, dass die Forschung nicht gut genug war. So einfach ist es aber nicht. Was Replizieren bedeutet und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind, wird im Rahmen von Open Science diskutiert. Manchmal sind Fehler passiert, manchmal ändern sich methodische Standards, manchmal müssen wir erst noch herausfinden, wo die Grenzen unseres Wissens liegen.
- Citizen Science: Eine andere Facette von Open Science betrifft das aktive Einbeziehen von Bürger*innen. In den Fällen, bei denen es möglich ist, lernen Forschende, ihre Ergebnisse klar zu kommunizieren und die Beteiligten erlangen ein tieferes Verständnis von der Funktionsweise von Forschung.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ja, die werden dann aber immer teil meiner Haupttätigkeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin, bis zu einem größeren Unfall letztes Jahr, 18 Jahre lang BMX gefahren und suche noch ein Ersatzhobby. Wenn ich nach einem Tag an der Tastatur noch Kraft in den Fingern habe, löse ich gern Zauberwürfel (um es Speedcubing zu nennen, bin ich wahrscheinlich zu langsam).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Zeit mit den Kindern, Zeit mit meiner Frau, Bewegung und ein Ausflug in die Natur oder irgendwo hin, wo wir hochgehen und heruntergucken.

Bitte begrüßt Lukas ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 3, 2026

Wie KI entwickelt wird - Selin Coban ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin  Selin Coban (@selinco.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Selin ist seit 2020 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Research Group Software Construction an der RWTH Aachen. Zuvor hat sie sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master in Informatik an der RWTH absolviert.  Sie erforscht das Prototypen von KI Lösungen und Entwicklungsumgebungen.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Das wissenschaftliche Arbeiten während meiner Masterarbeit hat mir großen Spaß gemacht. Dies ist offenbar auch dem Lehrstuhl aufgefallen, weil mein Professor mich noch vor Abgabe fragte, ob ich nicht für eine Promotion bleiben möchte. Diese Entscheidung führte zu sechs sehr spannenden und erfahrungsreichen Jahren, auf die ich nicht verzichten möchte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mich hat die Informatik interessiert, weil es für mich wie Magie war, was in einem PC vor sich ging. Das wollte ich schon als Kind verstehen. Zudem habe ich Logikspiele schon immer geliebt. Diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen, weshalb ich schließlich Informatik studiert habe. In digitalen Welten ist im Gegensatz zu realen Welten (fast) alles möglich. Daher tobe ich mich gerne in der Welt des Codes aus.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Meine Arbeit war sehr vielfältig: Neben der reinen Forschung gehörten auch Lehrtätigkeit, Industrieprojekte, Fachstudienberatung und Eventmanagement zu meinen Aufgaben. Das hat zwar hin und wieder zu viel Stress geführt, doch ich bin auch sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich dadurch sammeln konnte. So konnte ich meine Stärken sehr vielfältig ausbauen. Diese Erfahrungen hätte ich in der Industrie nicht in diesem Ausmaß sammeln können. Aktuell schreibe ich „nur noch“ an der Dissertation.

Konkret beobachte ich, wie KI-Entwickler:innen KI-Lösungen entwickeln, und achte dabei genau auf die Abläufe und die verwendeten Werkzeuge. Ähnlich wie Handwerker:innen Werkzeuge wie Hammer und Schrauben benötigen, verwenden wir in der Softwareentwicklung ebenfalls Werkzeuge. Auf Basis dieser Erkenntnisse designe ich einen effizienteren Prozess sowie bessere Werkzeuge. Da all dies KI-Entwickler:innen zugutekommen soll, arbeite ich auch viel mit Menschen zusammen, beispielsweise in Form von Interviews und Nutzerstudien.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

KI ist ein zentrales Thema unserer Gesellschaft. Ich möchte aufzeigen, wie KIs systematischer entwickelt werden können, anstatt das Ergebnis improvisierter Experimente zu sein.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin ein Gründungsmitglied der Women in AI Aachen Initiative, bei der wir Frauen im KI-Bereich zu mehr Sichtbarkeit verhelfen wollen, aber auch auf die diskriminierende Natur von KIs aufmerksam machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich zeichne/male gerne. Das übertrage ich auch gerne in meine Arbeit, um bspw. Folien zu illustrieren. Demnächst darf ich auch ein Fachbuch illustrieren.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Mit Familie/Freunden Zeit verbringen, gutes Essen genießen, ein gutes Buch auf dem Balkon lesen.


Bitte begrüßt Selin ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Saturday, April 18, 2026

Queerness in Videospielen! Sascha Heller ist jetzt bei Real Scientists DE!

 

Foto Sascha Heller
Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kurator Sascha Heller (@medienmonolog.bsky.social)! Sascha hat bis 2020 Medien- und Kommunikationswissenschaften an der MLU Halle-Wittenberg studiert und von 2021 bis heute klinische Psychologie in Bachelor und Master an der DIPLOMA. Seit Studienbeginn beschäftigt er sich mit Themen rund um Videospiele und Queerness. Erste Arbeiten führten ihn in den Vergleich der Videospielgeschichte und queeren Geschichte. Spätere empirische Arbeiten untersuchten das Ausleben von genderqueerer Geschlechtsidentität in und durch Videospiele. Aktuell schreibt Sascha seine Masterarbeit zum Thema "Videospielkonsum und Coping bei Minderheitenstress der LGBTQIA+ Community."

2025 erschien sein Sachbuch ‘Einmal queer gespielt’ bei Springer Nature. Seit Jahren ist er unter dem Namen ‘Medienmonolog’ mit dem gleichnamigen Podcast und auf sozialen Netzwerken zu medienwissenschaftlichen und psychologischen Themen in der Wissenschaftskommunikation aktiv. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen und Literatur finden sich auf seiner Webseite und seinem Blog.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich studierte ich Medienwissenschaft nur, um danach als Grafikdesigner zu arbeiten. Aber in der ersten Auseinandersetzung mit Mediengeschichte habe ich mich mit der Wissenschaft angefreundet und gemerkt: Da fühle ich mich wohl!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als queere Person und Gamer*in dachte ich mir: Super Thema, da steck' ich drin und weiß, wovon ich rede. Und mein Interesse daran gebe ich gerne weiter, um beide Themen in der Psychologie zu besprechen und auch für Interessierte aufzubereiten. Das Wissen teilen ist 50% der Freude an der Arbeit.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Neben dem online Content zur Wissenschaftskommunikation, den ich erstelle, gibt es alle paar Wochen auch Vorträge und Seminare an Universitäten, in Bildungseinrichtungen etc., in denen ich Studierenden oder Fachkräften einen Input zu den angefragten Themen gebe. Zielgruppe und Thema sind hier oft unterschiedlich! Mal gibt's für Studierende einen Vortrag plus Diskussion zum Thema queerer Repräsentation in Videospielen, mal für Fachkräfte ein Seminar zum Thema Videospiele in der Therapie. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Man geht von ~9% der Menschen weltweit aus, die sich als queer identifizieren. Grund genug, sich damit zu befassen - als Wissenschaft und auch als Gesellschaft. Meine Arbeit ist also nicht nur für queere Menschen selbst hilfreich. Und Videospiele als Thema sind sowieso super interessant. Wer möchte nichts über Videospiele erfahren?!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich unterstütze mit meinen Fähigkeiten als Grafikdesigner und als Social Media Manager gerne ehrenamtlich Angebote, Vereine und Co., die Unterstützung benötigen. Zurzeit betrifft das den lokalen CSD und auch das neue Aktionsbündnis Psychotherapie. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ist Gaming noch interessant genug? Ansonsten male und zeichne ich auch gerne und leider nicht so oft wie ich gerne würde, aber das dafür schon seit über 10 Jahren. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Spaziergänge, Videospiele, Hobbys wie Zeichnen oder Fotografieren nachgehen oder vielleicht ein Ausflug ins Fitnessstudio. 

Bitte begrüßt Sascha ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 12, 2026

Neuroimplantate, Hirnstimulation und biomedizinische Technik! Ulrich G. Hofmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Privates Portraitfoto Ulrich G. Hofman
Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator Ulrich G. Hofmann (@kraweel65@norden.social)! Ulrich (Uli) ist ein deutscher Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Neurotechnik und Biomedizinischen Technik. Er studierte Technische Physik an der Technischen Universität München von 1987 bis 1993 und promovierte dort anschließend in (Bio-)Physik (1993–1996). Seine akademische Laufbahn führte ihn als Postdoktorand an die Åbo Akademi in Finnland (Fysikalisk Kemi, 1996) und als Feodor-Lynen-Stipendiat an das California Institute of Technology (Caltech) in den USA (Neurobiologie, 1997–1998).

Von 1998 bis 2012 leitete er die Gruppe für Biosignalverarbeitung und Neuroengineering am Institut für Signalverarbeitung der Universität zu Lübeck. Von 2012 -2018 war er Inhaber der Peter-Osypka-Stiftungsprofessur für Neuroelektronische Systeme am Universitätsklinikum Freiburg. Seitdem ist er dort Sektionsleiter. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Brain-Machine Interfaces, Hirnstimulation und biomedizinische Technik, wobei er insbesondere an der Entwicklung und Anwendung von Neuroimplantaten und innovativen Stimulationstechnologien forscht. 

Zu diesen Stimulationstechniken gehört die IR-Stimulation von peripheren Nerven, die Nutzung von Nanopartikeln und hochsensitive Diamant-Magnetometer. 

Seit seine Gruppe Hirnimplantate mit transkriptomischen Methoden als veritable Hirntraumata identifiziert hat, ist sein wissenschaftliches Credo #DONOTIMPLANT. 

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Star Wars Episode II (damals): Luke brauchte eine neue Hand. Wie?  

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

„Transcendence“ mit Johnny Depp

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Wir versuchen Wege zu finden, um -unter Umgehung der üblichen peripheren Pfade - Informationen ins Gehirn zu schreiben und auch wieder heraus zu lesen - am besten zusammen. 

Dabei musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es sich nicht um ein Ingenieurs-Problem sondern ein extrem biologisches Problem handelt. 

„The Empire strikes back!“ ist ein Motto, das mich seit Anfang verfolgt und immer wieder einholt… Gemeint ist hier: Das Gehirn. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wenn man im Moment die einschlägigen Zeitungen öffnet, hört man allenthalben von unglaublich stark finanzierten „Startups“ wie Neuralink, Paradromics oder Blackrock, die auf dem Feld des Brain-Computer Interfacing eine Art Industrialisierung vorantreiben. 

Ich freue mich dann darüber, dass Sachen, die die Community vor 20 Jahren schon in einzelnen Studien gezeigt hat, nun ihren Weg zum Patienten finden werden. Leider wissen aber die Protagonisten, dass es mit medizinischen Hilfsmitteln alleine unmöglich ist, die investierten Gelder wieder zu verdienen. Und für mich ist die einzige und bedrohliche Erklärung dafür, dass eben keine wohlabgewogenen medizinischen sondern Allerwelts-Anwendungen das tatsächliche Ziel ist. Und dafür ist das Risiko am Gehirn herumzuspielen einfach zu groß. Das sollten aber alle dann auch wissen. 


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich habe gerade im Januar als Koordinator ein EU-weites Doktoranden-Netzwerk gestartet, das von der EU gefördert wird und in dem wir eben eine Hirnstimulation ohne Hirnkontakt erforschen wollen. 

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Wenn es sich im Urlaub ergibt, tauche ich gerne. Ansonsten bin ich ein Holzwurm und baue meine eigenen Möbel und Dekorationen. 

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Morgens mit der Familie frühstücken, nachmittags meine Drecheslbank quälen und abends gemütlich den (Gas-) Grill anschmeißen. 

Bitte begrüßt Ulrich ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 5, 2026

Entstigmatisierung und Tiefenpsychologie - Heiko Westerburg ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf Heiko Westerburg (@heikowes.bsky.social)! Heiko (er/kein Pronomen) ist M.Sc. Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und empirisch-quantitative Tiefenpsychologie an der Universität zu Köln und parallel in psychologisch-psychotherapeutischer Ausbildung (tiefenpsychologisch fundiert). Heikos Interessen liegen unter anderem in den Bereichen von Entstigmatisierung, Volunteering und Aktivismus, Diversität und Antidiskriminierung, sowie Psychotherapie- und Kompetenzforschung in helfenden Berufenim weiteren Sinne. Nähere Informationen finden sich hier: https://www.hf.uni-koeln.de/41478
 
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich erkläre mir das aktuell durch eine Mischung aus Zufall, Neugier und guten Gesprächen. Hilfskrafttätigkeiten und Praktika in universitären und universitätsangebundenen Einrichtungen haben mein Interesse an der Schnittstelle von (klinisch-)psychologischer Forschung und Praxis geweckt. Als mir mein aktueller Doktorvater am Ende des Masterstudiums eine Stelle anbot, war ich zunächst überrascht, nach kurzem Überlegen allerdings umso begeisterter über die Chance, mein Wirken in Forschung und Lehre auch einer gewissen gesellschaftlichen Verantwortung des Fachs Psychologie und Wissenschaft bzw. Universität als demokratiestärkenden Institutionen zu widmen. Um gleichzeitig ganz ehrlich zu bleiben, hat mich die Realisation dieses Weges nichtdestotrotz insgesamt überrascht: Ausgehend vom jahrelangen Engagement als Workshopleitung in einem Entstigmatisierungs-Projekt und als Guide in einer kunstpsychologischen Initiative, kam die Orientierung in wissenschaftlicher Richtung in Teilen durchausunerwartet, aber dazu womöglich in der Woche auf Bluesky mehr.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich arbeite an der Schnittstelle von angewandter Präventions-und Antidiskriminierungsforschung sowie klinischer Psychologie. Sich im Kontext des eigenen Forschens und Handelns mit Entstigmatisierung und Vielfalt zu beschäftigen, resultiert auch aus jahrelanger eigener (ehrenamtlicher) Tätigkeitin diesen Bereichen. In meiner Sicht gibt es – ohne strukturelleHerausforderungen (z.B. WissZeitVG) hier außen vor zu lassen– aktuell kaum etwas Bereichernderes, als sich gedanklich und methodisch in wissenschaftlicher Tiefe Themen widmen zu dürfen, die im besten Fall auch gesellschaftlich breitenrelevantund in jedem Fall persönliche Herzensanliegen sind.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In wissenschaftlicher Mitarbeit liegen meine Aufgaben hauptsächlich in Forschung, Administration und Lehre. Im Rahmen meiner Promotion untersuche ich die Wirksamkeit und potenziell relevante Kontext- und Prozessfaktoren von Entstigmatisierungs-Trainings für Schüler*innen und Erwachsene in unterschiedlichen europäischen Ländern, die von ehrenamtlich engagierten, geschulten Psychologiestudierenden durchgeführt werden. Außerdem plane ich im Zuge der Promotion ein systematisches Review mit meta-analytischen Komponenten, um die aktuelle Evidenzlage der Entstigmatisierungsforschung in Europa zusammenzutragen und um interkulturelle Aspekte zu erweitern. Daneben begleite ich Bachelor- und Master-Arbeiten und biete im M.Sc. Psychologie Kolloquien zu Wissenschaftskommunikation in meinen Schwerpunktthemen an.
Ganz aktuell bin ich zusätzlich in den ersten Zügen, gemeinsam mit dem Organisationsteam die Planung für das Erstsemester-Einführungsprogramm für Psychologiestudierende an der Universität zu Köln zum Start des kommenden Wintersemesters 26/27 auf den Weg zu bringen – ein seit zehn Jahren hier in Köln bestehendes Programm, um eine aus Sicht der Studienanfänger*innen möglichst hilfreiche, wissenschaftspropädeutische Einführung ins Psychologiestudium anzubieten.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
« Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke »: WHO-Schätzungen zufolge erreicht jährlich im Mittel nur rund die Hälfte der Personen, die die formalen Kriterien zur Diagnoseeiner psychischen Störung erfüllen, diejenige adäquate psychische Gesundheitsversorgung, die zur Linderung individuellen Leidens beitragen könnte. Wenn es um schwere psychische Störungen (z.B. Schizophrenie) geht oder Systeme, in denen Ressourcen knapp sind, sinken Schätzungen sogar auf teilweise bis zu 30 % oder unter 10 %. Dieses Phänomen wird konzeptuell auch als „Behandlungslücke“ bezeichnet. Verglichen damit: Auf ein Jahr gerechnet weisen rund ein Drittel der Menschen (in Deutschland) eine oder mehrere klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheitauf. Das Stigma rund um das, was „die“ klinische Psychologie (was auch immer das heißen mag) gemeinhin als „psychische Störungen“ bezeichnet, ist dabei ein wesentlicher personenbezogener und struktureller Hinderungsfaktor, diejenige Hilfe aufzusuchen, die es bei eigenem oder im Umfeld beobachtetem, seelischem Leiden brauchen könnte. Qualitativ hochwertige Programme, die wissenschaftlich fundierteAufklärung mit Entstigmatisierung psychischer Störungen vereinen, können dazu beitragen, gesellschaftlich mehr Bewusstsein zu stiften. So ließen sich aus meiner Sicht auf mehreren Ebenen Hemmschwellen reduzieren, sich mit sich selbst zu beschäftigen, offen darüber zu sprechen, wenn es auch mal nicht so gut geht, sowie Strukturen zu schaffen, die unterstützen: Individuell wie auch politisch und strukturell.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Aktuell leite ich ehrenamtlich ein Forschungsprojekt mit einem Team internationaler Studierender zu einer in Europa ländervergleichenden Untersuchung personenbezogenerFaktoren, Beziehungszufriedenheit und Kommunikations- sowie Konfliktlösungsstrategien im Vergleich zwischen Personen, die intime Beziehungen eher monogam versus eher nicht-monogam gestalten. 
Zudem bin ich als Medizinredakteur für die Apothekenumschau, als Co-Dozent in der Ausbildung von Mediator*innen an einem universitären An-Institut, in freier Mitarbeit für Diversity-Trainings am Institut für Diversity- undAntidiskriminierungsforschung, sowie auch in sehr geringem Umfang selbstständig in Mediation und systemischem Coaching tätig.
Last but not least übernehme ich Referenten- und Personalangelegenheiten für eine kunstpsychologische Initiativein Köln, die sowohl für den dortigen Museumsdienst als auch im weiteren Sinne das lokale Gesundheitswesen, etwa in Schulprojekten zur Stärkung von Persönlichkeitsfunktionen belasteter Schüler*innen, tätig ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Auch wenn die Zeit für Hobbies neben beruflichen Rollenaktuell überschaubar und das, was „interessant“ klingt, sehr individuell sein möge, freue ich mich stets, zu bouldern. Ein in meiner Sicht übrigens durchaus psychologischer Sport: Frei zu klettern lädt ein zum Ausprobieren des eigenen Umgangs mit Grenzen, Festhalten und Loslassen, Kippmomenten und Überwindung. Oder zu schwimmen – eine Leidenschaft, die ich früher auf Leistungsniveau verfolgt und zu der ich heute ein gelasseneres Verhältnis habe: Das Rauschen des Wassers beim Bahnenziehen hat in meinem Erleben etwas Meditatives. Gut für Rücken und Wohlbefinden ist beides; zur Schonung von Gelenken eignet sich vermutlich eher das Wasser.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Mir fällt da ein psychoanalytisches Konzept ein, das des sogenannten „Ideal-Selbst“, hinter dem die Realität manchmal zurückbleibt. Daher freue ich mich im Prinzip darüber, am Tagesende oder an freien Tagen selbstbestimmt Zeit dafür zu haben, zum Beispiel zu lesen, zu spazieren, ins Museum zu gehen, oder Filme bzw. Serien zu schauen.

Bitte begrüßt Heiko ganz herzlich auf dem Kanal!


Sunday, March 22, 2026

Eie räumliche und soziale Strukturen Ungleichheit erzeugen und aufrechterhalten! Laura Fürsich ist jetzt bei Real Scientists DE

Foto von Laura Fürsich am Esstisch. Sie trinkt einen Kaffe. Im Vordergrund ist ein Telle mit einem Burger.

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Laura Fürsich (@laurafursich.bsky.social)! Sie ist bin Post Doc am Mansueto Institute for Urban Innovation an der University of Chicago und am Institut für Analytische Soziologie (IAS) an der Universität Linköping. Ihre Forschung untersucht, wie soziale Ungleichheiten in räumlichen und institutionellen Kontexten fortbestehen und sich verändern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem dynamischen Zusammenspiel von sozialen Netzwerken, residenzieller Segregation und sozialer Stratifikation.

Als Computational Social Scientist verbindet sie Ansätze aus der Soziologie, der Stadtforschung und der Komplexitätswissenschaft. Dabei kombiniert sie agentenbasierte Modellierung, Informationstheorie, diskrete Entscheidungsmodelle und Netzwerkanalyse mit großen administrativen Datensätzen aus Schweden und den Niederlanden. Sie interessiert besonders, wie statistische Informationen genutzt werden können, um die Mechanismen hinter räumlicher Ungleichheit, sozialem Einfluss und Intergruppenbeziehungen aufzudecken. Diese Perspektive ermöglicht es ihr, über reine Beschreibung hinauszugehen und in Daten Muster und Zusammenhänge zu identifizieren, die sowohl bestehende als auch neu entstehende Formen von Ungleichheit beleuchten.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ehrlich gesagt nicht auf dem direktesten Weg. Ich habe schon im Bachelor angefangen als HiWi an einem Lehrstuhl zu arbeiten. Was mich letztlich in die Forschung gezogen hat, war die Möglichkeit, gesellschaftliche Fragen (wie entsteht Ungleichheit? warum leben Menschen so getrennt voneinander?) mit Daten und formalen Methoden zu untersuchen. 


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich arbeite an der Schnittstelle von Soziologie, Netzwerkforschung und Computational Social Science. Was mich daran fasziniert, ist, dass man mit den richtigen Daten und Methoden Dinge sichtbar machen kann, die man mit bloßem Auge nicht sieht: Wie hängen die Orte, an denen Menschen wohnen und arbeiten, mit ihren Lebenschancen zusammen? Wie verändern sich Nachbarschaften über die Zeit – und für wen?

Was mich im Feld hält, ist zum einen die methodische Vielfalt. Ich arbeite mit administrativen Registerdaten, baue Netzwerkmodelle und setze agentenbasierte Simulationen ein. Zum anderen die Interdisziplinarität: Ich arbeite mit Leuten zusammen, die aus der Physik, Informatik und Ökonomie kommen. Das zwingt einen, die eigenen Annahmen ständig zu hinterfragen, und das finde ich produktiv.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Forschung dreht sich um die Frage, wie räumliche und soziale Strukturen Ungleichheit erzeugen und aufrechterhalten. Ein Schwerpunkt liegt auf Segregation – also der Frage, wie stark Menschen unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlichen Einkommens voneinander getrennt leben und wie sich das auf ihre sozialen Kontakte auswirkt.

Aktuell arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig. In einem Paper untersuche ich mit Chicagoer Zensusdaten, wie sich städtisches Einkommenswachstum über Jahrzehnte zusammensetzt: Liegt es daran, dass die Einkommen der Bewohner*innen steigen, oder daran, dass besserverdienende Menschen zuziehen und andere wegziehen? In einem anderen Projekt schaue ich mir mit niederländischen Registerdaten an, wie die räumliche Nähe in Mikro-Nachbarschaften den Kontakt zwischen Jugendlichen verschiedener Herkunft beeinflusst.

Daneben arbeite ich viel mit schwedischen Registerdaten. Schweden hat umfassende administrative Daten über Wohnorte, Arbeitsplätze, Einkommen und Familienbeziehungen – anonymisiert und streng reguliert. Damit lassen sich soziale Prozesse über lange Zeiträume und auf sehr feiner räumlicher Ebene untersuchen, was mit Umfragedaten kaum möglich wäre.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil die Fragen, die ich untersuche, den Alltag aller betreffen – auch wenn man nicht darüber nachdenkt. In welcher Nachbarschaft man aufwächst, mit wem man zur Schule geht, wo man arbeitet: All das beeinflusst, welche Chancen man hat und welchen Menschen man begegnet. Segregation ist kein abstraktes Konzept – sie bestimmt mit, wer wen kennt, wer welche Informationen bekommt und wer aufsteigen kann.

Meine Forschung versucht, diese Zusammenhänge sichtbar und messbar zu machen. Das ist relevant, weil politische Entscheidungen – über Wohnungsbau, Stadtplanung, Bildungspolitik – diese Strukturen direkt beeinflussen. Wenn wir verstehen, wie räumliche Sortierung und soziale Netzwerke zusammenhängen, können wir auch besser beurteilen, welche Maßnahmen tatsächlich etwas verändern.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin sowohl an der Universität Linköping als auch am Mansueto Institute for Urban Innovation an der University of Chicago angebunden und in zwei sehr unterschiedlichen akademischen Kulturen arbeite. Das ist manchmal logistisch herausfordernd, aber wissenschaftlich extrem bereichernd, weil die Perspektiven auf Stadtforschung und Ungleichheit sich stark unterscheiden.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich bin am liebsten auf dem Rad oder im Kanu – beides geht in Schweden hervorragend, solange man mit dem Wetter nicht zu wählerisch ist. Wenn ich in Chicago bin, gerne mit dem Rad am Lakefront Trail. Die Stadt ist überraschend gut für Radfahrer*innen. Dazu kommt seit einer Weile ein Welpe, der an den intensivsten Arbeitstagen zuverlässig dafür sorgt, dass ich vor die Tür komme. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Morgens eine lange Runde mit dem Hund, am liebsten am Wasser. Norrköping hat da ein paar schöne Ecken. Danach Kaffee und in Ruhe etwas lesen, das nichts mit Arbeit zu tun hat. Nachmittags eine Radtour, bei der ich nicht wissen muss, wann ich zurück bin. 



Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 15, 2026

Als Scientist Practitioner die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren und die psychische Gesundheit rund um die Geburt beforschen! Larissa Wolkenstein ist jetzt bei Real Scientists DE!

Potraitfoto Dr. Larissa Wolkenstein

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Dr. Larissa Wolkenstein (@lawolkenstein.bsky.social)! Larissa ist Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Nach dem Studium der Psychologie an den Universitäten Konstanz und Tübingen (2000–2005) promovierte sie 2009 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 2010 erhielt sie die Approbation als Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Von 2008 bis 2015 war sie am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie (Prof. Dr. Martin Hautzinger) an der Universität Tübingen tätig, zunächst als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, anschließend als Akademische Rätin a. Z. Ein Forschungsaufenthalt führte sie 2013 an die University of Miami (Prof. Dr. Jutta Joormann), Florida, USA. Seit 2015 ist sie am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der LMU München tätig (zunächst als Akademische Rätin, später als Akademische Oberrätin). 2023 wurde ihr die Venia legendi im Fach Psychologie verliehen.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Als ich mit meinem Studium begonnen habe, war mein Plan eigentlich, Psychotherapeutin zu werden. Meine Begeisterung für die Wissenschaft habe ich erst im Studium entdeckt. Da fand ich forschungsbezogene Lehrveranstaltungen besonders spannend. Bei der Erstellung meiner Abschlussarbeit habe ich dann erstmals eigenständig wissenschaftlich gearbeitet und gemerkt, dass mir das wirklich Spaß macht. Als mein Betreuer mich fragte, ob ich nicht weiter wissenschaftlich arbeiten möchte, war die Entscheidung schnell gefallen. Ich bin trotzdem auch Psychotherapeutin geworden – habe also nach meinem Studium neben der Promotion auch die psychotherapeutische Ausbildung gemacht, die mit der Approbation abschließt. Auch heute schlägt mein Herz nach wie vor für beides – psychotherapeutische Praxis und Forschung. Ich würde mich ganz klar als Scientist-Practitioner bezeichnen. Diese Schnittstelle macht meine Arbeit für mich so spannend.

 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich mache klinisch-psychologische Forschung, weil es mir wichtig ist, mit meiner Forschung etwas für Menschen mit psychischen Störungen zu bewegen. Ich möchte dazu beitragen, psychische Störungen besser zu verstehen und die Behandlung und Versorgung von Betroffenen zu verbessern.

 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In den letzten Jahren habe ich mich in meiner Forschung insbesondere mit zwei Bereichen beschäftigt: Das ist einmal die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren und den wissenschaftlichen Fragen, die sich aus dieser Schnittstelle ergeben. Insbesondere beschäftigt mich die Frage, ob und wie sich psychotherapeutische Interventionen auf die Erinnerung an ein traumatisches Ereignis auswirken. Mein zweiter Forschungsschwerpunkt ist die psychische Gesundheit im Peripartalzeitraum, also dem Zeitraum rund um die Geburt eines Kindes. Hier habe ich mich bislang vor allem mit der postpartalen Depression beschäftigt, aber auch mit den Auswirkungen von Kindsverlust auf betroffene Eltern und das gesamte familiäre System. 

 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Die Schnittstelle zwischen Psychotherapie und Strafverfahren betrifft viele Überlebende von Gewalt- oder Sexualstraftaten. Sofern sie eine entsprechende Straftat zur Anzeige bringen (oder in Erwägung ziehen, das zukünftig zu tun) und zudem psychotherapeutisch behandelt werden, bewegen sie sich genau in dieser Schnittstelle. Eine psychotherapeutische Behandlung steht ihnen zu und ist in vielen Fällen auch indiziert. Allerdings gibt es Konstellationen, in denen eine solche Behandlung bei einem Strafverfahren zum Problem werden kann. Insbesondere wenn das Trauma in der Psychotherapie besprochen wird, kann sich dies negativ auf die Aussageglaubhaftigkeit Betroffener auswirken, die dann in einem Strafverfahren als Opferzeug:innen fungieren.

Das Thema der peripartalen Gesundheit betrifft ebenfalls einen großen Teil unserer Gesellschaft – nämlich alle Frauen, die ein Kind gebären und deren Angehörige. Meines Erachtens finden Themen, die (auf den ersten Blick) vorrangig Frauen betreffen, nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit. Erstaunlich, wo Frauen doch die Hälfte der Menschheit ausmachen. Wenn wir nun auch noch ihre Kinder, Partner und Partnerinnen mit einbeziehen, betrifft das Thema der peripartalen Gesundheit fast alle Menschen. Zumindest irgendwann in ihrem Leben. Wir wissen, dass es sich zum Beispiel ganz deutlich auf die Gesundheit eines Kindes auswirkt, wenn seine Mutter unter einer postpartalen Depression leidet. Nicht nur zum Zeitpunkt der mütterlichen Erkrankung, sondern weit darüber hinaus. Insofern geht uns dieses Thema fast alle an.

 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Zwar umfasst meine aktuelle Position auch Forschung, aber ich bin auch für die therapeutische Leitung und Forschungskoordination in unserer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz zuständig. Das bedeutet vor allem, dass ich therapeutische Konzepte ausarbeite und implementiere und Forschungsstrukturen in der Ambulanz etabliere und kontinuierlich verbessere. Außerdem supervidiere ich die Therapien, die bei uns stattfinden und bin Ansprechpartnerin für alle inhaltlichen Fragen, die unsere therapeutischen Kolleginnen und Kollegen haben.

Zudem bin ich auch in der Lehre tätig. Ich habe das große Glück, dass ich auch in der Lehre meine beiden Leidenschaften – Psychotherapie und Forschung – gut abbilden kann. Oft habe ich sehr praktische Lehrveranstaltungen oder eben Lehrveranstaltungen mit Forschungsbezug. Aktuell führe ich zum Beispiel ein Fallseminar durch, in dem eine psychotherapeutische Behandlung im Beisein und unter Mitwirkung Studierender stattfindet.

Ansonsten gebe ich häufiger Workshops oder Seminare an Aus-/Weiterbildungsinstituten (also in der postgradualen Aus- und Weiterbildung) oder auch Einrichtungen wie z.B. Kliniken. Ich bin zudem als Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin tätig.

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich habe das große Glück, inmitten wunderschöner Natur zu leben, etwas südlich von München. Da sind Berge und Seen nicht weit. Die genieße ich gemeinsam mit meiner Familie. Ich bin gerne draußen – ob mit unseren drei Kindern, unserem Hund oder auch auf dem Pferd.

Außerdem lese ich sehr gerne, gehe gerne ins Kabarett, ins Kino oder ins Theater.

Außerdem liebe ich es, zu Konzerten zu gehen – auch wenn ich das viel zu selten unterbekomme. Das letzte Konzert, auf dem ich war, war von Cypress Hill. Als nächstes stehen neben klassischen Konzerten von Bruce Liu und Rachel Podger auch AnnenMayKantereit, das Black Forest on Fire Reggae Festival und die Abschiedstournee der Fantastischen Vier an. Alle Karten liegen bereit und ich freue mich auf jedes einzelne Konzert riesig.

In meiner Freizeit setze ich mich auch für den Schutz von Demokratie und Menschenwürde ein. Deswegen bin ich Gründungs- und Vorstandsmitglied von Holzkirchen ist bunt e.V. – einem Verein, der für Vielfalt, Toleranz und Menschlichkeit eintritt. Man sieht mich also ab und zu auch auf einer Demonstration oder entsprechenden Veranstaltungen. Ich möchte meinen Kindern diese Werte vorleben und wünsche mir, dass sie in einem Land aufwachsen, in dem kein Platz für Fremdenfeindlichkeit oder Ausgrenzung ist, in dem Frauen dieselben Rechte haben wie Männer und in dem Minderheiten keine Nachteile aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit erfahren. 

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

An einem idealen freien Tag stehe ich früh auf und drehe erst einmal eine Runde mit unserem Hund. Dann gehe ich mit meiner Familie irgendwo ausgiebig frühstücken - am besten auf einer Terrasse in der Sonne. Dabei ist ein guter Kaffee Pflicht :-)

Danach wäre ein Ausritt im Wald perfekt.

Am Nachmittag würde ich dann gerne mit meiner Familie und Freunden gemütlich an einen See gehen. Mit einer großen Picknickdecke und dem SUP. Ich bin sehr gerne unter Menschen und liebe es, mich auszutauschen, zu diskutieren, zu lachen. Gegen Abend entscheiden wir uns dann spontan, bei wem wir gemeinsam den Tag bei einem guten Essen (gerne vietnamesisch) ausklingen lassen.

Noch besser wäre es, wenn all das am Meer stattfinden würde. 😊



Bitte begrüßt Larissa ganz herzlich bei Real Scientists DE!