Sunday, June 7, 2026

Demokratie leben - Caro Zieringer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin Caro Zieringer (@theoreticallycaro.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Caro ist politische Theoretikerin. Sie hat Politik- und Kulturanthropologie sowie politische Theorie in Bremen, Salamanca, London und Frankfurt/M. studiert. Seit 2025 ist sie promoviert. Carolin arbeitet schwerpunktmäßig in der queer-feministischen und radikalen Demokratietheorie. Sie interessiert sich insbesondere für Fragen von Körperlichkeit, Sorge, politischen Bewegungen und Behinderung. Ihr Buch "Für Widerspruch sorgen. Eine feministische Theorie radikaldemokratischen Widersprechens" erscheint im November 2026. Abseits vom Schreibtisch findet man sie meistens am Deich mit dem Hund. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich denke gerne gemeinsam mit anderen und ich will genauer verstehen, warum die Gesellschaft ist, wie sie ist - und wie sie anders, besser, gerechter sein könnte. In der Wissenschaft bleiben möchte ich nach der Promotion aber auch deshalb, weil zu viele Themen in der politischen Theorie nicht ausreichend mitgedacht werden, z.B. die Disability Studies oder Geschlechterfragen. Mit meiner Arbeit will ich dazu beitragen das zu ändern. Außerdem finde ich es toll, Studierende dabei zu begleiten, neu und anders über sich und die Welt nachdenken zu lernen. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Unter aktuellen politischen Bedingungen ist die Frage nach der Demokratie, ihrem Erhalt und ihrer Demokratisierung die wichtigste Frage, die sich die politische Theorie stellen kann. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Politische Theorie ist schnell zusammengefasst: Denken, Reden, Schreiben. Diese Subdisziplin der Politikwissenschaft fragt nach der guten politischen Ordnung - und auch nach der schlechten. Jeder Tag sieht anders aus, aber vor allem bin ich viel mit Lesen, Lesen, Lesen beschäftigt. In Kolloquien diskutieren wir Texte, die wir gerade schreiben und veröffentlichen wollen. Ich arbeite an Beiträgen für Handbücher und Journals sowie Vorträgen, gutachte Einreichungen für Veröffentlichungen von Kolleg*innen und editiere gerade mein erstes eigenes Buch. Weil ich momentan keine feste Stelle in der Wissenschaft habe, schreibe ich außerdem an Anträgen, um Mittel für eigene Projekte einzuwerben.  

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine aktuelle Forschung zeigt, dass die Demokratie darauf angewiesen ist, dass wir sie im Alltag leben. Sie zeigt, dass uns das viel abverlangt, weil Widerspruch leisten und aushalten müssen - und sie gibt Menschen Verständnis dafür in die Hand, warum die aktuelle Gesellschaftsordnung deshalb dazu führt, dass viele Menschen das nicht leisten können und auch deshalb nicht richtig teilhaben können. Meine Arbeit zeigt aber auch Lösungen auf, indem sie den Zusammenhang von Demokratie und Sorge nachverfolgt. Kurz gesagt gibt meine Forschung Menschen Begriffe, Zusammenhänge und Ideen an die Hand, um im Alltag und im Aktivimus handlungsfähig zu werden und eine eigene Perspektive zu entwickeln. Sie gibt wissenschaftlich begründet die Hoffnung, dass ein gutes Leben für alle möglich ist, wenn wir füreinander Sorge tragen. Klingt banal, ist aber mitten in einer politischen Autoritarisierung keine Selbstverständlichkeit.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Arbeit kümmere ich mich um meine Tierschutzhündin Nala und unterstütze meinen aktuell an ME/CFS erkrankten Partner. Und weil Arbeitslosigkeit in der Wissenschaft nichts unübliches ist und mich aktuell trifft, schreibe ich einen Haufen Bewerbungen. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Ohne freie Tage keine gute Wissenschaft! Denken braucht Zeit und Luft. Deshalb schlafe ich an einem freien Tag gerne aus, nehme mir richtig lange Zeit fürs Frühstück und laufe mit dem Hund eine große Runde um den Werder See in Bremen, in dem ich danach baden gehe. Am schönsten ist es dann in den Tag hinein zu leben, oft ist dann aber nur noch Zeit für Haushalt, Erledigungen und Pflege. Ich gehe aber auch gerne ins Theater, treffe Freund*innen in der Kneipe oder mümmel auf dem Sofa bei meiner aktuellen Lieblingsserie.

Bitte begrüßt Caro ganz herzlich bei Real Scientists DE!




Sunday, May 31, 2026

Die dunkle Seite der politischen Macht - Adam Scharpf ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Adam Scharpf (@ascharpf.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Adam Scharpf ist Associate Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Kopenhagen. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der „dunklen Seite“ politischer Macht und untersucht, wie Autokratien und Diktaturen funktionieren, Loyalität sichern, und Einfluss über ihre Grenzen hinaus entfalten. Dabei nutzt er quantitative Daten und statistische Methoden, um Einblicke in die oft undurchsichtigen Strukturen autoritärer Regime zu gewinnen. Sein besonderes Interesse gilt der Frage, warum Autokratien weltweit (wieder) auf dem Vormarsch sind und wie Demokratien sich in einer autokratischen Welt behaupten können.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Mich hat schon immer interessiert herauszufinden, warum Dinge so sind, wie sie sind – und was dahintersteckt. Mein Studium an der Universität Konstanz hat mir früh gezeigt, dass die Wissenschaft genau das bietet. Allerdings hat es etwas länger gedauert, bis mir klar wurde, dass ich ihr mein Berufsleben widmen möchte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich interessiere mich besonders für die „dunkle Seite“ politischer Macht. Autokratien und Diktaturen sind dafür Paradebeispiele. Was diese Regime zusammenhält, stabilisiert und letztlich auch kollabieren lässt, finde ich unglaublich spannend.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich erforsche politische Regime und wie sie Loyalität und Gefolgschaft erzeugen – sowohl im Inland als auch im Ausland. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit konzentriert sich auf das Innenleben von Autokratien und Diktaturen.

Dafür nutze ich quantitative Daten, die ich mit statistischen Verfahren analysiere. Das ist nicht ganz einfach, denn autoritäre Regime haben wenig Interesse daran, erforscht zu werden. Sie leben von Intransparenz und Geheimhaltung.

Mein Ziel ist es, mithilfe von Daten möglichst tief in die Strukturen und Prozesse dieser oft undurchsichtigen Regime vorzudringen und allgemeingültige Muster ihres Funktionierens sichtbar zu machen.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Heute leben nahezu zwei Drittel der Weltbevölkerung unter autoritären Regimen – und der Trend zeigt nach oben. Gleichzeitig stehen Demokratien weltweit zunehmend unter Druck. Vor gut zehn Jahren sah die Lage noch deutlich anders aus.

Die zentrale Frage lautet daher: Warum sind Autokratien wieder auf dem Vormarsch? Welche Strategien und Instrumente nutzen Autokraten und Diktatoren, um ihre Macht zu sichern und auszubauen? Und wie können wir Demokratien vor autokratischen Angriffen schützen?


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Nein – meine Arbeit als Professor füllt mich wirklich sehr gut aus.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich mache regelmäßig Sport als Ausgleich zu meiner geistigen Arbeit. Das hilft mir beim Abschalten.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Auch an freien Tagen lässt mich die Wissenschaft nur selten ganz los. Ideal ist für mich eine Kombination aus Zeit mit meiner Familie und der Möglichkeit, frei von Stress, Druck und dem täglichen Klein-Klein über interessante Fragen nachzudenken und zu lesen.


Bitte begrüßt Adam ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 17, 2026

Forschung über Wissenschaft - Lukas Röseler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Lukas Röseler (@aufdroeseler.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Lukas hat Wirtschaftspsychologie studiert, in 2021 in Psychologie promoviert und arbeitet als Geschäftsführer des Münster Center for Open Science an der Universität Münster, ist Editor-in-Chief und Mitgründer der Diamond Open Access Zeitschrift Replication Research, einer der Projektleiter der FORRT Replication Hub, sowie Mitglied des FORRT Steering Committee. Er setzt sich für transparente und nachvollziehbare Forschung, vorwiegend Replikationsforschung, ein.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Theorien über die Welt systematisch, vorsichtig, und unvoreingenommen zu untersuchen begeistert mich sehr. In der Schule haben wir eine Studie zu Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung durchgeführt und als ich dann im Studium an einer Replikationsstudie beteiligt war (es ging um Smarties, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr), war mir klar, dass Wissenschaft etwas ist, zu dem ich beitragen möchte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Tatsächlich bin ich von anderen Feldern stetig hierher, also zu Open Science und Metawissenschaft (= "Forschung über Wissenschaft") gedriftet. Einerseits aus Frust daran, dass in den Bereichen, in den ich vorher geforscht habe, einen Mangel an Transparenz herrschte, den ich anfangs nicht verstanden habe, und andererseits durch meinen Idealismus und meine Hoffnung, dazu beitragen zu können, dass Wissenschaft ihren Idealen etwas näher rückt. Eines dieser Ideale, das ich unterstütze, ist die freie Verfügbarkeit von wissenschaftlichem Wissen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir - denn keine dieser Sachen tue ich allein - unterstützen Forschende dabei, sich mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Rahmen ihrer Forschung auseinanderzusetzen. Das geschieht auf verschiedenen Wegen: 
1) Wir dürfen mit Forschenden aus vielen verschiedenen Disziplinen in den Austausch treten: Wie funktioniert Wissenschaft in ihrem Feld, in welchem Rahmen ist Transparenz sinnvoll und möglich, auf welche Weise lässt sie sich erreichen, und welche Unterstützung ist dabei nötig? 
2) Wir stellen Infrastrukturen und Informationen bereit, beispielsweise allgemeine Open Science-Informationen oder ein Handbuch und eine multidisziplinäre Zeitschrift für Replikationsforschung. 
3) Wir erforschen verschiedene "Open Science-Praktiken", fragen uns also, ob bestimmte Vorschläge, die auf erhöhte Transparenz oder Robustheit wissenschaftlicher Befunde abzielen, sinnvoll und effektiv sind.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit finanziert. Im Rahmen von Open Science setzen wir uns dafür ein, dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Hier ein paar Beispiele:
- Open Acess: Zu viel Geld fließt an kommerzielle Verlage (Zuschauer*innen von Mai Think X haben vielleicht die Sendung zum Steuerskandal und Paywalls gesehen). Bürger*innen haben oft gar keinen Zugriff auf die Forschungsergebnisse, obwohl diese durch Steuergelder finanziert wurden. Ich fand die Sendung spannend und sehr gut erklärt, war dann aber schockiert als es nach Erklärung des Problems plötzlich schon vorüber war. Wir haben im Rahmen von Open Science eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen für die in der Sendung vorgestellten Probleme.
- Replizierbarkeit: Es ist inzwischen weit über die Wissenschaft hinaus bekannt, dass viele wissenschaftliche Befunde einer erneuten Prüfung, zum Beispiel im Rahmen einer Replikation, nicht standhalten. Das ist hoch relevant, wenn im Alltag oder in der Wirtschaft darauf aufgebaut wird. Der erste und meistens falsche Gedanke ist dann, dass die Forschung nicht gut genug war. So einfach ist es aber nicht. Was Replizieren bedeutet und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind, wird im Rahmen von Open Science diskutiert. Manchmal sind Fehler passiert, manchmal ändern sich methodische Standards, manchmal müssen wir erst noch herausfinden, wo die Grenzen unseres Wissens liegen.
- Citizen Science: Eine andere Facette von Open Science betrifft das aktive Einbeziehen von Bürger*innen. In den Fällen, bei denen es möglich ist, lernen Forschende, ihre Ergebnisse klar zu kommunizieren und die Beteiligten erlangen ein tieferes Verständnis von der Funktionsweise von Forschung.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ja, die werden dann aber immer teil meiner Haupttätigkeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin, bis zu einem größeren Unfall letztes Jahr, 18 Jahre lang BMX gefahren und suche noch ein Ersatzhobby. Wenn ich nach einem Tag an der Tastatur noch Kraft in den Fingern habe, löse ich gern Zauberwürfel (um es Speedcubing zu nennen, bin ich wahrscheinlich zu langsam).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Zeit mit den Kindern, Zeit mit meiner Frau, Bewegung und ein Ausflug in die Natur oder irgendwo hin, wo wir hochgehen und heruntergucken.

Bitte begrüßt Lukas ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 3, 2026

Wie KI entwickelt wird - Selin Coban ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin  Selin Coban (@selinco.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Selin ist seit 2020 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Research Group Software Construction an der RWTH Aachen. Zuvor hat sie sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master in Informatik an der RWTH absolviert.  Sie erforscht das Prototypen von KI Lösungen und Entwicklungsumgebungen.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Das wissenschaftliche Arbeiten während meiner Masterarbeit hat mir großen Spaß gemacht. Dies ist offenbar auch dem Lehrstuhl aufgefallen, weil mein Professor mich noch vor Abgabe fragte, ob ich nicht für eine Promotion bleiben möchte. Diese Entscheidung führte zu sechs sehr spannenden und erfahrungsreichen Jahren, auf die ich nicht verzichten möchte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mich hat die Informatik interessiert, weil es für mich wie Magie war, was in einem PC vor sich ging. Das wollte ich schon als Kind verstehen. Zudem habe ich Logikspiele schon immer geliebt. Diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen, weshalb ich schließlich Informatik studiert habe. In digitalen Welten ist im Gegensatz zu realen Welten (fast) alles möglich. Daher tobe ich mich gerne in der Welt des Codes aus.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Meine Arbeit war sehr vielfältig: Neben der reinen Forschung gehörten auch Lehrtätigkeit, Industrieprojekte, Fachstudienberatung und Eventmanagement zu meinen Aufgaben. Das hat zwar hin und wieder zu viel Stress geführt, doch ich bin auch sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich dadurch sammeln konnte. So konnte ich meine Stärken sehr vielfältig ausbauen. Diese Erfahrungen hätte ich in der Industrie nicht in diesem Ausmaß sammeln können. Aktuell schreibe ich „nur noch“ an der Dissertation.

Konkret beobachte ich, wie KI-Entwickler:innen KI-Lösungen entwickeln, und achte dabei genau auf die Abläufe und die verwendeten Werkzeuge. Ähnlich wie Handwerker:innen Werkzeuge wie Hammer und Schrauben benötigen, verwenden wir in der Softwareentwicklung ebenfalls Werkzeuge. Auf Basis dieser Erkenntnisse designe ich einen effizienteren Prozess sowie bessere Werkzeuge. Da all dies KI-Entwickler:innen zugutekommen soll, arbeite ich auch viel mit Menschen zusammen, beispielsweise in Form von Interviews und Nutzerstudien.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

KI ist ein zentrales Thema unserer Gesellschaft. Ich möchte aufzeigen, wie KIs systematischer entwickelt werden können, anstatt das Ergebnis improvisierter Experimente zu sein.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin ein Gründungsmitglied der Women in AI Aachen Initiative, bei der wir Frauen im KI-Bereich zu mehr Sichtbarkeit verhelfen wollen, aber auch auf die diskriminierende Natur von KIs aufmerksam machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich zeichne/male gerne. Das übertrage ich auch gerne in meine Arbeit, um bspw. Folien zu illustrieren. Demnächst darf ich auch ein Fachbuch illustrieren.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Mit Familie/Freunden Zeit verbringen, gutes Essen genießen, ein gutes Buch auf dem Balkon lesen.


Bitte begrüßt Selin ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Saturday, April 18, 2026

Queerness in Videospielen! Sascha Heller ist jetzt bei Real Scientists DE!

 

Foto Sascha Heller
Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kurator Sascha Heller (@medienmonolog.bsky.social)! Sascha hat bis 2020 Medien- und Kommunikationswissenschaften an der MLU Halle-Wittenberg studiert und von 2021 bis heute klinische Psychologie in Bachelor und Master an der DIPLOMA. Seit Studienbeginn beschäftigt er sich mit Themen rund um Videospiele und Queerness. Erste Arbeiten führten ihn in den Vergleich der Videospielgeschichte und queeren Geschichte. Spätere empirische Arbeiten untersuchten das Ausleben von genderqueerer Geschlechtsidentität in und durch Videospiele. Aktuell schreibt Sascha seine Masterarbeit zum Thema "Videospielkonsum und Coping bei Minderheitenstress der LGBTQIA+ Community."

2025 erschien sein Sachbuch ‘Einmal queer gespielt’ bei Springer Nature. Seit Jahren ist er unter dem Namen ‘Medienmonolog’ mit dem gleichnamigen Podcast und auf sozialen Netzwerken zu medienwissenschaftlichen und psychologischen Themen in der Wissenschaftskommunikation aktiv. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen und Literatur finden sich auf seiner Webseite und seinem Blog.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich studierte ich Medienwissenschaft nur, um danach als Grafikdesigner zu arbeiten. Aber in der ersten Auseinandersetzung mit Mediengeschichte habe ich mich mit der Wissenschaft angefreundet und gemerkt: Da fühle ich mich wohl!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als queere Person und Gamer*in dachte ich mir: Super Thema, da steck' ich drin und weiß, wovon ich rede. Und mein Interesse daran gebe ich gerne weiter, um beide Themen in der Psychologie zu besprechen und auch für Interessierte aufzubereiten. Das Wissen teilen ist 50% der Freude an der Arbeit.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Neben dem online Content zur Wissenschaftskommunikation, den ich erstelle, gibt es alle paar Wochen auch Vorträge und Seminare an Universitäten, in Bildungseinrichtungen etc., in denen ich Studierenden oder Fachkräften einen Input zu den angefragten Themen gebe. Zielgruppe und Thema sind hier oft unterschiedlich! Mal gibt's für Studierende einen Vortrag plus Diskussion zum Thema queerer Repräsentation in Videospielen, mal für Fachkräfte ein Seminar zum Thema Videospiele in der Therapie. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Man geht von ~9% der Menschen weltweit aus, die sich als queer identifizieren. Grund genug, sich damit zu befassen - als Wissenschaft und auch als Gesellschaft. Meine Arbeit ist also nicht nur für queere Menschen selbst hilfreich. Und Videospiele als Thema sind sowieso super interessant. Wer möchte nichts über Videospiele erfahren?!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich unterstütze mit meinen Fähigkeiten als Grafikdesigner und als Social Media Manager gerne ehrenamtlich Angebote, Vereine und Co., die Unterstützung benötigen. Zurzeit betrifft das den lokalen CSD und auch das neue Aktionsbündnis Psychotherapie. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ist Gaming noch interessant genug? Ansonsten male und zeichne ich auch gerne und leider nicht so oft wie ich gerne würde, aber das dafür schon seit über 10 Jahren. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Spaziergänge, Videospiele, Hobbys wie Zeichnen oder Fotografieren nachgehen oder vielleicht ein Ausflug ins Fitnessstudio. 

Bitte begrüßt Sascha ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 12, 2026

Neuroimplantate, Hirnstimulation und biomedizinische Technik! Ulrich G. Hofmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Privates Portraitfoto Ulrich G. Hofman
Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator Ulrich G. Hofmann (@kraweel65@norden.social)! Ulrich (Uli) ist ein deutscher Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Neurotechnik und Biomedizinischen Technik. Er studierte Technische Physik an der Technischen Universität München von 1987 bis 1993 und promovierte dort anschließend in (Bio-)Physik (1993–1996). Seine akademische Laufbahn führte ihn als Postdoktorand an die Åbo Akademi in Finnland (Fysikalisk Kemi, 1996) und als Feodor-Lynen-Stipendiat an das California Institute of Technology (Caltech) in den USA (Neurobiologie, 1997–1998).

Von 1998 bis 2012 leitete er die Gruppe für Biosignalverarbeitung und Neuroengineering am Institut für Signalverarbeitung der Universität zu Lübeck. Von 2012 -2018 war er Inhaber der Peter-Osypka-Stiftungsprofessur für Neuroelektronische Systeme am Universitätsklinikum Freiburg. Seitdem ist er dort Sektionsleiter. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Brain-Machine Interfaces, Hirnstimulation und biomedizinische Technik, wobei er insbesondere an der Entwicklung und Anwendung von Neuroimplantaten und innovativen Stimulationstechnologien forscht. 

Zu diesen Stimulationstechniken gehört die IR-Stimulation von peripheren Nerven, die Nutzung von Nanopartikeln und hochsensitive Diamant-Magnetometer. 

Seit seine Gruppe Hirnimplantate mit transkriptomischen Methoden als veritable Hirntraumata identifiziert hat, ist sein wissenschaftliches Credo #DONOTIMPLANT. 

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Star Wars Episode II (damals): Luke brauchte eine neue Hand. Wie?  

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

„Transcendence“ mit Johnny Depp

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Wir versuchen Wege zu finden, um -unter Umgehung der üblichen peripheren Pfade - Informationen ins Gehirn zu schreiben und auch wieder heraus zu lesen - am besten zusammen. 

Dabei musste ich zur Kenntnis nehmen, dass es sich nicht um ein Ingenieurs-Problem sondern ein extrem biologisches Problem handelt. 

„The Empire strikes back!“ ist ein Motto, das mich seit Anfang verfolgt und immer wieder einholt… Gemeint ist hier: Das Gehirn. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wenn man im Moment die einschlägigen Zeitungen öffnet, hört man allenthalben von unglaublich stark finanzierten „Startups“ wie Neuralink, Paradromics oder Blackrock, die auf dem Feld des Brain-Computer Interfacing eine Art Industrialisierung vorantreiben. 

Ich freue mich dann darüber, dass Sachen, die die Community vor 20 Jahren schon in einzelnen Studien gezeigt hat, nun ihren Weg zum Patienten finden werden. Leider wissen aber die Protagonisten, dass es mit medizinischen Hilfsmitteln alleine unmöglich ist, die investierten Gelder wieder zu verdienen. Und für mich ist die einzige und bedrohliche Erklärung dafür, dass eben keine wohlabgewogenen medizinischen sondern Allerwelts-Anwendungen das tatsächliche Ziel ist. Und dafür ist das Risiko am Gehirn herumzuspielen einfach zu groß. Das sollten aber alle dann auch wissen. 


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich habe gerade im Januar als Koordinator ein EU-weites Doktoranden-Netzwerk gestartet, das von der EU gefördert wird und in dem wir eben eine Hirnstimulation ohne Hirnkontakt erforschen wollen. 

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Wenn es sich im Urlaub ergibt, tauche ich gerne. Ansonsten bin ich ein Holzwurm und baue meine eigenen Möbel und Dekorationen. 

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Morgens mit der Familie frühstücken, nachmittags meine Drecheslbank quälen und abends gemütlich den (Gas-) Grill anschmeißen. 

Bitte begrüßt Ulrich ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 5, 2026

Entstigmatisierung und Tiefenpsychologie - Heiko Westerburg ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf Heiko Westerburg (@heikowes.bsky.social)! Heiko (er/kein Pronomen) ist M.Sc. Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und empirisch-quantitative Tiefenpsychologie an der Universität zu Köln und parallel in psychologisch-psychotherapeutischer Ausbildung (tiefenpsychologisch fundiert). Heikos Interessen liegen unter anderem in den Bereichen von Entstigmatisierung, Volunteering und Aktivismus, Diversität und Antidiskriminierung, sowie Psychotherapie- und Kompetenzforschung in helfenden Berufenim weiteren Sinne. Nähere Informationen finden sich hier: https://www.hf.uni-koeln.de/41478
 
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich erkläre mir das aktuell durch eine Mischung aus Zufall, Neugier und guten Gesprächen. Hilfskrafttätigkeiten und Praktika in universitären und universitätsangebundenen Einrichtungen haben mein Interesse an der Schnittstelle von (klinisch-)psychologischer Forschung und Praxis geweckt. Als mir mein aktueller Doktorvater am Ende des Masterstudiums eine Stelle anbot, war ich zunächst überrascht, nach kurzem Überlegen allerdings umso begeisterter über die Chance, mein Wirken in Forschung und Lehre auch einer gewissen gesellschaftlichen Verantwortung des Fachs Psychologie und Wissenschaft bzw. Universität als demokratiestärkenden Institutionen zu widmen. Um gleichzeitig ganz ehrlich zu bleiben, hat mich die Realisation dieses Weges nichtdestotrotz insgesamt überrascht: Ausgehend vom jahrelangen Engagement als Workshopleitung in einem Entstigmatisierungs-Projekt und als Guide in einer kunstpsychologischen Initiative, kam die Orientierung in wissenschaftlicher Richtung in Teilen durchausunerwartet, aber dazu womöglich in der Woche auf Bluesky mehr.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich arbeite an der Schnittstelle von angewandter Präventions-und Antidiskriminierungsforschung sowie klinischer Psychologie. Sich im Kontext des eigenen Forschens und Handelns mit Entstigmatisierung und Vielfalt zu beschäftigen, resultiert auch aus jahrelanger eigener (ehrenamtlicher) Tätigkeitin diesen Bereichen. In meiner Sicht gibt es – ohne strukturelleHerausforderungen (z.B. WissZeitVG) hier außen vor zu lassen– aktuell kaum etwas Bereichernderes, als sich gedanklich und methodisch in wissenschaftlicher Tiefe Themen widmen zu dürfen, die im besten Fall auch gesellschaftlich breitenrelevantund in jedem Fall persönliche Herzensanliegen sind.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In wissenschaftlicher Mitarbeit liegen meine Aufgaben hauptsächlich in Forschung, Administration und Lehre. Im Rahmen meiner Promotion untersuche ich die Wirksamkeit und potenziell relevante Kontext- und Prozessfaktoren von Entstigmatisierungs-Trainings für Schüler*innen und Erwachsene in unterschiedlichen europäischen Ländern, die von ehrenamtlich engagierten, geschulten Psychologiestudierenden durchgeführt werden. Außerdem plane ich im Zuge der Promotion ein systematisches Review mit meta-analytischen Komponenten, um die aktuelle Evidenzlage der Entstigmatisierungsforschung in Europa zusammenzutragen und um interkulturelle Aspekte zu erweitern. Daneben begleite ich Bachelor- und Master-Arbeiten und biete im M.Sc. Psychologie Kolloquien zu Wissenschaftskommunikation in meinen Schwerpunktthemen an.
Ganz aktuell bin ich zusätzlich in den ersten Zügen, gemeinsam mit dem Organisationsteam die Planung für das Erstsemester-Einführungsprogramm für Psychologiestudierende an der Universität zu Köln zum Start des kommenden Wintersemesters 26/27 auf den Weg zu bringen – ein seit zehn Jahren hier in Köln bestehendes Programm, um eine aus Sicht der Studienanfänger*innen möglichst hilfreiche, wissenschaftspropädeutische Einführung ins Psychologiestudium anzubieten.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
« Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke »: WHO-Schätzungen zufolge erreicht jährlich im Mittel nur rund die Hälfte der Personen, die die formalen Kriterien zur Diagnoseeiner psychischen Störung erfüllen, diejenige adäquate psychische Gesundheitsversorgung, die zur Linderung individuellen Leidens beitragen könnte. Wenn es um schwere psychische Störungen (z.B. Schizophrenie) geht oder Systeme, in denen Ressourcen knapp sind, sinken Schätzungen sogar auf teilweise bis zu 30 % oder unter 10 %. Dieses Phänomen wird konzeptuell auch als „Behandlungslücke“ bezeichnet. Verglichen damit: Auf ein Jahr gerechnet weisen rund ein Drittel der Menschen (in Deutschland) eine oder mehrere klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheitauf. Das Stigma rund um das, was „die“ klinische Psychologie (was auch immer das heißen mag) gemeinhin als „psychische Störungen“ bezeichnet, ist dabei ein wesentlicher personenbezogener und struktureller Hinderungsfaktor, diejenige Hilfe aufzusuchen, die es bei eigenem oder im Umfeld beobachtetem, seelischem Leiden brauchen könnte. Qualitativ hochwertige Programme, die wissenschaftlich fundierteAufklärung mit Entstigmatisierung psychischer Störungen vereinen, können dazu beitragen, gesellschaftlich mehr Bewusstsein zu stiften. So ließen sich aus meiner Sicht auf mehreren Ebenen Hemmschwellen reduzieren, sich mit sich selbst zu beschäftigen, offen darüber zu sprechen, wenn es auch mal nicht so gut geht, sowie Strukturen zu schaffen, die unterstützen: Individuell wie auch politisch und strukturell.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Aktuell leite ich ehrenamtlich ein Forschungsprojekt mit einem Team internationaler Studierender zu einer in Europa ländervergleichenden Untersuchung personenbezogenerFaktoren, Beziehungszufriedenheit und Kommunikations- sowie Konfliktlösungsstrategien im Vergleich zwischen Personen, die intime Beziehungen eher monogam versus eher nicht-monogam gestalten. 
Zudem bin ich als Medizinredakteur für die Apothekenumschau, als Co-Dozent in der Ausbildung von Mediator*innen an einem universitären An-Institut, in freier Mitarbeit für Diversity-Trainings am Institut für Diversity- undAntidiskriminierungsforschung, sowie auch in sehr geringem Umfang selbstständig in Mediation und systemischem Coaching tätig.
Last but not least übernehme ich Referenten- und Personalangelegenheiten für eine kunstpsychologische Initiativein Köln, die sowohl für den dortigen Museumsdienst als auch im weiteren Sinne das lokale Gesundheitswesen, etwa in Schulprojekten zur Stärkung von Persönlichkeitsfunktionen belasteter Schüler*innen, tätig ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Auch wenn die Zeit für Hobbies neben beruflichen Rollenaktuell überschaubar und das, was „interessant“ klingt, sehr individuell sein möge, freue ich mich stets, zu bouldern. Ein in meiner Sicht übrigens durchaus psychologischer Sport: Frei zu klettern lädt ein zum Ausprobieren des eigenen Umgangs mit Grenzen, Festhalten und Loslassen, Kippmomenten und Überwindung. Oder zu schwimmen – eine Leidenschaft, die ich früher auf Leistungsniveau verfolgt und zu der ich heute ein gelasseneres Verhältnis habe: Das Rauschen des Wassers beim Bahnenziehen hat in meinem Erleben etwas Meditatives. Gut für Rücken und Wohlbefinden ist beides; zur Schonung von Gelenken eignet sich vermutlich eher das Wasser.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Mir fällt da ein psychoanalytisches Konzept ein, das des sogenannten „Ideal-Selbst“, hinter dem die Realität manchmal zurückbleibt. Daher freue ich mich im Prinzip darüber, am Tagesende oder an freien Tagen selbstbestimmt Zeit dafür zu haben, zum Beispiel zu lesen, zu spazieren, ins Museum zu gehen, oder Filme bzw. Serien zu schauen.

Bitte begrüßt Heiko ganz herzlich auf dem Kanal!