Sunday, October 18, 2020

#instafood für ein gesünderes Leben - Michael Kilb ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Michael Kilb (@kilb_michael) vorstellen zu dürfen! Michael promoviert am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim zum Einfluss sozialer Medien auf Essverhalten. Neben seinem Promotionsthema interessiert er sich für verschiedene Themen aus den Bereichen Prävention chronischer Erkrankungen und Gesundheitsförderung, insbesondere digitale Lösungen in der Gesundheitsförderung (eHealth & mHealth), den Aufbau von Gewohnheiten sowie die Änderung und langfristige Aufrechterhaltung von Gesundheitsverhaltensweisen. Das sagt Michael zu sich in seinen eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 

Im Verlauf meines Psychologie-Masterstudiums an der Universität Mannheim habe ich ein großes Interesse für die Gesundheitspsychologie entwickelt, da ich mich zuvor auch privat sehr viel mit Sport, Ernährung und Gesundheit beschäftigt habe. Nach Abschluss des Masters gab es an unserer Universität aber nicht die Möglichkeit, in diesem Bereich zu promovieren. Ich arbeitete dann zuerst etwa ein halbes Jahr Vollzeit in der Betreuung und Förderung von Menschen mit Autismusspektrumsstörungen und geistiger Behinderung (hier habe ich auch schon während meines Studiums im Rahmen eines 450-Euro-Jobs gearbeitet). Parallel dazu wollte ich mich für ein Zweitstudium Ernährungswissenschaften bewerben, da mich das Thema gesunde Ernährung schon immer sehr interessiert hat - allerdings wurde dann zur selben Zeit eine Promotionsstelle am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie der Universität Mannheim ausgeschrieben, für die ich mich dann bewarb. Und so hat dann alles angefangen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Die Promotion im Bereich Gesundheitspsychologie vereint meinen psychologischen Hintergrund mit meinen Interessen für Ernährung, Sport und Gesundheit. Besonders spannend finde ich den Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung. Durch effektive Präventionsmaßnahmen lassen sich viele Erkrankungen verhindern. Zudem finde ich es spannend zu erforschen, welche Faktoren zu einer erfolgreichen und vor allem langfristigen Änderung von Gesundheitsverhalten beitragen. Darüber hinaus schätze ich die Vielfältigkeit der Themen und Inhalte sowie die Interdisziplinarität in diesem Forschungs- und Anwendungsbereich.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In meiner Arbeit am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie arbeite ich sowohl in der Forschung als auch in der universitären Lehre. Dies beinhaltet die Konzeption und Durchführung gesundheitspsychologischer Seminare (Themengebiete: Adipositas, Gesundheitsinterventionen, Prävention und Gesundheitsförderung), die Betreuung von Abschlussarbeiten und die Durchführung eigener Forschungsprojekte. In meiner Promotion befasse ich mich mit dem Einfluss sozialer Medien auf Gesundheitsverhalten, im Speziellen Essverhalten, und dem Potential/Nutzen sozialer Medien für Gesundheitsinterventionen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 

Soziale Medien sind zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Egal ob Twitter, Facebook, Instagram oder YouTube - fast jede/r ist täglich dem Einfluss sozialer Medien ausgesetzt. Auch Essen und (gesunde) Ernährung sind ein essentieller Teil unseres täglichen Lebens. Interessanterweise ist Essen auch in sozialen Medien ein weit verbreitetes Thema. Dadurch ergeben sich einige spannenden Fragen, die ich versuche durch meine Forschung zu beantworten und deren Antworten für uns alle relevant sind: Was macht diese ständige Thematisierung/ Verfügbarkeit von Essen in sozialen Medien mit uns und unserem Essverhalten? Können wir soziale Medien verwenden, um eine gesunde Ernährung auf größerer Ebene zu fördern? Kann ich soziale Medien auch für mich persönlich zur Unterstützung einer eigenen Essverhaltensänderung nutzen?  

Darüber hinaus ist die Gesundheitspsychologie ein noch relativ junges Feld, das noch nicht viele Personen kennen. Dies soll sich ändern - vor allem auch weil gesundheitspsychologische Erkenntnisse häufig auf den eigenen Alltag übertragen und angewendet werden können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 

Bis zum Ende diesen Monats arbeite ich noch als psychologische Fachkraft in der Betreuung und Förderung von Menschen mit Autismusspektrumsstörungen. Darüber hinaus betreibe ich einen Blog (https://h4bits.de/), in dem ich über gesundheitspsychologische Erkenntnisse sowie die langfristige Änderung von Gesundheitsverhalten und den Aufbau von gesundheitsförderlichen Gewohnheiten schreibe. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 

Neben der Arbeit an meiner Promotion und meinem Blog gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio und treffe gerne Freunde und Bekannte - viel mehr Zeit bleibt dann auch gar nicht mehr für andere Dinge.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Der ideale freie Tag startet mit Ausschlafen und einem frisch gebrühten Kaffee. Danach starte ich zu Hause entspannt in den Tag, lese kurz etwas oder schreibe ggf. an neuen Blog-Artikeln. Anschließend gehe ich Spazieren und höre dabei Podcasts oder Musik. Nach einem kleinen Mittagessen und einer kurzen Verdauungspause gehts dann zum Sport - am besten gemeinsam mit Trainingspartner/in - und anschließend in ein schönes Restaurant zum Abendessen, auch wieder gerne mit netter Gesellschaft. Der Abend klingt dann wieder zu Hause aus und ich schaue noch ein Dokumentationen oder Serien.
Natürlich sieht nicht jeder freie Tag so aus - aber die Frage war ja nach dem idealen freien Tag. 
 
Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!    

   

Sunday, October 11, 2020

Wie Stress (nicht) krank macht - Maria Meier ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Maria Meier (@Maria__Me__) vorstellen zu dürfen! Maria an der Universität Regensburg und an der Ludwig-Maximilians Universität München Psychologie mit dem Schwerpunk Klinische Neurowissenschaften studiert. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2017 hat an der Universität Konstanz eine Promotion am Lehrstuhl für klinische Neuropsychologie unter Leitung von Prof. Dr. Jens Pruessner begonnen. Sie möchte die Auswirkungen von Stress auf unseren Körper verstehen – insbesondere, welche biologischen Systeme von Stress beeinflusst werden und wie diese Veränderungen langfristig dazu beitragen, dass wir gesund bleiben oder krank werden.Das sagt Maria über sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Am Anfang des Psychologiestudiums kam Forschung nicht infrage. Weil ich mich nicht entscheiden konnte, hab mir lange die Möglichkeit offen gehalten, später als psychologische Psychotherapeutin zu arbeiten. Während des Masterstudiums und nach einem langen Abwägungsprozess habe ich mir aber irgendwann eingestanden, dass Forschung vieles von dem vereint, was mir Spaß macht und wichtig ist. Wichtige Schlüsselpunkte dabei waren Praktika und die ein oder andere einsame Wanderung in Norwegen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Ich war von Anfang an fasziniert von den Methoden, die in der biologischen Psychologie zum Einsatz kommen – Hormone und andere Botenstoffe messen, Gehirnbilder analysieren – das finde ich immer noch ziemlich cool. Das, gepaart mit den spannenden und anwendungsnahen Fragen, die wir versuchen zu beantworten – ich glaube mir wird in diesem Feld lange nicht langweilig.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ehrlich gesagt glaube ich sitze zu viel am Schreibtisch und gucke auf Bildschirme. Das klingt ultra langweilig. Aber ich mag das Schreiben, ich mag die Datenanalyse, ich mag die Diskussionen und Begegnungen mit spannenden Menschen in Lehre und Forschung - das alles macht meinen Arbeitsalltag für mich sehr erfüllend. Erklären, was ich da genau täglich mache fällt mir trotzdem schwer.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?   
Viele Menschen berichten im Alltag über Stress, oder darüber, dass es ihnen schwer fällt abuzschalten. Auch wenn es schade ist, ist Leidensdruck oft der Grund, warum man sich mit einem Thema beschäftigt. Ich glaube, dass es inzwischen viele Erkenntnisse gibt, die vielen helfen können, besser mit Stress umzugehen, und besser zu entspannen. Das sollte kommuniziert und gehört werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 
Im akademischen Bereich bringe ich mich gern in Gremien ein und unterstütze Gruppen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs vernetzen und fördern. Und ich bin ehrenamtlich Jugendleiterin in der Jugend des deutschen Alpenvereins und gehe regelmäßig mit meiner Gruppe zum Klettern und Wandern. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Ich bin gern in den Bergen (bergsteigen, MTBen, Ski-touren) und beim Trekking. Ansonsten bin ich eine ziemliche Leseratte.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wohl eine Kombi aus: Sich draußen mit Freunden verausgaben, zusammen was Leckeres kochen und den Abend gemütlich mit Spielen oder am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Bitte begrüßt Maria ganz herzlich bei Real Scientists DE!   

Sunday, October 4, 2020

Das Essen unserer Vorfahren - Simon Hammann ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Simon Hammann (@simon_hammann) vorstellen zu dürfen! Simon hat an den Universitäten Stuttgart und Hohenheim Lebensmittelchemie studiert. Nach dem Abschluss seines Diploms 2012 promovierte er anschließend bei Prof. Walter Vetter an der Universität Hohenheim über Analytik von Lipiden (also Fetten) in Lebensmitteln. Im Anschluss wechselte er 2016 als Postdoc an die Universität Bristol, wo er über Lipide in der archäologischen Chemie geforscht hat. Seit Dezember 2019 ist er Juniorprofessor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Das sagt Simon über sich in seinen eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 

Nach der Doktorarbeit nicht schnell genug den Absprung geschafft. Ich wollte auf jeden Fall noch ein bisschen forschen und hatte einen DAAD Antrag für ein Postdocprojekt gestellt, der wurde leider abgelehnt. Ich habe dann aber eine super Postdocstelle in Bristol bekommen. Dort habe ich mich dann wirklich entschieden, in der  Wissenschaft zu bleiben und konnte das durch die Stelle in Erlangen nun auch verwirklichen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Als jemand der zwischen Archäologie und Lebensmittelchemie herumspringt ist es gar nicht so leicht zu sagen, was mein Feld ist. Der gemeinsame Nenner ist die analytische Chemie und Lipide, und beide finde ich wahnsinnig faszinierend. Die Details, die man analytische erfassen kann, die Vielfalt an Lipidstrukturen, die vielen biologischen, technologischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften geben einfach sehr viele Anknüpfungspunkte, die es zu erforschen gilt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich beschäftige mich derzeit vor allem mit dem Einfluss der Verarbeitung auf die Lipidzusammensetzung in Lebensmitteln. Viele Lipide sind oxidationsempfindlich, etwa die bekannten w3-Fettsäuren, und bei höheren Temperaturen kann diese Oxidation noch beschleunigt werden. Ich möchte diese Prozesse im Lebensmittel genauer untersuchen und verstehen, welche Produkte entstehen und wie diese im Hinblick auf die Qualität und Sicherheit der Lebensmittel zu bewerten sind. Für diese Arbeit verwende ich instrumentell-analytische Methoden wie Chromatographie, Ionenmobilitäts- und Massenspektrometrie. Darüber hinaus beschäftige ich mich aber immer noch mit der Analyse archäologischer Lipide.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?   
Wir alle essen jeden Tag, und meistens bereiten wir das Essen vorher auch zu, erhitzen es. Dabei möchte man ja wissen, was man denn eigentlich isst und ob der Fisch nach dem Braten denn noch so gesund ist wie wir denken. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 
Neben den üblichen – Manuskripte und Anträge begutachten – bin ich seit kurzem Mitglied des Editorial Boards des NFS Journals und ab nächstem Semester Mitglied der kollegialen Leitung des Departments Chemie und Pharmazie. Im September hab ich außerdem eine Posterkonferenz der Lebensmittelchemischen Gesellschaft mitorganisiert, was auch sehr spannend war.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Meine Freizeit verbringe ich auf dem Sportplatz mit der Leichtathletik. Ich trete selbst noch bei Wettkämpfen an (meistens Weitsprung), bin aber auch Schiedsrichter und habe es so zur EM in Berlin 2018 geschafft! 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
 Gemütlich aufstehen, großes Frühstück, aufs Sofa legen, Kuchen essen, noch ein bisschen auf dem Sofa liegen, Laufen gehen, schönes Abendessen. Das wärs.

Bitte begrüßt Simon ganz herzlich bei Real Scientists DE!    

Monday, September 28, 2020

Hormonchaos in den Köpfen - Franca Parianen ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Franca Parianen (@FParianen) vorstellen zu dürfen! Franca ist Neurowissenschaftlerin und Autorin. Zuletzt erforschte sie am Helmholtz Institut der Utrecht University soziale Kognition und den Einfluss, den Oxytocin und Testosteron darauf haben. Vorher ging es am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften um unsere Fähigkeiten, uns in andere einzufühlen und zu -denken und darum, wie die beiden Fähigkeiten zusammengehen. Lange vor den Neurowissenschaften hat sie in Münster und Utrecht mal Public Administration studiert, sich dann aber ziemlich schnell von der Hirnforschung zum Research Master Neuroscience and Cognition nach Utrecht locken lassen. Der war aufregend und informativ und beinhaltete diverse Praktika unter anderem an der Jacobs University in Bremen, zum Thema "lebenslange Neuroplastizität". Seit 2014 ist die Wahlberlinerin als Science-Slammerin aktiv und slamt u.a. auf medizinischen Kongressen, in Theatern und auf Messen. 2016 erschien ihr erstes Buch "Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage" beim Rowohlt Verlag. Anfang 2020 (und passend zum Lockdown) dann das nächste: "Hormongesteuert heißt immerhin selbstbestimmt". 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Wie alle Neurowissenschaftler:innen: Ich habe Oliver Sacks gelesen und dann hat mich das Thema nie losgelassen. Obwohl ich zwischendrin mal versucht habe Politik zu studieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als Mensch mit Entscheidungsschwierigkeiten liebe ich vernetzte Themen mit vielen Berührungspunkten. Hirnforschung ist an sich schon die Schnittstelle von Natur- und Geisteswissenschaften - eine Naturwissenschaft, die einen direkten Einfluss darauf hat, wie wir leben und entscheiden - besonders, wenn es um die sozialen Neurowissenschaften geht (da lohnt sich dann auch das Politikstudium). Das Thema Hirn und Hormon ist in gewisser Weise die Schnittstelle der Schnittstelle. Der Ort wo Körper und Geist aufeinander treffen und in Wechselwirkung miteinander tanzen (oder sich auf die Füße treten).

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Am Max-Planck Institut in Leipzig ging es vor allem darum, was passiert wenn zwei Gehirne aufeinander treffen. Wie verstehen wir anderer Leute Gedanken und Gefühle, und wo ist da der Unterschied? In Utrecht kamen dann die Hormone zur Fragestellung dazu: Wie beeinflussen Testosteron und Oxytocin unsere soziale Kompetenz; die Art, wie wir auf Erwachsene und Kinder reagieren? Am aufregendsten fand ich dabei immer die neuen Erkenntnisse darüber, wie die Epigenetik früh im Leben unser Hormonsystem formt und wie wir als Eltern so nicht nur ihre Gene sondern auch unsere Erfahrungen weitergeben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil wir ohnehin ständig über Hormone reden! Über Schlaf und Stress und Kindererziehung, über Verhütung, Sex und Gender, oder darüber, wie viel Testosteron man haben sollte, um eine Land zu regieren. Blöderweise missverstehen wir die Hormone dabei ständig, machen uns ständig Sorgen darüber, was Hormone mit uns machen (von Stress bis Schwangerschaft), aber selten darüber, was wir mit ihnen anstellen (über Störstoffe und Co). Wenn es um Hormone geht, hängt die Theorie der Praxis immer ganz schön hinterher. Die Wissenschaft schreckt gern zurück vor lauten politischen Diskussionen, was aber nur zur Folge hat, dass sie noch lauter und uninformierter werden und irgendwann nur noch so wimmeln von Glücks- und Kuschelhormonen, "Testosteronboostern" und, in den dunkelsten Ecken, wirren Verschwörungstheorien über Soyboys und schwule Frösche. Denn natürlich sind Hormone viel zu spannend, um nicht darüber zu reden. Das ganze Hormon-Gebiet ist voller Vorurteile, Mythen und Mysterien und es ist höchste Zeit im Schrank unseres Hormon-Weltwissens aufzuräumen, sodass uns die ganzen Fehlinformationen nicht jedes Mal entgegen stürzen, wenn wir nach einer Erkenntnis suchen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im Master habe ich mit Science Slams angefangen und das hat mich auch nie losgelassen. Mittlerweile schreibe ich Bücher und gebe Vorträge zu sozialen Neurowissenschaften (mit oder ohne Hormone).

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Schwimmen mit Musik auf den Ohren. Oder Hörbücher. Wir haben die Technologie! Eine Weile unterzutauchen ist wunderbar entspannend und außerdem die Art, wie ich die meisten Programmierprobleme gelöst habe.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich wohne seit einem Jahr in Berlin und immer noch sehr froh, einfach das Stadtgefühl zu genießen. Irgendwo zu sein, wo interessante Leute an einem vorbei laufen und in Cafés sitzen. Der perfekte freie Tag ist nicht geplant und ich kann mich einfach treiben lassen (wahlweise im Meer).

Bitte begrüßt Franca ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 20, 2020

Arztgespräch, Patientengespräch - Isabella Buck ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Isabella Buck (@isabellabuck_) vorstellen! Isabella studierte angewandte Sprachwissenschaft, Germanistik und Medienwissenschaft in Bonn und Münster. Seit 2018 promoviert sie aus einer linguistisch-gesprächsanalytischen Perspektive zur Kommunikation auf der Palliativstation. Für ihre Dissertation erhob sie auf einer süddeutschen Palliativstation über 800 Gespräche zwischen Ärzt*innen/Pfleger*innen und Patient*innen. Auf dieser Grundlage stellt sie einen Vergleich zwischen pflegerischem und ärztlichem Sprechen mit Patient*innen an und untersucht in diesem Rahmen beispielsweise, welche Strategien Pflegekräfte und welche Strategien Ärzt*innen einsetzen, um die Bedürfnisse der Patient*innen in Erfahrung zu bringen. Isabella ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Nach dem Abi wollte ich eigentlich unbedingt ‚was mit Medien‘ machen (am liebsten beim Radio) und habe dementsprechend angefangen, in Bonn Medienwissenschaft und Germanistik zu studieren. In der Schule fand ich den Grammatikunterricht eher nervig, aber im ersten Semester hatte ich das Glück, im linguistischen Einführungsseminar eine sehr engagierte und motivierte Dozentin zu haben, die in mir eine große Begeisterung für die Linguistik entfachte. Ab dem zweiten Semester war ‚was mit Medien‘ passé und ich wusste, dass ich mich fortan nur noch der Linguistik widmen und nach meinem Studium unbedingt promovieren möchte. Für den Master wechselte ich dann nach Münster, wo ich Angewandte Sprachwissenschaft studierte und schließlich auch mit der Promotion begann.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Am Ende meines Masters, als ich bereits eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin angeboten bekommen hatte, stellte sich natürlich die Frage, zu welchem Thema ich promovieren möchte. Meine Chefin erzählte mir damals, dass sie ein Projekt zur Kommunikation auf der Palliativstation beantragen möchte und ich in diesem Bereich dann promovieren könnte. Das Projekt kam in der geplanten Form leider nie zustande, aber für mich war ein Dissertationsthema geboren. Dass ich an diesem Thema trotz der fehlenden Einbettung in ein größeres Projekt, wie zu Beginn geplant, festgehalten habe, lag u.a. daran, dass ich mich auch unabhängig von meiner Promotion für die Thematik zu interessieren begann. Ich machte in der Folge die Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin und hoffe, mit meiner Forschungsarbeit vielleicht ein wenig mehr zu einer ‚guten‘ Kommunikation mit Palliativpatient*innen beitragen zu können.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Dissertation vergleiche ich das pflegerische und das ärztliche Sprechen mit Patient*innen auf der Palliativstation. Hierfür habe ich insgesamt 614 Pflege-Patient*in- und 250 Ärzt*in-Patient*in-Gespräche aufgenommen (Audioaufnahmen). Das sind insgesamt 103 Stunden Gesprächsmaterial und eigentlich viel zu viel Material für eine qualitativ ausgerichtete Arbeit … Die methodische Grundlage für meine Analyse bildet die linguistische Gesprächsanalyse, deren Wurzeln in der Soziologie liegen. Die große Frage, die jede gesprächsanalytische Arbeit umtreibt, ist die Frage nach dem WIE: Wie interagieren Menschen miteinander? Wie schaffen sie es dabei, ein geordnetes Gespräch zu erzeugen? In meiner Arbeit betrachte ich im Speziellen, welche sprachlich-interaktiven Praktiken Pfleger*innen und Ärzt*innen in ihren Gesprächen mit Patient*innen einsetzen. Dafür habe ich mir vier thematische Komponenten ausgesucht: Sprechen über Medikamente, Sprechen über Schmerzen, Sprechen über psychosoziales Krankheitserleben und Sprechen über Sterben und Tod.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Auch wenn fast alle Menschen eines Tages gerne zu Hause sterben wollen, sieht die Realität doch leider anders aus, da die meisten im Krankenhaus versterben. Ich möchte mit meiner Arbeit zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die pflegerische und ärztliche Kommunikation mit sterbenden Menschen in der Endphase ihres Lebens so ist, dass sie die palliativ betreuten Personen nicht noch zusätzlich belastet, sondern dass diese sich so gut wie möglich aufgehoben und begleitet fühlen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin ehrenamtlich als Sterbebegleiterin bei einem ambulanten Hospizdienst in Münster tätig. Das bedeutet, dass ich Menschen, die palliativ begleitet werden, zu Hause besuche und Zeit mit ihnen verbringe. Je nach Zustand der zu begleitenden Personen gehe ich mit ihnen spazieren, lese ihnen vor, unterhalte mich mit ihnen oder sitze einfach schweigend an ihrem Bett. Einmal im Monat gibt es einen Gruppenabend, bei dem sich die Ehrenamtlichen austauschen, und mehrmals im Jahr wird auch eine externe Supervision angeboten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Nichts Besonderes, ich pflege eher die ‚durchschnittlichen‘ Hobbies. Ich koche gerne und würde auch gerne wesentlich öfter backen, aber zu zweit dauert es immer so lange, bis ein Kuchen aufgegessen ist ;-) Seit Kurzem habe ich das Tanzen (Standardtanz) für mich entdeckt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen muss nicht unbedingt sein (ich bin definitiv eine Lerche!), Frühstück auf dem Balkon, lesen (querbeet), Musik hören, ein Cafébesuch, über den Markt bummeln, eine kleine Radtour ins Grüne, backen und kochen, Dokus schauen. Insgesamt eine gute Mischung aus Stadt und Land.

Bitte begrüßt Isabella ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 13, 2020

Ich oder du? Rebecca Böhme ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Rebecca Böhme (@rebeccaboehme) vorstellen zu dürfen! Rebecca ist Assistenzprofessorin am Center for Social and Affective Neuroscience (CSAN) an der Universität Linköping. Sie hat in Heidelberg Biologie studiert und an der International Max-Planck-Research School in Tübingen ihren Master in Neuro- und Verhaltenswissenschaften gemacht. Im Anschluss verschlug es sie nach Berlin, wo sie 2015 an der Charité zum Thema Belohnungslernmechanismen bei Schizophreniepatienten und Huntington-Patienten promovierte. Im Boehme Lab in Linköping forscht sie heute an der Erfahrung des "Selbst", Interozeption und sozialer Interaktion in psychiatrischen Populationen wie bspw. Schizophreniepatienten.

 

© Thor Balkhed, Universität Linköping

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wissenschaft hat mich schon immer interessiert, eigentlich Querbeet Chemie, Physik, Biologie. Schon als Kind habe ich als „Experiment“ irgendwelche Sachen gemischt, um zu sehen, was passiert. Dahinter steht auch eine große Liebe zur und Faszination durch die Natur.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Dass ich nun in der Neurowissenschaft forsche, kommt wohl von meinem Interesse an den großen philosophischen Fragen: Was ist der Mensch? Was ist das Bewusstsein? Was ist das Selbst? Ob man diese wirklich befriedigend mit Neuroforschung beantworten kann, bezweifle ich inzwischen allerdings.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Momentan arbeite ich an Projekten zur Selbstwahrnehmung: Wie nehmen wir unseren eigenen Körper wahr? Wie unterscheiden wir zwischen „Ich“ und „die Anderen“? Wie trägt die körperliche Selbstwahrnehmung zu diesem hochkomplexen Erleben von „Ich selbst“ bei? Ich nähere mich diesen Fragen vom Bereich der zwischenmenschlichen Berührung – denn diese Berührung ist etwas, bei der ich immer mich selbst und den anderen spüren. Dafür nutze ich verschiedene Methodiken, allen voran bildgebende Verfahren wie fMRT.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie wichtig zwischenmenschliche Berührung für uns alle ist, ist vielen nicht bewusst. Vielleicht ändert sich das gerade aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen. Ich denke, es ist wichtig, zu vermitteln, welche Rolle Berührung nicht nur für die Selbst-Wahrnehmung, sondern auch für unser Wohlergehen und unser soziales Miteinander spielt – und dass über das Thema Berührung insgesamt mehr gesprochen und reflektiert wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich schreibe liebend gern und habe bisher zwei populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht („Human Touch“ und „Resilienz“, beide bei C.H.Beck Verlag, 2019). Weitere sind in Arbeit :) !

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Schreiben, wie gesagt, ansonsten liebe ich Natur, draußen sein, was im Garten machen, Zeit mit meiner Familie und meinen Tieren zu verbringen – und wenn dann noch Zeit bleibt, Yoga und gute Literatur lesen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
All die Dinge tun, die ich unter Hobbies aufgezählt habe, und dazu noch eine Tasse guten Kaffee trinken und blauer Himmel.

Bitte begrüßt Rebecca ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, September 6, 2020

Ein gepflegtes Gesundheitssystem - Martina Hasseler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Martina Hasseler (@HasselerMartina) vorstellen! Martina ist Gesundheits-, Pflege-, und Rehabilitationswissenschaftlerin. Nach einer Ausbildung zur Pflegefachperson studierte sie an der Universität Osnabrück Pflegewissenschaften und promovierte zum Thema postpartale Pflege. 2015 habilitierte sie sich an der Universität Oldenburg. Heute forscht und lehrt sie an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und an der Universität Oldenburg.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Über den zweiten Bildungsweg. Ich habe zuerst eine Ausbildung zur Pflegefachperson absolviert (schon viele, viele Jahre her) und dann nach der Ausbildung das Abitur nachgeholt und studiert. Da mir bereits vor der Ausbildung klar war, dass ich eigentlich studieren möchte, habe ich dieses Ziel auch sehr schnell nach meiner Ausbildung verfolgt, gleichwohl ich für meinen Lebensunterhalt zunächst im hohen Stundenumfang als Pflegefachpersonen arbeiten musste. Dieser Aufwand reduzierte sich erst, als ich im 4. Semester ein Stipendium erhielt, das mich doch stark entlastete. Ich wusste aber bereits im 1. Semester, dass mich wissenschaftliches Arbeiten und Denken sehr fasziniert, so dass ich gerne die Möglichkeit des Schreibens einer Doktorarbeit nach Abschluss meines Studiums wahrgenommen habe. Für die Doktorarbeit erhielt ich auch ein Stipendium, was es mir ermöglichte, diese dann in einem angemessenen Zeitrahmen auch zu beenden. Ja, im Grunde hat sich mit dem Studium für mich das Feld der Wissenschaft eröffnet, auch wenn der Weg nicht so gerade in diese führte. Aber der Vorteil ist, dass die diversen Praxiserfahrungen aus den unterschiedlichen Bereichen in einer angewandten Wissenschaft wie die, in der ich arbeite, außerordentlich hilfreich sind. 



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Im Grunde bin ich mein aktuelles Feld durch meine Berufsausbildung geraten. Insbesondere die Pflegewissenschaft ist in Deutschland immer noch wenig entwickelt, aber die Fragestellungen sind immens bzw. die Forschungsdesiderate als außerordentlich groß zu bezeichnen. Eine qualitativ hochwertige gesundheitliche und pflegerische Versorgung, die auch noch bedarfsgerecht ist und die Autonomie, Selbständigkeit, Würde und Gesundheit der Menschen erhält, ist im Grunde das Ideal, das mich in der Wissenschaft hält. Des Weiteren gibt es m.E. kein Arbeitsgebiet, in dem es so gut möglich ist, die Freiheit von Forschung und Lehre und damit auch die eigene Autonomie und Unabhängigkeit so gut wie möglich umzusetzen. 



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Als Professorin bin ich in Lehre und Forschung tätig. Ich bin der starken Auffassung, dass ich in der Lehre nur dann sehr gut sein kann, wenn ich auch forsche. Ich nehme aber auch die Lehre sehr ernst und bereite meine Lehre jedes Semester immer neu auf und bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Lehrmethoden. Mein Ziel erscheint vermutlich etwas anachronistisch: ich möchte nicht, dass die Studierenden meine ppt auswendig lernen, sondern ich möchte erreichen, dass die Studierenden die Kompetenzen erreichen, wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse kritisch zu reflektieren, anzuwenden und neue Ergebnisse zu entwickeln. Das Gesundheits- und Pflegewesen benötigt keine Akademiker:innen, die sich den toxischen Hierarchien ergeben, sondern die diese zugunsten einer guten Patienten-/Pflegebedürftigenversorgung gestalten. Neben der Lehre führe ich zahlreiche Forschungsprojekte durch, versuche zu publizieren, halte Vorträge, reiche neue Anträge ein, netzwerke, versuche auch politisch wirksam zu sein und übe Aufgaben in der Selbstverwaltung der Hochschule durch.
Ich möchte betonen, dass ich ein tolles Team habe. Die Mitarbeitenden in meinen Projekten gestalten mit ihren tollen Ideen und großem Einsatz die Projekte und Gestaltung der Ergebnisse mit. Wissenschaft und Forschung ist immer auch eine Teamarbeit und kann meines Erachtens nicht alleine erreicht werden. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es ist im Sinne der Öffentlichkeit, eine qualitativ hohe gesundheitliche und pflegerische Versorgung zu erhalten. Es gibt vielfältige Gründe, warum diese in Deutschland nicht erreicht wird. Derzeit geben wir uns der Illusion hin, dass wir die erste Covid-19-Welle in Deutschland wegen unseres Gesundheitssystems einigermaßen gut überstanden haben. Die Wahrheit ist aber, uns dies gelungen ist, weil wir uns einen deutschlandweiten Lock-Down geleistet haben. Wir haben weder die längste Lebenserwartung, noch die besten Gesundheitsoutcomes in Europa. Die Gründe liegen in der Gestaltung der Gesundheitsversorgung. Wir haben in Deutschland ein ICD-getriggertes Gesundheitssystem, das eine bedarfsgerechte und interdisziplinäre Gesundheitsversorgung verhindert. Die Forschungsprojekte, an denen ich arbeite, ergänzen das Wissen um die Rahmenbedingungen guter Gesundheits- und Pflegeversorgung. Sie erweitern den Blick auf die Bedingungen, wie gute Gesundheits- und Pflegeversorgung sowie Qualität im System zu erhalten ist. Sie zeigen auch, dass wir eine bedarfsgerechte Gesundheits- und Pflegeversorgung nur mit berufsgruppen- und sektorenübergreifenden und mit neuen Denkansätzen erhalten können. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im Moment bin ich sehr stark mit Lehre und Forschung beschäftigt. Ich übe noch das Amt der Prodekanin aus, habe das Amt der Beauftragten für Internationales übernommen und lehre auch als Privatdozentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben meiner Arbeit habe ich ja noch eine Familie, so dass meine Zeit mehr als ausgefüllt ist. 



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Mmh, ich habe in meinen Alter noch mit Kickboxen in diesem Jahr angefangen. Ich bin natürlich weit von sehr gut entfernt, trotzdem macht es unglaublich viel Spaß und ist herausfordernd. Des Weiteren habe ich mir ein Kajak und ein Stand-Up-Paddle-Board zugelegt, da ich eine hohe Wasseraffinität habe und die Zeit auf dem Wasser sehr genieße. Dann habe ich noch einen Hund, mit dem sehr viel Spaß macht rauszugehen. Er ist ein Border Collie, der eine unglaubliche Fähigkeit hat auf Menschen zuzugehen. 



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer freier Tag beginnt mit drei Bechern Kaffee (ohne Milch und Zucker), Zeitung lesen und geht dann über in eine Outdoor-Aktivität. Der Tag endet dann mit einem Grillen auf der Terrasse mit netten Freunden, die meinen Humor verstehen.


Bitte begrüßt Martina ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 30, 2020

Pflegeheime wissenschaftlich betrachtet - Ramona Backhaus ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere Kuratorin Ramona Backhaus (@RamonaBackhaus) vorstellen zu dürfen! Ramona, die in Deutschland aufgewachsen ist, lebt seit dem Studium in den Niederlanden. Dort studierte sie in Maastricht Gesundheitswissenschaften und Gesundheitsökonomie. Anschließend promovierte sie in Maastricht in Pflegewissenschaften, wo sie zur Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. Das sagt Ramona zu sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Als Kind und Jugendliche wollte ich Kieferothopädin werden. Während eines Schulpraktikums an einer Uniklinik habe ich jedoch schnell festgestellt, dass die Behandlung von PatientInnen nichts für mich ist. Das Gesundheitswesen hat mich weiterhin fasziniert, sodass ein Studium der Gesundheitswissenschaften nahe lag. Zugleich fand ich sämtliche Themen im Bereich ‘Personal im Gesundheitswesen’ sehr interessant. Meine Masterarbeit habe ich zum Beispiel zum Thema ‘New Work in Notfallpraxen’ geschrieben.

 

Während meines Masterstudiums an der Eramus Universität in Rotterdam habe ich als studentische Hilfskraft an der Fachhochschule Rotterdam gearbeitet. Dort habe ich an einem Projekt mitgearbeitet, in dem Tablet-Spiele für Menschen mit Demenz in Pflegeheimen entwickelt wurden. Das Krankheitsbild und das ‘Setting’ Pflegeheim fand ich total spannend. Des Weiteren hat mir die wissenschaftliche Arbeit gefallen. Gegen Ende meines Masterstudiums sah ich eine Ausschreibung für ein Disstertationsprojekt zum Thema ‘Personaleinsatz in Pflegeheimen’, worauf ich mich erfolgreich beworben habe.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Fast jede/r hat eine Meinung zur Altenpflege und zum Personaleinsatz in der Altenpflege. In meinem Alltag führt das immer wieder zu interessanten Diskussionen. Ich stelle häufig fest, wie negativ die ‘breite Öffentlichkeit’ über die Altenpflege denkt. Das Image mag verstaubt sein, ich finde das Setting jedoch unglaublich spannend. Gerade im Bereich der Personalentwicklung gibt es sehr viel ‘ungenutztes Potential’. Die demografische Entwicklung und der Fachkräftemangel wird auch in Zukunft noch viele Herausforderungen bieten.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich arbeite derzeit nur Teilzeit (16-24 Stunden pro Woche) und coronabedingt seit Monaten nur im Homeoffice. In Zeiten vor Corona bestand mein Arbeitsalltag aus einer guten Mischung aus Tätigkeiten am Schreibtisch und Tätigkeiten in der Praxis, da ich eng mit mehreren Altenpflegeorganisationen zusammengearbeitet habe. Unsere ‘regulären’ Forschungsaktivitäten pausieren – coronabedingt – bereits seit März, da wir die Menschen in der Pflege nicht zusätzlich belasten möchten. Für mich bedeutet das, dass ich derzeit kaum Feldarbeit verrichte und fast ausschließlich am Schreibtisch arbeite. Zum Beispiel schreibe ich derzeit an Artikeln, analysiere ich zusammen mit meiner Doktorandin bereits erhobene Daten, nehme an Online-Meetings teil oder halte Online-Lehrveranstaltungen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eine der großen Herausforderungen des  heutigen Gesundheitssystems. In den Medien hört oder liest man leider wenig Positives über die Altenpflege. Besonders wenn es um Themen wie den Personaleinsatz geht, wird ‘mehr Personal’ oft als Allheilmittel gesehen. Meine Forschung hat jedoch beispielsweise gezeigt, dass der Einsatz von mehr Personal nicht zwangsläufig zu besser Qualität führt. Ich probiere derartige Erkenntnisse für die ‘breite Öffentlichkeit’ zugänglich zu machen. Da das Thema durchaus ‘emotionsgeladen’ ist, finde ich es überaus wichtig, der Öffentlichkeit einen Einblick in unsere Forschungsmethoden (Wie kommen wir zu derartigen Ergebnissen?) zu geben. Schade finde ich, dass Wissenschaftskommunikation oft noch als ‘Hobby’ gesehen wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Seit ich Mutter bin und in Teilzeit arbeite, habe ich meine zusätzlichen Tätigkeiten weitestgehend reduziert. Ehrenamtlich engagiere ich mich derzeit für das Kompetenznetz Public Health COVID-19.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich verbringe gerne Zeit in der Natur und wandere sehr gerne. Auch schwimme ich gerne, besonders bei schlechtem Wetter. Des Weiteren praktiziere ich seit ein paar Jahren Yoga. Vor der Geburt meines Sohnes habe ich geritten. Dieses Hobby würde ich gerne in Zukunft wieder aufgreifen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Wir (Partner, Kind und ich) starten mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag, danach gehe ich schwimmen. Nachmittags verbringen wir viel gemeinsame Zeit in der Natur und erkunden unsere schöne Heimat. Abends lasse ich den Tag, am besten auf der Terasse, entweder mit einem guten Buch oder bei einem geselligen Treffen mit Freunden ausklingen.


Bitte begrüßt Ramona ganz herzlich bei Real Scientists DE!

 

Sunday, August 23, 2020

Mit Knochen puzzeln - Eva Herbst ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere Kuratorin Eva Herbst (@EvaCHerbst) vorstellen zu dürfen! Eva hat an der UC Berkeley Biologie studiert und danach am Royal Veterinary College in London in Paläontologie promoviert. Seit 2019 ist sie Postdoc am Paläontologischen Institut der Universität Zürich. Das sagt Eva zu sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 


Ich hab mich schon immer für Biologie interessiert, aber habe erst gedacht, dass ich Medizin oder Tiermedizin studieren will. Ich habe zur Uni-Zeit in den USA gelebt, und in dem System ist es so, dass man erst Biologie studiert und erst nach dem Bachelors dann das Medizin oder Tiermedizin Studium macht. Ich habe mich fuer das "Integrative Biology" Studium entschieden. Statt nur molekulare und Zell-Biologie beinhaltete dieser Studiengang Kurse wie Anatomie, Palaeontologie und Biomechanik. Als ich im Sommer nicht das Praktikum bei einer Pferdetierarztpraxis bekommen habe, habe ich stattdessen nachgefragt, ob der Safari-Tierpark in der Nähe auch Praktika anbietet. Da habe ich Danny Cusimano kennengelernt, der gerade ein sehr kleines Osteologie-Programm aufgebaut hatte. Den Tierpark gab es schon lange und es waren viele Tiere da, deshalb gab es auch ein paar Skelette von Tieren die gestorben sind (wegen Alter oder manchmal auch Krankeiten). Unter Dannys Leitung habe ich die Skelette gesäubert und die Anatomie gelernt, und am Ende haben wir auch 3 Skelette (eine Giraffe, eine Gazelle, und einen Vogelstrauss) mit Draht wieder zusammengebaut. 
Ich war total von der Anatomie begeistert, vor allem das die gleichen Grundlagen der verschieden Knochen sich so eine grosse Vielfalt von Skelettformen entwickelt hat. 
An der Uni haben mir die Biomechanik und Palaeontologie Kurse am meisten gefallen, vor allem der Osteologiekurs, wo wir kleine Knochenfragmente identifizieren mussten. Ich habe ein bisschen Forschung während des Bachelors gemacht und habe mich entschieden, das ich ein PhD machen wollte, in Biomechanik und Palaeontologie.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Seit dem Bachelorstudium habe ich mich sehr dafür interessiert, biomechanische Prinzipien und Modelle zu benutzen, um herauszufinden, wie sich Fossilien bewegt haben. Mir gefällt die Kombination von Physik und Anatomie, und es ist schon toll, mit Fossilien zu arbeiten, die hunderte von Millionen Jahre alt sind! Diese Gründe halten mich noch immer in dem Feld.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit! 
Für meine Doktorarbeit habe ich an frühen "Tetrapoden" gearbeitet. "Tetrapode" sind Wirbeltiere mit 4 Beinen, Füßen und Händen, und alle Tiere, die von diesen abstammen. Also sind Menschen, Wale, und Schlangen auch alles "Tetrapoden". Diese frühen Tetrapoden waren die ersten Wirbeltiere, die sich so entwickelt haben, um sich auf dem Land zu bewegen. Wir wissen noch immer nicht, wie diese ersten Landesgangarten aussehen - es wurde schon lange davon ausgegangen, dass die Bewegung vielleicht aenlich wie die Bewegung eines Salamanders war. Für meine Doktorarbeit habe ich getestet, ob mit der Knochenstruktur des fühe Tetrapodnes "Eryops megacephalus" eine Salamander-artige Bewegung möglich war.
Zurzeit arbeite ich an einer anderen Tiergruppe (die "Thalattosaurier", eine Gruppe sehr seltsamer Meeresreptilien aus dem Trias). Ich fokusiere mich jetz auf Schädelstruktur statt Beinanatomie. Aber das Prinzip ist das gleiche - ich erforsche den Zusammenhang von anatomischer Morphologie und dessen Funktion. Dazu baue ich 3D Modelle mit Computertomographie (CT scanning) oder Photogrammetrie von den Fossilien. Bei Photogrammetrie kann man 3D Oberflächenmodelle bauen, in dem man viele Fotos von vielen verschiedenen Winkeln macht. Die Modelle benuzte ich dann für biomechanische Experimente. Für die Doktorarbeit habe ich getestet, wie die Knochen die Gelenk-beweglichkeit eingrenzen. Für mein Postdoc Projekt baue ich jetzt komplette Schädel (in dem ich die vielen verschiedenen Knochen digital zusammensetze) und rekonstruire die Schädelmuskulatur. Die verschiedenen Spezies von Thalattosauriern haben sehr verschiedene Schädelformen, und wir wollen erforschen, wie sich das auf die Muskelkraft und die Kraft des Beißens ausübt. Verschiedenen Formen bedeuten vielleicht verschiedene Ernährungsweisen, aber wir wollen das konkret testen. Ich baue zurzeit ein Modell mit den Muskeln als Krafterzeuger, um zu sehen, wie die Muskelkraft durch verschiedene Formen von Schädeln sich verteilt.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 

Erstens finde ich, dass Forschung aus Interesse allein wichtig ist! Ich habe auch den Eindruck, dass viele Menschen von Dinosaurien fasziniert sind, aber viel weniger Leute wissen was für andere beindruckenden Tiere vor hunderten von Millionen Jahre auf dieser Erde lebten. Besonders interessant sind auch die fruehen Tetrapoden, weil wir von ihnen abstammen.

Es gibt heutzutage keine lebendigen Tiere, die so wie die "Tetrapode" oder die Thalattosaurier aussehen. Meine biomechanischen Modelle ermöglichen es, zu erforschen, wie diese Tiere sich bewegt haben. Bei der Forschung entwickeln wir oft neue Methoden, und diese Methoden können auch für klinische Forschung angewendet werden. Zum Beispiel verwende ich die gleichen Programme, die benutzt werden, um zu testen, wie orthopaedische Prothesen die Gelenkbewegung beinflussen. Neue Entwickelungen in den Methoden die wir Biologen und Palaeontologen anwenden (zum Beispiel neue Computercodes für bessere Modelle) koennen dann auch für solche klinische Forschung verwendet werden. 
Ich denke auch das wir viel mehr über den Zusammenhang zwischen Form und Funktion lernen können, wenn wir die ganze Vielfalt der Tierwelt erforschen, und nicht nur die Anatomie der Menschen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Zurzeit habe ich auch ein Projekt, in dem ich erforsche, wie Osteoarthritis die Knochenstruktur unterhalb des Gelenkes verändert. Wir testen, ob diese Knochenveränderungen vielleicht vor dem Knorpelschaden passiert. Das wäre dann sehr hilfreich, um schon früher die Osteoarthritisdiagnose zu stellen. Zusätzlich koennten die Knochenveränderungen benutzt werden, um die Wirkung von verschiedenen Behandlungen zu testen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Ich klettere und bouldere total gerne - so viel wie möglich! Bouldern ist auch ein super Sport um andere Leute kennen zu lernen. Das ist ziemlich wichtig wenn man wegen der Forschung so oft umzieht. Laufen und Skifahren finde ich auch toll, und kochen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
Draussen klettern oder bouldern oder skifahren! Und dann Abends leckeres essen im Camper-Van kochen und mit Freunden draussen sitzen und reden.

Bitte begrüßt Eva ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, August 16, 2020

Ein Stups zum gesunden Essen - Carolina Diana Rossi ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere Kuratorin Carolina Diana Rossi (@Carolina_DRossi) vorstellen zu dürfen! Carolina, gebürtige Italienerin, ist Ökotrophologin und beendet momentan ihren Master Health Sciences. Für 2021 plant sie, ihre Promotion im Bereich Ernährungsverhalten zu beginnen. Seit 2017 ist sie in Forschungsprojekten in den Bereichen Ernährungsverhalten und Public Health involviert. Aktuell arbeitet sie in den Projekten „Nudging in der Ernährung“, „Ernährung und soziale Medien“ sowie „Ernährungsverhalten während Covid19“ mit. Für ihre Selbstständigkeit im Bereich der Wissenschaftskommunikation absolviert sie ein Fernstudium im Bereich Journalismus und Fachbücher bei der Freien Journalistenschule (FJS). Das sagt Carolina zu sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Schon als Kind wollte ich den Dingen auf den Grund gehen und verstehen, wie und warum Phänomene entstehen. Doch dass man dies auch tatsächlich in einem Beruf machen kann wurde mir erst während des Studiums bewusst. Im dritten Semester durfte ich dann als studentische Hilfskraft in einem Forschungsprojekt im Bereich Ernährungsverhalten (Prof. Dr. Adam) mitwirken und dies gefiel mir sehr gut. Somit arbeitete ich jedes Semester in Forschungsprojekten und absolvierte auch mein Praktikum im Bachelor in einem Forschungsprojekt. Nach dem Bachelorabschluss startete ich somit dann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Als gebürtige Italienerin hat die Ernährung immer eine wichtige Rolle gespielt, doch als ich 2012 ein Jahr als Austausschülerin in USA verbrachte wurde mir bewusst, dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht selbstverständlich ist. So stellte sich bei mir immer wieder die Frage, warum Menschen sich nicht gesundheitsförderlich ernähren, obwohl es ein breites Angebot an leckeren und gesunden Produkten gibt. Dies brachte mich erst einmal zum Studium der Ökotrophologie. Während des Studiums fand ich die Themenfelder Ernährungsverhalten und Public Health Nutrition sehr spannend, denn Ernährung ist nicht nur etwas, wie ich früher dachte, was vom Verhalten der einzelnen Person abhängig ist, sondern ist auch stark von den Verhältnissen, in dem sich ein Individuum bewegt, beeinflussbar. Was bringt Menschen dazu, die nicht gesundheitsförderliche Wahl zu treffen, obwohl es auch bessere Alternativen gibt? Wie kann man eine Gesellschaft dazu bringen, sich gesünder zu ernähren? Ich finde dieses Feld extrem spannend, da es so vielseitig und interdisziplinär ist aber auch sehr realitätsnah.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit! 
Im Bereich der Forschung habe ich sowohl Feldarbeit in der Praxis als auch ganz klassisch Arbeit am Schreibtisch. In der Praxis bin ich in Studien involviert, beispielsweise in Mensen und Kantinen. Dort schaue ich z.B., ob die Maßnahmen, die wir aufgrund der Theorie geplant haben, auch so umgesetzt werden oder wie sich Menschen tatsächlich verhalten. Am Schreibtisch passiert dann der ganze Rest: ich lese Papers und mache Recherchen, bereite Fragebögen und Umfragen vor, analysiere Datensätze und schreibe Texte für Publikationen.  Ab und zu gehe ich auch zu Konferenzen (natürlich nicht in Covid-Zeit) und darf dort unsere Arbeit präsentieren und neues von anderen Kollegen lernen. 

Für das Projekt der Hamburg Open Online University (HOOU) bereite ich aus unseren Forschungsergebnissen zu Nudging Materialien für den allgemeinen Gebrauch vor. Beispielsweise schreibe ich Storyboards für Erklärvideos oder Texte und kleine Quizzes, die dann online zur freien Verfügung stehen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 
Ernährung betrifft uns alle, da wir Nahrung aufnehmen müssen, um zu überleben. Doch es steckt viel mehr hinter der „einfachen“ Wahl des Essens. So viele Elemente spielen eine Rolle im Bereich der Ernährung und all diese Elemente müssen berücksichtigt und verstanden werden, wenn man die Gesellschaft und das Individuum erreichen möchte, um eine gesündere und nachhaltigere Ernährung zu fördern.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Aktuell absolviere ich nebenbei bei der Freien Journalistenschule (FJS) die Fernausbildung „Fach- und Sachbuchautor“, welche viele journalistische Fähigkeiten vermittelt. Diese möchte ich lernen, um später die richtige Sprache für die Zielgruppen der Wissenschaftskommunikation zu kennen. Ehrenamtlich bin ich im Verein Hashtag Gesundheit involviert, denn ich finde es spannend und wichtig, Ernährung im großen Bild der Gesundheit einzubetten. Außerdem bringe ich mich bei der Early Career Scientists Gruppe der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ein. 

Sehr wichtig, auch wenn nicht aus dem Bereich der Ernährung, ist mir das Thema der Erinnerung: deswegen engagiere ich mich beim Verein ZWEITZEUGEN e.V. (Früher HEIMATSUCHER e.V.): hier sammeln wir Erzählungen von Überlebenden der Schoah und tragen diese dann weiter als Zweitzeugen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Ich bin gern draußen an der frischen Luft, zum Beispiel beim Rennradfahren oder beim Laufen. Am besten, wenn viel Sonne scheint (das ist in Hamburg leider nicht so oft der Fall). Aber auch Kochen gehört zu meinen Hobbies, am liebsten italienische Gerichte aus der Heimat.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
Nach dem Aufstehen gibt es erst einmal einen Cappuccino und dann rein in die Rad- oder Laufsachen, um eine Runde an der frischen Luft zu drehen. Danach etwas entspannen, entweder mit einem Buch oder mit Freunden. Gern aber auch mit einem Besuch in einem Museum oder im Theater. Abends dann selbstgemachte Pizza oder Nudeln und so sind die Batterien wieder voll aufgeladen.

Bitte begrüßt Carolina ganz herzlich bei Real Scientists DE!