Sunday, February 8, 2026

Queere feministische Literatur, Theater und Performance - Sarah Busch ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf Sarah Busch (@sarahbusch.bsky.social). Sarah (sie/kein Pronomen) ist Doktorandin an der Universität Freiburg mit einem Lehramtsstudium in englischer und spanischer Philologie. Sie unterrichtet queere feministische Literatur, Theater und Performance an der Universität zu Köln. Sie ist gerade in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit, die Literatur- und Kulturwissenschaften mit Performance Studies und Publikumsforschung verbindet. Im Jahr 2022 führte sie in Zusammenarbeit mit dem University College Dublin Feldforschung für ihr Projekt durch und interviewte Zuschauer:innen. Außerdem hat sie in mehreren studentischen Theaterproduktionen mitgewirkt und Regie geführt und gibt Performance-Workshops zum Thema Theater und Körper als Lehrmethode.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe an der Uni Freiburg Spanische und Englische Philologie auf Lehramt studiert, aber die starren Strukturen an Regelschulen haben mir den Gedanken ans Gymnasiallehramt verleidet. Die Betreuerin meiner anglistischen Zulassungsarbeit über Publikumsrezeption und Gegenwartstheater hat mich dann ermuntert, über eine Promotion zu diesem Thema nachzudenken. Die Perspektive weiter zu lernen und an der Uni zu lehren fand ich aufregend: nach hartnäckigen 2 Jahren Lehraufträgen und Bewerben auf Promotionsstellen und -stipendien bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Uni Köln gekommen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Englische Literatur, Theater und Performance haben mir einen Zugang zur Welt geschaffen und zu der Person gemacht, die ich jetzt bin: meine Queerness, verschiedene Kulturen, Kolonialismuskritik, ästhetisches Empfinden, all das habe ich mir durchs Lesen, Sprechen, Reisen und Zuhören/schauen erschlossen. Die Universität kann zwar ein hierarchischer, kapitalistischer und unfreundlicher Ort sein, aber es gibt auch viele gleichgesinnte, warmherzige Kolleg*innen und Vorgesetzte. Die universitäre Lehre war für mich ein Upgrade des Schulunterrichts, und sie jetzt für junge Menschen mitgestalten zu können macht mich froh und stolz.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich forsche und lehre zu irischem Gegenwartstheater, affektiver Publikumsrezeption und queer-feministischer Literatur. Meine Dissertation untersucht metatheatralische Theaterstücke, also solche, die auf sich selbst als Performance verweisen und die Zuschauenden viel einbinden, z.B. durch direkte Ansprache oder spielerische Interaktion. Ich habe qualitative Interviews zu verschiedenen Stücken geführt und sehe mir an, was Zuschauer*innen besonders interessiert und wie sie emotional auf die Performance reagieren. In meiner Lehre unterrichte ich vor allem Texte und Literaturtheorie von Frauen, queeren Autor*innen und People of Colour, die sich ihren Platz im literarischen Kanon erkämpfen mussten.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Performance Studies werden innerhalb der deutschen Anglistik oft vernachlässigt, aber ein kulturwissenschaftlicher Blick aufs Theater, der Schauspieler*innen, Text, Emotionen, Körper, Performance, Zuschauende und Rezeption mitdenkt, ist wichtig. Dadurch werden elitäre Machtstrukturen aufgebrochen und Theater als Gemeinschaftsprojekt aller Beteiligten verstanden: (darstellende) Kunst gehört uns allen und sollte erschwinglich, sichtbar, und zugänglich sein!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Auf Konferenzen (die man mit organisiert oder besucht) kann man sich mit anderen Wissenschaftler*innen vernetzen und von deren Arbeit inspiriert werden, manchmal entstehen auch Zusammenarbeit oder Freundschaften. Außerdem gebe ich Workshops zu Theater als Lehr- und Lernmethode, bei dem die Beteiligten lernen, wie man Stimme, Körper und Interaktion einsetzt, um Theater zu unterrichten, und mit anderen in Verbindung zu treten - fragt gerne an, wenn ihr Interesse habt!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich spiele Roller Derby, ein Vollkontaktsport auf Skates, bei dem man sich mit Körpereinsatz auf dem Track (Spielbahn in Form eines Os) überholt und dabei wegblockt. Roller Derby versteht sich als queer-feministisch und hat mir beigebracht, dass FLINTA* Körper (Frauen, Lesben, Trans, Inter- und Asexuelle Personen) stark sein und Raum einnehmen dürfen, und sich ein Team aufeinander verlassen kann.
Außerdem bin ich einmal im Jahr in meiner badischen Heimat bei der alemannischen Fastnacht dabei. Mich interessiert der theatralische Aspekt am Verkleiden und in eine andere Rolle schlüpfen, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft. Die handgearbeiteten Holzlarven (Masken) und Häs (Kostüme) erzählen oft Sagen aus der Lokalgeschichte über Hexen, Geister oder Tiere – im Gegensatz zu unsensiblen Formen von kultureller Aneignung oder Blackfacing, was leider in weniger traditionsreichen Gruppen passiert.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Pfannkuchenfrühstück mit meiner Partnerin, dann ein bisschen Lesen in einem Café, ein kleiner Spaziergang, ein Abendessen in einem Frankfurter Restaurant und dann zusammen ins Theater oder ins Kino.
 
Bitte begrüßt Sarah ganz herzlich auf dem Kanal!


Psychotherapie mittels App erforschen - Vanessa Teckentrup ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf Vanessa Teckentrup. Vanessa (@glassybrain.bsky.social) ist Psychologin und Neurowissenschaftlerin. Nach ihrem Studium der Psychologie an der Universität Frankfurt hat sie sich in ihrer Promotion mit der Vagusnervstimulation als Möglichkeit zur Beeinflussung der Darm-Hirn Achse beschäftigt. Heute arbeitet sie als Postdoktorandin am Trinity College Dublin und dem Universitätsklinikum Tübingen daran mittels smartphone-basierter Datenerfassung die Mechanismen von Psychotherapie auf der individuellen Ebene besser zu verstehen. Was da der gemeinsame Nenner ist? Eine Faszination dafür wie körperliche Prozesse und unser Denken funktionieren und sich über die Zeit regulieren!

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Frisch die Schule abgeschlossen, hatte ich viele Interessen, wusste aber, dass ich gerne mehr über das Gehirn lernen würde. Und ich war mir sehr sicher, dass Mathe mir nicht liegt. Fast forward ein paar Wochen und ich hatte meine Bewerbung für ein Studium der Psychologie abgeschickt. Neurowissenschaften waren ein Wahlbereich an der Uni Frankfurt für die ich mich entschieden hatte, aber das Mathe-Kriterium habe ich wohl geflissentlich ignoriert bei dem starken Fokus auf Methodenlehre, den wir im Psychologiestudium haben. Wie sich später zeigen sollte, kommt es immer auf den Kontext an, wie man etwas wahrnimmt, denn mir wurde tatsächlich im späteren Verlauf eine Tutorenstelle in der Methodenlehre angeboten. Ich bin jedoch der Leidenschaft für das Gehirn treu geblieben und habe nach einigen nicht erfolgreichen Stipendienbewerbungen eine Stelle gefunden, die mir die Arbeit mit funktioneller Bildgebung ermöglicht hat.  

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe mich meistens von meiner Neugier leiten lassen. Die ersten Vorlesungen in Biologischer Psychologie die sich mit Hirnsignalen, sei es über die Messung eines Elektroenzephalogramms oder Magnetresonanztomographie, beschäftigt haben, haben mich so fasziniert, dass ich da unbedingt mehr lernen wollte. In meiner Promotion konnte ich genau das umsetzen und habe zusätzlich noch tief in den spannenden Bereich der Hirnstimulation eintauchen können. Diese Themen begleiten mich auch heute noch. Für meine heutige Stelle war dann aber eher wieder der Zufall mit am Werk. Durch ein Nebenprojekt hatte ich die Möglichkeit eine Forschungsapp zu programmieren, die es uns ermöglicht hat Daten wiederholt, mit höherer Frequenz zu messen, da wir die Versuchspersonen nicht bitten mussten für jede dieser Messungen zu uns ins Labor zu kommen. All das lief bequem zu Hause auf dem Sofa auf dem eigenen Handy. Das hat mir einen Einblick gegeben in das damals noch sehr junge Feld des Ecological Momentary Assessment, eine Methode, die darauf abzielt, das momentane Empfinden einer Person im natürlichen Alltag und über einen längeren Zeitraum abzubilden. Hirnsignale befinden sich konstant im Fluss, das wusste ich bereits aus der Arbeit mit bildgebenden Verfahren. Nun wurde es auch praktikabel das daraus resultierende Verhalten genauer zu beobachten. Ich war (und bin) fasziniert!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite zurzeit vorrangig mit größeren Datensätzen, die wir über eine speziell für die Forschung entwickelte Smartphone app erhoben haben. Da sich Jede und Jeder diese app frei herunterladen kann, hat sich über die Zeit ein großer Datenschatz angesammelt, den wir den sehr engagierten ‚citizen scientists‘ wie wir sie nennen zu verdanken haben. Mein Fokus liegt aber gerade auf einem Projekt, für das wir spezifisch Menschen rekrutiert haben, die eine Psychotherapie begonnen haben. Wir begleiten sie mittels unserer app täglich für die gesamten 8 Wochen, die die Therapie in Anspruch nimmt und hoffen, dass wir so mehr darüber lernen können, wie sich die einzelnen Therapiemodule auf das Denken und Empfinden auswirken. Ebenso möchten wir uns anschauen, ob wir Merkmale entdecken können, die schon früh einen Hinweis darauf geben, ob jemand von dieser spezifischen Therapie profitieren wird.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir haben wirksame Therapien für psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen, aber in vielen Fällen bleibt den Betroffenen nichts anderes übrig als diese Therapien nach einem trial-and-error Prinzip auszuprobieren, bis ein Ansatz gefunden ist, der ihnen persönlich hilft. Selbst wenn zwei Menschen die gleiche Diagnose erhalten, sehen die individuellen Symptome häufig sehr unterschiedlich aus. In dieser Variabilität könnte der Schlüssel dafür liegen, schneller den richtigen Ansatz zu finden. Das hätte nicht nur direkte Auswirkungen für die Betroffenen, die je nach individuellem Fall nicht mehr mehrere Jahre auf eine Besserung der Symptome warten müssen, sondern auch für die Gesellschaft selbst, die ‚ärmer‘ wird, wenn Menschen aufgrund ihrer Erkrankung nicht oder nur eingeschränkt am öffentlichen Leben teilhaben können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin immer wieder bei verschiedenen Outreach-Initiativen dabei wie dem auch hierzulande immer beliebter werdenden ‚Pint of Science‘, war aber auch schon auf einem großen irischen Musikfestival, um zusammen mit Kollegen über psychische Erkrankungen und Demenz aufzuklären. Dazu engagiere ich mich rund um die Berufsbedingungen von jungen Wissenschaftlern. Die allermeisten von uns sind auf kurzen Kettenverträgen prekär beschäftigt. Da ist es mir und meinen Kollegen von der Trinity Research Staff Association, der offiziellen Interessenvertretung für Wissenschaftliche Mitarbeiter am Trinity College, ein großes Anliegen diese Probleme sichtbar zu machen und für Verbesserungen einzutreten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin sehr gerne draußen in der Natur unterwegs. Indoor klettere und bouldere ich gerne, stecke etwas aus Klemmbausteinen zusammen oder spiele gerne storylastige Videospiele. Und wenn sich die Möglichkeit ergibt, bastel ich auch ganz gerne mal an Hardware oder Software herum. Einige dieser Erzeugnisse sind dann auch schonmal im Lab gelandet.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Gemütlich ausschlafen und ein ausgiebiges Frühstück mit meinem Partner genießen, bevor es raus in die Natur geht oder an die Kletterwand.
 
Bitte begrüßt Vanessa ganz herzlich auf dem Kanal!