Sunday, February 11, 2024

Wissenschaftsalltag in Heidelberg - Julia Philipp und Ulrike Träger sind jetzt bei Real Scientists DE!

Bitte begrüßt heute eine Doppelkuration: Julia Philipp (julia-philipp.bsky.social)  &  Ulrike Träger (immunoblogist.bsky.social)! Sie sind aus Data Manager bzw. Data Scientist & Communications Officer am EMBL Heidelberg & DKFZ Heidelberg tätig. 





Wie seid ihr in der Wissenschaft gelandet?

Julia: Auch wenns ein bisschen klischeehaft ist, war es ein Buch, das mich damals neugierig auf die Lebenswissenschaften gemacht hat und zwar “Der Schwarm” von Frank Schätzing. Ich war ca 13 oder 14 und hatte das Gefühl, durch dieses Buch das erste Mal zu verstehen wie Wissenschaftler*innen arbeiten. Deshalb wollte ich dann Meeresbiologen werden. In der Oberstufe hatte ich dann zwei sehr motivierte und engagierte Biologie Lehrerinnen und dann hat sich der Wunsch, Biologie zu studieren, schnell gefestigt. In den ersten Semestern habe ich relativ schnell festgestellt, dass Krabbeltierchen nichts für mich sind und ich vielleicht auch keine Angst vorm Tauchen haben sollte in der Meeresbiologie. Das war aber nicht schlimm, da hatte ich dann schon die Molekularbiologie für mich entdeckt. 


Ulrike: Klischee kann ich auch - ich habe nämlich angeblich schon mit 5 verkündet, ich will Krebs heilen. Das hab ich zwar nicht, aber ich habe Biologie studiert und viele Jahre im Labor gearbeitet. Erst an Immunreaktionen in neurodegenerativen Krankheiten und später an der Entwicklung von Immunzellen. Mittlerweile habe ich dem nächtlichen Zellen sortieren aber abgeschworen und machen das zweitbeste in der Wissenschaft: drüber reden! 


Warum habt ihr euch  für euer aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält euch dort?
Julia: An der Molekularbiologie & Genomik gefällt mir, dass der Bereich sehr weit reicht und unglaublich vielfältig ist. Die Begriffe beschreiben viel mehr Methoden und weniger das Studienobjekt. Man kann also Methoden aus der Molekularbiologie oder Genomik auf das Immunsystem anwenden, zum Beispiel um Krebs zu verstehen, aber auch auf Viren, Pflanzen und ganze Ökosysteme. Meine Arbeitsweise hat sich aber im Laufe meines Studiums geändert: Angefangen habe ich im Labor mit den klassischen Experimenten, mittlerweile beschäftige ich mich nur noch mit der computergestützten Auswertung von Experimenten und das sind meistens Hochdurchsatz-Experimente, wie z.B. Genom-Sequenzierungen. Hier entwickelt sich sowohl die Technik als auch die Auswertung so schnell weiter, dass man kontinuierlich am Lernen und Neues Entdecken ist.


Ulrike: Forschung braucht Daten. Genomdaten von Patient:innen haben enormes Potential für Forschung und Medizin, da gerade neuartige KI-basierte Techniken viele Daten brauchen, um Wirkung zu zeigen. Niemand kann so viele Daten selbst produzieren - also sollten sie in der Wissenschaftsgemeinschaft geteilt werden, um ihr volles Potential zu entfalten. Zum Wohl aller. Genetische Daten sind aber auch einzigartig, wie unser Fingerabdruck. Sie bedürfen Schutz. Diese Balance aus Chancen für die Forschung und Gesundheitsversorgung, und den notwendigen Datenschutz zu kommunizieren, ist eine vielfältige Herausforderung. Spannend ist auch der Mix aus strategischer Arbeit und praktischer Ausführung!


Erzählt uns etwas über eure Arbeit!
Julia: In meinem aktuellen Job habe ich oft ganz verschiedene Hüte auf. Eingestellt wurde ich um eine Datenmanagement-Infrastruktur für ein großes Sequenzierungsprojekt aufzubauen und zu pflegen. Dazu durfte ich mich auch an der Auswertung dieser Daten beteiligen. Aktuell betreue ich auch Student*innen oder Praktikant*innen, die in diesem Projekt Datenanalyse lernen und durchführen wollen. Fast durch Zufall kam dann die Aufgabe der Trainingskoordination bei GHGA (dem Deutschen Genom-Phänomarchiv) dazu. Hier organisiere ich vor allem Veranstaltungen rund um die Themen biologische Datenanalyse, Forschungsdatenmanagement und Datenschutz. Manchmal führe ich aber auch selbst Webinare oder Kurse durch. Durch unsere kollaborative Arbeit bei GHGA, komme ich auch immer wieder dazu, bei Projekten für die Öffentlichkeitsarbeit zu helfen.


Ulrike: Da wir - wie wenige vergleichbare Projekte- gut besetzt sind in der Öffentlichkeitsarbeit, können wir Lieblingsprojekte durchsetzen. Ein neuer Podcast, Lego um auch Kindern die DNA näher zu bringen oder eine Unterhausdebatte mit Schüler:innen im Futurium. Diese Formate machen Spaß und helfen uns in der Kommunikation.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für eure Forschung/Arbeit interessieren?

Julia & Ulrike: Genom-Forschung und auch Datenschutz sind Themen, die jeden etwas angehen und zu denen es oft schon starke Meinungen gibt, die auch mal in Misinformationen und negative Gefühle umschlagen können. Deshalb finde ich es wichtig, über diese Themen kontinuierlich und offen zu kommunizieren. Genomforschung ist so cool und nicht beängstigend, wenn man die Chance hat, sie zu verstehen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen ihr uns erzählen möchtet?
Julia: Da mein Arbeitsalltag so sehr vom Arbeiten am Computer geprägt ist, habe ich mir während meines PhDs gezielt Hobbies gesucht, die nicht vor einem Bildschirm stattfinden. Aktuell sind das Laufen, Wandern und Stricken. Das Laufen nutze ich auch gerne mal mitten am Tag zum Ausgleich zur Schreibtisch-Arbeit.


Ulrike: Ich laufe auch gerne - vor allem auch mit Julia zusammen :) Ich fotografiere auch sehr gerne, aber  nicht beim Laufen. Aber wenn ich reise oder auch einfach im Alltag. Ich finde ja, wir machen viel zu wenig Fotos von ganz alltäglichen Situationen. Eins meiner Lieblingsbilder ist ein Selbstauslöserbild vom Feiertagsessen bei meiner Oma. Qualitativ nicht perfekt, aber emotional perfekt.


Wie sieht für euch ein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Julia: Mein idealer Tag beginnt mit einem ausführlichen Frühstück und dann geht es wandern. Wenn ein bisschen mehr Zeit ist, gerne auch mit einer Übernachtung unterwegs. Abends dann noch gemütlich auf der Couch lesen.

Ulrike: In einer neuen Stadt, denn ich liebe es zu reisen und den ganzen Tag einen neuen Ort zu erkunden!


Bitte begrüßt die beiden ganz herzlich auf dem Kanal! 

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