Sunday, October 3, 2021

Auf der Suche nach dem digitalen Sinn - Andreas Bischof ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Andreas Bischof (@analog_a) vorstellen zu dürfen. Mit einem Hintergrund in Soziologie und Kulturwissenschaften untersucht Andreas, wie Mensch, Gesellschaft und Technologie miteinander interagieren. Derzeit leitet er eine BMBF-Nachwuchsforschungsgruppe an der Technischen Universität Chemnitz, die interdisziplinäre Kompetenzen für den digitalen Wandel erforscht. Die Themen seiner Arbeit umfassen partizipative Methoden der Technikentwicklung, Sozial- und Pflegerobotik, sowie die digitalen Bedingungen sozialen Sinns. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ehrlich gesagt bin ich über Umwege in der Wissenschaft gelandet. Ich wollte ursprünglich Journalist werden und habe für den Bachelor einen Studiengang gesucht, der etwas Inhaltliches voranstellt, auf dass ich dann den Master in Leipzig satteln könnte. "Kulturwissenschaften" klang nett und interessant. In der Einführungsvorlesung "Kultursoziologie" war es dann um mich geschehen: Da konnten Leute erklären, wie das Verhalten Einzelner sich zu gesellschaftlichen Effekten auftürmt, und wie wiederum große gesellschaftliche Veränderungen immer auch auf Alltagshandlungen der Menschen basiert. Das hat mich fasziniert!

Nach dem Studium wollte ich mich weiterhin vertiefen können, und habe eine Promotionsstelle angenommen. Von dort aus geriet ich recht schnell in den "Strudel" des Wissenschaftsbetriebs aus Tagungen, Publikationen, Projekten, undsoweiter.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Auch hier hat natürlich der Zufall eine Rolle gespielt. Ich bin schon immer medien- und technikaffin und habe auch im Studium einige Belegarbeiten zu solchen Themen geschrieben, unter anderem meine Masterarbeit 2012 als empirische Studie zum Facebook-Verhalten von Jugendlichen. Dadurch bin ich zu den Fragestellungen gekommen, die sich am Schnittfeld von Medien, Technik und Gesellschaft bewegen und begann, Kontakt zu anderen Disziplinen aufzunehmen. Schließlich landete ich in einem interdisziplinären Graduiertenkolleg, in dem Sozialwissenschaften und Ifnormatik gemeinsam in Tandems arbeiteten – Und mittlerweile leite ich als Soziologe und Kulturwiussenschaftler selbst eine Arbeitsgruppe an einer Professur für Medieninformatik!

Ich halte es für eine dringende Notwendigkeit, das Reflexions- und Methodenwissen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften in Technikentwicklung und Informatik angewendet werden. Deswegen gehe ich aktiv an die Schnittstellen von Mensch-Computer-Interaktion, Sozialwissenschaften und Design, um die großen Querschnittsprobleme unserer Zeit in neuen Konstellationen zu bearbeiten.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Mein Alltag als Wissenschaftler besteht darin, wissenschaftliche Probleme und Diskurse immer wieder für unterschiedliche Gruppen anschlussfähig zu machen. Warum sollten App-Entwickler etwas über die Lebenswelt alleinlebender Seniorinnen, über deren Hobbies und sozialen Netzwerke wissen? Warum sollten Kultursoziologinnen wissen, wie maschinelle Textinterpretation von YouTube-Kommentaren funktioniert? Ich bin also fortlaufend dabei, die ganz grundlegenden Tugenden wissenschaftlichen Arbeitens in Wort und Text umzusetzen: beschreiben, verstehen, erklären. Dass ich das sowohl für Informatiker:innen können muss, als auch für Kulturwissenschaftler:innen macht die Sache manchmal etwas anstrengend, ist aber eine gute Schule, nicht in abgehobene Gedankenbauwerke abzudriften.

Und dann sind da natürlich noch die Verwaltungsarbeit und das Schreiben und Einreichen von Anträgen, die etwa ein Drittel meiner Arbeitszeit als befristet beschäftigeter Post-Doc beanspruchen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es wird der Eindruck erweckt, wir könnten große ökologische und soziale Fragen vorrangig technisch lösen. Dem liegt ein Missverständnis zugrunde. Jede technische "Lösung" ist schon immer sozial und politisch – Sie antwortet auf ein von Menschen gestelltes Problem. Die Annahmen hinter diesen Problemen und Lösungen – und die Asymettrie zwischen Nutzenden und Entwickelnden – müssen gesellschaftlich verstanden und diskutiert werden, um eine demokratische Meinungsbildung über Digitalisierung zu ermöglichen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich interessiere mich für Podcasting, und versuche das als Mittel der Wissenschaftskommunikation (https://www.tu-chemnitz.de/tu/pressestelle/tucscicast.php) und Lehre (https://home.uni-leipzig.de/podcastethnografie/) einzusetzen. Außerdem gründe ich derzeit mit anderen Forscherinnen ein interdisziplinäres Netzwerk zu Technologien für das Alter(n): https://www.socio-gerontechnology.net/

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Leider komme ich als Elternteil von zwei Kindern und befristet beschäftigter Post-Doc zu wenig interessanten Sachen aus Arbeit und Familie – Was beides an sich ja schon hochinteressant ist Wenn sich Zeit ergibt, versuche ich etwas Sport – Radfahren und Laufen – zu machen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Ausschlafen (ha, zuletzt 2016?), im Bett Kaffee trinken und lesen. Dann rausgehen und Freunde treffen und mindestens die Hälfte vom Tag nicht verplanen, sondern geschehen lassen. 

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