Diese Woche freuen wir uns auf Ronja Büchner. Ronja (@buechnerronja.bsky.social) ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „Psychiatrie und Gesellschaft“ von Prof. Georg Schomerus an der Universität Leipzig (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie). Innerhalb der AG verantwortet sie gemeinsam mit Prof. Schomerus die Themenbereiche Long COVID, ME/CFS und PAIS und beschäftigt sich in ihrer Promotion mit der Stigmatisierung von Menschen mit postviralen Erkrankungen. Zudem befindet sie sich in der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin im Verfahren Verhaltenstherapie.
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Überraschend, würde ich sagen. Als ich angefangen habe Psychologie zu studieren, war mir nicht klar, dass meine Professor*innen nicht einfach wie Lehrer*innen sind, sondern neben der Lehre auch alle forschen. Wissenschaft war in meinem Kopf vorher eher mit weißem Kittel im Labor stehen und es macht *Knallpuffpeng*.
Ich war während meines Bachelorstudiums studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (inkl. 2 Monate „Feldforschung“ in Namibia!) und habe ein Forschungspraktilum in Brisbane (Australien) in der Sozialpsychologie gemacht und bei beidem gemerkt wie sehr ich wissenschaftliches Denken liebe. Während des Master habe ich allerdings erst mal gemeinsam mit einer Freundin ein Café im Leipziger Westen eröffnet (Café Kater, gibt’s noch immer) und dabei die Wissenschaft fast vergessen. Nach der Geburt meines Kindes bin ich dann über Zufälle in einer Studienambulanz für Long COVID gelandet und habe dort mein Promotionsthema gefunden.
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
In der Long COVID Studienambulanz war es als Psychologin meine Aufgabe, strukturierte diagnostische Interviews zu führen, um mögliche psychische Ko-Morbiditäten festzustellen. Das habe ich manchmal, aber viel mehr habe ich gemerkt wie unfassbar groß die Symptomüberlappung von Long COVID und psychischen Erkrankungen ist und wie groß (auch aber nicht nur) deshalb die Gefahr einer ‚Psychologisierung‘ der Erkrankungen um Long COVID ist. Seitdem erforsche ich die Psychologisierung und den Zusammenhang mit der Stigmatisierung der Betroffenen und das alles kommt mir sowohl wichtig als auch spannend vor, sodass ich nicht wüsste, warum ich damit aufhören sollte. Außerdem schätze ich den Austausch mit Betroffenen und das von ihnen Lernen, weswegen mir auch die partizipative Forschung ein großes Anliegen ist.
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich arbeite in der Arbeitsgruppe „Psychiatrie & Gesellschaft“ von Prof. Georg Schomerus an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich eigentlich vor allem mit der Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Seit ich da bin, gibt es nun auch den Schwerpunkt Stigmatisierung von Menschen mit postviralen Syndromen wie Long COVID und ME/CFS, das ist nämlich das Thema meiner Promotion. Zusätzlich mache ich die Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und sehe einen Tag in der Woche Patient*innen.
Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil die Lebensrealitäten von Menschen mit Long COVID und/oder ME/CFS gesellschaftlich viel zu oft noch immer unsichtbar sind, obwohl sie uns alle etwas angehen - wenn wir nämlich so weiter machen, wird die Zahl der Betroffenen weiter steigen (Stichwort Prävention/Infektionssschutz) während die Versorgung weiterhin unmenschlich ist (Stichwort Stigmatisierung). Außerdem ist es eine gute Idee, sich mal mit den Grenzen und auch Gefahren der Psychologie und der Psychosomatik auseinander zu setzen - Disziplinen, die fälschlicherweise oft für durchweg progressiv gehalten werden.
Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Gemeinsam mit drei Kolleginnen und unserem Chef Georg Schomerus organisiere ich seit 2022 die Veranstaltungsreihe „Rausch & Stigma - Bilder von Sucht“ in einem Leipziger Kino. Die Abende laufen immer so ab, dass es erst ein Podiumsgespräch und dann einen Filmklassiker zu sehen gibt. Zu Gast sind Menschen mit eigener Suchterfahrung, Wissenschaftler*innen und lokale Akteur*innen wie Beratungsstellen, Sober-Rave-Organisator*innen oder die Suchtbeauftragte der Stadt. Zentraler Bestandteil der Abende ist der Austausch mit dem Publikum. Audiomitschnitte der Veranstaltungen sind über unsere Homepage verfügbar.
Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wirklich gar nicht, alles sehr unspektakulär. Ich mag Bücher, Kaffee und schöne Dinge.
Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Morgens Kaffee im Bett, dann ein Spaziergang zur Leipziger „Spinnerei“. Dort in der besten Bäckerei der Stadt den 2.Kaffee und Leckereien genießen und in den Galerien bisschen Kunst gucken.
Bitte begrüßt Ronja ganz herzlich auf dem Kanal!
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