Sunday, February 22, 2026

Ob Postcovid, Herpes oder Malaria – Wie Forschende große Datenmengen nutzen, um Infektionsprozesse zu verstehen! Emanuel Wyler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Porträtfoto von Emanuel Wyler
Diese Woche freuen wir uns auf unsern Kurator Emanuel Wyler (@ewyler.bsky.social)! Emanuel ist Wissenschaftler am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in der Helmholtzgemeinschaft. Nach dem Studium der Biochemie an der Universität Zürich war er ein Jahr am Institut Pasteur in Paris, hat an der ETH Zürich doktoriert, und ist seit 2011 am MDC in Berlin. Seit 2020 ist er als Wissenschaftler fest angestellt.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Wissenschaft an sich hat mich schon als Kind interessiert, und ich in meiner Akademikerfamilie hatte ich schon früh Berührung damit. Das Studium ist mir relativ leicht gefallen, danach haben sich immer spannende und gute Projekte und Stellen ergeben. Auch jetzt noch, gut 25 Jahre nach Beginn des Studiums bin ich immer noch sehr gerne in der Wissenschaft und fühle mich sehr wohl darin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein Forschungsfeld ist grob gesagt die Untersuchung von Infektionsprozessen (vor allem Viren) mit Hochdurchsatzmethoden und großen Datenmengen. Das Feld hat sich in den letzten 10, 15 Jahren durch eine Vielzahl technologischer Entwicklungen stark verändert. Dadurch können wir immer detaillierter in unserer so komplexen Biologie molekulare und zellbiologische Prozesse verstehen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die Projekte, in denen ich arbeite, sind vielfältig: Es geht um ME/CFS/Postcovid, um Herpesinfektionen, um Malaria (Plasmodium-Parasiten) in der Plazenta, um Viren im Abwasser oder mikrobielle Biodiversität in der Umwelt. Der gemeinsame Nenner ist aber relativ einfach: Wie können wir große Datenmengen erheben und auswerten, um biologische Abläufe zu verstehen? Oft arbeite ich in „Konsortien“, als mit mehreren Forscherinnen und Forschern aus anderen Fachrichtungen und anderen Institutionen gemeinsam. Ein Beispiel dafür ist das vom Forschungsministerium BMFTR geförderte „SERIMM“ (https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/serimm-serotonin-und-immunmodulation-in-me-cfs-18014.php) zu ME/CFS/Postcovid – dabei sind Klinikerinnen und Kliniker aus der Charité Berlin, die Patient*innen untersuchen und bspw. Blutproben für unsere Analysen entnehmen. Bei Helmholtz München und dem Paul-Ehrlich-Institut laufen Tierexperimente, am Fraunhofer-Institut in Erlangen werden Bilddaten untersucht. Mit dem Zusammenführen von Daten aus diesen verschiedenen Teilprojekten wollen wir verstehen, welche Veränderungen im Immunsystem oder im Serotonin-Stoffwechsel zu den chronischen Symptomen dieser Krankheit beitragen. Das Projekt begann 2023 mit dem Ausformulieren der Forschungsfragen und dem Schreiben des Antrages, um in einem Wettbewerb das Geld für das Projekt zu gewinnen. Jetzt geht es um das Durchführen der Experimente und Analyse der Daten, gemeinsam mit Doktoranden, Postdocs oder Ärztinnen. Gleichzeitig gilt es, die großen Linien des Gesamtprojektes im Auge zu behalten, die neuste Literatur zu verfolgen, zu überlegen, wie das Forschungsfeld in Zukunft weitergeht, und an Konferenzen von anderen zu lernen und eigene Daten zu präsentieren.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Infektionen mit Viren machen wir alle regelmäßig durch, und ein grundlegendes Verständnis dafür kann helfen, besser damit umzugehen. Aber noch wichtiger finde ich es, Freude an Erkenntnissen und Faszination für die Biologie in uns und um uns herum zu wecken.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Als senioriger Wissenschaftler macht man ja so ein bisschen alles mögliche. Lehre, Öffentlichkeitsarbeit, Personalwesen, Beschaffungen, Begutachtungen, Vertragswerke, Institutsorganisation (wie bspw. Biosicherheit) usw. sind alle auf ihre Art interessant, aber nicht eigentlich „zusätzlich“, nicht?

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Leider nichts besonderes :-)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Einfach so in den Tag leben, vielleicht ein Ausflug, vielleicht in Kino oder Museum oder Konzert, oder was grad passt und Freude macht.

Bitte begrüßt Emanuel ganz herzlich bei Real Scientists DE!

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