Sunday, May 17, 2026

Forschung über Wissenschaft - Lukas Röseler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Lukas Röseler (@aufdroeseler.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Lukas hat Wirtschaftspsychologie studiert, in 2021 in Psychologie promoviert und arbeitet als Geschäftsführer des Münster Center for Open Science an der Universität Münster, ist Editor-in-Chief und Mitgründer der Diamond Open Access Zeitschrift Replication Research, einer der Projektleiter der FORRT Replication Hub, sowie Mitglied des FORRT Steering Committee. Er setzt sich für transparente und nachvollziehbare Forschung, vorwiegend Replikationsforschung, ein.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Theorien über die Welt systematisch, vorsichtig, und unvoreingenommen zu untersuchen begeistert mich sehr. In der Schule haben wir eine Studie zu Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung durchgeführt und als ich dann im Studium an einer Replikationsstudie beteiligt war (es ging um Smarties, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr), war mir klar, dass Wissenschaft etwas ist, zu dem ich beitragen möchte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Tatsächlich bin ich von anderen Feldern stetig hierher, also zu Open Science und Metawissenschaft (= "Forschung über Wissenschaft") gedriftet. Einerseits aus Frust daran, dass in den Bereichen, in den ich vorher geforscht habe, einen Mangel an Transparenz herrschte, den ich anfangs nicht verstanden habe, und andererseits durch meinen Idealismus und meine Hoffnung, dazu beitragen zu können, dass Wissenschaft ihren Idealen etwas näher rückt. Eines dieser Ideale, das ich unterstütze, ist die freie Verfügbarkeit von wissenschaftlichem Wissen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir - denn keine dieser Sachen tue ich allein - unterstützen Forschende dabei, sich mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Rahmen ihrer Forschung auseinanderzusetzen. Das geschieht auf verschiedenen Wegen: 
1) Wir dürfen mit Forschenden aus vielen verschiedenen Disziplinen in den Austausch treten: Wie funktioniert Wissenschaft in ihrem Feld, in welchem Rahmen ist Transparenz sinnvoll und möglich, auf welche Weise lässt sie sich erreichen, und welche Unterstützung ist dabei nötig? 
2) Wir stellen Infrastrukturen und Informationen bereit, beispielsweise allgemeine Open Science-Informationen oder ein Handbuch und eine multidisziplinäre Zeitschrift für Replikationsforschung. 
3) Wir erforschen verschiedene "Open Science-Praktiken", fragen uns also, ob bestimmte Vorschläge, die auf erhöhte Transparenz oder Robustheit wissenschaftlicher Befunde abzielen, sinnvoll und effektiv sind.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit finanziert. Im Rahmen von Open Science setzen wir uns dafür ein, dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Hier ein paar Beispiele:
- Open Acess: Zu viel Geld fließt an kommerzielle Verlage (Zuschauer*innen von Mai Think X haben vielleicht die Sendung zum Steuerskandal und Paywalls gesehen). Bürger*innen haben oft gar keinen Zugriff auf die Forschungsergebnisse, obwohl diese durch Steuergelder finanziert wurden. Ich fand die Sendung spannend und sehr gut erklärt, war dann aber schockiert als es nach Erklärung des Problems plötzlich schon vorüber war. Wir haben im Rahmen von Open Science eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen für die in der Sendung vorgestellten Probleme.
- Replizierbarkeit: Es ist inzwischen weit über die Wissenschaft hinaus bekannt, dass viele wissenschaftliche Befunde einer erneuten Prüfung, zum Beispiel im Rahmen einer Replikation, nicht standhalten. Das ist hoch relevant, wenn im Alltag oder in der Wirtschaft darauf aufgebaut wird. Der erste und meistens falsche Gedanke ist dann, dass die Forschung nicht gut genug war. So einfach ist es aber nicht. Was Replizieren bedeutet und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind, wird im Rahmen von Open Science diskutiert. Manchmal sind Fehler passiert, manchmal ändern sich methodische Standards, manchmal müssen wir erst noch herausfinden, wo die Grenzen unseres Wissens liegen.
- Citizen Science: Eine andere Facette von Open Science betrifft das aktive Einbeziehen von Bürger*innen. In den Fällen, bei denen es möglich ist, lernen Forschende, ihre Ergebnisse klar zu kommunizieren und die Beteiligten erlangen ein tieferes Verständnis von der Funktionsweise von Forschung.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ja, die werden dann aber immer teil meiner Haupttätigkeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin, bis zu einem größeren Unfall letztes Jahr, 18 Jahre lang BMX gefahren und suche noch ein Ersatzhobby. Wenn ich nach einem Tag an der Tastatur noch Kraft in den Fingern habe, löse ich gern Zauberwürfel (um es Speedcubing zu nennen, bin ich wahrscheinlich zu langsam).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Zeit mit den Kindern, Zeit mit meiner Frau, Bewegung und ein Ausflug in die Natur oder irgendwo hin, wo wir hochgehen und heruntergucken.

Bitte begrüßt Lukas ganz herzlich bei Real Scientists DE!


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