Sunday, May 31, 2026

Die dunkle Seite der politischen Macht - Adam Scharpf ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Adam Scharpf (@ascharpf.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Adam Scharpf ist Associate Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Kopenhagen. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der „dunklen Seite“ politischer Macht und untersucht, wie Autokratien und Diktaturen funktionieren, Loyalität sichern, und Einfluss über ihre Grenzen hinaus entfalten. Dabei nutzt er quantitative Daten und statistische Methoden, um Einblicke in die oft undurchsichtigen Strukturen autoritärer Regime zu gewinnen. Sein besonderes Interesse gilt der Frage, warum Autokratien weltweit (wieder) auf dem Vormarsch sind und wie Demokratien sich in einer autokratischen Welt behaupten können.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Mich hat schon immer interessiert herauszufinden, warum Dinge so sind, wie sie sind – und was dahintersteckt. Mein Studium an der Universität Konstanz hat mir früh gezeigt, dass die Wissenschaft genau das bietet. Allerdings hat es etwas länger gedauert, bis mir klar wurde, dass ich ihr mein Berufsleben widmen möchte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich interessiere mich besonders für die „dunkle Seite“ politischer Macht. Autokratien und Diktaturen sind dafür Paradebeispiele. Was diese Regime zusammenhält, stabilisiert und letztlich auch kollabieren lässt, finde ich unglaublich spannend.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich erforsche politische Regime und wie sie Loyalität und Gefolgschaft erzeugen – sowohl im Inland als auch im Ausland. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit konzentriert sich auf das Innenleben von Autokratien und Diktaturen.

Dafür nutze ich quantitative Daten, die ich mit statistischen Verfahren analysiere. Das ist nicht ganz einfach, denn autoritäre Regime haben wenig Interesse daran, erforscht zu werden. Sie leben von Intransparenz und Geheimhaltung.

Mein Ziel ist es, mithilfe von Daten möglichst tief in die Strukturen und Prozesse dieser oft undurchsichtigen Regime vorzudringen und allgemeingültige Muster ihres Funktionierens sichtbar zu machen.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Heute leben nahezu zwei Drittel der Weltbevölkerung unter autoritären Regimen – und der Trend zeigt nach oben. Gleichzeitig stehen Demokratien weltweit zunehmend unter Druck. Vor gut zehn Jahren sah die Lage noch deutlich anders aus.

Die zentrale Frage lautet daher: Warum sind Autokratien wieder auf dem Vormarsch? Welche Strategien und Instrumente nutzen Autokraten und Diktatoren, um ihre Macht zu sichern und auszubauen? Und wie können wir Demokratien vor autokratischen Angriffen schützen?


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Nein – meine Arbeit als Professor füllt mich wirklich sehr gut aus.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich mache regelmäßig Sport als Ausgleich zu meiner geistigen Arbeit. Das hilft mir beim Abschalten.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Auch an freien Tagen lässt mich die Wissenschaft nur selten ganz los. Ideal ist für mich eine Kombination aus Zeit mit meiner Familie und der Möglichkeit, frei von Stress, Druck und dem täglichen Klein-Klein über interessante Fragen nachzudenken und zu lesen.


Bitte begrüßt Adam ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 17, 2026

Forschung über Wissenschaft - Lukas Röseler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neuen Kurator  Lukas Röseler (@aufdroeseler.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Lukas hat Wirtschaftspsychologie studiert, in 2021 in Psychologie promoviert und arbeitet als Geschäftsführer des Münster Center for Open Science an der Universität Münster, ist Editor-in-Chief und Mitgründer der Diamond Open Access Zeitschrift Replication Research, einer der Projektleiter der FORRT Replication Hub, sowie Mitglied des FORRT Steering Committee. Er setzt sich für transparente und nachvollziehbare Forschung, vorwiegend Replikationsforschung, ein.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Theorien über die Welt systematisch, vorsichtig, und unvoreingenommen zu untersuchen begeistert mich sehr. In der Schule haben wir eine Studie zu Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung durchgeführt und als ich dann im Studium an einer Replikationsstudie beteiligt war (es ging um Smarties, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mehr), war mir klar, dass Wissenschaft etwas ist, zu dem ich beitragen möchte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Tatsächlich bin ich von anderen Feldern stetig hierher, also zu Open Science und Metawissenschaft (= "Forschung über Wissenschaft") gedriftet. Einerseits aus Frust daran, dass in den Bereichen, in den ich vorher geforscht habe, einen Mangel an Transparenz herrschte, den ich anfangs nicht verstanden habe, und andererseits durch meinen Idealismus und meine Hoffnung, dazu beitragen zu können, dass Wissenschaft ihren Idealen etwas näher rückt. Eines dieser Ideale, das ich unterstütze, ist die freie Verfügbarkeit von wissenschaftlichem Wissen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Wir - denn keine dieser Sachen tue ich allein - unterstützen Forschende dabei, sich mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Rahmen ihrer Forschung auseinanderzusetzen. Das geschieht auf verschiedenen Wegen: 
1) Wir dürfen mit Forschenden aus vielen verschiedenen Disziplinen in den Austausch treten: Wie funktioniert Wissenschaft in ihrem Feld, in welchem Rahmen ist Transparenz sinnvoll und möglich, auf welche Weise lässt sie sich erreichen, und welche Unterstützung ist dabei nötig? 
2) Wir stellen Infrastrukturen und Informationen bereit, beispielsweise allgemeine Open Science-Informationen oder ein Handbuch und eine multidisziplinäre Zeitschrift für Replikationsforschung. 
3) Wir erforschen verschiedene "Open Science-Praktiken", fragen uns also, ob bestimmte Vorschläge, die auf erhöhte Transparenz oder Robustheit wissenschaftlicher Befunde abzielen, sinnvoll und effektiv sind.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit finanziert. Im Rahmen von Open Science setzen wir uns dafür ein, dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Hier ein paar Beispiele:
- Open Acess: Zu viel Geld fließt an kommerzielle Verlage (Zuschauer*innen von Mai Think X haben vielleicht die Sendung zum Steuerskandal und Paywalls gesehen). Bürger*innen haben oft gar keinen Zugriff auf die Forschungsergebnisse, obwohl diese durch Steuergelder finanziert wurden. Ich fand die Sendung spannend und sehr gut erklärt, war dann aber schockiert als es nach Erklärung des Problems plötzlich schon vorüber war. Wir haben im Rahmen von Open Science eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen für die in der Sendung vorgestellten Probleme.
- Replizierbarkeit: Es ist inzwischen weit über die Wissenschaft hinaus bekannt, dass viele wissenschaftliche Befunde einer erneuten Prüfung, zum Beispiel im Rahmen einer Replikation, nicht standhalten. Das ist hoch relevant, wenn im Alltag oder in der Wirtschaft darauf aufgebaut wird. Der erste und meistens falsche Gedanke ist dann, dass die Forschung nicht gut genug war. So einfach ist es aber nicht. Was Replizieren bedeutet und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind, wird im Rahmen von Open Science diskutiert. Manchmal sind Fehler passiert, manchmal ändern sich methodische Standards, manchmal müssen wir erst noch herausfinden, wo die Grenzen unseres Wissens liegen.
- Citizen Science: Eine andere Facette von Open Science betrifft das aktive Einbeziehen von Bürger*innen. In den Fällen, bei denen es möglich ist, lernen Forschende, ihre Ergebnisse klar zu kommunizieren und die Beteiligten erlangen ein tieferes Verständnis von der Funktionsweise von Forschung.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ja, die werden dann aber immer teil meiner Haupttätigkeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin, bis zu einem größeren Unfall letztes Jahr, 18 Jahre lang BMX gefahren und suche noch ein Ersatzhobby. Wenn ich nach einem Tag an der Tastatur noch Kraft in den Fingern habe, löse ich gern Zauberwürfel (um es Speedcubing zu nennen, bin ich wahrscheinlich zu langsam).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Zeit mit den Kindern, Zeit mit meiner Frau, Bewegung und ein Ausflug in die Natur oder irgendwo hin, wo wir hochgehen und heruntergucken.

Bitte begrüßt Lukas ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, May 3, 2026

Wie KI entwickelt wird - Selin Coban ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin  Selin Coban (@selinco.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Selin ist seit 2020 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Research Group Software Construction an der RWTH Aachen. Zuvor hat sie sowohl ihren Bachelor als auch ihren Master in Informatik an der RWTH absolviert.  Sie erforscht das Prototypen von KI Lösungen und Entwicklungsumgebungen.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Das wissenschaftliche Arbeiten während meiner Masterarbeit hat mir großen Spaß gemacht. Dies ist offenbar auch dem Lehrstuhl aufgefallen, weil mein Professor mich noch vor Abgabe fragte, ob ich nicht für eine Promotion bleiben möchte. Diese Entscheidung führte zu sechs sehr spannenden und erfahrungsreichen Jahren, auf die ich nicht verzichten möchte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mich hat die Informatik interessiert, weil es für mich wie Magie war, was in einem PC vor sich ging. Das wollte ich schon als Kind verstehen. Zudem habe ich Logikspiele schon immer geliebt. Diese Faszination hat bis heute nicht nachgelassen, weshalb ich schließlich Informatik studiert habe. In digitalen Welten ist im Gegensatz zu realen Welten (fast) alles möglich. Daher tobe ich mich gerne in der Welt des Codes aus.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Meine Arbeit war sehr vielfältig: Neben der reinen Forschung gehörten auch Lehrtätigkeit, Industrieprojekte, Fachstudienberatung und Eventmanagement zu meinen Aufgaben. Das hat zwar hin und wieder zu viel Stress geführt, doch ich bin auch sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich dadurch sammeln konnte. So konnte ich meine Stärken sehr vielfältig ausbauen. Diese Erfahrungen hätte ich in der Industrie nicht in diesem Ausmaß sammeln können. Aktuell schreibe ich „nur noch“ an der Dissertation.

Konkret beobachte ich, wie KI-Entwickler:innen KI-Lösungen entwickeln, und achte dabei genau auf die Abläufe und die verwendeten Werkzeuge. Ähnlich wie Handwerker:innen Werkzeuge wie Hammer und Schrauben benötigen, verwenden wir in der Softwareentwicklung ebenfalls Werkzeuge. Auf Basis dieser Erkenntnisse designe ich einen effizienteren Prozess sowie bessere Werkzeuge. Da all dies KI-Entwickler:innen zugutekommen soll, arbeite ich auch viel mit Menschen zusammen, beispielsweise in Form von Interviews und Nutzerstudien.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

KI ist ein zentrales Thema unserer Gesellschaft. Ich möchte aufzeigen, wie KIs systematischer entwickelt werden können, anstatt das Ergebnis improvisierter Experimente zu sein.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin ein Gründungsmitglied der Women in AI Aachen Initiative, bei der wir Frauen im KI-Bereich zu mehr Sichtbarkeit verhelfen wollen, aber auch auf die diskriminierende Natur von KIs aufmerksam machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich zeichne/male gerne. Das übertrage ich auch gerne in meine Arbeit, um bspw. Folien zu illustrieren. Demnächst darf ich auch ein Fachbuch illustrieren.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Mit Familie/Freunden Zeit verbringen, gutes Essen genießen, ein gutes Buch auf dem Balkon lesen.


Bitte begrüßt Selin ganz herzlich bei Real Scientists DE!