Sunday, June 7, 2026

Demokratie leben - Caro Zieringer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin Caro Zieringer (@theoreticallycaro.bsky.social) auf dem Kanal begrüßen! Caro ist politische Theoretikerin. Sie hat Politik- und Kulturanthropologie sowie politische Theorie in Bremen, Salamanca, London und Frankfurt/M. studiert. Seit 2025 ist sie promoviert. Carolin arbeitet schwerpunktmäßig in der queer-feministischen und radikalen Demokratietheorie. Sie interessiert sich insbesondere für Fragen von Körperlichkeit, Sorge, politischen Bewegungen und Behinderung. Ihr Buch "Für Widerspruch sorgen. Eine feministische Theorie radikaldemokratischen Widersprechens" erscheint im November 2026. Abseits vom Schreibtisch findet man sie meistens am Deich mit dem Hund. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich denke gerne gemeinsam mit anderen und ich will genauer verstehen, warum die Gesellschaft ist, wie sie ist - und wie sie anders, besser, gerechter sein könnte. In der Wissenschaft bleiben möchte ich nach der Promotion aber auch deshalb, weil zu viele Themen in der politischen Theorie nicht ausreichend mitgedacht werden, z.B. die Disability Studies oder Geschlechterfragen. Mit meiner Arbeit will ich dazu beitragen das zu ändern. Außerdem finde ich es toll, Studierende dabei zu begleiten, neu und anders über sich und die Welt nachdenken zu lernen. 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Unter aktuellen politischen Bedingungen ist die Frage nach der Demokratie, ihrem Erhalt und ihrer Demokratisierung die wichtigste Frage, die sich die politische Theorie stellen kann. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Politische Theorie ist schnell zusammengefasst: Denken, Reden, Schreiben. Diese Subdisziplin der Politikwissenschaft fragt nach der guten politischen Ordnung - und auch nach der schlechten. Jeder Tag sieht anders aus, aber vor allem bin ich viel mit Lesen, Lesen, Lesen beschäftigt. In Kolloquien diskutieren wir Texte, die wir gerade schreiben und veröffentlichen wollen. Ich arbeite an Beiträgen für Handbücher und Journals sowie Vorträgen, gutachte Einreichungen für Veröffentlichungen von Kolleg*innen und editiere gerade mein erstes eigenes Buch. Weil ich momentan keine feste Stelle in der Wissenschaft habe, schreibe ich außerdem an Anträgen, um Mittel für eigene Projekte einzuwerben.  

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine aktuelle Forschung zeigt, dass die Demokratie darauf angewiesen ist, dass wir sie im Alltag leben. Sie zeigt, dass uns das viel abverlangt, weil Widerspruch leisten und aushalten müssen - und sie gibt Menschen Verständnis dafür in die Hand, warum die aktuelle Gesellschaftsordnung deshalb dazu führt, dass viele Menschen das nicht leisten können und auch deshalb nicht richtig teilhaben können. Meine Arbeit zeigt aber auch Lösungen auf, indem sie den Zusammenhang von Demokratie und Sorge nachverfolgt. Kurz gesagt gibt meine Forschung Menschen Begriffe, Zusammenhänge und Ideen an die Hand, um im Alltag und im Aktivimus handlungsfähig zu werden und eine eigene Perspektive zu entwickeln. Sie gibt wissenschaftlich begründet die Hoffnung, dass ein gutes Leben für alle möglich ist, wenn wir füreinander Sorge tragen. Klingt banal, ist aber mitten in einer politischen Autoritarisierung keine Selbstverständlichkeit.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben meiner Arbeit kümmere ich mich um meine Tierschutzhündin Nala und unterstütze meinen aktuell an ME/CFS erkrankten Partner. Und weil Arbeitslosigkeit in der Wissenschaft nichts unübliches ist und mich aktuell trifft, schreibe ich einen Haufen Bewerbungen. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Ohne freie Tage keine gute Wissenschaft! Denken braucht Zeit und Luft. Deshalb schlafe ich an einem freien Tag gerne aus, nehme mir richtig lange Zeit fürs Frühstück und laufe mit dem Hund eine große Runde um den Werder See in Bremen, in dem ich danach baden gehe. Am schönsten ist es dann in den Tag hinein zu leben, oft ist dann aber nur noch Zeit für Haushalt, Erledigungen und Pflege. Ich gehe aber auch gerne ins Theater, treffe Freund*innen in der Kneipe oder mümmel auf dem Sofa bei meiner aktuellen Lieblingsserie.

Bitte begrüßt Caro ganz herzlich bei Real Scientists DE!