Sunday, July 28, 2019

Lernen mit David - David Lohner ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator David Lohner (@davidlohner) vorstellen! David produziert seit 2013 am Zentrum für Mediales Lernen (ZML) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Lehr- und Lernvideos. Seit 2018 promoviert er im Bereich Hochschul- bzw. Mediendidaktik mit besonderem Schwerpunkt auf der Optimierung von videobasierten Online-Lernumgebungen. Dabei soll erschlossen werden, welche Kriterien „gute Onlinelehre“ ausmachen und sich für eine systematische Evaluation solcher Angebote eignen.

Auf seinem YouTube-Kanal und Blog dokumentiert und kommentiert er als „David der Doktorand“ die Entstehung seiner Dissertation. Dabei schildert er unter anderem den Alltag als Doktorand, mit welchen Themen er sich auseinandersetzt, welche Konferenzen er besucht oder welche wissenschaftlichen Artikel er liest.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Um ehrlich zu sein: eine Verkettung glücklicher Zufälle. Hauptsächlich, weil ich gefragt wurde, ob ich nicht promovieren wolle. Aber dazu gibt es natürlich eine Vorgeschichte:
Ursprünglich habe ich Geographie und Germanistik für das Lehramt an Gymnasien studiert. Als Student hatte ich ein paar Hiwi-Jobs, darunter einen am Zentrum für Mediales Lernen des Karlsruher Instituts für Technologie. Nachdem mein Studium zu Ende war und wir zu Hause als Familie bereits zu dritt waren, war es tatsächlich der einfachste Weg, dort als Mitarbeiter einzusteigen. Ein Glücksfall zur richten Zeit sozusagen. Dass der wissenschaftliche Leiter dieser Einrichtung später mal mein Doktorvater werden sollte, wusste ich damals noch nicht. Inzwischen habe ich zwei halbe Stellen am Karlsruher Institut für Technologie: eine am ZML, der zentralen E-Learning Einheit des KIT und eine weitere am Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik, wo ich promoviere.

Foto: Patrick Langer, KIT
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Entscheidung für mein Feld war dadurch im Grunde ausgemachte Sache: Lehren und Lernen, verknüpft mit den digitalen Medien. Dass diese Kombination interessant ist und in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird, habe ich eindrucksvoll durch mein One-Hit-Wonder auf YouTube demonstriert bekommen: ich habe ein gehaltenes Referat als Video hochgeladen und inzwischen hat das mehr als 500k Klicks. „Lernen mit Videos im Netz – das ist die Zukunft,“ dachte ich mir.

Ich habe lange danach gesucht, wie ich denn „mein Feld“ bezeichnen soll: Ich habe Lehramt studiert, bin also „von Haus aus“ weder ein lupenreiner Natur- oder Geisteswissenschaftler, noch reiner Pädagoge. Als Mitarbeiter an einem traditionellen Institut und einer E-Learning-Servicestelle habe ich je einen Fuß in Forschung und Lehre und einen im Bereich Beratung und Dienstleistung. Ich platziere mich also genau an der Schnittstelle: Ich befasse mich damit, wie wir im Hochschulkontext mit Medien lernen. Gibt es „Hochschul-Mediendidaktik“?

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Genau in diesem Feld bin ich jetzt unterwegs: am ZML konzipieren und produzieren wir Lernmedien – hauptsächlich Videos und darauf aufbauende Onlinekurse und MOOCs. Das heißt, ich kenne den ganzen Prozess vom Drehbuchschreiben über das Filmen und die Videobearbeitung bis hin zum didaktischen Setting in der Kursumgebung im Web. Das wird nie langweilig, da wir für jedes Projekt mit anderen Fachwissenschaften zusammenarbeiten. Das Know-How zum Thema Videoproduktion teilen wir vom ZML auch regelmäßig in Tagesworkshops in verschiedenen Hochschuldidaktik-Programmen. Ansonsten beraten wir Dozierende am KIT zu allen Belangen rund um E-Learning.

Für meine Promotion am Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik durfte ich mir mein Thema selbst aussuchen. Da lag es nahe, sich mit Webvideos zum Lernen zu befassen. So kann ich meine beiden halben Stellen am KIT ganz wunderbar miteinander verheiraten – auch wenn es auf dem Stundenzettel dann des Öfteren zum Ehekrach kommt 😉 In meiner Dissertation will ich herausfinden, wie videobasierte Onlinekurse gestaltet sein müssen, damit sie funktionieren. Dabei plane ich eine Design-Based-Research-Studie, die ich entlang eines Kurses aufziehe, den wir in den vergangenen drei Jahren am ZML erstellt haben. Fast alle Videos aus diesem Kurs sind auch auf YouTube verfügbar.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
In der Hochschullandschaft kommt der Lehre und dem Lernen relativ wenig Aufmerksamkeit zu. Meiner Meinung nach sollte ihr Stellenwert viel höher sein, um dem der Forschung zumindest in etwa zu entsprechen. Denn ohne eine gute Lehre kann man keine guten Forscherinnen und Forscher ausbilden.

Ich will mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass wir besser verstehen, wie Lernen heutzutage gestaltet werden kann. Dazu gehört, dass wir die digitalen Technologien nicht als Add-On oder Trend betrachten, sondern als so selbstverständlich wie das Buch oder die Tafel ansehen. Das betrifft sowohl die Lerner als auch diejenigen, die Inhalte (zum Lernen) bereitstellen. Der sinnvolle Einsatz dieser Technologien muss von vielen aber noch geübt werden. Gute Bildungsangebote sind gefragt, die von den neuen Möglichkeiten ernsthaft Gebrauch machen. Heute mehr denn je – und insbesondere solche im Internet, die frei und offen zugänglich sind.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im letzten Jahr habe ich bei der Neuaufstellung des am KIT dezentral organisierten Konvents der Doktorandinnen und Doktoranden geholfen und bin seitdem der Vorsitz dieses Gremiums*. Salopp gesagt ist das so etwas wie eine Fachschaft für Promovierende unserer Fakultät. Wir werden zu Rate gezogen, wenn es um Änderungen an der Promotionsordnung geht, dürfen Stellungnahmen bei der Wahl von Ombudspersonen abgeben und stehen Promotionsinteressierten Rede und Antwort. Ich will in dieser Position bewirken, dass sich Promovierende untereinander austauschen, denn: ist das Format „Promotion“ überhaupt noch zeitgemäß? Man sitzt mehrere Jahre quasi alleine an seinem eigenen Mammut-Projekt. Überall sonst werden Teamwork, Zusammenarbeit und Kollaboration gefordert, nur bei seiner Doktorarbeit ist man auf sich gestellt. Ich glaube, es ist schon viel gewonnen, wenn man sich regelmäßig mit Personen austauschen kann, die in einer ähnlichen Situation stecken.

*Neuwahlen am 25.07. (ob ich wieder dabei bin, weiß ich erst dann)

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit ich fünf bin, habe ich ein Schlagzeug und beinahe hätte ich Jazz-Schlagzeug studiert. Inzwischen bin ich aber froh, dass ich mir die Musik als reines Hobby erhalten habe. Nach einer sehr aktiven Zeit spiele ich inzwischen nur noch in einer Bigband, der Up To Date Bigband. Ihr könnt ja mal auf unserer Webseite vorbeischauen. Dort gibt’s auch ein paar verlinkte Videos.

Außerdem fotografiere ich ganz gerne; noch nicht sehr lange, aber immerhin. Meine besten Schnappschüsse teile ich über Flickr.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Gibt es denn als Wissenschaftler einen freien Tag? Mir fällt es jedenfalls sehr schwer, meinen Kopf abzuschalten oder wirklich frei zu bekommen. Am ehesten hilft da tatsächlich volles Programm: ein Tagesausflug mit Familie irgendwo draußen in der Natur. Kamera im Anschlag für ein paar nette Schnappschüsse der Kids oder schöne Aufnahmen von Landschaft, gutes Wetter (nicht zu warm!) und am Ende ein gutes Essen in Aussicht.

Ja, das klingt ziemlich ideal.

Bitte begrüßt David ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 21, 2019

Gesunde Entscheidungen - Eva Krockow ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Eva Krockow (@EM_Krockow) vorstellen! Eva ist Entscheidungsforscherin und Wissenschaftsbloggerin an der University of Leicester. Sie verlieβ Deutschland direkt nach dem Abitur, um ihre Grund- und Masterstudien in Psychologie and Internationalen Studien in England zu absolvieren. Anschlieβend nahm sie eine wissenschaftlichen „Auszeit“ von ca. vier Jahren, während der sie für verschiedene internationale Organisationen in Belgien, Westafrika und Deutschland arbeitete. Bald zog es sie jedoch zurück zur Uni: Mit finanzieller Unterstützung durch ein Stipendium der Friedrich Naumann Stiftung promovierte sie in Entscheidungspsychologie an der University of Leicester. Seit ihrem Abschluss betreibt Eva als Postdoc verschiedene Forschungsprojekte und ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Entscheidungsfindung im Gesundheitsbereich. Zum Beispiel untersucht sie, wie die Entscheidungen von Ärzten optimiert und die Kommunikation von Gesundheitsrisiken verbessert werden können. Neben ihren Forschungstätigkeiten ist Eva begeisterte Wissenschaftsbloggerin. Alle zwei Wochen veröffentlicht sie einen neuen (englischen) Artikel auf “Psychology Today”, in dem sie psychologische Themen mit direktem Bezug zu ihrer eigenen Forschung diskutiert. Im September 2019 wird Eva eine Stelle als Juniorprofessorin in Psychologie an der University of Leicester antreten. Sie freut sich schon sehr auf die neuen Herausforderungen!

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Sehr unerwartet! Nach einigen spannenden Auslandspraktika, landete ich zuerst in einem frustrierenden Bürojob mit schwierigen Kollegen. Damals fehlten mir kreative und intellektuelle Herausforderungen und so kam es mir sehr gelegen, als ein ehemaliger Studienmentor wieder in Kontakt trat. Wir tauschten uns zu meiner Bachelorarbeit in Psychologie aus, und begannen die Ergebnisse für eine wissenschaftliche Veröffentlichung vorzubereiten. Das bedeutete eine Menge zusätzlicher Arbeit für mich, allerdings machten mir die wissenschaftlichen Überstunden nicht das Geringste aus! Als mir das bewusst wurde, kündigte ich nur wenige Wochen später meine gut bezahlte Vollzeitstelle und begann stattdessen eine (vorerst unvergütete) Promotion!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Soll ich das blaue Hemd kaufen oder das grüne? Wo mache ich Urlaub diesen Sommer und wen nehme ich mit? Wäre es eine gute Idee zu heiraten? Und wann ist die beste Zeit fürs Kinderkriegen?

Unsere Welt steckt voller Entscheidungen und obwohl einige vergleichsweise belanglos erscheinen, haben viele das Potenzial, unser Leben für immer auf den Kopf zu stellen. Ich kann mir deshalb kaum ein spannenderes Thema vorstellen als die Erfoschung menschlicher Entscheidungen! Aktuell interessiere ich mich besonders für die Urteilskraft von Ärzten die oftmals über Leben und Tod entscheidet. Meine Forschung trägt dazu bei, systematische Denkfehler zu vermeiden (denn Ärzte sind auch nur Menschen!), medizinische Entscheidungen zu optimieren und Krankenhausprozesse zu Gunsten des Patienten zu verbessern.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit wird niemals langweilig und bietet ständig neue Möglichkeiten zu reisen. Während der letzten paar Jahre war ich Teil eines international Forschungsteams, welches die Entscheidungen von Ärzten in Bezug auf Antibiotikaverschreibungen erforscht hat. Ich reiste zu unseren Partnerländern (Südafrika und Sri Lanka), besichtigte örtliche Krankenhäuser, und befragte Ärzte zu ihren täglichen Entscheidungsvorgängen.
 
Darüber hinaus nehme ich regelmäβig an internationalen Konferenzen teil, wo ich meine Forschungsergebnisse präsentiere und mich mit anderen Wissenschaftlern austausche. Erst kürzlich war ich bei einer Tagung in Arizona (USA) und habe meine Freizeit dazu genutzt, das berühmte Grand Canyon zu besuchen (siehe Foto!).

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die Forschung zur Verbesserung von Entscheidungen ist immer aktuell! Im Zeitalter fragwürdiger politischer Entscheidungen (Brexit...!) , gilt es jedoch mehr denn je, menschliches Urteilsvermögen zu verstehen und zu verbessern. Meine derzeitige Arbeit zur Nutzung von Antibiotika ist besonders relevant vor dem Hintergrund fortschreitender Antibiotika-Resistenz. Aufgrund dessen bin ich stets bemüht, meine Forschung an die Ӧffentlichkeit zu bringen. Ein tolles Medium hierfür ist das wissenschaftliche Online-Magazin „The Conversation“, wo ich bereits mehrere Artikel veröffentlicht habe (siehe z.B. https://theconversation.com/why-is-it-nice-to-be-nice-solving-darwins-puzzle-of-kindness-85055).

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Seit einem Jahr unterhalte ich einen regelmäβigen Wissenschaftsblog zum Thema Entscheidungsfindung. Mein Job als Bloggerin für das Psychologiemagazin „Psychology Today“ macht es mir möglich, über den „wissenschaftlichen Tellerrand“ zu schauen und mich mit Menschen verschiedener Hintergründe über meine Forschung auszutauschen. Meine Blogs haben bereits zu mehreren Radioauftritten und Zeitschrifteninterviews geführt, und diese Ӧffentlichsarbeit macht mir groβen Spaβ!

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin leidenschaftlicher Yoga-Fan und beginne jeden Tag mit einer halbstündigen Vinyasa-Sequenz. Die ganzheitliche Praxis, die sowohl Atemtechniken als auch anspruchsvolles Krafttraining beinhaltet, stellt für mich ein wichtiges Ventil dar. Klar macht es mir Spaβ, mit komplizierten „Brezel-Posen“ meine Gelengigkeit zu testen. Allerdings bedeutet Yoga sehr viel mehr für mich. Während meiner Übungen kann ich den Alltagsstress hinter mir lassen und meine Gedanken klären. Angesichts des anspruchsvollen Arbeitsalltags als Wissenschaftlerin habe ich das auch immer nötig! 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meinen idealen freien Tag verbringe ich im Urlaub mit meinem Mann. Wir brauchen immer Programm und sind deshalb selbst während der Ferien aktiv. Vor einiger Zeit haben wir z. B. die Galapagos-Inseln bereist, wo wir schnorchelnd, schwimmend und zu Fuβ die unglaubliche Artenvielfalt erkundet haben. Neben den Flamingos haben mir besonders die Riesenschildkröten gefallen!

Bitte begrüßt Eva ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 14, 2019

Die Weltraumreporterin - Felicitas Mokler ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Felicitas Mokler (@planetenstaub) vorstellen! Felicitas ist promovierte Astrophysikerin. Ihre Begeisterung für Sterne schon in der Kindheit hat sie zu einem Studium der Physik und Astrophysik in London, Teneriffa und München geführt. Ihre journalistische Laufbahn begann 2008 mit dem Klaus-Tschira-Preis für die allgemeinverständliche Darstellung ihres Promotionsthemas, der Planetenentstehung aus Staub. 2012 wurde Felicitas Mokler Redakteurin beim Magazin “Sterne und Weltraum”, seit 2014 arbeitet sie als freie Wissenschaftsjournalistin für Medien wie Spektrum der Wissenschaft, Neue Zürcher Zeitung und FAZ. Außerdem hält sie Vorträge zu astronomischen Themen, bietet Sternführungen an und ist im hohen Norden den Polarlichtern auf der Spur.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte schon als Kind erst Astronautin und dann Astrophysikprofessorin werden. So habe ich Physik studiert und auf einem Gebiet der Astrophysik, der Planetenentstehung, promoviert. Besonders interessiert hat mich dabei, was sich ändert, wenn die kleinen Staubteilchen, aus denen Planeten zunächst langsam anfangen zu wachsen, aufgeladen sind. Ladung lässt die Staubklumpen übrigens deutlich schneller wachsen und kann die Planetenentstehung vorantreiben!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach einiger Zeit in der Forschung bin ich dann zunächst in die Wissenschaftskommunikation als Pressesprecherin eines Max-Planck-Instituts und dann in den Wissenschaftsjournalismus gewechselt. Mit diesem Beruf bin ich nach wie vor sehr nah an der aktuellen Forschung dran. Was ich noch spannender daran finde, auch wenn ich nicht mehr selbst aktiv forsche: Ich kann mich mit sehr unterschiedlichen Themen beschäftigen und trotzdem tief in die Materie eintauchen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist recht vielseitig: Anhand von Fachpublikationen oder auf Konferenzen mache ich mich auf die Suche nach spannenden Themen, von denen ich denke, dass sie auch für die Allgemeinheit relevant sind. Dann recherchiere ich dazu weiter und interviewe Wissenschaftler auf dem Fachgebiet. Manchmal besuche ich die Forscher auch an ihrer Wirkungsstätte, wie zum Beispiel vor einiger Zeit die Astronomen auf dem Wendelstein-Observatorium in den bayerischen Alpen. Und dann geht es ans Artikel Schreiben. Entweder für eine größere Tageszeitung, eine Publikumszeitschrift oder unser neues Online-Magazin Die Weltraumreporter (auf Twitter: @riffkosmos). A propos Weltraumreporter: In dieses noch junge Projekt fließt im Moment auch ein großer Teil meiner Arbeitszeit. In der Aufbauphase gibt es hier viel zu organisieren und zu koordinieren, einen Businessplan auszuarbeiten und über Marketing nachzudenken.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Über Wissenschaft allgemein? Weil ich denke, Wissenschaft, neue Erkenntnisse aus der Forschung – das alles ist Allgemeingut. Nicht nur, weil die Arbeit der Forscher und Forscherinnen vom Steuerzahler finanziert wird, sondern auch auf ideeller Ebene. Wissenschaft gehört zu unserer Kultur.
Und zur Astronomie: Sich mit dem Universum als großem Ganzen zu beschäftigen, bedeutet auch, nach unseren Platz als Menschen im Kosmos zu fragen. Und so manches irdische Problem erscheint dann einfach bedeutungslos.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Zusätzlich gebe ich Vorträge zu journalistischen und astronomischen Themen. Und ein- bis zweimal im Jahr begleite ich Schiffsreisen in Norwegen und erzähle den Gästen etwas über Entstehung von Polarlichtern und erkläre ihnen den Sternenhimmel.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Musik: Ich spiele Querflöte, früher in einem Orchester und heute Kammermusik.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Jetzt im Sommer: Schwimmen gehen!

Bitte begrüßt Felicitas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 7, 2019

Nachtruhe - Christine Blume ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Christine Blume (@christine_blume) vorstellen zu dürfen! Christine ist Schlafforscherin am Zentrum für Chronobiologie in Basel. Sie hat Psychologie in Würzburg und Cambridge (UK) studiert und an der Uni Salzburg im Labor für Schlaf- und Bewusstseinsforschung promoviert. In Basel erforscht sie die Effekte von künstlichem Licht auf den Schlaf.

Foto: Michael Brauer
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich wollte eigentlich nie Wissenschaft machen bis ich ein super spannendes Seminar zu Brain-Computer Interfaces im 6. Semester belegt habe. Da dachte ich das erste Mal, das könnte was für mich sein. Durch ein Forschungspraktikum an der Uni Cambridge habe ich dann das erste Mal richtige "Forschungsluft" schnuppern dürfen. Während der Diplomarbeit habe ich dann gemerkt, dass das total mein Ding ist. Um meine Traumstelle zu bekommen, musste ich mich dann um ein Promotionsstipendium bewerben, zum Glück hat das letztlich geklappt :). Insgesamt waren eine Menge Zufälle involviert.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin über die Bewusstseinsforschung bei Patienten mit schweren Bewusstseinsstörungen nach Hirnschädigungen zum Thema Schlaf gelangt. Klingt erst einmal nicht nach einer so offensichtlichen Verbindung, doch auch den Schlaf kann man ja als einen Zustand veränderten Bewusstseins beschreiben.  Zudem hat das Labor, in dem ich an der Uni Salzburg promoviert habe, neben der klinischen Forschung einen zweiten Schwerpunkt: die Schlafforschung. Da war es fast unvermeidlich, dass ich irgendwann mit dem Thema in Kontakt komme ;). Das Tolle am Thema  Schlaf ist, dass es sehr leicht ist, Grundlagenforschung und Anwendung zu verbinden und die Anwendungsperspektive ist mir bei meiner Forschung sehr wichtig. Jede/r kann etwas dazu sagen und beitragen und es ist ein hoch relevantes Thema. Darüber hinaus habe ich viele tolle Kollegen, die auch ein ganz wichtiger Faktor für meine Motivation sind.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist total vielfältig und das genieße ich ganz besonders. Gerade arbeite ich sehr viel praktisch im Labor, leider auch recht oft am Abend und in der Nacht, da meine Probanden natürlich bei uns im Labor schlafen und während der Messungen betreut werden müssen. Das bedeutet dann Elektroden kleben, Probanden motivieren, Speichelproben nehmen, etc. Derzeit erhebe ich Daten für meine vom österreichischen Wissenschaftsfonds geförderte Studie, in der ich die Wirkung von künstlichem Licht am Abend auf den Schlaf untersuche. Neben der Schlafqualität allgemein, von der man weiß, dass künstliches Licht einen negativen Einfluss hat, interessiere ich mich in dieser Studie vor allem dafür, wie möglicherweise die Interaktion zwischen Gehirn und Umwelt durch das Licht verändert wird. Dazu messe ich die Hirnströme meiner Probanden während sie schlafen und bestimmte akustische Reize abgespielt werden.
Wenn ich nicht im Labor bin, muss ich natürlich meine Studie koordinieren, Probanden planen, etc. Außerdem engagiere ich mich sehr gerne auch in der Lehre, das gemeinsame Arbeiten mit den Studierenden macht mir viel Spaß. Immer wieder sind wir natürlich auch z.B. bei Konferenzen und treffen Kollegen zum Austausch oder arbeiten an konkreten gemeinsamen Projekten, das ist natürlich auch schön. Außerdem gibt es auch gerade beim Thema Schlaf immer wieder spannende Projekte im Bereich der Wissenschaftskommunikation. Und letztlich müssen wir natürlich auch unsere Daten, die wir erheben auswerten und publizieren, das schließt auch recht viel Programmierarbeit mit ein sowie das Verfassen von Manuskripten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Schlaf ist ein super wichtiges Thema für jeden von uns - nicht nur für die 20% der Bevölkerung, die über eine schlechte bis sehr schlechte Schlafqualität klagen. Für uns als Schlafforscher sind viele Verhaltensregeln oder Empfehlungen für einen guten Schlaf völlig intuitiv, doch vielen Menschen fehlt ein gesundes Gespür für ihren Schlaf und was ihnen beim Schlafen hilft oder eben auch nicht. Ich interessiere mich besonders für die Effekte von künstlichem Licht auf den Schlaf. Künstliches Licht und insbesondere moderne LED Bildschirme, denen besonders negative Effekte auf den Schlaf nachgesagt werden, sind in der Menschheitsgeschichte sehr junge Entwicklungen. Dass z.B. der Gebrauch von Handy oder Laptop am Abend den Schlaf beeinflusst ist kaum verwunderlich, doch wie und warum sie das genau tun, darüber wissen wir noch nicht so viel.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich engagiere mich ehrenamtlich bei der Debating Society Germany e.V., einem Verein, der Wettbewerbe im englischen Debattieren an Schulen veranstaltet und Schulen, die dies anbieten wollen, bei der Umsetzung unterstützt. Während meiner Schulzeit war ich selbst aktive Debattiererin und das hat mir einfach so viel gegeben, dass ich nun etwas zurückgeben möchte. Außerdem bin ich Mentorin für eine Doktorandin an der Uni Salzburg, was mir viel Spaß macht.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Ich rudere sehr gerne, wandere im Sommer gerne und im Winter mache ich Langlauf - draußen und an der frischen Luft zu sein und mich zu bewegen sorgt bei mir für den richtigen Ausgleich zur sonst eher kopflastigen Arbeit. Außerdem spiele ich im Uniorchester Cello. Und an den Wochenenden backe ich super gerne Kuchen, das entspannt mich irgendwie total ;)

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)? 
An einem idealen Tag gehe ich im Sommer am frühen Vormittag mit meinem Ruderpartner für 10km aufs Wasser und genieße den Blick auf die Berge. Nach einer kurzen Abkühlung im Fluss und einem zweiten Frühstück mache ich mich dann zu Fuß auf einen Berg, um dort eine gute Freundin , die mit dem Rad kommt, auf einer kleinen Almhütte zu treffen. Und dann genieße ich am liebsten noch den Sonnenuntergang an einem schönen Ort mit einem weißen Spritzer...

Bitte begrüßt Christine ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 30, 2019

Wissen auf YouTube und Virtual Reality im Museum - Andrea Geipel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Andrea Geipel (@AndreaGeipel) vorstellen! Andrea ist Sportwissenschaftlerin und promoviert derzeit am MCTS der Technischen Universität München zum Themenfeld Wissenschaftskommunikation auf YouTube. In ihrem Studium hat sie sich schwerpunktmäßig mit sportwissenschaftlichen Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Neuropsychologie und Lernforschung beschäftigt. Seit Januar 2018 ist sie Projektkoordinatorin am Deutschen Museum und beschäftigt sich mit dem Einsatz von Virtual Reality sowie weiteren 3D-Technologien in der musealen Vermittlung.
Neben ihrer Forschungsarbeit ist sie auch in der Lehre tätig. Derzeit gibt sie Workshops zu den Themen Projektmanagement und Netzwerken am Karlsruher Institut für Technologie sowie für Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien an der Technischen Universität München.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich wollte ich da gar nicht unbedingt hin. Ich habe mich damals für das Sportstudium entschieden, weil ich mehr über den Einfluss von Bewegung auf den Körper erfahren wollte - und weil es mir so viel Spaß gemacht hat Muskeln, Knochen und Gehirne zu zeichnen. Während dem Studium habe ich viel ausprobiert, ich hatte Kurse in Politikwissenschaft, Geschichte und Germanistik. Auch im Sportstudium selbst habe ich viel ausprobiert, habe in der Sportpsychologie, in der Bewegungswissenschaft und in der Trainingswissenschaft als studentsiche Hilfskraft gearbeitet. In der Sportpsychologie und in der Arbeit mit dem Elektroenzephalogram hatte ich am meisten Gefallen gefunden und wollte dann noch etwas mehr darüber lernen. Als ich dann aber eine Promotion zum Einfluss kurzzeitiger Belastungen auf neuroelektrische Marker von Daueraufmerksamkeit begonnen hatte, wurde mir plötzlich bewusst, dass mich gerade die Vielfalt in Kombination mit der Lehre und dem Präsentieren von neuen Inhalten so gereizt hat. Es hat dann noch etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass es mich ins Museum zieht, dass ich wissenschaftliche Inhalte vermitteln möchte. Erst dann habe ich mich für die Promotion im Fach Science and Technology Studies entschieden. Jetzt arbeite ich in der Forschungsabteilung am Deutschen Museum und damit sehr praxisnah und für mich genau das Richtige.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Nach meinem Studium habe ich mich erst mal hingesetzt und überlegt, was mir Spaß macht, was ich schon als Kind gerne gemacht habe und so weiter. Also ganz strategisch. Und da ist mir aufgefallen wie gerne ich Museen mag - die Atmosphäre, die Schautafeln, die Exponate - und wie viel es mir macht zu unterrichten. Danach war es irgendwie ganz einfach. Ich habe mir eine Professorin gesucht, die mir zutraut auch ohne tiefergehendes sozialwissenschaftliches Vorwissen eine Promotion zum Thema Wissenschaftskommunikation zu machen. Und ich bin mit der Wahl immer noch sehr zufrieden. Es macht mir Spaß, jetzt sehr praktisch und gleichzeitig forschend tätig zu sein. Ich vermittle gerne Wissen und mache mir Gedanken darüber, wie man Methoden der digitalen Vermittlung in unterschiedliche Lernkontexte integrieren kann. Am meisten gefällt mir aber, dass ich so viel Einblick in so unterschiedliche Themengebiete und Forschungskontexte bekomme in meinem Feld. Die Science and Technology Studies behandeln alle möglichen Themen an der Schnittstelle Technik, Wissenschaft und Gesellschaft und auch im Museum habe ich es mit Kunsthistoriker*innen, Ingenieur*innen und Naturwissenschaftler*innen zu tun. Es macht mir Spaß jeden Tag etwas Neues zu lernen.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Seit 1,5 Jahren bin ich als Projektkoordinatorin am Deutschen Museum tätig. Ich arbeite im Team Deutsches Museum Digital (https://digital.deutsches-museum.de / @dmdmuc) in der Forschungsabteilung. Das Projekt, das ich betreue, ist ein Teilprojekt von museum4punkt0 (www.museum4punkt0.de / @museum4punkt0). Darin untersuchen insgesamt 6 Museen wie man digitale Technologien in den musealen Alltag integrieren kann. In unserem Teilprojekt am Deutschen Museum geht es z.B. darum, wie man 3D-Technologien im Museum sinnvoll einsetzen kann. Dazu gehören Fragen zum Einsatz von Virtual Reality oder Augmented Reality (in all ihren Facetten) in Ausstellungsräumen genauso wie das Testen von 3D-Scan-Verfahren zur Digitalisierung der Sammlungen - zur Nachnutzung in der Forschung oder zur Verwendung in der Vermittlung. Um die ganzen Fragen rund um das Thema 3D-Technologien im Museum nachhaltig zu erfassen, testen wir verschiedene Szenarien, erstellen Angebote für die Besucher*innen (z.B. unser VRlab im Deutschen Museum), evaluieren und dokumentieren vor allem. Ziel des Verbundprojekts ist es unsere Erfahrungen anderen Museen nachnutzbar zur Verfügung zu stellen - in Form von Handlungsempfehlungen, Prototypen, Source Code und Evaluierungsmethoden. Meine Aufgabe als Projektkoordinatorin umfassen quasi alles was so anfällt - ich bin zuständig für die Finanzplanung, das Projektmanagement, die Umsetzung der Teilprojekte, den Betrieb und die Evaluation des VRlabs im Deutschen Museum sowie die Dokumentation. Das ist manchmal anstrengend, aber auch sehr spannend, weil ich in ganz viele Bereiche Einblicke bekomme (z.B. Mittelabrufe beim Projektträger oder die Kommunikation mit den Werkstätten im Haus).

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Für meine Promotion sollte sich die Öffentlichkeit interessieren, weil ich versuche herauszufinden, welchen Einfluss digitale bzw. soziale Plattformen auf unsere Kommunikation von Wissen bzw. Wissenschaft haben. Also eben welchen Einfluss YouTube und die Regeln dort (z.B. Vorschlagsalgorithmen) sich darauf auswirken, wie Wissen(schafts)-Videos produziert werden, wie über Wissen(schaft) gesprochen und wie Wissen(schaft) rezipiert wird. Gerade am aktuellen Fall des Videos von Rezo vor der Europawahl konnte man ganz deutlich sehen, wie interessant das Thema der Rezeption von Videoinhalten in sozialen Medien ist. Verändert sich hier die Zuschreibung von Expertise und verschiebt sich möglicherweise die Bedeutung von den präsentierten Inhalten zu der Frage wie diese präsentiert werden? Das sind Fragen, die mich interessieren und die auch für die Gesellschaft spannend sind.
Aber auch die Frage der Integration von 3D-Technologien in Museen ist eine interessante für die Öffentlichkeit. Gerade in Museen stellt sich die Frage des Bewahrens des gesammelten Wissens, der Objekte, der Dokumente, der Bücher. Wie geht man das auf Dauer digital an, wie muss Digitalisierung in Kultureinrichtungen integriert werden, damit dies gelingen kann, wie können Schnittstellen geschaffen werden, um das digitale Wissen über Institutsgrenzen hinweg für die Gesellschaft und die Forschung zugänglich zu machen? Gerade im Hinblick auf den Brand in Notre Dame oder auch im brasilianischen Nationalmuseum zeigen, wie wichtig es ist sich über die nachhaltige Bewahrung kulturellen Wissens Gedanken zu machen.  

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Neben der Arbeit im Museum und der Promotion bin ich auch weiterhin in der Lehre aktiv, weil mir schon immer die Vermittlung und der Austausch mit Studierenden Spaß gemacht hat. Am Karlsruher Institut für Technologie unterrichte ich Projektmanagement und Netzwerken im beruflichen Umfeld. Außerdem halte ich seit kurzem auch Workshops für Promovierende zum Thema Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien. Generell bin ich im Bereich Wissenschaftskommunikation auch über meine Promotion hinaus aktiv - mit zwei Freundinnen planen wir derzeit die Wissenschaftskommunikations-Szene in München noch besser zu vernetzen, evtl. auch Workshops zu organisieren.
Außerdem interessiere ich mich seit meiner Schulzeit für Wale und Delfine - und in diesem Rahmen für Meeresbiologie. Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal als Citizen Scientist auf einem Forschungsboot in Italien und habe selbst für eine Woche Daten über Wale und Delfine erhoben. Gerne würde ich mich hier noch mehr mit meiner eigenen Expertise einbringen oder über das Thema Citizen Science bzw. Science Tourism forschen - aber dazu fehlt dann doch die Zeit.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ähnlich wie im Beruf habe ich auch privat eigentlich viel zu viele Hobbies, um sie in meiner freien Zeit unterzubringen. Ich spiele Volleyball und singe in zwei Chören. Ich lese sehr viel und gerne (meist auf den langen S-Bahn-Fahrten in die Arbeit). Außerdem male und zeichne ich sehr gerne Dinge aus der Neuroanatomie, der Meeresbiologie oder einfach der Natur.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich kann ausschlafen und dann ganz in Ruhe in den Tag starten, in dem ich lese oder Yoga mache. Danach gibt es ein gutes Frühstück bevor es raus geht zum Fotografieren, spazieren, malen oder um ein Museum zu besuchen. Nachmittags ein Kaffee in der Stadt, ein kurzer Einkaufsbummel durch diverse Buchläden und abends gut kochen.

Bitte begrüßt Andrea ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 23, 2019

Monkey see, monkey do - Daniela Buchwald ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Daniela Buchwald (@LittlePrimate) vorstellen zu dürfen! Daniela ist Bioinformatikerin und erforscht Tastsinn und Griffplanung bei nicht-menschlichen Primaten. Sie hat an der Universität Göttingen Biologie und Angewandte Informatik studiert und arbeitet seit 2015 am Deutschen Primatenzentrum an ihrer Doktorarbeit zum Thema "Visual and tactile signal processing for high-order object recognition". Nebenbei betreut sie den Twitter-Account der Göttinger Initiative "Women's Careers and Networks" (@WoCaNet).
Hier ist Daniela in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Als Kind habe ich mich schon immer für Tiere und Pflanzen interessiert. Mein Bruder und ich waren eigentlich dauernd im Wald, haben Ameisen oder andere Tiere beobachtet, Eicheln für Eichhörnchen gesammelt und so weiter. Eine Weile wollte ich unbedingt Tierarzt werden, später gefiel mir der Gedanke den ganzen Tag mit kranken Tieren zu arbeiten nicht mehr.

In der Schule waren meine Lieblingsfächer Biologie und Informatik. Nach dem Abitur wusste ich, dass ich gerne studieren möchte, habe aber eine Weile gebraucht, bis ich mit zwischen Biologie und Informatik entschieden hatte. Das Gebiet der Bioinformatik, auf das ich mich zuerst spezialisiert habe, kannte ich damals noch gar nicht, das habe ich erst während des Studiums kennen gelernt.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Während des Bachelorstudiums habe ich mich zuerst auf Bioinformatik spezialisiert, weil ich Evolution total interessant fand und gerne programmiere. Das erste Mal von der Bioinformatik abgewichen bin ich während meiner Masterarbeit, wo es um automatische Objekterkennung auf Bildern ging. Am Deutschen Primatenzentrum bekam ich dann die Möglichkeit, Objekterkennung im Gehirn von Primaten zu untersuchen. Ich habe damals zuerst gezögert, weil ich eigentlich keine Tierversuche machen wollte. Mein Chef und ich hatten uns damals darauf geeinigt, dass ich erstmal zur Probe arbeiten kann, um mir alles genau anzusehen, bevor ich entscheide, ob ich selber mit den Tieren arbeiten möchte, nur mit vorhandenen Daten arbeiten möchte oder mich lieber woanders umschaue. Ich durfte die ersten Wochen einen anderen Doktoranden begleiten und habe dabei auch gemerkt, dass man bei dieser Art der Versuche total auf das Vertrauen der Tiere angewiesen ist. Wenn die Affen dir nicht vertrauen, machen sie nicht mit.

Inzwischen trainiere ich selbst zwei Rhesusaffen, Homer und Ralph. Mit den beiden zu arbeiten macht mir sehr viel Spaß und motiviert mich. Nach über 3 Jahren der Zusammenarbeit kenne ich den Charakter der beiden, Vorlieben und so weiter. Beide haben ihren eigenen Charakter, auf den ich während des Trainings natürlich auch eingehen muss. Dabei baut man natürlich automatisch auch gegenseitiges Vertrauen und eine Bindung auf.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Doktorarbeit untersuche ich den Einfluss von verschiedenen Sinnen auf die Planung von Bewegungen. Speziell vergleiche ich dabei, was im Gehirn passiert, wenn ein Objekt gegriffen wird, das nur gesehen wurde und was passiert, wenn das Objekt vorher nur erfühlt wurde und ob es dabei Unterschiede gibt.

Da wir wissen möchten, was direkt im Gehirn passiert, sind wir dabei auf Tierversuche angewiesen. Diese Art der Messungen sind beim Menschen nicht so einfach möglich. Und da wir Greifbewegungen untersuchen, können wir auch nicht zum Beispiel auf Zellkulturen oder Multi-Organ-Chips zurückgreifen, weil die ja keine Greifbewegungen durchführen können. Affen nutzen wir daher, weil sie ihre Hände ähnlich wie wir nutzen können und ihre Hände ähnlich zu unseren sind, Mäuse haben zum Beispiel keinen beweglichen Daumen und sind daher weniger für unsere Fragestellungen geeignet.

Für mein Projekt habe ich die beiden Affen mit denen ich arbeite so trainiert, dass sie im Dunkeln verschiedene Objekte greifen, die vor ihnen platziert werden. Manchmal geht kurz das Licht an, sie sehen das Objekt und müssen es dann greifen. In den restlichen Durchgängen bleibt das Licht aus und statt dessen bekommen sie ein Signal, dass das Objekt jetzt befühlt werden soll und danach gegriffen. Für das richtige Greifen gibt es dann den bevorzugten Saft als Belohnung.

Während des Greifens machen wir dann Aufnahmen der Gehirnaktivität und können so vergleichen, ob gesehene und erfühlte Objekte bei der Greifplanung dieselben Aktivitätsmuster hervorrufen oder ob es dabei Unterschiede gibt.

Eigentlich hatten wir nicht erwartet, da große Unterschiede zu finden, da die Bewegung, die am Ende ausgeführt wird, die gleiche ist, es wird also das gleiche Objekt auf die gleiche Art gegriffen, der Unterschied ist nur, mit welchem Sinn das Objekt vorher erforscht wurde, also durch das Sehen oder Erfühlen. Tatsächlich sieht man aber, dass die Aktivität während der Planung des Griffes nicht exakt gleich ist. Erst, wenn die Bewegung dann tatsächlich ausgeführt wird, ist die Aktivität gleich.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Luke Skywalker! Gruppen weltweit versuchen derzeit zu verstehen, was genau das Gehirn macht, um bestimmte Bewegungen auszuführen. Dieses Wissen kann genutzt werden, um Prothesen zu steuern und damit entweder Gliedmaßen zu ersetzen, die Patienten zum Beispiel durch einen Laserschwertkampf verloren haben, oder um querschnittsgelähmten Menschen mehr Autonomie zu geben, indem man ihnen Roboterarme und -hände zur Verfügung stellt, die sie dann nur mit ihrem Gehirn steuern können, um so ohne, oder zumindest mit weniger, Hilfe durch den Alltag zu bekommen.

Mein Projekt ist Teil dieser Vision. Ich untersuche, wie Greifbewegungen entstehen, wo genau die Information herkommt, die das Gehirn für die Planung benutzt, und wie die Herkunft (also zum Beispiel welcher Sinn genutzt wurde) diese Planung beeinflusst. Wenn wir einmal wirklich verstehen, wie das Gehirn das macht, können wir in einem zweiten Schritt die Informationen, die wir im Gehirn abgreifen, nutzen um quasi nur mit Gedanken einen Roboterarm oder eine Hand zu steuern.

Und Luke kann seine Hand ja nicht nur bewegen, sondern auch fühlen. Daher ist es auch wichtig den Tastsinn mit einzubeziehen und herauszufinden, was genau das Berühren von bestimmten Dingen im Gehirn auslöst und was genau das Gehirn dann mit diesen Informationen macht. Mit diesem Wissen kann man dann Prothesen einen künstlichen Tastsinn geben, der sie nochmal sehr viel nützlicher machen wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im März diesen Jahres habe ich geholfen das Women's Careers and Networks Symposium (WoCaNet) mit zu organisieren und ich betreue bis heute deren Twitteraccount. WoCaNet fand zum ersten Mal 2010 statt und richtet sich vorrangig an weibliche Wissenschaftler. Es werden, zumeist weibliche, Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen und aus der Industrie eingeladen und erzählen von ihrem Werdegang. Ziel ist es eine Plattform zu bieten, wo eben weibliche Wissenschaftler sich mit anderen über Karrieremöglichkeiten austauschen können.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit schwimme und photographiere ich gerne. Früher habe ich das auch im Verein gemacht, zur Zeit aber nur noch mit Freunden in meiner Freizeit. Zudem sammle ich Warhammer 40.000 Figuren. Damit habe ich, ich glaube, 2011 angefangen. Dabei kauft man Bausätze, die man selbst zusammenbauen und positionieren kann, dann malt man sie an und kann sie für ein Strategiespiel nutzen. Mir macht dabei vor allem das Sammeln und Basteln Spaß.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Er beginnt definitiv mit lange schlafen und geht dann ruhig weiter. Entweder ich lese ein Buch oder spiele Videospiele, dann kümmer ich mich um meine Pflanzen auf dem Balkon. Abends dann ein gutes Brettspiel mit meinem Freund.

Bitte begrüßt Daniela ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 16, 2019

Medizin aus dem Bakteriengenom - Nadine Ziemert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nadine Ziemert (@nadineziemert) vorstellen! Nadine promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und war anschließend Postdoc- und Projektwissenschaftlerin am Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien. Seit 2015 ist sie Professorin an der Universität Tübingen und leitet dort eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die sich mit Genom-Mining-Ansätzen und der Evolution von Sekundärmetaboliten in Bakterien und ihren vielfältigen Funktionen befasst.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Naturstoffbiologie ist ein sehr diverses und interdisziplinäres Feld, es ist sehr wichtig in der angewandten Forschung, zum Beispiel in der Medikamentenentwicklung, aber es gibt auch viele unbeantwortete Fragen für die Grundlagenforschung.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die Naturstoffforschung beschäftigt sich mit chemischen Molekülen und deren Funktionen, die von lebenden Organismen produziert werden. In meinem Fall interessieren wir uns für die chemische Diversität in Bakterien. Bakterielle Naturstoffe sind vor allem wichtig, da sie die Grundlage für viele neue Antibiotika bilden, die dringend gebraucht werden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie schon erwähnt werden Naturstoffe oft als Medikamente verwendet, wie zum Beispiel als Chemotherapeutika in der Krebsmedizin, als Schmerzmittel oder als Antibiotika. Penicillin, Aspirin, und Morphium sind die wahrscheinlich bekanntesten Beispiele. Bakterielle Naturstoffe sind vor allem in der Antibiotikaforschung wichtig. Aufgrund der steigenden Resistenzen von Keimen gegenüber den allgemein genutzten Antibiotika werden dringend neue Antibiotika gebraucht.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Interessant, nicht wirklich. Ich bin Mitglied in verschiedenen Ausschüssen an der Uni, aber das ist seltener interessant. Ich setze mich ansonsten noch für Frauen in der Forschung ein, und versuche unsere Gemeinschaft etwas mehr auf die Problematik und Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zur Zeit nicht viele, da ich eine kleine zwei jährige Tochter habe, bis vor zwei Jahren war ich noch Yoga-Lehrerin.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen :-), schwimmen gehen, ein gutes Essen, und mit Freunden treffen.


Bitte begrüßt Nadine ganz herzlich bei Real Scientists DE!