Sunday, June 16, 2019

Medizin aus dem Bakteriengenom - Nadine Ziemert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Nadine Ziemert (@nadineziemert) vorstellen! Nadine promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und war anschließend Postdoc- und Projektwissenschaftlerin am Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien. Seit 2015 ist sie Professorin an der Universität Tübingen und leitet dort eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die sich mit Genom-Mining-Ansätzen und der Evolution von Sekundärmetaboliten in Bakterien und ihren vielfältigen Funktionen befasst.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Die Naturstoffbiologie ist ein sehr diverses und interdisziplinäres Feld, es ist sehr wichtig in der angewandten Forschung, zum Beispiel in der Medikamentenentwicklung, aber es gibt auch viele unbeantwortete Fragen für die Grundlagenforschung.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Die Naturstoffforschung beschäftigt sich mit chemischen Molekülen und deren Funktionen, die von lebenden Organismen produziert werden. In meinem Fall interessieren wir uns für die chemische Diversität in Bakterien. Bakterielle Naturstoffe sind vor allem wichtig, da sie die Grundlage für viele neue Antibiotika bilden, die dringend gebraucht werden.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie schon erwähnt werden Naturstoffe oft als Medikamente verwendet, wie zum Beispiel als Chemotherapeutika in der Krebsmedizin, als Schmerzmittel oder als Antibiotika. Penicillin, Aspirin, und Morphium sind die wahrscheinlich bekanntesten Beispiele. Bakterielle Naturstoffe sind vor allem in der Antibiotikaforschung wichtig. Aufgrund der steigenden Resistenzen von Keimen gegenüber den allgemein genutzten Antibiotika werden dringend neue Antibiotika gebraucht.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Interessant, nicht wirklich. Ich bin Mitglied in verschiedenen Ausschüssen an der Uni, aber das ist seltener interessant. Ich setze mich ansonsten noch für Frauen in der Forschung ein, und versuche unsere Gemeinschaft etwas mehr auf die Problematik und Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Zur Zeit nicht viele, da ich eine kleine zwei jährige Tochter habe, bis vor zwei Jahren war ich noch Yoga-Lehrerin.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ausschlafen :-), schwimmen gehen, ein gutes Essen, und mit Freunden treffen.


Bitte begrüßt Nadine ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Friday, June 7, 2019

Komparatistik - Solvejg Nitzke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Solvejg Nitzke (@NitzkeSolvejg) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Dr. Solvejg Nitzke studierte Germanistik und Komparatistik (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft) in Bochum, Växjö (Schweden) und Charlottesville (USA). Sie ist seit Nov 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Open Topic Postdoc Position) an der TU Dresden. Zuvor war sie Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Zeit des Klimas“ an der Universität Wien. 2015 promovierte sie mit einer Arbeit über die Produktion von Wissen und Katastrophe an der Ruhr-Universität Bochum. Ihr aktuelles Forschungsprojekt „Prekäre Natur. Schauplätze ökologischen Erzählens“ untersucht die Reflexion und Produktion von Umwelt in populären Diskursen zwischen 1840 und 1915.

Academia: https://dresden.academia.edu/SolvejgNitzke
Uni-Seite: https://tu-dresden.de/gsw/slk/germanistik/mwndl/die-professur/beschaeftigte/dr-solvejg-nitzke

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Manchmal habe ich das Gefühl, ich wollte da schon immer hin. Es war jedenfalls kein Zufall, aber definitiv Glück. Das Glück bestand darin, dass schon in meinem Studium an der Ruhr-Uni Bochum ein tolles Klima herrschte und ich beinahe sofort tolle Kommiliton*innen gefunden habe. Mit denen war dann ein beinahe altmodisches Leben in der Blase möglich v.a. als es dann ins heilige Hilfskraftbüro der Komparatistik (Allgemeine u. Vergleichende Literaturwissenschaft ging). Das war eine Blase, weil wir uns jeden Tag (den ganzen Tag und abends auch noch) mit ‚unseren‘ Texten beschäftigen konnten und wollten und über Literatur, Filme, Trash, Horror, Theorie, Texte schreiben, lesen, setzen…geredet haben, als gäbe es nichts Wichtigeres. Egal welche Idee wir da vorbrachten, so lange sie begründet und recherchiert war, wurde sie in Bochum (auch in der Germanistik) von den Lehrenden unterstützt. Verloren für die Außenwelt war ich dann, als ich durch den Tipp von Uwe Lindemann auf das Tunguska-Ereignis gekommen bin und beschlossen habe, meine Diss. darüber zu schreiben (sein Kommentar irgendwann: „Das machst Du jetzt im Ernst!??“, aber er unterstützt mich bis heute). Auch wenn das Landen in der Wissenschaft manchmal härter war, als ich das aus meiner Bochumer Blase erwartet hätte, zu solchen Dingen forschen zu können, wird mich noch eine Weile bei der Stange halten.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe damals angefangen Komparatistik zu studieren, weil ich dachte, das käme einem „Studium Generale“ von allen Fächern am nächsten. Das sehe ich immer noch so. Es gibt so viele Forschungsrichtungen, wie es Texte gibt und man ist nicht mal an Dinge gebunden, die es „wirklich“ gibt. Darin steckt unheimlich viel Freiheit: Anhand des Tunguska-Ereignisses und der Mythen und Verschwörungstheorien, die sich darum ranken (einfach googeln, der Wikipedia-Artikel ist super), habe ich dann angefangen, zu untersuchen, wie Wissen eigentlich zu Stande kommt und was passiert, wenn die gewohnten Wege der Wissensbildung scheitern. Die Katastrophen und Weltuntergangszenarien, die mit diesem „Rätsel“ zusammenhängen haben mich dann Stück für Stück der „prekären Natur“, meinem aktuellen Thema, näher gebracht.

Dass es sich bei meiner Arbeit oft nicht im engsten Sinne um Literaturwissenschaft und/oder Germanistik handelt hat mich nie gestört, im Gegenteil. Ich glaube nicht an Literatur als Phänomen im luftleeren Raum. Was ich viel spannender finde, ist, wie Erzählungen dazu beitragen, die (Um-)Welten zu produzieren, in denen wir leben. Was mich also im Schwellenraum zwischen Geistes- und Naturwissenschaft hält – z.B. Katastrophen, Klima, Science Fiction, Dorf, Pflanzen, Erzählte Ökologie... – ist nicht nur die Aktualität der Themen, sondern die Frage nach der Rolle des Erzählens in einem ganz breiten Sinne.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Gerade arbeite ich im Rahmen einer sogenannten „Open Topic Postdoc Postition“ daran, mein Projekt zur „Prekären Natur“ auch langfristig auf feste Füße zu stellen. Die Stelle hat also keine vorgefassten Aufgaben, sondern soll ein Sprungbrett sein, um ein eigenes Projekt zu entwickeln und (wer hätte es geahnt) Drittmittel dazu einzuwerben. Den Antrag habe ich vor kurzem eingereicht und darin geht es um die Frage, wie Ökologie zwischen 1840 und 1915 zu dem einflussreichen Denk- und Erzählmodell wird, dass sie heute ist. Dafür schaue ich mir Dorfgeschichten, kulturkritische Texte und populärwissenschaftliche Abhandlungen daraufhin an, inwiefern sie bestimmte Erzähltechniken und Narrative nutzen, um (proto-)ökologisches Wissen nutzbar zu machen und zu popularisieren. In der Wartezeit bis das Projekt bewilligt wird (Optimismus!) kann ich wieder schamlos in anderen, verwandten Feldern wildern und aktuellere Texte dazu nehmen. Z.B. arbeite ich gerade viel im Rahmen der Literary and Cultural Plant Studies (https://plants.sites.arizona.edu/). Das ist v.a. deswegen toll, weil ich noch nie so viel und so produktiv in Kollaboration gearbeitet habe (manchmal wird es bei uns im Fach etwas einsam am Schreibtisch). Mein Spezialgebiet hier sind Bäume – dazu unterrichte ich gerade mit meiner Dresdner Kollegin Elisabeth Heyne ein Seminar und mit zwei Bochumer Kolleginnen (Simone Sauer-Kretschmer und Stephanie Heimgartner) arbeite ich an einem Sammelband. Ansonsten geht es um Idyllen, Heimat und Aussteiger, aber davon erzähle ich dann auf Twitter mehr.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wenn wir nicht verstehen, wie Wissen zu Stande kommt, welchen Status die Texte haben, die wir lesen und die Geschichten die wir hören und auf so unterschiedliche Weise rezipieren, laufen wir Gefahr unwillentlich und unwissentlich manipuliert zu werden. Nicht etwa, weil irgendwer verschwörerisch im Geheimen Pläne schmiedet, um uns zu kontrollieren, sondern – und das ist mir wichtig – weil wir dann außer Acht lassen, dass sich „Wirklichkeit“ nicht auf simple Gegenüberstellungen reduzieren lässt. Meine Arbeit ist eine, die Erzählungen „de-naturalisiert“, d.h. ich arbeite mit daran, Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit (z.B. in Bezug auf ‚Heimat‘) in Zweifel zu ziehen. Diese Arbeit ist deswegen für die meisten von uns interessant, weil sie das Potenzial hat (Entscheidungs-)Freiräume zu schaffen. Freiräume, die erlauben, sich zu positionieren, aber eben auch an der Wirklichkeit mitzuarbeiten und sie kreativ zu gestalten, anstatt sie nur hinzunehmen (oder eben darüber zu streiten, was sie überhaupt ist). Abgesehen davon, sitze ich einfach an ziemlich abgefahrenen Themen…

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Leider nicht so viele, wie ich gern hätte und ich kann sie kaum trennen, von dem, was ich sonst so tue. Aber es gibt ein paar: erstens habe ich eine Familie hier in Dresden. Meine kleine Tochter ist die beste Fragenstellerin überhaupt und hat mich hoffentlich gut trainiert, um von meiner Forschung zu erzählen. Ich moderiere außerdem immer mal wieder literarische Veranstaltungen im Hygiene-Museum und in der Stadtbibliothek und hab neulich zum ersten Mal als Trainerin gearbeitet. (Letzteres trägt hoffentlich dazu bei, dass ich mich mehr engagieren kann, was die Stellung von Postdocs m/w/d in den Wissenschaften angeht…)

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Hm. Ich singe und sticke und male und fahre gern Fahrrad und ich koche total gern – zählt das?

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wiese, Fluss, Buch und Schattenplatz unter einem Baum – wahlweise nehme ich auch das Meer und einen Sonnenschirm (Buch ist Pflicht). Fahrradfahren oder Rumlaufen mit dem Kind ist auch ziemlich super. Ansonsten bin ich auch immer für ausgedehnte Museumsbesuche mit Buchhandlungs- und Cafézeit zu haben…

Bitte begrüßt Solvejg ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, June 2, 2019

Krieg und Frieden - Tim Williams ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Tim Williams (@_tim_williams_). Tim ist Konfliktforscher und arbeitet als Postdoc am Zentrum für Konfliktforschung an der Uni Marburg in Lehre und Forschung. Sein Fokus liegt auf der Untersuchung von Völkermord und Täter*innen, sowie die Politik der Erinnerung nach Völkermord - an diesen verschiedenen Themen arbeitet er zusammen mit Kolleg*innen in Marburg, Lund, Stockholm, Durham, Glasgow, Bern und Phnom Penh. Vor allem basiert seine Forschung auf Feldforschung: in Kambodscha und neuerdings auch Ruanda hat er Daten in Form von Interviews, ein Survey, Beobachtungen usw. gesammelt. Von Haus aus ist er Politikwissenschafter, hat an der Uni Mannheim und London School of Economics studiert und sich an der Uni Marburg zum Thema ’The Complexity of Evil. Modelling Perpetration in Genocide’ promoviert. Wenn mal sein Laptop zu ist, findet man ihn meistens im Theater, wo er Hobby-Regisseur und -Schauspieler ist.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Eigentlich wollte ich Schauspieler werden, aber nachdem die Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen nicht so ganz liefen, wie ich mir das vorgestellt hatte, schrieb ich mich für Politikwissenschaft ein - und war begeistert. Ich hatte direkt ab dem ersten Semester so viel Spaß daran Hausarbeiten zu schreiben und Forschungsprojekte zu machen, dass mir schnell klar wurde: das will ich Vollzeit machen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Innerhalb der Politikwissenschaft hatte ich im Bachelor schon ein paar Seminare zu Konflikt, sodass ich mich für einen Master mit diesem Schwerpunkt entschied. Es sind die sozialen und politischen Prozesse, die dem Gewaltkonflikt unterliegen, die mich so sehr faszinieren und da sind am unergründesten eben die Täter*innen von Massengewalt - sie machen das Unsäglichste und das möchte ich eben verstehen!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich forsche zu Massengewalt, Völkermord und Täter*innen - sowohl zu den Dynamiken während der Gewalt und den Motivationen, sich zu beteiligen, wie auch zu der Aufarbeitung und Erinnerung danach. Meine Arbeit ist vor allem durch Feldforschung informiert, wo ich viel Zeit in Kambodscha und seit letztem Jahr auch in Ruanda verbringe, Interviews führe, Veranstaltungen beobachte, Gespräche führe, Orte mir anschaue. Diese Daten und Einsichten analysiere ich dann und versuche die Welt der Gewalt und der Erinnerung daran aus verschiedenen Blickwinkeln besser zu verstehen. Ich rede nicht nur mit den Eliten, sondern ganz bewusst auch mit den Täter*innen und Opfer, die die Gewaltdynamiken aus nächster Entfernung kennen, und versuche, ihre Perspektiven auf die Vergangenheit und das Jetzt zu verstehen und nachzugehen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Jede*r hat sich mal gefragt, warum Menschen Böses tun, warum Menschen andere quälen und töten. Manche werden sich bestimmt auch gewundert haben, wie ein Zusammenleben mit Überlebenden danach möglich sein kann. Diesen Fragen gehe ich auf unterschiedlicher Art nach und bekomme immer wieder mit, wie sehr diese Themen auch andere bewegen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe mal mit einem Freund die NGO Beyond Violence gegründet, welche Informations- und Kommunikationstechnologien nützt, um Kampagnen für gewaltlose Konflikttransformation durchzuführen - ich leite die Organisation seit ein paar Jahren nicht mehr, helfe aber noch als Berater aus. Ich bin auch Section Editor für ein Journal (Journal of Perpetrator Research) und im Vorstand der International Association of Genocide Scholars.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Meiner großen Leidenschaft gilt dem Theater - ich bin ganz froh, das nicht professionell verfolgt zu haben, so habe ich das als Hobby: am liebsten führe ich zurzeit Regie, aber stehe auch regelmäßig selber auf der Bühne. Am liebsten inszeniere ich Stücke eher modern und liebe es Element von Bewegungstheater zu integrieren.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Nach einem gemütlichen Aufstehen sollte es zum Sekt-Brunch mit Freund*innen gehen, dann gemütlich ein Brettspiele-Nachmittag auf der Terrasse und dann ab ins Theater, um eine abgefahrene, moderne Inszenierung zu schauen.

Bitte begrüßt Tim ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 26, 2019

Genom-Sequenzierung - Sarah Pohl ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Sarah Pohl (@LilithElina) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Sarah hat in Braunschweig Biologie studiert, bevor sie nach ihrem Master in den Sales & Marketing Bereich eines Start-ups wechselte, das Bioinformatik-Software vertreibt. Während sie dort diverse soziale Medien Kanäle betreute, erfuhr sie vom "CodeYear 2012" und begann, Programmieren zu lernen. Mit diesem neuen Wissen und frischem Elan kehrte sie in die Wissenschaft zurück, promovierte mit Bioinformatik und arbeitet nun als Postdoc in Hannover, wo sie auch mit ihrem Partner und einjährigem Sohn lebt.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe mich in der Schule für Biologie als Leistungskurs entschieden und es hat mich nicht genug abgeschreckt, um mich von einem Biologie-Studium abzuhalten. Erst während/nach meiner Masterarbeit habe ich realisiert, dass die Arbeit im Labor mir zwar Spaß macht, aber nicht wirklich liegt - da bin ich dann zum "Schreibtischtäter" geworden.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe aus Interesse angefangen, Programmieren zu lernen, und weil mir das gefiel, habe ich nach Stellen gesucht, bei denen ich das machen kann, ohne dass mein Studium "ganz umsonst" war. So kam ich dazu, einen Doktor in Bioinformatik (oder wie man das Feld nennen möchte) zu machen. Inzwischen bin ich Postdoc in meiner Arbeitsgruppe und teste noch so ein bisschen aus, in welche Richtung ich in Zukunft gehen möchte.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Arbeitsgruppe wird mit Bakterien - hauptsächlich Pseudomonas aeruginosa - gearbeitet. Meine Kollegen im Labor sequenzieren zum Beispiel die Genome von Stämmen aus Krankenhäusern und testen deren Resistenz gegen Antibiotika. Wir Bioinformatiker bekommen die Daten dann und schauen, ob wir in den Genomen Gründe für diese Resistenzen finden.

Generell besteht meine Arbeit zu ähnlich großen Teilen aus solch einer Auswertung von Daten und aus einem Datenbank-Projekt, das ich vor anderthalb Jahren "geerbt" habe. Die Datenbank heißt "Bactome" und beinhaltet viele der Daten, die wir im Laufe der letzten Jahre generiert haben.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Das Problem der Antibiotika-Resistenz ist ja inzwischen auch öffentlich bekannt - wir versuchen hier unter anderem, neue, verlässliche und schnelle Wege zu finden um diese zu diagnostizieren. Das hätte den Vorteil, dass man Patienten von Anfang an richtig behandeln kann.

Außerdem möchte ich ein wenig die Aufmerksamkeit auf dieses wachsende Feld der Bioinformatik/Datenanalyse lenken. Biologie muss nicht mehr nur im Labor stattfinden, viele meiner Kollegen analysieren die Daten, die sie generieren, selbst. Und: Programmieren macht Spaß!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Im Moment fehlt mir dazu leider die Zeit, aber ich habe einen tumblr Blog zum Thema Datenanalyse, auf dem ich meine Ergebnisse aus einer Coursera-Kursreihe publiziert und diskutiert habe: https://lilithelina.tumblr.com/BCCIUoverview

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Bevor es mit der Abgabe meiner Doktorarbeit akut wurde, war ich in einem Posaunenchor aktiv. Leider habe ich den Wiedereinstieg durch Umzug und Schwangerschaft nicht geschafft. Inzwischen hält mich mein einjähriger Sohn sogar vom Lesen meiner Fantasy und SciFi Bücher ab und hat sich zu meinem einzigen "Hobby" entwickelt.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ruhe und Entspannung fände ich gut, meist bin ich aber auch mit schönem Wetter und einer Radtour mit Partner und Kind zufrieden (besonders wenn es dazu noch ein Eis gibt).

Bitte begrüßt Sarah ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 19, 2019

Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor! Simon Meier-Vieracker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unseren neuen Kurator Simon Meier-Vieracker (@fussballinguist) vorstellen! Simon hat in Duisburg-Essen und Florenz Kommunikationswissenschaft und Philosophie studiert. Für die Promotion ist er Fach (Sprachwissenschaft) und Land (Schweiz) gewechselt und hat in dieser Zeit auch viel Zeit auf dem Rennrad verbracht. Anschließend ging er für eine PostDoc-Stelle nach Berlin und vertritt zur Zeit eine Professur für Angewandte Linguistik in Dresden. Weil es in Berlin keine Berge und mit den zwei Kindern auch weniger Zeit gibt, steht das Rennrad nunmehr im Keller. Immerin ist Rad- und andere Sportberichterstattung zu einem seiner bevorzugten Forschungsgegenstände avanciert.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Nachdem ich in meiner Magisterarbeit gefühlt überhaupt das erste Mal so richtig wissenschaftlich gearbeitet hatte, dacht ich mir: Das kann jetzt nicht alles gewesen sein. Also habe ich eine Promotion angefangen, nach längerem Leerlauf auch eine Assistentenstelle gefunden und dann ging es – zum Glück – immer weiter.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ursprünglich wollte ich mal Journalist werden und habe mich nach Studiengängen der Kommunikationswissenschaft umgesehen. Studiert habe ich dann in Essen, wo interpersonale Kommunikation im Fokus stand, Gesprächsanalyse und solche Sachen. Und das hat mich schon immer fasziniert und tut es jetzt noch: Die Frage, wie wir kommunizieren und was man über den Menschen und über Gesellschaften überhaupt erfährt, wenn man sich Kommunikation anschaut.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich darf gerade eine Professur für Angewandte Linguistik vertreten, deren Forschung und Lehre auf eben diesen gemeinsamen Nenner zu bringen ist: Unser Gegenstand ist Sprache in Funktion, zur Kommunikation in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, etwa der Politik, den (Sozialen) Medien oder auch der Wissenschaft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf digitalen Methoden wie auch auf digitalen Gegenständen, eben z.B. Diskursen in Sozialen Medien.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wenn man sich einmal überlegt, wie sehr die Digitalisierung, also vor allem die nunmehr verfügbaren digitalen Medien die Art, wie wir und die Gesellschaft Kommunikation organisieren, verändert haben, kann man sich eigentlich nur staunend die Augen reiben. Ich glaube, dass gerade die Linguistik hier was zu sagen hat, da die Digitalisierung riesige Mengen an Texten verfügbar macht, die es früher weder in dem Umfang noch in der Art gab. Und die Linguistik hat auch interessante Methoden zu bieten, mit diesen Texten umzugehen. Dabei sind es gerade auch unser aller ganz alltägliche Kommunikationsweisen, die in der Linguistik untersucht werden, und insofern geht es eigentlich alle an.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe zwei Kinder, die sorgen für jede Menge interessante zusätzliche Tätigkeiten.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Eigentlich singe ich in einem engagierten Laienchor, aber wegen der Vertretungsprofessur und der damit verbundenen Pendelei muss ich da gerade pausieren.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Als ich noch in der Schweiz gelebt habe und keine Kinder hatte, war ich sehr gerne in den Bergen, wandernd oder auf dem Rennrad. In Berlin gibt es keine Berge und mit Kindern hätte ich eh wenig Zeit, also eher kein Rennrad. Deshalb: Spielplatz, Garten oder an den See, zwischendurch ein Eis essen und abends  eine Pizza beim Italiener um die Ecke.

Bitte begrüßt Simon ganz herzlich bei Real Scientists DE?

Sunday, May 12, 2019

Geschichten für (wirklich) alle - Tanja Kollodzieyski ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Tanja Kollodzieyski (@rollifraeulein) als unsere neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Tanja lebt und arbeitet in Bochum. Sie glaubt fest an eine vielfältige Welt und an die Magie von Geschichten, deswegen hat sie einen Master in allgemeiner Literaturwissenschaft und Germanistik. Online arbeitet sie mit Menschen und sozialen Netzwerken. Offline hält sie Vorträge über Inklusion und intersektionalen Feminismus. Als Rollifräulein bloggt sie auf thabs.de über Vielfalt in Büchern und Serien.

Bild: Andi Weiland
Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Sagen wir mal so: Wenn man mit einer Behinderung in einem Dorf aufwächst, hat man nicht ganz so viele Möglichkeiten, was die Berufswahl angeht. Ein Studium hat sich also geradezu angeboten.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Schon als Kind habe ich mich für Bücher und andere Medien mit Geschichten interessiert, allerdings habe ich mich in den Geschichten kaum wiedergefunden, weil es kaum Figuren mit Behinderungen gab. Während des Studiums ist mir dann immer mehr bewusst geworden, dass sich daran bis heute kaum etwas geändert hat. Also habe ich mich im späteren Teil des Studiums immer mehr auf die Frage fokussiert, warum das so ist und wie wir als Gesellschaft daran etwas ändern können.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Nach meinem Master-Abschluss besteht meine Hauptarbeit in der Aufklärung und Kommunikation über Inklusion allgemein und vor allem in der Kultur. Diese Arbeit geschieht auf ganz verschiedenen Wegen: ich schreibe Artikel, halte Vorträge, poste auf den sozialen Medien zum Thema und engagiere mich ehrenamtlich bei kulturellen Projekten.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich halte es für wichtig, dass wir uns mit Geschichten umgeben, die die Vielfalt in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Das gibt marginalisierten Kindern und erwachsenen Menschen nicht nur mehr Sichtbarkeit und damit auch Selbstvertrauen, sondern es kann auch dabei helfen Vorurteile und Barrieren im Kopf abzubauen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich arbeite noch zusätzlich als Social-Media-Managerin und Online-Redakteurin.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Seit sechs Wochen leite ich selbst einen Kurationsaccount auf Twitter: bei @54Kontraste twittern 54 Menschen mit Behinderungen über ihr Leben.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Auf jeden Fall: Lange schlafen! Danach gerne ins Museum oder ins Kino und Abends einen Spaziergang zum Sterne schauen :).

Bitte begrüßt Tanja ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, May 5, 2019

Von Silben zum Sinn - Jana Hasenäcker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Jana Hasenäcker (@JanaHasenacker) vorstellen! Jana hat an der Humboldt-Universität Berlin Linguistik studiert, danach in der Gruppe „REaD (Reading Education and Development)“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zum Leseerwerb im Grundschulalter geforscht und 2016 an der Freien Universität Berlin mit dem Thema „Learning to read complex words: morphological processing in reading acquisition“ promoviert. Im Anschluss hat sie noch ein halbes Jahr bei REaD gearbeitet um ihre Langzeitstudie zu Ende zu führen und ist im Herbst 2017 mit einem DFG-Forschungsstipendium an die International School for Advanced Studies (SISSA) in Triest, Italien gegangen. Seit Ablauf ihres DFG-Stipendiums arbeitet sie dort als PostDoc im ERC-Projekt „The reading brain as a statistical learning machine“.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Als Kind wollte ich Affenforscherin werden - wie Jane Goodall. Aber eigentlich habe ich mich für Sprachen immer viel mehr interessiert als für Tiere. So war nach der Schule für mich klar, dass ich „was mit Sprachen“ machen wollte, aber bloß nicht mit Literatur. Damit bin ich in der Linguistik gelandet und habe es von Anfang an geliebt. Besonders Psycholinguistik fand ich schon im Bachelor super und habe dann auch im Master meinen Schwerpunkt entsprechend gelegt und ergänzend Veranstaltungen in der Psychologie besucht. Als studentische Hilfskraft habe ich dann den Forschungsalltag besser kennengelernt. Und ab da war klar: das will ich gerne weitermachen!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
An der Psycholinguistik mag ich, dass Sprache in Kombination mit Denken und dem Gehirn betrachtet wird, also nicht nur theoretisch beschrieben, sondern benutzerorientiert untersucht wird. Außerdem mag ich, dass meine Arbeit recht vielfältig ist: ich kann mich mit Sprache beschäftigen, zu meinem Alltag gehören aber auch Programmieren und statistische Auswertungen. Die Leseforschung als Teilbereich der Psycholinguistik mag ich besonders, weil sie anwendungsorientierter als andere Bereiche ist: wie können wir Kindern oder auch Erwachsenen helfen, leichter und besser zu lesen? Außerdem habe ich Lesen immer schon geliebt, also kommt noch dieser sehr persönliche Aspekt hinzu.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
In meiner Forschung beschäftige ich mich damit, wie Menschen lesen und wie wir es lernen. Grob gesagt versuche ich herauszufinden, welche kognitiven Prozesse im Gehirn stattfinden, wenn wir versuchen, visuelle Symbole (also Buchstaben) mit Bedeutungen zu verbinden. Dafür führe ich hauptsächliche behaviorale Experimente durch, d.h. ich lasse Erwachsene und Kinder Leseaufgaben am Computer lösen und messe Reaktionszeiten und Fehlerraten. Die Reaktionszeiten und Fehlerraten werte ich dann statistisch aus um so herauszufinden, ob bestimmte Wörter leichter oder schwerer zu lesen sind als andere. Zum Beispiel gibt es im Deutschen viele morphologisch komplexe Wörter wie „Bücherwurm“. Werden solche Wörter in ihre einzelnen Teile („Bücher“ und „Wurm“) aufgeteilt beim Lesen? Wie ändert sich das über die Entwicklung? Welche anderen Fähigkeiten, etwa Wortschatz oder visuelle Aufmerksamkeit, tragen zu Unterschieden in der Entwicklung bei?

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es ist fast unmöglich an unserer heutigen Welt uneingeschränkt teilzuhaben ohne über Lesefähigkeiten zu verfügen. Lesen ist allgegenwärtig und bestimmt viele Bereiche unseres Lebens - nicht nur in Bezug auf schulischen Erfolg, sondern auch in alltäglicheren Angelegenheiten, wie das Lesen der Speisekarte im Restaurant. Vielen Erwachsenen fällt das Lesen leicht, es passiert fast automatisch. Aber für Kinder kann Lesenlernen schwierig und frustrierend sein. Warum das so ist und wie wir damit helfen können, ist nicht nur aus Forscherperspektive wichtig und interessant, sondern auch für Lehrer_Innen und Eltern.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Zur Zeit nicht. Ich überlege allerdings, eine R-Ladies Trieste Gruppe ins Leben zu rufen. R-Ladies ist ein weltweites Netzwerk von lokalen Gruppen, in denen sich Frauen selbstorganisiert in der Verwendung der Programmierumgebung R unterstützen und weiterbilden.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Während des Studiums habe ich Lacrosse gespielt, was fast keiner kennt. Jetzt in Triest ist Klettern mein Hobby Nummer 1. Hier gibt es in nächster Nähe unglaublich viele, extrem schöne Kletterspots - teilweise nur 10 min von meiner Arbeit entfernt und mit Blick aufs Meer.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag beginnt ganz gemütlich mit Kaffee und einem Buch im Bett. Dann bei gutem Wetter ein paar Stündchen draußen klettern. Am Abend ein leckeres Essen mit Freunden.

Bitte begrüßt Jana ganz herzlich bei Real Scientists DE!