Diese Woche freuen wir uns auf unseren Kurator Raphael Merz
(@raphaelmerz.bsky.social)! Raphael ist aktuell seit
Oktober PhD student an der Technischen Universität von Eindhoven in den
Niederlanden. Davor hat er in Bochum zuerst Psychologie im Bachelor und dann
Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften im Master studiert, wo er sich mehr
und mehr auf die Themen Statistik und Metawissenschaften spezialisiert habe.
Was das genau ist und wie er diesen Weg im PhD weitergeht, erfahrt ihr diese
Woche auf Bluesky!
Wie bist du in der
Wissenschaft gelandet?
Im Studium habe ich
früh gemerkt, dass ich Forschung generell spannend finde. Das fing an mit den
ersten praktischen Seminaren, wo wir selbst unter Anleitung forschen durften
und ging dann in Praktika und Auslandsaufenthalten weiter. Besonders prägend für
mich war ein Praktikum bei der Sozialpsychologie in Bochum, das ich der
Pandemie geschuldet online im Jahr 2021 absolviert habe. Dort habe ich mit
meinem damaligen Supervisor ein metawissenschaftliches Projekt entwickelt, in
dem wir die Prävalenz einer spezifischen Fehlinterpretation von Statistiken
über verschiedene Jahre und akademische Zeitschriften untersucht haben. Dieses
Projekt hat mich nun bis zur kürzlich abgeschlossenen Masterarbeit begleitet
und Teile davon greife ich auch im PhD auf.
Warum hast du dich für
dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein Weg zu Metascience
begann zwar recht früh, aber lange dachte ich tatsächlich, dass ich später in
den Neurowissenschaften promovieren wollen würde. Das hat sich dann mit dem
Beginn meines Masters und meiner zunehmenden Auseinandersetzung mit der
Replikationskrise und ihrer Aufarbeitung geändert. Deshalb verwarf ich meine
ursprüngliche Idee zu einer Masterarbeit über räumliche Repräsentationen im
Hippocampus und entwickelte meine nun abgeschlossene Masterarbeit (mehr dazu in
einem Thread auf BlueSky!). Bei einem Konferenzbesuch Anfang 2023 in Eindhoven
konnte ich dann meinen jetzigen PhD Supervisor als Masterarbeitsbetreuer
gewinnen. Nach einem Forschungsaufenthalt bei ihm Anfang dieses Jahres, um an
der Masterarbeit zu arbeiten, bewarb ich mich schließlich erfolgreich auf meine
aktuelle Stelle.
Erzähle uns etwas über
deine Arbeit!
Zu meiner bisherigen
Arbeit kann ich tatsächlich noch gar nicht so viel erzählen, weil ich ja erst
im Oktober mit der Stelle gestartet bin. Was ich aber schon sagen kann: (1) Die
halbe Stunde, die ich damit verbracht habe, verschiedene Blogposts über eine
gute E-Mail-Postfach-Struktur zu lesen, war sehr sinnvoll investiert. (2) Der
Fun-Fact, dass ich an meinem ersten Tag bereits eine E-Mail im Postfach hatte,
dass meine Urlaubstage bald verfallen würden, war bisher immer ein guter
Icebreaker in diversen Kennlerngesprächen. (3) Ich kann nur empfehlen,
Stehschreibtische so früh wie möglich als solche zu benutzen, um eine Routine
zu entwickeln und andere zu inspirieren, das ebenfalls zu tun!
Motivation: Warum
sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
MetaScience
beschäftigt sich mit einem breiten Spektrum an Forschungsfragen, die am Ende
das Ziel haben, das Wissenschaftssystem oder den Wissenschaftsprozess zu
verbessern. Wir arbeiten also daran, dass Forschende einen noch besseren Job
machen, neue Medikamente oder Therapien zu entwickeln, robustere Theorien oder
bessere Vorhersagen zu formulieren und schließlich fundiertere
Schlussfolgerungen zu ziehen.
Gerade heute, in
Zeiten, in denen schnell von „Fake News“ oder der „Tatsache“, dass es „die
Wissenschaft“ ja gar nicht gebe, gesprochen wird, sehe ich eine große
Notwendigkeit, Wissenschaft gut zu erklären. MetaScience hat hier aus meiner
Sicht eine besondere Verantwortung: Wir zeigen zwar oft auf, was im
Wissenschaftssystem noch nicht optimal läuft, aber ebenso wichtig ist es, dass
wir auch laut werden, um uns gegen unfundierte Kritik an Forschung und
Forschenden zu wehren.
Hast du irgendwelche
interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Schon seit letztem
September bin ich Teil des Boards für die „Platform for Young Meta-Scientists“
(PYMS), wo wir versuchen, junge Wissenschaftler:innen, die an
metawissenschaftlichen Themen arbeiten, international zusammenzubringen. Oft
ist es bei dem Thema nämlich so, dass viele „Young Metascientists“ in eher
kleinen Teams an einzelnen Unis arbeiten. Deshalb organisieren wir bei PYMS
beispielsweise online Journal Clubs, um über spannende Paper zu diskutieren,
treffen uns halbjährig auf einem Symposium, wo wir einander unsere Forschung
präsentieren oder tauschen uns einfach so auf unserem Discord Server aus.
Irgendwelche
interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Dungeons &
Dragons! Ich weiß, dass ich damit das Nerd-Klischee sehr bediene, aber es ist
einfach toll! Ich habe D&D das erste Mal während meines Auslandspraktikums
in Toronto vor zwei Jahren gespielt und mir zurück in Deutschland direkt
diverse Bücher, Würfel und sonstiges Zubehör bestellt. Seitdem bin ich selbst
für verschiedene Gruppen Spielleiter und freue mich enorm, bald auch hier in
Eindhoven einer der vielen Gruppen im Department beizutreten!
Wie sieht dein idealer
freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
An meinem idealen
freien Tag habe ich davor wichtige ToDos abgeschlossen, sodass ich wirklich
entspannen kann. Ich kann so lange schlafen, wie ich möchte und nehme mir die
Zeit für ein schönes Frühstück (vermutlich eher Brunch)! Der Rest des Tages ist
dann nicht zu voll: am besten mit irgendeiner Verabredung mit Freunden oder
meiner Familie. Dazwischen aber immer genug Zeit, dass man sich nicht hetzen
muss! Abends schaue ich dann gerne einen Film oder spiele ein Brettspiel mit
meiner Freundin.
Bitte begrüßt Raphael ganz
herzlich bei Real Scientists DE!