Sunday, August 27, 2017

Totes Holz und Artenvielfalt: Nadja Simons ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch Nadja Simons (@Tritotanus) als neue Kuratorin vorzustellen. Nadja beschäftigt sich mit Artenvielfalt und dem Zusammenspiel von Tier- und Pflanzenarten in Ökosystemen. Sie hat in Oldenburg und Gießen Biologie und insbesondere Ökologie studiert und an der TU München zum Einfluss von Landnutzung auf Anthropoden promoviert. Seither forscht sie als Postdoc am Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der TU in einem Projekt zu Ökosystemdienstleistungen von Totholz in bewirtschafteten Wäldern.


Hier ist Nadja in ihren eigenen Worten:

Schon während meines Freiwilligen Ökologischen Jahres auf Wangerooge kam ich in Kontakt mit Biologen und hatte Gelegenheit, bei mehreren Forschungsprojekten mitzuhelfen. Am Ende meines Bachelorstudiums in Biologie hatte ich die Gelegenheit, nach Panama auf die Forschungsinsel Barro Colorado Island zu fahren. Die Vielfalt an Forschungsthemen und die Begeisterung der Wissenschaftler für ihre Forschung hat mich sofort angesteckt. Mein weiterer Weg in die Wissenschaft war dann ziemlich geradlinig. Sowohl am Ende meiner Masterarbeit, als auch nach meiner Doktorarbeit hatte ich das Glück, direkt eine neue Stelle an der Uni zu bekommen.  

Zu Beginn meines Biologie-Studiums hatte ich noch keine Ahnung, welche Richtung ich einschlagen wollte. Ich fand die Praktika im Labor genauso spannend wie die Kurse zur Verhaltensbiologie oder die Vorlesungen zur Zoologie und Botanik. Im letzten Semester habe ich einen Kurs zur Biologie und Ökologie von Wildbienen belegt und war sofort fasziniert von der großen Vielfalt an Lebensweisen und Überlebensstrategien. Während meiner Bachelorarbeit merkte ich, dass mir die Arbeit in der Natur am meisten Spaß macht und ich beschloss, mein Studium in Richtung Ökologie zu vertiefen. Auf der Suche nach einem passenden Masterstudiengang fiel mir auf, dass Ökologie an allen Unis zwischen Tierökologie und Pflanzenökologie getrennt war und es nur zwei Unis gab, an denen man beide Bereiche sinnvoll zusammen belegen konnte. Das hat mich sehr überrascht, denn die Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen hatten mich immer besonders interessiert. Am Ende meines Masterstudiums suchte ich nach einem Thema für meine Masterarbeit, bei dem ich sowohl eine tierökologische als auch eine pflanzenökologische Fragestellung bearbeiten konnte und hatte das Glück zwei Betreuer zu finden, die bereit waren, zusammen meine Arbeit zum Einfluss von erhöhtem CO2 auf Pflanzengemeinschaften und Bestäuber zu betreuen. Während der letzten Wochen meiner Masterarbeit stieß ich eher durch Zufall auf eine Stellenausschreibung für eine Doktorarbeit zum Einfluss menschlicher Landnutzung auf Insektengemeinschaften. Ich fand das Thema interessant, aber was mich vor allem überzeugt hat, die Stelle am Ende anzunehmen, war die Tatsache dass ich in einem der größten ökologischen Forschungsprojekte in Deutschland arbeiten konnte. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftler anderer Fachbereiche war dann auch ein ausschlaggebender Faktor für meine Entscheidung, nach der Doktorarbeit in einem neuen Projekt nochmal ein ganz anderes Thema zu bearbeiten.


Seit Mitte 2015 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) in einem interdisziplinären Projekt, das im Rahmen des Förderprogramms „Forschung zur Umsetzung der nationalen Strategie zur Förderung biologischen Vielfalt“ gefördert wird. In der 2011 von der Bundesregierung veröffentlichten „nationalen Strategie zur Förderung biologischer Vielfalt“ wurde als eine Maßnahme vorgeschlagen, das Vorkommen von Totholz nicht nur in Nationalparks und anderen Schutzgebieten, sondern auch in bewirtschafteten Wäldern zu erhöhen. Obwohl bekannt ist, dass es viele Arten (vor allem Insekten und Vögel) gibt, die auf Totholz als Lebensraum angewiesen sind, gab es bisher kaum großangelegte wissenschaftliche Studien dazu, wieviel Totholz für den Erhalt biologischer Vielfalt nötig ist. Dies zu untersuchen, ist ein Aspekt unseres Projektes. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Frage, welche zusätzlichen Effekte eine Anreicherung von Totholz auf verschiedene Prozesse im Ökosystem hat, wie Totholz in der Gesellschaft wahrgenommen wird und welche ökonomischen Konsequenzen eine Anreicherung von Totholz im Wirtschaftswald hat. Diese vielfältigen Fragestellungen werden von insgesamt 5 Lehrstühlen bearbeitet. Meine Aufgabe im Projekt ist es, den Einfluss von Totholz auf Ökosystemfunktionen zu untersuchen und die unterschiedlichen Ergebnisse der einzelnen Projektpartner zum Ende des Projektes zusammenzutragen und im Rahmen möglicher Umsetzungs-Szenarien zu vergleichen. Neben meiner Arbeit im Projekt bin ich an unserem Lehrstuhl auch die Lehre eingebunden, das heißt ich halte Vorlesungen, bin bei Praktika und Exkursionen dabei und betreue Bachelor-und Masterarbeiten.


Wir Menschen nutzen die Natur um uns herum täglich und auf viele verschiedene Arten. Dass wir dabei in empfindliche ökologische Systeme eingreifen und dabei oft nicht nachhaltig handeln, ist vielen Menschen bewusst. In der Politik und vielen anderen Bereichen der Gesellschaft wird deshalb nach Lösungen gesucht, wie wir natürliche Ressourcen schonender nutzen können. Damit diese Lösungen auch Aussicht auf Erfolg haben, ist es wichtig zu verstehen, wie sich unsere aktuelle Nutzung auf Ökosysteme und die Artenvielfalt auswirkt.   



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Während meiner Doktorarbeit war ich für ein Jahr Sprecherin aller Doktoranden an unserem Forschungsdepartment. Die Einblicke in die Hochschulpolitik und Verwaltung waren auf jeden Fall sehr interessant.

Während meiner Freizeit versuche ich mich (meist mit mittelmäßigem Erfolg) als Hobbygärtner auf unserem Balkon. Jede zweite Woche bin ich bei einem deutschsprachigen Stammtisch für Expats, d.h. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern die aus privaten oder beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen sind.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An meinem idealen freien Tag bin ich zusammen mit meinem Mann im Urlaub irgendwo wo es schön warm ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es auf Erkundungstour, am liebsten mit einer Wanderung auf einen Berg oder Vulkan. Den perfekten Abschluss des Tages bildet dann ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten und ein Spaziergang am Strand im Sonnenuntergang.


Bitte begrüßt Nadja ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 20, 2017

Buddeln in der Geschichte - Mirko Gutjahr ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude stellen wir euch unseren neuen Kurator Mirko Gutjahr (@DerBuddler) vor!  Mirko hat in Freiburg Archäologie und Geschichte studiert, bevor es ihn nach Sachsen-Anhalt verschlug, wo seither ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf Martin Luther liegt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Luthergedenkstätten widmet er sich aber nicht nur der Forschung, sondern ist auch als Kurator für verschiedene Ausstellungen verantwortlich. Das macht Mirko also zu unserem ersten "echten" Kurator! Der Buddelei und der Geschichte widmen sich auch seine beiden Podcasts, Angegraben und Das geheime Kabinett.

Hier ist Mirko in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Bereits als Kind habe ich mit für Archäologie und Geschichte interessiert und alles verschlungen, was ich dazu an Literatur fand. Und ja, zugegeben, war auch Indiana Jones nicht ganz unschuldig an meinem ersten Interesse am Fach Archäologie (so wie manche Astronomen und Physiker durch Star Trek zu ihren Fachbereichen gekommen sind). Tatsächlich wurde mir aber schnell klar, dass die echte Archäologie um vieles spannender ist, als Hollywood glauben macht – es geht um eine der spannendsten Themen überhaupt: unsere eigene Vergangenheit.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Bereits in meinem Studium hatte ich festgestellt, dass die Archäologie eine wichtige Quelle nicht nur für die Epochen der Menschheitsgeschichte ohne schriftliche Aufzeichnungen, sondern auch für diese, in denen bereits schriftliche Überlieferungen existieren. In meiner Magisterarbeit griffen dann passender Weise auch historische, bauhistorische sowie archäologische Quellen bei der Beschreibung eines Stadtquartiers im frühneuzeitlichen Konstanz ineinander. Als sich 2006 die Gelegenheit ergab, in Halle bei einer Ausstellung über frühneuzeitliche Funde aus den Wohnstätten Martin Luthers mitzuwirken, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und bewarb mich. Nach fast 8 Jahren in Halle mit starkem Fokus auf die Frühe Neuzeit und Luther, bin ich 2014 an die Stiftung Luthergedenkstätten gewechselt, wo ich mitgeholfen habe, das Museum Luthers Elternhaus in Mansfeld einzurichten und die letzten drei Jahre mit der Nationalen Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ in Wittenberg als Kurator verbracht habe.

Derzeit bin ich beruflich etwas vom archäologischen Themenkomplex abgekommen und verbringe mehr Zeit mit historischen Fragestellungen zu Martin Luther und seiner Zeit, neben praktischen kuratorischen und didaktischen Aufgaben im Museum. Dennoch war und ist es mir wichtig, dass in unseren Ausstellungen das Thema Archäologie nicht zu kurz kommt.  Die Zusammenschau historischer und archäologischer Quellen ist auch das Thema meiner immer noch im Entstehen befindlichen Dissertation „Die Lutherstadt Mansfeld im 15. und 16. Jahrhundert“. Darüber hinaus arbeite ich (außerdienstlich) an meinem zweiten Lieblingsthema: archäologische Funde aus dem Bereich Magie und Volksglauben.

In der Presse machen natürlich immer die „spektakulären“ Funde die Runde. Die Kernerarbeit der Archäologen, die Auswertung großer Daten- und Fundmengen wäre aber eigentlich genauso wert, vorgestellt zu werden, denn sie verraten uns mindestens ebenso viel die Vergangenheit. Darüber hinaus verdient das Thema „Historische Archäologie“, also die archäologische Erforschung von Zeiten mit reicher Schriftüberlieferung sicher auch eine größere Aufmerksamkeit, lassen sich doch in diesen Vergangenheiten Verhaltensmuster und Denkweisen begegnen, deren Folgen (positiv wie auch negativ) wir bis heute wahrnehmen können.

Zu meinen Aufgaben im Museum gehört natürlich auch Wissens-/und Wissenschaftskommunikation im weitesten Sinne: Bei Fachführungen sowie Fachvorträgen ergibt sich immer wieder die spannende Möglichkeit, mit den Besuchern der Ausstellungen direkt in Kontakt zu treten.

Ich betreibe in meiner Freizeit zwei Podcasts zu archäologischen („Angegraben“) und historischen Themen („Das geheime Kabinett“), letzterer allerdings mit etwas Augenzwinkern. Ach und dann schreibe ich derzeit noch an einem populärwissenschaftlichen Buch über die Frage, wie wir Archäologen denn das finden, was wir finden („Die Spur der Scherben“ erscheint 2018 bei Rowohlt).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Siehe oben. Wenn ich aber mal aus der dumpfen Stube hinaus will, drängt es mich auch in die Natur, sei es per Rad oder in Wanderschuhen. Gerade die Umgebung von Wittenberg bietet sich mit seiner schönen Landschaft ideal dafür an.


Bitte begrüßt Mirko ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, August 13, 2017

Die Wissenschaft vom Spracherwerb - Laura de Ruiter ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns, euch unsere neue Kuratorin Laura de Ruiter (@LEdeRuiter) vorstellen zu dürfen! Laura ist ziemlich herumgekommen: Sie hat unter anderem in Potsdam und Edinburgh studiert und in Nijmegen in Psycholinguistik promoviert. Aktuell arbeitet sie als Postdoc an der Universität Manchester und erforscht Erst- und Zweitspracherwerb, mit einem besonderen Fokus darauf, wie sich das Verständnis komplexer Sätze im Kindesalter entwickelt.

Hier ist Laura in ihren eigenen Worten:

Mein Weg in die Wissenschaft war nicht ganz gerade. Wie so manch eine/r, habe ich im Studium mehrmals meine Haupt- und Nebenfächer sowie die Universitäten gewechselt. Dabei waren: Vergleichende Sprachwissenschaft, Keltologie, Allgemeine und Theoretische Linguistik, Publizistik und Japanologie… Letztendlich bin ich einfach: eine Linguistin. Nach Magister (in Potsdam) und Master (in Edinburgh, Schottland) habe ich am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (in Nijmegen, Niederlande) promoviert.
Etwas ungewöhnlich ist, dass ich während meines ersten Postdocs die Wissenschaft verlassen habe – ich bin ins Wissenschaftsmanagement gewechselt. Mein wissenschaftlicher Chef wurde Rektor, und hat mich gefragt, ob ich ihn im Rektorat unterstützen wollte. So habe ich ein paar Jahre zunächst im Rektorat der Uni Bielefeld, und später als Projektmanagerin beim TestDaF-Institut (Test für Deutsch als Fremdsprache) in Bochum gearbeitet.
Das war eine wirklich lehrreiche und interessante Zeit, aber: mir hat die Wissenschaft gefehlt! Nach 3 Jahren ging’s zurück, nach Bielefeld und in die Sprachwissenschaft. Und trotz all der Unsicherheit im Jobmarkt und dem “2 body problem” habe ich die Entscheidung bis jetzt nie bereut.



Mein Feld ist der Spracherwerb – das heißt, wie Kinder ihre erste und mögliche weitere Sprachen lernen. Gelandet bin ich in dem Feld eher durch Zufall: Ich wollte unbedingt in Edinburgh studieren, und “Developmental Linguistics” hat mich am meisten angesprochen. Das Jahr dort hat mich enorm geprägt und meine Faszination dafür geweckt, wie wir alle so etwas unglaublich Kompliziertes wie Sprache lernen. Wir kommen auf die Welt, und können so gut wie gar nichts. Und ein paar Jahre später können wir durch Koordination unserer Lunge und unseres Mundes die Luft in Schwingung versetzen und damit Laute produzieren, die das Trommelfell anderer Menschen anstoßen, die dann wiederum die Laute dekodieren und daraus irgendwie ein Bild dessen zusammenstellen, was wir im Kopf hatten. Wir können über Dinge reden und Dinge verstehen, die sich nicht im Hier und Jetzt befinden – Vergangenes, Zukünftiges, Theoretisches. Sprachen unterscheiden sich enorm in ihrer Aussprache und Grammatik. Doch lernen Kinder Sprache relativ mühelos, ob es nun Deutsch, Arabisch, oder Bengali ist. Wie schwierig das eigentlich ist, merken wir erst, wenn wir versuchen, eine Fremdsprache zu lernen…

Ich untersuche sowohl wie Kinder in unterschiedlichen Altersstufen Sprache produzieren, als auch wie sie Sprache verstehen. Ich möchte erfahren, was z.B. ein 3,5-jähriges Kind versteht, und wie sich das von dem unterscheidet, was ein 5- oder 7-jähriges Kind versteht. In meinem aktuellen Projekt benutze ich Experimente, um rauszufinden, wie Kinder komplexe Sätze wie “Bevor er den Rasen mäht, trinkt er eine Tasse Tee” oder “Er springt in das Becken, weil ihm wirklich warm ist” verstehen. Wissen sie, was zuerst passiert? Was beeinflusst, wie sie den Satz verstehen? Hängt es z.B. davon ab, wie gut das Arbeitsgedächtnis ist? Oder wie häufig bestimmte Satztypen in der Sprache vorkommen? Was die Arbeit mit Kindern zu einer Herausforderung macht, aber auch gleichzeitig motivierend ist: Es muss den Kindern immer Spaß machen. Alles muss ein Spiel sein, es darf nicht zu lange dauern, und doch muss ich rausfinden können, was ich rausfinden möchte.

Sprache ist – so weit wir wissen – etwas, das nur Menschen haben. Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel. Sprache ist die Grundlage für alles weitere Lernen. Deshalb ist es wichtig, dass wir verstehen, wie Sprache und Spracherwerb funktionieren, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass wir Kinder in dieser Entwicklung unterstützen können. 



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich vertrete alle WissenschaftlerInnen mit befristeten Verträgen in unserer Sektion. Das ist vielleicht auf den ersten Blick nicht spannend, aber angesichts der zunehmenden Präkarisierung in der Wissenschaft finde ich es wichtig, unsere Interessen in der Universität zu vertreten.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich laufe gerne, vom 10k bis zum Marathon. Beim Laufen höre ich gerne Hörbücher oder Podcasts über Geschichte und Politik. Wenn es die Umstände (Zeit, Infrastruktur) erlauben, dann mache ich auch Triathlon. Tiere und Tierschutz/Tierrechte sind außerdem ein wichtiges Thema für mich, und ich habe mich in der Vergangenheit in verschiedenen Tierschutzprojekten engagiert. Und: Ich lerne gerne Sprachen! Japanisch ist und bleibt eine meiner “Lieblingssprachen”, und ich habe mich gerade für einen Russischkurs an der Uni angemeldet.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Obwohl ich eher ein Morgenmensch bin (spät abends kann ich etwas ungenießbar werden…), schlafe ich gerne aus. Wenn ich 9 oder 10 Stunden schlafen kann, bin ich glücklich. Dann ausgebreitet frühstücken, und dabei Radio (gerne eine Doku oder ein politisches Programm) hören. Später dann vielleicht ein Lauf, und danach auf dem Sofa sitzen/liegen, und mich von einer zufälligen Wikipedia-Seite zur nächsten klicken, oder eine neue Sprachlern-App ausprobieren. Wenn mein Mann und ich gerade mal am selben Ort sind, dann liebe ich es, am Abend gemeinsam mit ihm zu kochen und zu essen, und danach zusammen einen Film anzugucken.


Bitte begrüßt Laura ganz herzlich bei Real Scientists DE!





Sunday, August 6, 2017

Schau mir auf den Kortex, Kleines - Jens Foell tweetet für Real Scientists DE!

Diese Woche haben wir entweder etwas Besonderes oder etwas besonders Langweiliges für euch: Dr. Jens Foell (@fMRI_guy), Mitbegründer von Real Scientists DE und langjähriger Mod für das originale, englischsprachige Real Scientists, tweetet über seine Arbeit und sein Leben.


Jens gibt eine Präsentation im Rahmen von TEDxFSU

Jens hat an der Uni Tübingen Psychologie studiert und danach am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit geforscht, was in einen Doktorgrad der Neuropsychologie von der Uni Heidelberg mündete. Derzeit lebt er seit einigen Jahren in Florida und arbeitet an der Florida State University weiter im Bereich der Neuropsychologie und des Neuroimaging.

Hier ist Jens in seinen eigenen Worten:

Eine Methode zieht sich wie ein roter Faden durch meine Forschung: die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT/fMRI), mit welcher sich Hirnaktivität sichtbar machen lässt (daher auch mein Twitter-Name @fMRI_guy). Mit diesem Instrument habe ich in Mannheim untersucht, wie sich eine simple Therapieform auf die kortikale Organisation von Phantomschmerzpatienten auswirkt. In Florida versuche ich vor allem herauszufinden, wie Aggression/Impulsivität und Angst im Gehirn funktionieren.

Nach Florida hat es mich vor allem gezogen, weil ich Erfahrungen in einem anderen Land und in einem anderen Themenbereich sammeln wollte. Zudem hat sich herausgestellt, dass der Bereich der Wissenschaftskommunikation in den USA besser ausgebaut und oft zugänglicher ist, als das in Deutschland der Fall ist.


Jens als Gast bei This Week In Science


Interessiert hat mich die Kommunikation von Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit schon immer, und ich habe an der Mannheimer Abendakademie immer gerne Kurse zum kritischen Denken und der wissenschaftlichen Methode gehalten. Seit ich vor ein paar Jahren Twitter für mich entdeckt habe, bin ich dabei noch aktiver geworden und freue mich immer über die Gelegenheit, meine Forschung und die von anderen näher an die Gruppe zu bringen, die ja schließlich auch die ganze Arbeit bezahlt: nämlich die interessierte Bevölkerung. Die Krönung meiner Versuche, die Distanz zwischen Forschung und Öffentlichkeit zu verringern, ist ganz klar der @realsci_DE Account. Es ist für mich eine große Freude, den Account zu leiten und diese Woche selbst als Kurator zu fungieren :)

Meine Forschungsarbeit selbst macht mir ebenfalls einen Riesenspaß. Ich bin in der glücklichen Lage, an mehreren Themen gleichzeitig arbeiten zu können und dabei mehr und mehr über die Forschungsmethoden zu lernen, die dafür relevant sind. Manchmal geht es dabei um grundsätzliche neurale Prozesse, die notwendig sind, langfristig mehr über das Gehirn zu lernen. Ein andermal geht es darum, handfeste Ergebnisse zu erzielen, z.B. in der Schmerztherapie oder der Entwicklung von Prothesen.

Ich freue mich sehr darauf, euch mehr von meiner Arbeit zu erzählen. Wir sehen uns online!

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 30, 2017

Das Sozialleben von Bakterien - Charlotte Wermser ist jetzt bei Real Scientists DE!


Wir freuen uns sehr, euch heute Charlotte Wermser (@CWermser) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Charlotte ist Doktorandin am Institut für molekulare Infektionsbiologie in Würzburg. Sie studierte Biomedizin an der Universität Würzburg mit Forschungsaufenthalten in Ljubljana/Slowenien und Braunschweig. In ihrer Arbeit erforscht sie komplexe Gemeinschaften von Bakterien, sogenannte Biofilme - natürlich immer mit dem hehren Ziel, dass mit den Erkenntnissen eines Tages Infektionen behandelt werden können. 



Es wird also faszinierende Einblicke in die Welt der Zellen und Bakterien geben, und wir sind schon sehr gespannt. Hier ist Charlotte in ihren eigenen Worten:


Das Interesse an der Wissenschaft hat bei mir mein hervorragender Biolehrer während eines Austauschjahres in den USA geweckt. Ich habe dann ein Studium gesucht, das den Schwerpunkt auf der medizinischen Forschung hat – daher habe ich mich für „Biomedizin“ an der Uni Würzburg entschieden. Im Studienplan waren auch einige längere Laborpraktika vorgesehen und ich habe gemerkt, dass mir die Laborarbeit einfach total Spaß macht und mich richtig fesselt. Als ich nach meiner Masterarbeit eine Stelle als Doktorandin angeboten bekommen habe, habe ich nicht lange gezögert. Ich wusste, dass ich die Erfahrung machen wollte mich in ein Projekt über Jahre hereinzufuchsen.

Mir hat an der Mikrobiologie gefallen, dass man in den meisten Fällen schnell Ergebnisse sieht – die Bakterienkultur wird morgens angesetzt und nach ein paar Stunden hat man genug Material für seine Experimente. Bakterien sind vom Aufbau der Zelle natürlich viel simpler als menschliche Zellen. Deshalb können wir Fragestellungen bearbeiten, die sich an anderen Zellen (noch oder so) nicht erforschen lassen. Wir arbeiten viel damit Zellen genetisch zu verändern um mehr über die Funktion von einzelnen Genen zu erfahren, das ist noch immer einer meiner liebsten Arbeitsschritte, weil es fast etwas Handwerkliches hat. 


Ich beschäftige mich mit dem Sozialleben von Bakterien. Die schwimmen nämlich meist nicht für sich alleine rum, sondern bilden „Biofilme“ – ziemlich komplexe, organisierte Gemeinschaften. Die sind unheimlich spannend zu erforschen, weil sich die Bakterien da drin fast so verhalten wie ein multizellulärer Organismus. In Biofilmen findet man eine Miniaturwelt mit Verteidigungsstrategien, Abfallentsorgung, Bauunternehmen etc.. Aber Biofilme sind nicht nur faszinierend und oft schön anzugucken, sondern auch ein Problem für die Medizin und Industrie. Es wird immer klarer, dass wir für die Behandlung von Infektionen nicht nur einzelne Bakterien bekämpfen müssen, sondern auch spezielle Strategien gegen Biofilme brauchen. Ich schnüffele also im Sozialleben der Bakterien herum um Möglichkeiten zu finden wie diese Strategien aussehen könnten.

Die Mikrobiologie hat das Glück, dass Begriffe wie „Mikrobiom“ oder „Antibiotikaresistenz“ eh in aller (oder zumindest vieler) Munde sind. Von ersterem wird viel medizinischer Fortschritt erwartet in den nächsten Jahren und mit letzterem werden wir uns wohl noch ziemlich herumplagen. Biofilme bergen die Gefahr das Problem der Antibiotikaresistenz noch zu verschlimmern und nehmen daher an Relevanz zu. Andererseits können sie richtig eingesetzt auch nützlich sein, etwa in der Abwasserreinigung oder Bodensanierung. Aber die Mikrobiologie hat eben noch ganz andere spannende Bereiche zu bieten und wird da oft unterschätzt. Ohne Grundlagenforschung in der Mikrobiologie, hätten wir beispielsweise CRISPR/Cas, den Hoffnungsträger der Gentherapie, nicht entdeckt.

Ich habe viele Jahre Basketball gespielt, aber zu Beginn der Doktorarbeit aus Zeitmangel und wegen einer Verletzung aufgehört. Wenn ich einen großen orangen Ball sehe, juckt es mich trotzdem noch immer in den Fingern. Seit letztem Jahr bin ich als Science Slammerin aktiv. Der erste Slam war eine große Herausforderung und der Zeitaufwand ist noch immer groß, aber ich bin ein bisschen süchtig danach geworden. Schaut euch einfach mal einen Slam an, wenn es sich ergibt, vielleicht packt euch das Fieber ja auch!

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Erst einmal ausschlafen (hat hier schon irgendjemand gesagt, dass er/sie ganz früh aufstehen möchte?) und gemütlich frühstücken. Tagsüber dann irgendetwas draußen machen, z.B. wandern, eine Radtour oder einfach nur in der Sonne liegen. Abends würde ich gemeinsam mit Freunden kochen und dann bis in die Nacht Brettspiele spielen (Mein Tipp: Union Pacific, sehr abwechslungsreich und nicht nur etwas für Amerika- oder Eisenbahnfans. Für Fans von Kartenspielen empfehle ich „Dead Man’s Draw“, eine mehr als gelungene Adaptation einer iOS App) 





Bitte heißt Charlotte ganz herzlich bei Real Scientists DE willkommen!

Sunday, July 23, 2017

Einblick in die Palliativmedizin - Annette Nijjar ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns außerordentlich, euch heute Annette Kristina Nijjar (@annij12) als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Annette ist Ärztin in der Palliativmedizin an der University of Minnesota in Minneapolis (in Annettes eigenen Worten: "wie es ein Freund mal so schön gesagt hat: 'Da sieht man mal, dass es auch am Arsch der Welt richtig schön sein kann'").
Annette ist nicht die erste Medizinerin hier bei Real Scientists DE, aber die erste Kuratorin aus dem Bereich Palliativmedizin und Medizinethik. Wir freuen uns sehr darauf zu hören, was sie uns aus diesem Feld zu berichten hat.



Erfahrt mehr über Annette hier in ihren eigenen Worten:

Für mich war es schon immer schwierig zu entscheiden, was mich jetzt eigentlich mehr interessiert als (fast) alles andere. Besonders in den Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften. Für eine ganze Weile sah es so aus, als würden ich bei den Geisteswissenschaften landen, aber dann habe ich gemerkt, dass ich dann doch nicht ohne Naturwissenschaften kann. Dieses Gefühl etwas wirklich verstanden zu haben, Schritt für Schritt nachvollziehen zu können, und es dann am besten noch in ein größeres System einzufügen, macht Lust auf mehr. Und mein kleines Abiturientenhirn dachte sich dann, dass Medizin doch prima wäre, weil irgendwie alles drin steckt. 

Ich habe in der Inneren Medizin angefangen. Allerdings hat mir dort immer etwas gefehlt. Ich hatte oft das Gefühl, bestimmten Werten, Erwartungen des Systems usw hinterherzurennen. Absurd war, dass ich die Patienten dabei oft eher als Störfaktor wahrgenommen habe. DIe Palliativmedizin ist einer der wenigen Bereiche in der Medizin, wo wir den Luxus haben, uns Zeit mit den Patienten und ihren Familien zu nehmen. Wir konzentrieren uns auf das, was dem Patienten selbst wichtig ist, auf seine Ziele und Hoffnungen. Und das ist unglaublich befriedigend. Ich bin zum Beispiel jedesmal total happy, wenn ich einen Eisbecher als durchaus gesunde Mahlzeit empfehlen darf, und sich Erwachsene dann triumphierend darüber freuen.  

Ich habe das Glück, in einem super Team arbeiten zu dürfen. Wir treffen uns jeden morgen und besprechen alle unsere Fälle. Danach verbringen wir viel Zeit mit unseren Patienten - und leider auch sehr viel mit Dokumentation am Computer. Wir betreuen Patienten mit schweren, oft lebensbedrohlichen Erkrankungen. Die drei Bereiche, die wir abdecken, sind die Symptomkontrolle (Schmerzen, Übelkeit, Juckreiz usw), psychologische Unterstützung und Vorausplanung der Behandlung. 

Krankheit, Sterben und Tod gehen jeden etwas an. Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaften altern, ist es hilfreich, sich gelegentlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Und oft kann ein relativ kurzes Gespräch einen echten Unterschied machen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Früher wäre das ganz klar meine Geige gewesen, und Reisen. Jetzt ganz klar abgelöst von meinen zwei Kindern. Das Erstaunlichste am Elterndasein war bisher, dass man doch irgendwie in jedes Klischee tappt. Nur dass man es auf einmal versteht, was die Leute immer gemeint haben. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Erstmal gemütlich ausschlafen, dann Frühstück mit frischen Brötchen. Und natürlich einem Haufen guten Kaffee. Dann mit den Kindern und Freunden an den See und den Tag einfach so dahinplätschern lassen, den Blättern im Wind zuschauen, gelegentlich zum Abkühlen ins Wasser...

Bitte begrüßt Annette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, July 16, 2017

Die Furcht an sich verstehen - Jan Haaker ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch heute Jan Haaker (@janhaaker) als neuen Kurator vorstellen zu dürfen! Jan ist Arbeitsgruppenleiter (und eigentlich Apotheker) am Institut für Systemische Neurowissenschaften, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort untersucht er, wie Furchtreaktionen und Furchkonditionierung im Gehirn funktionieren.

Erfahrt mehr über Jan, hier in seinen eigenen Worten:

Ich war schon immer von Forschung und Forschern/innen fasziniert. Außerdem waren Chemie und Neurotransmitter immer interessant für mich. Die Entscheidung für mich Pharmazie zu studieren kam als ich Zivi war (Dank meiner beiden Chefs!). Aber ich konnte mir nicht vorstellen, Apo
theker zu werden. Im Studium war dann klar, dass ich nicht für die Apotheke gemacht bin. Dann konnte ich als Hiwi und später als Forschungspraktikant in die Wissenschaft reingucken und wusste, dass ich hier richtig bin. Ich hab dann meinen Prof. für Pharmakologie gefragt, ob man vielleicht erst einmal ausprobieren sollte, ob man promovieren kann und möchte. Er hat gesagt: “ Die Promotion ist ein Abenteuer, in das man direkt wie ins kalte Wasser rein springen muss”. Dann bin ich gesprungen.

Ich arbeite in der Grundlagenforschung von Furchtreaktionen im Menschen (wir nutzen vor allem Furchtkonditionierung). Dabei kombiniere ich Pharmakologie mit neurowissenschaftlichen Methoden (funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRT).
Dass ich im Feld der Pharmakologie arbeite, ist ganz klar mein Interesse, welches auch schon bestimmend für mein Pharmaziestudium war.
Dass ich in den Neurowissenschaften mit dem Thema Angst und Furcht gelandet bin, ist dann teilweise Zufall. 
Im Studium habe ich als Hiwi in der pharmazeutischen Chemie gearbeitet. Durch einen Zufall war ich dann für ein Forschungspraktikum in einem neurowissenschaftlichen Labor im Ausland, welches den Einfluss von frühkindlicher Trennung auf Neurotransmitter im Tiermodell untersucht hat. Ich war total verblüfft, dass solche negativen Erfahrungen eine Auswirkungen auf die Balance der Neurochemie hat. Damit war direkt mein Interesse an negativen Emotionen im Feld der Neurowissenschaften geweckt. Zur Promotion habe ich mich dann bei zwei Laboren beworben, die beide Furcht und Angst neurowissenschaftlich untersuchen: Im Menschen am Uniklinikum Hamburg und im Tiermodell an der Uni Münster. In Hamburg konnte ich dann früher anfangen und so bin ich im Feld gelandet.
Später habe ich die Tierforscher aus Münster wieder getroffen und wir haben zusammen ein translationales Projekt in Mensch und Maus gemacht. Diese Verbindung war eine großartige Erfahrung und ich arbeite heute noch mit den Leuten zusammen.
Mich hält es im Feld, dass ich immer noch neue Sachen lernen kann. Am Anfang als Doktorand waren die psychologischen Konzepte für mich Neuland, heute sind die neuen Analysemethoden im fMRT eine Herausforderung, die Spass macht. Aber auch die erwähnte Translation ist spannend. Wir untersuchen einen sehr grundlegenden Prozess (Furchtkonditionierung), der z.B. in Meeresschnecken, Ratten, Mäusen, Affen und Menschen funktioniert. 
Ein interessanten Ansatz aus einem Tiermodell in den Menschen zu übertragen, finde ich sehr spannend!

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Psychopharmakologie von 2 Prozessen:
 1) wie man Furchtreaktionen von anderen Menschen lernt (durch Beobachtungslernen) und
 2) wie man Angst wieder “verlernt” (Furcht-Extinktion). 
Beides sind wichtige Prozesse: 1) Wir lernen nicht alles aus eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die Beobachtung der Erlebnisse von anderen. Gerade das Miterleben von negativen Ereignissen (z.B. eine Person ,die vom Hund gebissen wird, oder einen Unfall hat) löst dann auch bei uns selbst in ähnlichen Situationen Furcht aus. Und das ist gut so! Wir brauchen die Furcht, um uns zu schützen. Leider wissen wir nicht, welche Neurotransmitter dabei eine Rolle spielen. Beim Lernen aus eigenen negativen Erfahrungen ist das schon eher klar, beim sozialen Beobachtungslernen gibt es keine pharmakologischen Studien (noch nicht!).
2) Die Furchtreaktionen in Situationen wieder zu reduzieren, die sicher sind, ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft. In einer Verhaltenstherapie ist dies ein wichtiger Inhalt: Sicherheit lernen zu Objekten, die eigentlich Furcht, Angst oder Panik auslösen. Es gibt schon pharmakologische Forschung, wie man diese Prozesse verbessert werden können. Beispielsweise habe ich mich in meiner Doktorarbeit damit beschäftigt, wie man mit Dopamin diese Lernprozesse verbessern kann. Hier gibt es aber auch noch Forschungsbedarf, um vielleicht ein Medikament zu entwickeln, welches die Psychotherapie von Angsterkrankungen verbessert, ohne nur die Symptome zu unterdrücken (wie z.B. Benzodiazepine).
Im Alltag besteht meine Arbeit als frisch gebackener Arbeitsgruppenleiter einerseits daraus, die Studien von meinem (Megamäßigen)-Post-doc mit zu planen und die Ergebnisse zu besprechen. Andererseits versuche ich, eigene Daten, Ideen und Hirngespinste in Publikationen, Anträge oder den Papierkorb zu befördern. Und dann ist natürlich auch noch ein Anteil administrativer “Kram”. Es wird also nicht langweilig!

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Ich denk eher anders herum: Was ist meine Motivation, meine Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Meiner Meinung nach sollte man seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in einer gewissen Dosis zugänglich machen. Schließlich wurden wir durch Steuergelder finanziert. 
Ich denke auch, dass die Forschung, die wir hier machen, ein gewisses Interesse für die Öffentlichkeit besitzt. Jeder von uns kennt die Situationen, in denen wir Angst haben. Es ist vielleicht deshalb interessant zu hören, wie Furcht und Angst so “funktionieren”. 

Zur Zeit bin ich Mitglied in einem wissenschaftlichen Netzwerk der DFG, welches von meiner Kollegin Tina Lonsdorf (wir teilen uns das Büro) geführt wird. Hier treffen sich Forscher aus Europa, die alle Furchtkonditionierung als Methode benutzen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich es doch praktisch gemacht wird. Gerade in der Sicht der "Replication crisis” wird es immer wichtiger, sich über Methoden auszutauschen. Nicht immer einfach, aber man lernt unheimlich viel und es lohnt sich, wenn man am Ende Probleme erkannt hat.

Ich interessiere mich für graphic-design in unterschiedlichsten Formen. Das ist vielleicht kein interessantes Hobby, aber ich habe viele Schultage damit verbracht, vor mich hin zu malen und Graphiken “zu machen”. Das ist heute noch immer so, auch wenn die Zeit dafür immer knapper wird. 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus?
Das kann unterschiedlich sein, vielleicht früh aufstehen und bei super Wetter mit der umwerfenden Frau an meiner Seite (und ihrem Auto) an die Ostsee fahren.
In Hamburg gehört zu einen guten freien Tag mit dem Rad losfahren, eine Platte kaufen, nach Hause, Kaffee machen, Musik hören und auf dem Balkon n paar Leuten zugucken.  

Bitte heißt Jan ganz herzlich bei Real Scientist DE willkommen!