Sunday, October 9, 2022

Zwischen den Phasen in der Verfahrenstechnik - Lutz Böhm ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns diese Woche auf unseren neuen Kurator Lutz Böhm (@drlutzboehm)! Lutz hat 2009 das Diplom ider Fachrichtung ''Verfahrens- und Energietechnik'' gemacht und arbeitet seitdem am Fachgebiet Verfahrenstechnik der Technische Universität Berlin. 2015 hat er eine Promotion zum Thema Comparison of single bubble and bubble swarm behavior in narrow gaps inside flat sheet membrane modules erfolgreich zu Ende gebrachtSeitdem arbeitet er als Postdoktorand, hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Transportphänomene in reaktiven Newtonschen und nicht-Newtonschen Mehrphasensystemen'' aufgebaut und betreut momentan sieben Doktorand:innen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Etwas kompliziert. Zum Ende meines Studiums konnte ich mir eine Promotion und damit die wissenschaftliche Arbeit vorstellen, während viele meiner Mitstudierenden eigentlich nur raus in die Industrie wollten. Irgendwie auch normal bei uns Ingenieur:innen. Ein bisschen ist es durch meinen Vater bedingt, der im Prinzip meinte, dass es ohne die Promotion in der Karriere gläserne Decken gibt, die nicht durchbrochen werden können, man also irgendwann nicht mehr weiter aufsteigen kann. Das ist übrigens in der Ingenieurskarriere durchaus bis zu einem gewissen Grad richtig (aber auch nicht zwangsläufig). Naja, am Ende haben vergleichsweise viele meiner Mitstudierendenden den Weg der Promotion verfolgt, was auch nicht wenig mit der Wirtschaftskrise 2007 und folgend zusammenhing. In der Uni gab es halt noch Jobs, während auch große Unternehmen einen Einstellungsjob lebten. Klingt alles relativ unromantisch, aber so ist es nun mal. Bei mir war das aber, wie gesagt gar nicht der Grund. Ich hatte Lust auf die Promotion und kannte durch meine studentische Tätigkeit am Fachgebiet das Arbeitsumfeld schon. Da hatte ich richtig Lust drauf und habe mich dafür entschieden in Berlin zu bleiben, obwohl ich auch eine Zusage an der vielleicht sogar renommierteren RWTH Aachen hatte.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mein aktuelles Feld als PostDoc im Bereich der Verfahrenstechnik lautet „Transport phenomena in reactive Newtonian and non-Newtonian multiphaseflow“ und ist eine logische Fortentwicklung dessen, was ich schon selbst in meiner Promotion gemacht habe, und was mich daneben sowieso interessiert hat. Das spannende daran ist, dass man es auf allen Ebenen betrachten kann, von fundamental im ganz kleinen Maßstab bis zur >500m³ Anlage. Nur kurz: Phasen sind hier also zum Beispiel Gas, Flüssigkeit, Feststoff. Also, wenn man mehr als eine Phase hat, wird das Forschungsfeld schon riesig. In der Realität sind die Systeme häufig aber eben sogar noch komplexer, was sich im Namen meiner Arbeitsgruppe widerspeigelt.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin grundsätzlich erstmal ein Wissenschaftlicher Mitarbeit, der über den Haushalt der Uni bezahlt wird. Das bedeutet auch, dass ich Verpflichtungen im Bereich der Lehre, Forschung und universitären Selbstverwaltung habe. Um mal mit letzterem anzufangen bin ich in ein paar Gremien, wo es um die Verteilung von Mittel und Personal in der Fakultät geht und auch um andere Entscheidungen auf Instituts- und Fakultätsebene. 
In der Lehre betreue ich die zwei größten Lehrveranstaltungen bei uns am Fachgebiet. Das eine Fach heißt Physikalische Chemie und ist eine Mischung aus Thermodynamik und Reaktionstechnik. Das andere nennt sich Energie-, Impuls und Stofftransport und da lernen die Studierenden zB warum Schiffe schwimmen können und vor allem, wie man Apparate in der (chemischen) Industrie auslegen kann. Das sind unsere größten Lehrveranstaltungen, weil diese Fächer u.a. von Studierenden der Biotechnologie, dem Technischen Umweltschutz, der Werkstofftechnik, der Lebensmitteltechnologie usw. besucht werden.
Im Bereich der Forschung stehe ich tatsächlich inzwischen normalerweise nicht mehr selber im Labor, auch wenn man das für Photos gerne mal so macht. Ich beantrage Projekte und betreue Doktorand:innen, so dass sie hoffentlich erfolgreich ihr Projekt bearbeiten können. Im besten Fall schreibe ich Übersichtsartikel und präsentiere diese auf Konferenzen.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine erste Reaktion leite ich mal von Mai Thi Nguyen-Kim ab und frage: wie kann man sich nicht für MINT Fächer interessieren? Es ist super vielfältig und man lernt die Welt um sich herum zu verstehen.
Speziell auf meinen Bereich bezogen: Potentielle Arbeitgeber für Verfahrenstechniker:innen sind die Chemie-, Pharmazie-, Kosmetik-, Umwelt- und Lebensmittelindustrie. Neben dem klassischen Maschinenbau sind das mit die größten Arbeitgeber in Deutschland und insbesondere die Chemieindustrie wird auch in Zukunft eine extrem wichtige Rolle in der Umstellung dieses Landes auf die neuen Gegebenheiten spielen. Ohne die Chemieindustrie gibt eine keine Wärmedämmung für Häuser, keine Solarzellen, keine neuen Materialien für Batterien und so weiter. An der Herstellung praktisch all dieser wichtigen Prozesse sind Mehrphasensysteme, mein Forschungsthema, beteiligt. Um noch ein anderes wichtiges Thema zu nennen: Will man CO2 aus Abgasströmen herausholen, kann man dieses Gas durch Flüssigkeiten „blubbern“ lassen, das CO2 geht in die Flüssigkeit über und reichert sich dort an, so dass es nicht mit dem Abgas in die Umgebung abgegeben wird. Mit verschiedensten Aspekten dieser Themen beschäftigt sich meine Arbeitsgruppe.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Naja, zusammen mit Kollegen bin ich zB für den Web und Social Media Auftritt unseres Fachgebiets zuständig. Das umfasst einen Instagram- und auch unseren Youtube-Kanal. Und abgesehen davon versuche ich einigermaßen aktiv auf meinem eigenen Twitter Account zu sein. Meine Hauptanliegen sind dort Wissenschaftskommunikation auf verschiedensten Ebenen, von Kolleg:innen bis zur normalen Person, die mit MINT so gar nichts am Hut hat, aber sich vielleicht trotzdem ein bisschen dafür interessiert, und allgemeine Dinge, die mit dem Wissenschaftsbetrieb zu tun haben.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Interessante Hobbies sind eine gute Frage, da ich mit Job und Family schon echt gut eingespannt bin. Trotzdem: Seit vielen Jahren habe ich ein Abo bei einem Hörbuchanbieter und habe dort seit – das erstaunt mich selber – gut 100 Monaten etwa jeden Monat ein Buch gehört. Da gibt es auch Achievements und, wenn auch nicht im echten Leben, habe ich dort zumindest den Status „Professor“. :-) Wenn ich zeit finde, spiele ich gerne noch Playstation, aber dafür habe ich viel zu wenig Zeit. Meine Follower wissen außerdem, dass ich sehr gerne auf Konzerte gehe. Ein Hobby, das sehr in den heftigeren Corona-Zeiten gelitten hat, dieses Jahr aber wieder gut ausgelebt wurde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Meine spontane Antwort, da steckt immer noch der Student  in mir, ist das berühmte Zitat von Harald Juhnke: keine Termine und leicht einen sitzen. Aber mal im Ernst: schlafen, alles andere ist fast egal. Ich glaube, alle mit kleinen Kindern werden das verstehen.

Bitte begrüßt Lutz ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, October 2, 2022

Serien-Junkies aufgepasst! Melissa Schuh ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Melissa Schuh (@schuh_melissa)! Melissa Schuh ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Habilitandin am Lehrstuhl für Anglistik am Englischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie hat 2019 am English Department der Queen Mary University of London mit einer literaturwissenschaftlichen Doktorarbeit zu narrativen Strategien in zeitgenössischen autobiographischen Texten mit dem Titel “The (Un-)Making of the Novelist’sIdentity promoviert. Davor hat sie Anglistik, Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of Nottingham und der University of Oxford studiert. Sie ist Mitherausgeberin des Journals C21 Literature: Journal of 21st Century Writings. Darüber hinaus ist sie Vertrauensdozentin für Diversität, Gleichstellung und Inklusion am Englischen Seminar und stellvertretende Diversitätsbeauftragte für die philosophische Fakultät der CAU Kiel.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Bereits zu Schulzeiten habe ich mich sehr für Sprache, Geschichte, Literatur und Kultur interessiert und hatte das Privileg bei außerschulischen Programmen, wie sprachwissenschaftlichen Kursen auf der JuniorAkademie und SchülerAkademie, undim Zuge meiner Facharbeit in Geschichte wissenschaftliche Fragestellungen und Arbeitsweisen kennenzulernen. Im Anglistik- und Germanistikstudium in Nottingham wurde ich stetig von neuen Ideen und interessanten Fragen weitergetrieben. So schrieb ich zwei Bachelorarbeiten: eine zur Rolle des Publikums in einer bestimmten Romeo and Juliet Inszenierung des Nottingham Playhouse und eine weitere zu Motiven von Widerstand und Anpassung im autobiographischen Werk des ostdeutschen Autors Günter de Bruyn, wobei diese später zu meinem ersten publizierten Aufsatz wurde. Während ich meine komparatistische Masterarbeit zu Fiktionalität und Faktualität im Werk von Philip Roth und Günter Grass in Oxford schrieb, entwarf ich vier verschiedene Dissertationsprojekte, weil ich so viele darüberhinausgehende Ideen hatte. Meine letztendliche Doktorarbeit war ein darauf aufbauendes Projekt zu narrativen Strategien von Fiktionalität in der Selbstdarstellung zeitgenössischer Autobiographien, dass ich an der Queen Mary University of London durchführen konnte, weil ich das Glück hatte in meinem Forschungsbestreben stets von Mentor*innen und meiner Familie unterstützt zu werden


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Themen und Fragen rund um Sprache, Literatur und Kultur beschäftigen mich seit meiner Kindheit, da ich zweisprachig und als Teil einer großen diasporisch zerstreuten Verwandtschaft aufgewachsen bin, so kam ich dazu Literatur-, Kultur-, und Sprachwissenschaft zu studieren. Im Studium hat mich ein Kurs zu „German Life Writing“ (Life Writing ist ein Überbegriff für biographische und autobiographische Formen) von Professor Roger Woods besonders inspiriert, weshalb ich mich seit meiner Promotion immer wieder mit Fragen zu diesen Textformen beschäftige: was führt uns als Leser*innen dazu Autor*innen zu vertrauen oder zu misstrauen, wenn sie über ihr Leben schreiben? Welche stilistischen Formen tragen zu solchen Leseerfahrungen bei? Welche Rolle spielt insbesondere Fiktion bzw. Fiktionalität in Texten, die einem Wahrheitsanspruch unterworfen sind? Diese und weitere Fragen haben mich tief in die Literatur- und Kulturwissenschaft katapultiert und mein Interesse daran, wie die kulturelle Produkte (wie Texte, Filme, Serien), die wir erleben funktionieren und aufgebaut sind, warum wir sie konsumieren und welche Auswirkungen dies auf gesellschaftliche und politische Diskurse hat, bleibt unerschöpft. Außerdem möchte ich als Woman of Colour in meiner wissenschaftlichen (und Lehr-) Praxis einen Beitrag dazu leisten, dass in Bildung und Wissensproduktion diverse Perspektiven und Stimmen gehört und gesehen sowie strukturelle Hürden abgebaut werden. Diese Verantwortung fließt in all meine Forschungs- und Lehrtätigkeit ein und ist neben meinem wissenschaftlichen Erkenntnisdrang zentral für meine Motivation in der Wissenschaft zu arbeiten.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Neben meinem anhaltenden Interesse in Life Writing Studies beschäftige ich mich in meinem Habilitationsprojekt mit seriellen Formen in Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Seit dem Einzug von Streamingdiensten wie Netflix und auch dem weitreichenden Erfolg von seriell publizierten Fantasy-Romanreihen, zieht das Format Serie mehr Aufmerksamkeit auf sich und ist allgemein als populäre Form bekannt. Dabei liegt allerdings ein großer Fokus auf Serialität in Form von narrativer Kontinuität und Fortsetzung, also zum Beispiel die Frage „Wie geht es weiter?“ nach einem Cliffhanger oder wie die narrativen Stränge eines seriell publizierten Werks zu einer zufriedenstellenden Fortsetzung oder gar einem Ende zusammenkommen. Ich interessiere mich für Formen von Serialität, also Prozesse um Wiederholung und Variation, die anders funktionieren. So kommen in Literatur und Medien auch stilistische Wiederholungen und Adaptionen vor, Werke können lose im selben Universum verortet sein ohne narrativ aufeinander aufzubauen, wiederkehrende Figuren, Orte, Motive und Ideen können seriell zusammenhängend gelesen werden. Ich erforsche welche Effekte solche weniger auf narrative Fortsetzung bezogene Arten von Serialität haben. Der Vergleich solcher alternativen Formen von Serialität kann vielleicht die Frage beantworten, warum im Zusammenspiel mit entsprechenden Marktmechanismen manche Serien als eher populär und andere als literarisch wahrgenommen werden, was auch manche literaturhistorische Kanonisierungsprozesse miterklären könnte. 

Über dieses Projekt hinaus, forsche ich auch zum Thema Brexit in jüngster zeitgenössischer Literatur, und beschäftige mich mit der Darstellung von Theorie und Aktivismus in Wissenschaftsdiskursen und der Repräsentation von Marginalisierungserfahrungen in Literatur und Medien.

Motivation: warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Der Konsum von Literatur, Kultur und Medien im weitesten Sinne dieser Begriffe ist allgegenwärtig und prägt gesellschaftliches und politisches Geschehen. Also steht die Frage danach wie die Form und der Inhalt eines jeden Kulturprodukts gewisse Effekte hervorrufen und Menschen bewegen hinter allen gesellschaftlichen Themen, die unser Leben bestimmen, sei es etwas Abstraktes wie unser Wahrheitsbegriff (in Bezug auf Life Writing und Lebensgeschichten) oder ein konkret einschneidendes Ereignis im Zeitgeschehen, wie Brexit. Wie und warum wir uns für die zu Büchern, Filmen, Serien, Interviews, Essays, Twitterthreads, Instagram Stories etc. entworfenen Geschichten, Berichte, Zeugnisse, Perspektiven und Argumentationen von fiktionalen Figuren wie auch realen Personen interessieren hat Auswirkungen darauf, wie wir miteinander umgehen und was uns wichtig erscheint. Meine Arbeit trägt dazu bei solche Mechanismen zu verstehen und zu vermitteln.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin Mitherausgeberin der wissenschaftlichen online open access Zeitschrift C21 Literature: Journal of 21st Century Writings (https://c21.openlibhums.org/). Neben Lektoratsarbeit in diesem Forschungskontext, interessiere ich auch allgemein sehr für Schreibprozesse und wie man das wissenschaftliche und kreative Schreiben in Bildungskontexten vermitteln kann. Daher führe ich öfter Writing Retreats (strukturierte Schreibworkshops bei denen man an seinen eigenen Projekten arbeiten kann) für Doktorand*innen durch und betreue einen von Studierenden gegründeten Creative Writing Club. In meiner Rolle alsVertrauensdozentin für Diversität, Gleichstellung und Inklusion in meinem Institut berate ich zusammen mit meiner Kollegin Dorothee Marx Studierende zu Fragen von Diskriminierung und als stellvertretende Diversitätsbeauftragte für die philosophische Fakultät engagiere ich mich als Teil des Diversitätsteams dafür, dasssystemische und institutionelle Hürden für marginalisierte Personengruppen sichtbar gemacht und abgebaut werden. Ich bin zudem Mittelbauvertreterin im Beirat meine Instituts und im Konvent der philosophischen Fakultät und setze mich in beiden Positionen für die Interessen meiner Statusgruppe ein, die von weitreichender Befristung und daher anhaltender prekärer Lebensbedingungen geprägt ist.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich gehe gerne draußen in der Natur laufen, zum Beispiel an der Kiellinie mit Blick auf die Förde. Dabei kommen mir dann manchmal interessante Ideen und ich muss schnell nach Hause laufen, um sie mir aufzuschreiben. Außerdem stricke und häkele ich sehr gerne. In den letzten zwei Jahren habe ich über 40 Paar Socken gestrickt, aber ich häkele auch Dreieicksschalsund gerade bin ich an einer Reihe von Mützen für den Winter.Ich koche und backe auch wirklich leidenschaftlich gern und probiere immer wieder neue Rezepte aus. Neuerdings bin ich dem Sauerteig verfallen und backe entsprechend viel Brot.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

An einem idealen Tag schlafe ich morgens aus und gehe dann für einen gemütlichen langen Lauf ans Meer oder den Fluss. Dann koche ich ein aufwändigeres Gericht (das dann auch gelingt), wie zum Beispiel Laksa (ein malaysisches Nudelgericht) nach Familienrezept, und lade dazu Familie oder Freund*innen ein. Später lese oder stricke ich auf dem Sofa oder draußen (derzeit ist Axie Oh’s The Girl Who Fell Beneath the Sea oben auf meiner Liste an Büchern, die nicht für die Arbeit sind, und die zweite Socke eines Paars in der Farbe „Ostseestrand“ möchte vollendet werden) und schaue abends mit meinem Partner eine Serie - die dann je nach ihrer seriellen Form vielleicht doch in meine Arbeit einfließen könnte.


Bitte begrüßt Melissa ganz herzlich bei Real Scientists DE!

 

Sunday, September 25, 2022

Die Ursachen und Folgen von Schlaganfällen besser verstehen! Jessica Rohmann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Jessica Rohmann (@JLRohmann)! Jess studierte zunächst Biochemie und Germanistik an der University of Wisconsin-Madison (USA). Für ihr Masterstudium in Public Health an der Charité kam sie 2012 nach Berlin und blieb danach in Deutschland. Zuerst forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich klinischer Epidemiologie am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) und wechselte 2018 an das Institut für Public Health (IPH), wo sie sich intensiv mit der Methodenforschung befasste. Heute leitet sie die Arbeitsgruppe Neuroepidemiologie im CSB und forscht gleichzeitig immer noch im Institut für Public Health (IPH) an der Charité.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Das ist eine wirklich schwierige Frage für jemanden, der sich mit kausaler Inferenz beschäftigt! Es gab sicherlich mehrere Component Causes („Teilursachen“), wie wir sie in meinem Fachgebiet nennen, die dazu beigetragen haben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sich meine Mutter (netterweise) darüber beschwerte, dass ich nie aufhörte, nach dem "Warum?" zu fragen. Ich bin da wohl nie rausgewachsen. Ich liebte meinen Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht und hatte das unglaubliche Glück, großartige Lehrer*innen zu haben. Ich habe im Bachelor Biochemie studiert, aber ich erinnere mich, dass mir die Entscheidung schwerfiel, weil ich mich auch sehr für Journalismus begeisterte (eine weitere Lehrerin, der ich hierfür danken sollte!). Ich war Chefredakteurin unserer Schülerzeitung und habe das Schreiben geliebt. Natürlich gibt es viele Überschneidungen in der "investigativen" Natur beider Karrierewege. Ich glaube, es war letztlich meine Vorliebe dafür, Fragen zu stellen und zu versuchen, die Welt um mich herum zu erklären, die mich davon überzeugt hat, dass die Arbeit in der Wissenschaft das Richtige für mich ist. Ich ziehe viel Energie aus der wissenschaftlichen Neugier und Entdeckung, aber ich glaube, es ist vor allem das kommunikative Element der wissenschaftlichen Arbeit (Diskussion und Austausch mit anderen, Öffentlichkeitsarbeit, Lehre und Schreiben), das mich fesselt!



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Um ehrlich zu sein, wusste ich bis zu meinem letzten Jahr des Bachelor-Studiums nicht, was Epidemiologie ist. Als ich dann herausfand, dass es sich um ein Fachgebiet handelt, das die Gesundheit der Bevölkerung untersucht, war mir schnell klar, dass es genau das Richtige für mich ist.

Während meiner Promotion, die sich mit Gerinnungsfaktoren und ischämischen Schlaganfällen (ein Schlaganfall, der auftritt, wenn eine Arterie im Gehirn verstopft wird) befasste, begann ich mich für die Methodik der epidemiologischen Forschung zu interessieren. Wie können wir zum Beispiel die kausale Wirkung eines bestimmten Risikofaktors auf eine bestimmte Krankheit korrekt quantifizieren? Oder wie können wir sicher sein, dass das, was wir in einer Studie beobachtet haben, tatsächlich der Effekt ist, den wir messen wollten, und nicht durch eine dritte Variable, einen Messfehler oder sogar einen Selection Bias („Stichprobenfehler“) erklärt werden kann? Für mich sind diese Probleme wie Puzzle, und es macht mir viel Spaß, gemeinsam mit meinem Team herauszufinden, wie man sie am besten lösen kann.

Mein Interesse an Methoden hat es mir auch ermöglicht, an einer Vielzahl von Themen zu arbeiten, obwohl ich mich hauptsächlich mit neurovaskulären Erkrankungen beschäftige. Ich habe gelernt, dass eine solide Methodik für eine gute Wissenschaft von zentraler Bedeutung ist und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinausgeht. Vor kurzem habe ich sogar an einer Veröffentlichung über die Lernfähigkeit von parasitären Wespen mitgearbeitet! Einige der interessantesten und produktivsten wissenschaftlichen Diskussionen, die ich bisher geführt habe, fanden mit Wirtschaftswissenschaftler*innen, Philosoph*innen, Linguist*innen und Evolutionsbiolog*innen statt. Es macht mir Spaß, neue Erkenntnisse in meine laufenden epidemiologischen Projekte einzubringen. Die immensen Möglichkeiten zur Vernetzung und Zusammenarbeit halten mein Interesse wach!

  

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Derzeit arbeite ich als Nachwuchsgruppenleiterin der Forschungsgruppe Neuroepidemiologie am Zentrum für Schlaganfallforschung Berlin und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Public Health der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Mein Team arbeitet an der Entwicklung neuer Methoden zur Untersuchung der Bevölkerungsgesundheit und setzt moderne Methoden in unserer angewandten Arbeit ein, die darauf abzielt, die Ursachen und Folgen von Schlaganfällen und anderen neurologischen Erkrankungen besser zu verstehen.

Zu meiner täglichen Arbeit gehört es, Anträge zu formulieren, Daten mit statistischer Software zu bereinigen und zu analysieren, Ergebnisse zu interpretieren und zu diskutieren und Manuskripte zu schreiben. Ich treffe mich regelmäßig mit Kliniker*innen, um sie beim Design ihrer Studien mit Schlaganfallpatient*innen zu beraten, ihre statistischen Analysen zu planen und darüber zu sprechen, wie sie mögliche Verzerrungen vermeiden können. Ich verwalte auch den großen Datensatz des Berliner Schlaganfallregisters (B-SPATIAL"), der die Daten aller Schlaganfallpatient*innen enthält, die in 15 Schlaganfallstationen in Berlin eingeliefert werden. Als Gruppenleiterin habe ich jetzt auch viel mehr Verwaltungsarbeit als früher und ich lerne viel über Wissenschaftsmanagement und was es braucht, um ein Team zu leiten. Wenn ich nicht forsche, findet ihr mich in den Methodenkursen unserer Graduiertenprogramme in Public Health, Epidemiologie und Health Data Sciences. Die Lehre ist eine echte Leidenschaft von mir und ich werde im Laufe der Woche in meinen Tweets mehr darüber schreiben, warum ich es für wichtig halte, dass sich Nachwuchswissenschaftler*innen an der Lehre beteiligen.

Ich freue mich auch darauf, im Laufe der Woche mehr (wissenschaftliche) Details über die Forschungsprojekte, an denen mein Team arbeitet, mit Ihnen und euch zu teilen!

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Vor der COVID-19-Pandemie wussten die meisten Menschen, die ich getroffen habe, nicht, was eine Epidemiologin macht ("Sind Sie eine Hautärztin?", "Sie machen also etwas mit Käfern?"). Aber jetzt scheinen die meisten Menschen eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, was Epidemiolog*innen tun und warum unsere Arbeit wichtig ist. Das Wort "Epidemiologie" kommt von "Epidemie". Auch wenn wir oft an Epidemien von Infektionskrankheiten denken, sind viele chronische Krankheiten ebenfalls epidemisch. Derzeit sind chronische Krankheiten weltweit die häufigste Todesursache. Da die Weltbevölkerung immer älter wird, nehmen auch die Auswirkungen dieser chronischen Krankheiten zu. Wir haben bereits viele Ursachen für chronische Krankheiten ermittelt, von denen einige vermeidbar sind. Methoden der Kausalanalyse werden eingesetzt, um weitere Ursachen aufzudecken und Behandlungen und Verhaltensweisen zu ermitteln, die zur Vermeidung von Krankheiten beitragen. Durch gezielte Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit können wir daran arbeiten, bekannte Ursachen zu beseitigen, was zu Verbesserungen auf Bevölkerungsebene hinsichtlich der Krankheitslast führen wird.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin Mitbegründerin des "Berlin Epidemiological Methods Colloquium" (BEMC), einer monatlichen Vortrags- und Journal Club-Reihe, die wir mit dem Ziel ins Leben gerufen haben, an Epidemiologie interessierte Menschen zu vernetzen, die an verschiedenen Universitäten, in der Industrie und bei gemeinnützigen Organisationen in und um Berlin arbeiten. Seit dem Start im Jahr 2016 ist unsere Mailingliste auf mehr als 600 Teilnehmer*innen angewachsen! Während der Pandemie sind wir auf ein Webinar-Format umgestiegen und stellen Aufzeichnungen unserer Vorträge auf YouTube ein, um unsere Inhalte auch für Menschen außerhalb Berlins zugänglicher zu machen. Wer also daran interessiert ist, mehr über die neuesten Methoden in den Bereich Health Data Sciences zu erfahren, kommt gerne vorbei – alle sind willkommen! [weitere Infos: https://bemcolloquium.com/]

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Mein neuestes Hobby ist der Swing-Tanz (Lindyhop und Charleston), mit dem ich während der Pandemie angefangen habe. Eine tolle Möglichkeit, sich körperlich zu betätigen, ohne dass es sich wie Sport anfühlt! Außerdem spiele ich Impro-Comedy mit einer Truppe in Berlin. Spinning- und Yogakurse helfen mir, mich nach langen Tagen im Büro zu entspannen. Kochen und Backen für Freund*innen (und natürlich gemeinsames Essen!) sind ebenfalls Dinge, die ich gerne tue, um mich zu entspannen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Angenommen, das Berliner Wetter ist auf meiner Seite, dann würde ich mit einem schönen Kaffee und einem Frühstück in einem meiner Lieblingscafés in Berlin beginnen. Dann würde ich eine Radtour durch die Stadt und entlang der Spree machen. Den Nachmittag würde ich mit Freund*innen in einem Park im Stadtzentrum verbringen, wo es eine Tanzfläche im Freien gibt und Swing-Musik läuft. Nach einem entspannten Abendessen würde ich den Abend in einer Comedy-Show mit einigen Lachern ausklingen lassen.


Bitte begrüßt Jess ganz herzlich bei Real Scientists DE!