Sunday, January 26, 2025

Comics, Pop-Kultur und mehr - Christina Meyer ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Christina Meyer! Christina (@chrismey2203.bsky.social) ist Professorin für anglitische und amerikanistische Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Hamburg. Zuvor hat sie unter anderem (!!) an der TU Braunschweig, am John-F.-Kennedy Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin und der Universität Siegen eigenständig geforscht und gelehrt. Die venia legendi für die Fachdisziplin Amerikanistik/American Studies wurde ihr im Jahr 2017 verliehen. Sie ist die Autorin von Producing Mass Entertainment: The Serial Life of the Yellow Kid (Ohio State UP, 2019, nominiert für den Eisner Award 2020 in der Kategorie "Best Academic/ Scholarly Work"), und War and Trauma Images in Vietnam War Representations (2008 bei Olms erschienen). Christina Meyer ist Mitherausgeberin von New Perspectives on American Comic Books and Graphic Novels (dies ist eine Sonderausgabe der Zeitschrift Amerikastudien / American Studies, 2011) und Transnational Perspectives on Graphic Narratives: Comics at the Crossroads (2013). Ihre jüngste Veröffentlichung ist eine Herausgeberschrift, die sie zusammen mit Monika Pietrzak-Franger von der Universität Wien zusammengestellt hat: Transmedia Practices in the Long Nineteenth Century ist 2022 bei Routledge erschienen). Zu ihren Forschungsgebieten gehören Populärkultur, visuelle Kultur, Zeitschriftenforschung, Comicforschung, Modernität, Serialität, Transmedialität, Kinderliteratur und Trauma.




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe bereits während meines Studiums als SHK und WHK gearbeitet (und meine ersten Veranstaltungen - erst Tutorien, später Lehraufträge, die Seminare und, ja, unfassbar, eine Vorlesung abdecken sollten); nach dem Studium: Promotion und die erste WiMi Stelle… anschließend viele (sehr viele) Universität-Wechsel (Stichwort: #IchBinHanna, #WissZeitVG…), Habilitation und Ende Oktober 2022 dann endlich sehr ‚erlösende‘ Anruf. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Aktuell würde ich die Arbeitsverteilung so einschätzen: 50% akad. Selbstverwaltung (diverse Gremienarbeiten, Besetzungs- und Berufungskommissionen, Ämter/Funktionen, Studienfachberatung, Betreuung und Begutachtung von BA und MA Abschlussarbeiten sowie Dissertationen,... und mehr), 35% Lehre (9SWS), 10% Forschung und 5% anderes (wie z.B. ehrenamtliche Ämter - hierzu werde ich auch im Laufe der Woche bei Bluesky noch mehr schreiben). Ich liebe die Lehre, also vor allem die Interaktionen mit Studierenden in Seminaren (der Frontalunterricht in den Vorlesungen, in denen zwischen 80 und 200 Studierende sitzen, ist nicht meine favorisierte Unterrichtsmethode). Durch die Seminardiskussionen lerne ich meine Studierenden nciht nur besser kennen, sondern lerne jedes Semester immer wieder noch dazu (Aspekte, wie z.B. bei einer Romananalyse, die mir bislang nicht aufgefallen sind). In der Forschung, die momentan zu kurz kommt, ist ein zentraler Forschungsbereich das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert - ich schaue mir vor allem die lange unbeachtet gelassenen Zeitungscomics und Zeitungsserials an. Ich sehe diese kulturellen Artefakte als Ko-Produzenten von Kultur an, die Einblicke in die Zeit, in der sie entstanden sind (und die Strukturen, die ihre Entstehung ermöglichten) gewähren. Comicforschung betreibe ich mit Leidenschaft. 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Mit Bezug auf Comics: 1) weil ich massproduzierte und massenhaft konsumierte Artefakte untersuche, die lange in der Öffentlichkeit keinen Platz hatten (oder als trivial abgetan wurden - alte Zeitungscomics der Jahrhundertwende), die aber allein schon aufgrund ihrer Wirkmächtigkeit (die ich detailliert nachzeichne) dringend untersucht werden sollten - was leisten diese Seiten, das andere Medienoptionen derselben Zeit nicht leisten (konnten), was hat diese Seiten so populär gemacht u.m.? Dies sind Fragen, mit denen ich mich beschäftige - es geht dabei (auch) um Sichtbarmachung von vernachlässigten Materialien; ich glaube, dass die Öffentlichkeit gar kein Bild davon hat, was in diesen alten Comics passiert und wie sie überhaupt aussahen (und wie farbenfroh die Originale auch heute noch sind); 2) damit einhergehend: weil ich neue Zugänge zu „alten“ Materialien aufzeige und Beispielanalysen liefere, die zeigen, wie diese Erzählformen der Moderne funktionieren und mit welchen Implikationen; 3) weil ich zukünftigen Lehrer*innen in den unterschiedlichen Lehramtsstudienprogrammen aufzeigen und beibringen will, welches didaktische Potential in diesen historischen Artefakten, aber auch zeitgenössischen Cartoons und graphic narratives steckt. Medienkompetenz ist ein zentraler Aspekt des schulischen Kurriculums, und dazu zählt nun mal auch der sichere Umgang mit und das Unterrichten von und mit Comics. Da viele meiner Studierenden später als Lehrer*in in der Grundschule oder Sekundarstufe II arbeiten werden, möchte ich Ihnen nicht nur ein Verständnis für die Lesarten von Comics übemitteln, sondern auch eine „toolbox“ mit Begriffen, Methoden und Konzepten, die ihnen das Unterrichten von und mit Comics in den jeweiligen Jahrgangsstufen erleichtert. Anders, vereinfacht formuliert: ich erhoffe mir, dass ich meinen Studierenden Wege des „Wie“ aufzeigen kann - wie (und wieso) kann man Comics unterrichten und mit welchen Zielen? 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin (wiedergewählte) erste Vorsitzende der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor e.V.). Hierzu werde ich im Laufe der Woche in meinen Posts noch mehr sagen. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich war früher Leistungsturnerin, würde das aber jetzt nicht mehr zu meinen Hobbies zählen (Salto und Spagat gehören nicht mehr zu meinem täglichen Leben). Eine meiner Leidenschaften (Hobbies?) ist Gärtnern; ich habe eine kleine Dachterrasse, und ich liebe es, mich um meine Pflanzen zu kümmern. Gärtnern ist ein Ausgleich zum akademischen Stress :-).

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Ähm, öhm. Freie Tage sind eher selten (außer ich bin krank). Insofern weiß ich gar nicht, wie mein idealer freier Tag aussieht. Ich nehme an: Ausschlafen, in Ruhe meinen Kaffee trinken, draußen auf meiner Dachterrasse im Strandstuhl sitzen, dösen, lesen, in die Natur schauen - … im Urlaub (den ich üblicherweise in die Spätsommermonate lege) sind die freien Tage meist mit dem Meer verbunden: am Meer, im Meer oder in der Nähe des Meers sein.

Bitte begrüßt Christina ganz herzlich auf dem Kanal!


Neue Materialien für die Energiewende - Juliane Borchert ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Juliane Borchert! Juliane (@pv-physicist) ist Forschungsgruppenleiterin an der Universität Freiburg (INATECH) und am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE).




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Physik habe ich studiert weil ich mich auch in der Schule schon sehr für Naturwissenschaften interessiert habe. Lange war mir aber nicht klar was ich damit machen will. Ich habe dann gemerkt, dass es mir wichtig ist, dass meine Arbeit einen Sinn hat und zur Verbesserung der Gesellschaft beiträgt. Daher habe ich mich dann auf die Halbleiterphysik und die Erforschung neuer Materialien für Solarzellen fokussiert. In meiner Masterarbeit habe ich mich dann mit den neuen Perowskitsolarzellen beschäftigt Ich fand nicht nur das Thema super spannend sondern mir gefiel auch die experimentelle Arbeit im Labor sehr. Das wollte ich weiter machen. Also habe ich mich für eine Promotion entschieden. Ähnlich ging es mir nach der Promotion weshalb ich mich für Postdoc Stellen beworben habe und weiterhin in der Wissenschaft geblieben bin.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Für mich ist die Forschung an neuen Materialien für die Energiewende die ideale Kombination aus wissenschaftlich hoch spannenden Fragestellungen und der Chance positiven Einfluss auf die Welt zu nehmen. Ich mag die Herausforderung und das Erfolgserlebnis immer wieder ganz neue Zusammenhänge und Einsichten zu erhalten. Gleichzeitig ist es mir wichtig mit meiner Arbeit positiven Einfluss auf die Welt zu haben.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Forschungsgruppe besteht aus 20 Personen die ganz verschiedenen Erfahrungen und Stärken mitbringen. Ob Physik-Doktorandin, chemisch technische Assistentin oder Ingenieurs-Postdoktorandin, alle arbeiten gemeinsam daran neue Materialien für Solarzellen zu verstehen und zu verbessern. Meine Rolle ist dabei sowohl eine wissenschaftliche als auch eine Koordinierende. Zum Beispiel sorge ich dafür, dass alle Gruppenmitglieder gut gemeinsam arbeiten können, diskutiere die wissenschaftliche Interpretation neuer Messergebnisse und kommuniziere unsere Ergebnisse auf Fachkonferenzen. Auch Lehre, Führung von Mitarbeitenden, Austausch mit Nachbargruppen und Kooperationspartner*innen gehören zu meiner Arbeit.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Um der Klimakatastrophe zu begegnen müssen wir unserer Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen. In der Zukunft wird Solarenergie also eine noch größere Rolle spielen als sie es jetzt schon tut. Daher ist es wichtig Photovoltaikanlagen einzusetzen die möglichst viel Strom produzieren und möglichst Ressourcen schonend herstellbar sind. Ich erforsche Perowskit Materialien die ein großes Potential haben das Grundmaterial für zukünftige Generationen von Solarzellen zu werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich gehöre zu zwei Institutionen, einerseits der Uni Freiburg und andererseits zum Fraunhofer ISE. Zusätzlich zu meiner Forschung bin ich auch an der Lehre beteiligt. Ich unterrichte im Masterstudiengang Sustainable System Engineering. Die Studierenden dieses Studiengangs kommen aus vielen verschiedenen Ländern und haben vorher verschiedenste Ingenieursstudiengänge studiert. Es macht sehr viel Spaß ihnen neue Solarzelltechnologien nahe zu bringen und ihre Sichtweise auf die Potentiale und Herausforderungen verschiedener Technologien kennen zu lernen.   

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit erkunde ich gern die Umgebung von Freiburg. Da ich noch nicht so lange hier wohne, entdecke ich immer wieder tolle neue Ecken bei Wanderungen im Schwarzwald und Ausflügen nach Frankreich oder in die Schweiz. Meine Kreativität lebe ich als aktives Mitglied einer Gedichteschreibe Gruppe aus. Seit Mitte 2024 habe ich außerdem das Geschichtsprojekt „Kurts 1662 Tage“ gestartet. Dafür transkribiere ich das Tagebuch meines Urgroßvaters aus dem 1. Weltkrieg und stelle es täglich in einem Blog online.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Eine Wanderung bei bestem Wetter im Schwarzwald, gefolgt von einem Spieleabend wäre super.

Bitte begrüßt Juliane ganz herzlich auf dem Kanal!


Sunday, January 12, 2025

Wie hängen Popkultur und gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen zusammen? - Rebecca Haar ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin Rebecca Haar! Rebecca (@simulacrumvacui.bsky.social) promovierte an der Universität Tübingen im Fachbereich Medienwissenschaften und Literaturwissenschaften. Nach Lehraufträgen in Tübingen lehrt sie aktuell an der Universität Klagenfurt im Bereich Game Studies. Ihre Forschungsschwerpunkte sind neben Simulationstheorie Medien- und Filmtheorie, Mediengeschichte, Game Studies sowie Comicforschung.




Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Während des Schreibens der Magisterarbeit ergab es sich, dass das Thema ausreichend groß ist, um daraus im Anschluss eine eigene Forschungsarbeit zu machen. Die Dissertation habe ich berufsbegleitend geschrieben und immer wieder Lehraufträge übernommen und freue mich, dass ich weiterhin meine Forschungsinteressen in Seminaren umsetzen kann.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Popkultur, Science-Fiction und der Umgang mit neuen Technologien haben mich schon immer interessiert, aber ebenso Medientheorien und während des Studiums in Tübingen ergab es sich, dass ich beides miteinander verbinden konnte.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin Literatur- und Medienwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Science-Fiction und Phantastik und erforsche den Konnex zwischen Popkultur und gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen, beispielsweise der Umgang mit Simulation und Virtualität in der Cyperpunk-Literatur der 1980er und Filmen der 1990er Jahre. Mein letztes Projekt, das ich als im vergangenen Jahr als Sachbuch veröffentlicht habe, beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz in der Science-Fiction am Beispiel von Star Trek und inwiefern die Fiktion von tatsächlichen technologischen Entwicklungen in ihrem zeitgenössischen Narrativ beeinflusst wird. Aktuell arbeite ich an einem Paper über die Phänomenologie virtueller Räume in Star Trek.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil ich versuche, meine Themen möglichst so zuaufzubereiten, dass sie breit zugänglich sind – sei es über Vorträge, Seminare oder Podcasts, in denen ich schon zu Gast war. Auch aus diesem Grund versuche ich immer, meine Arbeit mit Popkultur zu verbinden. Hierbei verknüpfe ich nicht nur Literatur und Film, sondern setze auch Computerspiele ein wie aktuell bei einem Seminar über Worldbuilding. Ich spreche mich immer dafür aus, den eigenen Interessen zu folgen und versuche auch in meinen Seminaren für die Studierenden Ansätze zu bieten, wie sie eigene Konzepte und Thesen für ihre wissenschaftliche Arbeit entwickeln können, die über das eigentliche Thema auch gerne hinausgehen können, um ihnen etwas an die Hand zu geben, was ihnen auch in der Zukunft hilfreich sein kann – nämlich neugierig zu bleiben und Fragen zu stellen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wir haben in Stuttgart eine kleine Bühnenshow, die sich Comics & Bier nennt, in der wir -  ähnlich dem literarischen Quartett – in wechselnder Besetzung über Comics und Bier diskutieren. Wenn ich nicht selbst auf der Bühne sitze und Comics, Manga oder Graphic Novelsanalysiere, bin ich für die Technik und Hintergrundrecherche zuständig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich habe ein Teleskop und finde Astronomie spannend. Außerdem interessiere ich mich für Musik und habe eine Instrumentensammlung, unter anderem mit Theremin, Otomatone, Kalimba und einem Synthesizer und nehme mir regelmäßig vor, endlich etwas aufzunehmen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus? 
Ein Tag ohne Verpflichtungen, an dem ich spontan entscheiden kann, was ich als nächstes mache.

Bitte begrüßt Rebecca ganz herzlich auf dem Kanal!


Sunday, January 5, 2025

Treibhausgase und Bodenleben untersuchen - Carolyn Görres ist jetzt bei Real Scientists DE!


Diese Woche freuen wir uns auf unsere neue Kuratorin
Carolyn-Monika Görres! Carolyn (@carolyngorres.bsky.social) ist Landschaftsökologin und hat 2012 an der Universität Aarhus (Dänemark) promoviert. Nach einer ersten PostDoc-Stelle an der Universität Antwerpen (Belgien), forscht und lehrt sie seit 2015 an der Hochschule Geisenheim. Sie betreibt sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung im Bereich Treibhausgasemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden. Ihr zweiter Schwerpunkt ist der Einsatz von Akustik zur Verbesserung des Biodiversitätsmonitoring im Boden.



Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Man kann sagen, dass ich da so reingerutscht bin. Es ist definitiv keine geplante Karriere. Ich habe 2006/2007 an der Universität Greifswald meine Diplomarbeit zu Methanemissionen aus natürlichen Mooren geschrieben. Die Ergebnisse durfte ich auf einer Konferenz vorstellen und dort wurde ich von Wissenschaftlern der Universität Aarhus angesprochen. Die waren gerade dabei ein Team für ein Treibhausgasmessprogramm in genutzten Mooren in Dänemark zusammenzustellen. Und so habe ich dort meine Doktorarbeit geschrieben. Das Jobangebot und die Arbeitsbedingungen in Dänemark waren sehr gut (viel besser als in Deutschland) und die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Meine Dozenten Lars Kutzbach und Martin Wilmking haben mich damals während des Studiums an der Universität Greifswald generell für das Forschungsfeld der Treibhausgasemissionen aus Ökosystemen begeistert. Und die Begeisterung dafür hat nie nachgelassen. Ich bin studierte Landschaftsökologin und möchte einfach verstehen, wie Prozesse in Ökosystemen ablaufen. Treibhausgase sind dafür ein hervorragend Querschnittsthema, weil man sich mit allen Aspekten eines Ökosystems auseinandersetzen muss: Boden, Flora und Fauna, Hydrologie, Nutzungsgeschichte, Klima. Allerdings steigt das Frustationsprotenzial in den letzten Jahren in meinem Feld extrem an: einserseits durch die Arbeitsbedingungen in der deutschen Wissenschaft und andererseits durch die Klima- und Biodiversitätskrise. Vielleicht bin ich bald nicht mehr in dem Feld tätig.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich bin Landschaftsökologin mit den Spezialgebieten Treibhausgasforschung und akustisches Bodenbiodiversitätsmonitoring. Boden ist in vielen Teilen immer noch die sprichwörtliche Black Box und mein Hauptschwerpunkt ist die Weiterentwicklung oder Neuentwicklung von Methoden, um Treibhausgasprozesse im Boden und Bodenleben besser untersuchen zu können. Viele Fragen, die derzeit noch offen sind, resultieren daraus, dass uns die passenden Messmethoden fehlen oder die Messmethoden noch so kompliziert und teuer sind, dass sie nicht großflächig angewendet werden können. Des Weiteren bin ich auch sehr gerne in der Lehre tätig, mit dem Fokus auf gute wissenschaftliche Praxis und Methodenausbildung. Ich lehre wissenschaftliches Arbeiten für verschiedene Studiengänge an der Hochschule Geisenheim und ich bringe Wissenschaftler*innen und Techniker*innen Methoden der Treibhausgasmessung sowie Datenanalyse und Datenauswertung bei.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wir sind mitten in einer menschengemachten Klima- und Biodiversitätskrise. Die Situation ist sehr, sehr ernst, aber ich möchte den Menschen zeigen, dass es nicht hoffnungslos ist. Unser Wissen zu den Themen ist jetzt schon groß genug, um jetzt effektiv handeln und gegensteuern zu können. Es macht mich sehr traurig, dass viele Menschen den Bezug zu ihrer Umwelt verloren haben und Natur nicht mehr verstehen oder wahrnehmen. Das gilt besonders für Boden. Etwas, über dass die meisten einfach nur drüber hinweglaufen. Persönlich würde es mich freuen, wenn sich die Öffentlichkeit für meine Arbeit interessiert, damit ich helfen kann, die Begeisterung für die Natur vor unserer Haustür und unter unseren Füßen (neu) zu entfachen. Nur was einem etwas bedeutet, für dessen Schutz setzt man sich auch ein.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich bin Strahlenschutzbeauftrage an der Hochschule Geisenheim, da wir ein Gasmessgerät mit einer radioaktiven Quelle haben, und derzeit bin ich auch in die Planung und den Bau eines komplett neuen Laborgebäudes an der Hochschule Geisenheim involviert.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Meine Hobbies finde ich nicht übermäßig interessant. Ich lese gerne Krimis, betreibe viel Sport (Laufen, Krafttraining) und schaue auch sehr gerne Sport (Fußball, American Football). Interessanter und sehr wichtig finde ich, dass ich überhaupt wieder Hobbies habe und die auch pflege. Es gab leider eine Zeit in meinem Leben, in der nur noch Arbeit existierte. Zum Glück ist diese Zeit vorbei und ich habe wieder eine gute Work-Life-Balance.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus? Ausschlafen (Wecker wird ausgestellt), ein schönes Essen kochen, selber Sport treiben und sich danach Sportevents entweder live im Stadion oder im Fernsehen anschauen. Alternativ statt Sport auch einfach den ganzen Tag auf dem Sofa mit einem Krimi verbringen. Am besten ist der freie Tag, wenn ich ihn zusammen mit meinem Mann verbringen kann.


Bitte begrüßt Carolyn ganz herzlich auf dem Kanal!


Sunday, December 29, 2024

Wie man die Algebra für die Naturwissenschaften weiterentwickelt! Thomas Kahle ist jetzt bei Real Scientists DE!


Diese Woche freuen wir uns auf unsern Kurator Thomas Kahle (@tomkalei.bsky.social)! Thomas ist Mathematiker und hat 2010 an der Universität Leipzig promoviert. Seit 2013 ist er an der OvGU Magdeburg zunächst als Juniorprofessur und seit 2018 als Professor beheimatet. Er erforscht, wie die moderne abstrakte Algebra für Anwendungen, z.B. in der Statistik, nützlich gemacht werden kann. Außerdem podcastet er seit 2020 bei Eigenraum und Pi ist genau 3.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Meine Mutter ist auch Mathematikerin und daher bin ich vielleicht familiär schon in diese Richtung geprägt. Ich habe mich als Kind auch immer für Computer interessiert, und ein Studium an der Uni war schon als Kind mein Traum. Nach dem Abi habe ich mich dann bei der Studienwahl zunächst für Physik entschieden. Im Physikstudium gab es aber genug Mathematik, sodass ich das Fach nie aus den Augen und dem Herzen verloren habe. Nach einem Diplom in der theoretischen Physik habe ich am MPI für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig promoviert. Nach Postdoc-Aufenthalten u.a. in Stockholm und Berkeley habe ich 2013 einen Ruf auf eine Juniorprofessur erhalten und 2018 auf eine W2-Professur.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mathematik fasziniert mich mit ihren Strukturen und ihrer ganz eigenen Kreativität. Alles wird aus ein paar wenigen Grundtatsachen logisch abgeleitet. Innerhalb der Mathematik ist die Algebra die Wissenschaft vom Lösen von Gleichungen. Gleichungen tauchen natürlich von Biologie bis Statistik überall auf und in der Algebra machen wir die Grundlagenforschung zu den mathematischen Methoden für Anwendungen. An der Mathematik liebe ich auch, dass man eigentlich immer loslegen kann. Mein Laptop ist mein Labor und ich kann ihn immer dabeihaben. Was mich dabei hält, ist die Freiheit, die man in der Mathematik hat, immer wieder eigene Lösungen zu finden.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Als Professor bin ich in Forschung, Lehre, Selbstverwaltung und Outreach aktiv. Die Verwaltung überspringe ich hier mal, sie muss eben gemacht werden.

In der Forschung beschäftige ich mich mit den Bezügen von Algebra zu anderen Themen. Auf der mathematischen Seite z.B. der Kombinatorik, welche uns oft hilft, die schwierigen und komplexen algebraischen Strukturen zu ordnen und einfach zu beschreiben. Ich bin Mitglied des Programmkommittees des DFG-Schwerpunktprogramms 2458 „Kombinatorische Synergien“, wo wir diese Verbindungen erforschen.

Ich versuche auch die Anwendungen von Algebra in Naturwissenschaften weiterzuentwickeln. Da gibt es etwa das Feld der Algebraischen Statistik in der wir uns speziell mit algebraischen Strukturen in statistischen Methoden wie Maximum Likelihood Schätzung oder statistischen Tests auseinandersetzen.

In der Lehre gestalte ich die Grundausbildung in den mathematischen Studiengängen, sowie auch Lehramtsausbildung. Natürlich halte ich auch Vorlesungen über algebraische Spezialgebiete, wie man sie im Masterstudium Mathematik belegt.

Im Bereich Outreach habe ich das Podcasten für mich entdeckt. Ich erzähle gerne die Geschichten der Mathematik. Ich bin ein Sammler von Kuriositäten und kreativen Momenten, wo durch eine witzige Idee etwas Überraschendes passiert ist, oder wo die einzigartigen Lösungen, die in der Mathematik gefunden werden, auch woanders überraschen können. Einen Science-Slam habe ich auch schon mal bestritten und werde es wieder tun.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Mathematik steckt in vielen Dingen drin, ohne dass man es groß bemerkt. Viele kennen nur das evtl. ungeliebte Schulfach, welches die Vielfalt, Kreativität und Freiheit der Mathematik gar nicht gut abbilden kann. Ich spreche gerne alle an, die sagen „in Mathe war ich immer gut, habe das aber nach der Schule nie weiterverfolgt“ und alle die das Schulfach nicht mochten natürlich auch.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Da fällt mir gerade nichts ein.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich habe 3 Kinder und probiere gerne mit ihnen zusammen aus, was denn ihre Hobbies werden sollen. Aktuell sind da Mineralogie und Retro-Computerspiele angesagt, aber das ändert sich regelmäßig.

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Nach 8h Schlaf aufstehen, ein leckeres Frühstück mit knusprigem Brot und Kaffee und dann bei Sonne mit meiner Familie Skifahren oder Wandern.


Bitte begrüßt Thomas ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, December 15, 2024

Gesundheit, Technik und Umwelt aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive! Jennifer S. Henke ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Jennifer S. Henke (@jenniferhenke.bsky.social)! PD Dr. phil. habil. Jennifer S. Henke ist Privatdozentin. Sie forscht und lehrt im Bereich der anglophonen Literatur- und Kulturwissenschaften. Ihre Schwerpunkte liegen in der medienkulturwissenschaftlich ausgerichteten Textanalyse von der Renaissance bis heute. Sie ist die (Ko-)Autorin von vier Büchern und hat u.a. zu Shakespeare-Adaptionen, zum Hollywood Film, zur Literaturkulturgeschichte von psychoaktiven Drogen und zur Medizingeschichte während der Aufklärung in Großbritannien publiziert.  

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Nach meinem Magister-Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik entstand der große Wunsch, mich weiter wissenschaftlich zu betätigen, also bewarb ich mich um ein Stipendium und promovierte drei Jahre lang zu filmischen Adaptionen von Shakespeares Dramen. Nach der Promotion arbeitete ich als Postdoc weitere drei Jahre u.a. für die interdisziplinäre Forschungsgruppe Fiction Meets Science und untersuchte die Darstellung von Wissenschaft(ler*innen) in Literatur und Film. Daran anschließend leitete ich vier Jahre auf einer eigenen Stelle ein Projekt zur Darstellung der Geburtsmedizin in kulturellen Artefakten während der Aufklärung in Großbritannien. Nach pandemiebedingten Unterbrechungen sowie Vertretungsprofessuren in MV und BaWü habilitierte ich mich in NRW und bin nun Privatdozentin (ohne Anstellung).


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Aktuell habe ich meinen Forschungsfokus, der vor allem im Bereich science, literature and culture und den medical humanities verortet ist, um das Feld der environmental humanities erweitert. Mich faszinieren vor allem die material cultures sowie posthumanistische Ansätze, mit denen sich Fragen zu Gesundheit, Technik und Umwelt aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive hervorragend verbinden lassen. Spannend finde ich insbesondere den Versuch, den Menschen zu dezentrierten und somit zum Bewusstsein beizutragen, dass wir seit jeher mit Materie und unserer Umwelt verbunden sind, ohne dabei jedoch unsere individuelle Verantwortung aus dem Blick zu verlieren.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Zurzeit arbeite ich an neuen Aufsätzen zu den o.g. Themen und habe in diesem Jahr mein sog. ‚zweites Buch‘ in die Produktion gegeben, sodass mir nun wieder mehr Zeit für neue Ideen bleibt. Wenn ich nicht gerade durch die Bundesrepublik zu Vertretungsprofessuren, Vorträgen oder Seminaren pendle, verbringe ich die meiste Zeit im home office, verschlinge Fachliteratur und bereite mich auf den nächsten Bewerbungsmarathon in dieser Karrierephase vor, die zu den prekärsten in diesem System gehört: Privatdozierende haben in der Regel Berufsverbot nach dem #WissZeitVG und führen meist unentgeltlich ihre sog. Titellehre durch. Nur Literatur schmökern reicht also nicht: Zur täglichen Arbeit von PDs gehört z.B. auch, Anträge zu schreiben und auf Bewilligung im hart umkämpften Drittmittelgeschäft zu hoffen, um möglichst lange durchhalten zu können. Ich liebe meine Arbeit trotzdem, vor allem die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen und Studierenden motiviert mich immer wieder.       


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Weil Literatur und Kultur viel mehr können als einfach nur zu unterhalten. Ich betrachte sämtliche Texte, dazu gehören sowohl der Roman, das Drama, die Kurzgeschichte, der Film, die Illustration oder sogar das Computerspiel, als kulturelle Artefakte, die uns sehr viel über das, was war, was ist und das, was kommen mag, erzählen können. Gerade angesichts der rasant abnehmenden Text- und Medienkompetenz und der Flut an Desinformationen sind die Literatur- und Kulturwissenschaften heute besonders gefragt, gleichzeitig aber auch politisch unter Beschuss. Nicht zuletzt trainiert die Literatur- und Kulturanalyse den Perspektivwechsel und die Empathiefähigkeit – sie ist vor allem demokratiefördernd, ein Effekt, den wir heute mehr denn je brauchen.   


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich würde mich durchaus als Aktivistin bezeichnen, die sich spätestens seit #IchBinHanna für bessere Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft einsetzt. Ich bin zudem solidarisch mit #IchBinReyhan, einem intersektional ausgerichteten Hashtag, der u.a. auch Frauen* und nicht-akademisierte (#FirstGen) Forschende mitdenkt, die in der Wissenschaft noch immer eklatant unterrepräsentiert sind, vor allem in Führungspositionen, und von der Sprachwissenschaftlerin Dr.in Reyhan Şahin ins Leben gerufen wurde.  


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Wenn ich nicht gerade online bin, verbringe ich liebend gern so viel Zeit wie möglich mit unseren drei Hunden. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich zudem viel öfter ins Kino gehen, ich bin ein absoluter Filmmensch. Ansonsten kann man mich an meinen Lieblingsorten in Bremen antreffen: an der Schlachte, im Viertel, im Waller Park oder am Osterdeich.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?
Gutes Essen, gut gelaunte Hunde, guter Film, gute Freund*innen (nicht zwingend in dieser Reihenfolge).




Bitte begrüßt Jennifer ganz herzlich bei Real Scientists DE!