Sunday, April 15, 2018

Globukalypse now - Natalie Grams ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch eine alte Bekannte vorzustellen: Natalie Grams (@nataliegrams1)! Vor genau einem Jahr sie hat uns zum ersten Mal als Kuratorin beehrt. Seitdem ist einiges passiert -- unter anderem hat sie ein neues Buch veröffentlicht -- und das wollten wir uns von ihr persönlich erzählen lassen.

Das Interview vom letzten Jahr findet ihr hier, und so stellt sich Natalie in ihren eigenen Worten vor:

Ich bin Ärztin und ehemalige Homöopathin. In meinem Buch "Homöopathie neu gedacht" beschreibe ich meinen Weg heraus aus der Homöopathie, breche darin aber auch eine Lanze für mehr Empathie und Zuwendung in der normalen Medizin. Als Kommunikationsmanagerin der GWUP und als Leiterin des Informationsnetzwerks Homöopathie setze ich mich mit Leidenschaft und Engagement dafür ein, dass Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden.
Dazu erschien im Oktober 2017 auch mein Appell für eine vernünftige Medizin „Gesundheit! Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen“.

Ich setze mich vielfältig für Aufklärung rund um falschen Glauben, Esoterik und Alternativmedizin ein. Zum Bespiel für den Deutschen Konsumentenbund, als ehrenamtliche Vize-Präsidentin des Humanistischen Pressedienstes, als Beirätin der Giordano-Bruno-Stiftung sowie als Mitglied im Münsteraner Kreis.

Bitte begrüßt Natalie ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 8, 2018

Kinder, Kinder - Janna Gottwald ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch Janna M. Gottwald als neue Kuratorin vorstellen zu dürfen! Janna ist Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Entwicklungspsychologie an der Universität Durham, Vereinigtes Königreich.
Sie hat Psychologie an den Universitäten Kiel und Potsdam studiert und hat als Marie-Curie Stipendiatin an der Universität Uppsala, Schweden in der Entwicklungspsychologie promoviert.
In ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit motorischer Handlungsplanung und frühen kognitiven Prozessen im Säuglingsalter beschäftigt. Derzeit forscht sie hauptsächlich zur Entwicklung von Körperrepräsentation und Bewegung im Kindesalter.

Mehr über Janna erfahrt ihr in ihren eigenen Worten hier:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich habe Psychologie studiert mit dem klaren Ziel, Psychoanalytikerin zu werden.
An der Psychoanalyse reizte mich damals das analytische Denken und die Haltung, die menschliche Psyche in ihrer Komplexheit grundlegend verstehen zu wollen.
An der Uni erschien mir dann die Entwicklungspsychologie am ehesten mit psychoanalytischen Ansätzen vereinbar. Besonders spannend fand ich die Säuglingsforschung, die sich schließlich die Bedeutung der ersten Lebensjahre für die menschliche Entwicklung beschäftigt! Ich habe daher meine Diplomarbeit an der Uni Potsdam in dem Bereich geschrieben und mich mit frühkindlichen Aufmerksamkeitsprozessen und deren neuropsychologischen Korrelaten beschäftigt. Der ganze Prozess, von Planung und Literaturrecherche über Datenerhebung und Datenanalyse bis hin zum Aufschreiben, hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich für die Wissenschaft entschieden habe. Ich hatte außerdem Glück mit meiner Diplomarbeitsbetreuerin (Prof Birgit Elsner), die mich gefördert und unterstützt hat, und mir direkt nach dem Diplom eine Stelle angeboten hat.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ursprünglich bin ich über mein Interesse an der Psychoanalyse zur Entwicklungspsychologie gekommen. Durch mein Psychologie-Studium und meine Diplomarbeit habe ich meine Liebe zur Grundlagenforschung und Methodik entdeckt. Insbesondere die Säuglingsforschung und ihre Möglichkeiten, komplexe Entwicklungsprozesse untersuchen (und hoffentlich verstehen!) zu können hat mich gereizt. Außerdem finde ich es spannend, die vorsprachliche Zeit direkt (und nicht retrospektiv) untersuchen zu können und dabei Verzerrungen durch sozial erwünschtes Verhalten der Versuchsteilnehmer_innen vermeiden zu können. Persönlich gefällt mir auch sehr der Kontakt mit Eltern und ihren Kindern. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich schon Säuglinge sind! Es gefällt mir, Studien mit Aufgaben zu planen, die möglichst spannend und unterhaltsam für die Kinder sind.
Mein Doktorarbeitsprojekt in Schweden an der Uni Uppsala hat mich weiterhin in meiner Wahl bestätigt. Ich habe dort im Babylab Zusammenhänge von sensu-motorischer und kognitiver Entwicklung untersucht. Und wieder hatte ich Glück mit einem sehr inspirierenden Betreuer (Prof Gustaf Gredebäck), der meine Begeisterung für die Entwicklungspsychologie (und die Wissenschaft allgemein) weiter befördert hat.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich bin seit drei Monaten in Durham, England, und arbeite im Bereich sensu-motorische Entwicklung, nun mit etwas älteren Kindern (4- bis 12-Jährige). Zusammen mit Dr Dorothy Cowie untersuche ich, wie Kinder ein Gefühl für ihren eigenen Körper entwickeln. Woher wissen wir, dass zum Beispiel die eigene Hand zum eigenen Körper gehört? Wie verändert sich diese sogenannte Körperrepräsentation im Laufe der Zeit und wie unterscheidet sie sich von der von Erwachsenen? Dabei schaue ich, wie die verschiedene Sinne, wie Sehen und Fühlen, zusammenspielen, und inwiefern Kinder die verschiedenen Sinneseindrücke miteinander integrieren. Zusätzlich interessiere ich mich dafür, welche Rolle eigene Bewegung dabei spielt. Zurzeit arbeite ich viel mit dem experimentellen Paradigma der Rubber Hand Illusion, d.h. die Kinder sehen, wie eine künstliche Hand mit einem Pinsel gestrichen wird, während ihre eigene Hand (nicht sichtbar!) ebenso gestrichen wird. Nach einer Weile geben die meisten Kinder an, das Gefühl zu haben, dass die künstliche Hand zu ihnen gehört, und wenn sie gefragt werden mit geschlossenen Augen zu zeigen, wo ihre Hand ist, zeigen sie eher in Richtung der künstlichen Hand als in Richtung der eigenen Hand. Zur Zeit testen wir gerade viele Schulkinder, was sehr praktisch und effizient ist! Wir besuchen die Schulen tageweise und testen viele Kinder einzeln hintereinander.
Zudem leite ich ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Uni Uppsala in Schweden. In dem Projekt untersuche ich, inwiefern motorische Planung von Greifhandlungen mit der Entwicklung der exekutiven Funktionen in den ersten zwei Lebensjahren zusammenhängt. Hängen motorische und kognitive Planung miteinander zusammen? Und welche Rolle spielt der elterliche Einfluss? Dazu werde ich eine Längsschnittsstudie mit vielen Säuglingen durchführen, die nächstes Jahr anläuft.



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Meine Hoffnung ist, dass meine Forschung dazu beiträgt, die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern tiefergehend zu verstehen. Wenn wir besser erklären können, wie Kinder ein Gefühl für den eigenen Körper entwickeln und welche Rolle Bewegung und multisensorische Prozesse dabei spielen, könnte eventuell Menschen mit Körperbildstörungen oder Menschen mit Prothesen geholfen werden. Wenn wir besser erklären können, wie sich unsere exekutiven Funktionen entwickeln, könnten darauf aufbauend eventuell Trainings entwickelt werden, um Kinder mit Schwierigkeiten in diesem Bereich (z.B. Kindern mit ADHS) zu unterstützen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich habe eine Weile zusätzlich als externe Gutachterin für eine norwegische Universität gearbeitet, und habe Gastvorlesungen gehalten. Dabei haben mir meine Schwedisch-Kenntnisse sehr geholfen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich fotografiere sehr gern und teile meine Begeisterung dafür auf Instagram (@kvinnalene). Ähnlich wie auf Twitter bin ich dort umgehen von vielen anderen mit den gleichen Interessen. Ich treffe viele von meinen Instagram-Followern im analogen Leben zu Fotowalks und zum Teil haben sich Freundschaften daraus entwickelt. Fotografieren ist ein toller Ausgleich zum manchmal etwas stressigen Forscherinnenleben und ich nutze jede Konferenzreise zur Dokumentation der neuen Umgebung. Am liebsten fotografiere ich jedoch Hunde.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer freier Tag beginnt mit frisch geröstetem Kaffee und hält gutes Fotowetter bereit. Mein Freund und ich spazieren den ganzen Tag durch die Stadt (Berlin oder Stockholm) und fotografieren. Zwischendurch gehen wir schwedisch Kaffeetrinken. Abends gehe ich zum Yoga. Am nächsten Arbeitstag habe ich dann Inspiration für neue Projekte.

Bitte begrüßt Janna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 1, 2018

Wissen kommunizieren - Annette Leßmöllmann ist jetzt bei Real Scientists DE!


Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Annette Leßmöllmann (@annetteless) vorstellen! Genauer gesagt, Prof. Dr. Leßmöllmann - Annette ist Professorin für Wissenschaftskommunikation am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Studiert hat sie Allgemeine Sprachwissenschaft, Germanistische Linguistik, Geschichte und Philosophie in Wien und an der Humboldt-Universität zu Berlin, gefolgt von einer Promotion über die Adjektivsemantik. Ihre Wissenschaftsjournalismussporen verdiente sie sich in Hamburg u.a. bei der ZEIT, NDR Info und Technology Review, und wurde 2004 Redakteurin bei Gehirn&Geist/Spektrum der Wissenschaft. 2006 übernahm sie die Professur für Wissenschaftsjournalismus an der Hochschule Darmstadt, bevor sie 2013 ans KIT wechselte. Dort leitet sie die Abteilung Wissenschaftskommunikation des Instituts für Germanistik und forscht unter anderem zu vernachlässigten Zielgruppen in der Wissenschaftskommunikation, partizipativen Formaten, zum Berufsfeld Hochschulkommunikation und über die Integration von Wissenschaftskommunikation in die universitäre Lehre.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich habe Linguistik, Philosophie und Geschichte studiert, weil mich Denken, Handeln und Sprechen interessiert: Wann kann man z.B. berechtigterweise davon sprechen, dass Handlung A den Vorgang B ausgelöst hat? Gibt es diese Form der Kausalität in der Geschichte, können Historiker*innen diese rekonstruieren und wenn ja, wie begründen sie das - wenn es doch letztlich um Vorgänge geht, die hinter den Stirnen von handelnden Menschen verborgen sind? Und wie ist es mit der Sprache - woher weiß man eigentlich, dass eine bestimmte Formulierung präziser ist als eine andere? Und, Denken: Wie begründe ich, dass eine bestimmte Schlussfolgerung gerechtfertigt ist - ist diese Rechtfertigung nicht wiederum etwas, was ich begründen muss, und wie komme ich aus diesem infiniten Regress heraus (gar nicht, klar - aber ist das nicht ein echtes Problem für empirische Wissenschaften)? Das klingt vielleicht ein bisschen schwurbelig, aber mich hat das interessiert - wie man als Forscher*in überhaupt zu seinen Schlussfolgerungen kommt, und wie man sie wirklich valide begründet. Vielleicht bin ich deswegen Wissenschaftsjournalistin geworden, damit ich andere Leute mit diesen Fragen löchern kann. In die Lehre und Forschung bin ich gegangen, weil es mir Spaß macht, solche Fragen mit Studierenden zu diskutieren, und weil man ganz grundsätzliche Fragen immer wieder auch in empirische Forschungen einfließen lassen kann. (Und sollte.)

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich bin über den Wissenschaftsjournalismus zur Wissenschaftskommunikation gekommen, die ich als Dachbegriff verstehe: Er umfasst  für mich - und für viele andere, die in diesem Bereich tätig sind - Wissenschaftsjournalismus, Wissenschaft-PR und alle anderen Formen der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Mich sticht da manchmal der Hafer, und ich denke: Bei all den vielen Statements und Forderungen, dass Wissenschaftler*innen unbedingt mit der Öffentlichkeit kommunizieren sollten (wogegen nichts zu sagen ist, finde ich im Prinzip auch) sollten wir doch ab und zu einen Schritt zurücktreten und uns fragen: Wissen wir eigentlich schon so ganz genau, was passiert, wenn Wissenschaft und Öffentlichkeit kommunizieren? (Antwort: Wir haben eine Menge Einzel-Forschungsergebnisse, aber von einem etablierten Wissen können wir noch nicht sprechen.) Umgekehrt gefragt: Können wir erklären, warum die Kommunikation in manchen Fällen scheitert? Ich glaube z.B., dass wir mehr über das Verhältnis Wissenschaft - Öffentlichkeit wissen werden werden, wenn wir das Scheitern nachvollziehen können.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich mache sehr viel Management: Personalentwicklung, Projektmanagement, Studiengangsmanagement. Wir haben in den vergangenen Jahren zwei ganz neue Studiengänge an den Start gebracht, die sehr gut angenommen werden. Ich freue mich über die ersten Masterarbeiten, und wir haben bereits wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen, die bei uns studiert haben. In der Forschung interessiert mich Berufsfeld-Relevanz: Können wir etwas herausfinden, das die Menschen da draußen irgendwie weiterbringt? Wir untersuchen z.B. das sich immer mehr entwickelnde und ausdifferenzierende Berufsfeld der Hochschulkommunikation, außerdem schauen wir uns an, wie digitale Darstellungsformen im Wissenschaftsjournalismus von Rezipienten wahrgenommen werden (z.B. im Vergleich mit Printmedien), und wir beschäftigen uns mit der Frage, wie man eigentlich diejenigen Zielgruppen erreicht, die man mit Wissenschaftskommunikation bislang nicht erreicht hat.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es wird viel über "die Medien" und "die Wissenschaft" und auch manchmal "die Wissenschaftskommunikation" gesprochen, und da halte ich es für wichtig, dass die Forschung über Wissenschaftskommunikation sichtbar und zugänglich ist und das, was sie an Wissen erzeugt, zugänglich macht und diskutiert. Das können auch mal Fragen sein, die man in den Raum wirft, um gefühlte Wahrheiten darüber nicht einfach so stehen zu lassen. Wenn zum Beispiel alle behaupten, das Vertrauen in die Wissenschaft lasse nach, dann sollte man diskutieren, ob wir für diese Behauptung (oder eigentlich: Befürchtung) überhaupt ausreichende Evidenz haben.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Zusammen mit Wissenschaft im Dialog und dem NaWik betreibe ich die Plattform wissenschaftskommunikation.de, auf der wir unter anderem auch über die Forschung über Wissenschaftskommunikation berichten. Ich bin im Beirat der Tagung Wissenswerte - Bremer Forum für Wissenschaftsjournalismus tätig, in dem wir jährlich die aktuellen Herausforderungen diskutieren und über Tagungsinhalte beraten. Gefühlt sause ich ständig durch die Republik und bin in zahlreichen Gremien tätig, u.a. 2017 in der Jury für den Preis für Hochschulkommunikation der HRK.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich segle gerne mit meinem Mann über die Ostsee - und weil die Küsten gespickt sind mit Naturwundern, Museen und Handelsstädten mit viel Geschichte und Architektur, kann ich in allem schwelgen, was mich interessiert. Und ich bin dabei an der frischen Luft. Außerdem gilt es, Abenteuer zu bestehen, wenn man z.B. zu zweit durch die Nacht schippert, an den großen Schifffahrtsrouten entlang. Oder durch Nebel. Danach will man nie wieder segeln. Oder erst recht.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Freie Tage gibt es eigentlich nicht, denn ich kann nicht Nein sagen (z.B. hatte ich die lustige Idee, ab Ostermontag für euch zu twittern, das muss man seiner Familie schon ein bisschen verklickern) - richtig Pause mache ich nur beim Segeln, s. voriger Punkt. Sonst gibt es freie Stunden: Abschalten kann ich in einem Museum, das mich begeistert, beim Spaziergang durch eine unbekannte - oder sehr bekannte - Stadt, oder, mit dem Fernglas in der Hand, in der Natur. Außerdem lese ich mit großer Begeisterung Zeitung, analog oder digital.

Bitte begrüßt Annette ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 25, 2018

Mein Freund, der Roboter - Anna Henschel ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Anna Henschel (@AnnaHenschel) vorstellen zu dürfen! Anna hat es aus ihrer Heimat im hohen Norden Deutschlands zuerst für ihr Psychologie-Bachelorstudium in den tiefen Süden nach Konstanz am Bodensee verschlagen und anschließend - angetrieben durch ihre neuentdeckte Leidenschaft für die Neurowissenschaften - nach Amsterdam. An der Vrije Universiteit hat sie zwei Jahre lang Kognitive Neurowissenschaften studiert. Durch ein Praktikum am Niederländischen Insititut für Neurowissenschaften und durch einen glücklichen Zufall (mehr dazu auf Twitter!) entdeckte sie dann die "Social Robots" und das Social Brain in Action Lab und zog für ihre Doktorarbeit schließlich nach Wales.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Mein Bachelorstudiengang an der Uni Konstanz hatte einen starken Forschungsschwerpunkt mit einem Fokus auf Statistik und Methodenlehre, und nach einem inspirierenden Forschungspraktikum an der University of California (Irvine), habe ich mich endgültig in die Wissenschaft verliebt! 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Mein PhD beschäftigt sich offiziell mit "Social Robotics & Neuroscience", aber unter diesen Begriff fallen verschiedene Disziplinen, wie die soziale und affektive, sowie kognitive Neurowissenschaft, soziale Psychologie, die (soziale) Robotik usw.! Ich finde es spannend in so einem vielschichtigen Forschungsfeld tätig zu sein und mich mit einem so kontrovers diskutierten Thema wie Robotik beschäftigen zu dürfen. Ein großes Plus ist auch die Möglichkeit neue neurowissenschaftliche Methoden zu erlernen! 
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Im Rahmen des durch den ERC geförderten Social-Robots-Projekt möchten wir untersuchen, wie verschiedene Roboter wahrgenommen werden und wie Menschen sich verhalten, wenn sie Roboter in verschiedenen Situationen antreffen. Weitere Ziele des Projektes sind die zu Grunde liegende Gehirnaktivität von Menschen zu untersuchen wenn sie mit Robotern interagieren und was für eine Rolle die erfahrungsabhängige Formbarkeit des Gehirns in dem Zusammenhang spielt.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wie bereits erwähnt, ist das Thema Social Robots gerade hoch aktuell. Immer mehr Lebensbereiche werden automatisiert, das Internet of Things dringt in unsere Wohnungen und Häuser ein und Roboter werden in der Arbeit und sogar in der Therapie eingesetzt. Die Frage, ob ein Roboter als soziales Wesen wahr genommen wird und was das für weitreichende Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung haben könnte, dürfte wahrscheinlich viele Menschen interessieren!

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Aktuell versuche ich möglichst viel Wissenschaftskommunikation mit in meinen Alltag einzubeziehen und habe in der Hinsicht einige Events organisiert. Während meiner Schulzeit war ich nebenbei noch als Jurorin in der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis tätig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In meiner Freizeit gehe ich gerne joggen, oder im schönen Snowdonia Nationalpark wandern, ich fotografiere mit meiner geliebten Spiegelreflexkamera, lese leidenschaftlich gerne und singe im Universitäts-Chor.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
An einem idealen Tag würde ich morgens im Sonnenschein joggen gehen, mittags mit meinen Mitbewohnern zusammen kochen und über Gott und die Welt philosophieren und abends, je nach Tagesform, entweder ein gutes Buch lesen oder mit Freunden im Arthouse-Kino den aktuellsten Film sehen.

Bitte begrüßt Anna ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, March 19, 2018

Das Zusammenspiel von Wissenschaft und Gesellschaft - Aadita Choudhury ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Aadita Chaudhury (@ThylacineReport) vorstellen! Aadita ist Doktorandin am Department of Science and Technology Studies (STS) der York University. Sie absolvierte einen Master in Umweltwissenschaften an der York University und einen Bachelor in Chemieingenieurwesen an der University of Toronto. Ihre Forschungsinteressen umfassen die Anthropologie und Philosophie der Biologie und der Umweltwissenschaften, Kartographie, postkoloniale und feministische STS sowie Umwelt- und Medizin-Geisteswissenschaften.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?:
Meine Mutter ist Umwelt-Toxikologin und ich war schon immer an ökologischen und Geowissenschaften interessiert. An der Universität habe ich Chemieingenieurwesen studiert. Derzeit studiere ich die sozialen Aspekte der wissenschaftlichen Praxis.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich war unzufrieden mit der Unternehmenswelt und wollte etwas, das über die Laborarbeit hinausging. Ich bin auch sehr interessiert an Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, weshalb ich erforschen will, wie diese Wissenschaft und Technik beeinflusst!

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Momentan bin ich im zweiten Jahr meiner Doktorarbeit. Ich lerne viel über die Geschichte der Biologie, der Biotechnologie und darüber, wie Soziologen und Anthropologen die sich verändernden Beziehungen zwischen Gesellschaft und Wissenschaft angehen. Bald werde ich mit der Feldarbeit beginnen, um Waldbrände zu untersuchen und wie Wissenschaftler, Politiker, Umweltschützer und andere darüber sprechen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wissenschaftler arbeiten immer in einem sozialen Kontext außerhalb des Labors. Meine Hoffnung ist, dass sie sich diesem Zusammenhang und wie sie den sozialen Fortschritt behindern oder fördern, besser bewusst werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin studentischer Vertreter von 4S (Society for Social Studies of Science).

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
In letzter Zeit interessiere ich mich fürs Kochen. Ich mag auch Sprachen lernen und Literatur lesen. Ich reise auch und gehe wandern, wann immer ich die Chance bekomme.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich möchte den Himalaya auf einem Motorrad bereisen!

Bitte begrüßt Aadita ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, March 12, 2018

Die Neurochemie des Schlafs - Gordon Feld ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unseren neuen Kurator Gordon Feld (@GordonFeld) vorstellen zu dürfen! Gordon hat in Mainz Psychologie studiert und 2009 sein Diplom erworben. Danach hat er seine Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe von Jan Born am Uniklinikum Lübeck angefangen, die er nach einem Umzug der gesamten Arbeitsgruppen im Jahre 2014 am Uniklinikum Tübingen abgeschlossen hat. Er verbrachte noch eine zweijährige Post-doc-Phase am Institut in Tübingen und wechselte Ende 2016 ans University College London. Dort untersucht er mit freundlicher Unterstützung der DFG durch ein Forschungsstipendium zusammen mit Hugo Spiers den Zusammenhang von Schlaf und Belohnungsgedächtnis.  



Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ziemlich direkt. In der Schule waren für mich immer die Naturwissenschaften am interessantesten. Psychologie habe ich eher wegen den biologischen Aspekten studiert und nicht um Therapeut zu werden. Ich habe nach dem Studium gleich mit meiner Doktorarbeit angefangen und bin seitdem nicht mehr losgekommen. Im Studium war ich mir aber alles andere als sicher, dass ich danach eine Doktorarbeit machen wollte. Das erschien mir zu anstrengend, ist es aber gar nicht. 



Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich habe während des Studiums ein Praktikum im Schlaflabor gemacht und dann auch dort meine Diplomarbeit gemessen. Wir haben untersucht, ob Probanden auf ihren eigenen Namen mit anderen physiologischen Reaktion reagieren als auf andere Namen. Nach dem Studium habe ich mich eher spontan bei Jan Born beworben, um weiter Schlafprozesse zu untersuchen. Seit dem schaue ich mir Gedächtnisprozesse im Schlaf an und versuche zu bestimmen, welche Neurotransmitter dafür welche Rolle spielen. Das interessiert außer mir leider nicht besonders viele andere Schlafforscher, aber einer muss es ja machen ;)



Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
An einem typischen Tag komme ich um 9:30 auf die Arbeit und bin um 18:00 wieder auf dem Heimweg. Weil ich in London arbeite brauche ich etwa eine Stunde von Tür zu Tür, das ist ziemlich anstrengend, da der englische Nahverkehr ziemlich überlastet ist. Aber das wolltet ihr wahrscheinlich gar nicht wissen. Wie erwähnt, arbeite ich daran, zu verstehen, wie der Schlaf zu einem funktionierenden Gedächtnis beiträgt. Schlaf scheint zum einen Gedächtnisspuren zu festigen, spielt aber möglicherweise auch eine Rolle für das Vergessen unwichtiger Informationen. Mein Beitrag fokussiert sich vorrangig auf die Untersuchung der zugrundeliegenden neurochemischen Prozesse. Dabei habe ich festgestellt, dass die Neurotransmitter, die im Wachzustand das Lernen steuern, nachts im Schlaf offenbar nur über Umwege ähnliche Rollen übernehmen können. Aber wir sind noch weit entfernt zu verstehen, was da wirklich los ist. 



Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Um ehrlich zu sein ist meine Forschung nicht direkt interessant für die Öffentlichkeit, sondern eher trockene und ziemlich nerdige Grundlagenforschung. Aber da Schlaf auch eine wichtige Rolle für Erkrankungen wie Sucht oder Demenz spielt, die sehr wahrscheinlich mit schlafspezifischen Gedächtnisfunktionen zusammenhängt, wird meine Forschung hoffentlich helfen Betroffene zu therapieren. Ganz generell ist ausreichend gesunder Schlaf aber wichtig und über seine tollen vielfältigen Funktionen sollte jeder etwas wissen.



Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin der Vater von zwei ganz tollen Kindern (Liah 0 und Sophie 3), die mich ganz schön auf Trab halten. Darüber hinaus bin ich in der Fachgruppe Biologische Psychologie und Neuropsychologie der DGPs aktiv, wo ich derzeit den Fachgruppen-Twitteraccount verwalte.



Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Neben der Familie und dem Forschen bleibt für anderes nicht wirklich viel Zeit, aber früher habe ich gerne fotografiert und viel Sport (Joggen, Krafttraining, Fußball, Surfen) getrieben. Ich habe seit neustem einen Blog (Neurochatter.com), aber ich bin noch nicht so sicher in welche Richtung der sich entwickelt, mehr Hobby oder mehr Arbeit.



Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich wache als erster auf und es ist schon 9. Ich koche mir einen starken schwarzen Kaffee, bereite Pancakes vor und frühstücke dann mit Frau und Kids. Dann gehe ich mit meiner Ältesten ins Schwimmbad oder den Zoo und wir teilen uns Pommes mit Mayo und unterwegs im Auto hören wir die neue CD von Bender & Schillinger. Abends bestellen wir beim Lieblingsitaliener Pizza oder ich habe noch die Zeit selbstgemachte Pasta mit einer leckeren Soße zu kochen. Danach gehen die Kids artig ins Bett und ich schaue mit meiner Frau einen guten Sci-Fi-Streifen oder Superhelden-Film. Dazu gibt es Chips und ein lokal gebrautes gut gekühltes Bier. 


Bitte begrüßt Gordon ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, March 4, 2018

Krieg und Propaganda - Annika Brockschmidt ist jetzt bei Real Scientists DE!

Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Annika Brockschmidt (@ardenthistorian) vorstellen! Annika studiert derzeit im Master War and Conflict Studies an der Universität Potsdam. Sie ist als freie Journalistin für den Tagesspiegel, ZEIT Wissen und ZEIT Geschichte tätig und hat im letzten Sommer ein populärwissenschaftliches Sachbuch bei Rowohlt geschrieben: "Goethes Faust und Einsteins Haken". Wenn sie nicht gerade über Quellen sitzt, oder anderweitig schreibt, ist sie auf dem Pferderücken oder mit der Nase in einem Buch zu finden.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Erstmal über die Uni - ich habe schnell gemerkt, dass ich mit Geschichte im richtigen Fach gelandet bin. Parallel dazu habe ich habe im Journalismus mit Kulturthemen begonnen, dann aber mehr und mehr gemerkt, wie spannend ich es finde, auch in einem nicht-universitären Kontext über Wissenschaft zu schreiben, sei es im Format einer Zeitung, eines Podcasts oder - wie letzten Juli zusammen mit Dennis Schulz das populärwissenschaftliche Sachbuch "Goethes Faust und Einsteins Haken" bei Rowohlt, das sich aus unserem Podcast "Science Pie" entwickelt hat. Es macht Spaß, andere mit meiner Begeisterung für Wissenschaft anzustecken und zu zeigen, dass Wissenschaft wahnsinnig spannend ist!


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Das Interesse an der Vergangenheit hat mich zur Geschichte gebracht - ganz klassisch, auch wenn ich das Fach bis zur Oberstufe nie mochte. Dann gab es einen Lehrerwechsel und ich habe gemerkt, dass Geschichte viel mehr ist als eine Aneinanderreihung von Jahreszahlen. Mein Bachelor in Heidelberg war recht breit aufgestellt: von Antike bis zur Zeitgeschichte war alles mit dabei. Ich habe mich dann auf die Frühe Neuzeit konzentriert. Jetzt im Master forsche ich zur Geschichte von Konflikten und Kriegen. Ich finde es wahnsinnig spannend, sich in Quellen einzugraben und herauszufinden, wie Konflikte funktionieren, weshalb sie ausbrechen und was das für unser aller Zukunft bedeuten könnte. Der zeitliche Fokus ist hier etwas später angesetzt, etwa ab der Napoleonischen Kriege.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich interessiere mich besonders für Propaganda: wie sie wirkt, wer sie macht, was das überhaupt ist. Vor allem der Erste Weltkrieg ist momentan mein Hauptfokus, als die sogenannte Gräuelpropaganda zum ersten Mal auf volle Touren kommt. Und das auf allen Seiten - man versucht, den Gegner möglichst barbarisch, möglichst unmoralisch und teuflisch darzustellen. Ich habe mich zuletzt mit der Darstellung von Frauen im Bezug auf die Besetzung Belgiens durch die Deutschen im Ersten Weltkrieg konzentriert. Propaganda sagt viel aus über die Gesellschaft, für die sie gemacht ist! Parallel schreibe ich, wenn es sich anbietet, für den Tagesspiegel, ZEIT Wissen oder ZEIT Geschichte - letztens einen Artikel über Literatur im Dreißigjährigen Krieg, das war sehr spannend.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Gerade heute ist Geschichtswissen und -bewusstsein extrem wichtig. Wenn man nicht tagtäglich damit zu tun hat, kann das im Alltag schnell untergehen - dem wirkt gute Wissenschaftskommunikation entgegen: Forscher, die Lust haben, ihre Inhalte ans Publikum zu bringen - und zwar verständlich. Wir müssen runter aus dem Elfenbeinturm, der ist ja quasi seine eigene Echokammer. In Zeiten, in denen die Rhetorik der 30er Jahre wieder Einzug in den Bundestag erhalten hat, ist es umso wichtiger, dass wir uns an unsere Geschichte erinnern. Aber nicht nur im Bezug auf Deutschland: jeden Konflikt dieser Welt, der heute schwelt und jeden Krieg, der herrscht, kann man nur verstehen, wenn man seine Ursachen kennt. Und dazu muss man viel tiefer graben. Wir Historiker buddeln quasi in der Geschichte - und präsentieren der Welt unsere Fundstücke.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Wie schon gesagt - neben dem Studium habe ich mit Dennis Schulz ein Buch geschrieben und bin als freie Mitarbeiterin für verschiedene Publikationen tätig.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Um den Kopf freizukriegen gehe ich reiten - vielleicht ein Nachklapp meines inneren Nerds, der eigentlich auch Mittelaltermärkte immer ganz cool fand :) Oh, und Podcasts - ich bin ganz vernarrt in Podcasts.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Morgens ein Ausritt in Brandenburg, danach ein ausgiebig langes Frühstück. Den restlichen Tag würde ich mit Lesen verbringen (zum Spaß! Nur zum Spaß lesen ist auch himmlisch), Freunde treffen und mich abends im BKA Theater bei Edith Schröder und Konsorten in Berlin schlapplachen.

Bitte begrüßt Annika ganz herzlich bei Real Scientists DE!