Sunday, January 10, 2021

Die Psychologie des Risikos - Julia Koller ist jetzt bei Real Scientists DE!

Wir freuen uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Julia Koller (@Koller_JE) vorstellen zu dürfen! Julia  promoviert seit Anfang 2020 im Bereich der Gesundheitspsychologie an der Universität Konstanz. Aktuell forscht sie im EUCLID Projekt (euclid.dbvis.de) unter anderem zu Risikowahrnehmung, Zukunftsaussichten und Schutzverhalten während der Coronavirus-Pandemie. Hierbei interessieren sie insbesondere zeitliche Dynamiken und Länderunterschiede. Außerdem interessiert sie sich für Risiken, die auf eine ungesunde Lebensweise (z.B. Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung) zurückzuführen sind. 


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?   
 
Für Wissenschaft habe ich mich schon interessiert, solange ich denken kann. Zu Schulzeiten hatte ich lange zunächst vor Biologie zu studieren, habe mich dann aber recht spontan doch noch für Psychologie entschieden. In meinem Studium war ich seit dem ersten Semester als studentische Hilfskraft tätig, zuerst in einer anderen Arbeitsgruppe, die aber auch in Richtung Gesundheitspsychologie unterwegs war, sodass ich hier schon früh Einblicke sammeln konnte. Als ich dann später die Gesundheitspsychologie-Vorlesung bei Prof. Britta Renner besucht habe fand ich es so interessant, dass ich mich dazu entschieden habe mein Praktikum bei ihr und in meiner jetzigen Arbeitsgruppe zu machen. Dort bin ich als studentische Hilfskraft geblieben und habe Anfang 2020 dann auch mit meiner Promotion begonnen. 
 
Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Ich finde, dass die psychologische Risikoforschung ein enorm vielfältiges Forschungsgebiet ist. Risiken sind in unserem Alltag praktisch überall und es gibt eine große Vielfalt an Risiken, die wir unterschiedlich wahrnehmen und auf die wir unterschiedlich reagieren. Das heißt auch, dass ich mich in meiner Arbeit mit einer Vielzahl an verschiedenen Themen beschäftigen kann: Körperliche (In)Aktivität kann genauso Thema sein wie (un)gesunde Ernährung oder eben auch die Corona-Pandemie.
 
Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe Anfang 2020 mit meiner Promotion begonnen. Damals war ich zunächst für zwei Studien miteingeplant. Durch die Corona-Pandemie kam dann aber alles etwas anders und diese Studien konnten nicht wie geplant stattfinden. Dafür arbeite ich jetzt in einem Projekt, dass aufgrund von Corona entstanden ist. Dazu kam ich Ende Januar/ Anfang Februar, als ich in einem studentischen Seminar von Prof. Britta Renner mit dabei war. Corona war damals ein großes Thema in den Medien und kurzfristig starteten wir das EUCLID Projekt (euclid.dbvis.de) um Wahrnehmung und Verhalten in Bezug auf dieses neuartige Virus in einer Online-Befragung zu untersuchen. Als das Virus dann auch nach Deutschland kam und andere Studien aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr stattfinden konnten, wurde das EUCLID Projekt immer umfangreicher. Mittlerweile erheben wir in Deutschland, den USA und Großbritannien regelmäßig repräsentative Daten und haben internationale Kooperationen, sodass wir aus 10 weiteren Ländern Daten bekommen. Obwohl wir sehr stark mit dem Projekt eingebunden sind konnten wir letztes Jahr auch die ersten 2 Artikel einreichen, an weiteren arbeiten wir gerade. 
 
Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Psychologische Risikoforschung hat gerade in Zeiten einer Pandemie eine sehr hohe Relevanz. Solange bis wir in der Bevölkerung durch Impfung keine ausreichende Immunität erreicht haben, müssen wir uns und unsere Mitmenschen durch unser Verhalten schützen (z.B. Abstand halten, Maske tragen). Und auch die Entwicklung eines Impfstoffes allein ist ohne die Impfbereitschaft der Bevölkerung nicht wirksam. Wir sind also auf das Schutzverhalten der Menschen angewiesen. In der psychologischen Risikoforschung wird zum Beispiel die Risikowahrnehmung untersucht, die ein wichtiger Faktor dafür ist, ob wir dieses gerade jetzt so wichtige Schutzverhalten zeigen. 
 
Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich interessiere mich sehr für Wissenschaftskommunikation. Letztes Jahr habe ich meinen ersten Beitrag für das deutsche in-mind Magazin (de.in-mind.org/) eingereicht und bin so auch hier bei euch gelandet. Außerdem habe ich mich für eine freie Stelle beim CREATE Executive Committee (EC), einer Fachgruppe für Jungwissenschaftler*innen der European Health Psychology Society, beworben. Daneben würde ich mich dieses Jahr auch gerne wieder mehr für Klimaschutz einsetzen. Vor Beginn meiner Promotion war ich bei den Students for Future Konstanz aktiv, also dem studentischen Ableger von Fridays for Future Konstanz, und würde mich gerne wieder mehr einbringen. Das ist leider durch meinen Promotionsbeginn und die Pandemie zuletzt etwas auf der Strecke geblieben.
 
Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Auch meine Hobbys haben sich durch Corona verändert. Ich trainiere eigentlich eine Kampfsportart names Silat. Das Training findet aktuell über Zoom statt, aber so ist es leider nicht dasselbe. Dafür habe ich plötzlich viel häufiger Kontakt zu meinem Freundeskreis aus Schulzeiten, da wir durch Corona Online-Spieleabende für uns entdeckt haben. Ansonsten versuche ich so oft es geht an die frische Luft zu kommen, spazieren ist zum Glück Corona-sicher.
 
Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?     
Ein idealer freier Tag findet für mich überwiegend im Freien statt. Ich liebe es bei gutem Wetter mit meinem Partner spazieren oder wandern zu gehen oder auch Zeit am See zu verbringen, idealerweise mit Picknick.  

Sunday, January 3, 2021

Mittelalterlich digitalisiert - Andrea Rapp ist jetzt bei Real Scientists DE!

Zum Auftakt des neuen Jahres freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Andrea Rapp (@RappAndrea) vorstellen zu dürfen! Andrea ist Professorin für Computerphilologie und Mediävistik an der Technischen Universität Darmstadt. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Trier arbeitete sie als dort als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 235 "Zwischen Maas und Rhein", im Trier Center for Digital Humanities und leitete das Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staas- und Universitätsbibliothek Göttingen. Andrea hat zahlreiche Digitalisierungs- und Forschungs(daten)infrastrukturprojekte wie TextGrid und DARIAH (mit-)initiiert und möchte sich in den nächsten Jahren wieder verstärkt ihrem Herzensthema, der mittelalterlichen Überlieferung und ihrer Erforschung mit digitalen Methoden, widmen.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Über ein paar Umwege, obwohl der Weg von heute betrachtet so gradlinig aussieht. Ich wollte gerne Museumsarbeit machen, daher habe ich Kunstgeschichte als Hauptfach studiert und Germanistik als zweites Fach dazu aus Neigung, die bei mir ein sehr guter Deutschlehrer bestärkt hat. Als ich dann in der Germanistik das erste Mediävistik-Seminar gemacht habe – was bei den meisten immer noch absolut ungeliebt, oft sogar gefürchtet ist – da war es einfach Liebe auf den ersten Blick, diese historische Perspektive auf Sprachentwicklung und Sprachwandel, diese schöne mittelhochdeutsche Sprache und die wunderbare Literatur, nicht zuletzt die Handschriften! Ich hatte das Glück, zuerst als studentische Hilfskraft, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Sonderforschungsbereich in Forschung und Lehre hineinzuwachsen und konnte mir kein schöneres Umfeld mehr vorstellen. Immer Neues lernen und immer der Kontakt mit der jungen Erwachsenengeneration – das ist durch nichts zu ersetzen!

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Zu den Digital Humanities bin ich bereits in den 80ern als studentische Hilfskraft gekommen. Mein akademischer Lehrer Kurt Gärtner nutze den Computer für die digitale Erarbeitung von Editionen (damals noch reine Print-Editionen) und Wörterbüchern. Wir Hilfskräfte wurden einfach an das Sperry-Terminal gesetzt und transkribierten Handschriften mit TUSTEP, einer Software, die ihre Wurzeln in den 70ern hat und bis heute weiterentwickelt wird und im Einsatz ist. In den 90ern erkannten wir rasch die Möglichkeiten des Internets und begannen in Trier mit Retrodigitalisierungen von Wörterbüchern, z.B. den Mittelhochdeutschen Wörterbüchern, dem Wörterbuch der Brüder Grimm und anderen Materialien. Ich war immer fasziniert von Mustern, Strukturen, Ordnungsmöglichkeiten in Sprache, Texten und Wissen – das erklärt wohl meine Vorliebe für Sprachgeschichte, Lautgesetze, Ablautreihen, Wörterbücher, Editionen, Sammlungen, Bibliotheken und Computeranwendungen. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ich habe einen ganz klassischen Professorinnenjob mit Forschung, Lehre und Verwaltung bzw. Management. Das Schöne an meinem Fachgebiet ist die Vielfalt – ich mache ganz traditionelle mediävistische Lehre wie eine Einführung in die historische Sprachwissenschaft, aber eben auch computerphilologische Themen wie Digitale Lexikographie oder Annotationsverfahren u.a.m. Das Digitale ermöglicht eine enorme Vielfalt an Forschungskooperationen, aktuell z.B. mit dem SFB 980 Episteme in Bewegung in Berlin, wo wir an Dynamiken in langfristig tradierten vormodernen Wissensbeständen, die bislang eher als statisch und beharrend angesehen wurden, arbeiten oder mit dem SFB 805 der TU Darmstadt aus den Ingenieurwissenschaften, wo wir uns für die Analyse von sprachlicher Vagheit und Unsicherheiten in Normen-Texten interessieren. In beiden Bereichen spielen Korpora, Annotationsverfahren und Forschungsdatenmanagement eine wichtige Rolle. Das beschäftigt uns auch im Konsortium Text+, mit dem wir uns für die Nationale Forschungsdateninfrastruktur beworben haben, um eine solche Infrastruktur für Sprach- und Textdaten aufzubauen. Da Sprache und Text nicht allein Forschungsgegenstände von eigenem Wert sind, sondern allgemein für Wissen, Kultur und Kommunikation grundlegend sind, ist das eine wirklich spannende Aufgabe. In anderen Teams arbeite ich an der digitalen Edition von Briefwechseln mit den Brüdern Grimm oder an einem Archiv von Liebes- und Paarbriefen, die nicht von berühmten Menschen, sondern von Jedermann und –frau stammen, also Alltagskultur repräsentieren. Dazu starten wir übrigens im nächsten Jahr mit einem Citizen-Science-Projekt, das wir gerade schon intensiv vorbereiten. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Es gibt wahnsinnig viele hartnäckige Klischees, zum einen über die Geisteswissenschaften im Allgemeinen, zum anderen über das Mittelalter im Besonderen, daran müssen wir arbeiten! Ich finde es absolut faszinierend, über die historischen Kodices, Texte und Sprachstände über die Jahrtausende hinweg zu kommunizieren – so wie wir heute über die räumlichen Entfernungen kommunizieren können. Diese historische Perspektive macht uns offener, toleranter, geschmeidiger, neugieriger, vielfältiger. Und dann die Digitalität: Sie durchdringt und formt unsere Gesellschaft in praktisch jeder Hinsicht und es geht hier eben nicht nur um Technologie, sondern um den Umgang der Menschen miteinander, um Kunst, Kultur, Bildung, Werte, Einschätzungen, Machtverhältnisse, Ethik ... 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Ich bin sehr aktiv im sog. wissenschaftlichen Ehrenamt, bin also in vielen Kommissionen und Gremien und gutachte sehr viel. Von 2017-2019 war ich Vizepräsidentin für wissenschaftliche Infrastruktur an der TU Darmstadt, also zuständig für das Rechenzentrum und die Bibliothek, was mir einerseits durch meine Arbeit in Göttingen als auch durch die Forschungsinfrastrukturprojekte vertraut war, andererseits aber viele spannende neue Erfahrungen und Begegnungen ermöglichte. Ich bin auch Mitglied in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Das hört sich für manche vielleicht etwas verstaubt und nach Elfenbeinturm an, aber das ist es gar nicht! Ich genieße die Veranstaltungen zu allen Wissenschaftsgebieten und aus der Kultur dort sehr – eine bessere Fortbildung, einen besseren Input kann man gar nicht bekommen.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Leider habe ich nicht viel Zeit für Hobbies, natürlich lese ich ‚besessen‘, mache ein bisschen Yoga und gärtnere im Minimini-Garten. Früher habe ich mal gemalt und denke oft in besonders stressigen Zeiten, dass ich meine Stifte wieder hervorholen sollte, um entspannt kreativ zu sein – vielleicht nach der Pensionierung ;-). Außerdem koche ich wirklich sehr gerne und probiere neue Rezepte aus. Ich liebe es, Marmelade zu kochen und kleine bunte Gläschen damit zu füllen, oder auch Kräutersalz und Kräutertee selbst zu machen, das empfinde ich auch als kreativ.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ein idealer freier Tag ist ein warmer Sonnentag, an dem ich mit meinem Mann ein bisschen wandern oder auch den Tomaten und Erdbeeren auf unserer Terrasse beim Wachsen zuschauen kann. Und vor allem: Zeit für ein gutes dickes Buch sollte auch sein, gern auch Krimis und Romane.

Bitte begrüßt Andrea ganz herzlich bei Real Scientists DE!


Sunday, November 8, 2020

Literatur im digitalen Zeitalter - Mareike Schumacher ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Mareike Schumacher (@m_k_schumacher) vorstellen zu dürfen! Mareike promoviert im Bereich neuere deutsche Literatur und Digital Humanities an der Universität Hamburg. Vor und während ihres Studiums arbeitete sie als Buchhändlerin, seit 2013 war sie in den Digital-Humanities-Projekten DARIAH-DE und efoto beschäftigt und seit Juli 2018 ist sie im Projekt forTEXT für die digitale Dissemination zuständig. Mareike hat Kulturwissenschaften (B.A.) an der Leuphana Universität Lüneburg und deutschsprachige Literaturen (M.A.) in Hamburg studiert und nutzt nun am liebsten Distant-Reading-Methoden. Für forTEXT ist ihr besonders wichtig, auch abstrakte Routinen anschaulich aufzubereiten und stets das literarische Beispiel in den Mittelpunkt zu rücken.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Im Grunde konnte ich mir schon als Kind vorstellen, in die Forschung zu gehen. Leider glaubte ich damals, dass ich dazu Naturwissenschaftlerin werden müsste. Für Literatur und Kultur habe ich mich schon immer begeistert und so machte ich nach dem Abitur zuerst eine Lehre zur Buchhändlerin und studierte dann erst Kulturwissenschaften und Wirtschaftspsychologie im Bachelor und schließlich Literaturwissenschaften im Master. In meinem letzten Studienjahr hatte ich das Glück, als studentische Hilfskraft an einer großen Konferenz für digitale Geisteswissenschaften mitzuarbeiten und spätestens da war mir klar, dass es das ist, was ich machen möchte.   

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Zu den Digital Humanities bin ich im Master-Studium über meinen jetzigen Doktorvater Jan Christoph Meister gekommen. Er war damals der Einzige, der an der Uni Hamburg diesen Forschungsschwerpunkt vertrat und in einem seiner Seminare lernte ich das Feld kennen. Der nächste Schritt war für mich dann der Besuch einer Summer School in Leipzig zum Thema digitale Methoden in den Geisteswissenschaften. Letztendlich war es die Kombination aus innovativen Methoden und sehr aufgeschlossenen und netten Leuten, die mich fasziniert hat. Bis heute fühle ich mich in der Community der "Digitalen" total wohl. Das und dass ich mich mit Inhalten beschäftigen darf, die mich jeden Tag aufs Neue begeistern, ist es, was mich hier hält.  

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine Arbeit ist eine Kombination aus Entwicklung, Anwendung und Vermittlung digitaler Methoden. Im Projekt forTEXT, in dem ich arbeite, bieten wir Einführungen in Software und Methodik der digitalen Geisteswissenschaften für interessierte Geisteswissenschaftler*innen an, die derzeit noch eher traditionell-analog arbeiten. Ich selbst schreibe einführende Artikel und Tutorials, erstelle Screencast und Fallstudien-Videos und betreue die Social-Media-Kanäle des Projektes. Es gehört aber auch zur Arbeit in diesem Projekt, sich an der Entwicklung des geisteswissenschaftlich ausgerichteten Computerprogrammes CATMA zu beteiligen. Darum arbeiten im Team sowohl Geisteswissenschaftler*innen als auch Entwickler. Und ich biete Seminare an der Universität Hamburg an, die neben einem kultur- und/oder literaturwissenschaftlichen Thema auch immer digitale Methoden beinhalten.  

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Die digitalen Geisteswissenschaften sind in der Öffentlichkeit noch nicht sehr bekannt. Dabei beschäftigen wir uns mit vielen Phänomenen, die aus dem Alltag nicht wegzudenken sind. Wir nutzen lernende Algorithmen, analysieren Netzwerke in literarischen Texten, die sozialen Netzwerken oft nicht unähnlich sind, oder schauen uns an, mit welchen Emotionen und Wertungen Genderrollen in Büchern als Kulturgut verbunden werden. Unsere Forschung ist also oft thematisch alltagsnah und gibt uns darüber hinaus Einsichten darüber, wie digitale Phänomene funktionieren. Naja und natürlich handelt es sich um eine ziemlich neue und bunte Art, Literaturwissenschaften zu betreiben. Ganz offen gesagt, macht es einfach großen Spaß, kulturelle Phänomene auf diese Weise zu betrachten. Das kann man der Öffentlichkeit doch nicht einfach vorenthalten, oder?  

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Mir ist Wissenschaftskommunikation extrem wichtig. Darum habe ich einen Blog namens "Lebe lieber literarisch", zu dem auch ein Podcast gehört. Darin schreibe und spreche ich über Literaturwissenschaften, Digital Humanities und Wissenschaftskommunikation.
Außerdem habe ich auf einer Konferenz Anfang des Jahres 2020 Lisa Kolodzie, Jonathan Geiger und Patrick Toschka kennen gelernt. Im Juli haben wir zusammen einen weiteren Podcast gelauncht, der RaDiHum20 heißt. Darin interviewen wir Kolleg*innen aus den digitalen Geisteswissenschaften zu ihren unterschiedlichen Arbeitsbereichen.   

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Schon seit meiner frühen Kindheit ist das Tanzen mein großes Hobby. Von Ballett über Modern und HipHop und Jazz habe ich in meiner Kindheit und Jugend fast alles ausprobiert. Bis heute ist tanzen das, was mich am schnellsten vom Alltag ablenken, mich erden und mir neue Energie geben kann.
Da ich aber ziemlich schnell und leicht zu begeistern bin, probiere ich auch einfach gern Neues aus. Das endet dann in so Phasen. Mal ist es eine Inline-Skate-Phase, mal verbringe ich gerne Zeit auf meiner Couch mit dem Häkeln niedlicher kleiner Dinge, dann starte ich plötzlich einen TikTok-Kanal, um zu testen, wie man dort Wissenschaftskommunikation betreiben kann. Im Grunde weiß ich also selbst nicht, welche Idee mich als nächstes mit sich fortreißt.   

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ich bin eine totale Sonnenanbeterin und mein idealer freier Tag sieht darum so aus: Die Sonne scheint, es ist warm und ich bin mit Büchern, Hängematte, Picknick und meiner Familie im Park oder am Meer.

Bitte begrüßt Mareike ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, November 1, 2020

In der Mensch-Roboter-Schnittstelle - Doris Aschenbrenner ist jetzt bei Real Scientists DE!

 Mit großer Vorfreude möchten wir euch unsere neue Kuratorin Doris Aschenbrenner (@aschenbrennerin) vorstellen! Doris ist Assistenzprofessorin an der TU Delft. Ihr Forschungsinteresse liegt hauptsächlich darin, nachhaltige Beschäftigung in der "vierten industriellen Revolution" zu schaffen. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit "Mensch-Roboter-Koproduktion" und damit, das Hybridsystem aus Arbeiter ("operator 4.0") und Automations-/Robotersystems im Hinblick auf Arbeiterwohlergehen und Systemleistung zu optimieren.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?
Ich hab schon in der Schule bei Jugend Forscht mitgemacht weil ich es total spannend fand neue Dinge herauszufinden und vor allem zu bauen. Wir haben dabei zum Beispiel einen semantischen Chatbot gebaut, einen Verschlüsselungsalgorithmus und über mehrere Jahre unseren ersten selbst gebauten Roboter weiter entwickelt. Ich habe in der Uni auch schon lange am Lehrstuhl gearbeitet, daher war der Wechsel in die Forschung mehr oder weniger logisch (vermutlich hätte ich damals länger darüber nachdenken sollen wo ich promovieren will und worüber genau anstatt einfach irgendwie weiter zu machen). Ich habe an einem außeruniversitären Institut sehr industrienah promoviert, was zwar viele Vorteile hat, für eine reine wissenschaftliche Karriere vielleicht aber nicht die beste Wahl ist. Für mich kam die "große Frage" ehrlich gesagt erst nach der Promotion - in meinem Feld gibt es sehr gute Angebote aus der Industrie, und außerdem hatte ich mit anderen damals zusammen unsere Firma Awesome Technologies gegründet. Ich habe mir die "Bedenkzeit" mit einem Auslandsstipendium des DAAD an der TU Delft überbrückt (früher Fit weltweit, jetzt IFI - sehr empfehlenswert, ich nehme auch immer gern Leute aus diesem Programm). Joa. Und das war dann irgendwie Liebe auf den ersten Blick.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Roboter fand ich schon immer super spannend, das war schon vor dem Studium klar. Was ich während meiner Promotion in Zusammenarbeit mit den beteiligten Firmen P&G und KUKA Industries gemerkt habe, ist dass es nicht nur um die Technologie allein geht - sondern wie die Menschen mit ihr umgehen und wie die Organisation die Innovationen unterstützt. Das führte mich zwar etwas weg von den "Hardcore" Technik Problemen, ist aber ein Thema, welches mich absolut begeistert: Wie soll die Zukunft der Arbeit in der Industrie aussehen wenn wir mit intelligenten Robotern noch enger als vorher zusammenarbeiten? Was brauchen wir dafür, wie können wir das so realisieren, dass der Mensch nicht der Befehlsempfänger des intelligenten Systems ist oder anderweitig ausgebootet wird? Es gibt wenig Leute, die dieses Thema wirklich interdisziplinär angehen, obwohl wir genau diesen Ansatz für eine langfristig wirksame "vierte industrielle Revolution" brauchen. 

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Mein Team und ich beschäftigen uns damit, wie wir den Arbeiter bzw. die Arbeiterin der Zukunft besser bei seiner oder ihrer Arbeit unterstützen können. Wir nennen das "Operator 4.0" - hier wird ein "Augmentation Layer" zwischen dem immer komplizierter werdenden Produktionssystem und dem arbeitendem Mensch gebaut. Konkret beschäftigen wir uns mit der Realisierung von Automatisierungspotentialen, die jetzt mit neuer Technologie wie zum Beispiel kollaborativen Robotern möglich ist und wie man die Zusammenarbeit zwischen Arbeitenden und Roboter zum Beispiel mit Augmented Reality unterstützen können. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir uns anschauen, ob der Mensch die zukünftigen Aktivitäten des Roboters besser voraussagen kann, wenn er oder sie eine AR-Brille aufgesetzt hat, auf dem die zukünftigen Aktionen angedeutet werden - oder ob ihn oder sie das eher störend von der Arbeit abhält. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir sind mitten in diesem Digitalisierungsschub, der an vielen Orten als "vierte industrielle Revolution" bezeichnet wird. Zusätzlich ist natürlich auch allerorts von "künstlicher Intelligenz" die Rede. Oh und da ist auch noch Corona - plötzlich muss so einiges über digitale Kommunikation gehen, was man vorher "face2face" gemacht hat. Kurz gesagt: es passiert gerade technologisch sehr viel und sehr schnell und das beeinflusst substantiell die Art wie wir arbeiten. In die Zukunft projiziert wird es gerade in der industrielle Produktion viel verändern - dort gibt es bereits viele neue technologische Lösungen. Es gibt einige Menschen die postulieren, dass bald alles digitalisiert wird und von autonomen Systemen übernommen wird. Ich unterstütze diese Denkrichtung nicht und glaube dass wir auch in Zukunft auf menschliche Arbeit angewiesen sind. Wenn Technik unser Lebensumfeld verändert müssen wir allerdings uns auch immer anschauen, was das mit dem Betroffenen macht - Veränderungen oder "Revolutionen" passieren eben nicht, weil es Werkzeuge gibt, sondern weil Menschen diese benutzen und ihr Verhalten ändern. Das nennen wir sozio-technisches System. Letztendlich geht es ja um die Frage, wie die Zukunft unserer Arbeit aussehen soll - und anstatt es "passieren zu lassen", müssen wir es gestalten - und zwar bitte so, dass es dem Menschen und nicht nur rein dem Profit nützt. 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Die TU Delft hat die oben geschilderten gesellschaftlichen Entwicklungen erkannt und ein "Vision Team Robotics" aufgesetzt, bei dem ich die Arbeitsgruppe "Robots@Work" koordinieren darf. Die TU Delft gibt mir weiterhin die Möglichkeit, dass ich mich in unsere "Fieldlabs" einbringen darf. Wir haben eine Art Forschungsfabrik, die SAM XL heißt und hier koordiniere ich den Bereich AR/VR. Weiterhin gibt es das "Center of Design of Agile Manufacturing" und das "Ultra Personalized Products and Services Fieldlab", in denen ich beidesmal den Bereich "Human-Robot Coproduction" vertreten darf. Über die TU Delft hinaus bin ich natürlich wie jeder Wissenschaftler in den jeweiligen Forschungsverbünden Mitglied, bei mir sind das die IEEE, die ASME und die Gesellschaft für Informatik. In Deutschland sitze ich in einem wissenschaftlichen Beraterkreis im "KI Observatorium" im Arbeitsministerium und ich darf im europäischen Forschungsnetzwerk "EIT Manufacturing" den Bereich "CLC Central", also die Region Deutschland, Niederlande, Belgien, Irland, Dänemark und Polen als "chair" dem so genannten "advisory board" vorsitzen. Oh und ich hab mit anderen kreativen Köpfen unsere tolle Firma "Awesome Technologies" gegründet - ein in Würzburg beheimatetes Technologieunternehmen, welches sich mit computergestützter Zusammenarbeit in der Telemedizin und der industriellen Automatisierung, sowie mit Cobot-Automatisierung beschäftigt.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich bin was Hobbies angeht ein ziemlicher Nerd. Corona-bedingt fallen aktuell Metal-Konzerte und Mittelaltermärkte, sowie Live-Rollenspiel aus, das heißt ich verbringe meine freie Zeit hauptsächlich mit aufwändigen Brettspielen. Die Events des Chaos Computer Clubs sind mittlerweile alle auf reine Online-Veranstaltungen umgezogen, so dass ich mit meinem Würzburger "Nerd2Nerd"-Leuten wieder besser Kontakt halten kann. Eigentlich habe ich noch Singen und Chor als Hobby aber das passt zum Einen aufgrund meiner Arbeitsauslastung aber natürlich auch auch im Kontext Corona gerade nicht mehr rein.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Ihr sprecht da einen wunden Punkt an ;) Aktuell würde ich sagen wenn das Wetter gut ist, dann raus und weg vom PC (In den Niederlanden wohne ich direkt am Meer und in Deutschland gehe ich sehr gerne wandern). Ansonsten kann ich gerade ohne Probleme ganze Tage mit Brettspielen verbringen.

Bitte begrüßt Doris ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, October 26, 2020

Spielend zusammenarbeiten - Judith Ackermann ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neue Kuratorin Juidth Ackermann (@jiutha) vorstellen zu dürfen! Judith ist Forschungsprofessorin für Digitale und vernetzte Medien in der Sozialen Arbeit an der FH Potsdam sowie regelmäßige Gastprofessorin an der School of Design des Politecnico di Milano. Seit 2017 leitet sie anteilig das BMBF-Forschungsprojekt „Postdigitale Kunstpraktiken in der Kulturellen Bildung“ (PKKB) und seit 2019 anteilig das Projekt „Digitale Inklusion im Kontext Sozialer Angststörungen“ (DISA). In ihrer Forschung befasst sie sich mit den Potenzialen der Digitalisierung für Gesellschaft und Kultur. Das sagt Judith zu sich in seinen eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Eigentlich überraschend. Ich habe mich für die Promotion erstmal nur eingeschrieben, weil ich nach dem Magister gern meinen Studierendenstatus erhalten wollte, um mit dem verbundenen Bahnticket kostenlos zur Schauspielschule fahren zu können. Für die Betreuungsvereinbarung musste ich ein Exposé verfassen. Dann dachte ich: ach, die Idee ist ja eigentlich ganz spannend, das könntest Du ja wirklich machen. Also hab ich gemacht, was jede*r in meiner Situation gemacht hätte: ich hab die Dissertation geschrieben und die Schauspielschule abgebrochen.  

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 

Ich habe schon mit der Dissertation einen Schwerpunkt auf digitale Medien gelegt und finde es immer noch ein spannendes Feld, weil es so dynamisch ist und man viel über die Menschen und ihre Beziehungen zu Technologie, Umwelt und Gesellschaft erfährt. An der Arbeit an einer Fachhochschule gefällt mir besonders gut, dass es immer auch darum geht aus den Forschungsergebnissen konkrete Lösungen und Anwendungen zu entwickeln. Also diesen einen Schritt weiter zu gehen. Dafür ist der Bereich der Sozialen Arbeit eine optimale Umgebung. Deshalb freut es mich sehr, dass ich an der FH Potsdam einen entsprechenden Schwerpunkt aufbauen durfte und immer noch darf.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit! 

Ich verfolge verschiedene Themen im Kontext digitaler Technologien. Vielen bin ich in erster Linie als Computerspielforscherin bekannt, allerdings ist das nur ein Teil meiner Forschungsinteressen. Was mich im Kern umtreibt ist unser digital erweitertes Zusammenleben und die Frage danach auf welche Weise digitale Medien beeinflussen, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir lernen oder wie wir an Gesellschaft und Kultur partizipieren. Computerspiele sind da natürlich ein wichtiges Feld, weil sie vielfältige Gemeinschafts- und Selbstwirksamkeitserfahrungen im Kontext digitaler Technologien ermöglichen. 

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 

Weil unser kompletter Alltag mittlerweile von digitalen Medien durchzogen ist und die Fragestellungen, die damit verbunden sind, sehr vielfältig sind. Gerade durch diese Omnipräsenz verbleibt man in der eigenen Betrachtung aber schnell auf der Nutzungsebene oder fokussiert primär Risiken. In meiner Arbeit ist es mir wichtig, Chancen aufzuzeigen und Wege zu entwickeln, digitale Technologien produktiv zu wenden, um diese in die Entwicklung einer informierter Haltung einfließen zu lassen.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Meine liebste wissenschaftliche Zusatzaktivität ist, dass ich Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Akademie für Theater und Digitalität am Theater Dortmund sein darf. Ich finde es wahnsinnig spannend mitzuverfolgen, wie die Stipendiat*innen dort Konzepte und Prototypen an der Schnittstelle von Darstellenden Künsten und Digitalität entwickeln und freue mich, die unterschiedlichen Arbeiten über einen längeren Zeitraum begleiten zu dürfen und damit auch mitverfolgen zu können, welche Entwicklungen das Feld generell macht.

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 

Mein neustes und gleichzeitig zeitaufwändigstes Hobby ist es, Wissenschaftskommunikation auf TikTok zu betreiben. Ich habe im August testweise ein kleines Format mit dem Namen #eineminutewissenschaft gestartet und erkläre dort seither in 60-sekündigen Videos ganz unterschiedliche Themen aus Hochschule, Studium und Wissenschaft. Da mein kleiner Kanal seither von 108 auf mehr als 8.000 Follower*innen angewachsen ist, werde ich dieses Hobby in jedem Fall jetzt erstmal noch ein wenig weiterverfolgen.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

An einem idealen freien Tag kann ich mal ganz gemütlich ein paar Sachen wegarbeiten. Das klingt vielleicht komisch, aber ich bin durch meine Forschungsprojekte, Gremien und Lehre ganz schön eingespannt, so dass es mir wie Luxus vorkommt, wenn ich mich mal einen halben Tag lang nur auf das Schreiben eines Artikels konzentrieren kann.

Bitte begrüßt Judith ganz herzlich bei Real Scientists DE!     

Sunday, October 18, 2020

#instafood für ein gesünderes Leben - Michael Kilb ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unseren neuen Kurator Michael Kilb (@kilb_michael) vorstellen zu dürfen! Michael promoviert am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim zum Einfluss sozialer Medien auf Essverhalten. Neben seinem Promotionsthema interessiert er sich für verschiedene Themen aus den Bereichen Prävention chronischer Erkrankungen und Gesundheitsförderung, insbesondere digitale Lösungen in der Gesundheitsförderung (eHealth & mHealth), den Aufbau von Gewohnheiten sowie die Änderung und langfristige Aufrechterhaltung von Gesundheitsverhaltensweisen. Das sagt Michael zu sich in seinen eigenen Worten:


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 

Im Verlauf meines Psychologie-Masterstudiums an der Universität Mannheim habe ich ein großes Interesse für die Gesundheitspsychologie entwickelt, da ich mich zuvor auch privat sehr viel mit Sport, Ernährung und Gesundheit beschäftigt habe. Nach Abschluss des Masters gab es an unserer Universität aber nicht die Möglichkeit, in diesem Bereich zu promovieren. Ich arbeitete dann zuerst etwa ein halbes Jahr Vollzeit in der Betreuung und Förderung von Menschen mit Autismusspektrumsstörungen und geistiger Behinderung (hier habe ich auch schon während meines Studiums im Rahmen eines 450-Euro-Jobs gearbeitet). Parallel dazu wollte ich mich für ein Zweitstudium Ernährungswissenschaften bewerben, da mich das Thema gesunde Ernährung schon immer sehr interessiert hat - allerdings wurde dann zur selben Zeit eine Promotionsstelle am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie der Universität Mannheim ausgeschrieben, für die ich mich dann bewarb. Und so hat dann alles angefangen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Die Promotion im Bereich Gesundheitspsychologie vereint meinen psychologischen Hintergrund mit meinen Interessen für Ernährung, Sport und Gesundheit. Besonders spannend finde ich den Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung. Durch effektive Präventionsmaßnahmen lassen sich viele Erkrankungen verhindern. Zudem finde ich es spannend zu erforschen, welche Faktoren zu einer erfolgreichen und vor allem langfristigen Änderung von Gesundheitsverhalten beitragen. Darüber hinaus schätze ich die Vielfältigkeit der Themen und Inhalte sowie die Interdisziplinarität in diesem Forschungs- und Anwendungsbereich.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

In meiner Arbeit am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie arbeite ich sowohl in der Forschung als auch in der universitären Lehre. Dies beinhaltet die Konzeption und Durchführung gesundheitspsychologischer Seminare (Themengebiete: Adipositas, Gesundheitsinterventionen, Prävention und Gesundheitsförderung), die Betreuung von Abschlussarbeiten und die Durchführung eigener Forschungsprojekte. In meiner Promotion befasse ich mich mit dem Einfluss sozialer Medien auf Gesundheitsverhalten, im Speziellen Essverhalten, und dem Potential/Nutzen sozialer Medien für Gesundheitsinterventionen.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren? 

Soziale Medien sind zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Egal ob Twitter, Facebook, Instagram oder YouTube - fast jede/r ist täglich dem Einfluss sozialer Medien ausgesetzt. Auch Essen und (gesunde) Ernährung sind ein essentieller Teil unseres täglichen Lebens. Interessanterweise ist Essen auch in sozialen Medien ein weit verbreitetes Thema. Dadurch ergeben sich einige spannenden Fragen, die ich versuche durch meine Forschung zu beantworten und deren Antworten für uns alle relevant sind: Was macht diese ständige Thematisierung/ Verfügbarkeit von Essen in sozialen Medien mit uns und unserem Essverhalten? Können wir soziale Medien verwenden, um eine gesunde Ernährung auf größerer Ebene zu fördern? Kann ich soziale Medien auch für mich persönlich zur Unterstützung einer eigenen Essverhaltensänderung nutzen?  

Darüber hinaus ist die Gesundheitspsychologie ein noch relativ junges Feld, das noch nicht viele Personen kennen. Dies soll sich ändern - vor allem auch weil gesundheitspsychologische Erkenntnisse häufig auf den eigenen Alltag übertragen und angewendet werden können.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 

Bis zum Ende diesen Monats arbeite ich noch als psychologische Fachkraft in der Betreuung und Förderung von Menschen mit Autismusspektrumsstörungen. Darüber hinaus betreibe ich einen Blog (https://h4bits.de/), in dem ich über gesundheitspsychologische Erkenntnisse sowie die langfristige Änderung von Gesundheitsverhalten und den Aufbau von gesundheitsförderlichen Gewohnheiten schreibe. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 

Neben der Arbeit an meiner Promotion und meinem Blog gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio und treffe gerne Freunde und Bekannte - viel mehr Zeit bleibt dann auch gar nicht mehr für andere Dinge.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?

Der ideale freie Tag startet mit Ausschlafen und einem frisch gebrühten Kaffee. Danach starte ich zu Hause entspannt in den Tag, lese kurz etwas oder schreibe ggf. an neuen Blog-Artikeln. Anschließend gehe ich Spazieren und höre dabei Podcasts oder Musik. Nach einem kleinen Mittagessen und einer kurzen Verdauungspause gehts dann zum Sport - am besten gemeinsam mit Trainingspartner/in - und anschließend in ein schönes Restaurant zum Abendessen, auch wieder gerne mit netter Gesellschaft. Der Abend klingt dann wieder zu Hause aus und ich schaue noch ein Dokumentationen oder Serien.
Natürlich sieht nicht jeder freie Tag so aus - aber die Frage war ja nach dem idealen freien Tag. 
 
Bitte begrüßt Michael ganz herzlich bei Real Scientists DE!    

   

Sunday, October 11, 2020

Wie Stress (nicht) krank macht - Maria Meier ist jetzt bei Real Scientists DE!

Diese Woche freuen wir uns sehr, euch unsere neue Kuratorin Maria Meier (@Maria__Me__) vorstellen zu dürfen! Maria an der Universität Regensburg und an der Ludwig-Maximilians Universität München Psychologie mit dem Schwerpunk Klinische Neurowissenschaften studiert. Nach ihrem Abschluss im Jahr 2017 hat an der Universität Konstanz eine Promotion am Lehrstuhl für klinische Neuropsychologie unter Leitung von Prof. Dr. Jens Pruessner begonnen. Sie möchte die Auswirkungen von Stress auf unseren Körper verstehen – insbesondere, welche biologischen Systeme von Stress beeinflusst werden und wie diese Veränderungen langfristig dazu beitragen, dass wir gesund bleiben oder krank werden.Das sagt Maria über sich in ihren eigenen Worten:

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Am Anfang des Psychologiestudiums kam Forschung nicht infrage. Weil ich mich nicht entscheiden konnte, hab mir lange die Möglichkeit offen gehalten, später als psychologische Psychotherapeutin zu arbeiten. Während des Masterstudiums und nach einem langen Abwägungsprozess habe ich mir aber irgendwann eingestanden, dass Forschung vieles von dem vereint, was mir Spaß macht und wichtig ist. Wichtige Schlüsselpunkte dabei waren Praktika und die ein oder andere einsame Wanderung in Norwegen.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort? 
Ich war von Anfang an fasziniert von den Methoden, die in der biologischen Psychologie zum Einsatz kommen – Hormone und andere Botenstoffe messen, Gehirnbilder analysieren – das finde ich immer noch ziemlich cool. Das, gepaart mit den spannenden und anwendungsnahen Fragen, die wir versuchen zu beantworten – ich glaube mir wird in diesem Feld lange nicht langweilig.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Ehrlich gesagt glaube ich sitze zu viel am Schreibtisch und gucke auf Bildschirme. Das klingt ultra langweilig. Aber ich mag das Schreiben, ich mag die Datenanalyse, ich mag die Diskussionen und Begegnungen mit spannenden Menschen in Lehre und Forschung - das alles macht meinen Arbeitsalltag für mich sehr erfüllend. Erklären, was ich da genau täglich mache fällt mir trotzdem schwer.

Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?   
Viele Menschen berichten im Alltag über Stress, oder darüber, dass es ihnen schwer fällt abuzschalten. Auch wenn es schade ist, ist Leidensdruck oft der Grund, warum man sich mit einem Thema beschäftigt. Ich glaube, dass es inzwischen viele Erkenntnisse gibt, die vielen helfen können, besser mit Stress umzugehen, und besser zu entspannen. Das sollte kommuniziert und gehört werden.

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten? 
Im akademischen Bereich bringe ich mich gern in Gremien ein und unterstütze Gruppen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs vernetzen und fördern. Und ich bin ehrenamtlich Jugendleiterin in der Jugend des deutschen Alpenvereins und gehe regelmäßig mit meiner Gruppe zum Klettern und Wandern. 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest? 
Ich bin gern in den Bergen (bergsteigen, MTBen, Ski-touren) und beim Trekking. Ansonsten bin ich eine ziemliche Leseratte.

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Wohl eine Kombi aus: Sich draußen mit Freunden verausgaben, zusammen was Leckeres kochen und den Abend gemütlich mit Spielen oder am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Bitte begrüßt Maria ganz herzlich bei Real Scientists DE!