Sunday, May 14, 2023

Was hat Stress mit psychischen Problemen zu tun und wie kann Musik Stress lindern? Anja Feneberg ist jetzt bei Real Scientists DE

Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin Anja Feneberg (@AFeneberg)! Anja ist derzeit als Postdoktorandin an der Universität Münster tätig. Sie forscht zur Rolle von Stress bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen mit einem Fokus auf das Kindes- und Jugendalter. In Ihrer Promotion an der Universität Wien hat sie untersucht, wie Musikhören im Alltag zur Stressreduktion und Linderung von Schmerzen beitragen kann. Zuvor hat sie bis 2016 in Trier und Toronto Psychologie studiert.

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Für mich war schon der erste Tag an der Uni am Anfang meines Studiums etwas ganz Besonderes. Ich bin nicht in einem akademischen Haushalt aufgewachsen und war damals ziemlich beeindruckt von der Institution und den vielen Wissenschaftler*innen, die durch Forschung Antworten auf wichtige Fragen finden und neues Wissen produzieren (inzwischen weiß ich, dass sich nach den Antworten oft wieder viele weitere Fragen anschließen :). Gegen Ende des Masterstudiums habe ich dann ein Forschungspraktikum in Kanada absolviert, das mir sehr viel Freude bereitet hat. Hier ging es um den Einfluss, den belastende Kindheitserfahrungen auf die Stressreaktion und psychische Gesundheit auch noch im Erwachsenenalter haben können. Das Thema und die Arbeit haben mich extrem fasziniert. Da wusste ich, dass ich gern weiter in der Wissenschaft arbeiten möchte.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich bin fasziniert von den Zusammenhängen zwischen psychologischen und biologischen Aspekten unseres Erlebens und Verhaltens, ganz besonders im Kindes- und Jugendalter. Das ist eine so wichtige und prägende Lebensphase der Entwicklung und wir wissen noch lange nicht genug darüber.

Erzähle uns etwas über deine Arbeit! 

Ich habe vor Kurzem meine Post-Doc Stelle an einem neu gegründeten Lehrstuhl in Münster begonnen. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt daher momentan auf dem Aufbau eines psychophysiologischen Labors zur Erfassung von körperlichen Signalen. Wir nutzen Technologien wie EKG und Hautleitwertmessung, um Informationen über die physiologischen Reaktionen von Kindern und Jugendlichen auf verschiedene emotionale, kognitive und soziale Stimuli zu erhalten. Durch diese Methode können wir wertvolle Einblicke in die Mechanismen gewinnen, die psychische Störungen beeinflussen und aufrechterhalten. Außerdem wollen wir diese Mechanismen nicht nur im Labor, sondern auch im direkten Alltag von Kindern und Jugendlichen untersuchen. Hierzu nutzen wir sogenannte „elektronische Tagebücher“ über die wir einen wichtigen Einblick in die alltäglichen Lebenswelten bekommen können.

Daneben engagiere ich mich in der universitären Lehre und komme dadurch viel in den Austausch mit Studierenden, was mir sehr viel Spaß macht. In der restlichen Zeit sitze ich vor dem PC und bin ins Schreiben von Artikeln oder Analysieren von Daten vertieft, was mich – und das hätte ich vor meiner Promotion nicht gedacht – tatsächlich entspannt.

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Ein Großteil der psychischen Störungen entsteht bereits im Kindes- und Jugendalter. Es ist wichtig zu verstehen, warum sich psychische Störungen entwickeln und durch welche Faktoren sie aufrechterhalten werden, um besser und vor allem frühzeitig gegensteuern zu können. Leider bleiben psychische Störungen in diesem Alter häufig unerkannt und chronifizieren bis ins Erwachsenenalter. Stress und der Umgang mit stressreichen Situationen können sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter einen treibenden Beitrag hierzu leisten, leider wissen wir über die genauen Prozesse im Kindesalter erst vergleichsweise wenig.

Hinzu kommt noch, dass – obwohl wir alle einmal Kinder waren – wir Erwachsene oft den Blick dafür verloren haben, was Kinder und Jugendliche wirklich beschäftigt. Die Wichtigkeit der psychischen Gesundheit der jüngeren Generation mehr Beachtung zu schenken ist im Zuge der Folgen der Coronapandemie inzwischen auch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Ich bin sehr froh, durch meine Forschung und therapeutische Arbeit dazu beitragen zu können, dass dieser Fokus im öffentlichen Diskurs weiter ausgebaut wird.   

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Momentan bin ich noch mit dem letzten Teil der Ausbildung zur Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche beschäftigt. Daneben organisiere ich regelmäßig internationale Workshops für Jungwissenschaftler*innen zu Themen wie der Entwicklung und Umsetzung von psychosozialen Interventionen und engagiere ich mich in einer Arbeitsgruppe für Open Science in der Klinische Psychologie.    

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Ich liebe Escape Rooms und versuche in jeder Stadt, die ich besuche, einen auszuprobieren, wenn es die Zeit zulässt. Ich wandere auch sehr gern in den Bergen, zumindest immer, wenn ich in meiner Heimat (dem Allgäu) bin. Seitdem ich in Münster lebe, habe ich mich auch mit dem Fahrradfahren in der flachen Landschaft angefreundet.  

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Mein idealer freier Tag hätte 48 h. Dann würde ich in der ersten Hälfte früh aufstehen, eine lange Bergwanderung in den Alpen unternehmen und abends mit Freunden auf ein Konzert gehen. Die andere Hälfte dann lange ausschlafen, Filme gucken, Spiele spielen und in den Tag hineinleben -   Hauptsache ohne Termine. :)

 

Bitte begrüßt Anja ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Wednesday, May 10, 2023

Europa in der Literatur - Corina Erk ist jetzt bei Real Scientists DE!




Diese Woche dürfen unsere neue Kuratorin Corina Erk (@DrCorinaErk) auf dem Kanal begrüßen! Corina hat in Germanistik, Literatur und Medien promoviert. Ist derzeit  Akademische Rätin a. Z. und Postdoc an der Universität Bamberg, Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften, Institut Germanistik, Lehrstuhl für Literatur und Medien. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen bei folgenden Themen: Europa-Diskurse in der deutschsprachigen Literatur vom 17. bis 21. Jahrhundert, Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft, Literatur und Medien.  

 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Nach dem Doppelstudium der Fächer Deutsch/Englisch für gymnasiales Lehramt bzw. Germanistik/Anglistik auf Magister habe ich mich entschlossen, den Weg in der Wissenschaft mit der Promotion fortzusetzen und mich in der Dissertationsschrift mit der Darstellung des RAF-Terrorismus im Film aus erinnerungskultureller Perspektive auseinandergesetzt. Es folgte eine Station im Wissenschaftsmanagement bei der Virtuellen Hochschule Bayern, bevor ich für die Habilitation an die Universität zurückgekehrt bin. Wenn ich im Nachgang darauf zurückblicke, war dieser Weg aus Sicht meiner Herkunft als #FirstGenAcademic und #Arbeiterkind alles andere als selbstverständlich.

 

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Mich reizt diese Themenvielfalt, die ich im weiten Feld von Literatur und Medien bearbeiten kann. Dazu zählen Analysen aus der Literatur vom 18. Jahrhundert bis hinein in die Gegenwart ebenso wie das Verständnis einer Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft oder eben der Konnex von Literatur und Medien. Dabei lassen sich vielfältige Aspekte in Forschung und Lehre fokussieren, beispielsweise Intermedialität und Adaptionsforschung, Gender und Queer Studies, Raumtheorien oder auch Gedächtnisforschung und Erinnerungskulturen. Das bringt auch ein Arbeiten in interdisziplinären Zusammenhängen mit sich. Und für mich mindestens so wichtig ist die Lehre an der Hochschule, die einfach unglaublich bereichernd ist, sei es in Präsenz oder online.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Mit Bildern von mir im weißen Kittel vor dem Reagenzglas im Labor stehend kann ich als Geisteswissenschaftlerin bekanntermaßen nicht dienen. Dafür treffen in meiner Arbeit vielfältige Themen und gesellschaftlich relevante Diskurse aus Medien aller Art aufeinander, sei es klassisch die Literatur, aber eben auch Film und Fernsehen, Social Media oder Comics und Graphic Novels. Damit gelingt es auch wunderbar, die Studierenden in ihrer Lebensrealität abzuholen und mit ihnen in Diskussion zu treten. Denn die Lehre macht natürlich ebenso einen Großteil meiner Arbeit aus. Daneben habe ich auch noch eine ganze Reihe von Ämtern in der akademischen Selbstverwaltung inne, die meinen Arbeitstag ausfüllen. Und allen voran verfolge ich natürlich mit meiner Habilitationsschrift zu Europa in der Literatur ein ziemlich umfangreiches Schreibprojekt.

 

Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Sowohl in meiner Dissertation zur Darstellung des RAF-Terrorismus im Film als auch in meinem aktuellen Habilitationsprojekt zu „Europa. Zur Literaturgeschichte einer Idee. Studien zu deutschsprachigen Werken vom Ende des 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts“ befasse ich mich mit eben auch gesellschaftspolitisch relevanten Themen, die im öffentlichen Diskurs zirkulieren und, etwa am Beispiel Europa, immer wieder aufs Neue Relevanz haben. So frage ich mich etwa, was wir aus ideengeschichtlichen, kulturellen und literarischen Verhandlungen von Europa in der Vergangenheit für die Gegenwart und die Zukunft Europas lernen können. Auch die Untersuchung des Einflusses von Medien auf unser ganz alltägliches Leben, seien es Film, Fotografie oder Social Media, wie darin Geschichten erzählt werden und auf welche Weise dies unsere Weltwahrnehmung prägt, spielt in und für die Öffentlichkeit eine Rolle.

 

Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

An der Universität habe ich eine ganze Reihe von Ämtern in der akademischen Selbstverwaltung und in Gremien inne, etwa als Frauenbeauftragte im Mittelbaukonvent, als Fachstudienberaterin, als stellvertretende Fakultätsfrauenbeauftragte, als Mittelbauvertreterin im Zentrum für Lehrer:innenbildung der Universität oder als Mittelbauvertreterin im Beirat der Trimberg Research Academy (TRAc).

 

Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Meine Freizeit verbringe ich im Idealfall draußen in der Natur. Und daher finden auch meine Hobbies im Freien statt. In diesem Jahr bin ich in meine dritte Saison auf dem Gravel-Bike gestartet. Daneben bewirtschafte ich eine kleine Gartenparzelle zum biologischen Gemüseanbau. Und falls es doch einmal regnet, findet man mich im Kino.

 

Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Der ideale Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück und dann geht’s raus aufs Fahrrad zu einer ausgedehnten Tour durch Wiesen und Wälder oder ab in den Garten, denn das Unkraut schläft quasi nie.


Bitte begrüßt Franca ganz herzlich zurück bei Real Scientists DE!

Sunday, April 30, 2023

Schöner Leben durch Real Scientists DE -- Jens Foell ist wieder dran!


Diese Woche kommt der Gründer selbst zu Wort: Jens Foell (@fMRI_guy) hat Real Scientists DE vor sechs Jahren ins Leben gerufen und seither nur einmal ganz am Anfang selbst auf dem Account getweetet. Aber das ändert sich diese Woche.

Jens studierte in Tübingen Psychologie und promovierte an der Uni Heidelberg in Neuropsychologie. In der experimentellen Forschung fühlte er sich immer sehr wohl. Als Real Scientists DE startete, war Jens noch komplett in der akademischen Wissenschaft tätig und lebte in den USA: an der Florida State University untersuchte er allerlei verschiedene psychologische Phänomene, von Depression bis Schmerz, mit Hilfe von funktioneller Bildgebung des Gehirns. Aber durch den RS DE Twitter-Account, den wir heute alle kennen und lieben, änderte sich bei ihm alles: 2019 wurde er eingeladen, das Konzept des Accounts bei der WissKon vorzustellen, dem jährlichen WissKomm-Treffen des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation NaWik. Dort traf er zum ersten Mal Mai Thi Nguyen-Kim sowie Lars Dittrich, der zu dem Zeitpunkt bereits Teil von Mais Team war und zuvor auch schon mal den Account kuratiert hatte. Zu der Zeit waren Mai und Lars zwei Drittel des MaiLab-Teams.

Da MaiLab schon damals eine nicht mehr wegzudenkende Größe der deutschsprachigen WissKomm war, äußerte Jens gleich damals ein Interesse daran, irgendwann mal mit dem Team zu kooperieren, auch wenn das von Florida aus eher ungeschickt gewesen wäre. Aber ein gutes Jahr später ergab es sich, dass Mai ihr Team vergrößern wollte -- und es kam ein Jobangebot, das Jens unmöglich ausschlagen konnte. Er siedelte nach Deutschland zurück und stieg aus der Forschung aus, um Vollzeit als Wissenschaftsredakteur zu arbeiten.

Bereits vor diesem großen Wechsel hatte er Gelegenheit, hier und da mal in der WissKomm aktiv zu sein: In Florida hielt er einen TEDx Talk zu Phantomempfindungen und beim Schreibwettbewerb von Science Blogs landete er zumindest auf dem dritten Platz.

Seit dem Wechsel war er an allem beteiligt, mit dem sich das MaiLab-Team beschäftigt: Darunter natürlich der MaiLab-YouTube-Kanal, der leider vor Kurzem schweren Herzens eingestellt wurde. Aber auch bei der Fernsehsendung Maithink X mischt er mit und springt durchaus auch mal in einem Yoshi-Kostüm über die Bühne. Sein besonderes Herzensprojekt dabei ist das Online-Segment "Foellig unnützes Wissen", bei dem er immer mal wieder für 60 Sekunden so richtig losnerden darf.

Aus diesen Clips entstand letztes Jahr eine ganz andere Idee: Das erste eigene Buch, mit dem Titel "Foellig nerdiges Wissen". War das Buch ein Erfolg? Hat es überhaupt jemand gekauft? Die Antwort auf diese Frage könnt ihr live miterleben: Es erscheint am 2. Mai, also am zweiten Tag von Jens' Kuration diese Woche.


Wenn ihr irgendwann mal Fragen dazu hattet, wie es im Hintergrund bei Real Scientists DE so läuft, dann ist diese Woche die beste Gelegenheit, sie zu stellen. Und natürlich spricht er auch immer noch sehr gerne über seine Forschung, selbst wenn er schon eine Weile nichts mehr publiziert hat. Denn auch wenn ihm die Wissenschaft immer Spaß gemacht hat: Sein Herz gehört schon längst Real Scientists DE, und damit auch euch allen.

Bitte begrüßt Jens ganz herzlich zurück bei Real Scientists DE!

Sunday, April 23, 2023

Wo Körper und Geist aufeinander treffen - Franca Parianen ist wieder bei Real Scientists DE!














Diese Woche dürfen wir unsere Kuratorin Franca Parianen (@FParianen) auf dem Kanal zurück begrüßen! Franca, Jahrgang 1989, ist Neurowissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Wissenschaftskommunikatorin. Ihre Arbeit erforscht das Zusammenleben auf der Ebene von Hirn und Hormonen. Und die Frage, warum es uns so schwer fällt. Ausgestattet mit einem Abschluss in Public Administration, einem Master in Neurowissenschaften und der passenden Promotion, forschte sie unter anderem am Max-Planck-Institut, genauso wie an Unis in Bremen und Utrecht. Seit 2014 ist die Wahlberlinerin als Science-Slammerin aktiv und bringt Wissenschaft auf die Bühnen von
Theatern, Kneipen und Kongressen. Dafür gewann sie überregionale Meisterschaften und den Preis der deutschen Gesellschaft für Neurologie. Inzwischen trifft man sie auch regelmäßig in den Medien, als Journalistin und auf Twitter. 2015 erschien im Rowohlt Verlag ihr Bestseller «Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage» (2017) und in diesem Jahr die Bücher "Herz Hirn und Hormone", sowie "Weltrettung braucht Wissenschaft".

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet? 
Wie alle Neurowissenschaftler:innen: Ich habe Oliver Sacks gelesen und dann hat mich das Thema nie losgelassen. Obwohl ich zwischendrin mal versucht habe Politik zu studieren.

Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?
Als Mensch mit Entscheidungsschwierigkeiten liebe ich vernetzte Themen mit vielen Berührungspunkten. Hirnforschung ist an sich schon die Schnittstelle von Natur- und Geisteswissenschaften - eine Naturwissenschaft, die uns einen ganz neuen Blick erlaubt darauf, wie wir leben und entscheiden, was wir brauchen oder was uns Angst macht mit jeder Menge Implikationen für Mensch und Gesellschaft(da lohnt sich dann auch das Politikstudium). Das Thema Hirn und Hormon ist in gewisser Weise die Schnittstelle der Schnittstelle. Der Ort wo Körper und Geist aufeinandertreffen und in Wechselwirkung miteinander tanzen (oder sich auf die Füße treten).


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!
Meine erste richtige Arbeit war beim Eine-Welt Netz. Passenderweise ging es dann später auch in der Forschung aMax-Planck Institut in Leipzig vor allem darum, was passiert wenn zwei Gehirne aufeinander treffen. Wie verstehen wir anderer Leute Gedanken und Gefühle, und wo ist da der Unterschied? Wir haben mit Ökonomen zusammengearbeitet und versucht ein Entscheidungsmodell zu entwickeln, das menschlicher und nützlicher ist als der Homo Oeconomicus. In Utrecht kamen dann die Hormone zur Fragestellung dazu: Wie beeinflussen Testosteron und Oxytocin unser sozialVerhalten; Wie beeinflussen unsere Erfahrungen als Kinder die Art, wie wir später auf Erwachsene reagieren? Heute besteht meine Arbeit vor allem darin, Menschen von solchen und anderen Erkenntnissen zu erzählen und aufzudecken, was wir daraus lernen. In Büchern, Vorträgen oder auf Twitter. 


Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?
Wir machen ständig Annahmen über den Menschen – sehr häufig zynische: Das kann man denen nicht vermitteln, jenes nicht zumuten, dafür interessiert sich sowieso keiner. Wenn sie dann doch mal was Nettes machen, sind wir oft so überrascht, dass wir am liebsten gleich das empathische Zeitalter einläuten würdenBeides lässt sich prima vorschieben, um gesellschaftlicher Veränderung auszuweichen, wahlweise weilMenschen eh in Eigenverantwortung das Richtige machenoder da nie mitziehen. Ich finde es spannender zu fragen unter welchen Bedingungen Menschen gut Zusammenarbeiten und -leben. Welche Herausforderungen liegen uns, welche fallen uns schwer? Welche Kognition steckt dahinterKann man die trainieren? Und wie baut man eine Gesellschaft, die für Menschen gemacht ist? Immerhin haben wir mindestens so viele Bedürfnisse wie Hauspflanzen – und neben Licht und Wasser kennt die Neuropsychologie noch eine Menge mehr, die wir vernachlässigen. Nach Sozialkontakt, Erholung undAnregung; Fairness, Selbstwirksamkeit und Ausschlafen.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?
Im Moment arbeite ich gerade mit Forschenden aus allen möglichen Fachgebieten zusammen am Projekt „Weltrettung braucht Wissenschaft“. Gemeinsam versuchen wir der Frage nachzugehen „Wie sähe die Welt aus, wenn wir auf Wissenschaft hören?“. Was raten die verschiedenen Disziplinen der Welt und welche hat eigentlich noch Hoffnung? Als Gruppe ein Buch zu schreibenvoneinander zu lernen und Science Slams und Veranstaltungen zu organisieren, hat großen Spaß gemacht – wie ein Dominospiel, bei dem immer jemand etwas anzulegen hat und am Ende hat man ein faszinierendes Gesamtbild, aus hochrelevanter Expertise und NerdwissenEs geht um jede Menge Themen, von denen sich die meisten nicht mal um ein Gehirn drehen - von Solaranlagen über AI Diskriminierung bis Gentechnik – aber so ist es ja auch mit den Krisen, die uns gerade beschäftigen. Die meisten Probleme lassen sich nicht auf eine Ursache oder ein Fachgebiet festnageln (naja, abgesehen von BWL). Wir müssen zusammenlegen, um sie zu lösen.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?
Schwimmen mit Musik auf den Ohren, oder Hörbücher. Wir haben die Technologie! Eine Weile unterzutauchen ist sehrentspannend und außerdem die Art, wie ich die meisten Programmierprobleme gelöst habe.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forscher sind ja auch nur Menschen)?
Vor kurzem bin ich das erste Mal im Nachtzug aufgewacht – mit Schlafanzug und Frühstück im Bett die Landschaft vorbeiziehen sehen – das fühlt sich schon ziemlich ideal an. Wenn er dann noch am Meer ankommen könnte, bin ich glücklichDann kann ich auch den Laptop ein paar Tage zulassen. Aber weil die meisten freien Tage ja keine zwei freien Wochen nach sich ziehen, tut es auch Frühstück auf dem Balkon, zusammen über irgendeinen Markt schlendern und später zum Tempelhofer Feld - auf ein Bier mit Freundinnen.


Bitte begrüßt Franca ganz herzlich zurück bei Real Scientists DE!

Sunday, April 16, 2023

Geschichte der Neuzeit leicht gemacht - Dorothée Goetze ist jetzt bei Real Scientists DE!




Diese Woche dürfen wir unsere neue Kuratorin  Dorothée Goetze (@dorothee_goetze) auf dem Kanal begrüßen! Dorothée arbeitet als Lektorin für Geschichte an der Mittuniversitetet in Sundsvall (Schweden). 2012 hat sie sich mit einer Arbeit zur Schlussphase des Westfälischen Friedens an der Universität Bonn promoviert. Anschließend war sie in verschiedenen Forschungsprojekten zum Immerwährenden Reichstag (1663–1806) u. a. bei der Historischen Kommission in München und an der Universität Marburg sowie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaften der Universität Bonn und als Gastwissenschaftlerin an der Akademischen Bibliothek Tallinn (Baltika-Stipendium) und der Universität Lund (Heinrich-Hertz-Stipendium) tätig. Neben der Historischen Friedensforschung bilden die Geschichte des frühneuzeitlichen Ostseeraums, die Reichsverfassungsgeschichte sowie die Historische Integrationsforschung weitere ihrer Forschungsschwerpunkte.


Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Puh, gute und schwierige Frage… Ich wollte immer promovieren. Das habe ich auch gemacht. Während der Promotion habe ich gemerkt, wieviel Spaß mir Wissenschaft (und vor allem die Lehre) macht und ich wollte dabei bleiben. Hat zum Glück auch geklappt! Scherzhaft habe ich damals immer gesagt, dass ich ja auch nichts anderes kann.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich bin Historikerin. Geschichte war schon in der Schule mein liebstes und bestes Fach. Die Frühe Neuzeit als Epoche habe ich erst im Studium kennengelernt, aber was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. Die Herausforderung, das Fremde im Bekannten zu erkennen und zu verstehen, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich mache das, was man als (Geistes-)Wissenschaftler*in so macht. Ich sitze allein in meinem Büro und forsche. Forschung ist tatsächlich nur ein kleiner Teil meiner Tätigkeit. Den größten Anteil macht Hochschullehre aus. Außerdem bin ich seit Anfang des Jahres Studiengangsmanagerin bei uns am Fachbereich, das bedeutet also auch relativ viel Verwaltungsarbeit.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Wissenschaft im Allgemeinen, und Geschichtswissenschaft im Besonderen, ist kein Selbstzweck. Um andere von der Relevanz unserer Tätigkeit zu überzeugen und zu gesellschaftlichen Debatten beizutragen, müssen wir als Forschende unsere Arbeit und Ergebnisse in die Öffentlichkeit kommunizieren, besonders wenn wir nicht irgendwelche tollen Maschinen oder Therapien erfinden (können).


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ja, ich bin Studiengangsmanagerin.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Eher die Standardhobbys wie Lesen, Wandern und, seit ich in Nordschweden lebe, auch Drachenjagen.


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Ausschlafen und irgendwann im Laufe des Tages ein Ausflug ans Meer, am besten mit einer Bootsfahrt!



Bitte begrüßt Dorothée ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Monday, April 10, 2023

Wie unser Körper auf Stress reagiert - Maria Meier ist wieder bei Real Scientists DE!




Diese Woche freuen wir uns auf unsere Kuratorin  Maria Meier (@Maria__Me__), die wir erneut auf dem Kanal begrüßen dürfen! Maria ist derzeit als Postdoktorandin an der Universität Konstanz und an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel tätig. Sie forscht dort zu kurz- und langfristigen Auswirkungen von Stress auf die mentale und körperliche Gesundheit. Davor hat sie Psychologie an der Universität Regensburg und der LMU München studiert und 2022 an der Universität Konstanz promoviert.

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich wollte lange Zeit Psychotherapeutin werden, vielleicht aus mangelndem Wissen darüber, welche Optionen es gibt. Gegen Ende des Studiums war mir nach Praktika in verschiedenen Bereichen klar, dass Forschung vieles vereint, was mir wichtig ist.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Ich bin fasziniert von den Methoden in der biologischen Psychologie: Hormone, Gehirnaktivität, oder epigenetische Veränderungen messen – das alles beeindruckt mich immer wieder von neuem.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Ich habe derzeit zwei Forschungsstränge, die beide etwas mit Stress zu tun haben. Zum einen arbeite ich experimentell und untersuche wie unser Körper auf Stress- und Entspannungszustände reagiert. Hier interessiert mich: Welche Faktoren verändern unsere Reaktion kurzfristig? Zum anderen arbeite ich mit Daten aus Kohorten, die in bestimmten, sensitiven Phasen ihres Lebens (beispielsweise in ihrer Kindheit und Jugend) starkem Stress ausgesetzt waren. Hier möchte ich untersuchen: Was führt dazu, dass sich solche Traumata auch noch bis ins Erwachsenenalter auf die Gesundheit und das Verhalten der Betroffenen auswirken? Wie kann man hier intervenieren?


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Stress ist ein Dauerbrenner. Ob selbst betroffen oder im Freundes- und Kollegenkreis – irgendjemand ist immer gestresst und leidet darunter. Andererseits wissen viele auch, wie schwer es sein kann, Mittel und Wege zu finden sich zu entspannen. Ein Verständnis dafür, warum Stress auftritt, kann helfen, zu intervenieren.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Ich engagiere mich in verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften für den wissenschaftlichen Nachwuchs und bin Jugendleiterin bei der Jugend des Deutschen Alpenvereins.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Ich bin gerne in den Bergen unterwegs, ob beim Trekking, Ski-Tour oder mit dem Bike, und ich mache Crossfit. Außerdem lese ich viel und tausche mich gerne über Bücher aus (dazu hab ich kürzlich mit Freunden einen Buchclub gegründet).


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Entweder draußen bzw. in den Bergen, oder mit Buch in der Therme. In jedem Fall mit Pfannkuchen.


Bitte begrüßt Maria ganz herzlich bei Real Scientists DE!

Sunday, April 2, 2023

Abheben mit künstlicher Intelligenz - Andreas Schmitz ist jetzt bei Real Scientists DE!



Diese Woche freuen wir uns auf unseren neuen Kurator Andreas Schmitz (@AkkuDoktor)! Andreas ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt,  Institut für Antriebstechnik. Er forscht im Bereich mathematische Optimierung und künstliche Intelligenz für Flugzeugtriebwerke und Gasturbinen. 

Wie bist du in der Wissenschaft gelandet?

Ich habe ein Praktikum beim DLR gemacht und bin dann kleben geblieben ^^.


Warum hast du dich für dein aktuelles Feld entschieden, und/oder was hält dich dort?

Anfangs habe ich in dem Institut CFD Codes geschrieben und dort testweise KI / Machine Learning Modelle angewendet. Das war sehr erfolgreich und dadurch bin ich dann in die Optimierungs- / KI Gruppe gekommen und bis heute geblieben. Wir sind ein kleines Team aus 3 Leuten, aber unsere Codes werden von einigen großen deutschen Firmen verwendet und das macht einfach Spaß. Also auch der Kontakt/Austausch zu Industrie. Kurzgesagt: Der Kram wird tatsächlich von irgendwem verwendet.

Und wir sind wie eine kleine Familie.


Erzähle uns etwas über deine Arbeit!

Paper lesen, Neuronale Netze trainieren / Architekturen anpassen und überlegen, Paper schreiben, Neuronale Netze trainieren usw.


Motivation: Warum sollte sich die Öffentlichkeit für deine Forschung/Arbeit interessieren?

Optimierung, Machine Learning und alles was daran hängt betrifft praktisch alle Anwendungsbereiche und das immer stärker. Witzigerweise nutzen wir die Grundlagenforschung von Google DeepMind sehr häufig für unsere Zwecke. Dinge wie ChatGPT finde ich tatsächlich nicht so spannend, da die eigentliche Entwicklung dorthin schon länger zurückliegt und ebenfalls von DeepMind stammt (OpenAccess). Die wahre Entwicklung bei ChatGPT bspw. liegt nicht in der KI Entwicklung sondern eher in der Datenvorverarbeitung usw.. Also zu den aktuell gängigen Modellen kann ich sehr viel erzählen und etwas tiefere Einblicke schaffen.


Hast du irgendwelche interessanten externen/zusätzlichen Aufgaben/Tätigkeiten?

Erwähnenswert ist vielleicht mein YoubTube Kanal Andreas Schmitz - YouTube der ist relativ groß geworden.


Irgendwelche interessanten Hobbies, von denen du uns erzählen möchtest?

Triathlon und Astromomie (Fotografie)


Wie sieht dein idealer freier Tag aus (Forschende sind ja auch nur Menschen)?

Mit meinen 2 Kids und meiner Frau verbringen.


Bitte begrüßt Andreas ganz herzlich bei Real Scientists DE!